James Tynion IV

Batmans Stadt der Feiglinge

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DC Comics

Titel: The Cowardly Lot

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Jorge Jimenez

Erschienen: 2021 (Infinite Frontier #0, Batman #106-111), Hardcover 2021 (Batman Vol. 4)


„This world makes cowards of us all.“ (Miracle Molly)

„Without fear there is no hope of evolution.“ (Scarecrow)

Angriff auf Arkham: Joker-Gas tötet Mitarbeiter und Insassen, auch Bane stirbt (scheinbar) mit einem Grisen im Gesicht. Dann geht das Gebäude in Flammen auf. (Schon wieder, siehe Batman Eternal Vol. 2.) Dahinter stecken Scarecrow und der Industrielle Simon Saint. Letzterer will Bürgermeister Nakano davon überzeugen, dass es eine Spezialeinheit von Polizisten braucht, den Magistrate, um dem Verbrechen in Gotham endlich Einhalt zu gebieten. Nakano will Batman und alle anderen Superhelden endlich loswerden, weil er sie als Teil des Problems ansieht.

Zugleich geht eine neue Bande auf Raubzug: Das Unsane Collective (angeführt von Master Wyze) raubt Kunstwerke von den Reichen, um das System zu ändern. Mit dabei ist Miracle Molly, eine junge Frau im schrillen Cyberpunk-Look, die Kapitalismuskritik betreibt: Menschen schuften sich zu Tode, aus Angst und in der Hoffnung auf Wohlstand, während in Wahrheit die Reichen alles für sich behalten und reicher werden. Das Unsane Collective will sich jenseits von Kategorien wie Wahnsinn und Vernunft selbst verbessern, und zwar mit Technologie. Implantate und Waffen als schöne neue Welt? Ein fragwürdiger Gegenentwurf.

Vorgeschichte zu Fear State und Future State

Batman wird verfolgt von der Polizei und kämpft mit reduzierten Mitteln gegen Schurken wie Peacemaker-01, wobei das bedeutet, dass sein Batmobil keinen Autopiloten, sondern nur eine Fernsteuerung hat. Solche Probleme hätte ich auch gern. Trotzdem gelingt es ihm, während des Kampfes mit der geschickten Platzierung von Bomben einen Morsecode zu senden … Und dann ist da noch der neue Sidekick Ghost-Maker, der hier nicht sympathischer wird, wenn er Harley Quinn durch sein Hauptquartier führt und dabei angibt, dass sein Deko-Dino größer sei als der in der Bathöhle. Seine größte Sorge ist, ob sein Auto schneller ist das Batmobil. Solche Albernheiten machen es schwer, die Figur ernst zu nehmen. Wen’s interessiert, kann seine Abenteuer im hinteren Heftteil verfolgen.

The Cowardly Lot bildet den Auftakt zum nächsten Event, Fear State (dem letzten von Autor James Tynion IV), das wiederum zu Future State führen wird, das wir bereits kennen (siehe auch Future State: Dark Detective). Dass DC hier das Pferd von hinten aufzäumt, ist das Hauptproblem an der Geschichte: Wir wissen, worauf sie hinauslaufen wird. Hier erfahren wir bloß das Wie, aber die Spannung fehlt. Zudem sehen wir immer wieder Batman in naher Zukunft in den Fängen von Scarecrow, sodass die Haupthandlung aus lauter Rückblenden besteht. Interessant ist jedoch der Aspekt, dass Scarecrow nicht sein Angstgas verströmt, sondern sein Ziel mit reinem Terrorismus erreicht – sehr zeitgemäß, aber nur bis er am Ende doch wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Ansonsten ist Scarecrow mit Gasmaske und Spritzen an den Fingern ist so schaurig dargestellt wie selten. Jorge Jimenez ist ein wunderbarer Zeichner, an dem nichts auszusetzen ist, aber seine Zeichnungen sind getränkt in einer knallbunten Kolorierung: Neonfarben in pink und giftgrün, dazu ein ständiges Glühen und Unschärfen machen allein das Hinschauen auf Dauer anstrengend. Mag sein, dass es schon vorher ähnlich war, aber hier wirkt vieles einfach wie zu viel des Guten. So bunt war Batman seit den 80ern nicht mehr.

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Joshua Williamson übernimmt Batman-Serie

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Batman #117-118 (DC Comics)

Das Aus kam überraschend: James Tynion IV hört als Autor der Serie Batman mit Ausgabe #117 auf. Fear State wird also seine letzte Batman-Storyline sein. Tynion verlässt damit auch DC Comics, um sich auf seine eigenen Comic-Kreationen zu konzentrieren. Er hat einen Exklusivvertrag mit Substack, einer Plattform für bezahlten Newsletterversand, abgeschlossen und vertreibt seine Comics künftig darüber.

Der 33-Jährige, der seit zehn Jahren für DC arbeitet, hat die Flaggschiff-Serie von Tom King übernommen und über 30 Ausgaben geschrieben, darunter den Joker War. Zuvor hat er 50 Ausgaben für Detective Comics verfasst sowie an Batman Eternal und Batman & Robin Eternal mitgeschrieben. Für seine Arbeit wurde er in diesem Sommer mit dem Eisner-Award geehrt.

Sein Nachfolger bei Batman wird Joshua Williamson, wie der Autor auf Twitter verkündet. Seine erste Storyline wird „Abyss“ (Abgrund) heißen, nach dem neuen Schurken, um den es gehen soll. Das Cover zu Batman #119 zeigt eine Gestalt mit Maske, Kapuze und Sense, was sehr an Phantasm/Phantom aus dem Zeichentrickfilm erinnert. Die Figur verwendet gerade Tom King in Batman/Catwoman wieder. Gezeichnet wird die Story von Jorge Molina. Er verleiht Batman wieder das gelbe Oval auf der Brust, das mit den 90ern verschwand und vorübergehend z.B. in Doomsday Clock wieder zu sehen war.

Williamson war bereits Autor der Serien The Flash (The Button) und Batman/Superman (#1-15). Derzeit erscheinen von ihm Robin und das Event Infinite Frontier.

Neue Comics zu Halloween: „DC vs. Vampires“

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DC Comics

Nach Zombies kommen Vampire: Superhelden halten keinen Monat ohne Beinahe-Weltuntergang aus, sonst wird’s ja langweilig. Daher bringt DC nach der Zombie-Apokalypse DCeased einen Zwölfteiler raus, dessen Name alles andere als kreativ ist, aber dafür klar sagt, was Sache ist: DC vs. Vampires.

James Tynion IV und Matthew Rosenberg (The Joker Presents: A Puzzlebox) schreiben die zwölfteilige Story, Otto Schmidt illustriert sie. Am 26. Oktober 2021 geht es los – passend zu Halloween. Auf dem ersten Cover sieht man Batman und Green Arrow, und tatsächlich soll der Dunkle Ritter die „letzte Hoffnung“ der Welt sein.

Batman und Vampire – das gehört von Anfang an eng zusammen. Nicht nur, dass Bela Lugosis Dracula eine Inspirationsquelle gewesen ist, Batman trifft schon in seinem fünften Abenteuer auf einen Vampir (Detective Comics #31-32) und verwandelt sich später auch in einen, besonders prominent in der Elseworlds-Trilogie Red Rain (Batman & Dracula), Bloodstorm und Crimson Mist. Außerdem hat er auch mit Superman gegen Vampire und Werwölfe gekämpft (Superman and Batman Vs. Vampires and Werewolves).

Das heißt aber nicht, dass DC die Zombies vernachlässigen würde: Am gleichen Tag erscheint die erste (und anscheinend einzige) Ausgabe von Task Force Z, in der Red Hood eine Truppe von untoten Schurken leitet: Bane, Man-Bat, Arkham Knight, Sundowner und Mr. Bloom. Autor wird ebenfalls Matthew Rosenberg sein, Zeichner Eddy Barrows.

Eisner-Award für Batman-Autor James Tynion IV

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DC Comics

Er ist erst 33 Jahre alt und hat nicht nur eine beachtliche Karriere im Comicgeschäft hingelegt, jetzt wurde er auch noch mit dem Eisner-Award als bester Autor geehrt: James Tynion IV. Der „Oscar“ der US-Comicbranche wurde ihm zuteil nicht nur für sein Schaffen an der Batman-Serie, für die er seit Anfang 2020 schreibt, sondern auch für seine eigenen Serien wie Something Is Killing the Children, Wynd (BOOM! Studios), The Department of Truth (Image) und Razorblades (Tiny Onion). The Department of Truth war zudem zweimal als beste Serie nominiert.

James Tynion IV begann bereits 2011 nach dem Reboot für The New 52, an Batman zu schreiben. Zusammen mit Scott Snyder war er für die ein Jahr dauernde und wöchentlich erscheindende Serie Batman Eternal verantwortlich, später auch für Batman & Robin Eternal. Mit dem Neustart von DC Rebirth übernahm er die Traditionsserie Detective Comics, in der er Batman als Teamplayer mit Robin, Batwoman, Clayface und anderen darstellte. Er  schuf die neue Joker-Gefährtin Punchline und brachte darüber hinaus in eigenen Miniserien Batman mit Teenage Mutant Ninja Turtles zusammen.

