Rebirth

Der Geist, der Clown und der Killer

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 3: Greetings From Gotham

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Christian Duce, Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #1006-1011), Hardcover 2020


„It’s time to let the moonshine in and enjoy the basic pleasures of life … the classics.“ (Joker)

Nach zwei längeren Storylines (Mythology, Arkham Knight) erzählt Peter J. Tomasi in Detective Comics drei kürzere Geschichten: von Spectre, Joker und Deadshot.

In der ersten wird Jim Corrigan von Anhängern eines Spectre-Kults entführt, um ihn zu töten und das gründgewandete Gespenst, das die personifizierte Rache Gottes darstellt, für eigene Zwecke zu missbrauchen. Spectre selbst bittet Batman um Hilfe. So ganz klar wird nicht, wozu er ihn braucht. Ich meine: Der Kerl ist doch schier allmächtig. Von daher wirkt es auch etwas albern, wenn er sich zunächst übergroß vor Batman aufbaut, ihn fängt und Batman sich dann mit allerlei Gadgets gegen ihn zur Wehr setzt. Am Ende geht alles auch sehr einfach. Aber: Ausdrucksstark gezeichnet ist diese Belanglosigkeit immerhin, der schaurige Stil von Kyle Hotz erinnert an Kelley Jones. Highlight: Spectre ergreift von Batmans Dino Besitz …

Mit dem Joker auf dem Rummelplatz

Die zweite Story ist die titelgebende: Der Joker lädt Batman – ganz klassisch – zu einem Abend im Vergnügungspark ein. Der Clown hat dafür alle Mitarbeiter und Besucher in Geiselhaft genommen. Batman muss mitspielen. Also fahren die beiden Achterbahn, Autoscooter und in den Liebestunnel. Der Joker hat riesigen Spaß, Batman eher weniger.

Diese simple Quatsch-Story erinnert an The Joker’s Playground of Peril (Batman #286, 1977) und weckt natürlich Erinnerungen an Klassiker wie The Dark Knight Returns und The Killing Joke. Allerdings ohne inhaltlichen Mehrwert. Von daher kann man sie eine Hommage nennen. Oder auch nostalgisch. Oder auch einfach nur: abgedroschen und einfallslos. Ich meine: Joker auf dem Rummelplatz? Das ist kein Topos mehr, das ist längst ein Klischee …

Mit Deadshot im Pazifik

Das Beste kommt zum Schluss: Auftragskiller Deadshot kapert ein Flugzeug, in dem Bruce Wayne und Lucius Fox zusammen mit ein paar anderen Millionären sitzen. Doch dann schlägt ein Blitz ein und das Flugzeug stürzt auf einer einsamen Insel im Pazifik ab. Zwei Kriegsveteranen – einer japanisch, einer amerikanisch – die seit dem Krieg abgeschottet von der Außenwelt dort festsitzen, versorgen den verletzten Bruce Wayne. Mit ihrer Hilfe besorgt er sich ein notdürftiges Batman-Kostüm und nimmt den Kampf mit Deadshot auf.

Klingt bescheuert? Ist es aber nicht. Tatsächlich ist das Ganze so stark und humorvoll erzählt, dass diese Episode am meisten Vergnügen macht. Es ist wahrscheinlich sogar die beste Story, seit Tomasi Detective Comics übernommen hat. Und wer hätte das gedacht: Deadshot steht auf The Who …

Zwischendurch sieht man, wie die nächste größere Geschichte vorbereitet wird: Mr. Freeze schließt einen Pakt mit Lex Luthor, um endlich seine geliebte Nora aus dem kryogenischen Schlaf zu holen – eine Story im Rahmen von „Year of the Villain„. Davon dann beim nächsten Mal mehr.

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City of Bane: Hell No!

DC Comics

Titel: City of Bane

Autor/Zeichner: Tom King/Tony S. Daniel, Clay Mann, Mikel Janin, John Romita Jr.

Erschienen: 2019 (Batman #75-85), Hardcover 2020 (2 Bände), Paperback 2020 (Complete Collection erscheint im Dezember)


Stell dir vor, du hast den Jackpot gewonnen: Du darfst die Serie Batman schreiben – 85 Ausgaben! Das ist mehr, als Scott Snyder zur Verfügung hatte. Ein Traum wird wahr, du kannst endlich all deine Ideen verwirklichen und fast alles tun, was du immer schon mit deiner Lieblingsfigur machen wolltest. Die besten Zeichner stehen dir zur Verfügung. Was tust du? Du lässt Batman natürlich durch die Hölle gehen, er trifft auf alle großen Gegner, du lässt einen Krieg zwischen dem Joker und dem Riddler ausbrechen, du lässt Batman endlich mit Catwoman zusammenkommen, damit endlich zusammenkommt, was seit 80 Jahren zusammengehört – und du lässt ihn am Ende auf die härtesten aller Gegner treffen: Bane und (weil’s so schön war) auf den bösen Batman aus Flashpoint, Thomas Wayne.

Klingt das cool? Na klar, zumindest theoretisch. Denn all das hat Autor Tom King zwar gemacht, aber auch wenn es nach einer Riesenmenge Story klingt, hat er sie so zäh gestaltet, dass es – trotz einiger guter Einfälle – meistens eine Qual war, sich da durchzuackern, weil er mehr auf Nabelschau und endlose Dialoge als auf Handlung und Spannung gesetzt hat. Und jetzt das große Finale: City of Bane, in elf Ausgaben.

