Killer Croc

Knightfall #10: Prodigal

Bruce Wayne tut, was er schon früher hätte tun sollen: Er macht Dick Grayson zum neuen Batman. Und dann ist er weg. Wohin auch immer. Dick, der sich darüber beklagt hatte, dass Bruce zunächst den gestörten Jean Paul Valley zu Batman gemacht hatte, übernimmt seine Rolle ohne zu zögern. Aber dann hadert er doch mit sich …

Zunächst darf er sich mit ein paar einfachen Übungen eingewöhnen: Killer Croc, Bauchredner/Scarface, Ratcatcher – alles Episoden, die innerhalb von einer Heftlänge erledigt werden und zwar so belanglos, dass sie sofort in Vergessenheit geraten.

DC Comics

Dann aber kommt Two-Face durch einen Justizfehler frei (er wird mit einem Harvey Kent verwechselt) und beschäftigt Batman und Robin über vier Kapitel. Two-Face will das Justizsystem auslöschen, also massakriert er zunächst ein Dutzend Staatsanwälte und vernichtet dann die digitalen Akten (mit einer Kettensäge). Batman und Robin sind ratlos: Was hat Two-Face vor? Weil das nicht in sein übliches Dualitäts-Schema passt, haben sie keine Ahnung. Dabei kann man es sich leicht denken. Erst sehr spät, zu spät kommt Tim drauf, dass Two-Face auch das analoge Aktenarchiv zerstören will. Batman muss einen Aufstand in Blackgate verhindern – kein Problem. Als Tim gefangen genommen wird (wie erfahren wir nicht, egal), muss Batman Two-Face entgegentreten. Dick Grayson, der schon als Robin schleche Erfahrungen mit dem Schurken gemacht hat, bekommt es mit der Angst zu tun, aber meistert seine Aufgabe schließlich überraschend einfach mit einem Gabelstapler …

Keine Story für eine Two-Face-Anthologie. Auch wenn es mit „Harvey Kent“ einen interessanten Bezug zu seinem ursprünglichen Namen hat (erst später wurde er in Dent umbenannt), ist seine Faszination zum Binärcode von Rechnern eine Idee, die bereits 1986 aufgegriffen wurde – übrigens vom gleichen Autor (Doug Moench).

Im letzten Drittel kommt wieder Kleinkram: Drei Gauner, die man noch nie gesehen hat, nie wiedersehen und auch nicht vermissen wird, ein Wiedersehen mit dem Tally Man (Batman lässt sich von ihm wie ein Amateur gefangen nehmen), dann schließlich noch ein austauschbarer Schurke in einer Rüstung mit Flügeln, der Robin an einer Leine durch die Stadt zieht. Außerdem muss sich der Leser durch belanglose Episoden aus Robins Teenager-Alltag kämpfen.

Am Ende taucht endlich wieder Bruce Wayne in der Bathöhle auf. Einfach so. Aus dem Nichts. Wo er war, warum er zurück ist? Keine Ahnung. Dick macht ihm Vorwürfe (die gleichen wie zuvor), Bruce gibt zu, Fehler gemacht zu haben. Und dann ist wieder alles gut. Dick wird wieder Nightwing, Bruce wird wieder Batman.

Prodigal ist ein unnötiger, überlanger Anhang an die große Knightfall-Saga. Keine Storyline, sondern – wie schon Knightquest: The Crusade – eine Reihe kurzer Storys mit dem Rahmen des Haderns mit der Batman-Rolle. Im Rückblick funktioniert Knightfall periodisch: Teil 1 ist stark, Teil 2 schwach, Teil 3 wieder stark, Teil 4 (Prodigal) wieder schwach – mit dem Unterschied, dass Knightquest der Story noch einige wichtige Aspekte hinzugefügt hat, aber Prodigal ist einfach nur überflüssig.