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DC/Image/Boom Studios

Ich war – abgesehen von Batman Eternal – von Tynions Arbeit an Batman bisher nicht sehr angetan. Detective Comics war geschwätzig und soaphaft, die aktuelle Batman-Serie wirkt bemüht, etwas Bedeutsames zu sagen, bleibt aber hinter dem Anspruch zurück, indem sie in alte Muster und Banalitäten zurückfällt. Vielleicht ist an Tynions eigenen Serien mehr dran. Bei DC Black Label erscheint sein Horror-Comic The Nice House on the Lake. Überzeugt euch am besten selbst.

Bisher erschienen sind die Batman-Bände:

 

 

Zwischen Clownhunter und Ghost-Maker

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Titel: Batman Vol. 3 Ghost Stories

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March

Erschienen: 2020 (Batman #101-105, Annual #5), Hardcover 2021


Der Joker War ist vorbei. Batman sieht ein, dass er bisher etliche Fehler gemacht hat (er gibt dem Joker recht), und beschließt, künftig seinen Job besser zu machen. Er muss auch deswegen umdenken, weil ihm seit dem Joker War die Mittel als Bruce Wayne fehlen. Jetzt heißt es sparen bei Hightech-Spielzeug. Lucius Fox kann ihn nicht mehr versorgen. Catwoman gibt ihm ein Jahr Bedenkzeit, auch um ihre gemeinsam Zukunft zu klären.

In Gotham treiben noch die Grinners ihr Unwesen, Opfer des Jokergases, während die Mitglieder von Jokers Armee ihre Masken abgelegt und sich verkrochen haben. Doch da ist noch ein Junge, der nicht bereit ist, zu vergessen, und die Übeltäter mit einem Baseballschläger jagt, in dem ein Batarang steckt – ein „Bat-Bat“.

Morden oder nicht morden?

Dieser Clownhunter ist ein siebzehnjähriger Junge namens Bao. Hier (in Batman Annual #5) wird erklärt, wie er dazu kam: Er will – nach altem Brauch – seine Eltern rächen, die dem Joker zum Opfer gefallen sind (siehe auch Signal). Damit es nicht zu sehr wie ein Abklatsch von Batman und Robin wirkt, beschließt er es erst, nachdem ihm Batman versprochen hat, sich drum zu kümmern, und gescheitert ist. Also nimmt er den Batarang, den ihm Batman geschenkt hat, bastelt sich einen feschen Irokesenhelm und legt los. Allein wie ein Dauergamer so ein geschickter Nahkämpfer wird, wird leider nicht erklärt.

Und dann taucht noch ein neuer Vigilant-aber-eigentlich-Schurke auf: der Ghost-Maker, ein alter Bekannter von Bruce Wayne. Der findet es gar nicht gut, dass irgendwelche Leute losziehen und andere Leute umbringen, und sei es für den guten Zweck. Also zieht er selbst mit seinen zwei Schwertern los und bringt diese Leute um – nämlich für den guten Zweck, um endlich mal Ordnung in diesen Saustall namens Gotham zu bringen. Es kommt zum Kampf Clownhunter gegen Ghost-Maker, das heißt: fast, denn Batman geht dazwischen. (Daher ist der angekündigte Kampf auf dem Cover von Batman #103 eine dreiste Mogelpackung.)

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Clownhunter und Ghost-Maker (Batman #105, DC Comics)

Gekämpft wird um zwei verschiedene Auffassungen darüber, wie man mit Verbrechern umgehen soll. Batman glaubt daran, dass Menschen sich ändern können, Ghost-Maker ist skeptisch. Im Grunde geht es also um die alte Frage: Darf man Verbrecher töten oder nicht? (ACHUNG SPOILER!) 

Ghost-Maker bringt Clownhunter und Harley Quinn zusammen, damit dieser sie töten kann. Sie bringt den Jungen mit einer langen Ansprache davon ab. Am Ende, bevor es wieder zum Schwertkampf der beiden Kontrahenten kommen kann, will Ghost-Maker wieder das Weite suchen, aber Batman bringt ihn dazu, zu bleiben und sich mit ihm in Gotham nützlich zu machen. Aber ohne Mord. Deal.