Schöne Neue Welt in Gotham

Batman hat den Kampf gegen seinen bösen Vater in der Wüste verloren (Batman Vol. 11). Bane und Thomas Wayne haben Gotham City übernommen und es nach ihrem Bilde gestaltet: Nach einer Gehirnwäsche durch den Psycho Pirate sorgen jetzt Schurken wie Joker und Riddler als neue Polizisten für Recht und Ordnung. Das Verbrechen ist passé, abgesehen von der Folter, die die neuen Gesetzeshüter ausüben. Wer sich sträubt, wie etwa Two-Face, wird zwangsbekehrt. Flashpoint-Batman und Gotham Girl sind das neue Dynamische Duo.

Die US-Regierung findet das gut und lässt Bane gewähren, solange er die Stadt friedlich hält. Besser so als der alte Status quo. Der Präsident verbietet jedes Eingreifen von Superhelden innerhalb der Stadtgrenzen. Die Batman-Familie wird draußen gehalten, indem Alfred Pennyworth als Geisel dient. Sollte einer von ihnen die Stadt betreten, stirbt Alfred. (SPOILER gibt es hier.)

Nachgeholte Flitterwochen

DC Comics

In der Zwischenzeit treibt sich Bruce Wayne in den Bergen rum und sucht nach einer Lösung für das Problem. Und dann hilft ihm Catwoman aus der Patsche und man macht erst mal Urlaub in der Südsee, als wären es nachgeholte Flitterwochen. Zwei Ausgaben lang sehen wir ihnen beim Baden und beim Training zu, während sie über gute alte Zeiten reden und sich fragen, ob sie sich auf der Straße (wie in Year One) oder auf einem Boot kennenlernten (wie in Batman #1, 1940), als gäbe es gerade keine dringenderen Probleme zu besprechen. Und als hätten wir noch nicht genug Erklärungsversuche über die geplatzte Hochzeit gelesen, wird hier alles noch einmal aufgerollt, derweil Gotham weiter vor die Hunde geht.

Es ist zum Ausflippen. Es gibt viele mäßige Autoren, einige Langweiler, aber Tom King schafft es, einen auf die Palme zu bringen. Das bisschen Story wird nebenbei abgehandelt, erst später, als Batman und Catwoman in den Kampf mit Bane treten, wird alles in Captions nacherzählt. Hier will der Autor wohl bewusst mit bestimmten Schemata brechen, aber dabei bleibt leider die Handlung völlig auf der Strecke. Selbst das zweite Finale, in dem Batman gegen seinen Vater kämpft, ist verschenkt für eine weitere unnötig lange Rückblende, in der ALLES noch einmal aus der Sicht von Thomas nacherzählt wird – man möchte schreien.

Potenzial verschwendet

Aber Tom King ist ein selbstgefälliger Autor, der sich so cool findet, dass er sich permanent selbst zitiert, bis es auch der Letzte kapiert hat (Stichwort: „Hell yeah“). Dabei versucht er zu kaschieren, dass er eigentlich nichts zu sagen hat. Die endlose Wiederholung nervt. Auch weil ihm mit Bane und Batman nichts Besseres einfällt, als dass sich beide gegenseitig übers Knie legen wollen – das gab es schon so oft (siehe I Am Bane), dass darin nichts Dramatisches mehr liegt. Das Endloszitat ist mittlerweile völlig ausgehöhlt.

City of Bane ist elf Kapitel lang – das sind insgesamt 336 Seiten, genug, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Aber es passiert einfach nicht. Trotz einiger sehr interessanter Ansätze wird das Potenzial vertrödelt. (Außerdem erinnert sie viel zu sehr an The Dark Knight Rises. Immerhin wird man am Ende mit Batman und Catwoman für die geplatzte Hochzeit entschädigt.) Und wieder bleiben nur die Bilder einige grandioser Künstler als Trostpreis, damit es keine totale Geld- und Zeitverschwendung war.

Zum Glück ist dieses Kapitel jetzt endlich vorbei und hoffentlich entschädigt uns der neue Batman-Autor, James Tynion IV. Aber nein, leider ist es nicht ganz zu Ende: Denn dieses Jahr soll noch Tom Kings Zwölfteiler Batman/Catwoman kommen. Fans dürfen sich also freuen auf ganz viel „Bat-Cat-Rumgeschmachte“. Die Serie wurde aber bis auf Weiteres verschoben.

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Von Arkham bis ans Ende der Welt

DC Comics

Titel: Batman – Last Knight on Earth

Autor/Zeichner: Zack Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2019 (#1-3), Hardcover 2020


Es beginnt mit einem seltsamen Fall für Batman: Jemand zeichnet in ganz Gotham eine Kreidelinie auf die Straße, die Batmans Silhouette bildet, wie bei einer Leiche an einem Tatort. Batman folgt der Spur zur Crime Alley, wo er einen halbverwesten Jungen findet, der auf ihn schießt.

DC Comics

Plötzlich findet sich Bruce Wayne als Patient in Arkham Asylum wieder, wo ihm ein Arzt, der aussieht wie der Joker, erklärt, er habe sich die Sache mit Batman nur eingebildet und sei jetzt auf dem Weg der Besserung (vgl. Mask). Alfred taucht auf und bestätigt das. Doch als Bruce sich wehrt und ausbrechen will, klärt ihn Alfred auf, dass die ganze Show nur inszeniert wurde, um ihn vor der bitteren Wahrheit zu schützen: Gotham und der Rest der Welt sind nicht mehr. Das Böse hat gesiegt.