Mehr zu Knightfall:

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Geburtstagsgeschenk für Harley Quinn

DC Comics

Titel: The Dark Prince Charming

Autor/Zeichner: Enrico Marini

Erschienen: 2017 (Teil 1 von 2, Hardcover)


„I’m no monster, after all.“ (Joker)

Bruce Wayne bekommt Besuch von einer Frau mit einem achtjährigen Mädchen. Sie behauptet, das sei seine Tochter und verlangt zehn Millionen Dollar. Als die angebliche Vaterschaft in die Medien kommt, entführt der Joker das Mädchen, um Harley Quinn ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Batman macht sich auf die Suche.

DC Comics

Enrico Marini (Batman Europa) ist ein Meister. Er inszeniert ein wahnsinnig detailliertes wie stimmungsvolles Gotham, neblig, aber in warmen Farben. Seine Figuren strotzen vor Lebendigkeit, sein Batman, der sehr an Ben Affleck erinnert, changiert irgendwo zwischen realistisch und ikonenhaft. Der Joker ist ein ultragrausamer Schurke, der seinen Handlangern keinen Patzer durchgehen lässt und auch einfach seine ganze Gang niedermetzelt, wenn ihm danach ist. Aber er ist auch ein Schurke mit einer schwierigen Kindheit, wenn man seinen Gedächtnislücken Glauben schenken darf … Das erinnert zwar stark an den Film The Dark Knight, aber seine Fürsorge für das entführte Kind verleiht ihm auch eine neue, nämlich menschliche Komponente.

Die Story nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht, denn sie spielt abseits der Continuity: Bruce Wayne hat eine Beziehung mit Selina Kyle (Catwoman), die offenbar immer noch Juwelen stiehlt, James Gordon raucht erstmals E-Zigarette und Batman trifft mal wieder auf einen Killer Croc, der keine Ratten in der Kanalisation frisst, sondern eine eigene Gang unterhält. Im vorläufigen Finale verprügelt ihn Batman verprügelt auf der Suche nach Antworten, aber muss eingestehen, dass er nur ans Ende seiner Möglichkeiten gekommen ist …

The Dark Prince Charming ist der furiose Auftakt einer packend erzählten Geschichte und macht große Lust auf Teil 2. Der soll allerdings erst im Frühling 2018 erscheinen.

Die schrillen Zwei auf Achse

DC Comics

Titel: All-Star Batman Vol. 1 – My Own Worst Enemy (dt. Mein schlimmster Feind)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/John Romita Jr., Declan Shalvey

Erschienen: 2016 (All-Star Batman #1-5), Hardcover 2017; dt. Panini 2017 (Paperback)


„There will be a mess.“

Nachdem Two-Face einen Säureregen über Gotham niedergehen ließ, offenbart sein gutes Ich, Harvey Dent, dass er an einer dauerhaften Lösung für das Problem arbeite: Er will Two-Face mit einer chemischen Kur beseitigen. Batman packt den Schurken ein und macht sich im Flieger zu dem Ort auf – doch dann wird er abgeschossen. Weil Two-Face ein Kopfgeld auf Batman ausgesetzt hat, sind jetzt alle hinter ihm her – Schurken wie Zivilisten. Und dann schicken Pinguin, Black Mask und Great White (Shark) auch noch einen alten Bekannten ins Spiel: The Beast, ehemals KGBeast.

Scott Snyders erste All-Star Batman-Storyline ist ein Road Movie, in dem fast jedes denkbare Transportmittel bemüht wird, es steckt voller erst-, zweit- und drittklassiger Schurken, voller Waffen von der Kettensäge bis zur Machete, und demnach auch voller Gemetzel. Und dann bricht auch noch die Polizei in Wayne Manor ein, um die Bathöhle zu suchen. Auch die immer noch die namenlose gelbe Bat-Aushilfe Duke darf mitspielen. (Der bekommt am Ende des Bandes noch ein kleines Extra-Abenteuer.) Als wäre das noch nicht genug, dichtet Snyder dem jungen Bruce Wayne noch eine gemeinsame Vergangenheit mit Harvey Dent an. (Armer Bruce: Hat der Junge mit dem Tod seiner Eltern und der Suche nach dem Rat der Eulen nicht schon genug durchmachen müssen?)

