Rebirth

Die zwölf Geschworenen gegen Batman

DC Comics

Titel: Cold Days

Autor/Zeichner: Tom King/Lee Weeks, Tony S. Daniel

Erschienen: 2018 (Batman #51-57), Paperback 2018 (Batman Vol. 8)


Mr. Freeze steht wegen Mordes an drei Frauen vor Gericht. Batman hat ihn gefangen. Am Ende des Prozesses sollen zwölf Geschworene über die Schuld entscheiden – einer davon ist Bruce Wayne. Der Fall ist klar: Freeze hat gestanden, Batman hat herausgefunden, dass nur er dahinterstecken kann. Alle sind für schuldig, nur einer stellt sich quer: Bruce Wayne.

Wen die Story an einen Klassiker der Filmgeschichte erinnert, der liegt richtig: Autor Tom King bedient sich kräftig bei Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men) von Sidney Lumet. Wer den Film gesehenm hat (und jeder sollte ihn gesehen haben), weiß, worauf es hinausläuft: Der Querulant weckt Zweifel und stimmt alle um. Während das im Film sukzessive passiert, handelt King das Ganze in drei Heftkapiteln ab. Am Ende ist es Waynes langer Monolog, der die anderen dazu bringt, ihre Meinung zu ändern.

Das Besondere ist: Es geht hier nicht im Freezes Unschuld, sondern darum, dass die Geschworenen am scheinbar unfehlbaren Batman zweifeln. Und dass es Bruce Wayne selbst ist, der sich in die Jury einkauft, um einen Fehler wiedergutzumachen, den er als Batman begangen hat. Denn Batman ist nach der geplatzten Hochzeit mit Catwoman nicht mehr bei klarem Verstand.

Es ist mal wieder so eine Tom-King-Story geworden, in der mehr geredet, als gehandelt wird. Aber es ist trotzdem eine sehr starke, mitreißende Story, vielleicht sogar seine bisher beste. Noch beeindruckender sind aber die Zeichnungen von Lee Weeks: Ein feiner Strich macht die Figuren ausdrucksstark, die vielen Schatten sorgen (zusammen mit der gedeckten Farbpalette) für eine Film Noir-Stimmung, vergleichbar mit David Mazzucchelli in Year One. Dabei kann man auch vergessen, denn es scheint dann nicht mehr so wichtig, dass der Fall, wer die Frauen wirklich ermordet hat, nicht aufgeklärt wird. Das ist Nebensache.

Der zweite Teil des Bandes Cold Days ist der Beziehung von Bruce und Dick Grayson gewidmet. Batman und Nightwing kämpfen gegen ein paar drittklassiger Schurken, während Nightwing Sprüche klopft und versucht, Batman zum Lachen zu bringen – Aufmunterung in Zeiten von Liebeskummer. Parallel dazu gibt es Rückblenden zur schwierigen Anfangszeit mit Dick und Bruce, wie er versucht, ihn von Gurkensandwiches zu überzeugen. Matt Wagner zeichnet das Ganze in seinem gewohnt naiv-klobigem Stil.

Dann verübt KGBeast einen Anschlag auf Nightwing und Batman jagt dem Attentäter hinterher. Ein Kapitel lang sehen wir, wie der Schurke sich vorbereitet und Nightwing Batman auf die Nerven geht, ein Kapitel lang betrinkt sich der KGBeast mit seinem Vater, während Batman ihn sucht, ein Kapitel lang prügeln sie aufeinander ein. Das ist weder unterhaltsam, noch subtil, sondern schlicht öde und banal. Während der Dialog mit Nightwing nur daraus besteht, dass Batman permanent seinem Geschwätz widerspricht, beschränkt sich der mit KGBeast am Ende fast nur auf Interjektionen (Hm. Gnnn! Ungg! Aggh!). Da bringt es nicht viel, wenn der Autor am Ende noch versucht, mit einem russischen Märchen eine allegorische Meta-Ebene reinzubringen, oder dass Tony Daniel wie immer eine Glanzleistung als Zeichner abliefert: Es bleibt ein stumpfsinniges Stück Comic, das alles zunichte macht, was der Anfang aufgebaut hat.

Batman ist gerade in der zweiten Hälfte ein unsympathischer Grantler, der besessen seinen Zielen nachjagt und Opfer in Kauf nimmt. Hielt Bruce Wayne zunächst noch eine lange Predigt über Batmans Grenzen, fällt er am Ende wieder in seine Verblendung und Arroganz zurück: „I’m the world’s greatest detective.“ Hilfe nimmt er genauso wenig an, wie er sie gewährt. Wie schon bei seiner ersten Begegnung mit KGBeast überlässt er ihn dem (fast) sicheren Tod. Moralisch höchst fragwürdig. Und man muss sich wie bei seiner Adaption der Zwölf Geschworenen fragen, ob man das Tom King als Hommage durchgehen lassen kann, oder ob es dem Mann an eigenen Ideen fehlt …

Werbeanzeigen

Schlechtes Karma für Batman

DC Comics

Titel: On the Outside

Autor/Zeichner: Bryan Hill/Miguel Mendonca

Erschienen: 2018 (Detective Comics #982-987), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 8)


„… they make me weaker“ (Bruce Wayne)

Es geht auch anders. Batman muss zum Beispiel kein Einzelkämpfer sein. War er in 80 Jahren sogar nur selten. Egal, ob Robin, ein Polizist wie James Gordon oder Alfred – Batman hatte fast immer irgendwie Hilfe. Deshalb gibt er den Teamgedanken auch nicht auf, nachdem seine Batman-Familie auseinandergefallen ist (siehe Fall of the Batmen/Batmen Eternal). Er will ein neues Team zusammenstellen. Und dafür sucht er sich Hilfe bei Black Lightning.