Dann wacht Bruce in einer Wüste auf und findet den sprechenden Kopf des Jokers in einem Glas. Gemeinsam laufen sie durch eine post-apokalyptische Welt, in der ein neuer Schurke namens Omega alles beherrscht, während nur noch wenige Helden im Untergrund Widerstand leisten.

Eine völlig neue Welt

Keine Sorge, nichts gespoilert, das war nur der erste von drei Teilen. Was danach folgt, ist eine Reise durch die zerstörte Welt, bei der Batman herauszufinden versucht, was genau passiert ist. Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo, die bereits zehn Bände Batman und das Event Dark Nights: Metal miteinander gemacht haben, tischen für ihr angeblich allerletztes Batman-Abenteuer einen Haufen skurriler Ideen auf, mit der sie ihrer Dystopie anreichern. Es liest sich zuweilen wie ein Remix einiger Elseworlds-Storys.

Wie so oft gibt es einige überraschende Wendungen, zum Schluss sogar eine sehr überraschende, aber vor dem Hintergrund der Batman-Comics der vergangenen Jahre durchaus nachvollziehbare – allerdings nur, wenn man die Bezüge und Anspielungen versteht. (Angefangen von Court of Owls bis Bloom.)

DC Comics

Damit ist Last Knight On Earth (wie schon Metal und The Batman Who Laughs) ziemlich voraussetzungssreich, wodurch sich viele unbedarfte Leser hier abgehängt fühlen könnten. Aber auch Fans, die die ganze Vorgeschichte kennen, müssen sich in dieser völlig neuen Zukunftswelt mit ihren ganz eigenen Regeln zurechtfinden – so wie der Held. (Ich muss zugeben: Ich habe selbst nicht alles verstanden.)

Wenn ein Meister wie Greg Capullo am Werk ist, lässt man sich gerne auf dieses Spiel ein. Und dankenswerterweise ist die Story trotz ihrer Fülle kurzweiliger als das, was zuletzt von Snyder kam.

Ach ja, das Ende ist das übrigens noch lange nicht: Im Mai beginnt das Event Dark Nights: Death Metal – ebenfalls von Snyder und Capullo, und ebenfalls mit Batman.

>> Batman 2011-2019


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Batman in der Story-Wüste

Batman Vol. 11: The Fall and the Fallen

DC Comics

Titel: The Fall and the Fallen

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Jorge Fornes

Erschienen: 2019 (Batman ##70-74, Batman Secret Files #2), Paperback 2019 (Batman Vol. 11)


Nachdem Batman sich aus seinem Psycho-Gefängnis in Arkham Asylum befreit hat, das ihn durch eine Reihe von Albträumen jagte, vermöbelt er alle Arkham-Insassen. Bevor er sich den Drahtzieher Bane vornimmt, geht er erst mal nach Hause, um sich auszuruhen und Verstärkung zu holen. Doch als er die Batman-Family zusammentrommelt, ist in Arkham alles wieder ganz normal, als ob nie die Insassen die Anstalt übernommen hätten.

In Wayne Manor serviert Alfred inzwischen Bane Suppe. Bane vermöbelt Batman und bricht ihm in alter Tradition das Rückgrat. Weil Bane das halt so macht und irgendwie dazugehört. Inzwischen erzählt Flashpoint-Batman Thomas Wayne noch einmal nach, was bisher geschah und erklärt, dass Bane ihn mit der gescheiterten Hochzeit mit Catwoman brechen wollte.

Thomas heilt Bruce nebenbei und blitzschnell von seinem gebrochenen Rückgrat und schleppt ihn durch die Wüste, um in Ra’s al Ghuls“Nain Pit“ Martha Wayne wiederzubeleben. Indem er die Familie wiederherstellt, will er Bruce von seiner Batman-Sucht heilen. Doch Bruce wehrt sich.

Prügelei und Geschwätz

Der größte Teil von Tom Kings elftem Batman-Kapitel ist Prügelei, der andere ist Geschwätz. Es wird erzählt, was wir schon wissen, es wird erklärt, was wir uns denken oder auch nach vielen Worten nicht nachvollziehen können, und es wird noch zweimal (!) die Tierfabel aus Batman #57 (Batman Vol. 8: Cold Days) wiederholt, weil Tom King sehr stolz darauf zu sein scheint und bedeutungsschwangere Kapriolen wie diese ihm wohl den Eisner-Award eingebracht haben.

Ach ja, und Thomas Wayne singt beim Wüstenritt einen klassischen Western-Folk-Song: „Home on the Range“:

Das alles ist wie immer langweilig und ärgerlich. Diese Seitenschinderei entspricht der Wüste, durch die die Batmen reiten. Eine weitere Verschwendung von Geld, Zeit und Nerven. Nur noch zwei Bände (City of Bane), dann haben wir das Elend endlich hinter uns. Ach, nein, danach kommt noch Kings Zwölfteiler: Batman/Catwoman … Wäre das alles bloß nicht so lang und ausschweifend! Es ist schon seltsam: Da gibt man einem fast 100 Ausgaben für Batman und er weiß so gut wie nichts Interessantes damit anzufangen.

