Catwoman

Catwoman, Cash und Cavalier

DC Comics

Titel: Batman/Catwoman: Follow the Money

Autor/Zeichner: Howard Chaykin

Erschienen: 2011 (One-shot)


In den 40er-Jahren gehörte der Cavalier zu den obskureren Gestalten in Batman-Comics: ein Typ im Musketier-Kostüm und elektrisch geladenem Schwert, der eigentlich Mortimer Drake hieß und in der High Society Bekanntschaft mit Bruce Wayne machte. 1992 gelang es zwar in Blades, diese Figur zu einem echten Schurken zu machen, aber dabei blieb es. 2011 kramte Howard Chaykin ihn wieder hervor.

Er ist immer noch der Musketier mit dem elektrischen Degen. Mal nervt er Batman, mal nervt er Catwoman – und beide Male entkommt er, ohne dass man so richtig weiß, warum ihm niemand hinterher rennt. Vielleicht weil der Mann einfach nicht die Mühe wert ist.

Batman bekommt kurz darauf ein anderes, echtes Problem: Bei Wayne Enterprises hat sich jemand mit dem Pensionsfonds davongemacht. Drei Mitarbeiter sind verdächtig, sie haben das Land verlassen. Batman muss das Geld wiederbeschaffen – auch weil die Ermittler auf Batman stoßen könnten, wenn sie zu genau in die Buchhaltung des Unternehmens schauen. Batman verbündet sich mit Catwoman, um das Problem zu lösen. Das bedeutet aber: Batman muss selbst zum Dieb werden. Und so muss er moralische Flexibilität beweisen.

Das Problem ist schnell und mühelos gelöst – eine Routineaufgabe, würde zwischendrin nicht der Cavalier eine Opernsängerin auf der Bühne entführen. Warum er das tut? Keine Ahnung. Wahrscheinlich weil ihm der Name der Oper gefällt: Der Rosenkavalier … Jedenfalls können ihn weder Batman noch Catwoman fassen. Am Ende geht es dann doch superleicht.

Ich war noch nie ein Fan von Howard Chaykin (Thrillkiller, Dark Allegiances), weder von ihm als Erzähler noch als Zeichner. Follow the Money reiht sich ein in diese Comics der Belanglosigkeit.

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Catwoman auf Waffenjagd

DC Comics

Titel: Batman and Catwoman: Trail of the Gun

Autorin/Zeichner: Ann Nocenti/Ethan van Sciver

Erschienen: 2004 (Zweiteiler)


In Gotham treibt ein neuer Schurke sein Unwesen: kein Mensch, kein Monster, sondern eine Superwaffe, die immer ihr Ziel trifft und garantiert tötet. Die ersten Opfer hat sie bereits gefordert. Jetzt ist nicht nur Polizei auf der Suche nach ihr, um weitere Morde oder Bandenkriege zu verhindern, auch ein Waffenhändler will sie haben, um sie nachbauen zu können – er bietet zwei Millionen Dollar Finderlohn an. Catwoman nimmt die Herausforderung an. Von Anfang an ist klar: Das wird nicht gut ausgehen – und Catwoman selbst steht unter Mordverdacht. Und dann kommt ihr Batman in die Quere und hält ihr eine Standpauke über seine Einstellung zu Schusswaffen …

Die Handlung spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Im Grunde ist Trail of the Gun ein einziger Kommentar zur Waffendiskussion in den USA. Autorin Ann Nocenti lässt verschiedene Sichtweisen aufeinandertreffen: Waffenkritiker und Lobbyisten, Hersteller und Opfer. Catwoman ergreift zunächst die Seite der Befürworter, nachdem sie erfährt, dass die Waffe für manche auf der Straße überlebensnotwendig ist. Batman zeigt ihr, dass erst die Verfügbarkeit von Schusswaffen möglich macht, dass täglich zehn Kinder durch sie sterben. Ein anderer erklärt ihr, inwiefern Waffen per se für Rassismus stehen.

Diskussion um Waffenregulierung

Das Ganze liest sich wie ein wütender Aufschrei gegen die Waffenlobby, die laschen Waffengesetze, die untätige Politik und das Verbrechen. Aus US-Sicht ist das sicher ehrenwert und notwendig, wenn auch vergeblich, weil 16 Jahre nach dem Erscheinen dieses Zweiteilers sich immer noch nichts an den Zuständen geändert hat und die Diskussion nach jedem Amoklauf immer wieder dieselbe ist. Das ist zwar auch aus europäischer Sicht ein Aufreger, aber hier stellen Waffen eben kein so großes Problem dar. Die Story wirkt aber arg konstruiert, um alle Positionen überzeichnet darzustellen und hinterher zu einer weit hergeholten Auflösung zu kommen.

Ethan van Sciver zeichnet eine altmodische Catwoman im grauen Kostüm mit großen Katzenohren und langen Schnurrbarthaaren, dazu mit langem wallenden Haar. Seine Panels sind extrem detailreich, was den Zeichnungen eine Art Überrealismus verleiht: jedes Haar, jede Falte schreit nach Aufmerksamkeit. Das ist zwar handwerklich gut gekonnt und anfangs auch beeindruckend, aber auf Dauer auch anstrengend anzuschauen. Zusammen mit der stark aufgeladenen Botschaft, mit der man auf jeder Seite konfrontiert wird, ist Trail of the Gun im privaten Comicarchiv unter G wie gut gemeint einzusortieren.

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Catwoman trägt Tigermuster

DC Comics

Titel: The Last Angel

Autor/Zeichner: Eric Lustbader/Lee Moder

Erschienen: 1994 (One-shot)


Eine unbezahlbare Maya-Maske soll in Gotham ausgestellt werden. Weil nicht nur Mafioso Rupert Thorne und Catwoman es darauf abgesehen haben, soll Batman sie aufhalten. Doch dann wird die Mäzenin der Ausstellung ermordet, die Spur führt zunächst zu Thorne. Und Catwoman bandelt mit dem Archäologen an, der die Maske gefunden hat. Er erklärt ihr, dass es sich um die Maske eines Fledermausgottes handelt. Sie birgt eine ungeheuer böse Macht, mit der ein Priester einst sein Volk ruiniert hat.

Fledermausgott? Das erinnert Bruce an sein Erlebnis in Alaska (Batman: Shaman). Und kaum wird er der Maske habhaft, ergreift ihr Fluch auch schon Besitz von ihm. Batman wird böse, läuft Amok und fordert Menschenopfer – zuerst Selina Kyle, dann Gordon. Catwoman muss von der Gegnerin und Diebin zur Heldin werden, um Batman und die ganze Welt zu retten …

Am Ende müssen Catwoman und Batman (kein Spoiler) gemeinsam gegen den eigentlichen geheimen Drahtzieher des komplizierten Komplotts vorgehen, der all das nur geplant hat, um … äh … was genau zu erreichen? Batman zu demütigen? Na ja …

Zerbrochen an einer Männer-Welt

Das Besondere an dieser aufgeblasenen Geschichte: Catwoman trägt (ohne Erklärung) ein braun-gelbes Kostüm mit Tigerstreifen. Außerdem hat sie ihre Peitsche bondage-mäßig um den Körper geschlungen. Ein sehr kurioses und schrilles Kostüm, das so ziemlich das genaue Gegenteil ihrer bisherigen Kostüme ist, die violett, grau oder schwarz gehalten sind.

Aber hier ist Catwoman auch keine Schurkin mehr, sondern eben eine Superheldin. Passend dazu ist sie mit einem Jaguar als Sidekick unterwegs, mit dem sie nicht nur sprechen kann, sie kann ihn sogar bei einem komplexen Diebstahl einsetzen, was der alberne Höhepunkt der Geschichte ist.

Nebenbei erfahren wir in Rückblenden, dass Selika Kyles Mutter in der Psychiatrie gelandet ist. „The pressure of performing in a man’s world was too much for her. It’s driven her mad …“, sagt ihr Vater, der bedauert, keinen Sohn in die Welt gesetzt zu haben, der die Härten des Lebens erträgt. Das führte zum Bruch zwischen Selina und ihrem Vater, wobei sie sich später fragt, wen sie damit habe bestrafen wollen, und ob sie mit Batman nicht nur den Konflikt fortsetzt. Zum Schluss ist sie plötzlich mit beiden versöhnt, obwohl ihr Vater ihr keinen Grund dazu gegeben hat. Muss man das verstehen? Wenn einer schlauer ist, möge er/sie es mir erklären …

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Katzen auf dem heißen Blechdach

DC Comics

Titel: Heat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Russ Heath

Erschienen: 1993 (Legends of the Dark Knight #46-49)


Batmans Anfangszeit. Es ist heiß in Gotham City. Sehr heiß. So heiß, dass sich junge attraktive Frauen bis auf die Unterwäsche ausziehen. Egal, ob Wetteransagerin oder Studentinnen, alle tragen nur so viel Stoff am schwitzenden Körper wie es die amerikanische Prüderie des Comics-Codes der 90er gerade noch zulässt. (Außer Catwoman und Batman, die laufen immer noch in Ganzkörperanzügen herum.) Nur einem Mann gefällt diese viele nackte Haut gar nicht: Also steigt der Unbekannte in ein Katzenkostüm und metzelt mit einer Metallklaue unschuldige Frauen nieder, die er für unzüchtig und daher böse hält. Als Andenken lässt er ein paar Wertgegenstände mitgehen.

Batman merkt schnell, dass er allein mit dem Serienmörder nicht fertig wird. Also verbündet er sich wider Willen mit Catwoman, die wegen ihres Kostüms selbst unter Verdacht steht und den Täter aufhalten will. Dabei wird sie verletzt – Batman bringt sie in seine kühle Batcave. Doch als es anfängt, zwischen ihnen wärmer zu werden, zeigt sich Batman gegen ihren Charme resistent. Im Batmobil darf sie nur im Kofferraum mitfahren. Immerhin gilt es, eine Geheimidentität zu schützen. Eine Augenbinde hätte es auch getan, sagt Catwoman. Aber sicher ist sicher. Doch zum Schluss enttäuscht sie ihn, indem sie als Diebin wieder rückfällig wird.

Der „Catman“ ist ein alter Bekannter, aber nicht zu verwechseln mit Cat-Man, dem Schurken, der in den 60ern einst Catwoman ersetzt hat und in den 80ern wiederkam. Auch nicht dem kurzlebigen Catman aus The Batman & Robin Adventures #16 (1997). Und schon gar nicht mit dem Superhelden-Boxer Wildcat. Aber auch wenn dieser Catman ein schwieriger Gegner ist, ist er keiner, der in Erinnerung bleibt: ein brutaler Psychopath mit eindimensionalem Weltbild und Mutterkomplex – das ist einfach nur uninspiriert. Aber hier geht es nicht um den Schurken. Der bietet nur den Anlass für ein weiteres Kapitel in der tragische Liebesgeschichte zwischen Batman und Catwoman.

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Catwoman: Die Schöne und das Biest

DC Comics

Titel: Catwoman Defiant

Autor/Zeichner: Peter Milligan/Tom Grindberg

Erschienen: 1992 (One-shot)


Als Catwoman versucht, eine Kette des Gangsterbosses Mr. Handsome zu stehlen, tappt sie in eine Falle und wird fast gefangen genommen. Batman rettet ihr die Haut, bietet ihr aber an, ihm dabei zu helfen, Mr. Handsome zu schnappen. Dessen maskierte Model Army verübt nicht nur Verbrechen, er selbst zerstört auch gerne alles, was schön ist – von Kunstwerken bis hin zu Menschen, daher hat er es auf Catwoman abgesehen. Doch dann wird Batman abgelenkt und Catwoman landet in Gefangenschaft.

Sie trifft auf eine verunstaltete Bestie und die Ex von Mr. Handsome, der sie versprechen muss, sich zu rächen – doch Selina weigert sich, jemanden zu ermorden. Batman versucht derweil, Selina zu finden, indem er seine Fledermäuse auf einen Handlanger jagt, ihn also foltert. Das ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ziemlich unwahrscheinlich, da Fledermäuse Menschen eher meiden. Außerdem dürfte das nicht nur gegen den Tierschutz sondern auch gegen Menschenrechte verstoßen, aber sei’s drum.

Zum Schluss findet Catwoman heraus, dass alles ganz anders ist als gedacht, und wie so oft bleibt die größte Frage: Wozu betreibt der Schurke diesen horrenden Aufwand, wenn er es viel einfacher haben könnte? Aber das Ende, in dem Catwoman Batman auf die Bestie loslässt, ohne dass er ahnt, was ihm blüht, entschädigt dann doch für eine insgesamt zwar durchschnittliche, aber dann doch nicht vergebliche Lektüre.

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Catwalk für Catwoman

DC Comics

Titel: Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular

Autor/Zeichner: Paul Dini, Tom King, Ed Brubaker u.a./Mikel Janin u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Nun hat also auch Catwoman die 80 Jahre geknackt. Dank der eigenen Gesetze der Comics sieht man ihr das Alter nicht an. Und dank der Gesetze der freien Marktwirtschaft hat DC zu dem Jubiläum ein weiteres 100-Seiten-Special herausgebracht. Acht Seiten davon zeigen die Evolution von Catwoman. Aber wenn man sich den ersten Auftritt ansieht, kommen Zweifel auf: Die Figur von 1940 hat mit der heutigen Catwoman fast nichts gemein. Anfangs war sie nur eine namenlose Frau, die sich einfach nur „The Cat“ nannte. Und sie war auch nicht als Katze verkleidet, sondern als alte Frau. Dann erst kam die Katzenmaske und später folgten unzählige Kostümwechsel, wie man auch auf den Variant Covers sehen kann.

So versucht auch dieses Special, all diesen Inkarnationen Rechnung zu tragen, zu denen auch verschiedene Rollen gehören: Ann Nocentin zeigt uns die peitschenschwingende Diebin im Kostüm von Michelle Pfeiffer, Jeff Parker lässt Julie Newmar aus der Batman-60er-TV-Serie auferstehen und in übertrieben-trashiger Manier eine Alien-Invasion abwenden, Mindy Newell kehrt zurück zu Catwomans Neuanfängen in den späten 80ern zurück (Catwoman: Her Sister’s Keeper), Paul Dini erzählt – wie schon in The Animated Series – von der Tierschützerin und Ed Brubaker bietet erneut seine Version aus den Nuller-Jahren, die schwarzes Leder trägt und die er mit Darwyn Cooke erschuf (Cameron Stewart ist hier der Zeichner).

Catwoman wird Mutter

Tom King lässt Catwoman aus der Rolle fallen und schwanger werden und mit der Mutterrolle kämpfen. Allerdings betritt er damit kein Neuland, sondern greift nur eine Story von Erde 2 auf (From Each Ending… A Beginning!“, DC Super Stars #17, 1977), in der Bruce Wayne und Selina Kyle eine Tochter namens Helena (die erste Huntress) haben. Könnte diese alternative Zukunft bald kanonisch werden? Definitiv weist nur eine Story auf eine Fortsetzung hin („Addicted to Trouble“ von Ram V und Fernando Blanco), in der Selina mit ihrem Sidekick Holly durch die Staaten reist und für Ärger sorgt.

Bei so viel Traditionsbewusstsein darf auch eine Meta-Story nicht fehlen, die sich nicht nur vor all diesen Catwomen verneigt, sondern auch die Fan-Kultur ad absurdum führt. In „Conventional Wisdom“ (von Will Pfeifer und Pia Guerra) findet sich Selina Kyle auf einer „Bat-Con“ wieder, auf der sie auf lauter verkleidete Fans und Schurken trifft, die zusammen mit Bruce Autogramme geben. Doch Selina weiß nicht, wie ihr geschieht und wie sie dorthin gekommen ist. Dafür darf sie bei der Gelegenheit schön über die Kostüme von Newmar und Pfeiffer ablästern. Bei so viel Augenzwinkern kann man auch mal zwei Augen bei der Auflösung zudrücken, denn darum geht es hier natürlich nicht.

Oberflächliche Modenschau

Insgesamt ist diese Wundertüte allerdings voller eher durchschnittlicher Geschichten, die man höchstens als „nett“ zur Kenntnis nimmt, aber von denen keine wirklich tiefen Eindruck hinterlässt. Nur wenig erlaubt neue Einsichten in die Figur, das Meiste bleibt auf der Oberfläche einer Modenschau und das Special erscheint eher als ein Catwalk für Catwoman. Da hatte Batman mit Detective Comics #1000 mehr Glück.

Das Catwoman-Special dürfte eher nur etwas für richtige Fans sein, die auch mit den Verweisen etwas anfangen können. Um Einsteiger für die Figur zu begeistern taugt es eher weniger. Es empfiehlt sich daher, die Originalstorys zu lesen – die machen eindeutig mehr Spaß.

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Catwomans Wiedergeburt

DC Comics

Titel: Catwoman: Her Sister’s Keeper

Autor/Zeichner: Mindy Newell/J.J. Birch

Erschienen: 1989 (Miniserie #1-4), Paperback 1991


In Batman: Year One bekam auch Catwoman eine neue Vorgeschichte: Selina Kyle war eine Prostituierte, die mit Bruce Wayne in einen Straßenkampf geriet, als er noch nicht Batman war. Später inspirierte sie Batman dazu, ein Katzenkostüm zu tragen. In der vierteiligen Serie Catwoman werden die Hintergründe näher beleuchtet.

Selina Kyle liegt bewusstlos in einer Gasse, zusammengeschlagen von ihrem Zuhälter Stan, als sie von einer Nonne aufgefunden wird. Ein Polizist bietet ihr Hilfe an, sie lehnt zunächst ab, kehrt zurück zu Stan, der ihr versichert, sie zu lieben, sie dann aber zum nächsten Kunden schickt – im Katzenkostüm, auch damit man ihre blauen Flecken nicht sieht. Selina ruft schließlich doch den Cop an, der sie zu Ted Grant schickt. Der ehemalige Superheld Wildcat bringt ihr bei, wie man sich verteidigt. Außerdem rät er ihr, sich die Haare kurz schneiden zu lassen und zeigt ihr später, wie man eine Peitsche benutzt. Im Katzenkostüm nimmt sie schließlich Rache an ihrem Peiniger, doch dann entführt Stan ihre Schwester Madgalene (Maggie) – eine Nonne. Hier kreuzen sich die Wege mit Batman.

DC Comics

Her Sister’s Keeper, wie der Titel des Paperbacks lautet, orientiert sich stark an Year One, die Sequenzen, die Catwoman betreffen, werden teilweise Panel für Panel nachgezeichnet. Gotham wird wie bei Frank Miller realistisch dargestellt als raues Pflaster, in dem ein Menschenleben nicht viel wert ist, erst recht wenn es sich um eine Prostituierte handelt. Angenehmerweise wird Catwoman nicht so stark sexualisiert aufgeladen wie später in den 90ern (oder auf dem Cover des Paperbacks).

Catwoman ist hier mehr als eine Rolle für Selina Kyle, sie wird zur zweiten Persönlichkeit, die ihr hilft, zu überleben. Zugleich hat sie aber auch Angst davor, weil die Katze eine Killerin ist. Am Ende geht es zwischen ihr und Batman um die Frage des Tötens: Selina gibt sich die Schuld für Stans Tod und ist danach bereit, einen Polizisten zu töten, der die minderjährige Prostituierte Holly Robinson misshandelt hat.

Trotz seiner Anlehnung an Year One kommt Her Sister’s Keeper nicht an das Meisterwerk heran. Trotz seiner Ausführlichkeit, wird anderes nur angedeutet, wie etwa Selinas Raubzüge, ohne zu erklären, wie sie zur Meisterdiebin wird. Viele Fragen zur Vorgeschichte, gerade was ihre Schwester betrifft, bleiben offen. Wenn sie zum Schluss Batman küsst und ihm danach den Krieg erklärt, wirkt es etwas forciert – so als müsste man noch schnell die Hassliebe als späteres Leitmotiv zwischen den beiden einführen. Aber wer sich für Catwomans Hintergründe interessiert, ist mit dieser Lektüre trotzdem gut bedient.

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80 Jahre Joker und Catwoman verschoben auf Juni

DC Comics

Sicher haben sich manche von euch schon gefragt, wo denn die Jubiläums-Specials zu Catwoman und Joker bleiben. Eigentlich sollten sie am 15. und 29. April erschienen sein – zum 80. Jahrestag von Batman #1 (1940), als die beiden ihre ersten Auftritte hatten. Aber die Coronakrise hat das Erscheinen dieser und auch anderer Comics verzögert.

Jetzt gibt es zwei neue Erscheinungstermine Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 soll am 2. Juni 2020 herauskommen, The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1 am 9. Juni 2020. (UPDATE: Eine Vorschau auf Joker gibt’s bei DC.) Jedes Special enthält eine Reihe von neuen Kurzgeschichten rund um die beiden Schurken. Hier ein Vorgeschmack auf die Variant Cover der beiden Hefte:

Am 2. Juni soll auch die Anthologie The Joker: 80 Years of the Clown Prince of Crime herauskommen.

Weitere Erscheinungstermine gibt es bei DC Comics. Hier eine Auswahl:

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Batman-Specials als Hardcover

Cover zu Batman Family 80 Years, Batman by Tom King & Lee Weeks, Batman: Knight Out (DC Comics)

Wer Robins 80. Geburtstag feiern und sich das dazugehörige Comicspecial besorgen will, der sollte noch etwas warten – denn Geduld zahlt sich aus. DC hat angekündigt, nicht nur die Jubiläums-Specials dieses Jahres (Catwoman, Joker), sondern auch die Storys aus Detective Comics #1000 (auch der Deluxe Edition) sowie aus Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1 in einem Paperback zu versammeln: Batman Family 80th Anniversary Collection soll der Band (etwas irreführend) heißen und laut Amazon am 20. Oktober herauskommen und 396 Seiten umfassen. Der Inhalt als Liste:

  • Detective Comics #1000
  • Detective Comics #1000: The Deluxe Edition #1
  • Detective Comics: 80th Anniversary Giant #1
  • Robin 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • Catwoman 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1
  • The Joker 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Diese Publikation bietet eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Sonst müsste man nämlich mindestens zehn US-Dollar, bzw. Euro für jedes einzelne Special bezahlen.

Weitere Batman-Bände im Herbst 2020

Viel weniger Sinn ergibt der für den 17. November angekündigte Band Batman by Tom King & Lee Weeks Deluxe Edition. Hier werden einzelne Storys bzw. Storylines aus der Batman-Serie extrahiert, obwohl die gesamte Serie bereits in Paperbacks und Deluxe-Editions herauskommt. Darüber hinaus soll das Batman/Elmer Fudd Special darin enthalten sein. Keine Frage: Lee Weeks ist ein toller Zeichner, aber warum er einen eigenen Band verdient, ist schwer nachvollziehbar, zumal die Geschichten meist in einem größeren Zusammenhang stehen. Ich behaupte mal: Dieses Buch braucht kein Mensch.

Für Nostalgiker der 90er erschein am 29. September Batman: Knight Out, eine Sammlung von Storys von Chuck Dixon und Graham Nolan aus den Jahren 1996 bis 1998 (Detective Comics #703-715, #717, #718). Batman trifft in diesen Kurzgeschichten auf Riddler, Firefly, Deathstroke, Gearhead und den Martian Manhunter. Deutschen Lesern der Dino-Hefte aus den 90ern dürften diese Storys noch bekannt sein – das Highlight ist die Riddler-Story. Warum es aber ausgerechnet diese sind, warum nicht schon frühere Dixon-Nolan-Storys gesammelt werden, das erscheint etwas willkürlich und rätselhaft.

>> Batman-Comics 2020

Aus Hugo Strange wird keiner schlau

DC Comics

Titel: Gotham Knights: Transference

Autor/Zeichner: Devin Grayson/Dale Eaglesham, Paul Ryan

Erschienen: 2000-2001 (Gotham Knights #1-12), Paperback 2020


„I am a model of sanity.“ (Hugo Strange)

Nach dem Ende von No Man’s Land begann auch für Batman ein neues Jahrtausend. Gotham und Wayne Manor wurden neu aufgebaut. Die Serie Shadow of the Bat wurde beendet und durch Gotham Knights ersetzt. Und diesmal durfte erstmals eine Frau eine Batman-Serie schreiben: Devin Grayson.

In den ersten sechs Ausgaben erzählt sie zunächst Kurzgeschichten, die sich über ein bis zwei Ausgaben erstrecken und jeweils andere Mitglieder der Batman-Family zum Schwerpunkt haben: Robin, Nightwing, Batgirl, Oracle. Der rote Faden ist die berechtigte Frage: Warum umgibt sich einer wie Batman mit Helfern? Batman müsste es nach seinem Schicksalsschlag besser wissen: „The risk of LOSS is always too GREAT.“ In den Captions reflektiert in jeder Ausgabe ein unbekannter Erzähler, der Bruce Waynes Geheimidentität kennt, über die einzelnen Mitglieder seiner „Familie“. Dabei geht es auch um die Frage, wie Batman damit klarkommt, seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Die Storys handeln meist von gewöhnlichen Kriminellen, die Schurken der Rogue’s Gallery haben nur kleine Auftritte. Die Auflösungen überraschen und überzeugen mal mehr, mal weniger. In einer Ausgabe kämpft Batman gegen den Key, der zuletzt in JLA #8-9 aufgetreten ist. In einem Zweiteiler geht es um den Geist eines toten Jungen, der Tote temporär zu Zombies wiederaufstehen lässt.

Die Rückkehr des Hugo Strange

Die erste längere Story ist der Vierteiler Transference: Hugo Strange kehrt zurück. Und wieder trägt er ein Batman-Kostüm, weil er es einfach nicht lassen kann. Zunächst entführt er Catwoman und lässt sie entkommen. Dann führt er seinen neuesten Racheplan aus, der diesmal von bestechender Einfachheit ist: Er schleicht sich als Psychiater bei Wayne Enterprises ein und will Bruce Wayne bei einer Routineuntersuchung erschießen.

Aber weil er sich dabei viel Zeit mit Reden lässt und sich noch eine Zigarre anzündet, kann sich Bruce aus der misslichen Lage befreien und schnell ins Batman-Kostüm schlüpfen. Doch statt Strange zu entwaffnen und dingfest zu machen, schlägt er ihm nur die Waffe aus der Hand und rennt aufs Dach. Warum? Vielleicht weil Strange ihm später droht, sein Geheimnis zu verraten. Batman springt vom Dach ins Batmobil, das daraufhin explodiert. Strange dringt in Wayne Manor ein und gibt sich als Batman aus. Kurz darauf taucht Bruce auf und scheint völlig ahnungslos von Batman zu sein.

ACHTUNG SPOILER!

Am Ende stellt sich alles nur als große Show heraus, um Hugo Strange von der fixen Idee abzubringen, dass Bruce Wayne Batman ist. Es stellt sich die Frage: Was will er eigentlich? Batman töten oder Bruce Waynes Geheimnis verraten? Auf jeden Fall will er ihn ersetzen. Aber die Motivation scheint zu schwanken. Er sei ein Paradebeispiel geistiger Gesundheit, sagt Strange über sich, aber daran gibt es doch erheblichen Anlass zum Zweifel. Und diese planlose Besessenheit macht die Figur auch so eindimensional.

Aber auch Bruce Wayne benimmt sich hier sonderbar. Nicht nur wegen seiner plötzlichen Amnesie, sondern vor allem weil er sich beim Wiederaufbau von Wayne Manor und in seiner Firma bewusst wie ein Vollidiot verhält, der nicht mal weiß, wie man das Treppenhaus findet, wenn es brennt. Das ist so übertrieben, dass es nicht nur Lucius Fox zur Weißglut treibt.

Visuell bewegen sich die ersten zwölf Ausgaben Gotham Knights auf einem Durchschnittsniveau, wobei einige Zeichner mehr überzeugen als andere. In einer Ausgabe wirkt jede Figur, als hätte man ihre Muskeln bis zum Platzen aufgepumpt, in einer anderen entgleisen alle Gesichtszüge – sehr gewöhnungsbedürftig.

Insgesamt ist das einer der vielen Batman-Bände, die man ohne große Vorkenntnisse lesen kann, aber nicht muss. Das Interessanteste spielt sich in den Captions ab: Es sind vor allem die Essays über Batman und Co., die die Geschichten lesenswert machen.

Wer sich nur für Hugo Strange interessiert: Transference (Gotham Knights #7-11) ist auch im Paperback Batman Arkham: Hugo Strange (2018) erschienen.

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