Es ist nicht schwer zu erraten, wie das Team heißen wird: The Outsiders. Die Superheldengruppe hat es bereits 1983 und dann immer wieder in neuen Zusammensetzungen gegeben. Black Lightning, der als Jefferson Pierce als Lehrer arbeitet, soll zunächst Babysitter für Cassandra Cain, Barbara Gordon und Duke Thomas spielen, und sie von einem neuen Schurken fernhalten: Karma.

Der kann nicht nur Gedanken lesen, sondern ist auch ein ruchloser Mörder: zuerst muss ein Viewtube-Star daran glauben, dann eine Moderatorin, schließlich entführt er eine ganze Schulklasse. Batman stellt zwar ein Team zusammen, aber will es trotzdem alleine mit Karma aufnehmen. Seine Begründung: Seine Gefährten machen ihn schwächer. Eine bittere Erkenntnis. Klar, dass der Plan an beiden Seiten nicht aufgeht.

Nach sieben ermüdenden Detective-Comics-Bänden ist auch On the Outside keine Pflichtlektüre geworden, aber der neue Autor Bryan Hill zeigt hier trotzdem, dass es auch anders gehen kann. Weniger Text, weniger Nebenschauplätze, ein sympathischer Gaststar (Black Lightning) und ein Gegner, der Batman dazu bringt, sich selbst zu hinterfragen und herauszufordern. In einer Sequenz sehen wir auch einen neuen Aspekt von Bruce Wayne: Um nachzudenken rast er einfach mal in zivil im Sportwagen durch die Gegend und hält, als ihm ein Geistesblitz kommt, mit quietschenden Reifen an einem Abhang. Life on the edge …

Die Mischung stimmt und auch dank des klaren Zeichenstils und knalliger Farben ist diese Vorbereitung zu der neuen Outsiders-Serie (erscheint nächstes Jahr als Paperback) ein spannendes wie kurzweiliges Vergnügen und macht Lust auf mehr.

Zum Schluss gibt es noch kurzes, aber prächtig düster von Sebastian Fiumara gezeichnetes Wiedersehen mit Deacon Blackfire aus der großartigen Mini-Serie The Cult. Auch dieser Schurke konfrontiert ihn mit einem fundamentalen Vorwurf: Batman kämpft einen vergeblichen Kampf gegen Gothams Fluch. Allerdings fällt die Antwort darauf oberflächlich aus.

Batmans Hochzeits-Spoiler

DC Comics

Titel: The Wedding

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2018 (Batman #45-50, DC Nation #0), Paperback 2018 (Batman Vol. 7)


„I have to save Batman.“ (Joker)

ACHTUNG: SPOILER!

Ein Jahr lang, über 25 Ausgaben hinweg hat Tom King seine Leser hingehalten. Nach Batmans Heiratsantrag an Catwoman verging viel Zeit bis zur Hochzeit. Tom King schob zunächst den Krieg zwischen Joker und Riddler ein, dann folgten zwei Bände Geplänkel, bei denen Batman die Frauen seiner Vergangenheit Revue passieren ließ, es zum Doppeldate mit Lois und Clark kam (inklusive Ausflug zum Rummelplatz) und Catwoman ein Brautkleid stahl. Ach ja, und dann gab es noch Batmans Junggesellenabschied. Alles war darauf angelegt, die große Hochzeit in der Jubiläumsausgabe Batman #50 stattfinden zu lassen (die, nebenbei bemerkt, kein großer Grund zum Feiern ist, weil die Serie erst 2016 neu gestartet wurde, aber egal).

Jetzt aber, endlich: Der große Moment, der Superman bereits 1996 vergönnt war, soll jetzt endlich stattfinden. Natürlich kommt was dazwischen. Nämlich der Joker. Der ist beleidigt, dass er nicht eingeladen ist, er will Trauzeuge werden. Aber vorher kommt noch etwas ganz Unerwartetes: Booster Gold. Der hat sich nämlich ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk ausgedacht. Er ist in die Zeit zurückgereist und hat den Mord an Bruce Waynes Eltern verhindert, damit Batman zumindest für einen Augenblick sehen kann, wie sein Leben sonst verlaufen wäre, im besten Fall glücklicher.

Doch es endet in einer Katastrophe. Zwar ist Bruce Wayne glücklich mit seinen Eltern, aber Oswald Cobblepot (dem Pinguin) ist Präsident der USA und Ra’s al Ghul herrscht über Eurasien. In Gotham treibt ein schießwütiger und mörderischer Dick Grayson als Batman sein Unwesen, während Jason Todd Radkappen verkauft, die mögliche Diebe mit Elektroschocks töten.