Die Oase in der Wüste

Das Beste kommt zum Schluss: In Batman Secret Files #2 werden fünf Kurzgeschichten von Batman erzählt. Gemessen an der Wüste bilden sie eine Oase. In der ersten (von Andy Kubert) hat der Joker Batman gefangengenommen und will ihm Kostüm und Gürtel abnehmen, was aber nicht so leicht ist, wie gedacht – aber dafür höchst amüsant zu lesen.

Die Storys um den Riddler und Bane können da nicht mehr mithalten, auch wenn die Bane-Story einen interessanten Aspekt hat. Kurioser ist aber die Hugo-Strange-Story um einen brutalen Test, wer der echte Batman ist. Die vielleicht schwächste Geschichte ist die über den Psycho Pirate, die ebenso wie beim Joker, beim Riddler und bei Strange mit Schlägen ins Gesicht enden. Die Pointe ist immer Gewalt, Batmans Faust markiert das Ende.

>> Batman 2011-2019

Tote Fledermäuse für einen Batarang

Titel: Arkham Knight

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Brad Walker

Erschienen: 2019 (Detective Comics #1000-1005, Detective Comics Annual #2), Hardcover 2019 (Detective Comics Vol. 2)


Im Gotham fallen plötzlich die Fledermäuse tot vom Himmel. Auch in der Bathöhle. Dann bildet sich aus dem Nichts eine kleine Sonne über der Skyline und macht aus der Nacht Tag. Und dann taucht eine Gestalt in einer Rüstung auf, die sich Arkham Knight nennt, begleitet von ein paar Bogenschützen. Sie perforieren Batman mit Pfeilen und verkünden sein Ende. Dann entführen sie Robin und bringen ihn nach Arkham Asylum. Dort hebt der Arkham Knight seinen Helm und offenbart sich als völlig unbekannte Frau …

Autor Peter J. Tomasi (Detective Comics: Mythology) tischt uns eine Geschichte auf, die selbst für Superhelden-Maßstäbe weit hergeholt ist: Jeremiah Arkham hatte einst eine Frau, Ingrid, mit der er gearbeitet hat. Sie wurde schwanger und war so beliebt bei den Patienten wie dem Joker, Clayface und Poison Ivy, dass sie sie nicht nur während eines Aufstandes vor den anderen Insassen beschützt, sondern auch ihr Kind wohlbehalten zur Welt gebracht haben, als ihre Wehen einsetzten. Clayface hielt einen schützenden Mantel um sie, als der Joker dem Kind einen Klaps auf den Rücken gab. Dann warf aber ein Insasse ein paar Batarangs und einer traf – durch Clayfaces Mantel hindurch – Ingrids Halsschlagader und sie starb mit ihrer neugeborenen Tochter im Arm.

Ritterin rächt ihre tote Mutter

Diese Tochter, Astrid, wuchs mit ihrem Vater in Arkham auf, freundete sich mit dem Joker an, und entdeckte im Keller mittelalterliche Schätze, die ihre Vorfahren angesammelt hatten, darunter auch eine Rüstung und ein Schwert. Weil ein Batarang ihre Mutter getötet hat, will sie sich an dem rächen, der ihn gemacht hat …

Au weia. Das ist nicht nur ein dicker Klopper, von dem Tomasi erwartet, dass wir ihn schlucken, das ist eine ganze Reihe. Die Story ist so bemüht konstruiert, so unwahrscheinlich und so sehr Retcon, dass es schon an unfreiwilliger Komik grenzt. Es wäre aber nur komisch, wenn es nicht so ärgerlich wäre, die Intelligenz der Leser mit so einem Quark zu beleidigen. Und nachdem die Story vier Ausgaben lang aufgebaut wird, endet sie viel zu schnell im letzten Teil und gerät noch schneller in Vergessenheit.

Der Reaper kehrt zurück

Im Batman Annual #2 kehrt ein Schurke aus den 80ern zurück: der Reaper, ein Rächer mit den Sensenhänden, der schon vor Batman in Gotham wütete (nicht zu verwechseln mit dem ersten Reaper aus den 70ern). Diesmal metzelt er oder sein Nachfolger in Europa. Batman muss nach Griechenland reisen, um den Schurken zu stellen. Doch das ist eine Falle …

Reaper

Der Reaper ist wieder da. Darauf hätten wir verzichten können. (DC Comics)

Aus unverständlichen Gründen greift Batman zu seinem Black Casebook, dem Buch der ungelösten Fälle, obwohl der Fall sehr wohl gelöst wurde und die Geschichte als Year Two erschien, was ebenfalls bei Bruce Wayne im Regal steht. Noch ein Kuriosum: In Batmans griechischer Höhle steht ein (nur zweiköpfiger) Riesen-Kerberos. Aber ansonsten ist diese Geschichte der Inbegriff einer 08/15-Story, bei der Tomasi wieder einmal Familienmitglieder nachträglich hinzudichtet, um … Ach, ist eigentlich egal. Nur die Zeichnungen sind ganz gut.

