James Tynion IV

Eisner-Award für Batman-Autor James Tynion IV

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DC Comics

Er ist erst 33 Jahre alt und hat nicht nur eine beachtliche Karriere im Comicgeschäft hingelegt, jetzt wurde er auch noch mit dem Eisner-Award als bester Autor geehrt: James Tynion IV. Der „Oscar“ der US-Comicbranche wurde ihm zuteil nicht nur für sein Schaffen an der Batman-Serie, für die er seit Anfang 2020 schreibt, sondern auch für seine eigenen Serien wie Something Is Killing the Children, Wynd (BOOM! Studios), The Department of Truth (Image) und Razorblades (Tiny Onion). The Department of Truth war zudem zweimal als beste Serie nominiert.

James Tynion IV begann bereits 2011 nach dem Reboot für The New 52, an Batman zu schreiben. Zusammen mit Scott Snyder war er für die ein Jahr dauernde und wöchentlich erscheindende Serie Batman Eternal verantwortlich, später auch für Batman & Robin Eternal. Mit dem Neustart von DC Rebirth übernahm er die Traditionsserie Detective Comics, in der er Batman als Teamplayer mit Robin, Batwoman, Clayface und anderen darstellte. Er  schuf die neue Joker-Gefährtin Punchline und brachte darüber hinaus in eigenen Miniserien Batman mit Teenage Mutant Ninja Turtles zusammen.

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DC/Image/Boom Studios

Ich war – abgesehen von Batman Eternal – von Tynions Arbeit an Batman bisher nicht sehr angetan. Detective Comics war geschwätzig und soaphaft, die aktuelle Batman-Serie wirkt bemüht, etwas Bedeutsames zu sagen, bleibt aber hinter dem Anspruch zurück, indem sie in alte Muster und Banalitäten zurückfällt. Vielleicht ist an Tynions eigenen Serien mehr dran. Bei DC Black Label erscheint sein Horror-Comic The Nice House on the Lake. Überzeugt euch am besten selbst.

Bisher erschienen sind die Batman-Bände:

 

 

Zwischen Clownhunter und Ghost-Maker

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Titel: Batman Vol. 3 Ghost Stories

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March

Erschienen: 2020 (Batman #101-105, Annual #5), Hardcover 2021


Der Joker War ist vorbei. Batman sieht ein, dass er bisher etliche Fehler gemacht hat (er gibt dem Joker recht), und beschließt, künftig seinen Job besser zu machen. Er muss auch deswegen umdenken, weil ihm seit dem Joker War die Mittel als Bruce Wayne fehlen. Jetzt heißt es sparen bei Hightech-Spielzeug. Lucius Fox kann ihn nicht mehr versorgen. Catwoman gibt ihm ein Jahr Bedenkzeit, auch um ihre gemeinsam Zukunft zu klären.

In Gotham treiben noch die Grinners ihr Unwesen, Opfer des Jokergases, während die Mitglieder von Jokers Armee ihre Masken abgelegt und sich verkrochen hat. Doch da ist noch ein Junge, der nicht bereit ist, zu vergessen, und die Übeltäter mit einem Baseballschläger jagt, in dem ein Batarang steckt – ein „Bat-Bat“.

Morden oder nicht morden?

Dieser Clownhunter ist ein siebzehnjähriger Junge namens Bao. Hier (in Batman Annual #5) wird erklärt, wie er dazu kam: Er will – nach altem Brauch – seine Eltern rächen, die dem Joker zum Opfer gefallen sind (siehe auch Signal). Damit es nicht zu sehr wie ein Abklatsch von Batman und Robin wirkt, beschließt er es erst, nachdem ihm Batman versprochen hat, sich drum zu kümmern, und gescheitert ist. Also nimmt er den Batarang, den ihm Batman geschenkt hat, bastelt sich einen feschen Irokesenhelm und legt los. Allein wie ein Dauergamer so ein geschickter Nahkämpfer wird, wird leider nicht erklärt.

Und dann taucht noch ein neuer Vigilant-aber-eigentlich-Schurke auf: der Ghost-Maker, ein alter Bekannter von Bruce Wayne. Der findet es gar nicht gut, dass irgendwelche Leute losziehen und andere Leute umbringen, und sei es für den guten Zweck. Also zieht er selbst mit seinen zwei Schwertern los und bringt diese Leute um – nämlich für den guten Zweck, um endlich mal Ordnung in diesen Saustall namens Gotham zu bringen. Es kommt zum Kampf Clownhunter gegen Ghost-Maker, das heißt: fast, denn Batman geht dazwischen. (Daher ist der angekündigte Kampf auf dem Cover von Batman #103 eine dreiste Mogelpackung.)

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Clownhunter und Ghost-Maker (Batman #105, DC Comics)

Gekämpft wird um zwei verschiedene Auffassungen darüber, wie man mit Verbrechern umgehen soll. Batman glaubt daran, dass Menschen sich ändern können, Ghost-Maker ist skeptisch. Im Grunde geht es also um die alte Frage: Darf man Verbrecher töten oder nicht? (ACHUNG SPOILER!) 

Ghost-Maker bringt Clownhunter und Harley Quinn zusammen, damit dieser sie töten kann. Sie bringt den Jungen mit einer langen Ansprache davon ab. Am Ende, bevor es wieder zum Schwertkampf der beiden Kontrahenten kommen kann, will Ghost-Maker wieder das Weite suchen, aber Batman bringt ihn dazu, zu bleiben und sich mit ihm in Gotham nützlich zu machen. Aber ohne Mord. Deal.

Die Batman-Familie wächst weiter

Leider ergibt das keinen Sinn. Ghost-Maker ist ein Massenmörder, und ein Psychopath, wie Batman feststellt. Er hat auch in Gotham bereits viele Menschen getötet. Und statt dass Batman seinen Gegner zur Strecke bringt und der Polizei übergibt, ist plötzlich alles vergeben und vergessen. Und der so sehr von sich selbst überzeugte Ghost-Maker klein bei und fügt sich, obwohl er Batman immer noch Unrecht gibt.

Der dritte Batman-Band von James Tynion IV ist damit ein arg bemühtes und auch sonst uninspiriertes Zwischenstück, das bloß noch einen neuen Charakter einführt, die überfüllte Batman-Familie um ein Mitglied erweitert (als wären vier Robins und drei Batgirls nicht genug), wobei die größte Bereicherung darin besteht, dass Ghost-Maker zwar einen bescheuerten Namen, aber dafür das stylischste Kostüm trägt. Downgraden geht eigentlich anders.

Immerhin überzeugt Ghost Stories visuell, auch wenn hier zu viele Zeichner am Werk waren, die auch innerhalb der Ausgaben wechseln, was einen uneinheitlichen Gesamteindruck macht. Besonders interessant aber ist das Annual über Clownhunter. James Stokoe hat einen sehr eigenwilligen, sperrigen Stil, der aber auf angenehme Weise herausfällt aus der üblichen glatten Superheldenästhetik.

>> Batman 2020-2029

Punchline – Jokers neues Fangirl

DC Comics

Titel: Center Stage

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Sam Johns/Mirka Andolfo

Erschienen: 2020 (Punchline #1)


Die Zeiten, in denen Harley Quinn an der Seite ihres geliebten Joker gemordet hat, sind vorbei. Jedenfalls in der Haupt-Continuity. Wer das noch lesen will, muss zu apokryphen Schriften greifen wie Harleen. Doch 2020 hat der Joker eine neue Gefährtin bekommen: Alexis Kaye alias Punchline. Schwarze Haare, schwarze Stiefel, schwarzes Röckchen und dazu ein zerrissenes violettes Oberteil – also deutlich am Punk Look orientiert.

Im 80-Jahre-Joker-Special sehen wir sie als Chemiestudentin am Snyder College (der Name soll offenbar eine Hommage an Scott Snyder sein, James Tynions Kollegen). Dort provoziert sie zunächst ihre Kommilitoninnen mit einem Joker-T-Shirt, ihr Zimmer ist voller Poster mit Clownsvisage. Als ihr Dekan sich bei ihr beklagt, setzt sie ihn einem selbstgemixtem Lachgas aus. Er sei nicht ihr erstes Opfer, sagt sie, sie habe schon mit Obdachlosen experimentiert.

Alexis Kaye wird zu Punchline.

Während der Dekan lachend im Bett ihrer Mitbewohnerin stirbt, erklärt Alexis ihm ihre Weltanschauung, die jenseits der Normen und Regeln liegt. „I don’t want to live in the slow decay of your world. I want my own world, and I guess I don’t really care if that means hurting lots of people or whatever. This whole world you built is the joke. I’m the Punchline.“ Am Ende steigt der Joker aus dem Schrank und es stellt sich heraus, dass alles nur ein Test war, um zu sehen, ob Alexis es ernst meine.

Botschafterin des Joker

In Punchline #1 erfahren wir die Hintergründe: Alexis war auf einem Schulausflug in einem Nachrichten-TV-Studio, als der Joker gerade einfiel, die Moderatoren umbrachte und dann Alexis dazu zwang, seine Nachricht vor laufender Kamera zu verkünden – doch dann kam Batman dazwischen.

Die eigentliche Handlung spielt nach dem Joker War. Alexis muss sich vor Gericht für ihre Rolle an der Seite des Joker verantworten. Sie plädiert auf nicht-schuldig, bzw. auf „unschuldig“ (innocent). Dr. Leslie Thompkins beurteilt sie als schuldfähig. Beim Gefangenentransport lässt Alexis ein Video von sich aufnehmen und viral gehen, in dem sie sich als Opfer des Joker bezeichnet. „I saw Joker as a symbol of how we needed to tear down the system we had so we could build something new.“

Teil eines größeren Plans

Wir sehen, wie sich exemplarisch für viele ein Geschwisterpaar deswegen uneins ist: Harper Row (auch bekannt als Heldin Bluebird) traut ihr nicht, ihr Bruder Cullen ergreift Partei für Alexis. Sie habe nichts Schlimmes getan, sagt er und hört sich ihren Podcast über den Joker an, in dem sie seine Verbrechen als sozialkritische Kommentare, als Witze auslegt, darunter das vergiftete Trinkwasserreservoir, die vielen Ausbrüche aus Arkham, die Joker-Fische, den Rummeplatz aus The Killing Joke. Selbst den Angriff auf das TV-Studio sieht sie nicht als Zufall an, sie sieht sich als Auserwählte, um seine Botschaft zu verkünden. Alles, was der Joker bisher getan habe, sei nur der Auftakt für eine größere Vision gewesen.

Harley Quinn #1 von Alex Ross und Joker mit Punchline. (DC Comics)

Also mixt sie ihr eigenes Joker-Gas zusammen und vergiftet eine Reihe von Leuten, um die Aufmerksamkeit ihres Vorbilds zu gewinnen. Und als er endlich hinter ihr steht, erinnert das Bild nicht zufällig an Alex Ross‘ Cover zu Harley Quinn #1. Hier bemüht man sich nicht wirklich, Punchline als etwas Neues zu etablieren, sondern sie erscheint nur als eine Widergängerin von Harley. Allerdings ist ihr Anliegen ein anderes: Ihr geht es anscheinend nicht um die Liebe zum Joker, sondern sie ist eine Gläubige.

Ihre Pointe am Ende ist, dass sie ihre Fans zu Joker-Jüngern gemacht hat, die nun sein Werk fortsetzen. Der Joker War sei nur der Anfang gewesen, heißt es. Als sie ins Gerichtsgebäude geführt wird, jubelt ihr eine Menschenmenge zu: „Free Punchline!“ Mittendrin muss Bluebird ihren eigenen Bruder sehen. Damit erscheint der chaotische Joker in einer anderen Form ansteckend als sonst: nicht als Gas, nicht als Virus, sondern als Ideologie. Der Joker macht Schule als Kraft des Subversiven. Er wird zur Identifikationsfigur für alle, die einen Wandel der Gesellschaft wollen. Wie dieser Wandel aussehen soll, das bleibt allerdings noch offen.

Ach ja, und witzig ist Punchline immer noch nicht. Im Gegensatz zu Harley versucht sie es nicht mal.

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Neu bei DC Black Label: Batman – Reptilian

DC Comics

DC hat eine neue Miniserie für sein Black Label angekündigt: Batman: Reptilian. Garth Ennis (The Boys, Preacher) und Liam Sharp (The Brave and the Bold: Batman & Wonder Woman) erzählen in einem Sechsteiler die Geschichte über, nein, anscheinend nicht über Killer Croc, sondern über ein unbekanntes Monster, das sich über Schurken hermacht. Mehr an Inhalt ist bislang nicht bekannt. Beginnen soll die Serie am 22. Juni 2021. Jede Ausgabe soll 32 Seiten umfassen und 4,99 US-Dollar kosten.

Für September 2021 ist zudem die Hardcover-Ausgabe der Black-Label-Serie Joker/Harley: Criminal Sanity geplant. Sie wird über 300 Seiten umfassen.

Während andere angekündigte Batman-Black-Label-Comics noch auf sich warten lassen, wie etwa Batman/Joker: Deadly Duo und Sean Murphys Batman: Beyond the White Knight, soll am 1. Juni in der Sparte eine neue Horrorserie von Batman-Autor James Tynion IV starten: The Nice House On The Lake. Tynion macht abseits der Superhelden mit Comicserien wie Something Is Killing The Children und The Department Of Truth auf sich aufmerksam. Dieser neue Zwölfteiler soll nur der Auftakt zu etwas Größerem werden.

>> Batman bei DC Black Label

Joker War: Routinierter Ausnahmezustand

DC Comics

Titel: The Joker War

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Jorge Jiménez u.a.

Erschienen: 2020 (Batman #95-100), Hardcover 2021 (Batman Vol. 2)


Der Joker hat alles übernommen (siehe Their Dark Designs): Wayne Enterprises, Gotham City, nun auch Batmans Fahr- und Flugzeuge. Wayne Manor gehört der Stadt. Nachdem die Gotham Gazette berichtet hat, wer hinter all dem steckt, wurde sie durch eine Unterlassungserklärung dazu gezwungen, die Story zurückzuziehen. Und jetzt wüten Clowns in Gotham. Der Joker-Krieg hat begonnen.

