Hugo Strange

Monströses Desaster

DC Comics

DC Comics

Titel: Night of the Monster Men (dt. Die Nacht der Monster-Menschen)

Autor/Zeichner: Steve Orlando, Tom King, James Tynion IV, Tim Seeley/Riley Rossmo, Roge Antonio, Andy MacDonald

Erschienen: 2016 (Batman #7-8, Nightwing #5-6, Detective Comics #941-942), Hardcover 2017, dt. Panini 2017


„I don’t run from my monsters. I embrace them.“ (Batman)

Vier riesige Monster fallen über Gotham her  und zerstören sinnlos die Stadt. Batman und seine Familie (Batwoman, Nightwing, Clayface, Spoiler, Orphan, Gotham Girl, Duke Thomas) halten sie auf. Dahinter steckt Hugo Strange. Und die einzige Frage, die sich ständig aufdrängt: Warum ruft niemand die Justice League zur Hilfe? Die darf erst am Ende aufräumen helfen. Seltsam.

Das erste Batman-Event im Rebirth-Zyklus enttäuscht durch eine langweilige Prämisse (Riesenmonster? Gähn!) und eine banale Story mit noch banalerem Finale. Hier wurden die bisherigen klassischen Geschichten um Hugo Strange (Batman and the Monster Men, Prey, Strange Apparitions) zu einer vermischt und nur dadurch gesteigert, dass die Monster noch größer, fieser und … monströser gemacht wurden. Aber das führt bloß dazu, dass die Helden zu Katastrophenhelfern werden und vor lauter Action jegliche Psychologie auf der Strecke bleibt, obwohl die Monster angeblich für Batmans Ängste stehen sollen. Da hilft es nichts, dass Hugo Strange ein verrücktes Universalgenie ist und im Batman-Kostüm auf einem Thron aus Psychologie-Büchern sitzt – am Ende siegt der Held, ohne dass es zu einem richtigen Duell gekommen ist.

Grafisch bleibt Night of the Monster Men so durchschnittlich wie seine Geschichte. Was aber irgendwann zu viel wird, ist diese knallbunte Kolorierung, vor allem der penetrante Pink-Stich am Ende. Mit Rebirth will DC ja wieder mehr Optimismus in die Comics bringen, aber das ist eindeutig zu viel des Guten. Es täte den Comics besser, in neue Ideen zu investieren.

Was bisher geschah:

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Batmans neue Super-Freunde

DC Comics

DC Comics

Titel: I Am Gotham (Batman Vol. 1) (dt. Ich bin Gotham)

Autor/Zeichner: Tom King/David Finch, Mikel Janin, Ivan Reis u.a.

Erschienen: 2016 (Batman #1-6, Batman Rebirth #1), Paperback 2017, dt. Panini 2017 (Paperback)


„Who’s going to catch you in Gotham?!“

Jede Stadt hat ihre Beschützer: Metropolis hat Superman, Gotham hat Batman – aber was, wenn über Gotham plötzlich ein Flugzeug abgeschossen wird, es auf die Stadt zurast und kein Superman helfen kann? Dann ist Batman ziemlich aufgeschmissen. Mit technischen Tricks kann er vielleicht das Schlimmste verhindern, aber nicht mehr sich selbst retten. Doch in so einer Situation tauchen aus dem Nichts zwei fliegende Superhelden auf und gehen Batman zur Hand: sie nennen sich „Gotham“ und „Gotham Girl“ und tragen diamantförmige Symbole mit einem G in Frakturschrift auf der Brust.

Nicht gerade einfallsreich, zugegeben. Und der beste Detektiv der Welt kommt auch schnell hinter die Masken der beiden Neulinge und stattet ihren Eltern als Matches Malone einen Besuch ab. Wie dem auch sei: die Geschwister Gotham haben die nobelsten Absichten – und Batman vertraut ihnen auch ohne große Erklärungen über ihre Herkunft und Beweggründe. Er verlässt sich wohl auf seinen Instinkt. Und so arbeitet das Dynamische Trio zusammen mit dem Azubi-Robin Duke Thomas, der noch Dauerdienst in der Bathöhle schieben muss, bevor er ins gelbe Kostüm steigen darf. (Wer Duke ist, erfährt man im Prolog von Batman Rebirth #1, mit dem der Band beginnt, der aber auch in Batman Vol. 10: Epilogue und Detective Comics Vol. 9: Gordon at War enthalten ist.)

