James Tynion IV

Clayfaces großer Auftritt

DC Comics

Titel: Fall of the Batmen

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Joe Bennett, Miguel Mendonca, Eddy Barrows

Erschienen: 2018 (Detective Comics #969-974, Annual #1), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 6)


Das Opfersyndikat ist wieder da! Die Schurken übernehmen Arkham Asylum zusammen mit Anarky, der gleichzeitig einen Aufstand der Bürger in Gotham organisiert – plötzlich sind alle irgendwie Batmans Opfer. Der neue Bürgermeister macht klar, dass er Batman okay findet, aber nicht gleich eine ganze Privatarmee von Batmen. Und dann gibt es noch den armen Clayface. Er hofft auf eine Kur seines Leidens, aber das Syndikat hat andere Pläne mit ihm: Clayface mutiert zum Riesenmonster und randaliert in der Stadt.

Es kommt, wie es kommen muss, wenn man einen ehemaligen Schurken zum Helden zu rekrutieren versucht. Alle versuchen ihr Bestes, aber scheitern. Nur Batwoman bringt eine radikale Lösung, aber die zerbricht die Batman-Familie … Dieser Aspekt ist der interessanteste der ganzen Geschichte. Leider kommt er erst am Ende. Dazwischen mal wieder nur mäßige Unterhaltung. Was die Opfer-Schurken groß aufbauen, fällt viel zu schnell und einfach in sich zusammen. Und leider sieht man nicht mal, wie es passiert. Auch andere interessante Momente, die Potenzial zu mehr hätten, wie etwa Killer Moths neue Gang, werden schnell platt gemacht, um zu zeigen, wie toll die Batman-Bande als Verbrechens-Verhinderungs-System funktioniert.

DC Comics

Immerhin der Haupt-Aspekt kommt zur Geltung: Fall of the Batmen ist eine einzige große Clayface-Show. Endlich mal eine, die ihrem Anspruch gerecht wird. Denn wir bekommen am Ende des Bandes (Annual #1) noch ein Update der Entstehungsgeschichte nachgereicht. Die ist angelehnt an die Version, die man aus Batman: The Animated Series kennt: Basil Karlo ist ein junger aufstrebender Schauspieler, der nach einem Autounfall zu einem zweifelhaften Kosmetikprodukt aus dem Hause Daggett greift und damit alles noch schlimmer macht. Dazu gibt es eine Anspielung auf die Ur-Clayface-Story.

Nein, neu ist das alles nicht. Neu ist nur die Variation des Altbekannten. Aber bei den Zeichnungen von Eddy Barrows, einem wahren Genie, verzeiht man auch die Einfallslosigkeit des Autors. Einen Band macht er noch, dann ist aber wirklich Schluss und die Detective Comics bekommen noch eine Chance.

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Finsterste Gesellen

DC Comics

Titel: Dark Nights Metal – Dark Knights Rising (dt. Der Aufstieg der Dunklen Ritter)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Grant Morrison, James Tynion IV u.a.

Erschienen: 2017, Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (2 Sonderbände)


Batmans schlimmste Albträume sind wahr geworden: Auf verschiedenen Welten des Dark Multiverse sind düstere Versionen von ihm entstanden, die jeweils auch eine Kombination mit anderen Helden wie Flash und Green Lantern sind, aber auch mit Schurken wie Doomsday und Joker. Sie alle dienen dem Überschurken Barbatos, der auch die Kehrseite des Multiversums vernichten will (siehe Dark Nights: Metal).

Der Schlimmste von ihnen ist The Batman Who Laughs, eine Kreuzung aus Batman und Joker. Der Joker hat bei seinem letzten grausamen Akt (Eltern vor den Augen ihrer Kinder umbringen und die Kinder zu Jokern machen) Batman mit einem Joker-Virus infiziert. Nachdem der Clown tot ist, erschießt Batman zunächst die Bat-Familie, dann erledigt er auch den Rest der Superhelden auf furchtbarste Weise.