Die Batman-Familie wächst weiter

Leider ergibt das keinen Sinn. Ghost-Maker ist ein Massenmörder, und ein Psychopath, wie Batman feststellt. Er hat auch in Gotham bereits viele Menschen getötet. Und statt dass Batman seinen Gegner zur Strecke bringt und der Polizei übergibt, ist plötzlich alles vergeben und vergessen. Und der so sehr von sich selbst überzeugte Ghost-Maker fügt sich, obwohl er Batman immer noch Unrecht gibt.

Der dritte Batman-Band von James Tynion IV ist damit ein arg bemühtes und auch sonst uninspiriertes Zwischenstück, das bloß noch einen neuen Charakter einführt, die überfüllte Batman-Familie um ein Mitglied erweitert (als wären vier Robins und drei Batgirls nicht genug), wobei die größte Bereicherung darin besteht, dass Ghost-Maker zwar einen bescheuerten Namen, aber dafür das stylischste Kostüm trägt. Downgraden geht eigentlich anders.

Immerhin überzeugt Ghost Stories visuell, auch wenn hier zu viele Zeichner am Werk waren, die auch innerhalb der Ausgaben wechseln, was einen uneinheitlichen Gesamteindruck hinterlässt. Besonders interessant aber ist das Annual über Clownhunter. James Stokoe hat einen sehr eigenwilligen, sperrigen Stil, der aber auf angenehme Weise herausfällt aus der üblichen glatten Superheldenästhetik.

>> Batman 2020-2029

Punchline – Jokers neues Fangirl

DC Comics

Titel: Center Stage

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Sam Johns/Mirka Andolfo

Erschienen: 2020 (Punchline #1)


Die Zeiten, in denen Harley Quinn an der Seite ihres geliebten Joker gemordet hat, sind vorbei. Jedenfalls in der Haupt-Continuity. Wer das noch lesen will, muss zu apokryphen Schriften greifen wie Harleen. Doch 2020 hat der Joker eine neue Gefährtin bekommen: Alexis Kaye alias Punchline. Schwarze Haare, schwarze Stiefel, schwarzes Röckchen und dazu ein zerrissenes violettes Oberteil – also deutlich am Punk Look orientiert.

Im 80-Jahre-Joker-Special sehen wir sie als Chemiestudentin am Snyder College (der Name soll offenbar eine Hommage an Scott Snyder sein, James Tynions Kollegen). Dort provoziert sie zunächst ihre Kommilitoninnen mit einem Joker-T-Shirt, ihr Zimmer ist voller Poster mit Clownsvisage. Als ihr Dekan sich bei ihr beklagt, setzt sie ihn einem selbstgemixtem Lachgas aus. Er sei nicht ihr erstes Opfer, sagt sie, sie habe schon mit Obdachlosen experimentiert.

Alexis Kaye wird zu Punchline.

Während der Dekan lachend im Bett ihrer Mitbewohnerin stirbt, erklärt Alexis ihm ihre Weltanschauung, die jenseits der Normen und Regeln liegt. „I don’t want to live in the slow decay of your world. I want my own world, and I guess I don’t really care if that means hurting lots of people or whatever. This whole world you built is the joke. I’m the Punchline.“ Am Ende steigt der Joker aus dem Schrank und es stellt sich heraus, dass alles nur ein Test war, um zu sehen, ob Alexis es ernst meine.

Botschafterin des Joker

In Punchline #1 erfahren wir die Hintergründe: Alexis war auf einem Schulausflug in einem Nachrichten-TV-Studio, als der Joker gerade einfiel, die Moderatoren umbrachte und dann Alexis dazu zwang, seine Nachricht vor laufender Kamera zu verkünden – doch dann kam Batman dazwischen.

Die eigentliche Handlung spielt nach dem Joker War. Alexis muss sich vor Gericht für ihre Rolle an der Seite des Joker verantworten. Sie plädiert auf nicht-schuldig, bzw. auf „unschuldig“ (innocent). Dr. Leslie Thompkins beurteilt sie als schuldfähig. Beim Gefangenentransport lässt Alexis ein Video von sich aufnehmen und viral gehen, in dem sie sich als Opfer des Joker bezeichnet. „I saw Joker as a symbol of how we needed to tear down the system we had so we could build something new.“

Teil eines größeren Plans

Wir sehen, wie sich exemplarisch für viele ein Geschwisterpaar deswegen uneins ist: Harper Row (auch bekannt als Heldin Bluebird) traut ihr nicht, ihr Bruder Cullen ergreift Partei für Alexis. Sie habe nichts Schlimmes getan, sagt er und hört sich ihren Podcast über den Joker an, in dem sie seine Verbrechen als sozialkritische Kommentare, als Witze auslegt, darunter das vergiftete Trinkwasserreservoir, die vielen Ausbrüche aus Arkham, die Joker-Fische, den Rummeplatz aus The Killing Joke. Selbst den Angriff auf das TV-Studio sieht sie nicht als Zufall an, sie sieht sich als Auserwählte, um seine Botschaft zu verkünden. Alles, was der Joker bisher getan habe, sei nur der Auftakt für eine größere Vision gewesen.