Und was ist mit Batman? Der wird von der neuen Joker-Gefährtin Punchline mit einer neuen Droge betäubt und halluziniert einen Alfred (der in Wirklichkeit tot ist, siehe Alfred R.I.P.). Während Harley Quinn versucht, ihn wieder clean zu bekommen, lädt der Joker die Bewohner von Gotham ins Kino ein, um sich Mark of Zorro anzusehen, jenen Film, den der kleine Bruce Wayne mit seinen Eltern sah, kurz bevor sie erschossen wurden. Obwohl die Vorstellung tödlich enden wird, lassen sich die Leute in Scharen von einer satten Belohnung in die Kinos locken. Als Vorgeschmack lässt der Joker die von ihm bisher ermordeten Opfer auferstehen und auf Batman losgehen. (Nicht zu verwechseln mit anderen Joker-Zombies, die durch ein Joker-Virus entstanden sind.)

Der Joker will Batman was beweisen

Dann folgt die übliche Routine: Batman bekommt eine lange Standpauke, erkennt seine Irrwege, kriegt sich wieder ein, trommelt die Familie zusammen und plötzlich vollbringt er das Unmögliche ganz einfach. Wie manche Probleme im Einzelfall gelöst werden, muss man anderswo nachlesen (z. B. in dem Band The Joker War Saga, der eine Woche später erscheint). Hier wird nur die grobe Rahmenhandlung wiedergegeben und die wirkt schon rhapsodisch genug. Als Batman wieder zu sich kommt, reicht es offenbar, einfach nur aufzuspringen und „I’m Batman“ zu sagen, schon fällt Schurkin Punchline vor ihm um. Man weiß nicht recht, ob diese Universalerklärung für alles hier ironisch gemeint oder unfreiwillig komisch ist. Nicht ernst zu nehmen ist sie auf jeden Fall.

Joker War: Batman #100 (DC Comics)

Auch wenn Autor James Tynion IV bloß alte Joker-Motive wieder aufwärmt, bemüht er sich in seiner Geschichte, dem Joker unbedingt eine neue Seite abzuringen. Und so verwendet er in alter Manier sehr viele Worte, die er ihm in den Mund legt, um seine Motivationen lang und breit zu erklären. Wieder mal geht es darum, Batman etwas zu beweisen. Dass Gotham in Wirklichkeit nicht seine, sondern Jokers Stadt sei. Dass er längst sein Ziel erreicht habe, auch wenn er geschlagen scheint, denn die Stadt sei korrupt, vom Rathaus bis zur Polizei. Niemand glaube (mehr) noch an etwas. Nicht mal mehr an Batman, der es nicht geschafft hat, all das Chaos zu verhindern.

„Batman was a little kid’s stupid idea“, sagt der Joker. „And now this city sees it for how hollow it is.“ Um ihm zu zeigen, wie blöd die Idee ist, schlüpft der Clown selbst in eine alberne Version des Batman-Kostüms.

Massenmörder Clownhunter

Am Ende geht es wieder um die Frage, ob man den Joker nicht einfach töten sollte, um dem immer wiederkehrenden Albtraum ein Ende zu bereiten. Diese Frage verneint Batman weiterhin stoisch gegenüber Harley. Und er verbietet auch dem neuen Vigilanten, dem Jungen, der sich Clownhunter nennt, Jokers Schergen zu ermorden. Lässt ihn aber mit Massenmord davonkommen. Ist das wirklich ein besserer Batman, wie er sich vorgenommen hat, einer zu werden?

Der Joker War beschreibt mal wieder einen Ausnahmezustand, die in Gotham an der Tagesordnung zu sein scheinen (eben noch in City of Bane). Statt aber den Krieg darzustellen und damit das Leid, das verursacht wird, verschwendet Tynion viel Zeit für Batmans Halluzinationen und Introspektionen, unterbrochen von Prügeleien, wie etwa einer obligatorischen Revanche zwischen Harley Quinn und Punchline. Fast alle Konflikte werden mit Fausthieben gelöst.

Das alles macht den Band zu einer schnellen, aber auch ermüdenden Lektüre, die viel Lärm um nichts veranstaltet, sich keine große Mühe macht, eine intelligente Story zu konstruieren, und in die üblichen Fallen von Klischees und logischen Fragwürdigkeiten gerät: Warum arbeitet jemand noch für den Joker, wenn er jederzeit von ihm grundlos abgeknallt werden kann? Warum gehen Menschen in eine Joker-Vorstellung, wenn selbst die Einladung dazu einen Mann vor laufender Kamera das Leben gekostet hat? Warum tut eigentlich fast niemand etwas gegen die marodierenden Clownhorden, weder Helden noch Schurken, sodass ein Kind zur Selbstjustiz greifen muss?

Und so ist der Joker War nach dem War of Jokes and Riddles – abgesehen von Jorge Jimenéz visueller Kunst – bloß eine weitere Enttäuschung und ein weiterer Beitrag dazu, Batmans größten Gegner zu überstrapazieren. Aber keine Sorge: Es geht ja bald weiter – in Jokers eigener Serie

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Eine neue Serie für den Joker

Schon wieder Joker? Jetzt auch noch mit eigener Serie. (DC Comics)

An Joker-Material mangelt es derzeit nicht wirklich. 2017 kämpfte er gegen den Riddler, 2018 vereitelte er Batmans Hochzeit mit Catwoman (oder trug zumindest dazu bei), in diesem Jahr gab es den großen Joker-War. Und dann trat er noch in allen Batman-Titeln von DC Black Label auf: vom White Knight über Killer Smile bis hin zu Three Jokers in diesem Jahr. Die Auftritte in Filmen lasse ich mal beiseite. Denn es reicht langsam mit dem Clown, oder?

Nein, denkt sich DC, noch lange nicht. Daher gibt der Verlag dem Joker eine eigene fortlaufende Serie. In The Joker ist der Titelheld auf der Flucht, er ist der meistgesuchte Mann der Welt, nicht nur Commissioner James Gordon ist hinter ihm her. Geschrieben wird das Ganze von James Tynion IV, der gerade die Batman-Hauptserie verantwortet (siehe Their Dark Designs) und auch den Joker War geschrieben hat, gezeichnet wird es von Guillem March.

Außerdem wird die Serie eine Back-up-Story über den neuen Joker-Sidekick Punchline enthalten. Hier holt sich Autor Tynion Verstärkung von Co-Autor Sam Johns und Zeichnerin Mirka Andolfo, die bereits den Punchline-One-shot illustriert hat. Die Story: Die Antiheldin wird Insassin von Blackgate, während Harper Row alias Bluebird versucht, ihren Bruder davor zu bewahren, unter Punchlines schlechten Einfluss zu kommen.

The Joker wird 40 Seiten pro Heft umfassen und 4,99 US-Dollar kosten. Geplanter Start ist am 9. März 2021.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Joker seine eigene Serie bekommt. Seine erste hatte er bereits von 1975 bis 1976. Sie war geprägt von Albernheiten und hielt gerade mal nur neun Ausgaben durch. Eine zehnte wurde zwar gezeichnet, aber nicht mehr gedruckt – bis 2019 im Joker-Bronze-Age-Omnibus.

>> Liste der Joker-Comics


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Vier Verschwörer gegen Batman

DC Comics

Titel: Batman Vol. 1: Their Dark Designs

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March, Tony Daniel, Jorge Jimenez

Erschienen: 2020 (Batman #86-94), Hardcover 2020


Fünf Attentäter versammeln sich in Gotham: Deathstroke, Cheshire, Merlyn, Gunsmith und Mr. Teeth. Batman ist vorbereitet, schaltet sie aus, lässt sie von der Polizei in ein selbstgebautes Spezialgefängnis bringen, aber kurz darauf sind sie wieder draußen, bis der Pinguin sie wieder einfängt, bis sie wieder freikommen und sie Batman wieder einfängt …

Catwoman und Harley Quinn helfen dabei, nachdem Selina die angebliche Leiche des Joker ausgräbt. Und dann gesteht sie Batman, was wirklich vor sich geht: Hinter all dem steckt ein neuer Schurke, der Designer. Der Name ist Programm, nicht unbedingt was Stil angeht, denn eine Kobination aus Feldhose, alter Militäruniform, Krawatte, Goldketten und einem Pelzkragen, sowie einer weißen Maske mit deinem großen roten D in Frakturschrift in der Mitte kündet nicht gerade von Stilbewusstsein – um nicht zu sagen: Es sieht ziemlich bescheuert aus. Aber der Designer ist ein Planer. Er hat sich vor ein paar Jahren überlegt, wie er Gotham von Kriminellen übernehmen lassen kann.

ACHTUNG SPOILER!!!

Seine Auserwählten waren auch die klassischen Schurken Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman (wohl nicht zufällig die, die in Batman hält die Welt in Atem gemeinsame Sache machten und die Riege der Erzschurken begründeten). Mit jedem von ihnen klügelte der Designer einen Plan aus, wie sie die Herrschaft über die Stadt gewinnen sowie Batman und Robin ausschalten. Leider kam es nie dazu, weil der Joker den Designer tötete. Und jetzt stellt sich heraus: Hinter all dem Chaos steckt in Wahrheit der Joker, der mal wieder Großes im Schilde führt …

Punchline ohne Pointe

Their Dark Designs, der erste Batman-Band von James Tynion IV (nach Detective Comics, Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), markiert einen klaren Stilwechsel gegenüber der Ära von Tom King (City of Bane). Hier bekommen wir wieder eine klassische, großangelegte Batman-Story geliefert mit reichlich Action und Wendungen, und alles dient nur dazu, das eigentliche Event vorzubereiten: den Joker War. Allerdings ist das Ganze etwas zu gut gemeint. Es gibt so viele Wendungen und so viele Hintergrundinformationen, das alles wirkt so abgehetzt, dass es einen zwar in Atem hält, aber zuweilen auch überfordert. Und wie oben bereits angedeutet, bringt nicht jede dieser Wendungen die Handlung wirklich voran, sondern lässt sie eher unnötige Schleifen drehen.

DC Comics

Die Story um die fünf Attentäter muss einen nicht groß kümmern. Sie sind angeblich die Besten der Besten, aber nicht nur Batman wird so leicht mit ihnen fertig, auch der Pinguin, Catwoman und Harley Quinn. Sie werden auch nicht interessanter, wenn die beiden neuen Gesichter ihre Hintergrundgeschichten nachgereicht bekommen. Das alles dient nur als Auftakt. Dass nebenher auch ein verrückter Riddler ein paar Rätsel abspulen darf, spielt eigentlich keine große Rolle für die Handlung.

Der wichtigste Neuzugang ist aber Punchline, die Harley Quinns Stelle an der Seite des Jokers übernimmt. Ihr Name ist leider nicht Programm: Sie hält sich zwar für lustig, gibt sich aber nicht im Ansatz Mühe, es zu beweisen. Das Einzige, was wir von ihr erfahren: Sie will den Joker so, wie er wirklich ist, was zu sehr an den Konflikt der beiden Harleys aus White Knight erinnert. Unvermeidlich, dass sie gleich zu Beginn sich ein Duell mit Harley Quinn liefert. Ob sie aber eine würdige Nachfolgerin ist, bleibt nach diesem faden Auftakt fragwürdig. Wie der Designer wirkt auch Punchline arg übertrieben.

Neue Batman-Gadgets

Und wie schlägt sich Batman? Der hat in Lucius Fox nicht nur einen würdigen Alfred-Nachfolger gefunden, sondern auch einen Partner á la Q. Wie schon Morgan Freeman in der Dark-Knight-Trilogie versorgt er Batman mit allen möglichen Gadgets, darunter ein paar neuen wie dem Nightclimber und dem Batspawn (einen Drohnenschwarm), The Echo verwandelt einen gewöhnlichen Sportwagen in ein Batmobil und es gibt auch ein Wiedersehen mit dem Bat-Train. In dieser Fülle wirkt das alles, als hätte man einen Zehnjährigen in einem Spielzeugladen eingeschlossen. Das Interessante daran ist aber: Es zeigt zwar, was für ein Kontrollfreak Batman ist, aber es hilft ihm nicht, Herr der Lage zu bleiben. All sein Spielzeug ist nutzlos gegen das, was hier passiert.

Batman #86 (DC Comics)

Symbol dafür ist sein Anzug, der seltsamerweise nicht viel aushält, bei jeder Gelegenheit zerreißt, sodass er in Fetzen hängt. Batman erscheint so als gebeutelter Zweifler, der feststellt, dass all seine Mühe nichts bringt. Er träumt den Traum eines neuen, besseren Gotham, er will ein besserer Batman werden, der die Probleme seiner Stadt nachhaltig löst. Doch erfahrenen Lesern kommt das bekannt vor (siehe Tynions Detective Comics, um nur ein Beispiel zu nennen): Das kann nicht gutgehen und wird immer wieder scheitern. Ein Superheld wie Batman kann nur vorläufig siegen, damit seine Geschichten weitergehen. Er bleibt zur Sisyphusarbeit verdammt.

Und das gilt auch für die Autoren, die mit dem Dilemma der ewigen Wiederholung zu kämpfen haben. Ein abschließendes Urteil über Their Dark Designs zu fällen, ist nicht möglich, denn hier haben wir höchstens die halbe Geschichte. Einen wirklich innovativen Ansatz kann ich aber nicht erkennen. Worauf alles hinausläuft wirkt wie alles schon mal gesehen – es ist der große Plot von der Zerstörung Batmans auf jeder Ebene (siehe Knightfall etc.). Aber zumindest ist der Band durchgehend wunderbar gezeichnet.

>> Batman 2020

Trauer um Alfred

DC Comics

Titel: Batman: Pennyworth R.I.P.

Autor/Zeichner: James Tynion IV, Peter J. Tomasi/Eddy Barrows u.a.

Erschienen: 2020 (One-shot)


Lange habe ich versucht, diese Wendung (anders als DC) nicht zu spoilern, aber jetzt muss es leider raus: Alfred Pennyworth stirbt in City of Bane – der Schurke dreht ihm den Hals um. Aber Alfred bringt das Opfer auch zum Teil freiwillig, um die Stadt zu retten. Ein harter Schlag für alle. Die Bat-Family verliert nicht ihren Butler, sondern ihr eigentliches Herz.

Darum geht es in Pennyworth R.I.P. Nachdem Batman ein Krankenhaus zu Ehren von Alfred errichtet hat, kommt die Familie in einer Bar zusammen, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Jeder darf mal erzählen, wie er ihnen aus der Patsche geholfen hat. Dabei erweist sich Alfred mal wieder als Alleskönner, der auch selbst in die Rolle von Batman schlüpft. Um Damian abzuholen, zieht er sich das Kostüm an, um Red Hood zu retten, steigt er selbst in Batmans Panzer, um Red Robins verlorene Waffen wiederzubeschaffen, wird er zum Katzendieb – ein wenig übertrieben, aber der Mann ist einfach zu gut für diese Welt gewesen.

Mit Batgirl geht er sogar Bergsteigen und Nightwing erwischt ihn dabei, wie er Blumen in Crime Alley für Thomas und Martha Wayne niederlegt. Seine Botschaft an Batman: Auch wenn er einen hohen Preis zahlen musste, hat der Tod der Waynes durch die Entstehung von Batman viele Menschenleben gerettet.

Batmans Mitschuld am Tod

Bruce Wayne muss sich harte Vorwürfe von Barbara gefallen lassen. In Krisen sei es immer Alfred gewesen, der die Familie zusammengehalten habe, während Batman stets schmollte und den einsamen Wolf spielte. Ihr größter Vorwurf: Als Bane Gotham übernahm und Alfred starb, hat Bruce mit Selina Strandurlaub gemacht. Bruce hat zu seiner Rechtfertigung nichts zu sagen. Er bleibt stumm.

Pennyworth R.I.P. ist ein nachdenkliches und melancholisches Comic, das auf 41 sensibel gezeichneten Seiten die Bedeutung von Alfred herausstreicht und ihn angemessen würdigt. Dass Batman selbst dabei so schlecht wegkommt, ist durchaus angemessen. In City of Bane hat er sich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Es bleibt nur zu wünschen, dass er sich durch diesen Verlust weiterentwickeln wird. Zuweilen wirkte der Held zu irrational in seinem Verhalten.

Nun ist es so, dass in Superheldencomics zwar jeder mal sterben muss (Alfred stirbt sogar schon zum zweiten Mal, das erste Mal war in Detective Comics #328, 1964), aber jeder kehrt auch irgendwann wieder zurück. Beim ersten Mal wurde das äußerst bemüht gelöst, aber das waren auch ganz andere Zeiten. Jetzt bin ich sehr gespannt, was sich die Autoren diesmal einfallen lassen. Hoffentlich kommt die Rückkehr nicht zu früh, denn so wichtig Alfred auch ist – es muss auch mal eine lange Zeit lang ohne ihn gehen, sonst verkommt diese Katastrophe schnell zur Anekdote in der Batman-Geschichte.

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James Tynion IV und Tony Daniel übernehmen Batman-Serie

Im Januar 2020 bekommt Batman ein neues Kreativteam – zumindest zum Teil. Tom King verabschiedet sich nach Ausgabe 85, dem Ende seiner Storyline „City of Bane“, um in der 12-teiligen Maxi-Serie Batman/Catwoman seine bislang gescheiterte Romanze weiterzuerzählen.

Ab Batman #86 übernimmt James Tynion IV das Schreiben, während Tony S. Daniel zum Stammzeichner wird – so teilt es DC mit. (Damit erscheint die Serie wieder monatlich.) Beide sind keine Neulinge: Daniel ist bereits seit Batman R.I.P. dabei und hat auch zuletzt für Kings Batman gezeichnet. Tynion (englisch ausgesprochen wie tie-nun) hat bereits an Batman Eternal mitgeschrieben, Batman & Robin Eternal verantwortet sowie Detective Comics #934-981 seit dem Rebirth-Neustart. Außerdem hat er Batman mit den Turtles zusammengebracht …

Da ich kein Fan seiner Detective-Storyline war, die sich auf Batman als (übergroßes) Team konzentrierte, zu dem so ziemlich jeder und jede dazugehörte (auch Clayface), freut mich diese Entscheidung nicht. Auch Tynion gehört zu den geschwätzigen Autoren. Allerdings gibt es Hoffnung: In der Batman-Serie will er sich nach eigenen Worten auf Bruce Wayne konzentrieren.

“I want to dig deep into the Bat himself and tell an epic story that pushes him to his absolute limits. I want to tell a Batman story like the kinds I grew up loving, one that embraces the horror and gothic elegance of Gotham and dives deep into Batman’s greatest villains.”

Tynion ist übrigens erst 31 Jahre alt. Abseits von DC sorgt er mit seiner Horror-Comic-Serie „Something Is Killing The Children“ für Aufsehen.

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Der schlechteste aller Batmen

Titel: The Batman Who Laughs (dt. Der Batman, der lacht)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Jock

Erschienen: 2018-2019 (The Batman Who Laughs #1-7, The Batman Who Laughs: The Grim Knight #1), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


„I am the worst Batman of all.“ (Batman)

Was von dem Batman-Event Dark Nights: Metal in Erinnerung geblieben ist, ist vor allem eine Figur: The Batman Who Laughs. Der Grund liegt auf der Hand. Es handelt sich um einen bösen Batman, der zum Joker mutiert ist. Mit seiner Lederkluft und dem Reif mit Metallspitzen auf dem Kopf ist er so richtig schön evil, dass man vergisst zu fragen, wie er mit der stacheligen Augenbinde überhaupt etwas sehen kann.

Egal. Scott Snyders Erfindung ist so beliebt, dass er ihm eine Miniserie gewidmet hat. Und auch im Event Year of the Villain und in der neuen Batman/Superman-Serie wird er wieder als Schurke auftauchen. Aber zurück zur Miniserie. Hier bringt er zunächst Batman an dessen Grenzen.

Es beginnt damit, dass Batman Bruce Waynes Leiche findet. Ein älterer, anderer Bruce Wayne, aber definitiv dieselbe DNA. Und es tauchen noch mehr auf – allesamt Bruce Waynes aus Paralleluniversen. Dahinter steckt The Batman Who Laughs. Er will in Gotham ein Notfallsystem übernehmen, mit dem man im Notfall über das Trinkwasser mit einem Gegenmittel versorgen kann. Damit will er die Bewohner von Gotham in die bösesten Versionen ihrer selbst verwandeln – und die Stadt zu dem machen, was sie seiner Meinung nach schon immer bestimmt war.

Der grinsende Schurke tötet zunächst den Joker. Dadurch wird ein Gift freigesetzt, durch das Batman sich in den Joker verwandelt. Und dann hat The Batman Who Laughs auch noch Verstärkung mitgebracht: the Grim Knight, eine mörderische Version von Batman, die um den Gebrauch von Schusswaffen nicht verlegen ist.

Scott Snyder kann’s nicht lassen. Nach 52 Ausgaben Batman, dann noch Batman Eternal, sollte das Metal-Event das Finale seines Epos werden, das er mit Greg Capullo über Jahre erzählt hat. Aber hier legt er nicht nur eine Fortsetzung vor, sondern kehrt mit Zeichner Jock auch ganz zurück zu seinem Anfang, nämlich The Black Mirror. Hier lässt er James Gordon Jr. wieder eine tragende Rolle spielen. Der ist nämlich dank Drogen und Fußfessel auf dem Weg zur Rehabilitation vom psychopathischen Mörder zum guten Bürger. Zusammen mit seinem Vater legt er sich mit dem Grim Knight ein, aber der Senior ist nach wie vor skeptisch, was den Fortschritt seines Sohnes angeht. (Dabei lässt Batman Beyond grüßen.)

Das alles zusammen ist wie immer ziemlich viel Stoff. Wie gewohnt entwickelt Snyder seine Story mit vielen überraschenden Wendungen und schafft es so, über sieben Kapitel, die Spannung immer höher zu schrauben. Das macht nicht immer nur Spaß. Es ist ein anspruchsvolles und voraussetzungsreiches Comic, man sollte das alles kennen, worauf sich Snyder hier bezieht. Und es ist auch – wie üblich – ein wortreiches. Wie viel der Schurke von sich gibt, um Batman zu erklären, ermüdet gegen Ende sehr. Und wenn alles gesagt ist, muss in einem sehr langem Epilog noch jeder angerissene Gedanke zu Ende gedacht werden, in aller Ausführlichkeit. (Immerhin wird dabei auch erklärt, wie und was er durch den Metallreif sehen kann.)

Wie so oft retten die Zeichnungen über Längen hinweg. Jock, der für seinen schmutzigen, unruhigen und sperrigen Stil bekannt ist, steigert den Horror, den er so gut beherrscht, hier noch mehr. Sein Batman Who Laughs erscheint im Finale wahrhaft schrecklich. Und dann ist da noch ein One-Shot zum Grim Knight, der sehr eindrücklich von Eduardo Risso (Broken City, Dark Night) inszeniert wird – mit vielen Zitaten aus Frank Millers und David Mazzucchellis Year One. Interessant ist zu sehen, wie der kleine Bruce Wayne nach der Ermordung seiner Eltern selbst Joe Chills Waffe aufhebt und eine Karriere als Rächer á la Punisher beginnt.

Nein, Batman kommt nach 80 Jahren wohl nicht mehr heraus aus der Zitate-Hölle. Moderne Storys scheinen nur noch ein Remix von Referenzen zu sein. Und davon handelt auch The Batman Who Laughs. Denn der Schurke holt ständig andere Bruce Wayne-Versionen heran, um dem Batman dieser Welt zu zeigen, dass er der schlechteste aller Batmen ist. Der Held stimmt ihm sogar zu. Am Ende steht aber die Erkenntnis: Selbst der schlechteste Batman ist immer noch besser als der beste Schurke. Mit anderen Worten: Besser als nix. Batman erweist sich dann sogar als so gut, dass er sogar das Joker-Gift aus sich selbst heraus besiegen kann. Aber seine lange Tradition wird Batman wohl nie mehr aus seinem Kreislauf bekommen.

Die Story geht weiter in Batman/Superman. Und in dem Dreiteiler Last Knight on Earth wollen Snyder und Capullo wirklich ihr letztes Wort zu Batman gesprochen haben …

>> Batman 2011-2019