So zieht er von Welt zu Welt, um weitere böse Batmen auf seine Seite zu ziehen. Wie sie entstanden sind, davon erzählt der Band Dark Knights Rising. Einige dieser Hintergrundgeschichten sind interessant, wie etwa die von Red Death, dem Flash-Batman: Batmans Kampf gegen das Verbrechen ist gescheitert, seine Familie ist tot. Jetzt will er von Flash die Speed Force haben, um endlich schnell genug und überall zugleich zu sein. Flash weigert sich, da kettet Batman ihn an ein Batmobil, das er mit dessen Tretmühle kombiniert hat und holt sich das, was er will, mit Gewalt.

Oder da ist die Story vom Devastator, dem Doomsday-Batman: Superman dreht durch, Batman versucht, ihn mit einer Kryptonitlanze zu erledigen, als das scheitert, lässt Batman das Doomsday-Virus in sich wirken.

Die Geschichte des Dawnbreakers (Green Lantern-Batman) schießt allerdings um einiges übers Ziel hinaus: Der junge Bruce Wayne bekommt den Ring unmittelbar nach dem Mord an seinen Eltern. Er will sich rächen, der Ring verweigert den tödlichen Einsatz, doch Bruces Willenskraft ist so stark, dass er es doch schafft. Daraufhin belebt er seine Eltern als Zombies wieder und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Wirklich alles. Sogar James Gordon, völlig grundlos. Und dazu hat man sich eine Variation des Green Lantern-Schwurs ausdedacht, dessen Metrum leider arg holpert: „I turn the dawn to midnight! Beware my power — Dawnbreaker’s might!“

Die anderen drei (The Drowned, The Merciless, The Murder Machine) sind hingegen nicht mehr so spannend, dazu sind die Rahmenhandlungen stets vorhersehbar formelhaft: Entweder taucht The Batman Who Laughs auf, um ihnen den Teufelspakt anzubieten, oder Doctor Strange rettet die Helden von Erde 0, wenn sie gegen ihre bösen Gegenstücke kämpfen. Das letzte Kapitel, The Wild Hunt, ist eine gänzlich überflüssige Ergänzung des Haupt-Events, die einen nicht besonders interessieren muss: Gerahmt ist sie von einer Handlung über den Affen-Ermittler Detective Chimp, der am Ende Pate steht für die Entstehung von Erde 53 …

Insgesamt bietet Dark Knights Rising eine durchwachsene Lektüre, allerdings befriedigt sie die Neugier der Leser nach den Hintergründen der im Hauptevent zu kurz gekommenen Schurken. Und trotz seiner Schwächen macht es zum Teil mehr Spaß als Dark Nights: Metal. Meisterhaft gezeichnet ist es fast durchgehend. Daher ist es neben dem anderen Ergänzungsband The Resistance zu empfehlen.

Übrigens: Wie auf der San Diego Comic-Con bekannt wurde, bekommt The Batman Who Laughs im November eine eigene Mini-Serie. Die Fans wird’s freuen.

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Batman sammelt Altmetall

DC Comics

Titel: Dark Days – The Road to Metal (dt. Batman Metal – Die Vorgeschichte)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Andy Kubert, Jim Lee, John Romita Jr.

Erschienen: 2017 (Dark Days: The Forge, Dark Days: The Casting), Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (zwei Hefte)


„All the pieces are connected and the puzzle always comes together in the form of a bat.“ (Joker)

Batman reist um die Welt. Er arbeitet an etwas Großem. Er taucht in Vulkane ab, kämpft gegen griechische Fabelwesen, trifft alte Freunde und Feinde wieder. Batman ist auf Schatzsuche, denn er sammelt schon länger Antiquitäten, die Metalle mit besonderen Fähigkeiten enthalten: die Maske von Psycho Pirate, den Dolch von Shazam, das Electrum des Rats der Eulen, alte Artefakte von Atlantis und Themyscira, Dionysium, schließlich Sunblade, das Schwert des Apollos.