Tom King bedient sich bei der alten Superman-Story For the Man Who Has Everything und lässt die Inspirationsquelle auch von Booster Gold nennen. Abgesehen davon, dass diese Idee bereits vor kurzem in der Serie Trinity verwurstet wurde und dass das Konzept auch an die Batman-TAS-Folge Perchance to Dream erinnert, gelingt ihm hier eine interessante Elseworlds-Version, die in Batmans Welt zwar moralisch höchst fragwürdig und absurd erscheint. Aber ihr Verdienst ist es, dass sie über ihre Vorlagen hinausgeht, indem sie die steile These aufstellt: Ein glücklicher Bruce Wayne ist nur zum Preis einer unglücklichen Welt zu haben. Oder andersrum gesagt: Batman muss unglücklich sein, damit die Welt ein besserer Ort ist.

Diese Erkenntnis wird in der zweiten Story des Wedding-Hefts noch einmal aus der Sicht des Joker deutlich: Um an Batman ranzukommen, metzelt der Joker eine beliebige Hochzeitsgesellschaft in einer Kirche nieder. Batman interveniert, wird niedergestreckt, Catwoman greift ein, aber am Ende liegen sie und der Joker schwer verwundet nebeneinander. (Übrigens ohne dass jemals die Polizei oder sonstwer vorbeikommt.) Und dann gesteht der Joker Catwoman, dass es einen verheirateten, also glücklichen Batman nicht geben darf. Er will Batman vor ihr retten, damit dieser ihm erhalten bleibt. Das gibt ihr zu denken.

Das Problem daran: Sie reden. Und reden. Und reden. Schon gegen Batman hat der Joker einen scheinbar endlosen Monolog geführt. Wie schon in all den Tom King-Storys zuvor werden die Panels mit Sprechblasen erschlagen. Er würzt seine Reden zwar mit Humor und weiteren absurden Situationen, wenn etwa der Joker Catwoman bittet, ihm beim Nachladen zu helfen, aber das ändert nichts daran, dass das viele Gerede schnell ermüdet. Bei aller Eloquenz: Auch Kürze ist eine Tugend. Kill Your Darlings, heißt eine alte Schreiber-Weisheit, die aber bei DC zuletzt in Vergessenheit geraten scheint. Doch wenn man alle zwei Wochen ein Batman-Heft herausbringt (neben anderen Projekten), fehlt dazu vielleicht einfach die Zeit, die Worte auf das Nötigste zu reduzieren. Abgesehen davon befremdet es doch sehr, dass Batman dem Joker-Gerede einfach nichts entgegenzusetzen hat, sondern sogar sein lächerliches Geiselnahme-Spiel mitspielt und mit ihm zum Gebet niederkniet, obwohl es für ihn ein Leichtes wäre, den Joker zu entwaffnen.

LETZTE SPOILER-WARNUNG!

Und dann kommt es zum Finale: Batman #50. Die titelgebende Hochzeit. Sie findet nicht statt. Catwoman holt sich zwar eine Trauzeugin, zieht sich zwar ihr hübsches Kleid an und lässt Batman mit Alfred und einem Richter zum verabredeten Treffpunkt kommen, aber sie erscheint nicht. (Viele Fans waren enttäuscht, einige Spinner sogar so aufgebracht, dass Tom King Morddrohungen bekam und sich danach im Juli auf der San Diego Comic Con einen Bodyguard besorgen musste. Es ist schlimm, wenn so etwas nötig ist, denn eine solche Überreaktion ist total unnötig – erst recht von BATMAN-Fans. Es reicht auch, Tom King per Twitter mitzuteilen, dass man seine Story nicht gelungen findet.)

Doch die geplatzte Hochzeit ist nicht so sehr das Problem. Die Idee dazu hinkt bereits. Denn es sollen nicht etwa Bruce Wayne und Selina Kyle heiraten (das würde Batmans wahre Identität verraten), sondern tatsächlich Batman und Catwoman. Weil aber kein Standesamt Geheimidentitäten akzeptieren würde, muss ein Richter betrunken gemacht werden, um die Ehe zu schließen. Das ist bescheuert, man könnte sich das ganze Theater einfach sparen und ohne Ehe zusammenleben. Dann der Treffpunkt: Nicht eine Kirche oder Wayne Manor, sondern irgendein Dach – eine Reminiszenz an ihre Anfänge. Es ist zwar das Dach eines gewissen Finger Tower (dass Catwoman auf dem falschen Dach des Kane Plaza ist, spricht Bände), aber es ist eben nur ein schnödes Dach. Und dass nicht ein einziger Gast geladen ist, macht die Angelegenheit schon zu einer traurigen noch bevor das eigentlich Unglück passiert.

Das größte Problem ist jedoch die Inszenierung: Alle zwei Seiten füllt Tom King mit zwei Seiten Monologen, es sind Auszüge aus Briefen, die sich Selina und Bruce geschrieben haben. Dazu sehen wir ganzseitige Pin-ups verschiedener Batman-Veteranen, die Batman und Catwoman in der Vergangenheit zeigen. Die Bilder haben selten etwas direkt mit dem Text zu tun, sondern dienen nur der Nostalgie und dem Fan Service, allerdings ohne der Story zu dienen. Die auch hier wieder viel zu langen Reden ergehen sich im kitschigen Geschwätz über die Augen des jeweils anderen, bis Catwoman ihm erklärt, warum sie ihn nicht heiraten kann: „To save the world, heroes make sacrifices.“ Sie opfert ihre Liebe für ihn … Aber die Motivation ist zweifelhaft, denn die Ehe garantiert den beiden weder Glück noch schließt sie aus, dass Batman dadurch die Welt ins Unglück stürzt.