Snyder zieht also mal wieder alle denkbaren Register. Das sorgt zwar für viel Abwechslung, aber führt auch zu Ermüdungserscheinungen. Denn natürlich muss es auch um den alten Widerstreit der gespaltenen Persönlichkeiten gehen. Doch das eigentliche Thema bleibt zuweilen auf der Strecke. Bei dem schnell ausgetauschten Kanonenfutter an Schurken hat man selten den Eindruck, dass es sich wirklich um eine Two-Face-Story handelt. Immerhin ist die Wendung am Ende interessant ausgefallen, wenn auch die Idee von Two-Face, von jedem Menschen die stärkere Seite hervorzubringen, nicht ganz neu ist (siehe Jekyll & Hyde).

Eigentlich kann man sich kaum beschweren: My Own Worst Enemy ist ein knallbuntes, wildes Spektakel.  Aber es leidet, wie andere Snyder-Storys, an dem alten Problem: es wirkt überladen. Es passiert so viel, dass man fast vergessen könnte, dass hier nichts von Substanz passiert. Snyder hat zwar viele Ideen. Leider sticht keine davon besonders heraus. Da erscheint es nur passend, dass gerade Zeichner John Romita Jr. (The Last Crusade) das Ganze inszeniert – klobig und brachial.

Mehr von Scott Snyder:

>> Liste der Two-Face-Comics

Bat-Robot gegen Godzilla Croc

Der Blödsinn der Woche ist eindeutig dieser Trailer zu einer weiteren freudlosen Episode von Batman Unlimited: Mechs vs. Mutants lautet der Untertitel dieses Zeichentrickfilms – und damit ist auch schon alles gesagt. Killer Croc, Bane und Clayface wachsen zu Riesen heran, Batman und Green Arrow steigen in riesiger Roboter-Kampfanzüge und prügeln sich mit ihnen. Kommt uns das bekannt vor? Ja, es ist eigentlich nur ein billiger Abklatsch des Hochglanz-Trash-Films Pacific Rim, der wiederum ein mieser Abklatsch alter Godzilla-Filme ist, die wiederum ihren Ursprung bei King Kong haben usw. Für die Animationsfilmreihe ist es eine logische Weiterentwicklung, nachdem Batman in Monster Mayhem (dt. Monster Chaos) auf einem Roboter-T-Rex geritten ist.

Kurz gesagt: Schon wieder ein Film, der nur dazu dient, Kindern Spielzeug zu verkaufen und das, was Batman eigentlich ausmacht, völlig vergessen zu machen.

Wer sich gut mit Batman-Comics auskennt oder dieses Blog schon länger verfolgt, wird sich vielleicht erinnern, dass diese Idee aber gar nicht mal so weit hergeholt ist: sie wurde schon einmal durchgespielt, nämlich in Gotham After Midnight. In Kapitel vier der zwölfteiligen Mini-Serie nimmt es Batman in einer ähnlichen Riesen-Rüstung mit Clayface auf. Völlig bescheuert? Nein, mir hat der Comic sehr gefallen – gerade wegen solcher absurder Szenen. Oft ist das, was gezeigt wird, gar nicht so entscheidend wie das Wie. Aber die Erfahrung mit Animal Instincts lehrt, dass man auf die Batman Unlimited-Filme verzichten kann, wenn man älter ist als zwölf Jahre.

Detective 941 (DC Comics)

Detective 941 (DC Comics)

Wie der Zufall will, scheint eine ähnliche Idee auch wieder in den Comics aufgegriffen zu werden: Im September beginnt das erste Batman-Crossover nach Rebirth: Night of the Monster Men. Batman und Co. müssen gegen Riesenviecher kämpfen. Das kann ja heiter werden …

>>> Batman Unlimited: Mechs vs. Mutants feiert Premiere am 24. Juli bei der San Diego Comic-Con, erscheint am 30. August in den USA zunächst digital und am 13. September auf DVD. Ein Termin für Deutschland steht noch nicht fest.