In der Zwischenzeit wird Green Lantern von Ganthet zur Bathöhle geschickt, um ein Unglück aufzuhalten. Dort gerät er mit Duke Thomas (der immer noch keinen Codenamen hat) in eine weitere Höhle, die viele Geheimnisse birgt – und den Joker. Der Schurke befreit sich aus seinem Gefängnis und will Batmans geheimnisvolle Maschine zerstören, Green Lantern will ihn aufhalten, aber der Kraftring versagt. Joker verschwindet spurlos, Batman kommt und mit Duke öffnet er das Tor zu einer düsteren Parallelwelt, in der böse Batmen lauern …

Ein Blick in Carter Halls Tagebuch (Hawkman) zeigt, dass alles in einem größeren Zusammenhang steht: Batman ist mit der Menschheitsgeschichte von Anfang an verbunden. Es ist kompliziert. Wie immer bei solchen Mega-Events passiert zu viel und man ist überfordert mit der Fülle an Figuren, Plots und Querverweisen. Und damit neue Leser im Ansatz verstehen können, was hier vor sich geht, hat DC in den ersten Metal-Sammelband noch ein paar Geschichten von früher eingepackt: Zwei Kapitel aus Final Crisis, eins aus The Return of Bruce Wayne, zwei aus Endgame, einmal Nightwing und ein paar Seiten aus Detective Comics Vol. 3.

Wir sehen, wie Batman durch Darkseid „stirbt“, aber in Wirklichkeit in die Zeit zurückgeschickt wird, wir sehen ihn in der Steinzeit gegen Vandal Savage kämpfen, dann wird der Ursprung des Dionysiums erklärt, jenem Element, dank dem Joker und Batman nach ihrem Todeskampf wiederbelebt wurden.

Man könnte es als Service an die Leser sehen, dass der Band überwiegend aus altem Kram besteht, oder aber als Füllmaterial. Denn seien wir ehrlich: Wenn man Final Crisis nicht ganz gelesen hat (und die Vorgeschichte nicht kennt), kann man mit den letzten zwei Kapiteln kaum etwas anfangen. Das gilt ebenso für alles, was danach in Grant Morrisons Batman-Storyline passiert. Endgame ergibt nur Sinn im Gesamtzusammenhang mit Scott Snyders früheren Batman-Geschichten.

Hätte man den neuen Lesern wirklich helfen wollen, in die komplexe Story einzusteigen, hätte man auf ein paar redaktionellen Seiten erklären können, was man wissen muss. So ist man damit allein gelassen, sich aus den teilweise wirren Ereignissen seine Puzzlestücke zusammenzuklauben – denn vieles ist hier irrelevant. Und für alle Leser, die die anderen Comics bereits im Regal haben, ist die Doppelung ein Ärgernis – aber irgendwie muss DC einen stolzen Preis von 30 US-Dollar rechtfertigen.

Wer Geld sparen will, kann sich die beiden Dark Days-Hefte einzeln (z.B. digital) besorgen. Auf Deutsch hat sie Panini (leider) in zwei Einzelausgaben gepackt.

Tim Drake gegen sich selbst

DC Comics

Titel: A Lonely Place of Living

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2017 (Detective Comics #963-968), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 5)


Red Robin (Tim Drake) ist scheinbar tot. Aber wir wissen es besser: Er ist nur gefangen an einem mysteriösen Ort. Sein Entführer stellt sich heraus als ein alter Bekannter aus Supermans Vergangenheit. Tim befreit sich aus dem Gefängnis, aber nicht von der Frage, warum er hier ist. Er bekommt bloß kryptische Antworten, damit es für die Leser länger spannend bleibt. Und noch bevor man sich fragen kann, was das alles soll, taucht plötzlich Batman auf. Ein Batman, der sich als der Tim Drake der Zukunft herausstellt. Und dieser geht mit Schusswaffen über Leichen: Er will Batwoman töten, um eine schlimme Entwicklung aufzuhalten. Der junge Tim Drake kämpft gegen sein älteres Gegenstück.

Und wieder sind sie alle dabei: Alle ehemaligen und amtierenden Robins (Nightwing, Red Hood, Damian Wayne), die Frauen Batwoman und Orphan sowie drei Außenseiter Batwing, Azrael und Clayface. Heillos überladen mit Figuren für eine dünne und auch schnell abgefertigte Handlung. Später gibt es noch ein kurzes Nachspiel mit Spoiler, Bluebird und Anarky. Letzterer will eine neue Gesellschaft in Gothams Untergrund aufbauen. Gleichzeitig dreht Clayface durch – er war doch keine besonders gute Wahl für die Batman-Familie.

A Lonely Place of Living ist eine Hommage an A Lonely Place of Dying, die Storyline, in der Tim Drake als Robin eingeführt wurde. Damals ging es um Batmans Nachfolger nach dem Tod von Jason Todd, jetzt kehrt einfach Tim selbst von den Toten zurück. Zugleich stellt die Story – wie auch die zuvor und wie es überhaupt seit drei Jahrzehnten Mode ist – Batman und seine Methoden infrage. Batman wird immer wieder zum Auslaufmodell erklärt und gleichzeitig doch immer wieder neu in den Comics etabliert. Warum eigentlich? Wegen der Tradition. Batman legitimiert sich aus sich selbst heraus, aus seiner 80-jährigen Geschichte, den Traditionen und seinem Status in der Popkultur. Daher stützen sich viele moderne Batman-Comics immer wieder auf ältere Comics. Batman steckt, wie andere Superhelden auch, im Leerlauf einer Retroschleife.

Aber es gibt ja auch die visuelle Komponente: Die Zeichnungen sind grandios, Eddy Barrows gehört zu den besten Batman-Zeichnern der Gegenwart. Das hält bei Laune wie die billigen Tricks, zu denen etwa ein Gastauftritt von Doomsday gehört. Die Story unterhält auf einem durchschnittlichen Niveau, wie immer wird zu viel geschwätzt. Aber dieser Band unterhält dennoch etwas besser als die letzten drei. Und langsam fügen sich die bisher erschienen Teile der Detective-Serie zu einem größeren Plot zusammen, der in den nächsten Ausgaben (hoffentlich) aufgelöst wird. Eins ist klar: Die Batman-Familie wird zerfallen. Ich freue mich schon drauf. Dann ist auch Zeit für einen Autorenwechsel.

Bisher erschienen:

 

Nach „DC Metal“ kommt „No Justice“

DC Comics

Nach dem Event Dark Nights: Metal soll ein weiteres folgen: Justice League: No Justice. Die vierteilige Miniserie soll laut DC Comics wöchentlich vom 9. Mai an erscheinen. Als Autoren dienen neben Scott Snyder auch James Tynion IV und Joshua Williamson, gezeichnet werden die Comics von Francis Manapul (Trinity).

Batman-Cover zu „No Justice“ (DC Comics)

Die Story klingt wie eine Fortsetzung von Forever EvilBrainiac kommt wieder und warnt die Helden vor einer riesigen Bedrohung für die Erde. Helden und Schurken müssen sich zusammenschließen, um sie aufzuhalten. Es geht also mal wieder um alles und noch mehr, um die allergrößte Gefahr und die allerschwierigste Herausforderung … Das Übliche also.

Batman und das Team Entropy (DC Comics)

No Justice soll den Auftakt bilden für eine „Familie“ an Justice League-Titeln. Scott Snyder soll ab Juni die gleichnamige Serie übernehmen.

Der letzte Teil von Metal erscheint am 14. März.

Das parallel laufende Crossover mit den Watchmen, Doomsday Clock, wird sich verzögern, weil DC die Hefte der Serie nur noch alle zwei Monate erscheinen lässt.

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Kill Your Darlings

DC Comics

Titel: Deus Ex Machina

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Alvaro Martinez, Raul Fernandez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #957-962), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 4)


Nachdem Batwoman, Spoiler und Orphan ihre Storylines hatten, bekommt nun Azrael seinen großen Auftritt. (Für alle, die es nicht wissen: Azrael ist das Alter Ego von Jean-Paul Valley, der nach Knightfall der neue Batman geworden ist. In Batman & Robin Eternal hat er eine neue Backstory bekommen.) Ihm fällt sein Mentor Namoz vor die Füße, der von einem Roboter-Killer namens Ascalon angegriffen wurde. Der Orden von St. Dumas hat damit seine Racheengel ersetzt und macht Jagd auf die eigenen Leute. Azrael ist der Nächste.

Seine alte Konditionierung ergreift Besitz von ihm, Azrael wird in seinem Anzug wieder böse. Da kommt Zatanna (der einzige Deus ex machina in dieser Story), bringt ihn wieder zur Vernunft, er bekommt einen neuen Anzug, der wie sein alter aus Knightfall aussieht. Ascalon startet zum Angriff zusammen mit einer Armee von bösen Batwings (dank Lucas Fox‘ fahrlässiger Bastelei) und dann hat die Bat-Familie alle Hände voll zu tun.

Klingt nach viel Action? Ist es aber nicht. Denn in der ersten Hälfte passiert fast nichts – außer Dialog. Bruce Wayne sucht Zatanna auf, wir verlieren uns in Rückblenden und Sprechblasen. Das ist nicht nur ein Problem des Autors James Tynion IV, der seine Figuren zu viel reden und erklären lässt. Auch andere Autoren wie Scott Snyder und Tom King ergötzen sich an ihren Monologen, Tiraden und Suaden. Das kann mitunter so ermüdend sein wie zu lange Kampfsequenzen – vor allem, wenn nichts Substanzielles gesagt wird.

Was ist aus der guten alten Schreibertugend von „kill your darlings“ geworden? Dann würde es wahrscheinlich auch solche 08/15-Comics wie diese nicht geben, die sich so furchtbar wichtig nehmen, ohne etwas von Belang zu sagen oder etwas Spannendes zu erzählen.

Detective Comics bleibt damit eine durchschnittliche Serie für alle, die sich für die Seifenoper der Batman-Familie interessieren. Und für alle, die die abtrünnige Spoiler vermisst haben: Sie bekommt am Ende noch einmal ein ganzes Kapitel gewidmet. Sie hat die Schnauze voll von Superhelden und versucht etwas Neues. Eine gute Idee …

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Das Mädchen, das ein Schatten war

DC Comics

Titel: League of Shadows

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Marcio Takara, Christian Duce

Erschienen: 2017 (Detective Comics #950-956), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 3)


„The course of history is not guided in the light. It is guided in the shadows.“ (Ra’s al Ghul)

„There’s so much that still doesn’t make any sense.“ (Batman)

Einst galten sie als ein Mythos, den Ra’s al Ghul in die Welt gesetzt hat, jetzt treten sie in Erscheinung: die League of Shadows. Shiva (auch bekannt als Lady Shiva), früher beste Auftragskillerin bei der League of Assassins, führt die Bande an, um Gotham City zu vernichten. Der Grund: Weil Ra’s al Ghul die Stadt im Hintergrund beherrscht. (Was sind dagegen schon zehn Millionen Menschenleben?)Die Bande stiftet zunächst Chaos in Gotham, indem sie Bürgermeister Hady ermordet und Batman die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dann lässt sie Joker-Gas frei. Schließlich soll die Stadt mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden.

Die Batman-Familie hat viel zu tun. Batwing und Azrael bekommen jeweils ein Schwert ab, später auch Batwoman. Batman wird von Ra’s in der Bathöhle ausgetrickst und an Shiva ausgeliefert. Jetzt kann nur noch Cassandra Cain alias Orphan helfen, Shiva aufzuhalten. Es kommt zum Kampf Tochter gegen Mutter. Und es fließt sehr viel Blut.

Cassandra steht im Mittelpunkt der Story. Wir erfahren, dass sie gerne tanzen würde und deshalb eine Baletttänzerin stalkt, und dass sie zwar zur Killerin ausgebildet wurde, aber nicht mehr töten will. Deshalb schafft sie es, 1000 Schattenligisten blutig zu prügeln und mit dem Schwert zu malträtieren, ohne dass einer dabei drauf geht. Mein Problem dabei ist: Wenn ich eine Batman-Story lese, will ich eine Story über Batman lesen, nicht über einen Nebencharakter. Aber Batman bekommt man hier nur wenig.

Detective Comics ist seit dem Neustart von DC Rebirth eben eine Serie über ein Bat-Team und jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf einem anderen Charakter: Batwoman, Spoiler oder jetzt eben Orphan. Das Problem ist, dass es die Nebenfiguren hier eigentlich nicht braucht, außer als Kanonenfutter. Sie stehen syptomatisch für eine einfallslose Handlung nach altem Muster, ohne sich zumindest die Mühe zu machen, die Motivation der Schurkin plausibel zu gestalten. Mag sein, dass sich das ein oder andere aufklären wird, wenn noch der große Krieg kommt, den Batman vorausahnt, aber ehrlich gesagt: Ich will’s gar nicht wissen.

Was bisher geschah:

Neuschnee für Mister Freeze

DC Comics

Titel: Night of the Owls – First Snow

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Jason Fabok

Erschienen: 2012 (Batman Annual #1), Paperback 2017 (Batman Arkham: Mister Freeze)


„You claim to act out of love, but I don’t thing you even understand the meaning of the emotion!“ (Batman)

Nach dem Neustart des DC Universums (The New 52) hat auch Mister Freezes Origin ein Update bekommen. Im Tie-in zum ersten Batman-Event, Night of the Owls, kann man es nachlesen. Die Änderungen:

  • Die traurige Kindheit wurde durch eine glückliche ersetzt, aber Fries wurde zum Muttermörder gemacht.
  • Nicht Gothcorp, sondern Bruce Wayne war der Arbeitgeber von Victor Fries, als er an einer Heilung für Nora arbeitete und seine Experimente unvollendet abbrechen musste.
  • Nora ist nicht Victors Frau, sondern eine Fremde, die schon länger eingefroren wurde und über die Fries promoviert hat.

Victor Fries bildet sich also lediglich ein, dass er „seine“ Frau rächen müsse. Er ist von einer tragischen zu einer lediglich armseligen Figur geworden, auch wenn er zunächst bessere Startbedingungen zu haben scheint. So beginnt er etwa als deutlich attraktiverer Mann. Als Mister Freeze trägt er einen Irokesenschnitt und einen Anzug mit freien Armen. (Der Anzug wird von Wayne Corp angefertigt, ebenso wie die rote Brille.) Warum es ihm nicht zu warm wird, kann man sich so erklären: Er kann aus seinem Körper heraus Kältestrahlen erzeugen. Warum er dann trotzdem Zugang zur Wasserleitung braucht, um aus Arkham auszubrechen, und sich vom Pinguin eine Eiskanone holen muss, ist wohl ein Geheimnis aus den Untiefen des Plot Holes.

Wie dem auch sei: Freeze wurde zudem auch vom Rat der Eulen benutzt, um die Talon-Krieger zu erschaffen. Nightwing und Robin versuchen, ihn aufzuhalten. Doch nur Batman schafft es. Er konfrontiert ihn mit der Wahrheit und Schlägen. Doch sie sind es nicht, die Freeze ausknocken, sondern ein Modul, das Freeze einheizt. Der Glashelm bleibt diesmal heil.

>> Liste der Mister Freeze-Comics

Wenn Opfer zu Tätern werden

DC Comics

Titel: The Victim Syndicate (dt. Das Opfer-Syndikat)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Alvaro Martinez, Eddy Barrows

Erschienen: 2016-2017 (Detective Comics #943-949), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 2); dt. Panini 2018 (Paperback)


„Of course I’m not happy!“ (Batman)

Normalerweise geht es bei Batman um Helden gegen Schurken. Um die dazwischen, die Opfer, geht es selten. Entweder werden sie gerettet oder sie gehen drauf. Was ist aber mit denen, die überleben, aber fürs Leben gezeichnet sind? Darum geht es in The Victim Syndicate. Fünf Menschen, die von Batmans Schurken gezeichnet wurden, schließen sich zusammen; jeder von ihnen hat irgendwelche Kräfte gewonnen oder Missbildungen erlitten. Weil sie davon ausgehen, dass Batman mehr schadet als hilft, wollen sie Batman zum Aufhören zwingen. Andernfalls fügen sie denen Leid zu, die Batman unterstützen.

Halten wir kurz inne, um uns der Logik dahinter gewahr zu werden: Menschen, die sich darüber beklagen, unter Batman zu leiden, verbreiten noch mehr Leid, um das Leiden zu beenden. Inwiefern unterscheidet sich dieses Vorgehen von dem Batmans? Egal, Schurkenlogik muss man nicht unbedingt nachvollziehen können. Batman und seine Spießgesellen (Batwoman, Spoiler, Orphan, Clayface, Batwing) müssen sich angesichts von Tim Drakes „Tod“ allerdings die Frage gefallen lassen, welchen Sinn ihr Tun hat. Es ist die klassische Frage des modernen Superhelden, vielfach durchdekliniert, prominent ausgeführt in Kingdom Come. Hier aber bekommt sie eine interessante Wendung, indem Spoiler sich gegen Batman wendet.

In The Victim Syndicate wird zu viel geredet. Aber abgesehen davon, tut ein nachdenkliches Comic auch mal gut zur Abwechslung. Der Höhepunkt ist nämlich kein actionlastiges Finale, sondern ein emotionales. Ebenso nachdenklich gerät der Abschluss des Bandes, in dem sich eine zweiteilige Story Batwoman und ihrem Verhältnis zu Batman und ihrem Vater widmet. Auch wenn die Zeichnungen durchweg überzeugen, das alles macht den Band zu keinem Meisterwerk, aber zu einer lohnenden Lektüre.

Dunkle Tage für den Dunklen Ritter

DC Comics

Der Auftakt von Batman nach DC Rebirth war überwiegend ganz solide, leider enttäuschte das erste Event, aber was ist in diesem Jahr als das nächste dicke Ding zu erwarten? DC hat es jetzt verkündet: Batman: Dark Days. Geschrieben vom wichtigsten Batman-Autor seit 2011, Scott Snyder, und seinem nicht ganz so genialen Mitstreiter James Tynion IV, gezeichnet von Andy Kubert, Jim Lee und John Romita Jr. Die Autoren und Zeichner sollen die Story gemeinsam entwickeln.

Worum geht’s? Viel wurde nicht bekannt gegeben, nur so viel. Es geht wieder einmal um eines von Batmans düsteren Geheimnissen. Aber diesmal eines, das die Existenz des gesamten Multiversums gefährdet … Aquaman, Flash und andere hegen einen bösen Verdacht gegen den Dunklen Ritter … Dem ersten Cover nach zu urteilen scheint es dystopisch zu werden. Batman als Tyrann?

Laut Snyder handelt es sich um ein Geheimnis, das sich vom Anbeginn der Menschheit bis in die Gegenwart durchzieht. Snyder hat angeblich von Anfang an Hinweise in seinen Batman-Comics versteckt. Und da soll noch mehr kommen: „It’s the prelude to the event we’ve been developing for years.“ Auf Twitter schrieb Snyder, dass das eigentliche Event wieder von Greg Capullo gezeichnet werden soll, dem Künstler, der seit 2011 Batman mitgestaltet hat.

Der erste Teil, The Forge, wird als 40-seitiger One-shot am 14. Juni erscheinen, der zweite Teil, The Casting, am 12. Juli. Aber das ist nur der Auftakt. Was danach folgt, ist noch nicht bekannt.