Essay

Die JLA von Grant Morrison – ein Liebesbekenntnis

Heute möchte ich persönlich werden. Und auch ein bisschen sentimental. Deshalb ist dieser Text keine der üblichen Kritiken, sondern eine Hommage. Die JLA-Serie von Grant Morrison und Howard Porter, die sich von 1997 bis 2000 über 41 Ausgaben erstreckte, gehört für mich zu den prägendsten Lektüre-Erfahrungen meiner Jugend.

Ich entdeckte sie im Jahr 1998, kurz nachdem ich begonnen hatte, Superheldencomics zu lesen. Mein erstes Heft war Batman & Superman Adventures #1 (Dino-Verlag) gewesen. Darin gab es eine Geschichte über die Justice League. Ich war sofort fasziniert von der Idee, dass die größten Helden in einem Team kämpften. Auch rein optisch schien es perfekt: jede Farbe war vertreten. Ich kannte nur Superman und Batman, ich lernte Wonder Woman, Flash, Green Lantern, Aquaman und Martian Manhunter kennen. Doch leider wurde die im ersten Heft angerissene Geschichte vom Dino-Verlag nie fortgesetzt. (Teil 2 habe ich mir dann später als US-Heft besorgt.) Und überhaupt wurde die Serie nach nur acht Ausgaben eingestellt. Aber ich war angefixt. Ich wollte mehr. Und ich sah, dass die Batman & Superman Adventures nur was für Kinder waren. Ich aber war reif für etwas Erwachseneres.

So kam ich zur echten JLA. Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst las. Vielleicht war es der JLA Sonderband 1. Mark Waid und Fabian Nicieza erzählen in der dreiteilige Miniserie A Midsummer’s Nightmare die Entstehungsgeschichte der neuen Justice League. Denn bis dahin bestand die JLA nur aus zweit- und drittklassigen Charakteren. Die neuen alten Helden wurden in der Story augenscheinlich ihrer Superkräfte beraubt und kennen nur noch ihre zivilen Identitäten, während normale Menschen Superkräfte entwickeln. Nach und nach erwachen die Helden aus der Illusion und entdecken ihre Kräfte wieder … Die Story steht am Anfang eines größeren Ganzen, das erst noch kommen sollte. Die Stimmung darin ist bedrückend, wie in einem Albtraum, aber einnehmend, besonders für einen neuen Leser wie mich, der diese Welt noch kaum kannte.

Mit JLA #1 ging die Grant Morrison-Saga los. Schon allein die detailreichen und realistischen Zeichnungen von Howard Porter hatten es mir angetan, dazu die knalligen, aufwendigen Farben, die sich so sehr von anderen Superheldenserien wie Superman und Batman unterschieden. In der ersten Geschichte wird alte JLA von B- und C-Helden von der A-Liga abgelöst, während sie zugleich Konkurrenz von außerirdischen Superwesen bekommt. Die Neuen scheinen die Welt ökologisch und sozial zu einem besseren Ort zu machen, sie gehen rigoros gegen Schurken vor – und schließlich auch gegen die alten Superhelden. Es ist Batman, der schlau genug ist herauszufinden, dass die Bösen weiße Marsianer sind und damit anfällig gegen Feuer. Und so besiegt Batman, der Mensch ohne Superkräfte, die Aliens fast im Alleingang. Eine tolle Story.

Spätestens dann war ich süchtig. JLA wurde nicht nur meine Lieblingsserie, jedes Heft wurde zu einem Ereignis. Ich sparte mir die 4,90 D-Mark pro Heft von meinem kleinen Taschengeld ab, kaufte es immer am Erscheinungstag im Comicladen und zelebrierte die Lektüre zu Hause wie eine Heilige Messe. Jedes Heft behandelte ich behutsam, verwahrte jedes in einer Plastikhülle, las es mindestens zweimal kurz hintereinander und wenn die Wartezeit bis zum nächsten Monat mir zu lang wurde, auch ein drittes Mal. 4,90 DM waren damals viel Geld für mich, aber da kein anderes Heft so viele Helden auf einmal bot, war das gut angelegtes Geld, obwohl die andere Hälfte des Heftes (Teen Titans) Mist war. Denn die JLA war immer für eine Überraschung gut. Man wusste nie, was einen erwartete, außer erstklassige Unterhaltung.

In JLA sah ich zum ersten Mal den blau-weißen Elektro-Superman und den Engel Zauriel. Ich fieberte mit, wie Schurken wie Key und Prometheus die JLA auf einmal ausknockten. Ich las mindestens ein Dutzend Mal in JLA Sonderband 4 die geheime Entstehungsgeschichte der JLA und ihre erste Begegnung mit dem unheimlichen Starro. Dann kam Der Stein der Weisen (Rock of Ages, JLA #10-15), eine Story, die ich sofort liebte. Da war einfach alles drin: Die größten Helden und die größten Schurken. Lex Luthor, Joker und viele andere, eine Story voller Twists und unbekannter Welten, ein postapokalyptisches Szenario, in dem der Oberschurke Darkseid die Welt unterjocht und zerstört, Superhelden tötet und eine Schreckensherrschaft ausübt. Wieder ist es Batman, der schlau genug ist, sich durchzuschlagen und – zusammen mit den verbliebenen Helden – das Böse zu besiegen. Lange blieb Der Stein der Weisen das Nonplusultra für mich.