Harley Quinn #1 von Alex Ross und Joker mit Punchline. (DC Comics)

Also mixt sie ihr eigenes Joker-Gas zusammen und vergiftet eine Reihe von Leuten, um die Aufmerksamkeit ihres Vorbilds zu gewinnen. Und als er endlich hinter ihr steht, erinnert das Bild nicht zufällig an Alex Ross‘ Cover zu Harley Quinn #1. Hier bemüht man sich nicht wirklich, Punchline als etwas Neues zu etablieren, sondern sie erscheint nur als eine Widergängerin von Harley. Allerdings ist ihr Anliegen ein anderes: Ihr geht es anscheinend nicht um die Liebe zum Joker, sondern sie ist eine Gläubige.

Ihre Pointe am Ende ist, dass sie ihre Fans zu Joker-Jüngern gemacht hat, die nun sein Werk fortsetzen. Der Joker War sei nur der Anfang gewesen, heißt es. Als sie ins Gerichtsgebäude geführt wird, jubelt ihr eine Menschenmenge zu: „Free Punchline!“ Mittendrin muss Bluebird ihren eigenen Bruder sehen. Damit erscheint der chaotische Joker in einer anderen Form ansteckend als sonst: nicht als Gas, nicht als Virus, sondern als Ideologie. Der Joker macht Schule als Kraft des Subversiven. Er wird zur Identifikationsfigur für alle, die einen Wandel der Gesellschaft wollen. Wie dieser Wandel aussehen soll, das bleibt allerdings noch offen.

Ach ja, und witzig ist Punchline immer noch nicht. Im Gegensatz zu Harley versucht sie es nicht mal.

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Neu bei DC Black Label: Batman – Reptilian

DC Comics

DC hat eine neue Miniserie für sein Black Label angekündigt: Batman: Reptilian. Garth Ennis (The Boys, Preacher) und Liam Sharp (The Brave and the Bold: Batman & Wonder Woman) erzählen in einem Sechsteiler die Geschichte über, nein, anscheinend nicht über Killer Croc, sondern über ein unbekanntes Monster, das sich über Schurken hermacht. Mehr an Inhalt ist bislang nicht bekannt. Beginnen soll die Serie am 22. Juni 2021. Jede Ausgabe soll 32 Seiten umfassen und 4,99 US-Dollar kosten.

Für September 2021 ist zudem die Hardcover-Ausgabe der Black-Label-Serie Joker/Harley: Criminal Sanity geplant. Sie wird über 300 Seiten umfassen.

Während andere angekündigte Batman-Black-Label-Comics noch auf sich warten lassen, wie etwa Batman/Joker: Deadly Duo und Sean Murphys Batman: Beyond the White Knight, soll am 1. Juni in der Sparte eine neue Horrorserie von Batman-Autor James Tynion IV starten: The Nice House On The Lake. Tynion macht abseits der Superhelden mit Comicserien wie Something Is Killing The Children und The Department Of Truth auf sich aufmerksam. Dieser neue Zwölfteiler soll nur der Auftakt zu etwas Größerem werden.

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Joker War: Routinierter Ausnahmezustand

DC Comics

Titel: The Joker War

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Jorge Jiménez u.a.

Erschienen: 2020 (Batman #95-100), Hardcover 2021 (Batman Vol. 2)


Der Joker hat alles übernommen (siehe Their Dark Designs): Wayne Enterprises, Gotham City, nun auch Batmans Fahr- und Flugzeuge. Wayne Manor gehört der Stadt. Nachdem die Gotham Gazette berichtet hat, wer hinter all dem steckt, wurde sie durch eine Unterlassungserklärung dazu gezwungen, die Story zurückzuziehen. Und jetzt wüten Clowns in Gotham. Der Joker-Krieg hat begonnen.

Und was ist mit Batman? Der wird von der neuen Joker-Gefährtin Punchline mit einer neuen Droge betäubt und halluziniert einen Alfred (der in Wirklichkeit tot ist, siehe Alfred R.I.P.). Während Harley Quinn versucht, ihn wieder clean zu bekommen, lädt der Joker die Bewohner von Gotham ins Kino ein, um sich Mark of Zorro anzusehen, jenen Film, den der kleine Bruce Wayne mit seinen Eltern sah, kurz bevor sie erschossen wurden. Obwohl die Vorstellung tödlich enden wird, lassen sich die Leute in Scharen von einer satten Belohnung in die Kinos locken. Als Vorgeschmack lässt der Joker die von ihm bisher ermordeten Opfer auferstehen und auf Batman losgehen. (Nicht zu verwechseln mit anderen Joker-Zombies, die durch ein Joker-Virus entstanden sind.)

Der Joker will Batman was beweisen

Dann folgt die übliche Routine: Batman bekommt eine lange Standpauke, erkennt seine Irrwege, kriegt sich wieder ein, trommelt die Familie zusammen und plötzlich vollbringt er das Unmögliche ganz einfach. Wie manche Probleme im Einzelfall gelöst werden, muss man anderswo nachlesen (z. B. in dem Band The Joker War Saga, der eine Woche später erscheint). Hier wird nur die grobe Rahmenhandlung wiedergegeben und die wirkt schon rhapsodisch genug. Als Batman wieder zu sich kommt, reicht es offenbar, einfach nur aufzuspringen und „I’m Batman“ zu sagen, schon fällt Schurkin Punchline vor ihm um. Man weiß nicht recht, ob diese Universalerklärung für alles hier ironisch gemeint oder unfreiwillig komisch ist. Nicht ernst zu nehmen ist sie auf jeden Fall.

Joker War: Batman #100 (DC Comics)

Auch wenn Autor James Tynion IV bloß alte Joker-Motive wieder aufwärmt, bemüht er sich in seiner Geschichte, dem Joker unbedingt eine neue Seite abzuringen. Und so verwendet er in alter Manier sehr viele Worte, die er ihm in den Mund legt, um seine Motivationen lang und breit zu erklären. Wieder mal geht es darum, Batman etwas zu beweisen. Dass Gotham in Wirklichkeit nicht seine, sondern Jokers Stadt sei. Dass er längst sein Ziel erreicht habe, auch wenn er geschlagen scheint, denn die Stadt sei korrupt, vom Rathaus bis zur Polizei. Niemand glaube (mehr) noch an etwas. Nicht mal mehr an Batman, der es nicht geschafft hat, all das Chaos zu verhindern.

„Batman was a little kid’s stupid idea“, sagt der Joker. „And now this city sees it for how hollow it is.“ Um ihm zu zeigen, wie blöd die Idee ist, schlüpft der Clown selbst in eine alberne Version des Batman-Kostüms.

Massenmörder Clownhunter

Am Ende geht es wieder um die Frage, ob man den Joker nicht einfach töten sollte, um dem immer wiederkehrenden Albtraum ein Ende zu bereiten. Diese Frage verneint Batman weiterhin stoisch gegenüber Harley. Und er verbietet auch dem neuen Vigilanten, dem Jungen, der sich Clownhunter nennt, Jokers Schergen zu ermorden. Lässt ihn aber mit Massenmord davonkommen. Ist das wirklich ein besserer Batman, wie er sich vorgenommen hat, einer zu werden?

Der Joker War beschreibt mal wieder einen Ausnahmezustand, die in Gotham an der Tagesordnung zu sein scheinen (eben noch in City of Bane). Statt aber den Krieg darzustellen und damit das Leid, das verursacht wird, verschwendet Tynion viel Zeit für Batmans Halluzinationen und Introspektionen, unterbrochen von Prügeleien, wie etwa einer obligatorischen Revanche zwischen Harley Quinn und Punchline. Fast alle Konflikte werden mit Fausthieben gelöst.

Das alles macht den Band zu einer schnellen, aber auch ermüdenden Lektüre, die viel Lärm um nichts veranstaltet, sich keine große Mühe macht, eine intelligente Story zu konstruieren, und in die üblichen Fallen von Klischees und logischen Fragwürdigkeiten gerät: Warum arbeitet jemand noch für den Joker, wenn er jederzeit von ihm grundlos abgeknallt werden kann? Warum gehen Menschen in eine Joker-Vorstellung, wenn selbst die Einladung dazu einen Mann vor laufender Kamera das Leben gekostet hat? Warum tut eigentlich fast niemand etwas gegen die marodierenden Clownhorden, weder Helden noch Schurken, sodass ein Kind zur Selbstjustiz greifen muss?

Und so ist der Joker War nach dem War of Jokes and Riddles – abgesehen von Jorge Jimenéz visueller Kunst – bloß eine weitere Enttäuschung und ein weiterer Beitrag dazu, Batmans größten Gegner zu überstrapazieren. Aber keine Sorge: Es geht ja bald weiter – in Jokers eigener Serie

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Eine neue Serie für den Joker

Schon wieder Joker? Jetzt auch noch mit eigener Serie. (DC Comics)

An Joker-Material mangelt es derzeit nicht wirklich. 2017 kämpfte er gegen den Riddler, 2018 vereitelte er Batmans Hochzeit mit Catwoman (oder trug zumindest dazu bei), in diesem Jahr gab es den großen Joker-War. Und dann trat er noch in allen Batman-Titeln von DC Black Label auf: vom White Knight über Killer Smile bis hin zu Three Jokers in diesem Jahr. Die Auftritte in Filmen lasse ich mal beiseite. Denn es reicht langsam mit dem Clown, oder?

Nein, denkt sich DC, noch lange nicht. Daher gibt der Verlag dem Joker eine eigene fortlaufende Serie. In The Joker ist der Titelheld auf der Flucht, er ist der meistgesuchte Mann der Welt, nicht nur Commissioner James Gordon ist hinter ihm her. Geschrieben wird das Ganze von James Tynion IV, der gerade die Batman-Hauptserie verantwortet (siehe Their Dark Designs) und auch den Joker War geschrieben hat, gezeichnet wird es von Guillem March.

Außerdem wird die Serie eine Back-up-Story über den neuen Joker-Sidekick Punchline enthalten. Hier holt sich Autor Tynion Verstärkung von Co-Autor Sam Johns und Zeichnerin Mirka Andolfo, die bereits den Punchline-One-shot illustriert hat. Die Story: Die Antiheldin wird Insassin von Blackgate, während Harper Row alias Bluebird versucht, ihren Bruder davor zu bewahren, unter Punchlines schlechten Einfluss zu kommen.

The Joker wird 40 Seiten pro Heft umfassen und 4,99 US-Dollar kosten. Geplanter Start ist am 9. März 2021.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Joker seine eigene Serie bekommt. Seine erste hatte er bereits von 1975 bis 1976. Sie war geprägt von Albernheiten und hielt gerade mal nur neun Ausgaben durch. Eine zehnte wurde zwar gezeichnet, aber nicht mehr gedruckt – bis 2019 im Joker-Bronze-Age-Omnibus.

>> Liste der Joker-Comics


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Vier Verschwörer gegen Batman

DC Comics

Titel: Batman Vol. 1: Their Dark Designs

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March, Tony Daniel, Jorge Jimenez

Erschienen: 2020 (Batman #86-94), Hardcover 2020


Fünf Attentäter versammeln sich in Gotham: Deathstroke, Cheshire, Merlyn, Gunsmith und Mr. Teeth. Batman ist vorbereitet, schaltet sie aus, lässt sie von der Polizei in ein selbstgebautes Spezialgefängnis bringen, aber kurz darauf sind sie wieder draußen, bis der Pinguin sie wieder einfängt, bis sie wieder freikommen und sie Batman wieder einfängt …

Catwoman und Harley Quinn helfen dabei, nachdem Selina die angebliche Leiche des Joker ausgräbt. Und dann gesteht sie Batman, was wirklich vor sich geht: Hinter all dem steckt ein neuer Schurke, der Designer. Der Name ist Programm, nicht unbedingt was Stil angeht, denn eine Kobination aus Feldhose, alter Militäruniform, Krawatte, Goldketten und einem Pelzkragen, sowie einer weißen Maske mit deinem großen roten D in Frakturschrift in der Mitte kündet nicht gerade von Stilbewusstsein – um nicht zu sagen: Es sieht ziemlich bescheuert aus. Aber der Designer ist ein Planer. Er hat sich vor ein paar Jahren überlegt, wie er Gotham von Kriminellen übernehmen lassen kann.

ACHTUNG SPOILER!!!