Kerberos

Jede Bathöhle braucht irgendein Riesenvieh, in Griechenland muss es ein zweiköpfiger Hund sein. (DC Comics)

>> Batman 2011-2019

Helden mit Problemen

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DC Comics

Titel: Heroes in Crisis

Autor/Zeichner: Tom King/Clay Mann

Erschienen: 2018-2019 (Heroes in Crisis #1-9), Hardcover 2019


„Bros before heroes.“

Helden haben es nicht leicht. Auch Superhelden brauchen mal eine Auszeit. Und Hilfe. Vor allem psychologisch. Denn auch Superhelden leiden unter posttraumatischer Belastungsstörung. Dafür haben Superman und Co. Sanctuary eingerichtet, einen Zufluchtsort in Kansas, in den sich Superhelden anonym zurückziehen, über ihre Erfahrungen sprechen und in einer Art Holo-Deck ihre Traumata verarbeiten können. Flash Wally West ist dort, aber auch der ehemalige Green-Arrow-Sidekick Arsenal, Harley Quinn und Booster Gold. Dann endet das Experiment plötzlich, als alle Helden bei Sanctuary abgeschlachtet werden.

Superman, Batman und Wonder Woman untersuchen den Fall mit Hilfe von Flash. Sie verdächtigen Harley Quinn und Booster Gold, aber beide beteuern ihre Unschuld. Booster wird von seinem alten Kumpel Blue Beetle aus dem Knast befreit, während Harley sich mit Batgirl verbündet. In der Zwischenzeit macht Lois Lane das Geheimnis um Sanctuary ohne Rücksicht auf Verluste publik …

Regelmäßige Leser werden wissen, dass ich nicht gut auf Autor Tom King zu sprechen bin. Er hat zwar mit Sheriff of Babylon und The Vision bewiesen, dass er schreiben kann, aber sein Batman ist eine Qual, weil sich die minimale Handlung in die Länge zieht. Hier zäumt King das Pferd von hinten auf. Noch bevor Sanctuary eingeführt ist, ist es damit auch schon vorbei, weil das Schlimmste bereits passiert ist. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was das für ein Ort war.

Wir sehen unzählige Aufzeichnungen von Helden, die erzählen, was sie belastet, meistens unbekannte Gesichter, die hier als Kanonenfutter dienen. Sie rechtfertigen sich, offenbaren sich oder üben sich im beredtem Schweigen. Das sind vielleicht die stärksten Momente, auch wenn sich das Prinzip, eingepfercht in das typische Neuner-Panel-Raster, etwa nach der Hälfte verbraucht und ab dann nur noch nervt – denn es muss einfach jeder mal was sagen. Wenn ein Neandertaler beginnt, über Hobbes und Rousseau zu philosophieren und mit einem Mammut kuschelt, wird es zu viel des Guten.

Erst am Ende überrascht und bewegt die Geschichte – wenn es eigentlich schon zu spät ist. Dann wird eine überkomplizierte Zeitreisegeschichte daraus. Man hätte das alles interessanter hinkriegen können. Denn die eigentliche Ermittlung spielt keine große Rolle, viel mehr sieht man bloß Harley, wie sie versucht, ihre Mordlust auszuleben.

Ein großes Problem ist auch das Konzept von Heroes in Crisis: Warum sollte Sanctuary ein anonymer Ort sein? Warum sollte man Menschen mit Problemen in Kameras sprechen lassen statt mit anderen, wo doch selbst Kriegsveteranen in einer Gruppentherapie zusammensitzen? Kein Wunder, dass der Aufenthalt nicht hilft und sich die Teilnehmer einsam fühlen. Daher wirkt die Story forciert und die Erkenntnis am Ende banal. Den Ärger hätte man sich sparen können – aber dann hätte es eben diese Geschichte nicht gegeben …

Ansonsten ist es typischer Tom King: Minimale Handlung, die auf großen Panels breitgetreten wird, lange Dialoge und Monologe mit abgehackten Sätzen und Endloswiederholungen, mal mehr, mal weniger gelungene Pointen. Allerdings wird so viel gewitzelt, dass man das Ganze nicht ganz ernst nehmen kann. Wieder einmal lassen die besten Zeichner die Story mehr glänzen, als sie es verdient. Manche Doppelseiten sind geradezu atemberaubend. Leider hat der auf dem Cover angepriesene Clay Mann nur einen geringen Anteil an den Seiten.

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Batmans Krieg gegen sich selbst

DC Comics

Titel: Mythology

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #994-999), Hardcover 2019 (Detective Comics Vol. 1)


„We always knew that to wear the cape and cowl we’d have to wage war on ourselves, Bruce.“

Detective Comics fängt noch einmal von vorne an. Schon wieder. Denn nach der siebenbändigen Storyline von James Tynion IV kamen nur zwei Gastautoren vorbei, kurz vor der Nummer 1000 hat man Peter J. Tomasi (Batman and Robin) und Altmeister Doug Mahnke (The Man Who Laughs, Under the Hood) zusammengebracht, um die Serie zum Jubiläum und darüber hinaus weiterzuführen.

Die Geschichte beginnt so, wie man es von einer Serie mit dem Titel erwartet: mit einem Mord. Im Gotham City Aquarium werden zwei Leichen gefunden, die bis aufs Haar Thomas und Martha Wayne ähneln – inklusive der Einschusswunden und Kleidung. Kurz darauf wird Leslie Thompkins von einem Monster angegriffen. Batman kann es zwar abwehren, aber das Monster setzt Leslie einem Joker-Gas aus. Dann wird auch noch Alfred von einem falschen Zorro angegriffen …

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994 (DC Comics)

Batman wird klar, dass die Angriffe von jemandem stammen müssen, der sein Geheimnis kennt. Also sucht er jeden auf, der dafür infrage käme: Henri Ducard, Sensei Kirigi, Thaddeus Brown (dem ersten Mr. Miracle), Hugo Strange und Etrigan. Zwischendrin taucht das Monster wieder auf, das diesmal die Gesichter von Batmans Rogues Gallery trägt. Und spätestens hier wird die Story verdächtig. Und tatsächlich: Hier geht es um nichts anderes, als um Mythologie. Zu Deutsch: Batman betreibt mal wieder Nabelschau.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Wenn Peter Tomasi auch noch Etrigan einführt, ohne wirklich zu motivieren, und am Ende auflöst, es habe sich bloß um eine Simulation gehandelt, der sich Batman jedes Jahr zu seinem Geburtstag aussetzt, um seine Leistung zu steigern, dann fällt die ganze Geschichte in sich zusammen.

Immer wenn es heißt, es sei alles nur Vorstellung, ein Traum/Albtraum oder ein Trugbild, verliert die Story an Brisanz, denn in so einem Konstrukt kann alles passieren, ohne dass es ernsthafte Folgen hat – und das wirkt beliebig. Und so werden wir mit dem Tod von Leslie Thompkins und dem Angriff auf Alfred getäuscht. So etwas haben wir in letzter Zeit zu oft lesen müssen: ob in Kings of Fear oder in Tom Kings Knightmares. Hier verliert sich die Detektivgeschichte in einer Parade von All-Stars und Kämpfen.

detective comics 999

Cover zu Detective Comics #999 (DC Comics)

Bei aller Kritik muss man dem Kreativteam zugestehen, dass das alles immerhin kurzweilig und spannend inszeniert ist, sei es der Angriff auf Leslie oder die Befreiungsaktion unter Wasser. Doug Mahnke zeichnet die Stippvisiten bei alten Bekannten herrlich detailliert und spektakulär, jede Seite ist eine farbenprächtige Augenweide voller kraftstrotzender Muskeln und ausdrucksstrarker Gesichter. Auch die Hellbat-Rüstung ist immer wieder ein Hingucker.

Dennoch: Es bleibt noch viel Luft nach oben, es wirkt wie ein weiterer Lückenbüßer bis endlich das große Ding kommt. Verbuchen wir es als Aufwärmübung für Arkham Knight – und hoffen wir, dass es noch besser wird. Und mit besser meine ich eine Geschichte, die endlich auch emotionalen Eindruck hinterlässt, ohne dass Batman nur über sich selbst nachdenkt.

(Nach einigem Hin- und Her hat sich DC dazu entschieden, doch nur eine Storyline zu bündeln, dafür aber als Hardcover – die Kraut- und Rübensammlung im Comicregal ist um eine Ausnahme reicher.)

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Misere in Serie

DC Comics

Titel: Knightmares

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Mitch Gerads, Amanda Conner, Lee Weeks

Erschienen: 2019 (Batman #61-63, 66-69), Paperback 2019 (Batman Vol. 10)


Was bisher geschah: Catwoman hat die geplante Hochzeit mit Batman platzen lassen. KGBeast hat einen Anschlag auf Nightwing verübt. Batman ist daraufhin Amok gelaufen. Bane hat Arkham Asylum übernommen und sich mit dem bösen Flashpoint-Batman (Thomas Wayne) gegen Batman verbündet, der wiederum Alfred angegriffen hat.

Was jetzt geschieht: Nix. Absolut nix. Batman steht unter dem Einfluss eines neuen Scarecrow-Angstgases und erlebt einen Traum oder Albtraum nach dem anderen. Aber sonst geschieht nichts. Wir sehen zunächst eine Horror-Variante von Bruce Waynes Werdegang, der als Junge zum Kindermörder wird. Dann einen Kampf gegen Professor Pyg alias Damian Wayne. Und eine weitgehend wortlose, aber ziemlich spektakuläre Hetzjagd mit den Joker durch Gotham.

Vor allem aber wird noch mal Batmans Beziehung zu Catwoman rekapituliert – und zwar die ganze. Von den ersten Treffen bis zum Sitzenlassen auf dem Dach, als wäre das nicht schon im Hochzeitsband zu Genüge geschehen. Mit dabei sind John Constantine und the Question, die aber natürlich nicht sie selbst sind, sondern auch nur Traumbilder, und hier bloß reine Funktionsträger. Batman zergeht in Selbstmitleid und fragt immer wieder, warum er sitzengelassen wurde – allerdings ohne neue Erkenntnisse zu gewinnen (wie auch, im Selbstgespräch?) und so fällt die Antwort gleich aus. Gleich unbefriedigend.

Ansonsten sehen wir noch mal einen Junggesellenabschied: Lois Lane und Selina Kyle vergnügen sich in der Festung der Einsamkeit, während Bruce und Clark sich beim Schach in Wayne Manor langweilen. Aber auch das – nur ein belangloser Traum. Ach ja: Und wir sehen auch Bane und Thomas Wayne beim Sparring. Bane ist nackt.

Fazit: Seit fast 70 Ausgaben verfolge ich Tom Kings Batman-Serie und meine Geduld ist längst am Ende. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass endlich etwas Relevantes und Mitreißendes passiert. Stattdessen ergehen sich die Figuren bloß in Selbstreflexion und -analysen, sentimentalem Geschwafel, aufgeblasene Banalitäten und vor allem: endlosen Wiederholungen. Die Handlung – sofern vorhanden -, die nur langsam voranschreitet, tritt hier völlig auf der Stelle. Die Träume bzw. Albträume wirken beliebig und das Konzept ermüdet.