Bis One Million. Das war eine noch viel epischere Odyssee zwischen fernster Zukunft und Gegenwart. Bis heute ist es für mich das Gelungenste und Einfallsreichste Crossover von DC. Und schließlich endete Grant Morrisons Über-Story mit World War III, dem Dritten Weltkrieg, was nicht nur eine Fortsetzung von Stein der Weisen war, sondern auch den Bogen zum ersten Sonderband zurückschlug. Es war nicht nur ein Fest, es war auch eine Belohnung für die treuesten und aufmerksamsten Leser der ersten Stunde, für die jetzt endlich alles (mehr oder weniger) einen übergeordneten Sinn ergab.

Der Dino-Verlag gab die letzte Story als Sonderband heraus, weil er JLA eingestellt hatte – wie bald darauf auch alle anderen Serien. Ich war mittlerweile auch zum Batman- und Superman-Sammler geworden, aber mit JLA konnte sich nichts messen. Und mit dem Ende der Serie (Sommer 2000) ging auch mein Interesse an Superheldencomics verloren. Ich wandte mich anderen Lektüren zu. An die Stelle der Comics traten für mich Superheldenfilme: X-Men, Spider-Man, Batman Begins etc.

Erst zehn Jahre später entdeckte ich das Medium wieder und begann auch wieder, Superhelden zu lesen. Als ich die alten JLA-Hefte von damals hervorkramte, las ich mich mit einer ähnlichen Begeisterung durch die Hefte. Natürlich war der Reiz des Neuen verflogen, dafür war es wie Nachhausekommen. Ich war überrascht, wie gut ich noch alles in Erinnerung hatte – und wie unterhaltsam die Geschichten immer noch waren. Und ich erkannte: Der größte Held für mich war nicht Superman oder Batman, sondern der geniale Grant Morrison gewesen, mit seinem schier unermesslichen Erfindungsreichtum, allerdings fand ich den Zeichner Howard Porter nicht mehr ganz so genial wie früher – nach ihm gab es deutlich versiertere Künstler.

Und trotzdem: Die Hefte der JLA bleiben für mich das Ideal der Superhelden-Team-Comics. Es würde mich freuen, einmal diesen Geist auf der großen Leinwand zu sehen.

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Wie DC mit seinen Filmen sein Comicerbe ruiniert

Warner Bros.

Ein Joker-Film, der die Vorgeschichte erzählt, aber ohne Jared Leto und ohne Bezug zum DC Extended Universe, ein Joker-und-Harley Quinn-Film, Gotham City Sirens und irgendwann einmal auch noch The Batman, Batgirl, Nightwing und Suicide Squad 2. Das ist in etwa der Stand der Dinge, was die geplanten Verfilmungen von DC-Comics angeht. Manches konkret, manches vage. Und dann sind da noch die anderen Superheldenfilme: Justice League, Shazam, Wonder Woman 2, Aquaman, Flashpoint, Cyborg, Green Lantern Corps usw.

Da kommt viel auf uns zu. Sehr viel. (Ganz zu schweigen von den Marvel-Filmen.) Das freut die Fans. Einerseits. Andererseits: mich besorgen diese Pläne. Denn abgesehen von der schieren Masse, mit der man Gefahr läuft, das Publikum zu übersättigen, wirkt es so, als hätten die Verantwortlichen nicht wirklich einen Plan. Während Marvel sein Filmuniversum weiter erfolgreich ausbaut, probiert man bei DC wild herum – mit durchaus gemischten Resultaten.

Nach der Neugeburt von Superman in Man of Steel hat man ihn in Batman v Superman wieder beerdigt, dabei nicht nur einen neuen Batman und Wonder Woman eingeführt, sondern auch drei weitere Helden (Aquaman, Flash, Cyborg). Man wollte offenbar keine Zeit mehr verschwenden und möglichst schnell zu Marvel aufholen. Das Ergebnis war ein unausgegorenes (und langweiliges) Machwerk. Suicide Squad war der Versuch, das Gleiche mit Schurken zu versuchen, noch ehe die Helden etabliert waren, was ebenfalls in die Hose ging. Davon ließ sich Warner aber nicht beeindrucken, sondern nur vom Einspielergebnis, und kündigte sofort eine Fortsetzung an. Und weil Harley Quinn gerade in Mode ist, soll sie auch in Gotham City Sirens mit Catwoman und Poison Ivy auftreten.

Erst mit Wonder Woman hatte man das Gefühl, dass die Produzenten den richtigen Ton gefunden haben, um eine interessante Geschichte zu erzählen. Man beschränkte sich auf die Titelheldin – und das reichte vollkommen aus. Warum nicht gleich so? Das war der erste von vier DC-Filmen, der eine gesunde Grundlage für den Rest des Filmuniversums bilden konnte, das von Anfang an kränkelte. Aber so scheint es leider nicht weiterzugehen.

Ben Affleck als Batman (Warner Bros.)

Der nächste Batman-Solo-Film hatte allerlei Startschwierigkeiten: Zuerst sollte Ben Affleck für Regie und Drehbuch verantwortlich sein, der Gegner Deathstroke wurde angekündigt, dann wurde er durch den Regisseur Matt Reeves ersetzt, der sein eigenes Drehbuch mitbringt. Einen Starttermin gibt es noch nicht, es zieht sich hin. Statt sich darauf zu konzentrieren, die Haupthelden einzuführen, werden bereits Filme über Sidekicks wie Batgirl und Nightwing angekündigt – obwohl es nicht einmal einen Robin gegeben hat (jedenfalls war von dem nur ein Kostüm in einer Vitrine zu sehen). Man gewinnt den Eindruck, dass hier wieder versucht wird, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Bloß keine Zeit verlieren, scheint das Motto zu lauten. Denn man hat zu lange geschlafen. So gut und wichtig Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie gewesen ist, man hat ein hermetisches Universum geschaffen, das nach drei Filmen abgeschlossen war und daher keine Grundlage für mehr bilden konnte. Während Marvel seit 2008 sein Cinematic Universe aufgebaut und erweitert hat, hat DC Zeit verschwendet, auch weil nebenher nicht viel passiert ist, außer ein mieser Superman Returns und ein noch mieserer Green Lantern – beides nicht fortsetzungswürdig.

Seit fünf Jahren versucht DC, diesen Vorsprung aufzuholen. Aber statt das zu imitieren, was Marvel erfolgreich macht, wird auf Gedeih und Verderb versucht, schnell Anschluss zu finden, was zulasten von Charakteren und Story geht. Außerdem haftet den Filmen die Schwere der Dark Knight-Trilogie an, was den Stoffen nicht gut tut. Man of Steel war bereits ein Film, dem es an Farbe, Optimismus und Humor mangelte – eine Fehlentscheidung für einen Charakter, der in strahlenden Primärfarben herumläuft und Hoffnung und Zuversicht ausstrahlen sollte. Und ähnlich düster und humorbefreit ging es weiter, was sich auch mit den Nachdrehs zu Suicide Squad nicht geändert hat.

Parallel dazu gibt es noch die DC-TV-Serien: Arrow, Flash, Supergirl etc. einerseits, Gotham und Krypton andererseits. Alles auf Ramsch-Niveau, aber es funktioniert – so wie einst Smallville zehn Staffeln lang funktioniert hat, obwohl das niemand gebraucht hat. Die Geschichten haben jedoch nichts mit den Filmen zu tun. Marvel macht es klüger: Die Serien Agents of SHIELD, Agent Carter und die Netflix-Serien sind Teil des Cinematic Universe. Zu dumm, dass DC wegen seiner seltsamen Hauspolitik einen neuen Flash für die Filme etablieren musste, zuerst in Batman v Superman, bald in Justice League. Weil man in der Serie aber schon die Entstehung des Helden gezeigt hat, wird wohl deshalb der erste Flash-Film auch nicht einfach „The Flash“ heißen, sondern Flashpoint, was weniger nach einem ersten als nach einem zehnten Teil klingt. Und das könnte das DCEU für das Multiversum öffnen, noch bevor das eigentliche Universum etabliert ist.

Heath Ledger hat als Joker Maßstäbe gesetzt. (Warner Bros.)

Dass DC nun tatsächlich diese neue Filiale im Kino aufmacht, zeigt auch der Plan für den Joker-Origin-Film außerhalb des DCEU. Die Nachricht wird von Kritikern gemischt aufgefasst: Einerseits soll Martin Scorsese den Film produzieren, andererseits soll Todd Phillips Regie führen, der Typ, der die Hangover-Trilogie zu verantworten hat und sich auch sonst kaum mit Ruhm bekleckert hat.

Manche sehen in dem Konzept eine Chance, neue Geschichten zu erzählen, die für sich stehen können. Ich sehe aber zwei Gefahren: Schon die Jared Leto-Version hat bereits das Bild des Jokers, das man mit Heath Ledger aufgebaut hat, beschädtigt. Ein Joker mit Hintergrundgeschichte würde es völlig ruinieren. Ein solcher Joker ist nicht halb so spannend wie ein Niemand ohne Vergangenheit. Außerdem darf man nicht vergessen, dass bereits Tim Burton in seinem ersten Batman-Film eine Vorgeschichte des Jokers schon erzählt hat, Stichwort: Jack Napier. Ganz zu schweigen von The Killing Joke und der dazugehörigen Zeichentrick-Adaption. Aber brauchen wir das noch einmal? Die Geschichte vom armen Gauner, der von Batman in den Chemietank geworfen wird? Prequels sind sehr in Mode, weil sie die Neugier der Zuschauer befriedigen, aber – seien wir ehrlich – es gibt nichts Langweiligeres als die Lösung für ein Rätsel.

Zum anderen läuft man mit einer Geschichte außerhalb des regulären Universums Gefahr, den normalen Kinozuschauer zu verwirren und damit zu verprellen. Es ist schon jetzt kompliziert genug, den Überblick zu behalten zwischen den verschiedenen Marvel-Universen (Avengers, X-Men, Fantastic Four, Spider-Man). Ein DC-Multiversum klingt zu sehr nach Fanservice für Nerds als für den normalen Kinogänger. Schon mit den Traumsequenzen in Batman v Superman (Stichwort: Batman im Ledermantel gegen Superman und Paradämonen) hat kaum jemand etwas anfangen können.

DC stiftet weiterhin Chaos. Der Masterplan besteht darin, keinen zu haben: Trial-and-Error scheint das Prinzip zu sein, wobei aus Fehlern nicht gelernt werden soll. Hauptsache, die Kasse stimmt. Gebt den Leuten Harley Quinn und Joker, dann gehen sie ins Kino, egal wie gut die Filme sind. Das ist nicht nur ein liebloser Umgang mit Fans, damit demontiert DC auch das Erbe seiner Comics.

Die Produzenten sollten sich besser darauf besinnen, die Hauptcharaktere zu etablieren, ansprechende Filme zu schaffen, die neue Akzente setzen, die sowohl für sich funktionieren als auch im Zusammenhang des Gesamtwerks stehen können. Wie mit Wonder Woman sollte man auch mit Batman, Flash, Aquaman und anderen Helden verfahren. Wen interessieren Batgirl und Nightwing, wenn man Batman haben kann?

Batman-Splitter #10: Wenn Batman lacht

Batman kann alles. Außer Spaß haben. Batman ist der Griesgram, der Miesepeter, der Spielverderber schlechthin. Ein verbitterter Rächer, der nichts als sein Trauma im Hinterkopf und seine Mission vor Augen hat. Verblendet, fanatisch und absolut humorbefreit. Als das Gegenteil vom bunten Strahlemann Superman konzipiert, haftet Batman das Image des düsteren Gesellen an. Wenn Batman lacht, wird’s gruselig. Dann ist er nicht er selbst. Er steht unter Fremdeinfluss, wie etwa unter dem des Joker-Gases. Oder er ist der Joker selbst. In diese Richtung geht es im derzeit laufenden Event Dark Nights: Metal. Neue Zeichnungen und Cover zeigen mit dem neuen Schurken The Batman Who Laughs eine Fusion aus Batman und dem Joker.

Der Name spielt auf den Film „The Man Who Laughs“ von 1928 an, dessen Hauptfigur Bill Finger einst als Inspirationsquelle für die Schöpfung des Jokers diente. Ein Mann, der nicht anders als grinsen kann – eine Perversion des Lachens. Doch der Joker hat mit der Zeit viel von seinem Schrecken eingebüßt. Deshalb ließ man ihn 2011 sich das Gesicht abschneiden und kurz darauf wieder anheften. Mit dem Man Who Laughs wird das Konzept erneut gesteigert, indem man den Joker in ein Gothic-mäßiges Batman-Kostüm steckt und seine Augen von einem stacheligen Metallreif verdecken lässt. Damit wird auch das Konzept des Dunklen Ritters pervertiert: Batman ist zwar dadurch auch im Inneren so düster wie er nach Außen wirkt, aber sein fieses Grinsen lässt den Aufzug absurd erscheinen.

detective comics 38 (DC Comics)

Dabei ist ein lächelnder Batman – historisch betrachtet – gar nicht mal so ungewöhnlich. Zwar war der Dunkle Ritter am Anfang, als er noch ein Einzelgänger war, noch sehr düster, aber schon sehr früh, änderte sich seine Erscheinung – und blieb drei Jahrzehnte lang so. In seinem erstem Jahr (1939 bis 1940) huscht Batman kaum ein Lächeln über die Lippen. Aber dann, im April 1940, kommt Robin. Und siehe da: Batman strahlt regelrecht auf dem Cover von Detective Comics #38, das den Sidekick einführt. Er lacht – genauso wie der junge Mann neben ihm. Robin bringt Batman das Lachen bei. Und das soll ihm so schnell nicht vergehen. Mit Robin wird alles leichter, heiterer, lässiger. In den 40er, 50er und 60er Jahren ist die Comicwelt knallbunt und fröhlich. Im Grunde geht es in den Geschichten nur darum, diesen Status quo wiederherzustellen. Und das gelingt den Superhelden spielend: Egal, ob das Dynamische Duo alleine kämpft oder mit Superman. Zwischen den Helden besteht nur äußerlich ein Unterschied, in ihrem Aussehen und Fähigkeiten, aber ihre Mentalität ist gleich. Passend dazu sind die Sprechblasen voller Kalauer.

Detective Comics #332 (1964, DC Comics)

Interessanterweise folgt kurz nach der Einführung von Robin auch der erste Auftritt des Jokers. Mit der kindlichen Fröhlichkeit hält auch ein falsches Lachen in die Comics Einzug, das im grotesken Widerspruch zu den willkürlichen Morden des Schurken steht. Doch auch der wird bald gezähmt zu einem harmlosen Clown, der Menschen nicht mehr mit einem Lächeln tötet, sondern nur noch ärgert. Der Joker – nicht mehr als eine Witzfigur, die Batman mehr nervt als schockiert. Der Held ist immer der, der zuletzt lacht.

The Dark Knight Returns: Batman & Joker (DC Comics)

Erst in den 70ern wird es wieder ernster und düsterer. Nach und nach vergeht Batman das Lachen. Bis hin zum ultimativen Tiefpunkt, der in der Comicgeschichte ein Höhepunkt ist: Frank Millers The Dark Knight Returns. Doch auch in dieser knallharten Dystopie mit seinem gebrochenen Helden, findet Batman noch die Kraft zu einem Lächeln. Doch es ist nur noch das müde Lächeln eines vom Todestrieb gelenkten Zynikers, der nichts mehr zu verlieren hat. Als der Joker endlich tot neben ihm liegt, ist aber Schluss mit lustig: „Stop laughing“, sagt Batman zu der Leiche seines Erzfeindes. Selbst das brennende Skelett des Jokers scheint noch zu lachen. Dem verletzten und gebrochenen Batman ist der Anblick sichtlich unheimlich.

Batman lacht nicht mehr. Der Held, der Gute der Geschichte, ist ein Dunkler Ritter mit finsterem Gemüt. Das Gelächter ist den Bösen und den Irren überlassen. Gotham City ist von daher eine verkehrte Welt, in der bunte Clowns Kinder töten und teuflisch, dämonenhaft wirkende Schreckgespenster sie davor bewahren. Der erste Eindruck ist falsch. Wer hier lächelt, der täuscht. Er grinst eigentlich hinterlistig und führt Schlimmes im Schilde. Wer grimmig dreinschaut, stellt sich als Retter in der Not heraus.

Im Jahr darauf, 1987, beweist Batman in der regulären Serie Selbstironie: Er lacht schallend, als er sieht, dass jemand die Reifen des Batmobils gestohlen hat. „And Batman does something he has never done before, in Crime Alley …“, heißt es in Batman #408, bevor er auf den Dieb, Jason Todd, den späteren Robin, trifft.

Batman #408 (1987) (DC Comics)

Ein Jahr später, 1988, macht Alan Moore einen Schritt zurück: In The Killing Joke erzählt er davon, wie der Joker das Lachen lernte. Der Comic endet damit, dass der Joker, von Batman überführt, einen Witz erzählt – und Batman mit ihm darüber lacht. Die Situation ist absurd: Gerade hat der Joker noch Barbara Gordon verkrüppelt und ihren Vater beinahe in den Wahnsinn getrieben, Batman müsste das Lachen also allen Grund haben, spaßbefreit zu sein. Aber am Ende gehen die Gefühle so sehr mit ihm durch, dass er sich sogar vor Lachen an den Schultern des Joker festhält, fast kumpelhaft wirkt es. Manche haben das so gelesen, dass Batman den Joker am Ende mit bloßen Händen tötet – aber dafür gibt es keinen eindeutigen Beleg.

The Killing Joke (DC Comics)

Das nächste Mal bringt Harley Quinn Batman richtig zum Lachen – wenn auch unfreiwillig. In Mad Love (1994) schildert sie Batman, der kopfüber gefesselt über einem Piranha-Becken hängt, ihren Wunsch von einem Leben mit dem Joker. Batman bricht in schallendes Gelächter aus (Harley erschaudert). Es dient der taktischen Einschüchterung, damit Harley verunsichert wird und den Joker herbeiholt, der Batman daraufhin aus der Falle rettet. Trotz seines grundsätzlich ernsten Tones und seiner düsteren Inszenierung lächelt Batman in The Animated Series, auf der Mad Love basiert, sogar ziemlich oft.

Mad Love (1994, DC Comics)

Wenn der moderne Batman lacht, dann höchstens zurückhaltend, wenn er schallend lacht, dann wissen wir: er kann nicht er selbst sein. Oder er wird wahnsinnig, wie etwa in der Story Venom (Legends of the Dark Knight #16), wo der Held zum Drogensüchtigen wird und sich unkontrolliert freut, wenn er an seinen Stoff gekommen ist.

Batman: Venom (DC Comics)

Das Lachen ist etwas, das Batman seinem Alter Ego, Bruce Wayne überlässt. Er setzt die fröhliche Maske auf, um den Milliardär und Lebemann zu spielen. Das Lächeln ist – wie bei seinen Feinden – bloß Fassade, um von seinen wirklichen Absichten abzulenken. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, auch Wayne ist nicht sicher vor den bösen Einflüssen des Jokers: In der Neufassung der ersten Joker-Story, The Man Who Laughs, ist es Bruce Wayne, der vom Joker-Gas infiziert lachen muss. Und in Batman Beyond: Return of the Joker fällt sogar noch der alte Bruce Wayne dem Gas zum Opfer. Darin besteht mittlerweile der Horror von Batman: Wenn hier jemand lacht, dann stimmt etwas nicht. Am meisten gilt das für Batman selbst. Für Spaß sind andere zuständig.

Batman Beyond: Return of the Joker

Die Philosophie hinter dem Joker

Wer oder was ist der Joker? Ein Spieler? Ein Nihilist? Das Böse schlechthin? Dieses Video des YouTube-Kanals Wisecrack geht der Frage philosophisch auf den Grund.

Batman und die Gerechtigkeit

Wie gerechtfertigt ist Batmans Selbstjustiz? Dieses Video von Wisecrack geht der Frage philosophisch nach. In einer 8-Bit-Ästhetik wird erklärt, warum Batman keine Selbstjustiz betreibt, sondern im allgemeinen Interesse handelt.

Batman beim Psychiater

Seien wir ehrlich: Bruce Wayne wäre wohl nie Batman geworden, wenn er eine ordentliche Therapie gemacht hätte. Darin besteht wohl die eigentliche Tragödie. Pech für ihn, gut für seine Fans. Was läuft bei Batman verkehrt? Eine ironische, aber fundierte Ferndiagnose haben sich die Macher des YouTube-Kanals Wisecrack erlaubt. Wichtige Erkenntnis: Batman wurde nicht durch eine (taube) Fledermaus inspiriert, sondern durch sein Vorbild Zorro, das er aus dem Kino kannte. Alles weitere steht

P.S.: Einen Ansatz von Psychoanalyse gibt es in Gotham by Gaslight – da studiert Bruce Wayne sogar bei Sigmund Freud persönlich, will aber nicht selbst behandelt werden. Und in The Batman of Arkham wird Wayne als Freudianer sogar selbst Psychiater, bevor er zum Patienten der Anstalt wird.

Warum Batman niemals Trump wählen würde

President Lex Luthor (DC Comics)

President Lex Luthor (DC Comics)

Die Realität hat die Fiktion eingeholt. Endgültig. Denn die Fiktion kommt nicht mehr hinterher im Trump-Zeitalter. Neulich habe ich einen Cartoon gesehen, in dem das Dilemma eines Cartoonisten beschrieben wird: die Idee die er hat, wird vom US-Präsidenten schon vorweggenommen noch bevor der Cartoon veröffentlicht ist. Es wird immer schwerer, sich das Absurde auszudenken – denn es ist längst da. „Ist Fiktion endgültig an die Stelle von Geschichte getreten?“, fragte der Pubilizist Hartwig Tegeler neulich bei Deutschlandradio Kultur und zielte damit auf Superheldenfilme ab: „Spielt Milliardär Donald Trump einen milliardenschweren Superhelden wie Batman oder Iron Man nach? Oder umgekehrt?“

Tegeler geht davon aus, dass Hollywood unser Denken verändere und kritisiert, dass Superhelden einen großen Anteil daran hätten. „Das Problem an solchen Rettungen durch den Superhelden ist eine Vereinfachung von Welt, die in Dauerschleife vor uns abgespult wird und sich in der Wiederholung tiefer und tiefer eingräbt. Vereinfachung trifft im Zeitalter des Postfaktischen, von Fake News oder sogenannten „alternativen“ Faten auf einen fruchtbaren Boden.“ Superheldenfilme schienen mit Trump in der Realität angekommen zu sein, auch der neue US-Präsident sehe die Welt „superheldenmäßig, schwarz-weiß, Freund-Feind. Und diesen Feind gilt es nicht zu überzeugen, sondern auszumerzen.“

Schlechte Vorbilder für Trump

Ich weiß nicht, ob Tegeler mal einen Superheldenfilm der vergangenen Jahre gesehen hat. Er schreibt jedenfalls, als hätte er das nicht. Oder jedenfalls nicht genau. Denn dann wüsste er, dass gerade Batman und Iron Man die besten Beispiele dafür sind, dass moderne Superhelden schlechte Vorbilder für einen Haudraufpolitiker wie Trump sind. Man muss gar nicht tief in die Comics gehen, um das zu belegen. Bleiben wir bei den Filmen.

Batman bewahrte in Batman Begins die Welt von größenwahnsinnigen, selbsternannten Messias, der die Welt vom Bösen reinigen wollte, indem er eine Stadt zu vernichten drohte. In The Dark Knight wies ihm der Joker als nihilistischer Terrorist die Schranken seines Handelns. Geld, Gadgets und Gewalt brachten Batman nicht viel. Ja, er triumphierte vielleicht am Ende, aber der Joker lebte und lachte zuletzt, weil Batman alles verloren hatte, was ihm lieb und teuer war. Im dritten Teil der Nolan-Trilogie, The Dark Knight Rises, befreit Batman Gotham City von einem Despoten, der die ganze Stadt seiner Willkür unterjocht.

Tony Stark wird Pazifist

„Iron Man“ Tony Stark hingegen ist zwar so wie Bruce Wayne ein Milliardär, am Anfang sogar ein Waffenkonstrukteur, der den Krieg als Show zelebriert, aber schon in der ersten Hälfte seines Debutfilms macht er eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch. Nachdem er einen Anschlag überlebt hat, von Terroristen gefangen genommen wurde und sich befreit hat, schwört er dem Waffenhandel ab. Als Iron Man wird er selbst zur Ein-Mann-Waffe, um die Welt zu befrieden.

In diesem Punkt könnte man Tegeler Recht geben: Ja, Superhelden nehmen das Gesetz in die eigene Hand. Das ist ein typisch amerikanischer Western-Topos. Bedenklich, aber Superhelden brechen aus dem System nur deshalb aus, weil das System nicht funktioniert. Aber das macht sie noch nicht zu tumben Wutbürgern. Gotham City braucht Batman, weil die Stadt von Verbrechen und Korruption zerfressen ist, die Welt braucht Iron Man, weil sie sich sonst in den Abgrund hochrüstet. Dass einzelne sich das Recht rausnehmen, selbst die Welt besser zu machen, bleibt dennoch ein moralisches Dilemma der Helden. Am eindrücklichsten haben es die Watchmen vorgemacht, dass die Welt nicht so einfach zu retten ist und dass Helden es schwer haben, nicht als Schurken zu enden. Und heute steht die Doomsday-Uhr wieder auf kurz vor zwölf … Aber nicht wegen der Superhelden.

Superman gegen Hitler

Im Gegenteil. Superhelden waren von Anfang an Freiheitskämpfer, die sich gegen Unterdrückung und Diktatur wandten. Man darf nicht vergessen: Superman wurde (wie auch viele andere seiner Art) von Juden erfunden, die einen Gegenentwurf zum Übermenschen der Nazis schufen. Superman (übrigens ein Flüchtling und illegaler Einwanderer) hat im Comic einst Hitler vor Gericht gestellt, Captain America hat den Diktator einfach vermöbelt. Rund 60 Jahre später wurde Supermans Erzfeind Lex Luthor Präsident der USA, die Helden setzten ihn bald darauf ab, anderhalb Jahrzehnte später ist mit Donad Trump tatsächlich ein industrieller Schurke an der Macht und regiert wie ein Faschist.

Warum ist es soweit gekommen? Weil zu viele Menschen die Welt schwarz-weiß sehen? Vielleicht. Aber sie tun es bestimmt nicht wegen Superheldenfilmen oder -comics. Gerade diese Helden haben – seit etwa 30 Jahren im Comic und seit 17 Jahren auch im Kino – immer wieder die vielen Graustufen aufgezeigt: vom Film X-Men, der im KZ beginnt und wo ein Holocaust-Überlebender zum Rassisten wird, bis hin zu Captain America: Civil War, wo sich Superhelden die Frage gefallen lassen müssen, welche Folgen ihre Taten nach sich ziehen. (Ein ähnliches Thema, wenn auch schlechter umgesetzt, hat auch Batman v Superman). „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ – das hat das Publikum schon früh bei Spider-Man gelernt. Donald Trump hat das nie verinnerlicht.

Das Problem ist jetzt: in der Realität gibt es keine Superhelden, die einen wie Trump ausschalten könnten. Und selbst wenn es sie gäbe, würden sie sich wahrscheinlich zunächst mit ihm arrangieren, so wie sie es mit Lex Luthor getan haben. Man kann nur hoffen, dass das Böse eines Tages sich selbst vernichtet. Dass das Gute triumphiert. Das ist die Hoffnung, die Utopie und das Heilsversprechen, das Superhelden immer wieder vermitteln.

Wunderknabe wird 75

DC Comics

Detective Comics #38 (DC Comics)

Nachdem Jeph Loeb und Tim Sale mit The Long Halloween einen Klassiker der Batman-Comics geschaffen haben, rief eines Tages der Autor beim Zeichner an und erzählte ihm von seiner Idee einer Fortsetzung – mit Robin. Tim Sale maulte: „But I hate Robin, he doesn’t make any sense, he’s so colorful, Batman’s a loner, he can’t escape the tragedy hat shaped his life …“ Jeph Loeb wandte ein: „That’s the point. You wait and see.“ Der Rest ist Geschichte. Dark Victory ist fast ebenso gut geworden wie sein Vorgänger – trotz Robin. Oder vielleicht auch seinetwegen. Er spielt nur eine untergeordnete Rolle als Held, er hat noch kein Kostüm und kein Alter Ego. Wichtiger ist die menschliche Tragödie und das Verhältnis zu Bruce Wayne, der am Ende sagen kann, als er Robin seinen Schwur abnimmt: „I am no longer alone.“

75 Jahre alt wird der Sidekick in diesem Frühling. Er ist nicht nur comichistorisch wichtig, weil er der erste Sidekick eines Superhelden überhaupt ist. Er ist trotz seiner Unterschiedlichkeit vom düsteren Batman, trotz seines gelben Mäntelchens, seiner grüngeschuppten Unterhose, seiner nackten Beine und elfenhaften Schuhe, ein fester Bestandteil der Mythologie und Bat-Family. Sei es in einer der fünf bis gefühlten 1000 Inkarnationen in den Comics oder als Kalauerschleuder Burt Ward an der Seite von Adam West in der 60er-TV-Serie. Robin spaltet die Fans: man kann ihn lieben, wie die Kinder seit den 40ern es tun, weil sie sich mit ihm identifizieren, oder hassen, weil man – wie Tim Sale – einsieht, dass er keinen Sinn ergibt und er Batman schwächer und weniger düster wirken lässt.

Pendant zum Joker

Auch wenn ihm zuvor schon hin und wieder ein grimmiges Grinsen übers Gesicht gehuscht ist, man kann sagen, dass Batman erst mit Robin das Lachen lernte. Auf dem Cover von Detective Comics #38 strahlt der Held seine Leser an, als er ihnen erstmals The Boy Wonder präsentiert: „a laughing, fighting, young daredevil“ – in der Tradition von Robin Hood, daher der Name. Am Anfang geht alles ganz schnell: Kaum hat das Zirkuskind seine Eltern verloren, erkennt Batman seine Gemeinsamkeit mit ihm und hilft ihm nicht nur, die Täter zu fassen, sondern macht ihn sofort zu seinem Helfer – samt Ausbildung und Kostüm.

Schon in der nächsten Ausgabe (Batman #1, 1940) trifft das Dynamische Duo erstmals auf den Joker. Diese Nähe ist kein Zufall. Das falsche Dauergrinsen des Jokers ist etwas wie die pervertierte Kehrseite des humorvollen, lebensbejahenden Lachens, das Robin in die Hefte gebracht und mit dem er Batman angesteckt hat. Der Joker ist ein skrupelloser Mörder, der nicht nur unpassender Weise lächelt, sondern auch seine Opfer sich zu Tode lachen lässt. Es fällt auf, dass Batman und Robin, während sie ihn gleich zwei Mal in dieser Ausgabe bekämpfen müssen, nichts zu lachen haben. Der Joker stiehlt ihnen nicht nur die Show, sondern auch die Leichtigkeit.

DC Comics

DC Comics

In dieser Tradition steht der Erzschurke. Er hasst nicht nur Batman. Noch viel mehr hasst er Robin. Man könnte sagen, aus Eifersucht, weil der Junge seinen größten Gegner zum Lachen bringt – und damit etwas schafft, was dem Joker nicht (oder nur selten) gelingt. Robin ist zugleich Batmans wunder Punkt, hier kann man ihn leicht treffen. Und so kommt es in den 80ern, dass der Joker immerhin Robin II (Jason Todd) mit einer Brechstange erschlagen darf – das Urteil haben zuvor die Leser gefällt. Aber weil im Superheldenuniversum niemand für immer stirbt, kommt Jason später als Red Hood von den Toten zurück und schließt sich der wachsenden Bat-Familie an.

Auch wenn die Figur Robin immer Kind geblieben ist, sind die Charaktere hinter der Maske gealtert. Dick Grayson wurde irgendwann im Laufe seiner Emanzipation von Batman zu Nightwing. Tim Drake (Robin III) gelang das mit Red Robin (so ein dämlicher Name) nur leidlich. In der alten Continuity gab es noch ein Mädchen (wie schon bei Frank Millers The Dark Knight Returns), danach folgte Damian, Bruce Waynes brutaler Sohn – und auch der musste mittlerweile dran glauben … Im Grunde ist Robin der Fehler, den Batman ständig wiederholt, indem er trotz der schlechten Erfahrungen und Gefahren immer wieder einen neuen Wunderknaben rekrutiert. Es ist der Fluch der Tradition: die Leser wollen es so, also handelt Batman unlogisch – und fällt damit aus der Rolle. Wer Robin will, muss diesen Makel in Kauf nehmen. Vielleicht ist es aber auch diese Schwäche, die den Helden menschlicher und damit greifbarer erscheinen lässt.

DC Comics

DC Comics

So beliebt die Konstellation Batman und Robin bei den jungen Lesern schon immer war, so sehr wurde sie auch kritisiert. Der Psychologe Fredric Wertham, der 1954 mit seinem Buch Seduction of the Innocent indirekt die Comics einem strengen Moralkodex unterwarf, verdächtigte die beiden Verbrechensbekämpfer, mit Alfred in einer Schwulen-WG zu leben. Um dem Verdacht vorzubeugen, wurde kurz darauf Batwoman als eine Art Anstandsdame eingeführt. Rund 50 Jahre später hat Frank Miller das Verhältnis zwischen den beiden in seiner Parodie All-Star Batman ad absurdum geführt und zugleich demonstriert, wie zweifelhaft das Selbstverständliche ist, dass ein Fanatiker im Fledermauskostüm ein Kind so unverantwortlich behandelt. Bei Miller ist es Batman, der Dick Grayson die Rolle des Robin aufzwingt. Der Junge hält nicht viel von Batman, bezeichnet ihn als irre (was Batman hier auch ist). Batman misshandelt ihn mit Schlägen, lässt ihn allein in der Bathöhle hungern und fordert ihn auf, Ratten zu essen. Die Dekonstruktion einer Jungsfantasie. Die dunkle Kehrseite von Adam West und Burt Ward. Man kann beides hassen. Aber das wechselvolle Verhältnis zwischen Batman und Robin ist allein historisch interessant.

Wer sich näher damit beschäftigen will, für den veröffentlicht DC im Mai eine Anthologie mit einigen der besten Storys: Robin The Boy Wonder: A Celebration of 75 Years. Hier eine Liste mit einigen essenziellen Robin-Comics, von denen einige bereits hier besprochen wurden, weitere werden folgen: