World’s Finest

Batman hasst Superman (und schlägt Robin)

Backpfeife für Robin

Titel: The Saga of Superman vs. Batman/The Clash of Cape and Cowl

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1965 (World’s Finest Comics #153)


„Don’t tell me I’m wrong, you brat … proving Superman’s guilt is my whole mission in life!“ (Batman)

Das Bild kennt mittlerweile jeder, der im Netz unterwegs ist: Das Motiv „Batman schlägt Robin“ ist zu einem Meme geworden. Heute will ich die Geschichte dahinter erzählen, denn es ist eine besonders interessante Geschichte: Es geht um einen Kampf zwischen Batman und Superman. Allerdings handelt es sich um eine „imaginary story“, also nur ein Was-wäre-wenn-Szenario. (Solche Geschichten nannte man seit den 90ern „Elseworlds„.)

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Batman hasst Superman, weil er überzeugt davon ist, seinen Vater ermordet zu haben. Thomas Wayne hat ein Gegenmittel für Kryptonit entwickelt, wollte es dem damaligen Superboy aber nicht geben, kurz darauf fand der junge Bruce seinen Vater tot im Labor, während eine blau-rote Gestalt davonflog. Das konnte nur Superboy sein!, dachte sich Bruce, schwor Rache und wurde zu Batman.

Obwohl es keine Beweise gibt, hält Batman seinen Verdacht für eine Tatsache. Als Robin daran einmal berechtigte Zweifel äußert, kriegt er nicht nur eine Abreibung von Batman, sondern danach auch das Gedächtnis gelöscht. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn.

Mit derselben Logik will er Supermans Schuld beweisen: Superman muss das Anti-Kryptonit-Serum haben. Zwar hat er es noch nie benutzt, obwohl er mehrere Male mit Kryptonit konfrontiert war, aber – so denkt Batman, er müsse es für einen besonderen Notfall aufheben. (Als ob eine Konfrontation mit Kryptonit kein solcher Fall wäre.) Als Batman einmal einen Bankraub von Lex Luthor vereitelt (Luthor entkommt aber), schenkt ihm Superman zum Dank einen Gürtel, mit dem man fliegen kann.

Batman nutzt den gleich für seine Zwecke und spürt den Weg zu dessen Festung der Einsamkeit auf. Dort wird er allerdings nicht fündig. Hat Superman das Serum vielleicht schon benutzt? Schließlich offenbart Batman sich Lex Luthor und verbündet sich mit ihm. In der entscheidenden Szene wirft er Superman mit einem Kryptonit-Batarang vom Himmel ab und nimmt ihn gefangen. Weil Luthor sich verplappert, wird klar, dass er das Serum gestohlen hat. Batman sieht seinen Fehler ein, befreit Superman, Lex erschießt Batman. Im Sterben sagt er noch zu Superman, was für ein tolles Team sie unter anderen Umständen geworden wären.

Allerdings bleibt „Batman gegen Superman“ ein beliebtes Motiv. (Ganz zu schweigen von Batman gegen Robin, die Szene wird sogar im Animationsfilm Batman vs. Two-Face zitiert.)

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Wie Batman zu Two-Face wurde

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Titel: The Jekyll-Hyde-Heroes

Autor/Zeichner: Jim Shooter/Curt Swan

Erschienen: 1968 (World’s Finest #173), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„Alfred’s coffee gets better every day!“ (Batman)

Nachdem der ruchlose Wissenschaftler Dr. Arron von Batman und Superman davon abgehalten wird, menschenverachtende Experimente durchzuführen, rächt sich dieser an den World’s Finest: Er verwandelt sie durch eine Tücke in ihre schlimmsten Feinde, Superman in Kralik, Batman in Two-Face. Da beide aus Nostalgie die Kostüme ihrer Erzfeinde als Andenken bewahren (oder sollte man sagen: ehren?) entwickeln sie den Drang, sich so umzuziehen, wie sie sich fühlen und daraufhin bricht das Chaos aus.

Batman wird als Two-Face sofort zum Bankräuber. Von jetzt auf gleich hat er nicht nur eine Bande williger Schergen in passenden Kostümen beisammen, sondern auch eine High-Tech-Ausrüstung wie etwa einen Panzer mit zwei Kanonenrohren, eine raketenbetriebene fliegende Riesenfaust, Antimaterie-Kanonen und ein täuschend echtes Two-Face-Roboter-Double. Es wirkt so, als hätte er es geahnt, dass sich ihm ein Superschurke in den Weg stellen würde. So kommt es zum Kampf mit Kralik – warum auch immer.

Heiliger Doppellauf!, würde Robin jetzt sagen, aber der wird vom bösen Dr. Arron ausgeknockt, noch bevor er die Sache verstehen und das Problem lösen kann. Batman-Two-Face trifft auf Arron, der wird ohnmächtig, seine fürsorglichen Schergen päppeln ihn mit Wasser wieder auf, aber das enthält das Wundermittel, das andere zu ihren Erzfeinden macht. Und so verwandelt sich Arron in Batman und Superman zusammen, auch bekannt als Composite Superman, jenen Schizo-Helden, der in der Mitte geteilt ist und das Beste beider Helden vereint. Blitzschnell besorgt er sich sein lächerliches Kostüm, bevor er die beiden Schurken ausknockt (denn ohne Kostüm macht es nur halb so viel Spaß) und Batman und Superman sind wieder sie selbst.

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Der seltsame Fall des Jonathan Crane

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Titel: The Riddle of the Human Scarecrow

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Jerry Robinson

Erschienen: 1941 (World’s Finest Comics #3)


„Poor Crane! He looks like a scarecro in those clothes – he certainly is a queer fellow“

Oft ist es ein Ereignis aus der Kindheit, das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt. Jonathan Crane hat schon als Kind schon gerne Vögel aufgescheucht. Und so fasziniert ihn noch als Erwachsener die Angst so sehr, dass er sie als Psychologe erforscht und bei seinen Vorlesungen seinen Studenten einen Schrecken einjagt, indem er sinnlos mit einer Pistole herumballert. Das kostet ihn dann bald darauf den Job. Aber das macht nichts, denn schon zuvor hat er einen anderen Weg gefunden, wie man bequem Geld verdienen kann: indem er als Vogelscheuche verkleidet anderen Leuten Angst einjagt.

Crane sucht einen Geschäftsmann auf und bietet ihm für ein Honorar seine Dienste an: Als Scarecrow will Crane seinen Rivalen, der ihn vor Gericht verklagt, so sehr zu erschrecken, dass dieser daraufhin die Klage fallen lässt. Warum er nicht einfach den ersten erpresst, ist wohl ein Teil des Rätsels um diesen seltsamen Fall bleiben. Doch auch der umständliche Plan bleibt zunächst erfolglos, weil das Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Crane muss mit Gewalt nachhelfen – und wird zum Mörder. Macht nix, denn er bekommt, was er will: Geld. Und damit kauft er sich Bücher, noch mehr als er ohnehin schon hat.

Jonathan Crane muss man nicht verstehen, aber er bietet viel Potenzial dazu: denn es ist die tragische Geschichte eines Nerds, der in abgewetzten Klamotten herumläuft, weil er lieber sein ganzes Geld in Bücher investiert. Und damit wird er zur Identifikationsfigur für die Außenseiter und Comicsammler, denen es ähnlich gehen dürfte. Hätte  man bloß den Respekt, von anderen gefürchtet zu werden, hätte man bloß die Kohle, um sich alles zu kaufen, was einem noch fehlt … Crane aber übertreibt es: er protzt mit seinem Swag. Und er kriegt den Hals nicht voll, er stiehlt sogar Bücher, obwohl er es nicht nötig hätte. Das wird ihm zum Verhängnis.

Batman und Robin kommen ihm auf die Spur. Obwohl sie mit vereinten Kräften auf ihn losgehen, gibt ihnen Scarecrow ordentlich was zu tun. Dünne Typen kämpfen, wie wir seit Tyler Durden wissen, bis sie Ragout sind. Und auch Batman muss am Ende gestehen: „He certainly gave me the fight of my career“. Da weiß der Held aber noch nicht, dass ihm der größte Kampf noch bevorsteht, nämlich der gegen seine eigenen Ängste, wenn Scarecrow sein Angstgas auf ihn loslässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Batman stiehlt Joker die Show

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Titel: The Crimes of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (World’s Finest Comics #61), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Look! It’s Batman and some clowns! Ha-ha! This must be a special act!“

Batman, der Verbrecher! Gleich drei Schandtaten begeht er hintereinander: er betrügt, stiehlt, tötet sogar! Wirklich? Natürlich nicht. Aber so hätte es der Joker gerne. Nachdem der Joker einmal unfreiwillig Batman dazu verholfen hat, eine Gangsterbande hochzunehmen, will sich der Schurke rächen und den Helden richtig in die Scheiße reiten.

Es beginnt damit, dass der Joker mal wieder aus dem Knast entlassen wurde. Schon wieder? Nach so kurzer Zeit? Angesichts des rigiden US-Justizsystems ist das eine beachtliche Leistung, für einen unverbesserlichen Räuber ständig wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden. Ganz zu schweigen von den Morden im Golden Age … aber die scheinen in den 50ern bereits vergessen zu sein.

Aber ich schweife ab. Der Joker nimmt Robin als Geisel und verlangt von Batman, drei Verbrechen zu begehen: Betrug, Diebstahl und Mord. Aber Batman wäre nicht Batman, wenn er für das Problem nicht eine ausgefuchste Lösung parat hätte. Nein, nicht was ihr denkt: Ja, heute würde Batman einfach über den Joker und seine Handlanger herfallen und ein paar gebrochene Knochen später wäre Robin wieder frei. Aber wir sind hier im Silver Age, da lässt sich Batman auf solche Spielchen ein.

Batman betrügt, indem er seinen Tod vortäuscht. Er stiehlt, indem er der Joker-Bande einen Coup vermiest – er stiehlt also dem Joker die Show. Und am Ende erweist Batman sich als mehrfacher Mörder: er schlägt Zeit tot, haut das Publikum um und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe (im Original: „kill two birds with one stone“). Ihr seht: Batman lässt keinen, aber wirklich keinen Kalauer aus, um seinen Witz auszureizen.

Aber auch sonst ist unser Held in Topform: Zuerst schaltet Batman die Bande spielend mit Golfschläger und Football aus, dann führt er mit dem Joker Trapez-Kunststücke im Zirkus auf und schließlich verkleidet er sich sogar als Joker im Clownskostüm. Leider hat Zeichner Bob Kane letztere Szene zu bescheiden inszeniert. Aber sonst ist die Story ein mustergültiges Comic seiner Zeit: herrlich fantasievoll und schräg.

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Unentschieden nach Revanche

Batman v Superman, Teil 31: The Bewitched Batman (1960)

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Titel: The Bewitched Batman

Autor/Zeichner: Jerry Coleman/Curt Swan

Erschienen: 1960 (World’s Finest #109)


„I must fight and overpower the world’s strongest man!“ (Batman)

„It’s like an unmovable object is meeting an irresistable force! Neither of us can make any progress!“ (Superman)

Batman dreht durch. Nachdem er eine Höhle erforscht hat (fragt nicht warum), ist er besessen davon, den Willen eines mittelalterlichen Zauberers zu erfüllen. Zunächst verlangt es ihn danach, einen Drachen zu besiegen. Robin ruft Superman herbei, der keine Mühe scheut, dem Freund den Wunsch zu erfüllen. Superman tut das, was wahrscheinlich jeder mit einem Irren machen würde: er stattet ihn mit Superkräften aus. Dann grast er mal eben ein paar Sonnensysteme nach einem Wesen ab, das einem Drachen ähnlich sieht (und sogar Feuer speit), und als er es findet, bringt er es blitzschnell zur Erde. Da das Vieh wie durch ein Wunder den Trip durchs All auch ohne Raumschiff überstanden hat, kann sich Batman nach Herzenslust an ihm auslassen. Ein Fausthieb und der Pseudo-Drache ist hin. Bevor sich der Tierschutz beschweren kann, bringt Superman das Alien wieder zurück.

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Doch für Batman ist das erst der Anfang. Daraufhin setzt er sich eine Narrenkappe auf und erfüllt in der Stadt jedem seine Wünsche. Natürlich nutzen das Gangster aus. Batman zerstört ein Rathaus, reißt ein Loch in eine Straße und plappert fast die Geheimidentitäten von sich, Robin und Superman aus – doch da greift Superman ein. Schließlich muss Batman noch eine dritte Aufgabe erfüllen: Den stärksten Mann der Welt besiegen. Also kommt es zur zweiten Keilerei zwischen Batman und Superman. Letzterer hat eigentlich keine Lust drauf, erst recht nicht, weil er lieber Menschen vor einem Waldbrand retten würde. Doch dabei stört ihn Batman, der zunächst mit Granit nach ihm wirft und ihn dann mit einem Baum angreift (das hat er schon beim ersten Kampf gemacht). Da Superman einsieht, dass der Kampf zu nichts führt, weil beide gleich stark sind, lässt er sich von Batman wegschleudern, im Glauben, dass dann Batman wieder zur Besinnung kommt.

Batman gegen Superman: Der zweite Kampf. (DC Comics)

Batman gegen Superman: Der zweite Kampf. (DC Comics)

Und so kommt es auch. Batman löscht selbst den Brand. Und weil keine weiteren bescheuerten Aufgaben mehr auf der Liste des Zauberers standen, ist der Bann endlich gelöst. Am Ende wird der Hintergrund dieser ganzen Affäre halbwegs logisch erklärt, aber das muss uns nicht kümmern. Wir halten bloß fest: auch der zweite Kampf der World’s Finest endet unentschieden. Denn Kämpfen zwischen Superfreunden, das gehört sich einfach nicht.

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Titanen beim Hahnenkampf

Batman versus Superman, Teil 30: Battle of the Super-Heroes (1958)

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Titel: Battle of the Super-Heroes

Autor/Zeichner: Dave Wood/Dick Sprang

Erschienen: World’s Finest #95 (1958), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 2 (2001), Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 1 (2016)


„And if anybody puts you out, it’ll be me!“ (Superman zu Batman)

Antipoden waren Batman und Superman schon immer. Am Anfang ihrer Bekanntschaft waren sie Konkurrenten, als Helden und in der Gunst von Lois Lane (Superman #76/World’s Finest #71). Doch danach arbeiteten sie gerne zusammen. Als Kumpels durch dick und dünn. Zusammen mit Robin bildeten sie das Dynamische Trio. Die World’s Finest gegen die größten Schurken wie Lex Luthor und Joker. Doch vier Jahre später, 1958, war plötzlich Schluss damit. Batman und Superman konnten einander nicht mehr ausstehen. Die Rivalen wurden zu Kontrahenten – es kam zum ersten Kampf der Titanen.

Es beginnt alles damit, dass Batman aus heiterem Himmel (buchstäblich!) Superkräfte bekommt und damit offenbar auch ein größeres Ego. Denn statt zu hinterfragen, was mit ihm passiert ist, wird er sogleich übermütig. Als Superman bei einem Hausbrand helfen will, kommt ihm Batman in die Quere: Er schafft erst mal eine Menge Stahl heran, formt daraus ein riesiges Sägeblatt und trennt damit das brennende Gebäude von der benachbarten Bank. Seltsame Priorität: Statt den Brand zu löschen oder die Bewohner zu retten, bringt er zunächst das Geld in Sicherheit. Superman stellt sich aber auch nicht rücksichtsvoller an. Er löscht zwar den Brand, aber statt Superpuste zu verwenden, fliegt er mit dem Haus in die Stratosphäre, damit dem Feuer die Luft wegbleibt. Dass auch Menschen atmen müssen, daran denkt er nicht. Vielmehr scheint ihn zu wurmen, dass Batman so mächtig ist wie er. So lässt er sich auf den Hahnenkampf ein.

Die Stimmung ist gereizt. Die beiden dissen sich gegenseitig und drohen an, den anderen gerne vermöbeln zu wollen. Nach zwei weiteren Rettungsaktionen bei denen sich die beiden ihr Revier streitig machen, kommt es schließlich zum Kampf: Superman prügelt Batman durch eine Wand, Batman revanchiert sich mit einem Laternenmast, Superman wirft mit Felsbrocken, Batman schlägt sie mit einem Baumstammm zurück. Das Ganze gipfelt darin, dass sich beide wie Rammböcke eine Kopfnuss verpassen.

World's Finest #95 (1958)

Batman v Superman: Battle of the Superheroes

Robin ist hier die Stimme der Vernunft. Er geht dazwischen und ermahnt die beiden, sich um zwei havarierte Schiffe zu kümmern. (Aus irgendeinem Grund ist ständig irgendwer in Not.) Dann wird Robin plötzlich von zwei Aliens entführt, die ihm erklären, was los ist. Sie haben bloß herausfinden wollen, wer der größere Held ist. Sie wollten sehen, ob Batman Superman besiegen würde, wenn er Superkräfte hätte. Also entführte man die Helden und manipulierte sie so, dass sie einander bekämpfen. Wie gut, dass es für alles einen Strahl gibt: Einen für Superkräfte, einen für Hass und einen für Gedächtnisverlust. Und wie gut auch, dass es für alles einen Hebel gibt, um alles wieder rückgängig zu machen. Um’s kurz zu machen (wir haben nur noch eine Comic-Seite Erzählzeit): Robin betätigt den Schalter und alles ist wieder wie früher. Freundschaft mit Entschuldigung und Handshake. Superman drückt dabei aber etwas fester zu, Batman schreit auf. Superman bittet um Verzeihung, aber so ganz kann man ihm nicht abkaufen, dass er bloß seinen Vorteil ausnutzen will, um Batman eins auszuwischen.

Und wie endet nun der Wettkampf? Unentschieden natürlich. Bei den World’s Finest gibt es keine Reihenfolge. „And so a friendship is renewed — and a feud finished forever!“, heißt es am Ende, als Batman und Superman mit Robin in der Mitte sich ihrer Idylle erfreuen. Aber später wird es in der Serie alle paar Ausgaben zu einer Keilerei zwischen ihnen kommen, fast regelmäßig (z. B. in World’s Finest #109, #132, #143, #153, #163, #176, #185). Feindschaft ist einfach reizvoller als Freundschaft.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig

Batman versus Superman, Teil 29: Enemies Among Us (2006-2007)

DC Comics

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Titel: Superman/Batman Vol. 3 (Enemies Among Us/Stop Me If You’ve Heard This One/Metal Men/Nevermore)

Autor/Zeichner: Mark Verheiden, Joe Kelly/Ethan Van Sciver, Ed McGuiness u.a.

Erschienen: 2006-2007 (Superman/Batman #27-36, Superman/Batman Annual #1, Paperback 2007, Gesamtausgabe 2016), dt.


„… today’s stories need angst!“

Der dritte große Sammelband der Serie Superman/Batman enthält vier Storys. Eine erzählt das erste Mal neu, in einer anderen schlüpfen die Helden in Frauenkörper, die dritte handelt von den Metal Men, die vierte enthält einen Kampf der Titelhelden. Beginnen wir mit letzterer.

Enemies Among Us

Der Martian Manhunter greift grundlos Batman an. Dann stellt sich heraus, dass es nur ein unbekannter Formwandler war, der in verschiedenen Erscheinungen auftritt und Chaos stiftet. Schließlich wird klar, dass unbekannte Aliens die Aliens auf Erden dazu aufrufen, die Menschheit zu vernichten. Als auch Superman dem Wahn anheim fällt, will er Batman töten, Kryptonit hält ihn davon ab, aber dann ergreift die dunkle Macht auf Besitz von Batman und er greift Superman an. Es kommt zu einer handfesten Auseinandersetzung, bei der zuerst Superman einstecken muss, bevor er Batman in blutige Fetzen schlagen darf. (Batman überlebt das dank der Alien-Kraft.) Als der Dunkle Ritter wieder zur Besinnung kommt, versöhnt man sich wieder und geht gegen die wahren Schurken, Lex Luthor und Despero vor.

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Das Interessanteste an der Story ist, dass sie von Alfred Pennyworth erzählt wird, während er Tee trinkt. Das hebt etwas das Niveau dieser etwas verworrenen, aber doch banalen Geschichte. Das Problem an dieser Story ist das große Figurenaufgebot: Manhunter, Plastic Man, Green Lantern, Supergirl usw. Man hat eher das Gefühl, ein Justice League-Abenteuer zu verfolgen, als ein klassiches Team-up der World’s Finest. Dadurch kommen die Hauptfiguren etwas zu kurz, der uninspirierte Kampf entschädigt nur wenig dafür.

Stop Me If You’ve Heard This One … (Superman/Batman Annual #1)

In dieser Nacherzählung der ersten Begegnung von Superman und Batman (Superman #76, 1952) arbeiten Superman und Batman bereits als Team zusammen, aber kennen noch nicht ihre Geheimidentitäten. In zivil begegnen sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff: Clark Kent und Bruce Wayne machen zufällig dort zeitgleich Urlaub. Wegen eines Buchungsfehlers müssen sie sich nicht nur (wie im Original) ein Zimmer, sondern sogar ein Bett teilen. Highlight: Bruce klaut Clark die Decke.

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Das war’s auch schon an Höhepunkten. Denn um die etwas altbackene Story ansprechender zu machen, wurde sie aufgepimpt – und das mehr als nötig. Nicht nur, dass Deathstroke ein Attentat auf Wayne zu verüben versucht, es kommen auch noch die bösen Doppelgänger vom Crime Syndicate aus einem Paralleluniversum dazu (Dimensionsriss!). Außerdem noch ein anderer Deathstroke, der sehr an Deadpool erinnern soll (Anspielung auf das Plagiat!). Während des Vorfalls finden Clark und Bruce heraus, mit wem sie sich das Zimmer teilen. Aber so witzig, wie das sein soll ist es leider nicht. Eher eine peinliche Reihe von Kalauern und Klamauk. Dass am Ende noch Mr. Mxyzptlk für alles verantwortlich ist, macht die Sache nicht besser.

Nevermind

Superman und Batman finden sich durch Schurkeneinfluss in den Körpern von Power Girl und Huntress wieder. Bevor ihre Persönlichkeiten von denen ihrer Wirtinnen verdrängt werden, müssen sie zurück in ihre alten Körper finden. Da bleibt keine Zeit für eine umoralische Selbstbegutachtung … Der Titel sagt alles. Ein typisches Füllmaterial wie in Power Girls Brüsten, so leer wie Huntress‘ Ausschnitt. (#Aufschrei etc.)

Metal Men

Eine Story mit den Metal Men kann nur eines sein: Schrott. Die Metal Men sind ein Haufen Loser, die über ihre Minderwertigkeitskomplexe jammern und sich selbst bemitleiden – und zwar zurecht, denn abgesehen von ihren plumpen, eindimensionalen Charakteren und ihren Unzulänglichkeiten (warum stottert der eine und warum ist der andere dumm, wenn die anderen offenbar besser konstruiert sind?), haben sie eine ziemlich miese Firewall, denn sie drehen gleich bei jeder Gelegenheit durch, wenn sie mal von einem Computervirus befallen werden. In dieser Story versucht ihr Schöpfer, Dr. Magnus, sie als Sicherheitsleute bei Wayne Enterprises unterzubringen. Es dauert keine fünf Minuten, bis sie nicht mehr tun, was sie tun sollen. Brainiac sei Dank. Superman und Batman biegen natürlich alles wieder hin. Aber die Metal Men hat man danach so was von satt …

Bilanz: Verzichtbar.

Luthor und Joker gründen ein Start-up

Batman versus Superman, Teil 27: Superman and Batman’s Greatest Foes (1957)

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Titel: Superman and Batman’s Greatest Foes

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1957 (World’s Finest #88), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 2 (2001), Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 1 (2016)


„… there’s something bigger behind this jokes!“ (Superman)

„Good partners, I mean, cellmates should never argue!“ (Batman)

Die ersten gemeinsamen Abenteuer der World’s Finest, Superman und Batman, waren bisher Kinkerlitzchen. Hier bekommen sie es endlich mit richtigen, klassischen Schurken zu tun, denn zum ersten Mal machen Lex Luthor und der Joker gemeinsame Sache. Ihr Plan ist so genial, dass die beiden Schurken sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Der Joker lobt Luthors Genie, Luthor lobt Jokers Sinn für Humor. Die beiden gründen ein Unternehmen, eine Fabrik, um genau zu sein. Ganz legal, ganz offiziell. Was sie herstellen, ist zunächst geheim, aber sie beteuern ehrliche Geschäftsmänner werden zu wollen. Also düsen sie gemeinsam im Jokermobil durch die Gegend und lachen über den Witz, den sie auf Kosten der Helden machen.

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Die bleiben nämlich skeptisch. Auch als die Schurken der Öffentlichkeit präsentieren, was sie gebaut haben: die Mechano-Men, menschenähnliche Roboter, die selbst bei starker Hitze und großem Druck schwere Arbeiten verrichten können. Doch selbst als Superman und Batman eine Demonstration sehen, vermuten sie einen Schwindel. Dreimal glauben sie auch, die Schurken auf frischer Tat ertappt zu haben: der Joker fängt einen Mann in einem Käfig, dann versucht er, einen mit seinem Auto zu überfahren, einmal bringt Luthor eine Lawine in Gang. Doch jedesmal erweisen sich die Aktionen als Experimente für die Mechano-Men.

Batman und Superman stehen immer wieder als Idioten da.

Und trotzdem geben sie nicht auf. Auch als Superman sich als Mechano-Man ausgibt und er meint, die Verdächtigen bei einem Raub zu erwischen, stellt sich das Ganze als sauber heraus. Erst beim fünften Versuch haben die World’s Finest Recht: Luthor und Joker geben eine Show mit ihren Mechano-Men, während sie parallel dazu eine Bank ausrauben. Natürlich haben die wachsamen Helden längst alles durchschaut und buchten die Gauner ein. Auf eine Frage kommt aber niemand: Warum der ganze Aufwand, um Geld zu stehlen, wenn man es mit der Erfindung so viel leichter hätte ehrlich verdienen können? (Und woher hatten sie überhaupt die Mittel, die Fabrik und die Roboter zu bauen?) Als Unternehmer taugen sie jedenfalls nichts. Aber hier gilt wohl das Sprichwort: old habits die hard. So genial war der Plan dann doch nicht.

(P.S.: Mit dem Cover hat die Story übrigens nichts zu tun.)

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Wonder Woman schützt Wunderknaben

Batman versus Superman, Teil 26: Die World’s Finest von Erde 2 (2015)

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Titel: Worlds‘ Finest Vol. 6 – The Secret History of Superman and Batman (dt. Das Vermächtnis von Erde 2)

Autor/Zeichner: Paul Levitz/Jed Dougherty

Erschienen: 2015 (Worlds‘ Finest #27-32, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Paperback)


„It’s hard to imagine history working out so differently…“ (Lois Lane)

„Looking back, they were a perfect partnership: night and day, cynicism and optimism, and yet so alike.“ (Lois Lane)

Nachdem wir uns an dem alternativen Batman von Erde eins erfreut haben, schauen wir uns heute einmal an, was auf Erde zwei los ist. Während die Helden auf Nummer eins noch in den Anfängen stecken, sind sie auf Nummer zwei weiter fortgeschritten. In der Serie Worlds‘ Finest (man beachte das Apostroph hinter dem s statt wie früher davor), die bislang für das Team-up zwischen Power Girl und Huntress missbraucht wurde, wird die gemeinsame Vorgeschichte von Superman und Batman nachgetragen. Dennoch macht sich die Serie dadurch nicht um den traditionsreichen Namen verdient.

Erzählt wird mehr oder weniger die bekannte Geschichte mit einer wichtigen Variation: Intri, eine Kampfbraut von Apokolips, versucht Kal-El und später Clark Kent für ihresgleichen zu gewinnen. Doch auf Krypton verweigert Jor-El den Deal, auch wenn er dafür Krypton vor dem Untergang bewahren kann, später auf Erden beschützt die Amazone Diana alias Wonder Woman den kleinen Clark Kent vor der Entführung. Bruce Wayne wiederum muss mitansehen, wie ein Gauner seinem Vater an den Kragen will, weil Thomas Wayne sich nicht zu Schandtaten verleiten lassen will. Auch hier schreitet Diana ein, um den Jungen zu retten, weil laut einer Prophezeiung auch Batman wichtig werden wird. Das Besondere: der Vater stirbt nicht bei dem Attentat, weil der kleine Bruce Mut beweist. Warum er trotzdem zu Batman wird, wird allerdings nicht erklärt. Nach einem Zeitsprung erfahren wir, dass Bruce Wayne und Selina Kyle (Catwoman) eine Tochter bekommen, die zu Robin wird. Superman verliert seine geliebte Lois. Batman und Superman halten als Freunde zusammen.

Im weiteren Verlauf der Kernhandlung sehen wir, wie Intri immer wieder auftaucht und zurückgejagt wird. Zwischendurch fragt man sich, warum sie trotz ihrer offensichtlichen Inkompetenz immer noch mit der Aufgabe allein betraut wird. Erst nachdem sie tot ist, beginnt die apokoloptische Invasion und der apokalyptische Krieg. Ebenso rätselhaft ist, warum Batman nach dem Ausschlussprinzip davon ausgeht, die Schurkin müsse Kryptonierin sein (obwohl nichts darauf hindeutet) und warum sein selbstgeschmiedetes Kryptonitschwert sie verletzten kann, Dianas Schwert aber nicht und am Ende alle Schwerter gemeinsam die Schurkin töten. Aber wen juckt’s?

Denn erzählt wird diese „secret history“ äußerst dröge und uninspiriert, von einer Lois Lane, die in ferner Zukunft als Red Tornado gegen die Invasoren von Apokolips kämpft und bis dahin ihr Handwerk verlernt hat. Die plumpen Zeichnungen lassen selbst Schauwerte vermissen. Das ist besonders schade, weil man für die Cover fähigere Künstler verpflichtet hat. Aber so ist das häufig: Man lockt Leser an mit verheißungsvollen Versprechen, die nicht eingehalten werden. Daher sei hiermit davor gewarnt, mit diesem öden Comic seine Zeit zu verschwenden.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Weltbeste Unterhaltung

Batman v Superman, Teil 25: The Superman-Batman-Split (1968)

Titel: The Superman-Batman Split!/No Rest For Heroes

Autor/Zeichner: Cary Bates/Neal Adams; David Anthony Kraft/David Mazzucchelli

Erschienen: 1968/1984 (World’s Finest #176/302)


„I’ve only a few minutes to live … I’ll tell you the whole story!“ (Ronald Jason)

Nach dem Trauma, den der Film Batman v Superman hinterlassen hat, empfiehlt sich der Eskapismus in die Comicgeschichte. Deshalb geht es mit unserer Serie über die Duelle von Batman und Superman weiter. Diese Geschichte „The Superman-Batman Split!“ war offenbar so beliebt, dass DC sie gleich zweimal in der Serie World’s Finest abdruckte – beim zweiten Mal sogar mit einem etwas cooleren Cover, auf dem Batman mit Kryptonithandschuhen Superman eine reinhaut.

Am besten lässt sich die Story so nacherzählen: Kommen zwei grüne Aliens auf die Erde. Eines behauptet gegenüber Superman, Asyl vor einem Attentäter zu suchen, das andere erzählt Batman, es sei auf der Suche nach einem Verbrecher von seinem Planeten. Ohne tiefere Fragen zu stellen oder die Behauptungen zu überprüfen, glauben die World’s Finest einfach ihren jeweiligen Aliens und helfen ihnen. Ja, mehr noch: Die Helden sind so sehr überzeugt, dass sie gegeneinander kämpfen und dafür sogar Batgirl und Supergirl in die Sache mitreinziehen – die übrigens ebenso naiv sind. (Sehr kreativ: Superman verkleidet sich dazu als Statue von General Grant, um Batgirls Aufmerksamkeit zu bekommen.) So tritt das Team Batman und Supergirl gegen Superman und Batgirl gegeneinander an. Batman legt seine Kryptonithandschuhe an, Superman beendet den kurzen Kampf, indem er Batman mit seinem (Supermans) Umhang fesselt. Der Slapstick hätte auch gut in die Batman-TV-Serie der 60er gepasst.

Schauspieler, Alien, Schauspieler

Aber das ist noch nicht alles. Die ganze Sache beginnt damit, dass Clark Kent einen alten Schauspieler, Ronald Jason, interviewt. Obwohl Clark ein bekennender und langjähriger Fan ist, gibt er sich sehr überrascht, wie vielseitig der Schauspieler ist. Doch da entlarvt Jason zunächst den Reporter als Superman, indem er dessen Anzug wegäzt, und offenbart sich als asylsuchendes Alien. Klingt das weit hergeholt? Es kommt noch besser. Am Ende stellt sich heraus: Es gibt gar keine Aliens. Ronald Jason hat gelogen und ein doppeltes Spiel gespielt. Weil er nur noch kurze Zeit zu leben hat, wollte er noch einmal einen großen Auftritt vor dem weltbesten Publikum haben.

Superman und Batman behaupten hinterher, vielleicht nur um ihre Ehre zu retten, alles von Anfang an gewusst zu haben. Superman durchschaute die Charade und weihte Batman ein – damit Jason glücklich sterben konnte. So kommt es dann auch. Und zum Dank verschwendet der Schauspieler am Ende seine letzten Atemzüge, um die ganze Geschichte zu erzählen, obwohl die Helden sie bereits kennen. Was muss das Silver Age für eine unbeschwerte Zeit gewesen sein, als die World’s Finest nichts besseres zu tun hatten, als einer sterbenden Berühmtheit ihren letzten Wunsch zu erfüllen …

Schmankerl als Zugabe

In der Zweitauflage (World’s Finest #302) gibt es noch eine kleine Zugabe, ein wahres Schmankerl: Batman und Superman gehen nach einem gemeinsamen Abenteuer in eine Bar. Batman hat nämlich – hört, hört! – profane menschliche Bedürfnisse wie Hunger und Durst. Man setzt sich an einen Tisch, bestellt Milch. „Even a loner needs a friend, sometimes“, bekennt Batman. Doch während er bedauert, dass man vor lauter Kämpfen selten dazu kommt, Freundschaften zu knüpfen und mal in Ruhe zu reden, fangen die zwielichtigen Gestalten der Bar eine Prügelei mit den Kostümierten an. Die beiden lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Während die Gauner auf die Helden losgehen, pariert Batman die Angriffe lässig im Sitzen und man redet weiter. Schließlich, weil der Service so mies ist (die Milch lässt auf sich warten), geht man eben wieder. So muss Alfred den beiden ein spätes Brunch herrichten. Da wird klar, warum Batman eine Bathöhle braucht: zu Hause ist es doch am schönsten …

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman.