World’s Finest

Clayface und Luthor, Gesetzeshüter

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DC Comics

Titel: Superman and Batman… Outlaws

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1965 (World’s Finest #148), Hardcover 2019 (Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 2)


Eigentlich ist das keine richtige Clayface-Story, aber ich will sie euch trotzdem nicht vorenthalten, denn sie geht einer interessanten Frage nach: Was wäre, wenn Batman und Superman Schurken wären?

Unsere World’s Finest probieren eine neue Maschine aus, von der niemand weiß, was sie tut. Dass Superman sich nicht fürchtet, überrascht nicht, aber bei Batman mutet das Experiment etwas lebensmüde an. Beide überleben zwar, finden sich aber in einer feindlichen Parallelwelt wieder, in der sie als Verbrecher gejagt werden. Nicht nur die Polizei ballert gleich los, auch Lex Luthor und Clayface tauchen sofort auf, um die beiden mit Kryptonithandschellen festzunehmen. Clayface wird zum Geparden.

Bloß weg hier! Und tatsächlich: Clayface und Luthor sind die Helden dieser Welt, während Superman und Batman als größte Gauner gelten. Natürlich hat das mit dem schlechten Einfluss zu tun: Jonathan und Martha Kent waren als eine Art Bonnie-und-Clyde-Duo unterwegs, als sie Klein-Kal-El fanden, später plünderte er Banken für sie. Thomas Wayne war ein bekannter Einbrecher, ein „cat-burglar“, der ohne erfindlichen Grund seinen Sohn zu einem Batman gemacht hat.

Als die World’s Finest auf die World’s Worst stoßen, komm es zum unvermeidlichen Duell. Die Guten ziehen den Kürzeren. Daraufhin wollen die Bösen die Maschine klauen, um in die andere Dimension zu reisen und dort Reibach zu machen. Als die Guten das verhindern wollen, werden sie selbst gefangen genommen und vor Gericht gestellt. Natürlich glaubt ihnen niemand ihre Geschichte.

Resozialisierung durch Gehirnwäsche

Während des Prozesses klauen die Bösen die Maschine, werden dabei gefilmt und dank Luthors Aussage kommen unsere Helden frei. Auf zur Bathöhle! Da ist aber niemand. Dann auf zur Festung der Einsamkeit! Clayface wird zur Rakete, bricht die Tür auf, Batman legt dem bösen Superman die Handschellen an, Superman hindert den bösen Batman, nach einer Waffe zu greifen und damit sind die Verbrecher endlich gefasst.

Zum Schluss kommt Batman eine Idee: Wie wär’s, wenn Luthor die beiden Schurken einer Gehirnwäsche unterzieht, damit sie zu anständigen Bürgern werden? Na klar: Gesagt, getan. Auch beim bösen Robin. Niemand äußert moralische oder juristische Bedenken, denn am Ende sind alle glücklich und zufrieden und winken der Menge zu. Vielleicht könnte man dasselbe mal bei Luthor und Clayface auf unserer Erde durchziehen, findet Batman. – Erschütternd.

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Clayface trifft Brainiac

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DC Comics

Titel: The 1,000 Tricks of Clayface and Brainiac

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (World’s Finest #144), Hardcover 2019 (Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 2)


Brainiac will sich endlich an Superman rächen und stiftet Chaos, indem er Gefängnisinsassen befreit. Zufällig ist auch Matt Hagen darunter, der keine Zeit verliert, sich wieder in Clayface zu verwandeln. Diesmal hat er allerdings keine Reichtümer im Sinn, sondern einfach nur Rache an Batman und Robin.

Doch weil Jimmy Olsen sich bei einem Angriff von Brainiac auf Superman eine Dosis Kryptonitstrahlen zugezogen hat und daher gefährlich wird für den Helden, tauschen Superman und Batman ihre Sidekicks: Robin hilft Superman, Strahlemann Jimmy fährt im Batmobil mit. Während Robin versucht, einen Riesen-Robo-Käfer mit Kryptonit von Superman fernzuhalten und dabei fast draufgeht, fällt Jimmy auf einen falschen Batman herein, der zu ihm ins Batmobil steigt. Beinahe hätte Jimmy Clayface in die Bathöhle kutschiert. Doch kaum aufgeflogen, fliegt Clayface schon als Fledermaus davon (wie schon in Detective Comics #304).

Sidekicks tauschen Rollen

Dann lockt der Mann aus Lehm Batman und Jimmy zu einer Baustelle, verwandelt sich in ein stacheliges Monster und entführt Jimmy. Superman und Robin spüren Brainiacs Versteck im Wald auf. Aus irgendeinem Grund treffen dann Brainiac und Clayface aufeinander. Sie wollen sich verbünden, um ihre Gegner zu besiegen.

Ihr grandiosr Plan: Felsbrocken auf Jimmy Olsen werfen. (Dafür bräuchte es wirklich kein Genie wie Brainiac.) Superman muss ihn retten und sich der tödlichen Kryptonitstrahlung aussetzen. Aber ein Held muss tun, was ein Held tun muss. Superman stirbt ein Panel lang den Heldentod – doch nur scheinbar, denn Jimmy war bloß ein verkleideter Robin, der kurz zuvor schnell die Rollen mit ihm getauscht hat. Wie gut, dass in Robins Allzweckgürtel immer eine passende Perücke steckt.

Brainiac ist besiegt und damit Batman und Jimmy im Robin-Kostüm auch was tun dürfen, jagen sie auf Whirlybats Clayface hinterher, der sich (wieder) als Flugsaurier davonzumachen versucht. Und weil ihm unterwegs (wieder) die Kräfte ausgehen, dürfen die Helden ihm das Leben retten, bevor er in den Tod stürzt. Damit dürften die Rachepläne endgültig erledigt sein – jedenfalls bis zum nächsten Mal.

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Clayface wird Superman

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DC Comics

Titel: The Clayface Superman

Autor/Zeichner: Dave Wood/Jim Mooney

Erschienen: 1964 (World’s Finest #140), Hardcover 2019 (Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 2)


Es beginnt – mal wieder – mit einem Knastausbruch. Matt Hagen hat eine Flasche mit seinem Zaubermittel (verwandelt als Maulwurf) im Hof des Gefängnisses vergraben, nun gräbt er es wieder aus, trinkt und macht sich als Geier auf und davon. Dann braut er sich erst mal neues Zeug zusammen, das aber nur fünf Stunden wirkt. Genug, um verwandelt als Hund, sich eine wertvolle Briefmarkensammlung zu schnappen.

Batman und Robin jagen auf Whirlybats hinterher, versuchen ihn wieder mit einem Lasso einzufangen, doch er kommt als Delfin davon. Das Dynamische Duo scheint nicht dazu zu lernen. Aber es zählt ja zum Glück, was unterm Strich raus kommt. Und es mag woh an dieser Erfolgsquote liegen (100 Prozent), dass sie von der Stadt mit einem eigenen Batman Day geehrt werden. Doch dann klaut Clayface die goldene Batman-Trophäe.

Zum Glück ist Superman da! Doch als Clayface den Stählernen heranfliegen sieht, kommt ihm die beste Idee überhaupt: Er nimmt die Form von Superman an. Und siehe da: Mit der Form kommen auch sämtliche Superkräfte hinzu! Nachdem ein Duell im Untentschieden endet, raubt Clayface-Superman Banken, Geldtransporter, Museen, Juweliere aus und da er vor lauter Gier vergessen hat, eine Tasche einzupacken, die groß genug ist, wirft er das Raubgut auf die Straße und rollt es im Asphalt ein. Doch mit dem riesigen Swag-Wrap kommt er nicht weit.

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Clayface-Superman rollt seinen Swag-Wrap. (DC Comics)

Denn mit den Superman-Kräften kommen auch die Schwächen: Clayface knickt ein vor Kryptonit. Superman bringt beim zweiten Mal ein Stück rotes Kryptonit mit, das Clayface durchdrehen lässt. Zuerst will er ein Passagierschiff versenken, dann zerreißt er Elektroleitungen und schließlich entdeckt er Batmans Geheimidentität und schreibt sie in die Luft – die größte anzunehmende Katastrophe in einem Batman-Comic früher Jahre.