Dieser Band wäre reine Geld- und Zeitverschwendung, wären da nicht die wirklich herausragenden Arbeiten der Zeichner: Mikel Janin, Mitch Gerads, Lee Weeks und auch die anderen leisten Großes. Leider sind diese Bilder völlig an Tom Kings erzählerischen Leerlauf verschwendet. Das hier ist ein reines Hinhalten seiner Leser, ohne das erkennbar wäre, für was. Ich kann es kaum erwarten, dass diese Misere mit Ausgabe 85 endlich endet. Egal wie.

Leider muss ich sagen: Ich halte diesen Batman für eine Zumutung. Er ärgert mich sehr. Gäbe es dieses Blog nicht, hätte ich längst aufgehört, diese Serie zu lesen. Ich will keine Dankbarkeit, denn immerhin mache ich dieses Projekt freiwillig, aber es ist Arbeit. In diesem Fall harte Arbeit. Und ich finde, DC Comics müsste mich dafür bezahlen, dass ich mich durch diesen Batman-Bullshit quäle.

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Der schlechteste aller Batmen

Titel: The Batman Who Laughs (dt. Der Batman, der lacht)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Jock

Erschienen: 2018-2019 (The Batman Who Laughs #1-7, The Batman Who Laughs: The Grim Knight #1), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


„I am the worst Batman of all.“ (Batman)

Was von dem Batman-Event Dark Nights: Metal in Erinnerung geblieben ist, ist vor allem eine Figur: The Batman Who Laughs. Der Grund liegt auf der Hand. Es handelt sich um einen bösen Batman, der zum Joker mutiert ist. Mit seiner Lederkluft und dem Reif mit Metallspitzen auf dem Kopf ist er so richtig schön evil, dass man vergisst zu fragen, wie er mit der stacheligen Augenbinde überhaupt etwas sehen kann.

Egal. Scott Snyders Erfindung ist so beliebt, dass er ihm eine Miniserie gewidmet hat. Und auch im Event Year of the Villain und in der neuen Batman/Superman-Serie wird er wieder als Schurke auftauchen. Aber zurück zur Miniserie. Hier bringt er zunächst Batman an dessen Grenzen.

Es beginnt damit, dass Batman Bruce Waynes Leiche findet. Ein älterer, anderer Bruce Wayne, aber definitiv dieselbe DNA. Und es tauchen noch mehr auf – allesamt Bruce Waynes aus Paralleluniversen. Dahinter steckt The Batman Who Laughs. Er will in Gotham ein Notfallsystem übernehmen, mit dem man im Notfall über das Trinkwasser mit einem Gegenmittel versorgen kann. Damit will er die Bewohner von Gotham in die bösesten Versionen ihrer selbst verwandeln – und die Stadt zu dem machen, was sie seiner Meinung nach schon immer bestimmt war.

Der grinsende Schurke tötet zunächst den Joker. Dadurch wird ein Gift freigesetzt, durch das Batman sich in den Joker verwandelt. Und dann hat The Batman Who Laughs auch noch Verstärkung mitgebracht: the Grim Knight, eine mörderische Version von Batman, die um den Gebrauch von Schusswaffen nicht verlegen ist.

Scott Snyder kann’s nicht lassen. Nach 52 Ausgaben Batman, dann noch Batman Eternal, sollte das Metal-Event das Finale seines Epos werden, das er mit Greg Capullo über Jahre erzählt hat. Aber hier legt er nicht nur eine Fortsetzung vor, sondern kehrt mit Zeichner Jock auch ganz zurück zu seinem Anfang, nämlich The Black Mirror. Hier lässt er James Gordon Jr. wieder eine tragende Rolle spielen. Der ist nämlich dank Drogen und Fußfessel auf dem Weg zur Rehabilitation vom psychopathischen Mörder zum guten Bürger. Zusammen mit seinem Vater legt er sich mit dem Grim Knight ein, aber der Senior ist nach wie vor skeptisch, was den Fortschritt seines Sohnes angeht. (Dabei lässt Batman Beyond grüßen.)

Das alles zusammen ist wie immer ziemlich viel Stoff. Wie gewohnt entwickelt Snyder seine Story mit vielen überraschenden Wendungen und schafft es so, über sieben Kapitel, die Spannung immer höher zu schrauben. Das macht nicht immer nur Spaß. Es ist ein anspruchsvolles und voraussetzungsreiches Comic, man sollte das alles kennen, worauf sich Snyder hier bezieht. Und es ist auch – wie üblich – ein wortreiches. Wie viel der Schurke von sich gibt, um Batman zu erklären, ermüdet gegen Ende sehr. Und wenn alles gesagt ist, muss in einem sehr langem Epilog noch jeder angerissene Gedanke zu Ende gedacht werden, in aller Ausführlichkeit. (Immerhin wird dabei auch erklärt, wie und was er durch den Metallreif sehen kann.)

Wie so oft retten die Zeichnungen über Längen hinweg. Jock, der für seinen schmutzigen, unruhigen und sperrigen Stil bekannt ist, steigert den Horror, den er so gut beherrscht, hier noch mehr. Sein Batman Who Laughs erscheint im Finale wahrhaft schrecklich. Und dann ist da noch ein One-Shot zum Grim Knight, der sehr eindrücklich von Eduardo Risso (Broken City, Dark Night) inszeniert wird – mit vielen Zitaten aus Frank Millers und David Mazzucchellis Year One. Interessant ist zu sehen, wie der kleine Bruce Wayne nach der Ermordung seiner Eltern selbst Joe Chills Waffe aufhebt und eine Karriere als Rächer á la Punisher beginnt.

Nein, Batman kommt nach 80 Jahren wohl nicht mehr heraus aus der Zitate-Hölle. Moderne Storys scheinen nur noch ein Remix von Referenzen zu sein. Und davon handelt auch The Batman Who Laughs. Denn der Schurke holt ständig andere Bruce Wayne-Versionen heran, um dem Batman dieser Welt zu zeigen, dass er der schlechteste aller Batmen ist. Der Held stimmt ihm sogar zu. Am Ende steht aber die Erkenntnis: Selbst der schlechteste Batman ist immer noch besser als der beste Schurke. Mit anderen Worten: Besser als nix. Batman erweist sich dann sogar als so gut, dass er sogar das Joker-Gift aus sich selbst heraus besiegen kann. Aber seine lange Tradition wird Batman wohl nie mehr aus seinem Kreislauf bekommen.

Die Story geht weiter in Batman/Superman. Und in dem Dreiteiler Last Knight on Earth wollen Snyder und Capullo wirklich ihr letztes Wort zu Batman gesprochen haben …

>> Batman 2011-2019

Pinguin, Prügel, Pennyworth

DC Comics

Titel: The Tyrant Wing

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Otto Schmidt

Erschienen: 2018 (Batman #58-60, Secret Files #1, Batman Annual #3), Paperback 2019 (Batman Vol. 9)


Es ist schwierig, über diesen Band zu urteilen. Denn die erste Hälfte enthält nur drei Hefte der Batman-Serie und diese bilden keine abgeschlossene Handlung, sondern nur ein kleines Zwischenstück, das die Ereignisse von Band 8 fortsetzt und zu Band 10 hinführt.

Kurz gesagt: Batman erfährt vom Pinguin, dass Bane Arkham übernommen hat. Doch als Batman der Behauptung nachgeht, findet er keine Belege dafür. Bane scheint ein psychisches Wrack zu sein. Der Ablauf ist ermüdend: Batman verprügelt einen B-Schurken nach dem anderen, ob Maxie Zeus, Firefly oder Kite-Man („Hell yeah“), aber er kriegt nichts über Bane heraus. Schließlich macht Batman sich bei Commissioner Gordon unbeliebt, indem er auch ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. Gordon Und natürlich verrät Banes Lächeln am Ende, dass alles nach einem fiesen Plan abläuft – aber offensichtlich mischt noch ein ganz anderer Schurke mit …

Mikel Janins Zeichnungen lassen die Story mal wieder besser aussehen als sie ist. Aber wie gesagt: Darüber zu urteilen, fällt schwer, da alles nur Teil eines größeren Ganzen ist. Es fällt aber auf, dass Batman hier wieder nur der verbitterte und besessene Haudrauf ist, der er schon im Band zuvor war. Die geplatzte Hochzeit mit Catwoman hängt ihm noch nach, aber besonders tief steigt die Handlung nicht in die Seele des Helden ein, vielmehr widmet sie sich Pinguin, der diesmal nicht als Fiesling, sondern als trauernder und einfühlsamer Charakter mit Shakespeare-Spleen dargestellt wird. Wenn man überhaupt etwas über diese drei Kapitel sagen kann, dann ist das das Positivste.

Interessanter ist hingegen der zweite Teil des Bandes, der nichts mit der Handlung des ersten zu tun hat. In Secret Files erzählen mehrere Kurzgeschichten von zeitlosen Aspekten des Dunklen Ritters. Batman bekommt von Superman eine Kugel Platinum-Kryptonit, das ihm für ihmmer Superkräfte verleihen kann. Er gerät in Versuchung, sie zu benutzen. Dann zeigt Batman einem Polizisten, der unter Scarecrows Angstgas leidet, den Weg hinaus aus der Angst. Schließlich bekämpft Batman Drohnen aus eigener Herstellung und hilft Detective Chimp bei einem Fall. All diese Geschichten sind nachdenklich und feinfühlig geschrieben sowie ausdrucksstark gezeichnet. Wer Freude hat an Anthologien wie Batman Black and White oder Detective Comics #1000, der sollte auch hier sein Glück finden.

Die stärkste Story hat aber Tom Taylor (Injustice) in Batman Annual #3 zu erzählen. In Father’s Day ist der Kampf Gut gegen Böse nebensächlich, im Vordergrund steht das Verhältnis zwischen Bruce Wayne und Alfred Pennyworth. Batman zieht (mal wieder) trotz Erkältung hinaus, um einen Schurken aufzuhalten. Wir sehen, wie Alfred sich um ihn sorgt und kümmert, wie er seiner Sorge in kleinen Gemeinheiten Ausdruck verleiht, wie er ihm Suppe macht und ihn schließlich auch vor dem Tod rettet, indem er (mal wieder) selbst die Batman-Maske aufsetzt.

Mag sein, dass man das so oder ähnlich schon oft gesehen und gelesen hat. Aber hier ist es kein Neben-, sondern ein Hauptaspekt in einer ebenso sensibel wie grafisch stark umgesetzten Geschichte, die nach Tom Kings Prügeleskapaden sehr wohltut.

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