Bizarro

Heroische Dreifaltigkeit

Batman versus Superman, Teil 12: Trinity (2003)

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman/Wonder Woman – Trinity (dt. Dreigestirn)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-3, Paperback 2005, Deluxe Edition 2015), dt. Panini 2004, Eaglemoss 2015


„Good things come in threes.“ (Wonder Woman)

Ra’s al Ghul befreit Bizarro aus dem Eis der Antarktis, lässt von ihm ein sowjetisches Atom-U-Boot entführen und bedroht die Welt mit nuklaeren Sprengköpfen. Unterstützt wird er von Artemis, einem abtrünnigen Amazonen-Mädchen. Batman und Superman kennen sich bereits eine Weile, Bruce Wayne sucht Clark Kent auf, um ihn vor Ra’s Plänen zu warnen (betrifft Kryptonit) und seine Hilfe mit einer Daten-CD zu erbitten. Doch weil versehentlich eine Atomrakete in die Nähe der Paradies-Insel der Amazonen abgefeuert wird, wird auch Wonder Woman involviert – sie sucht zum ersten Mal Superman auf, weil sie ihn mit Bizarro verwechselt.

Während die beiden von Anfang an gut miteinander auskommen, ist Batman nicht begeistert, als Wonder Woman sein brutales Verhör mit einem Schurken mit ihrem Lügendetektor-Lasso untergräbt. „Aren’t you a bit underdressed for all this?“, fragt er Diana. Sie fragt darauf hin zurück, ob er eine Maske trage, weil er sich schäme sein Gesicht zu zeigen. Auch sonst erweist sich Batman mal wieder als schlechter Teamplayer – besonders, wenn ihm jemand in seine Methoden reinquatscht.

Trotzdem raufen sich die drei zusammen und funktionieren gut miteinander. Superman macht, was er gut kann: einen entgleisten Zug aufhalten, Atomraketen entschärfen und Flugzeuge vor einer Kollision mit einem Hochhaus abbringen. Batman erweist sich als Meisterdetektiv und -kämpfer, auch wenn er gegen Artemis den Kürzeren zieht. Wonder Woman steckt am meisten Prügel ein, besonders gegen Bizarro, wird danach in Ketten gelegt, schließlich sogar fast tödlich verletzt und rettet sich in die Lazarus-Grube. Nach ihrer Wiedergeburt ist sie so reizend, dass sich Batman zu einem spontanen Kuss hinreißen lässt. Diana ist über die Leidenschaftsbekundung nicht erfreut und quittiert sie mit einem Faustschlag. Superman verteidigt Batman Wonder Woman gegenüber: Auch er habe seine Methoden anfangs nicht gutgeheißen, aber er solidarisiere sich mit ihm, weil sie beide Waisen seien, außerdem bewundere er ihn dafür, dass er ohne Superkräfte großen Mut beweise. Batmans Mut geht so weit, dass er es am Ende in einer Kampfrüstung mit Bizarro aufnimmt, während Wonder Woman sich mit Ra’s al Ghul duelliert, um ihn vor einer Invasion in Themyscira abzuhalten. Den Rest räumt Superman auf.

Autor und Zeichner Matt Wagner erzählt das Gipfeltreffen in gewohnt starker Qualität: schlichte, aufs Wesentliche reduzierte Zeichnungen, schnelle Handlung, viel Action. Ein kurzweiliges Abenteuer ohne Leerläufe, aber auch ohne jeden Tiefgang und mit einigen offenen Fragen wie: Was will Artemis? Warum will Ra’s nach Themyscira? Jede Ausgabe legt zwar den Schwerpunkt auf einem der drei Helden, beginnt mit Metropolis, Gotham und der Paradies-Insel, aber bleibt oberflächlich. Die Figuren werden als bekannt vorausgesetzt. Neue Aspekte gibt es hier kaum.

Nur Batman wundert sich, als er zwischendrin kurz Aquaman unter Wasser sieht, dass es weit mehr auf der Welt gibt, als er sich vorstellen konnte. Für ihn steigert sich durch Wonder Woman die Erfahrung mit dem Übernatürlichen, die er bereits mit Superman machen durfte. Und damit ist eine Angst angedeutet, die selten angesprochen wird: dass es für Batman Herausforderungen gibt, die er nicht meistern kann. Jedenfalls nicht allein und auch nicht mit anderen Menschen (wie seiner Bat-Familie), sondern nur mit Übermenschen, die ihm körperlich weit überlegen sind – und daher genauso gut zur Bedrohung werden könnten.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Nur böse ist auch blöd

DC Comics

DC ComicsTitel: Forever Evil/Forever Heroes

Autor/Zeichner: Geoff Johns/David Finch, Ivan Reis

Erschienen: 2013-2014 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2014 (Justice League Vol. 5), Justice League #24-29, (Hardcover 2014); dt. Panini 2014


„The Justice League is dead. Superman is gone. This is a job for Lex Luthor.“

Bei Justice League-Abenteuern oder Crossovern gibt es eigentlich nur drei Plots:

  1. Ein Schurke oder mehrere schalten die Helden aus, entweder auf einen Schlag oder nacheinander. Die Helden müssen sich wieder berappeln oder aus der Gefangenschaft ausbrechen. Meistens scheitert der Schurke an seiner eigenen Eitelkeit, weil er einen Helden übersehen oder unterschätzt hat, oder er begeht einen anderen Fehler.
  2. Die Helden treffen auf ihre bösen Gegenstücke.
  3. Eine unfassbare Macht aus dem Weltall oder einer anderen Dimension will die Erde zerstören oder wenigstens unterjochen. Die Helden müssen sich verbünden und kämpfen an verschiedenen Fronten. Am Ende hat einer von ihnen die entscheidende Lösung parat.

Diese drei Plots sind auch beliebig kombinierbar. Im Fall von Forever Evil, dem ersten großen Crossover des neuen DC-Universums (das eigentlich schon mit Trinity War begonnen hat) kommen die bösen Gegenstücke aus dem Paralleluniversum Erde 3 (das Crime Syndicate, das bei Grant Morrison von Erde 2 stammte) und schalten die Justice League auf einen Schlag aus, um deren Erde zu unterwerfen. Die heimischen Schurken werden zu Handlangern erklärt, sie übernehmen die Schreckensherrschaft über die Erde. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Lex Luthor, der sich die Aktion nicht gefallen lässt und spontan in seinen grün-violetten Kampfanzug (ohne Helm) schlüpft, um die Invasoren dorthin zurückzujagen, wo sie hergekommen sind. Dabei wird er unterstützt von einer Schurken-Allianz, die sich den Fremden von Erde 3 nicht fügen wollen: Catwoman, Black Adam, Black Manta, Sinestro – und Bizarro, dem missglückten Superman-Klon aus LexCorps Geheimlabors.

Die Justice League ist tot, heißt es. Aber man kann sich denken, dass es nicht ganz so schlimm sein kann, zumal man keinen Toten zu sehen bekommt. Stattdessen taucht Batman auf und verbündet sich mit Luthor im Kampf gegen das Crime Syndicate. Der Dunkle Ritter hat ein persönliches Motiv: Nightwing wurde gefangen genommen und seine Identität als Dick Grayson öffentlich preisgegeben. Die Angelegenheit gerät zu einer Befreiungsaktion.

Forever Evil ist die erste Justice League-/Crossover-Geschichte des neuen DC-Universums, die wirklich fesselt und unterhält. Dass sie jedoch fast ohne die Justice League und ihre Helden auskommt, sollte dem Verlag zu denken geben. Dass ausgerechnet der Schurke Lex Luthor zum Helden wird, der den anderen Schurken zeigt, wo es langgeht, gibt der Story einen starken Bezugspunkt. Seine fast schon liebevolle Beziehung zu Bizarro verleiht der Handlung Menschlichkeit. Allerdings ist es zu viel des Guten, dass Luthor am Ende nicht nur die Welt, sondern auch Batman und Superman das Leben rettet – immerhin sind es seine Erzfeinde. Unglaubwürdig ist auch der Cliffhanger am Ende, wenn Lex dahinter kommt, dass Batman Bruce Wayne ist – als ob keiner sonst so schlau wäre, Dick Grayson zu googeln und bei dem Namen Bruce Wayne eins und eins zusammen zu zählen.

Leider überzeugen auch David Finchs Zeichnungen nicht durchgehend. Seinen Gesichtern fehlt es an Ausdruckskraft. Oft wirken seine Figuren zu grobschlächtig und an einigen Stellen schlichtweg schlampig.

Ärgerlich ist wieder mal die Veröffentlichungspolitik (sowohl von DC als auch von Panini), die das Lesevergnügen unnötig verkompliziert. Wer sich den Sammelband mit der siebenteiligen Mini-Serie zulegt, hat zwar den Hauptplot, aber es fehlen Stücke, die einige wichtige Hintergründe erklären. Nicht nur, dass man Trinity War gelesen haben sollte, auch die Ausgaben der (deutschen) Justice League-Serie sind wichtig, weil darin erklärt wird, wie Cyborg wieder zusammengebaut wird und den Virus Grid überwindet (die Metal Men hingegen nerven) oder was es mit den Mitgliedern des Crime Syndicates auf sich hat. Außerdem wird im Black Adam-Heft (Justice League of America #7.4) erzählt, wie der Schurke aus seiner Asche wiederaufersteht. Darüber hinaus gibt es einen Berg an Tie-ins mit allen möglichen Subplots sowie den Sonderheften des Villain’s Month, die jeweils einem Hauptschurken gewidmet sind, was die Sache noch unübersichtlicher macht. Während bei Trinity War alle wichtigen Hefte in einem Band versammelt wurden (in Deutschland sind es zwei), fehlt ein solches Kompendium für Forever Evil bislang – obwohl es bitter nötig wäre. (Immerhin gibt es einen Villain’s Month Omnibus.)

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