Doch bevor das Geheimnis publik wird, lassen auch schon die Kräfte nach. Fünf Stunden sind rum. Und zum Glück kann sich Hagen später an nichts mehr erinnern. Glück gehabt.

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Die rebellischen Musterknaben

super sons

DC Comics

Titel: Superman/Batman: Saga of the Super Sons

Autor/Zeichner: Bob Haney/Dick Dillin u.a.

Erschienen: 1972-1980, 1999 (World’s Finest #215, 216, 221, 222, 224, 228, 230, 231, 233, 238, 242, 263), Paperback 2017


Was wäre, wenn Superman und Batman Söhne hätten? Die Antwort auf diese Frage fällt ernüchternd aus: Dann hießen die Söhne Clark Jr. und Bruce Jr., würden genauso aussehen wie ihre Väter und auch die gleichen Kostüme tragen. Kurz: Sie wären Superman und Batman. Na ja, Superman Jr. wäre nur halb so stark wie sein Vater, denn immerhin ist er dank einer menschlichen Mutter nur ein halber Kryptonier, er könnte auch nur springen und nicht fliegen. Aber Batman 2 wäre im Grunde wie das Original, nur eben einfältiger.

Wenn da nur nicht die Väter wären! Denn denen gefällt es gar nicht, dass die beiden Helden spielen wollen. Aus ihnen soll mal was Anständiges werden (also nicht so wie ihre Väter). Clark und Bruce sorgen sich um ihre Söhne, ebenso wie die Mütter, deren Identität wir kurioserweise nie erfahren. Aber diese konservative Einstellung dient nur dazu, dass sich die beiden als Rebellen behaupten können. Sie pfeifen auf ihre Väter und ziehen auf einem Motorrad durchs Land, um Abenteuer zu erleben – auf den Spuren von Easy Rider. Erster Stop: Sparta City, wo sie einen Verbrecherring hochnehmen wollen.

Was also tun, wenn die Kleinen bocken? Vorsichtsmaßnahmen treffen! Superman erschafft sicherheitshalber eine temporäre Parallelstadt, in der sich die beiden austoben können. Um den Gangsterboss zu erledigen, täuschen die Super Sons sogar ihren eigenen Tod vor – mit Erfolg. Doch was nützt das, wenn die Stadt bloß Fake war? Egal, sagt Superman, da die Aufgabe schwerer war als die Realität, haben sich die Junioren erst recht bewiesen. Außerdem sei der echte Gangster an einem Herzinfarkt gestorben. Ach ja, am besten sind immer noch die Probleme, die sich in Wohlgefallen auflösen …

Wie schon Green Lantern und Green Arrow sind Superman und Batman Jr. für die soziale Sache unterwegs. Sie gehen gegen einen skrupellosen Unternehmer vor, der Grubenarbeiter wie Sklaven hält und sie setzen sich für einen Stamm von Inuit ein. Die wohl interessanteste, weil philosophischste Geschichte handelt von der Frage, ob der Mensch gut sei oder nicht. Unsere Helden begleiten zwei Wissenschaftler, die einen isolierten Stamm in der Antarktis untersuchen. Batman schlägt sich auf die Seite des Forschers, der beweisen will, der Mensch sei schlecht. Dabei setzt der Mann sehr fragwürdige Methoden ein und Batman muss seine Haltung überdenken. Am Ende gibt es sogar eine überraschend uneindeutige Antwort auf die Ausgangsfrage. Damit ist der Tiefgang dieser „Saga“ allerdings erschöpft.

Die Söhne erweisen sich selbst als radikal, als sie Batman und Superman anklagen, sich nicht um die wahren Probleme der Welt zu kümmern. Obwohl der Vorwurf haltlos ist, spricht eine Jury die World’s Finest absurderweise schuldig und sie kommen in einen Knast, der nur von Stacheldraht zusammengehalten wird. Die Väter revanchieren sich, indem sie sich vor ihren Söhnen als Green Arrow und Flash ausgeben, später täuscht Batman sogar seinen Tod vor. Es bleibt ein angespanntes Verhältnis, das nie zu einer richtigen Lösung kommt.

Die Super Sons haben auch meist anderes zu tun. Sie erleben haarsträubende Abenteuer auf der ganzen Welt und einmal sogar mit Lex Luthor auf einem fernen Planeten. Ein beliebtes Motiv sind die Geisterstädte: Im einem Abenteuer kommen die Nachwuchshelden durch eine leere Stadt, die von Aliens heimgesucht wurde, in einer anderen finden sie eine Westernwelt voller Schießwütiger vor, eine Stadt wird von Frauen beherrscht.

Das allein wäre noch nicht schlimm, wenn die Feministinnen nicht so männerfeindlich wären und drakonische Strafen für Bagatellen und sogar Wohltaten verhängen würden. Clark und Bruce Jr. kommen ins Gefängnis, weil sie einer Frau das Leben retten wollten. Am Ende stellt sich heraus, dass auch diese Frauen unter dem Einfluss eines bösen Aliens standen. Bruce beweist sich als Macho, als er die Frauen schließlich mit einem forcierten Kuss „heilen“ will. Heute nennt man das einen sexuellen Übergriff … Die radikal-liberalen Super Sons sind also auch nichts anderes als Instrumente des Establishments weißer Männer und damit ganz und gar keine Späthippies im Geiste von Easy Rider.

Aber was lesen wir da überhaupt? Sind es Imaginary Tales, handelt es sich um die Zukunft oder eine Parallelwelt? Ein Hinweis darauf findet sich nicht. Eine Geschichte von Dennis O’Neil erklärt am Ende: Die Super Sons sind nur eine Computer-Simulation von Superman. Dann erkennt die Simulation aber, dass sie eine ist und die Söhne brechen in die reale Welt aus, nur um Chaos zu stiften und sich wieder selbst auszulöschen. Ganz am Ende werden die Super Sons als Elseworlds-Figuren wiederbelebt. Verwirrend, aber schließlich irrelevant, denn diese bemühten und oft lächerlichen Gedankenexperimente sind entbehrlich.

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Batman und Superman: Wie alles begann

Titel: The Origin of the Superman-Batman-Team

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1958 (World’s Finest #94)


Wie Batman und Superman das erste Mal aufeinandertrafen, ist eigentlich seit 1952 (Superman #76) bekannt: Sie begegneten sich auf einer Kreuzfahrt. Das war lustig. Doch sechs Jahre später will Batman uns weismachen, dass alles ganz anders war, bzw. dass es ein Treffen vor dem ersten Treffen gegeben hat.

Anlass für die Rückblende ist, dass Luthors wieder mal aus dem Gefägngnis ausbricht und damit prahlt, sich eines Tages an Superman und Metropolis zu rächen. Kaum hören Bruce und Dick die Nachricht, ziehen sie sich um und eilen nach Metropolis, weil sie glauben, sie könnten Superman helfen, falls Luthor Kryptonit benutzt. Schon das ist seltsam, denn dann müssten sie jedes Mal nach Metropolis fahren, aber sei’s drum.

Doch Superman lehnt ihre Hilfe ab. Bei ihrem Treffen hat er einen neuen Helfer dabei: Powerman, einen maskierten Helden, der nicht fliegen kann. Trotzdem folgt ihnen das Dynamische Duo und Batman erinnert sich an ihr erstes Treffen: Als die beiden einst beinen Schmuggler-Ring ausgehoben haben, hörten sie die Ganoven von Kryptonit sprechen. Daraufhin flogen sie nach Metropolis, um Superman zu warnen. Und das war auch gut so: Denn als Superman von Gangstern mit flüssigem Kryptonit bespritzt wurde und vom Himmel fiel, konnten sie ihm mit dem Bat-Plane das Leben retten.

Als sie es dann mit den Gangstern aufnahmen, verkleidete sich Batman als Superman, weil er immun gegen Kryptonit war. Dabei riskierte er aber trotzdem sein Leben, denn die Schurken wollten es daraufhin mit Blei versuchen, aber da war Superman schon zur Stelle. Der Beginn einer langen Freundschaft. Der Rollentausch erinnert an ihren zweiten gemeinsamen Auftritt in World’s Finest Comics #71 (1954) – seitdem eine Tradition.

Und ähnlich läuft es auch in der Gegenwart: Batman findet heraus, wie er Luthors Todesstrahlen von sich fernhalten kann, dann nimmt er ihm sein Kryptonit weg und rettet Superman das Leben. Und wer ist dieser Powerman? Es ist ein Roboter, den Superman gegen das Kryptonit einsetzen wollte, um nicht das Dynamische Duo zu gefährden. Na dann ist ja alles wieder gut …

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Batmen aller Länder, vereinigt euch!

Titel: The Batman of England/The Batmen of All Nations/The Club of Heroes

Autor/Zeichner: Bill Finger, Edmond Hamilton/Dick Sprang, Sheldon Moldoff

Erschienen: 1950, 1955, 1957 (Batman #62, Detective Comics #215, World’s Finest #89)


Batman macht Schule. Bereits 1950 lernen die Leser, dass es auch in England einen Batman gibt – oder zumindest zwei andere kostümierte Helden, der sich Batman und Robin zum Vorbild genommen haben. The Knight & the Squire kleiden sich wie Ritter aus dem Mittelalter: In Rüstung und mit Umhängen, fahren sie auf Motorrädern, die aussehen wie Pferde, und dabei tragen sie Lanzen. Offenbar entsprach das dem Bild von Europa, das man damals in den USA hatte …

Dahinter stecken Lord Wordenshire und sein Sohn Cyril, die zusammen in einer alten Burg in der Nähe eines Dorfes wohnen. In London hätten die beiden zwar mehr zu tun, aber aufregend genug wird es trotzdem noch.  Zwei Pub-Räuber überwältigen sie, indem sie den Tank im Fluchtauto durchstechen.

Als dann Batman und Robin einer Gang folgen, die einen alten Nazi-Schatz in England ausbuddeln will, treffen sie zufällig auf Knight & Squire, aber die beiden stellen sich mit ihren Lanzen so unbeholfen an, dass sie die Gauner entkommen lassen. Die beiden müssen noch viel lernen, sagt Batman, also teilt man sich zur Nachhilfestunde in Zweiergruppen auf: Batman und Squire ziehen nach Stonehenge, Robin und Knight folgen der Spur in ein historisches Museum. Aber auch später verpatzen die beiden Stümper ihre Einsätze. Zwar machen die Engländer beim Finale auf der Burg alles wieder gut, aber dann muss ihnen das Dynamische Duo mit einer Maskerade dabei helfen, ihre Geheimidentitäten nicht preiszugeben.

Am Ende versichert der Earl, es gebe nur einen wahren Batman und Robin. Fünf Jahre später tauchen vier andere Nachahmer auf: der Musketeer aus Frankreich, der Legionary aus Italien, der Gaucho in Argentinien und der Ranger aus Australien. Batman lädt sie alle nach Gotham ein, um ihnen Nachhilfe zu geben. Dabei sehen wir auch Knight & Squire wieder, die sich mittlerweile praktischere Kostüme zugelegt haben, verschwunden sind die klobigen Rüstungen, die Gesichter liegen frei, leider aber hantieren sie immer noch mit Lanzen und fahren auf motorisierten Pferden, während Gaucho und Ranger tatsächlich reiten.

Wie dem auch sei: Während alle neue Tricks vom Original lernen, nutzt die Bande um den Gangster Cardine die Chance, um Verbrechen zu begehen. Diesmal ist es Batman, der sich nicht sehr geschickt anstellt. Während des Einsatzes stirbt er sogar bei einer Explosion. Als aber die restlichen „Batmen“ Cardine hinterherjagen, erweist sich der Legionary als Schurke – und Batman springt im rechten Augenblick quicklebendig hervor, um den Fall aufzuklären. Und wieder herrscht die Einsicht: Es gibt nur einen echten Batman.

In World’s Finest treffen die Batmen aller Länder wieder auf ihr Vorbild – und auf Superman. John Mayhew lässt sie alle nach Metropolis rufen. Der reiche Philanthrop hat den Helden zu Ehren für viel Geld einen Club of Heroes errichtet, samt aufwendiger Innendekoration. Jetzt muss nur noch ein Vorsitzender gewählt werden – der, der die größte Heldentat vollbringt. Aber keiner hat so richtig Lust auf den Job: Superman schlägt Batman vor, Batman schlägt Superman vor, die anderen sind für einen der beiden (und sie spielen hier auch kaum eine Rolle).

Doch Superman kommt nicht zum Zuge. Er bekommt unerklärte Schwächeanfälle, die ihn ohnmächtig werden lassen. Dann taucht ein neuer Held namens Lightning-Man auf, um das Schlimmste zu verhindern. Am Ende stellt sich heraus: Ein Brocken Kryptonit in der Erdumlaufbahn hat Superman ausgeknockt und ihn in Momenten geistiger Umnachtung die Identität von Lightning Man annehmen lassen. In ebendiesem Zustand war Superman in der Lage, sich aus einer Gardine ein neues Kostüm zu schneidern – und so wird Superman dank seiner Taten zum Vorsitzenden des Clubs.

Was dieser Club eigentlich soll, um den niemand gebeten hat, und wer dieser Mayhew ist und was er will, danach fragt niemand. Außer Grant Morrison. 50 Jahre später hat sich der Autor von diesen Geschichten zu seinen Storylines The Black Glove und Batman Incorporated inspirieren lassen. Die neuen Versionen von Knight and Squire bekamen 2010 ihre eigene sechsteilige Mini-Serie.

DC Comics

>> Batman in den 50ern

Batman hasst Superman (und schlägt Robin)

Backpfeife für Robin

Titel: The Saga of Superman vs. Batman/The Clash of Cape and Cowl

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1965 (World’s Finest Comics #153)


„Don’t tell me I’m wrong, you brat … proving Superman’s guilt is my whole mission in life!“ (Batman)

Das Bild kennt mittlerweile jeder, der im Netz unterwegs ist: Das Motiv „Batman schlägt Robin“ ist zu einem Meme geworden. Heute will ich die Geschichte dahinter erzählen, denn es ist eine besonders interessante Geschichte: Es geht um einen Kampf zwischen Batman und Superman. Allerdings handelt es sich um eine „imaginary story“, also nur ein Was-wäre-wenn-Szenario. (Solche Geschichten nannte man seit den 90ern „Elseworlds„.)

DC Comics

Batman hasst Superman, weil er überzeugt davon ist, seinen Vater ermordet zu haben. Thomas Wayne hat ein Gegenmittel für Kryptonit entwickelt, wollte es dem damaligen Superboy aber nicht geben, kurz darauf fand der junge Bruce seinen Vater tot im Labor, während eine blau-rote Gestalt davonflog. Das konnte nur Superboy sein!, dachte sich Bruce, schwor Rache und wurde zu Batman.

Obwohl es keine Beweise gibt, hält Batman seinen Verdacht für eine Tatsache. Als Robin daran einmal berechtigte Zweifel äußert, kriegt er nicht nur eine Abreibung von Batman, sondern danach auch das Gedächtnis gelöscht. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn.

Mit derselben Logik will er Supermans Schuld beweisen: Superman muss das Anti-Kryptonit-Serum haben. Zwar hat er es noch nie benutzt, obwohl er mehrere Male mit Kryptonit konfrontiert war, aber – so denkt Batman, er müsse es für einen besonderen Notfall aufheben. (Als ob eine Konfrontation mit Kryptonit kein solcher Fall wäre.) Als Batman einmal einen Bankraub von Lex Luthor vereitelt (Luthor entkommt aber), schenkt ihm Superman zum Dank einen Gürtel, mit dem man fliegen kann.

Batman nutzt den gleich für seine Zwecke und spürt den Weg zu dessen Festung der Einsamkeit auf. Dort wird er allerdings nicht fündig. Hat Superman das Serum vielleicht schon benutzt? Schließlich offenbart Batman sich Lex Luthor und verbündet sich mit ihm. In der entscheidenden Szene wirft er Superman mit einem Kryptonit-Batarang vom Himmel ab und nimmt ihn gefangen. Weil Luthor sich verplappert, wird klar, dass er das Serum gestohlen hat. Batman sieht seinen Fehler ein, befreit Superman, Lex erschießt Batman. Im Sterben sagt er noch zu Superman, was für ein tolles Team sie unter anderen Umständen geworden wären.

Allerdings bleibt „Batman gegen Superman“ ein beliebtes Motiv. (Ganz zu schweigen von Batman gegen Robin, die Szene wird sogar im Animationsfilm Batman vs. Two-Face zitiert.)

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Wie Batman zu Two-Face wurde

DC Comics

Titel: The Jekyll-Hyde-Heroes

Autor/Zeichner: Jim Shooter/Curt Swan

Erschienen: 1968 (World’s Finest #173), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„Alfred’s coffee gets better every day!“ (Batman)

Nachdem der ruchlose Wissenschaftler Dr. Arron von Batman und Superman davon abgehalten wird, menschenverachtende Experimente durchzuführen, rächt sich dieser an den World’s Finest: Er verwandelt sie durch eine Tücke in ihre schlimmsten Feinde, Superman in Kralik, Batman in Two-Face. Da beide aus Nostalgie die Kostüme ihrer Erzfeinde als Andenken bewahren (oder sollte man sagen: ehren?) entwickeln sie den Drang, sich so umzuziehen, wie sie sich fühlen und daraufhin bricht das Chaos aus.

Batman wird als Two-Face sofort zum Bankräuber. Von jetzt auf gleich hat er nicht nur eine Bande williger Schergen in passenden Kostümen beisammen, sondern auch eine High-Tech-Ausrüstung wie etwa einen Panzer mit zwei Kanonenrohren, eine raketenbetriebene fliegende Riesenfaust, Antimaterie-Kanonen und ein täuschend echtes Two-Face-Roboter-Double. Es wirkt so, als hätte er es geahnt, dass sich ihm ein Superschurke in den Weg stellen würde. So kommt es zum Kampf mit Kralik – warum auch immer.

Heiliger Doppellauf!, würde Robin jetzt sagen, aber der wird vom bösen Dr. Arron ausgeknockt, noch bevor er die Sache verstehen und das Problem lösen kann. Batman-Two-Face trifft auf Arron, der wird ohnmächtig, seine fürsorglichen Schergen päppeln ihn mit Wasser wieder auf, aber das enthält das Wundermittel, das andere zu ihren Erzfeinden macht. Und so verwandelt sich Arron in Batman und Superman zusammen, auch bekannt als Composite Superman, jenen Schizo-Helden, der in der Mitte geteilt ist und das Beste beider Helden vereint. Blitzschnell besorgt er sich sein lächerliches Kostüm, bevor er die beiden Schurken ausknockt (denn ohne Kostüm macht es nur halb so viel Spaß) und Batman und Superman sind wieder sie selbst.

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Der seltsame Fall des Jonathan Crane

DC Comics

DC Comics

Titel: The Riddle of the Human Scarecrow

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Jerry Robinson

Erschienen: 1941 (World’s Finest Comics #3)


„Poor Crane! He looks like a scarecro in those clothes – he certainly is a queer fellow“

Oft ist es ein Ereignis aus der Kindheit, das bestimmt, wie sich ein Mensch entwickelt. Jonathan Crane hat schon als Kind schon gerne Vögel aufgescheucht. Und so fasziniert ihn noch als Erwachsener die Angst so sehr, dass er sie als Psychologe erforscht und bei seinen Vorlesungen seinen Studenten einen Schrecken einjagt, indem er sinnlos mit einer Pistole herumballert. Das kostet ihn dann bald darauf den Job. Aber das macht nichts, denn schon zuvor hat er einen anderen Weg gefunden, wie man bequem Geld verdienen kann: indem er als Vogelscheuche verkleidet anderen Leuten Angst einjagt.

Crane sucht einen Geschäftsmann auf und bietet ihm für ein Honorar seine Dienste an: Als Scarecrow will Crane seinen Rivalen, der ihn vor Gericht verklagt, so sehr zu erschrecken, dass dieser daraufhin die Klage fallen lässt. Warum er nicht einfach den ersten erpresst, ist wohl ein Teil des Rätsels um diesen seltsamen Fall bleiben. Doch auch der umständliche Plan bleibt zunächst erfolglos, weil das Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Crane muss mit Gewalt nachhelfen – und wird zum Mörder. Macht nix, denn er bekommt, was er will: Geld. Und damit kauft er sich Bücher, noch mehr als er ohnehin schon hat.

Jonathan Crane muss man nicht verstehen, aber er bietet viel Potenzial dazu: denn es ist die tragische Geschichte eines Nerds, der in abgewetzten Klamotten herumläuft, weil er lieber sein ganzes Geld in Bücher investiert. Und damit wird er zur Identifikationsfigur für die Außenseiter und Comicsammler, denen es ähnlich gehen dürfte. Hätte  man bloß den Respekt, von anderen gefürchtet zu werden, hätte man bloß die Kohle, um sich alles zu kaufen, was einem noch fehlt … Crane aber übertreibt es: er protzt mit seinem Swag. Und er kriegt den Hals nicht voll, er stiehlt sogar Bücher, obwohl er es nicht nötig hätte. Das wird ihm zum Verhängnis.

Batman und Robin kommen ihm auf die Spur. Obwohl sie mit vereinten Kräften auf ihn losgehen, gibt ihnen Scarecrow ordentlich was zu tun. Dünne Typen kämpfen, wie wir seit Tyler Durden wissen, bis sie Ragout sind. Und auch Batman muss am Ende gestehen: „He certainly gave me the fight of my career“. Da weiß der Held aber noch nicht, dass ihm der größte Kampf noch bevorsteht, nämlich der gegen seine eigenen Ängste, wenn Scarecrow sein Angstgas auf ihn loslässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Batman stiehlt Joker die Show

DC Comics

DC Comics

Titel: The Crimes of Batman

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1952 (World’s Finest Comics #61), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„Look! It’s Batman and some clowns! Ha-ha! This must be a special act!“

Batman, der Verbrecher! Gleich drei Schandtaten begeht er hintereinander: er betrügt, stiehlt, tötet sogar! Wirklich? Natürlich nicht. Aber so hätte es der Joker gerne. Nachdem der Joker einmal unfreiwillig Batman dazu verholfen hat, eine Gangsterbande hochzunehmen, will sich der Schurke rächen und den Helden richtig in die Scheiße reiten.

Es beginnt damit, dass der Joker mal wieder aus dem Knast entlassen wurde. Schon wieder? Nach so kurzer Zeit? Angesichts des rigiden US-Justizsystems ist das eine beachtliche Leistung, für einen unverbesserlichen Räuber ständig wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden. Ganz zu schweigen von den Morden im Golden Age … aber die scheinen in den 50ern bereits vergessen zu sein.

Aber ich schweife ab. Der Joker nimmt Robin als Geisel und verlangt von Batman, drei Verbrechen zu begehen: Betrug, Diebstahl und Mord. Aber Batman wäre nicht Batman, wenn er für das Problem nicht eine ausgefuchste Lösung parat hätte. Nein, nicht was ihr denkt: Ja, heute würde Batman einfach über den Joker und seine Handlanger herfallen und ein paar gebrochene Knochen später wäre Robin wieder frei. Aber wir sind hier im Silver Age, da lässt sich Batman auf solche Spielchen ein.

Batman betrügt, indem er seinen Tod vortäuscht. Er stiehlt, indem er der Joker-Bande einen Coup vermiest – er stiehlt also dem Joker die Show. Und am Ende erweist Batman sich als mehrfacher Mörder: er schlägt Zeit tot, haut das Publikum um und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe (im Original: „kill two birds with one stone“). Ihr seht: Batman lässt keinen, aber wirklich keinen Kalauer aus, um seinen Witz auszureizen.

Aber auch sonst ist unser Held in Topform: Zuerst schaltet Batman die Bande spielend mit Golfschläger und Football aus, dann führt er mit dem Joker Trapez-Kunststücke im Zirkus auf und schließlich verkleidet er sich sogar als Joker im Clownskostüm. Leider hat Zeichner Bob Kane letztere Szene zu bescheiden inszeniert. Aber sonst ist die Story ein mustergültiges Comic seiner Zeit: herrlich fantasievoll und schräg.

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