Seine Auserwählten waren auch die klassischen Schurken Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman (wohl nicht zufällig die, die in Batman hält die Welt in Atem gemeinsame Sache machten und die Riege der Erzschurken begründeten). Mit jedem von ihnen klügelte der Designer einen Plan aus, wie sie die Herrschaft über die Stadt gewinnen sowie Batman und Robin ausschalten. Leider kam es nie dazu, weil der Joker den Designer tötete. Und jetzt stellt sich heraus: Hinter all dem Chaos steckt in Wahrheit der Joker, der mal wieder Großes im Schilde führt …

Punchline ohne Pointe

Their Dark Designs, der erste Batman-Band von James Tynion IV (nach Detective Comics, Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), markiert einen klaren Stilwechsel gegenüber der Ära von Tom King (City of Bane). Hier bekommen wir wieder eine klassische, großangelegte Batman-Story geliefert mit reichlich Action und Wendungen, und alles dient nur dazu, das eigentliche Event vorzubereiten: den Joker War. Allerdings ist das Ganze etwas zu gut gemeint. Es gibt so viele Wendungen und so viele Hintergrundinformationen, das alles wirkt so abgehetzt, dass es einen zwar in Atem hält, aber zuweilen auch überfordert. Und wie oben bereits angedeutet, bringt nicht jede dieser Wendungen die Handlung wirklich voran, sondern lässt sie eher unnötige Schleifen drehen.

DC Comics

Die Story um die fünf Attentäter muss einen nicht groß kümmern. Sie sind angeblich die Besten der Besten, aber nicht nur Batman wird so leicht mit ihnen fertig, auch der Pinguin, Catwoman und Harley Quinn. Sie werden auch nicht interessanter, wenn die beiden neuen Gesichter ihre Hintergrundgeschichten nachgereicht bekommen. Das alles dient nur als Auftakt. Dass nebenher auch ein verrückter Riddler ein paar Rätsel abspulen darf, spielt eigentlich keine große Rolle für die Handlung.

Der wichtigste Neuzugang ist aber Punchline, die Harley Quinns Stelle an der Seite des Jokers übernimmt. Ihr Name ist leider nicht Programm: Sie hält sich zwar für lustig, gibt sich aber nicht im Ansatz Mühe, es zu beweisen. Das Einzige, was wir von ihr erfahren: Sie will den Joker so, wie er wirklich ist, was zu sehr an den Konflikt der beiden Harleys aus White Knight erinnert. Unvermeidlich, dass sie gleich zu Beginn sich ein Duell mit Harley Quinn liefert. Ob sie aber eine würdige Nachfolgerin ist, bleibt nach diesem faden Auftakt fragwürdig. Wie der Designer wirkt auch Punchline arg übertrieben.

Neue Batman-Gadgets

Und wie schlägt sich Batman? Der hat in Lucius Fox nicht nur einen würdigen Alfred-Nachfolger gefunden, sondern auch einen Partner á la Q. Wie schon Morgan Freeman in der Dark-Knight-Trilogie versorgt er Batman mit allen möglichen Gadgets, darunter ein paar neuen wie dem Nightclimber und dem Batspawn (einen Drohnenschwarm), The Echo verwandelt einen gewöhnlichen Sportwagen in ein Batmobil und es gibt auch ein Wiedersehen mit dem Bat-Train. In dieser Fülle wirkt das alles, als hätte man einen Zehnjährigen in einem Spielzeugladen eingeschlossen. Das Interessante daran ist aber: Es zeigt zwar, was für ein Kontrollfreak Batman ist, aber es hilft ihm nicht, Herr der Lage zu bleiben. All sein Spielzeug ist nutzlos gegen das, was hier passiert.

Batman #86 (DC Comics)

Symbol dafür ist sein Anzug, der seltsamerweise nicht viel aushält, bei jeder Gelegenheit zerreißt, sodass er in Fetzen hängt. Batman erscheint so als gebeutelter Zweifler, der feststellt, dass all seine Mühe nichts bringt. Er träumt den Traum eines neuen, besseren Gotham, er will ein besserer Batman werden, der die Probleme seiner Stadt nachhaltig löst. Doch erfahrenen Lesern kommt das bekannt vor (siehe Tynions Detective Comics, um nur ein Beispiel zu nennen): Das kann nicht gutgehen und wird immer wieder scheitern. Ein Superheld wie Batman kann nur vorläufig siegen, damit seine Geschichten weitergehen. Er bleibt zur Sisyphusarbeit verdammt.

Und das gilt auch für die Autoren, die mit dem Dilemma der ewigen Wiederholung zu kämpfen haben. Ein abschließendes Urteil über Their Dark Designs zu fällen, ist nicht möglich, denn hier haben wir höchstens die halbe Geschichte. Einen wirklich innovativen Ansatz kann ich aber nicht erkennen. Worauf alles hinausläuft wirkt wie alles schon mal gesehen – es ist der große Plot von der Zerstörung Batmans auf jeder Ebene (siehe Knightfall etc.). Aber zumindest ist der Band durchgehend wunderbar gezeichnet.

>> Batman 2020