Catwoman

Dämonen der Vergangenheit

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 4

Autor/Zeichner: Paul Dini, Kelley Puckett/Bruce Timm, Mike Parobeck

Erschienen: 1995 (Batman Adventures #28-36, Annual #2, The Batman Adventures Holiday Special #1), Paperback 2016


Batman verliert sein Gedächtnis, fällt geistig zurück auf den Stand eines Kindes, Catwoman macht ihn als Catman zu ihrem Verbündeten – und Robin muss nicht nur den Aufpasser spielen, sondern auch Batman dabei helfen, wieder normal zu werden.

Diese dreiteilige Story bildet das Finale der Batman Adventures (bevor sie als Batman & Robin Adventures weitergeht). Verantwortlich für die Amnesie ist Hugo Strange, der hier zur tragischen Figur wird. Denn Stranges Sohn wurde von Gangstern ermordet, nachdem Strange sich geweigert hat, für sie zu arbeiten. Mit seiner Amnesie-Maschine wollte er bloß vergessen.

Es macht viel Spaß, Batman als Kind im Körper eines Mannes zu sehen: Er macht Verbrecherverprügeln zum Spiel, hat einen flotten Umgangston und hält mit seinen Gefühlen nicht zurück. Catwoman gegenüber wird er einmal ungewöhnlich deutlich: „I promise no matter what, I will never be your friend and I will never forgive you and I will hate you for the rest of my life.“

Das ist nicht das einzige Highlight des vierten Bandes: In der Story davor erlebt Bruce Wayne sein Kindheitstrauma erneut, als er mit seiner neuen Liebschaft und ihrem Sohn das Kino verlässt und wieder ausgeraubt wird. Danach verschwindet Bruce, um als Batman den Täter zu fassen. Doch obwohl er erfolgreich ist, will die Frau später nichts mehr mit Bruce zu tun haben. Bitter fällt Batmans Bilanz am Ende aus: „… nobody got hurt“.

Die Comic-Serie gibt auch Figuren Auftritte, die in der Zeichentrickserie nicht vorkommen. Wie etwa Anarky. Der entführt Unternehmer, die seiner Meinung nach schmutzige Geschäfte machen und lässt sie im Fernsehen exekutieren, wenn nicht genug Zuschauer zu ihren Gunsten anrufen. Unter den Geiseln ist auch Bruce Wayne und wieder muss Robin den Tag retten.

Es gibt auch einiges zu lachen: Nicht nur mit dem Trio Mastermind, Perfesser und Mr. Nice, auch als Harley Quinn versucht, als falscher Psychiater verkleidet den Joker kurz vor Weihnachten aus Arkham freizukriegen. Und zum Schluss trifft Dämon Ra’s al Ghul auf den Dämon Etrigan – was wunderbar gezeichnet ist von Bruce Timm. Von ihm stammt auch ein Teil der Weihnachts-Sonderausgabe (Holiday Special), der später unter dem Titel Holiday Knights als Serien-Episode adaptiert wurde.

Batman Adventures Vol. 4 ist damit der stärkste Band der Reihe.

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Die schlummernde Katze

Batman 66: Catwoman & Sandman

Catwoman und Sandman stecken unter einer Decke.

Titel: The Sandman Cometh/The Catwoman Goeth (dt. Das Sandmännchen ist da)

Story/Drehbuch: Ellis St. Joseph, Charles Hoffman

Erschienen: 1966 (Batman S02E33-34)


Kaum ist Catwoman mit dem Gesetz wieder im Reinen, sucht sie sich neue Verbündete für das nächste Ding. Zum einen hat sie jetzt weibliche Handlanger, zum anderen macht sie gemeinsame Sache mit Sandman. Nein, nicht dem Superhelden aus dem Golden Age und auch nicht Dream alias Morpheus, den Neil Gaiman erschaffen hat, sondern mit einem bis dato unbekannten Schurken aus Europa.

Sandmans Schlafmützen: Nap & Snooze.

Sandmans Schlafmützen: Nap & Snooze.

Sein Name ist Programm: Sandman bringt seine Opfer zum Schlafen – und leider auch die Zuschauer, denn dieser Schurke hat kaum etwas Interessantes zu bieten. Aus keinem bestimmten Grund trägt der ältere Herr einen dicken Pelzmantel, in dem zwar einige bunte Eier hängen, die er aber nie wirft. Das einzige Werkzeug, das zum Einsatz kommt, ist ein Stethoskop, mit dem er Menschen betäubt.

Sandman betäubt Robin.

Sandman betäubt Robin.

Zusammen mit Catwoman will er die alte Nudelherstellerin J. Pauline Spaghetti um ihre Milliarden bringen. Da sie unter Schlaflosigkeit leidet, gibt sich Sandman als Dr. Somnambula aus, der ihr Heilung verspricht. Catwoman macht für ihn Werbung, indem sie sich als falsches Dornröschen aus dem Schaufenster eines Matratzenladens entführen lässt. Aber natürlich wollen beide Schurken nur den jeweils anderen benutzen, um das Geld allein zu kassieren. Als Sandman Catwoman zuvorkommt und Spaghetti heiratet, muss sie mit Batman gemeinsame Sache machen, um sich zu rächen.

Catwoman als Sleeping Beauty

Catwoman als Sleeping Beauty

Die Todesfalle: Nach einer Kissen- und Matratzenschlacht wird wird an eine Matratze gefesselt und soll von einer Maschine, die Knöpfe annäht, getötet werden, aber er hilft sich selbst, indem er mit dem Bat-Gürtel den Schalter umlegt. In der Zwischenzeit schickt Catowman Robin mit einer Undercover-Polizistin durch ein sinnloses Labyrinth mit Hochspannungszäunen.

Batman auf der Matratze des Todes

Batman auf der Matratze des Todes

Interessant an dieser Folge sind nur die Details, die die Routine durcheinander bringen. Zunächst ist es mal wieder eine Episode, in der Batman nicht sofort erreichbar ist, als Gordon zum roten Telefon greift. Er ist als Bruce Wayne mit Dick Grayson und ein paar anderen Jungs beim Wandern im Wald. Allerdings verzögert das die Handlung nur kurz. Die Polizei setzt mal wieder das Bat-Signal ein, um Batman zu rufen.

Notruf bei Nacht: das Batsignal

Notruf bei Nacht: das Batsignal

Dann sind da einige witzige Dialogzeilen und Situationen: Tante Harriett wundert sich endlich mal über das wiederkehrende Piepen aus Bruces Bibliothek. Offenbar ist ihr der Zutritt verboten, weshalb sie das rote Telefon noch nie gesehen hat. Alfred kann ihr ein Märchen auftischen von einer Hi-Fi-Anlage, die gewartet werden müsse. Als besonderes High-Tech-Gerät erweist sich mal wieder der Batcomputer, der als Antwort lange rote Fäden ausspuckt und dem Dynamischen Duo auf die Fährte von Ms. Spaghetti bringt.

Catwoman (Julie Newmar)

Catwoman schaut auf ihre Opfer herab.

Batman wird mal wieder das Batmobil gestohlen. Um aus der Stadt zur Bathöhle zu gelangen nimmt er die U-Bahn, denn Gothams öffentliche Verkehrsmittel sind die schnellsten, und unternimmt die letzten Meter im Bat-Walk, der etwas seltsam aussieht. Kaum ist er da, bringt ihn Alfred mit seinem Alf-Cycle wieder zurück dorthin, weil da das Batmobil steht. Ein kurzer Anruf hätte Batman wahrscheinlich Weg und Zeit erspart, aber – wie so oft – dann gäbe es die Szene nicht, Batman würde dann nicht beinahe einen Strafzettel ausgestellt kriegen und die Folge hätte noch weniger Spaß zu bieten.

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Der falsche Batman

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 3

Autor/Zeichner: Paul Dini, Kelley Puckett/Bruce TImm, Mike Parobeck

Erschienen: 1994 (Batman Adventures #21-27, Annual #1), Paperback 2015


Bevor mit Roxy Rocket die frivolste Folge der Animated Series produziert wurde, hatte sie ihren ersten Auftritt im Batman Adventures Annual #1. Perfekt inszeniert, mit flottem Strich von Bruce Timm (dem besten Animated-Zeichner überhaupt) ist sie hier schon die sympathische Ganovin, aber sie hilft Batman dabei, die wahre Übeltäterin zu fassen, nämlich Catwoman.

In weiteren, von anderen Zeichnern inszenierten Episoden, rekapituliert Batman, inwiefern sich seine Gegner rehabilitieren lassen. Wir sehen kurze Geschichten mit dem Bauchredner und Scarface, Scarecrow und Harley Quinn. Zum Schluss sehen wir Joker bei einem ebenso sinnlosen wie brutalen Amoklauf durch die Stadt zu. Das ist eher etwas für Freunde des schwärzesten Humors.

Batman trifft in diesem Band auch erstmals auf Superman. In der Animated-Series kam dies nie vor, erst in der Superman-Serie wurde das nachgeholt. Hier kämpfen sie gegen Maxie Zeus. Auch wenn erstklassige Schurken wie Poison Ivy und Two-Face hier Auftritte haben, ist die interessanteste Story eine ohne Prominenz.

In „Survivor Syndrome“ hat Batman einen Nachahmer, einen Sportler, der Rache nehmen will für seine ermordete Freundin. Als dieser Möchtegern-Batman angeschossen wird, rettet das Vorbild ihm nicht nur das Leben, sondern hilft ihm auch, wieder auf die Beine zu kommen. Er trainiert ihn. Am Ende muss sich der junge Mann aber als der moralisch überlegenere beweisen. Die Geschichte ist eine der stärksten in diesem Paperback, das eher eine Lektüre für nostalgische Momente zwischendrin ist.

Tom King macht 2020 mit Batman/Catwoman weiter

Batman/Catwoman DC Comics

Batman/Catwoman DC Comics

Eigentlich wollte Autor Tom King über 100 Ausgaben für die Batman-Serie schreiben. Jetzt kündigt DC an, dass er sie schon zum Dezember 2019 mit Ausgabe #85 verlässt. King beendet damit seine auf elf Ausgaben angelegte Storyline „City of Bane“, die im Juli mit Ausgabe #75 beginnt und Teil von DCs „Year of the Villain“ ist.

Im Januar 2020 soll ein neues Team die Serie übernehmen, die von da an wieder monatlich erscheinen wird, statt wie bisher alle zwei Wochen. Wer Teil des Teams sein wird, ist noch offen. King erzählt jedoch seine Geschichte mit der zwölfteiligen Maxiserie Batman/Catwoman zu Ende, die ebenfalls ab Januar erscheinen soll. Zeichner wird Clay Mann sein.

Tom King sagt: „Batman and Catwoman is a chance to do what Morrison and Quietly did in Batman and Robin: launch anambitious, accessible, beautiful, thrilling new series that concludes years of stories and defines what Batman is, can, and will be. This will be a comic about what the best Batman comics are always been about, how our greatest hero turns fear into bravery, pain into hope, trauma into love. It’s the story I always wanted to tell, and I’m telling it with the man I consider to be the greatest artist in comics, my brother Clay Mann.“

King hat die Batman-Serie seit dem sanften Reboot von DC Rebirth übernommen. Von ihm stammen die folgenden Storylines, darunter auch die umstrittene „Hochzeit“ mit Catwoman:

 

Joker lässt Comics zeichnen

DC Comics

Titel: Batman Adventures Vol. 2

Autor/Zeichner: Kelley Puckett/Mike Parobeck

Erschienen: 1993-1994 (Batman Adventures #11-20), Paperback 2015


Auch im Universum der Batman Adventures gibt es Comics. Sie heißen Gotham Adventures, also so, wie die Comic-Serie von 1998 bis 2003 hieß. Als der Joker sieht, dass er in den Heften stets schlecht wegkommt, entführt er den Zeichner seine wahren Verbrechen als Comic zeichnen. Die Episode ist voller Anspielungen auf die Comic-Geschichte: Joker trägt einen Pelzmantel wie in The Laughing Fish, die Kapitel heißen „Seduction of the Innocent“ und „Comics and Sequential Death“ (in Anspielung auf Will Eisner).

Der zweite Band der Adventures bietet einige kleine Highlights: Barbara Gordon zieht das Batgirlkostüm an, noch bevor sie offiziell (in der TV-Serie) Batgirl wird. Wie auch schon bei ihrem ersten Auftritt 1967 schneidert sie sich das Kostüm selbst für einen Ball. Zufällig gerät sie an Harley Quinn, Poison Ivy und Catwoman einander. Später bildet sie ein gutes Team mit Robin.

Was noch? Scarecrow sorgt dafür, dass sich die ganze Stadt vor ihm fürchtet, Bruce Wayne verbringt einen romantischen Kurzurlaub mit Talia in Paris und Gordon selbst wird zum Helden im Kampf gegen Rupert Thorne. Außerdem Wiedersehen mit Man-Bat, Scarface und Ra’s al Ghul.

Insgesamt eine bunte Mischung, die unter einigem Durchschnitt auch kleine Perlen für Zwischendurch bietet.

Batmans böses Omen

DC Comics

Titel: Resurrection Night

Autor/Zeichner: Doug Moench/George Perez, Joe Kubert, Bill Sienkiewicz, Brian Bolland, John Byrne u.a.

Erschienen: 1986 (Batman #400)


Zur 400. Ausgabe von Batman hat DC ein 60-seitiges Jubiläumsheft mit einem All-Star-Aufgebot herausgebracht. Nicht nur eine Reihe bekannter Zeichner, sondern auch alle klassischen Schurken tauchen in der Story von Doug Moench auf.

Zeitgleich werden die Insassen von Arkham und Blackgate befreit. Batmans Erzfeinde schlüpfen in ihre Kostüme und entführen Vicky Vale, Harvey Bullock sowie Julia und Alfred Pennyworth. Dann übernimmt der Joker zusammen mit Pinguin und Mad Hatter das Polizeipräsidium und erklärt Commissioner Gordon zur Geisel.

Hinter der Aktion steckt Ra’s al Ghul. Er will – mal wieder – Batman auf seine Seite ziehen. Ra’s bietet ihm an, ihm zu helfen, alle Schurken auf einmal zu fassen oder auch zu töten. Auch wenn Batman das Angebot ausschlägt, gerät er doch in Selbstzweifel, seine Mühe könnte vergeblich sein. Selbst Alfred interpretiert Batmans Feldzug als Scheitern, denn es sei ihm nicht gelungen, seine Gegner zu resozialisieren. Am besten wäre eine Welt, die keine Gefängnisse nötig hat – aber damit setzt er die Messlatte ins Unerreichbare.

Robin und Catwoman unterstützen Batman als Sidekicks. Wie immer taucht Talia als Helferin in der Not auf, verschwört sich gegen ihren Vater und erklärt: Ra’s will Batman nicht wirklich bekehren, sondern ihn als Mann zerstören, er will seinen Geist brechen.

Und hier wird es interessant. Denn in gewisser Weise nimmt die Story (wissentlich oder nicht) viele weitere wichtige Ereignisse der späteren Jahre vorweg. Eine ähnliche Agenda wird Bane in Knightfall (1993) haben und sogar ähnlich vorgehen. Auch er wird die Arkham-Insassen befreien, was sich später auch durch das Beben wiederholen wird. Und Killer Croc spricht in Batman #400 sogar davon, Batmans Rückgrat brechen zu wollen.

Mehr noch: Ra’s Geheimversteck unter einer Windmühle wird von einem Erdbeben zerstört. Und als kurz darauf Batman mit seinen befreiten Freunden in der Bathöhle sein Jubiläum feiert (nicht gesagt wird, wie viele Jahre Batman im Dienst ist), setzt ein Nachbeben ein, das einen Stalaktiten von der Höhlendecke abbrechen und in die Torte fallen lässt. „An omen?“, fragt Robin, wie damals Bruce, als die Fledermaus in sein Fenster geflogen kam. „Yes“, sagt Batman. „A single ‚candle‘ … to mark the first night of a new beginning … an nothing, my friends — to laugh about.“ Es wirkt, als würde Batman bereits voraussehen, dass die Höhle ein Jahrzehnt später zusammen mit Gotham City bei einem Beben zerstört werden wird.

Man kann einwenden, dass Batman nur meint, es gehe eine Ära zu Ende, weil das DC-Universum nach der Crisis on Infinite Earths neu geordnet wird. Aber selbst dann drückte Batman den Pessimismus aus, dass alles noch schlimmer werden würde. Man kann auch einwenden, es sei unwahrscheinlich, dass ein Autor die Doug Moench so weit vorausgeplant hat. Aber darum geht es nicht: Im Rückblick erscheint diese Story prophetisch – und sei es nur durch schieren Zufall.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Detective Comics #500

Ra’s brennt für Batman

Titel: The Lazarus Affair

Autor/Zeichner: Marv Wolfman/Irv Novick

Erschienen: 1980-1981 (Batman #330-335)


Lucius Fox wird von einer Gang angegriffen, der sein eigener Sohn angehört. Bruce Waynes Sekretärin stiehlt Geschäftsdokumente. Ein Konkurrent namens Gregorian Falstaff unterbietet Wayne bei mehreren Aufträgen, um ihn in den Ruin zu treiben. Was geht hier vor? Spätestens als Talia al Ghul unangekündigt in der Bathöhle auftaucht und Batman um Unterschlupf bittet, dürfte die Sache klar sein, aber Batman stellt sich dumm und spielt das Spiel mit.

Robin ist davon nicht begeistert. Während Batman mit Talia nach Asien reist und sich mit einer Horde Mutanten prügelt, ermittelt Robin mit Catwoman auf eigene Faust. Die Teams treffen sich auf Infinity Island, wo es zum Showdown mit dem mysteriösen Strippenzieher kommt. Wie gesagt: Wer das ist, liegt auf der Hand. Aber Marv Wolfman zieht die Auflösung so künstlich in die Länge, dass es fast schon komisch ist.

(Noch absurder: Batman trägt auf der Reise nach China einen Rucksack voller Tischtennisbälle mit sich, die er beim Grenzübertritt in einen Anzug steckt und so auf dem Wasser einen treibenden Körper simuliert. Damit schlägt er die Chinesen sozusagen mit ihren eigenen Waffen.)

Natürlich – ACHTUNG: SPOILER!!! – steckt hinter all dem Ra’s al Ghul. Wieder mal ist das ganze Theater nur ein Versuch, Batman auf seine Seite zu ziehen, indem er alles an sich reißt, was Bruce Wayne besitzt. Eigenartigerweise scheint der Schurke mehr Zeit in Bekehrungsversuche zu stecken als in sein eigentliches Projekt: die Welt von der Menschheit zu befreien. Batman muss sich entscheiden, ob seine Freunde getötet werden sollen oder er zu Ra’s Verbündeten wird. Er tut so, als würde er überlaufen. Robin und Catwoman werden daraufhin zum Steineklopfen ins Bergwerk geschickt.

Das Prinzip ist das altbekannte: Talia führt Batman in die Falle, dann betrügt sie ihren Vater. Das Neue: Wir erfahren, dass Talia selbst nicht mehr so jung ist, wie es scheint, dass sie schnell nachaltert und immer wieder durch Handauflegen von ihrem Vater verjüngt wird. Im Gefecht wird sie getötet und in der Lazarusgrube wiederauferweckt. Ra’s al Ghul landet schließlich selbst darin, springt brennend wieder heraus und als er noch einmal darin landet, explodiert die ganze (vulkanische) Insel und versinkt im Meer.

Das Pikante an der Story: Selina Kyle hat kürzlich erst mit Bruce Wayne Schluss gemacht. Dass er jetzt wieder von Talia becirct wird, gefällt ihr natürlich nicht so sehr. Aber Bruce bleibt eisern: Nach den gescheiterten Romanzen der letzten Zeit ist er für Talia nicht bereit. Schließlich behält Robin recht: Talia ist nicht zu trauen und Bruce muss verrückt sein, sich immer wieder auf sie einzulassen. Aber er kann einfach nicht anders.

(Hinweis: Offiziell erstreckt sich The Lazarus Affair nur über vier Ausgaben (Batman #332-335), die Handlung beginnt allerdings schon in Ausgabe #330.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Weihnachten mit Catwoman

Titel: A Christmas Tale

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1947 (Batman #39)


Diesmal reiten Batman und Robin auf der Katze und grüßen Santa Claus, der mit seinem Schlitten in die andere Richtung fliegt. Aber auch wenn sie in der Geschichte tatsächlich über Catwoman triumphieren (wie immer), bleibt ihr Batman sein Leben schuldig. Aber der Reihe nach.

Kurz vor Weihnachten entführt Catwoman (die hier wieder blond ist) drei Katzen. Der Grund ist nicht klar: Weder sind die Katzen besonders (einer fehlt sogar der Schwanz), noch sind ihre Besitzer reich. Aber ein Blick in die Zeitung verrät, dass Catwoman wahrscheinlich hinter den Juwelen her ist, die in einer Katzenmumie aus dem Museum stecken. So berechenbar ist es dann auch.

Catwoman benutzt die schwanzlose Katze, um ihr einen falschen Schwanz mit einem Betäubungsgas ankleben zu können, damit überwältigt sie die Wachen. Im Museum bringt Catwoman sogar Batman und Robin zu Fall, indem sie einen Säbelzahltiger auf sie stößt. Als einer ihrer Komplizen die Knarre zückt, wehrt sie ihn mit der Peitsche ab – und rettet Batman so das Leben. Sie sagt zwar, dass sie keine Mordanklage riskieren will, aber insgeheim fragt sie sich: „Why did I save him? Maybe I am soft … oh … I’m all confused!“

Um die anderen beiden Katzen zu kriegen, verkleiden sich Batman und Robin als Santa Claus und Elf und ziehen weiße Schnee-Kostüme an (die sie bereits in World’s Finest #7 getragen haben). Wieder einmal verrät eine Katze Catwoman, sie wird gefasst und die Katzen kehren zu ihren Besitzern zurück.

Am Ende wird die Schurkin wieder sentimental: Unter einem Mistelzweig will Catwoman Batman küssen, aber als er darauf nicht reagiert, macht sie ihm ein noch dreisteres Angebot: Batman soll sich ihr anschließen, zusammen könnten sie die Unterwelt beherrschen und „king and queen of crime“ sein. Batman bleibt hart, Catwoman will ihm daraufhin die Augen auskratzen – ach ja, das Fest der Liebe …

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Batman aus dem Computer

DC Comics

Titel: Digital Justice (dt. Im Netz des Jokers)

Autor/Zeichner: Pepe Moreno

Erschienen: 1990 (One-Shot), dt. Carlsen 1991


Als es das Internet gerade losging und Pixar mit den ersten computeranimierten Filmen begann, kamen auch die ersten digital gezeichneten Comics auf den Markt. Darunter auch Batman: Digital Justice. „Computer generated“ steht auf dem Cover und im Vorwort wird das Buch als Zeichen für den technischen Fortschritt gewertet. Zugleich heißt es darin auch, dass „state of the art“ heutzutage schnell veraltet sei. Das gilt vor allem für dieses Comic-Experiment.

Digital Justice mag für 1990 Avantgarde gewesen sein, aber es reicht nur ein Blick auf die Seiten, um zu verstehen, warum es bei einem Batman-Comic dieser Art geblieben ist. Aus heutiger Sicht sind die Bilder lächerlich primitiv: Häuser, Autos und Gegenstände wirken billig wie in den ersten Computerspielen, allein die Gesichter wirken halbwegs glaubhaft, allerdings auch maskenhaft steif, und überall sieht man ausgefranste Pixel-Kanten.

Das alles mag gut gemeint sein, aber es ist leider furchtbar schlecht gemacht. Das Bisschen Story, was sich der Künstler Pepe Moreno dazu überlegt hat, geht in der toten Atmosphäre der Grafik unter: Im digitalisierten Gotham der Zukunft (Megatropolis) herrscht ein böser Virus über die Menschen – der Joker. Fliegende Polizeiroboter laufen Amok, schießen immer wieder grundlos Menschen tot. Der Polizist Jim Gordon, Enkel des ehemaligen Commissioners, geht der Sache nach. Aber als er als Polizist scheitert, lässt er sich von einer Statue dazu inspieren, zum neuen Batman zu werden.

Die Hälfte der rund 100 Seiten muss man darauf warten. Dann geht alles recht flott: Er bekommt einen Robin, kommt in die alte Bathöhle, erfährt, dass der alte Batman noch als Programm weiterexistiert, während Alfred ein Roboter ist. Zusammen besiegen sie den digitalen Joker in einem digitalen Krieg, der so abstrakt ist, dass nicht annähernd nachvollziehbar, geschweige denn spannend ist, was da eigentlich passiert.

DC Comics

Das Aussehen des Joker ist auf das Wesentliche reduziert, sein Gesicht aus einigen simplen geometrischen Formen zusammengesetzt. Warum, sieht man beim Gesicht des digitalen Batman: Das soll zwar realistischer sein, ist aber so unbeholfen gezeichnet, dass man sich fragt, wie man jemals so eine Grafik bei DC hat durchgehen lassen.

Nein, es ist nicht einmal aus nostalgischer Sicht dem Comic etwas abzugewinnen. Es wirkt alles so leblos wie eben von einer toten Maschine erdacht und gemacht. Bestimmt war das damals „state of the art“, aber man wird den Eindruck nicht los, dass dieses Buch mehr sein will, als es sein kann. Als DC 17 Jahre später das Experiment mit dem Digitalen erneut wagte (The Clown at Midnight, Batman #663, 2007), sah das Resultat nicht wirklich überzeugender aus – auch wenn die Technik deutlich weiter war. Es zeigt sich: Computergenerierte Comics werden noch lange Science Fiction bleiben. Das ist auch völlig okay so, denn Papier und Bleistift reichen völlig aus. Auch wenn mittlerweile viel am Rechner passiert, braucht es immer noch den „Human Touch“.

Batmans Hochzeits-Spoiler

DC Comics

Titel: The Wedding

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2018 (Batman #45-50, DC Nation #0), Paperback 2018 (Batman Vol. 7)


„I have to save Batman.“ (Joker)

ACHTUNG: SPOILER!

Ein Jahr lang, über 25 Ausgaben hinweg hat Tom King seine Leser hingehalten. Nach Batmans Heiratsantrag an Catwoman verging viel Zeit bis zur Hochzeit. Tom King schob zunächst den Krieg zwischen Joker und Riddler ein, dann folgten zwei Bände Geplänkel, bei denen Batman die Frauen seiner Vergangenheit Revue passieren ließ, es zum Doppeldate mit Lois und Clark kam (inklusive Ausflug zum Rummelplatz) und Catwoman ein Brautkleid stahl. Ach ja, und dann gab es noch Batmans Junggesellenabschied. Alles war darauf angelegt, die große Hochzeit in der Jubiläumsausgabe Batman #50 stattfinden zu lassen (die, nebenbei bemerkt, kein großer Grund zum Feiern ist, weil die Serie erst 2016 neu gestartet wurde, aber egal).

Jetzt aber, endlich: Der große Moment, der Superman bereits 1996 vergönnt war, soll jetzt endlich stattfinden. Natürlich kommt was dazwischen. Nämlich der Joker. Der ist beleidigt, dass er nicht eingeladen ist, er will Trauzeuge werden. Aber vorher kommt noch etwas ganz Unerwartetes: Booster Gold. Der hat sich nämlich ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk ausgedacht. Er ist in die Zeit zurückgereist und hat den Mord an Bruce Waynes Eltern verhindert, damit Batman zumindest für einen Augenblick sehen kann, wie sein Leben sonst verlaufen wäre, im besten Fall glücklicher.

Doch es endet in einer Katastrophe. Zwar ist Bruce Wayne glücklich mit seinen Eltern, aber Oswald Cobblepot (dem Pinguin) ist Präsident der USA und Ra’s al Ghul herrscht über Eurasien. In Gotham treibt ein schießwütiger und mörderischer Dick Grayson als Batman sein Unwesen, während Jason Todd Radkappen verkauft, die mögliche Diebe mit Elektroschocks töten.

Tom King bedient sich bei der alten Superman-Story For the Man Who Has Everything und lässt die Inspirationsquelle auch von Booster Gold nennen. Abgesehen davon, dass diese Idee bereits vor kurzem in der Serie Trinity verwurstet wurde und dass das Konzept auch an die Batman-TAS-Folge Perchance to Dream erinnert, gelingt ihm hier eine interessante Elseworlds-Version, die in Batmans Welt zwar moralisch höchst fragwürdig und absurd erscheint. Aber ihr Verdienst ist es, dass sie über ihre Vorlagen hinausgeht, indem sie die steile These aufstellt: Ein glücklicher Bruce Wayne ist nur zum Preis einer unglücklichen Welt zu haben. Oder andersrum gesagt: Batman muss unglücklich sein, damit die Welt ein besserer Ort ist.

Diese Erkenntnis wird in der zweiten Story des Wedding-Hefts noch einmal aus der Sicht des Joker deutlich: Um an Batman ranzukommen, metzelt der Joker eine beliebige Hochzeitsgesellschaft in einer Kirche nieder. Batman interveniert, wird niedergestreckt, Catwoman greift ein, aber am Ende liegen sie und der Joker schwer verwundet nebeneinander. (Übrigens ohne dass jemals die Polizei oder sonstwer vorbeikommt.) Und dann gesteht der Joker Catwoman, dass es einen verheirateten, also glücklichen Batman nicht geben darf. Er will Batman vor ihr retten, damit dieser ihm erhalten bleibt. Das gibt ihr zu denken.

Das Problem daran: Sie reden. Und reden. Und reden. Schon gegen Batman hat der Joker einen scheinbar endlosen Monolog geführt. Wie schon in all den Tom King-Storys zuvor werden die Panels mit Sprechblasen erschlagen. Er würzt seine Reden zwar mit Humor und weiteren absurden Situationen, wenn etwa der Joker Catwoman bittet, ihm beim Nachladen zu helfen, aber das ändert nichts daran, dass das viele Gerede schnell ermüdet. Bei aller Eloquenz: Auch Kürze ist eine Tugend. Kill Your Darlings, heißt eine alte Schreiber-Weisheit, die aber bei DC zuletzt in Vergessenheit geraten scheint. Doch wenn man alle zwei Wochen ein Batman-Heft herausbringt (neben anderen Projekten), fehlt dazu vielleicht einfach die Zeit, die Worte auf das Nötigste zu reduzieren. Abgesehen davon befremdet es doch sehr, dass Batman dem Joker-Gerede einfach nichts entgegenzusetzen hat, sondern sogar sein lächerliches Geiselnahme-Spiel mitspielt und mit ihm zum Gebet niederkniet, obwohl es für ihn ein Leichtes wäre, den Joker zu entwaffnen.

LETZTE SPOILER-WARNUNG!

Und dann kommt es zum Finale: Batman #50. Die titelgebende Hochzeit. Sie findet nicht statt. Catwoman holt sich zwar eine Trauzeugin, zieht sich zwar ihr hübsches Kleid an und lässt Batman mit Alfred und einem Richter zum verabredeten Treffpunkt kommen, aber sie erscheint nicht. (Viele Fans waren enttäuscht, einige Spinner sogar so aufgebracht, dass Tom King Morddrohungen bekam und sich danach im Juli auf der San Diego Comic Con einen Bodyguard besorgen musste. Es ist schlimm, wenn so etwas nötig ist, denn eine solche Überreaktion ist total unnötig – erst recht von BATMAN-Fans. Es reicht auch, Tom King per Twitter mitzuteilen, dass man seine Story nicht gelungen findet.)

Doch die geplatzte Hochzeit ist nicht so sehr das Problem. Die Idee dazu hinkt bereits. Denn es sollen nicht etwa Bruce Wayne und Selina Kyle heiraten (das würde Batmans wahre Identität verraten), sondern tatsächlich Batman und Catwoman. Weil aber kein Standesamt Geheimidentitäten akzeptieren würde, muss ein Richter betrunken gemacht werden, um die Ehe zu schließen. Das ist bescheuert, man könnte sich das ganze Theater einfach sparen und ohne Ehe zusammenleben. Dann der Treffpunkt: Nicht eine Kirche oder Wayne Manor, sondern irgendein Dach – eine Reminiszenz an ihre Anfänge. Es ist zwar das Dach eines gewissen Finger Tower (dass Catwoman auf dem falschen Dach des Kane Plaza ist, spricht Bände), aber es ist eben nur ein schnödes Dach. Und dass nicht ein einziger Gast geladen ist, macht die Angelegenheit schon zu einer traurigen noch bevor das eigentlich Unglück passiert.

Das größte Problem ist jedoch die Inszenierung: Alle zwei Seiten füllt Tom King mit zwei Seiten Monologen, es sind Auszüge aus Briefen, die sich Selina und Bruce geschrieben haben. Dazu sehen wir ganzseitige Pin-ups verschiedener Batman-Veteranen, die Batman und Catwoman in der Vergangenheit zeigen. Die Bilder haben selten etwas direkt mit dem Text zu tun, sondern dienen nur der Nostalgie und dem Fan Service, allerdings ohne der Story zu dienen. Die auch hier wieder viel zu langen Reden ergehen sich im kitschigen Geschwätz über die Augen des jeweils anderen, bis Catwoman ihm erklärt, warum sie ihn nicht heiraten kann: „To save the world, heroes make sacrifices.“ Sie opfert ihre Liebe für ihn … Aber die Motivation ist zweifelhaft, denn die Ehe garantiert den beiden weder Glück noch schließt sie aus, dass Batman dadurch die Welt ins Unglück stürzt.

Verständlich, wenn sich die Leser betrogen fühlen, vor allem, wenn das Ganze als „Wedding“ angekündigt wird und keine Hochzeit stattfindet, wenn ein Jahr lang Erwartungen geschürt wurden und wenn die größten Batman-Zeichner versammelt werden zu einem Event, das keines ist. Man könnte Tom King und den Redakteuren von DC für diese Entscheidung auch Mut zusprechen, aber es nach der ganzen Vorgeschichte kann man es kaum anders als lang anlegegten Betrug sehen. Ich hatte schon lange den Verdacht, aber spätestens nach diesem Heft komme ich zu der Überzeugung: King hat von Batman einfach nichts zu erzählen und versucht bloß darüber hinwegzutäuschen, mit Geschätz, das bedeutungsschwanger tut, und Absurdität, die um ihrer selbst Willen witzig sein soll. Aber die Rechnung geht nicht auf, wenn die Substanz fehlt. Selten fühlte sich Batman hohler an als hier.

Es fällt mir schwer das zu sagen, aber da schon lange beide Batman-Serien schwach sind, verliere ich die Lust am Lesen dieser Comics. Im Augenblick retten mich nur die alten Storys und Ausnahmen wie White Knight, die zeigen, dass es noch möglich ist, etwas von Belang zu erzählen. Hier erwarte ich es nicht mehr.

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