Verständlich, wenn sich die Leser betrogen fühlen, vor allem, wenn das Ganze als „Wedding“ angekündigt wird und keine Hochzeit stattfindet, wenn ein Jahr lang Erwartungen geschürt wurden und wenn die größten Batman-Zeichner versammelt werden zu einem Event, das keines ist. Man könnte Tom King und den Redakteuren von DC für diese Entscheidung auch Mut zusprechen, aber es nach der ganzen Vorgeschichte kann man es kaum anders als lang anlegegten Betrug sehen. Ich hatte schon lange den Verdacht, aber spätestens nach diesem Heft komme ich zu der Überzeugung: King hat von Batman einfach nichts zu erzählen und versucht bloß darüber hinwegzutäuschen, mit Geschätz, das bedeutungsschwanger tut, und Absurdität, die um ihrer selbst Willen witzig sein soll. Aber die Rechnung geht nicht auf, wenn die Substanz fehlt. Selten fühlte sich Batman hohler an als hier.

Es fällt mir schwer das zu sagen, aber da schon lange beide Batman-Serien schwach sind, verliere ich die Lust am Lesen dieser Comics. Im Augenblick retten mich nur die alten Storys und Ausnahmen wie White Knight, die zeigen, dass es noch möglich ist, etwas von Belang zu erzählen. Hier erwarte ich es nicht mehr.

Mehr zum Thema „Batman heiratet“:

Pax Batmana

DC Comics

Titel: Batmen Eternal

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Javier Fernandez, Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2018 (Detective Comics #975-981),  Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 7)


„Batman doesn’t have to be eternal.“

Regelmäßige Leser werden sich denken können, dass ich mich auf dieses Heft gefreut habe. Nicht, weil die Geschichte hier ihr Finale findet, sondern weil sie zu Ende geht. Nein, ich bin wirklich kein Fan von Detective Comics, seit 2011 ist das meine ungeliebte Serie. Im Falle der aktuellen Storyline von James Tynion IV bedeutet der siebte Band das Ende von

  • langen Monologen und endlosen Dialogen,
  • exzessivem Einsatz von Doppelseiten, bei denen man nie weiß, wie man lesen soll,
  • faden, aber unnötig ausgebreiteten Nebenschauplätzen,
  • einer Story, die zu wenig Batman zu bieten hat.

Was bisher geschah: Batwoman hat Clayface erschossen, nachdem er Amok gelaufen war. Jetzt steht sie am Pranger. Batman beruft die Familie zusammen, um darüber zu beraten, was mit Batwoman geschehen soll – allerdings ohne Batwoman. Man ist sich uneins. Die „Angeklagte“ verbündet sich in der Zwischenzeit wieder mit ihrem Vater und der Colony, seiner Batmen-Armee, um künftig global für Recht und Ordnung zu sorgen. Tödliche Gewalt soll nur noch die Ausnahme sein. Batwing und Azrael schließen sich ihr an (auch wenn Azrael in Band 1 fast von der Colony ermordet worden wäre).

Ulysses Hadrian Armstrong, dem ehemaligen Programmierer der Colony, hat derweil andere Pläne für ein eigenes Batman-Netzwerk. Dafür versucht er Red Robin (Tim Drake) auf seine Seite zu ziehen, der ohnehin seine Allmachtsfantasie der Verbrechensbekämpfung nicht aufgeben will. Ulysses benutzt die Technik des finsteren Tim Drake-Batman der Zukunft, den wir bereits in Band 5 (A Lonely Place of Living) kennenlernen durften. Ums kurz zu machen: Ulysses dreht durch und wird zum General, und damit seinem Vorbild aus dem Prelude zu Knightfall sehr ähnlich (ein Wandel, der sich schleichend vollzieht). Er hackt sich in die Colony und dann gehen die Probleme erst richtig los. Und alle wollen das Gleiche: die Pax Batmana, den großen Frieden im Zeichen der Fledermaus …

Kurz gesagt: Hier schließt sich der Kreis zu Band eins. Hier kommen nicht nur die wichtigsten Handlungsfäden zusammen, sondern auch fast alle Mitglieder des ursprünglichen Teams. Wer den ersten Band mochte, wird hier einen actionreichen Abschluss finden, allerdings ist es wichtig, zumindest auch Band 5 gelesen zu haben, um der Handlung folgen zu können.

Mich irritiert das viele Hin und Her der Figuren. Ständig ändern sie ihre Meinung, auf welcher Seite sie stehen, wie es gerade für die Story passt. Nicht nur Batwing und Azrael, auch andere Charaktere werden in kürzester Zeit von Freunden zu Feinden und umgekehrt. Batwomans großer Tabubruch scheint zum Schluss plötzlich vergessen, Kathy Kane sitzt gemütlich mit Bruce beim Essen und alles scheint wieder gut. Ich verstehe auch nicht, warum Batwomans Vater, der eigentlich ein Verbrecher ist, am Ende wieder den Mentor seiner Tochter spielt.

Auch dieser Abschluss ist jedoch so geschwätzig wie die übrigen Bände, drei lange Epiloge gibt es zum Schluss, sodass das Ganze kein Ende zu nehmen scheint. Aber immerhin löst sich alles so gut auf, dass wir so bald keine Batman-Soap wie diese mehr zu erwarten haben. Das dürfte die wahre „Pax Batmana“ sein …

Jokers Junggesellenabschied für Batman

DC Comics

Titel: Preludes to the Wedding

Autor/Zeichner: Tim Seeley, Tom King/Clay Mann u.a.

Erschienen: 2018 (5 One-shots, DC Nation #0)


„Keep it simple.“ (Joker)

Batman und Catwoman wollen heiraten. Der Joker ist nicht eingeladen. Er ist beleidigt. Also läuft er Amok. Zuerst sucht er einen zufällig ausgewählten Mann heim und terrorisiert ihn. Diese ersten acht Seiten, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Clay Mann, sind der größte Höhepunkt in Preludes to the Wedding. Hier gibt es Spannung und einiges zu lachen.

Danach hetzt der Joker vier Schurken auf Batman, indem er ihnen von der Hochzeit erzählt – und keiner ist von der Sache begeistert. Robin nimmt es mit seinem Großvater Ra’s al Ghul auf, Nightwing mit Hush, Batgirl mit Riddler und Red Hood mit Anarky. Wie immer geht es dabei um alte Wunden, die aufreißen. Um Enttäuschungen und Eifersucht. Jeder dieser Schurken hat eine persönliche Rechnung offen mit Batman.

Besonders persönlich wird es, wenn sich am Ende Harley Quinn den Joker vornimmt. Harley tut so, als wollte sie ihn umbringen, die Frage ist, ob sie ihn wirklich töten will, aber natürlich schafft er es, sich aus zwei Todesfallen zu befreien. Am Ende ist er der Sentimentale, der es nicht übers Herz bringt, seine alte Komplizin zu töten.

Preludes to the Wedding ist das Gegenstück zu den beiden Batman-Bänden Rules of Engagement und Bride or Burglar. Während da Batman, bevor er sich an Catwoman bindet, die Frauen in seinem Leben wiedertrifft, sind es hier die Männer, die noch einmal ihr Verhältnis zu Batman Revue passieren lassen.

Natürlich ist Joker der Eifersüchtigste von allen, denn zwischen ihm und Batman besteht schon immer eine ganz besondere Verbindung – und das nicht erst seit Frank Miller beide im Liebestunnel intim werden ließ. Im Grunde inszeniert der Joker hier einen Junggesellenabschied für seinen liebsten Feind, nur das der Bräutigam meist nicht anwesend ist. Es ist ein verkappter Akt der Liebe auf Umwegen, der daher tragischerweise unerwidert bleibt und schließlich damit endet, dass der Joker versucht, die Hochzeit zu sabotieren.

Tiefsinnigere Erkenntnisse bekommt man in diesen kurzweiligen Kapiteln zwar nicht, aber dafür solide Unterhaltung. Aber einmal überrascht Autor Tim Seeley dann doch, wenn er den eigentlichen Jungesellenabschied (Batman, Nightwing, Superman) in eine Dimension bringt, die von Gestalten bevölkert wird, die nur noch gesichtslose Schatten echter Menschen sind, lauter vertane Chancen aus unserer Welt. So viel Gesellschaftskritik bekommt hier nicht einmal Anarky hin.

Batman für die Tagschicht

DC Comics

Titel: Batman and the Signal

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Tony Patrick/Cully Hamner

Erschienen: 2018 (Mini-Serie #1-3, All-Star Batman #1-4, #6-9)


„… we have enough bat-people already …“

Batman ist keine Familie mehr, er ist ein Clan: Nightwing, Robin, Red Robin, Red Hood, Batwoman, Batgirl, Batwing, Azrael und Orphan bevölkern die Batcave (gehören Spoiler und Bluebird noch dazu?), sogar der verdammte Bat-Hund Ace ist wieder da (zum Glück ist Clayface wieder ausgemustert). Und jetzt auch noch Signal. Der Neuzugang (bürgerlich Duke Thomas) beginnt selbstironisch: Es braucht kein weiteres Mitglied im Batman-Clan. Trotzdem gibt es ihn. Was also tun? Duke sucht und findet eine Nische, er übernimmt die vakante Tagschicht in Gotham. Und natürlich gibt es sofort Ärger, denn Superhelden ziehen den bekanntlich an. Die Stimme des Volkes beschwert sich: Normalerweise ist Gotham am Tag sicher, tja, die Zeiten sind vorbei.

Lange im Voraus wurde die Figur Duke Thomas aufgebaut. Zunächst als Kind im Zero Year, dann fielen seine Eltern in Endgame dem Joker-Virus zum Opfer und Duke machte sich mit We Are Robin einen Namen. Robin braucht keinen Batman, Batman keinen Robin, lautete die Devise. Und als DC mit Rebirth alle Serien neu startete, begann Batman damit, Duke auszubilden. Ein neuer Robin sollte er nicht werden. Aber was sonst? „Etwas Neues“, sagte Batman und blieb selbst dann die Antwort schuldig, als Duke schon längst ein gelbes Kostüm hatte und in All-Star-Batman und Dark Days (Metal) aushalf.