Passend zum Zeitgeist der Realität haben die Helden vor allem mit Terrorismusbekämpfung zu tun: in Gotham sind Selbstmordattentäter mit Bomben unterwegs und verbreiten die Botschaft der Furcht. Auch Solomon Grundy darf mal wieder beim Chaos mithelfen. Dahinter stecken aber Hugo Strange und der Psycho Pirate (siehe Crisis on Infinite Earths) – aber was Strange vorhat, das wird hier noch nicht geklärt.

Der neue Batman-Autor Tom King (der neben Grayson auch die grandiose Irak-Kriegs-Serie Sheriff of Babylon geschrieben hat) legt mit I Am Gotham einen furiosen Start hin: einfallsreich und voller Humor, die Tradition im Blick, aber auch stets ironisierend. Damit erweist er sich als würdiger Nachfolger von Scott Snyder. Allein das erste Kapitel, in dem Batman das Flugzeug umzulenken versucht, ist auch dann äußerst spannend, wenn man weiß, worauf es hinausläuft. Weitere Highlights: Alfred im Batman-Kostüm und eine Reihe geschrotteter Batmobile. Zeichner David Finch (Batman: The Dark Knight und Forever Evil) liefert eine solide Arbeit mit typisch klaren Linien und einigen prachtvollen Splash-Pages hin, auch wenn die Mimik seiner kraftstrotzenden Figuren nicht immer überzeugt. Er ist kein so einfallsreicher Künstler wie sein Vorgänger Greg Capullo.

Allerdings ist die Story etwas zu sprunghaft, ein paar Seiten mehr hätten ihr gut getan, dafür endet sie im Grunde schon nach fünf von sechs Kapiteln, der Schluss ist bloß ein etwas sentimentaler Epilog, der für die Trauerbewältigung von Gotham Girl verschenkt wurde. Und vor allem liest sich I Am Gotham nicht so sehr wie eine abgeschlossene Geschichte, sondern bloß wie ein Auftakt zu Größerem: Darin angelegt sind bereits das Crossover Night of the Monster Men sowie die Fortsetzungen I Am Suicide und I Am Bane. Wie gut die Stücke zusammenpassen, werden wir später beurteilen müssen.

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Die verhinderte Fledermaus

Detective No 27

DC Comics

Titel: Batman: Detective No. 27 (Detective #27)

Autor/Zeichner: Michael Uslan/Peter Snejbjerg

Erschienen: 2003 (One-shot)


 „Did you ever dance with the devil in the pale moonlight?“

Eine Batman-Story ohne Batman. Bruce Wayne sitzt am offenen Fenster und überlegt gerade, wie er am besten das Verbrechen bekämpfen kann, das seine Eltern das Leben kostete, da klopft es an der Tür. Wayne schließt das Fenster, eine Fledermaus fliegt dagegen. „Stupid bird!“, sagt Wayne genervt ohne richtig hinzusehen. Kurz darauf wird er zum „Detective No. 27“, Mitglied einer Geheimgesellschaft, die gegen eine Verschwörung von Südstaatlern kämpft. Einige von denen haben es nicht verkraftet, den Bürgerkrieg verloren zu haben, also ermordeten sie Abraham Lincoln und planen jetzt, den Norden mit einem tödlichen Gift zu vergasen.

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Großes Gangster-Gemetzel

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and the Monster Men (Dark Moon Rising, Pt. 1) (dt. Batman und die Monster-Männer)

Autor/Zeichner: Matt Wagner

Erschienen: 2006 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2006) dt. Panini 2006 (100% DC)


„It’s like something out of a tawdry crime novel!“ (Norman Madison)

Für einen Bankraub ist es wohl eine der genialsten Ideen aller Zeiten: Man entführt einfach ein paar Irre, erfindet ein Mittel, mit denen man sie zu Riesen-Monstern mutieren lässt und lässt sie auf die Straße los. Die Öffentlichkeit und die Polizei werden so damit beschäftigt sein, die Bestien einzufangen, dass man in der Zeit leicht in ein paar Banken ein- und ausspazieren kann. „Clever, isn’t it?“, fragt Hugo Strange Batman. „You know, at times I am amazed at my own genius!“ Aber da hat Strange nicht mit Batman gerechnet. Der macht die Monster im Alleingang fertig, mixt sich schnell ein Mittelchen gegen das Mutantenserum und dann zerschlägt den Plan wie ein Monster sich selbst, das vom Wolkenkratzer stürzt.

So war das damals, in Batman #1 von 1940. Matt Wagner hat die Geschichte von Hugo Strange und den Monstern noch mal erzählt. Ohne den Bankraub. In dieser Fassung strebt der Mad Scientist nicht nach dem schnöden Mammon, sondern nach höheren Zielen: dem Übermenschen, ganz klassisch also. Weil er selbst kleinwüchsig, kahlköpfig und kurzsichtig ist, will er damit eigentlich nur ein besseres Abbild seiner selbst erschaffen – aber das geht gründlich schief. Heraus kommen bloß Freaks mit Hang zum Kannibalismus. Strange füttert sie mit Menschen. Und weil er die Überreste nur schlampig entsorgt, werden Polizei und Batman auf ihn aufmerksam. Außerdem leiht er sich die Kohle für die Forschung bei der Mafia, was ihm zusätzlich Ärger einbringt.

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Das Cabinet des Dr. Crane

DC Comics

DC Comics

Titel: Terror

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 2001 (Legends of the Dark Knight #137-141, Paperback 2003, Neuauflage 2012 als Prey, zusammen mit der gleichnamigen Story)


 „No one gets away with killing Dr. Hugo Strange.“ (Hugo Strange)

„… I’ve got to shift from prey to predator …“ (Batman)

„… some criminals can be stopped only by the bat. The weird ones, the mad ones … the demons.“ (Batman)

Zehn Jahre nach dem Erscheinen von Prey haben Doug Moench und Paul Gulacy eine Fortsetzung gemacht: Terror. Hugo Strange, der einst im Gotham River verschwand, kehrt wieder zurück: als Mörder im Batman-Kostüm. Er will sich an seinem Peiniger rächen. Dafür befreit er Scarecrow aus Arkham, weil er dessen Angstgas für seinen Plan braucht. Doch Scarecrow, bestärkt in seinem Selbstvertrauen, macht sich selbständig, tötet Strange und macht sich auf, offene Rechnungen an den Menschen zu begleichen, die ihn mit Mobbing zu dem gemacht haben, was er ist. Und der böse schwarze Mann mit den spitzen Ohren steht ganz oben auf der Liste.

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Psychiater auf Fledermausjagd

DC Comics

DC Comics

Titel: Prey (dt. Beute)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 1992 (Legends of the Dark Knight #11-15, Paperback 1992, Neuauflage 2012, zusammen mit Terror) dt. Panini 2014.


 „Batman is actually good for morale. It doesn’t hurt, for some of the men, at least, to know we’re not out there on the street alone.“ (James Gordon)

„Must I act alone? Is my ego that huge? My obsession that great? What would it take for me to trust someone? And who could I trust?“ (Bruce Wayne)

„Oh, he’s a killer, this Batman … A killer who doesn’t kill.“ (Hugo Strange)

„The one crime the Bat-Man can never stop is the one that started him.“ (Hugo Strange)

Zu Beginn seiner Karriere hat Batman nicht viele Freunde. In Prey hat der Held nur Captain James Gordon auf seiner Seite, der nicht vergessen hat, dass Batman in Year One sein Kind gerettet hat. Ansonsten bringt der Vigilant immer noch die Polizei gegen sich auf, der Bürgermeister verurteilt die Selbstjustiz und initiiert ein Sonderkommando, das Batman endlich ausschalten soll. Gordon führt die Einheit an, beruft einen gewissen Sergeant Cort dazu, der gerne rabiat gegen Batman vorgeht. Zu der Task Force gehört auch der Psychiater Dr. Hugo Strange. Der ist ganz versessen darauf, Batman zu analysieren und dessen wahre Identität herauszufinden (die Idee stammt aus Strange Apparitions), er entwickelt einen regelrechten Batman-Fetisch, verkleidet sich sogar wie der Held. Um die Stimmung gegen Batman weiter anzuheizen, entführt Strange die Tochter des Bürgermeisters und manipuliert Cort so, dass dieser selbst zum Vigilanten Night-Scourge wird. Batman ist umgeben von Jägern, die es auf ihn abgesehen haben.

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Kein Patent auf gute Storys

Batman: Strange Apparitions

Titel: Strange Apparitions

Autor/Zeichner: Steve Englehart, Len Wein/Marshall Rogers, Walt Simonson

Erschienen: 1977/1978 (Detective Comics #469-479), Paperback 1999; dt. Panini 2012 (Batman Collection: Marshall Rogers), Eaglemoss Collection 2015 (Im Zeichen des Jokers)


 

„But the fish share my unique face! If colonel what’s-his-name can have chickens, when they don’t even have mustaches –!“ (Joker)

Obwohl die Geschichte unter einem Titel zusammengefasst wurde und ein linearer Zusammenhang besteht, ist es schwer, hier von einer Story zu sprechen. Im Grunde sind es sechs Geschichten, die aufeinander folgen. Batman begegnet einem radioaktiven Glühwürmchen namens Dr. Phosphorus, dann Hugo Strange, dem Pinguin, Deadshot, Joker und Clayface. Den roten Faden bilden Nebenhandlungen mit Rupert Thorne, der Batman aus der Stadt haben will, sowie Bruce Waynes Liebschaft mit Silver St. Cloud. Aber ein Spannungsbogen ergibt sich nicht.

Die meisten dieser Geschichten mögen für die späten 70er vielleicht was hergegeben haben, aus heutiger Sicht sind sie altbackene Standardware. Vor allem die Erzählung, in der der Joker, Fische zum Lächeln bringt (The Laughing Fish), um sie patentieren zu lassen, hat zwar einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt, ist aber sonst ziemlich schwach, vor allem, weil sie sich zu stark bei der ersten Joker-Story in Batman #1 bedient.

Die interessanteste Geschichte ist die um Hugo Strange. Der kommt nämlich zufällig hinter Batmans Geheimidentität, nimmt dessen Position als Bruce Wayne ein, um ihn auszunehmen und zu ruinieren, und veranstaltet eine Auktion, bei der er den Namen an den meistbietenden Schurken zu versteigern versucht. Wie man sich denken kann, wird das Schlimmste verhindert. Dafür gibt es aber eine Frau, Silver St. Cloud, die ebenfalls eins und eins zusammenzählt und herausfindet, dass der Mann den sie liebt, nachts gerne Verbrecher verprügelt. Die Schlussfolgerung daraus kann nur eine Tragische sein: Die Beziehung zerfällt.

Die filigranen Zeichnungen von Marshall Rogers entschädigen für die Kritzeleien eines Walt Simonson und das insgesamt mäßige Storytelling. Aber vielleicht muss man diese 70er-Jahre-Geschichten auch mit anderen Augen sehen. Immerhin gelten sie als einflussreiche Klassiker. (In den 80ern diente Strange Apparitions zunächst als Vorlage für das Drehbuch des geplanten Batman-Films, der erst 1989 von Tim Burton realisiert wurde – allerdings mit einem ganz anderem Script.)

Zwei der Storys wurden für Episoden der Animated Series wiederverwendet. Die Grundidee der Hugo Strange-Story wurde in „The Strange Secret of Bruce Wayne“ (S01E37) aufgegriffen; dort bieten Joker, Two-Face und Pinguin um ein Videoband, auf dem Strange Bruce’s Trauma aufgezeichnet hat.

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In „The Laughing Fish“ (S01E34) erzählt Paul Dini die Joker-Story neu, wobei er sich zwar überwiegend an die Vorlage hält (zum Teil sogar wörtlich), er aber ein wesentlich spannenderes Finale mit einem Haifisch-Kampf erzählt (der ist „The Joker’s Five-Way-Revenge“ entlehnt). Vor dem Hintergrund der lachenden Fische allerdings erscheint die später in Mad Love zum Tragen kommende Idee mit den grinsenden Pyranhas wie ein Abklatsch … (wenn auch ein guter!)

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(Dieser Artikel wurde am 6.11.2017 überarbeitet und aktualisiert.)

Ziemlich ätzend

Detective Comics 2: Scare Tactics

Titel: Scare Tactics (dt. Die Maske des Schreckens)

Autor/Zeichner: Tony Daniel (u.a.)

Erschienen: 2012 (Detective Comics #8-12, #0, Annual #1 (The New 52)), Paperback 2013; dt. Panini 2013 (Batman #13-14), Paperback 2014


„The death of your parents is the best thing that could happen to you. It freed you from the constraints of mortality. You are destined to be more than human… You are destined to soar like a god. “ (Shihan Matsuda)

Der zweite Sammelband der neuen Detective Comics ist ein Potpourri an Geschichten und Figuren – leider wird kaum etwas davon im Gedächtnis bleiben.  Das erste Heft erzählt eine Scarecrow-Story, die Catwoman und den bereits im ersten Band eingeführten Sohn von Hugo Strange involviert, aber auf den wenigen Seiten keinen Platz bekommt, einen Spannungsbogen Hier werden bloß bekannte Figuren vorgezeigt, ohne etwas Interessantes mit ihnen anzufangen. Bruce Waynes Verhältnis zu seiner Freundin, die im ersten Band eingeführt wurde, spielt kaum noch eine Rolle.

Die zweite Story bildet das Arkham-Kapitel der Night of the Owls, bevor die drei nächsten Ausgaben einem neuen Schurken gewidmet ist: Mr. Toxic. Nicht nur der Name klingt lachhaft, als käme er aus dem Golden Age, auch das Kostüm des Kerls ist nicht gerade einfallsreich. Ein Kerl in einer Rüstung, natürlich mit Muskeln bepackt, trägt eine an Red Hood erinnernde Haube, die – Achtung! – mit einem Totenkopf und gekreuzten Knochen bemalt ist – ziemlich ätzend … In dieser Story wirft Batman nur so mit irgendwelchen pseudo-physikalischen Fachbegriffen um sich, nur um einer ziemlich trivialen Handlung so etwas wie eine Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dabei fängt sie eigentlich ganz interessant an: Mit einer Gruppe als Batman verkleideter Räuber. Nur leider wird bis zum Ende nicht klar, warum sie sich gerade so verkleidet haben …

Detective Comics #0, das von einem Kampf von Black Mask gegen den Mad Hatter handelt, ist ebenfalls nicht der Rede wert. Interessant wird es erst am Ende des Bandes (Detective Comics #0), denn dort bekommt man zwei Kapitel aus Batmans Vorgeschichte zu lesen: Zunächts eine Episode aus Bruce Waynes Ausbildung im Himalaya, dann sehen wir seine Heimkehr. Das ist zwar etwas zusammenhanglos, aber es macht Lust auf das Zero Year, das später in Batman erzählt wird. (Leider ist auch die Himalaya-Episode nicht ganz logisch, aber ich will nicht zu viel vorwegnehmen.) Zum Schluss (im Annual #1) gibt es eine passable Two-Face-Story und eine Hinführung zu der Joker-Storyline Death of the Family – beide überzeugen eher durch die Bilder von Szymon Kudranski als die Handlung.

Während Batman die großen Stories erzählt, wird Detective Comics wohl nur die kleinen und zweitrangigen Beiträge leisten.

Batman – Das Jahr Eins

Detective Comics #27

Titel: Detective Comics #27 (The Case of the Chemical Syndicate) – Batman #1

Erschienen: Mai 1939 – Frühling 1940

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane


Vor 75 Jahren erschien Detective Comics #27. Es enthielt die erste Batman-Geschichte: The Case of the Chemical Syndicate. Ich kann mich noch erinnern, als ich dieses historische Werk zum ersten Mal las: Im Juni 1999, der Dino-Verlag hatte zum 60. Geburtstag des Helden die 37. Ausgabe seiner Batman-Serie  zur Jubiläumsausgabe erklärt: Das Heft war 64 Seiten dick, bot fünf Geschichten, das Cover war matt-schwarz, mit dem schwarz-gelben Batman-Logo in Hochglanz und wenn man es umdrehte, war da das legendäre Cover von Detective Comics #27 – schon deshalb legendär, weil das Original selten und teuer war.

Die Geschichte dahinter enttäuschte mich zunächst: Sechs Seiten, schlecht gezeichnet (besonders Batman sieht seltsam aus) und eine abgehetzt erzählte Standard-Story um ein Mordkomplott, ohne Spannung oder interessante Charaktere. Man kann diese Story nicht ernst nehmen, zu sehr ist sie von heutigen Lesegewohnheiten entfernt. Aber nach einigen Jahren erkannte ich, dass man sie mit einer historischen Brille lesen muss, so wie man Stummfilme schaut – es ist ein anderes Sehen. Die überraschende Wendung der Geschichte ist nämlich nicht das Lösen des Falls, also wer wen warum getötet hat, sondern dass der reiche, gelangweilte Schnösel Bruce Wayne sich als der Mann hinter Batmans Maske herausstellt. Das mag für heutige Leser klar sein, bei den Lesern von 1939 dürfte das Interesse geweckt und der neuen Figur zum Erfolg verholfen haben.

Auch das Cover ist auf diesen Effekt aus: Im Vordergrund stehen zwei Männer in Hüten, die uns den Rücken zukehren, einer hält eine Waffe in der Hand. Er richtet sie auf Batman, der sich an einem Seil durchs Bild schwingt und einen Mann im Schwitzkasten hält. Wir nehmen die Perspektive der Gangster ein. In gewisser Weise spiegelt sich darin das Cover von Action Comics #1, der ersten Superman-Geschichte aus dem Jahr 1938. Dort ist im Vordergrund ein Mann zu sehen, der erschreckt vor Superman wegläuft, während der Held ein Auto an einem Felsen zerschmettert. Hier hält sich zumindest einer der Gangster bereit zum Schießen. Während das Superman-Cover Übermacht ausstrahlt, geht vom Batman-Cover Gefahr aus. Die Szene kommt – anders als das Bild von Action Comics #1 – im Heft nicht vor. Sie drückt nur aus, für was die Figur steht, nämlich Abenteuer in brenzligen Situationen. Es geht darum, neugierig zu machen: Wer ist dieser Typ im Fledermauskostüm und Maske, der diesen anderen Kerl so souverän am Hals durch die Gegend schwingt? Und wie wird es ihm angesichts dieser anderen Gangster ergehen? Oder vielmehr: Wenn Batman einen Mann mit einem Arm festhalten kann, was wird er erst mit den anderen beiden anstellen?

Es ist lohnenswert, die Batman-Stories aus dem ersten Jahr zu lesen. Man kann dabei zusehen, wie die Figur sich entwickelt, besonders äußerlich: Wie die Maske immer deutlichere Konturen bekommt, wie die Handschuhe sich verändern. Schon in diesem ersten Jahr werden wichtige Wegmarken für den Mythos gesetzt: Schon die erste Geschichte handelt von der für Batman so wichtigen Chemie, eine Gaskammer kommt darin vor und – noch viel wichtiger – ein Sturz in einen Chemietank (was für den Joker wichtig werden soll). Später erfahren wir Batmans Entstehungsgeschichte (Detective #33/Batman #1), in der bereits alle wichtigen Elemente auf zwei Seiten vorkommen, der Sidekick Robin hat seinen ersten Auftritt (Detective #38) und es werden Superschurken eingeführt wie der verrückte Wissenschaftler Hugo Strange (Detective #36) und der Joker (Batman #1). Vor allem letzterer ist bereits ganz der irre, Chaos stiftende Mörder, der Batman immer einen Schritt voraus ist. Nicht zuletzt verdankt diese Pulp Fiction ihren Unterhaltungswert der unfreiwilligen Komik: Es ist drollig zu lesen, wie Batman mit sich selbst spricht und so Sätze sagt wie „Feet, run like you’ve never run before!“ Oder, wenn der Joker auf ihn einschießt und sich fragt, warum sein Gegner nicht stirbt, denkt sich Batman: „Hasn’t the Joker ever heard of a bullet-proof vest!“ Und einmal beginnt eine Geschichte damit, dass Batman sich verfahren hat und nun an einem Haus hält, um nach dem Weg zu fragen (Detective #37). Solche Szenen sind es, die den ersten Stories ihren Charme verleihen.

Batmans erstes Jahr ist versammelt in dem Paperback Batman Chronicles #1 (Englisch) sowie dem Batman Archiv #1 (Deutsch, Dino-Verlag).