Hort der Hoffnungslosen

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Reborn

Autor/Zeichner: David Hine/Jeremy Haun

Erschienen: 2009-2010 (Batman: Battle for the Cowl – Arkham Asylum #1, Arkham Reborn #1-3, Detective Comics #864-865), Paperback 2010


„All things are possible here and I am what madness made me. Whole. And complete. And free at last.“ (Amadeus Arkham)

Dies ist keine Batman-Story. Es ist die Geschichte von Jeremiah Arkham, dem Leiter von Arkham Asylum. Erzählt wird, wie er nach der Zerstörung der Anstalt durch Black Mask (Battle for the Cowl) Arkham wieder aufbaut und mit neuem Konzept in Betrieb nimmt. Der Psychiater wird als unverbesserlicher Idealist dargestellt, der immer noch fest an die Heilung seiner Patienten glaubt, obwohl sie noch nie geglückt ist. Mit der neuen Anstalt setzt er auf das Konzept eines Krankenhauses statt eines Gefängnisses. Kritiker bleiben skeptisch. Und tatsächlich geht schon kurz vor der offiziellen Eröffnung einiges schief, sodass einige Insassen wie Killer Croc und Clayface fast draufgehen. Offenbar ist jemand daran interessiert, für Gothams Schurken eine ultimative Lösung zu finden. Es kommt zum Aufstand der Patienten. Erst dann tritt Batman auf.

Arkham Reborn ist eine Story für Freunde von Vorgeschichten, in denen erklärt wird, wie es zu diesem oder jenem kam. Normalerweise sehe ich so eine Erlärerei skeptisch, weil der Reiz von Geschichten oft darin besteht, dass man vieles nicht weiß. Hier ist es anders. Denn Arkham Reborn reicht Antworten für Fragen nach, die bei der Lektüre von Batman: Life After Death (dt. Das Leben nach dem Tode) aufgekommen sind und den Leser unbefriedigt zurückließen. Mit anderen Worten: es wird erklärt, wie Jeremiah Arkham zu Black Mask wurde. Es ist also eine psychologische Geschichte eines Menschen mit gespaltener Persönlichkeit. Alles ist schön plausibel aufgedröselt. Aber das Beste daran ist, dass das sehr einnehmend erzählt wird. Und damit macht die Geschichte das Chaos von Life After Death wieder gut.

Wie in anderen Arkham-Storys üblich, ist auch hier der Fantasie für Grausamkeit keine Grenzen gesetzt. Auch hier begegnet man neuen Insassen, die das Irrenhaus noch mehr zum Gruselkabinett werden lassen. Am besten funktioniert aber Arkham Reborn als Charakterstudie. Aus der persönlichen Perspektive wird erzählt, was dem Protagonisten seine Anstalt bedeutet, dass er sich seinem (irren) Vorfahren Amadeus Arkham verpflichtet fühlt und wie fürsorglich er sich um seine kaputtesten Patienten kümmert. So kann man Empathie und sogar Mitleid für den ihn aufbringen, wenn man mitansieht, wie er sich vom Wahnsinn anstecken lässt. So reiht sich auch diese Story in die Tradition der ewigen Tragödie ein: Arkham bleibt der Hort der Hoffnungslosen.

Weitere Arkham-Storys:

Lebendige Kugeln gegen Superman

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman Vol. 4 – Siege (dt. Supermans Joker)

Autor/Zeichner: Greg Pak/Ardian Syaf u.a.

Erschienen: 2015 (Batman/Superman #16-20, Annual #2, Paperback 2015), dt. Panini 2016 (Bd. 5)


„Du hast jetzt einen Joker.“ (Batman zu Superman)

Den Lesern wird aufgefallen sein, dass ich zwar ein Fan der World’s Finest bin, aber keiner der Serie Batman/Superman. Im Vergleich zum Potenzial, die in diesem Konzept steckt, bleiben die neuesten Storys stark dahinter zurück. Bei der Vorgängerserie Superman/Batman von 2003-2011 war zwar auch nicht alles Gold, aber immerhin fanden sich darunter einige Perlen. Bei Batman/Superman war erst in Band 3 ein wenig Glanz zu erkennen.

Band 4 (Band 5 in der deutschen Fassung) erzählt endlich eine einigermaßen interessante Geschichte: Ein Unbekannter verübt Attentate auf Menschen, die etwas mit Superman zu tun haben – unter anderem auf Lex Luthor und Batman. Die Kugeln sind intelligent, tödlich und kaum zurückzuverfolgen. Hector Hammond gerät unter Verdacht, dann auch Lobo. Schließlich führt die Fährte zur Flaschenstadt Kandor. Als Urheber stellt sich der Phantom King heraus, ein verrückter Wissenschaftler von Krypton, der sich an der Familie von Jor-El rächen will. Batman nennt ihn Supermans Joker – ein Irrer, der mit seinem Erzfeind grausame Spielchen treibt.

Auch wenn die Affäre am Ende allzu konventionell gelöst wird, ist der erste Teil, der eigentliche Krimi, doch ziemlich packend erzählt. Und zwar so, dass selbst der Mord an einer Randfigur – ein Mann, der sich als Superman verkleidet und Kinder im Krankenhaus aufheitert – bewegt.

Batman/Superman Bd. 5 (Panini)

Batman/Superman Bd. 5 (Panini)

Das letzte Kapitel (Siege, dt. Belagerung) bildet eine Art Epilog: der Phantom King hetzt einige Batman-Schurken wie Bane, Killer Croc und Man-Bat auf Clark Kent. Unglücklicherweise verliert er durch den Einsatz seiner neuen Superkraft, dem Sonnenstoß, vorübergehend seine Kräfte. Aber zusammen mit Batman können sie die fremdgesteuerten Mordlustigen aufhalten. Clark Kent ist eben auch ohne Kräfte super … Noch besser ist aber Batman: Er darf sogar einmal auf Killer Croc reiten.

Ein Muss ist dieser Band zwar nicht, aber eine durchaus unterhaltsame, leichte Lektüre für zwischendurch. Wenn mal gerade nichts anderes zur Hand ist.

Nothing really matters to me

„Is this the real life? Is this just fantasy?“ (Queen)

Wirkte der erste Suicide Squad-Trailer wie ein düsterer Psychothriller, wirkt der zweite wie eine Action-Komödie: laut, schnell, schrill. Mit Queens „Bohemian Rhapsody“, der von Realitätsverzerrung und Mord handelt, haben die Macher einen perfekten Song für die Untermalung ausgewählt. „Nothing really matters to me“, heißt es darin am Ende, und tatsächlich haben wir es mit einem Haufen Nihilisten zu tun. Die Task Force der gefährlichsten Kriminellen der Welt wird lakonisch eingeführt: Der eine erschießt Leute (Deadshot), der andere isst sie auf (Killer Croc), der andere verbrennt sie (El Diablo) – und Harley Quinn ist einfach nur verrückt. Und dann gibt es da noch unter anderen den sadistischen Joker (Jared Leto), der hier nur einen Satz zu bieten hat: „I can’t wait to show you my toys.“ Man sieht ihn in einen Chemietank springen, wahrscheinlich Harley hinterher, die er anschließend aus der Brühe fischt, wahrscheinlich rührt daher auch ihr blasser Teint.

In dem an Filmschnipseln völlig überladenen und schnell geschnittenen Video ist nur einer nicht zu sehen: Batman. Aber auch der Feind, gegen den die Suicide Squad eingesetzt wird, kommt darin nicht vor. Das ist auch ganz okay so, es soll ja nicht alles verraten werden (im Gegensatz zum Batman v Superman-Trailer, indem die ganze Geschichte erzählt wird). Was bleibt am Ende? Die Hoffnung, dass Regisseur David Ayer (nicht gerade für seine Subtilität bekannt) es nicht zu gut meint, dass es nicht allzu überdreht und anstregend wird, dass auch mit diesem Film das Fundament für ein stimmiges und aufregendes Filmuniversum gelegt wird. Wenn die Mischung stimmt, könnte Suicide Squad ein großer Spaß werden. Viel Sinn und Tiefgang darf man bei einem Haufen Verrückter ohnehin nicht erwarten.

Am 18. August 2016 wissen wir mehr.

Welke Blüten

DC Comics

DC Comics

Titel: Legends of the Dark Knight Vol. 5

Autor/Zeichner: Ron Marz, Aaron Lopresti u.a./diverse

Erschienen: 2015


„The tale is in the telling.“ (Edgar)

Anthologie bedeutet ursprünglich Blütensammlung. Doch wie so oft sind es nicht bloß schöne Blüten, die gesammelt werden. Die Qualität schwankt. So ist es auch mit den Legends of the Dark Knight. Leider ist Band fünf besonders schwach geworden. Denn die Fantasie treibt hier keine Blüten: Mäßig inspirierte Autoren steuern sechs Geschichten bei, die von mäßig begabten Zeichnern inszeniert werden.

Es beginnt mit einer Story von Aaron Lopresti um einen verrückten Wissenschaftler, der Batman zu klonen versucht und dabei ein Monster erschafft. Diese Frankenstein-Adaption ist nicht nur allzu platt, die Idee wurde bereits in einer Elseworlds-Geschichte realisiert – und zwar viel interessanter. Bei einem Klassiker der Literatur bedient sich auch Nevermore, eine Adaption der Edgar Allan Poe-Story Das verräterische Herz. Allerdings ist hier Poe selbst der Schurke – oder wenigstens ein Irrer, der sich so inszeniert und seine Handlanger nach Poe-Figuren geformt hat. Das Ganze soll wohl eine Hommage sein, aber es wirkt so uninspiriert, als hätte man bloß ein paar bekannte Motive auf einen Haufen geworfen. (Eine ähnliche Idee wurde ebenfalls bereits verwendet, in der fünfteiligen Elseworlds-Miniserie Nevermore.)

Eine ausführliche Story ist dem Riddler gewidmet, eine andere handelt von neuen Gegnern, einem zündelnden Rächer und einem menschenaussaugenden Monster. Zum Schluss müssen sich Robin (Dick Grayson) und Batgirl nach einem Ausbruch aus Arkham fragen, was Batman tun würde, um Killer Croc, Man-Bat und Clayface wiedereinzufangen. Batman erscheint hier als graue Eminenz im Hintergrund, die für alles einen Plan hat – was natürlich nicht immer so ist.

Nichts davon vermag zu fesseln, nichts davon unterhält besonders. Man nimmt es zur Kenntnis und hat es sofort wieder vergessen. Wahre Legenden sehen anders aus. Diese Blütensammlung enthält bloß welkes Zeug.

Batman tappt im Dunkeln

DC Comics

DC Comics

Titel: Broken City (dt. Kaputte Stadt)

Autor/Zeichner: Brian Azzarello/Eduardo Risso

Erschienen: 2003-2004 (Batman #620-625, Paperback 2004), dt. Panini 2012


„I wouldn’t fret over it too much, detective. After all, what makes four a better story than the one that got away?“ (Little Boy)

Batman sucht Angel Lupo, einen kleinen Fisch, der Autos geklaut hat. Er soll seine Schwester hat umbringen lassen. Von Killer Croc. Als Batman Lupo nahe kommt, haut dieser ab – und hinterlässt zwei weitere Leichen, nämlich die Eltern eines Jungen – auf offener Straße. Das kann Batman erst recht nicht auf sich beruhen lassen. Also mischt er die ganze Stadt auf, um den Täter zu kriegen. Schließlich ist auch die ganze Stadt – Unterwelt wie Polizei – hinter Lupo her.

Brian Azzarello und Eduardo Risso (100 Bullets) erzählen eine Batman-Story in bester, klassischer Noir-Manier. Die Nähe zu Frank Miller ist vor allem grafisch unverkennbar, zuweilen erinnert das Setting sehr an seinen Dark Knight oder Sin City. In gewisser Weise ist es das Gegenstück zu dem überbordenden Hush von Loeb und Lee: Auch hier trifft Batman auf eine Reihe der üblichen Verdächtigen (Croc, Pinguin, Scarface, Joker) sowie einige neue (Fatman und Little Boy), die er nach dem Verdächtigen befragt, aber anders als bei Hush ist hier alles düster und in gedeckten Farben gehalten und es geht auch nicht um das große Ganze, ein Riesenkomplott oder ähnliches.

Darin liegt der Reiz der Story: Batman kümmert sich um einen kleinen Fall, aber begeht dabei große Fehler – er tappt auch buchstäblich im Dunkeln, weil er sich von persönlichen Gefühlen in die Irre leiten lässt. Azzarello konzentriert sich ganz auf die Hauptfigur, es gibt keine Batman-Familie, nicht einmal einen Alfred. Bruce Wayne brät sich sein Steak sogar alleine – zur Entspannung. Wir erfahren, dass er Angst vor dem Träumen hat, weil er darin sein Kindheitstrauma immer wieder erleben muss, und wir sehen einige interessante Variationen des altbekannten Motivs.

Broken City mag optisch vielleicht zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber auf langer Strecke entfalten die Zeichnungen ihren Reiz. Azzarellos Worte hingegen machen es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Das ist hardboiled Batman, wie ihn die Fans von Frank Miller und Alan Moore lieben.

(Im Band Batman Noir: Eduardo Risso ist Broken City auch in einer Schwarz-Weiß-Fassung erschienen.)

Harte Bandagen

DC Comics

DC Comics

Titel: Hush

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Jim Lee

Erschienen: 2002-2003 (Batman #608-619), Paperback 2003 (zwei Bände), 2009 (ein Band), dt. Panini 2006 (zwei Bände), Eaglemoss DC Graphic Novel Collection 2015 (zwei Bände)


„You gotta be able to think like your opponent.“ (Thomas Elliot)

Killer Croc entführt einen Jungen. Bei der Lösegeldübergabe kommt Batman dazwischen. Catwoman macht sich mit dem Geld davon, Batman verfolgt sie, dabei wird sein Seil durchschnitten, er stürzt und wird dabei schwer am Kopf verletzt. Der Chirurg Dr. Thomas Elliot – ein alter Jugendfreund – flickt Bruce Wayne wieder zusammen . Doch als es wieder zum Kontakt zum genesenden Bruce kommt, wird „Tommy“ vom Joker erschossen. Batman gerät mal wieder in Versuchung, kurzen Prozess zu machen und seinen Erzfeind abzumurksen. Und das sind nicht die einzigen seltsamen Begebenheiten. Ein Unbekannter hat es auf Batman abgesehen. Aber wer? Und warum?

Lauter unerhörte Ereignisse passieren in Hush, einer der beliebtesten Batman-Storys des neuen Jahrhunderts. Autor Jeph Loeb setzt damit sein bewährtes Rezept fort, das er mit seinen 90er-Jahre-Epen mit Tim Sale etabliert hat: The Long Halloween und Dark Victory. Hier wie da wird eine Detektivgeschichte in rund einem Dutzend Kapiteln erzählt, die einmal durch die Rogues Gallery jagt. Bei Hush sind es neben Joker, Harley Quinn und Killer Croc auch Poison Ivy, Two-Face, Ra’s al Ghul, Riddler, Scarecrow und Clayface. Außerdem treten Helden wie Robin, Nightwing, Orakel, Huntress und Superman auf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem Catwoman: Endlich kommt es zu einer intimen Annäherung mit Batman und zu einer Offenbarung. Eine Begegnung zwischen Batman und Superman wird weniger kuschelig – was will man mehr?

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