Dann endlich, im Jahr 2018, bekam er seine eigene Mini-Serie, den Dreiteiler Batman and the Signal, wobei es eigentlich andersherum lauten müsste. Weil das Paperback dazu etwas dünn ausfallen würde, hat DC die Backup-Story The Cursed Wheel aus All-Star Batman vorangestellt, in der es um Dukes Ausbildung geht. Duke nimmt es in den episodisch erzählten Plots mit Zsasz und dem Riddler auf, letztere Teile wunderbar von Francesco Francavilla in Szene gesetzt.

Nach einem Lückenbüßer, der Duke beim Training mit Red Hood zeigt, geht dann die neue Story los. Duke hat jetzt ein neues Kostüm mit einer weißen statt einer schwarzen Fledermaus auf der Brust, und er hat Superkräfte: Er sieht, wo das Licht vor ein paar Minuten war und manchmal (wenn es die Story verlangt), wo es sein wird – also mal wieder so ein vages Irgendwas von Superkräften, um Duke irgendwie besonders zu machen.

Leider reicht das allein nicht aus, um die Story interessant zu gestalten. The Signal kämpft gegen ein paar Jugendliche, die dank des Superschurken Gnomon verschiedene Superkräfte erlangen. Gnomons Outfit sieht dem von Signal sehr ähnlich, es stellt sich auch heraus, dass er eine besondere Verbindung zu ihm hat. Hier wenden die Autoren den guten alten Trick an, dem Helden nachträglich noch mehr Backstory anzudichten, damit er mehr Tiefe bekommt. Hinzu kommt noch eine Polizistin mit Roboterarm, die ihm als Deus ex machina zur Seite steht, begleitet von Batman und dem Rest des Clans, die sich ums Grobe kümmern und Duke dabei helfen, seinen ersten Einsatz zu überleben.

Die drei Kapitel sind schnell erzählt und schnell verdaut, leichte Kost, solide geschrieben und anständig gezeichnet, aber in der Kürze bleibt die Story uninspirierter Durchschnitt. Da ist keine Idee, die dem Batman-Mythos oder dem Sidekick-Problem auch nur eine neue Seite abgewinnt. The Signal ist der Versuch, in dem überladenen Batman-Clan noch etwas zu etablieren, das irgendwie Batman ist, ohne von Batman abhängig zu sein. Davon gibt es bereits genug. Ein kanariengelber Aushilfsbatman, der am Tag arbeitet, schließt keine nennenswerte Marktlücke. Auch hier gelingt es nicht, die Leser davon zu überzeugen, dass es diesen Charakter wirklich braucht.

Eigentlich lese ich keine Sidekick-Storys. Warum habe ich es hier trotzdem getan? Wahrscheinlich, weil Batman auf dem Cover ist. Aber wer Batman will, kann auf Signal getrost verzichten.

Catwoman klaut sich ein Brautkleid

DC Comics

Titel: Bride or Burglar

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Joelle Jones

Erschienen: 2018 (Batman #38-44), Paperback 2018 (Batman Vol. 6)


„I have a Batcave, I drive a Batmobile, I throw a Batarang. Some people break their patterns. Some don’t.“ (Batman)

Erinnern wir uns: In Ausgabe #24 hat Bruce Selina einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat ja gesagt. 20 Ausgaben später sind wir immer noch nicht weiter. Denn die Hochzeit soll erst in der Jubiläumsausgabe #50 stattfinden – so will es die Verkaufsstrategie. Autor Tom King hat deswegen das Event The War of Jokes and Riddles als Rückblende dazwischen gelegt. Aber was sollte er mit den Ausgaben danach machen?

Wenn man sich durch die Hefte Rules of Engagement und Bride or Burglar liest, entsteht der Eindruck, dass er bloß Zeit totschlägt. Gab es im letzten Heft ein Wiedersehen mit Talia al Ghul sowie ein kurioses Doppeldate mit Lois und Clark, gibt es hier Wiedersehen mit Wonder Woman und Poison Ivy. Batman lässt vor seiner Ehe noch einmal die Frauen in seinem Leben Revue passieren.

Auf die Handlung muss man gar nicht groß eingehen, sie spielt kaum eine Rolle. Batman und Wonder Woman kämpfen sich in einer anderen Welt 37 Jahre (!) lang durch Monsterhorden und geraten dabei nur einmal in Versuchung – allerdings ohne ihren Geliebten untreu zu werden. (So eine Geschichte Geschichte gab es schon einmal mit Superman und Wonder Woman.) Selbst das bisschen Action dient nur dazu, wortkarge Dialoge über Beziehung und Ehe zu führen. Poison Ivy will mal wieder die Welt retten, indem sie sich alle Menschen zugleich untertan macht. Und zum Schluss klaut sich Catwoman ein Brautkleid. Dazu benutzt sie – gar nicht catlike – eine Bombe …

Am Anfang steht eine Geschichte über einen reichen Jungen, der seine Eltern verliert und wie Bruce Wayne sein will. Das ist immerhin stark erzählt, wenn auch die Handlung stark übertrieben wirkt. Aber ebenfalls nur Füllmaterial.

Keine Frage: Es darf auch mal ein paar Ausgaben zum Durchatmen geben. Aber was ich beim letzten Mal dem Autor habe durchgehen lassen, weil er immerhin gut schreibt, fällt hier durch als belangloses Geplänkel. Tom King erscheint mal wieder wie ein Autor, der sich selbst ziemlich toll findet und das geschickt inszeniert (z.B. in Alan Moore’schen 9-Panel-Seiten), aber es steckt nicht mehr dahinter als Banalität.

Die Zeichnungen von Joelle Jones und Mikel Janin sind wie immer hervorragend und ergänzen sich im letzten Kapitel auch sehr gut. Damit ist Bride or Burglar eher was zum Überblättern als zum Lesen. Im nächsten Band findet dann endlich die Hochzeit statt. Aber worauf ich hoffe, ist endlich mal eine lesenswerte Batman-Story.

Kill Your Darlings

DC Comics

Titel: Deus Ex Machina

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Alvaro Martinez, Raul Fernandez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #957-962), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 4)


Nachdem Batwoman, Spoiler und Orphan ihre Storylines hatten, bekommt nun Azrael seinen großen Auftritt. (Für alle, die es nicht wissen: Azrael ist das Alter Ego von Jean-Paul Valley, der nach Knightfall der neue Batman geworden ist. In Batman & Robin Eternal hat er eine neue Backstory bekommen.) Ihm fällt sein Mentor Namoz vor die Füße, der von einem Roboter-Killer namens Ascalon angegriffen wurde. Der Orden von St. Dumas hat damit seine Racheengel ersetzt und macht Jagd auf die eigenen Leute. Azrael ist der Nächste.

Seine alte Konditionierung ergreift Besitz von ihm, Azrael wird in seinem Anzug wieder böse. Da kommt Zatanna (der einzige Deus ex machina in dieser Story), bringt ihn wieder zur Vernunft, er bekommt einen neuen Anzug, der wie sein alter aus Knightfall aussieht. Ascalon startet zum Angriff zusammen mit einer Armee von bösen Batwings (dank Lucas Fox‘ fahrlässiger Bastelei) und dann hat die Bat-Familie alle Hände voll zu tun.

Klingt nach viel Action? Ist es aber nicht. Denn in der ersten Hälfte passiert fast nichts – außer Dialog. Bruce Wayne sucht Zatanna auf, wir verlieren uns in Rückblenden und Sprechblasen. Das ist nicht nur ein Problem des Autors James Tynion IV, der seine Figuren zu viel reden und erklären lässt. Auch andere Autoren wie Scott Snyder und Tom King ergötzen sich an ihren Monologen, Tiraden und Suaden. Das kann mitunter so ermüdend sein wie zu lange Kampfsequenzen – vor allem, wenn nichts Substanzielles gesagt wird.

Was ist aus der guten alten Schreibertugend von „kill your darlings“ geworden? Dann würde es wahrscheinlich auch solche 08/15-Comics wie diese nicht geben, die sich so furchtbar wichtig nehmen, ohne etwas von Belang zu sagen oder etwas Spannendes zu erzählen.

Detective Comics bleibt damit eine durchschnittliche Serie für alle, die sich für die Seifenoper der Batman-Familie interessieren. Und für alle, die die abtrünnige Spoiler vermisst haben: Sie bekommt am Ende noch einmal ein ganzes Kapitel gewidmet. Sie hat die Schnauze voll von Superhelden und versucht etwas Neues. Eine gute Idee …

Mehr zum Thema:

Joker gegen Riddler: Krieg ohne Pointe

DC Comics

Titel: The War of Jokes and Riddles (dt. Der Joker/Riddler-Krieg)

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Clay Mann

Erschienen: 2017 (Batman #25-32), Paperback 2017 (Batman Vol. 4)


„What’s the difference between a joke and a riddle? (…) The answer is ‚Who cares?'“ (Selina Kyle)

Ein Jahr nach dem Zero Year: Dem Joker ist der Humor abhanden gekommen. Egal, was er auch tut, er kann nicht mehr lachen. Auch wenn er Komiker vorsprechen lässt, auch wenn er wahllos irgendwelche Leute umbringt. Der Riddler, der im Knast einsitzt, hat auch keinen Spaß mehr an Rätseln, auch wenn ihn die Polizei ständig um Hilfe bittet, welche für sie zu lösen. Und der Grund für die Miseren der beiden ist Batman. Riddler bricht aus dem Knast aus, kommt zum Joker und schlägt ihm einen Pakt vor. Der Joker lehnt ab, schießt auf den Riddler – und damit beginnt ein Krieg, bei den sich Batmans Rogue Gallery in zwei Lager spaltet …

Es gibt einige bemerkenswerte Momente in dieser Story: Das Vorsprechen der Komiker bei Joker. Riddlers Gefängnisausbruch. Ein Abendessen der Kontrahenten bei Bruce Wayne. Einen Exkurs zu Kite-Man, der dem lächerlichen Schurken eine ernst zu nehmende Tiefe verleiht. Es gibt Fan-Service wie eine Variation der Joker-Spiegel-Szene aus Tim Burtons erstem Batman-Film, einen Pinguin, der an Danny DeVito aus Batman Returns erinnert und eine Anspielung auf den ersten Auftritt des Jokers in Batman #1. Außerdem sind die präzisen Zeichnungen von Mikel Janin und Clay Mann wie immer beeindruckend.

Aber: Trotz allem hat die Geschichte bei mir nicht funktioniert. Warum? Es gibt einen Grundsatz beim Schreiben: Show, don’t tell. Das heißt: Werde konkret, lass Charaktere handeln und sprechen, erzähle nicht einfach, was sie denken, fühlen und tun. Autor Tom King kennt diesen Grundsatz, wie jeder Profi. Und dennoch ist sein War of Jokes and Riddles meistens eine reine Nacherzählung, in der er Batman in zu vielen Captions einfach nur reden lässt, statt der Handlung mehr Raum zu geben, sich entwickeln zu lassen. Der Krieg bleibt abstrakt, wir sehen kaum etwas davon, er wird nur behauptet, aber selten gezeigt – auch nicht in seiner Wirkung auf Gotham und seine Einwohner. Einzig ein dreitägiger Kampf zwischen den Profikillern Deathstroke und Deadshot bekommt ein paar Seiten gewidmet, aber auch der bleibt spannungsarm, weil man nie das Gefühl hat, dabei zu sein, zu distanziert wirkt das alles.

Das andere große Problem bildet die Motivation der Figuren. Es ist etwas müßig, beim Superhelden-Genre das Maß der Wahrscheinlichkeit anzulegen, aber jede noch so fantastische Story braucht ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer Ansprüche und Möglichkeiten. Hier ist es nicht nur fragwürdig, warum Joker und Riddler sich so verbittert bekriegen, sondern auch dass sich wirklich alle großen Schurken auf eine der beiden Seiten schlagen und sich souveräne Einzelgänger wie Two-Face oder Poison Ivy als Handlanger bzw. Soldaten einspannen lassen. Tom King zeigt uns nicht, wie es dazu kam, er spart die Rekrutierung einfach aus – so wie vieles andere.

So bleibt The War of Jokes and Riddles da sprunghaft, wo es interessant geworden wäre. Stattdessen gibt es seitenweise Gräueltaten, Dialoge zwischen und Monologe von Joker und Riddler. Und obwohl viel geredet wird, bleiben ihre Motive dennoch schwammig und dadurch wirkt der große Krieg sehr bemüht. Auch die Lösung und Auflösung am Ende überzeugen (mich) nicht. Und sowohl Bruce Waynes Fahrlässigkeit als auch Batmans Handeln bleiben (mir) unverständlich.

Das ist auch deshalb schade, weil damit eine grundsätzlich interessante Idee verheizt wurde. So wirkt der Comic nur wie der feuchte Traum eines Fanboys, der sich ausmalt, wie cool es wäre, wenn der Joker und der Riddler gegeneinander Krieg führten, aber nicht genug Fantasie und Fähigkeiten entwickeln, aus der Idee eine durchdachte, spannende und vielleicht sogar innovative Geschichte zu schreiben.

Coole Prämissen, schwache Umsetzungen – Superhelden-Comics sind leider voll davon.

Hier eine andere Meinung:

Mehr Batman von Tom King:

Gefangen in der Scheune

DC Comics

Titel: Better Together (dt. Gemeinsam stark)

Autor/Zeichner: Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2016 (Trinity #1-6), Paperback 2017 (Trinity Vol. 1), dt. Panini 2017 (Paperback)


„This is ridiculous.“ (Batman)

Nach dem Ende der Serien Batman/Superman und Superman/Wonder Woman gibt es wieder eine Serie, die alle drei Helden zusammenbringt (passend zum Film Batman v Superman): Bruce Wayne und Wonder Woman besuchen die Familie Kent in Smallville. In einer Scheune werden sie von Schlingpflanzen gefangen genommen, die sie in eine Traumwelt versetzen: Zunächst sehen sie Clarks Jugend und treffen auf Jonathan Kent, dann sehen sie den Mord an den Waynes, schließlich geht es nach Themyscira. Und als alle durch sind, dämmert ihnen, dass das alles nur ein Traum ist. Poison Ivy ist verantwortlich. Aber eigentlich Mongul … (Ist eigentlich auch egal.)

Die Story ist nichts als ein Remake von Alan Moores Superman-Special For the Man Who Has Everything (1985). Aber ein furchtbar langweiliges und einfallsloses. Wie immer zeigt sich, dass Francis Manapul ein toller Grafiker ist, aber ein mieser Erzähler. Seine Zeichnungen und warmen, bunten Farben sind schön anzusehen, aber seine Story bleibt flach und erschöpft sich in Introspektionen der drei Helden. (Ganz abgesehen davon hat Manpul nur drei von sechs Ausgaben gezeichnet, wobei der Rest auch okay aussieht.) So wirkt Trinity wie eine Klassenzusammenkunft: voller Nostalgie, aber nichts als eine bemühte Pflichtübung.

Schon Batman v Superman hat gezeigt: die drei größten Helden zusammen zu bringen, garantiert noch längst keine einnehmende Geschichte.

Mehr zum Thema: