Lex Luthor

Viel Lärm um nichts

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 6

Autor/Zeichner: Joe Casey, Paul Levitz/Jason Fabok, Scott Kolins, Jerry Ordway

Erschienen: Superman/Batman #64-75, Annual #4), Paperback 2017


Batman im Weltall. Eine Zeitlang war das eine verzweifelte Idee, die im Silver Age ins Absurde übertrieben wurde. Batman hat dort nichts verloren. Er gehört auf die Straßen von Gotham. Aber irgendwann wurde es wieder völlig normal, Batman ins All zu schicken. In The Big Noise hat er sogar eine eigene Bat-Rakete, damit er Superman helfen kann, Weltraumschrott zu inspizieren. Offenbar hat er gerade nichts Besseres zu tun.

Aber es kommt noch dicker: Ein Formwandler-Alien, das einst gegen Kryptons Armeen der Frühzeit gekämpft hat, will Superman töten. Dazu schickt er einen C-Ligisten-Attentäter wie Nrg-X los, eine laufende Atombombe. Batman hilft ihm, weil der Formwandler die Gestalt eines Industriellen angenommen hat. Bruce Wayne hat sich von ihm täuschen lassen und ihm die Hand geschüttelt. Wegen dieses Handschlags steigt Batman in einen Raumanzug, reist ins All und kämpft mit Superman gegen das Tentakel-Alien. Inwiefern ist das besser als der Quatsch im Silver Age? Es ist cool gezeichnet. Na, immerhin.

In der zweiten größeren Geschichte dürfen zwei Altmeister ran: Paul Levitz und Jerry Ordway erzählen eine Story, die bestenfalls als klassisch, schlimmstenfalls als altbacken gelten kann. Während eine ungewöhnliche Kolorierung über Ordways altmodischen Zeichenstil hinwegzutäuschen versucht, kann Levitz seine Story nicht so leicht kaschieren, dass sie in alten Mustern festhängt.

Lex Luthor hetzt einerseits einen Superman-Kult auf Lois Lane, der sie auf den Scheiterhaufen verbrennen will, andererseits hetzt er Aliens auf einem fernen Planeten gegen Superman auf und schenkt ihnen Technologie, um bei ihnen als Gott zu gelten. Zusammen mit Batman und Lois Lane verhindert Superman das alles. Sehr routiniert und spannungsarm und mit viel Introspektion in den Captions. Lesergehirne im Leerlauf.

Interessanter ist dagegen schon eine kleine Halloween-Story: Scarecrow hält Superman, Batman, Joker und Lex Luthor gefangen und lässt sie ihre schlimmsten Alpträume erleben. Mehrere Zeichner (darunter Kelley Jones) dürfen die vier Passagen inszenieren, einiges davon ist sehr stark. Und was ist Scarecrows schlimmster Alptraum? Die Vogelscheuche aus dem Zauberer von Oz zu sein.

Ein kleines Highlight bietet Annual #4: Batman Beyond trifft auf Superman Beyond. Wieder geht es wieder gegen Lex Luthor. Das Ganze ist etwas zu brav gezeichnet, aber hat einige schöne Splash Pages, in denen Superman in Schwarz-weiß sehr eindrucksvoll rüberkommt. Ein mäßiges Lob, okay, aber ich versuche, die Rosinen aus der Mittelmäßigkeit herauszupicken.

Total überflüssig sind die beiden Kapitel, in denen Monster gegeneinander antreten: Bizarro gegen Solomon Grundy und dann auch noch Man-Bat und Frankenstein. Dieser Schwachsinn muss absolut niemanden interessieren. Bitte überblättern.

Zum Schluss feiert die Serie mit seiner 75. Ausgabe von Superman/Batman ein „Jubiläum“. DC ist sich wirklich nicht zu schade, jede noch so lächerliche Heftnummer zum Anlass für Spezialausgaben zu nehmen. Nachdem Batman und Superman die Legion of Superheroes treffen (gähn), dürfen mehrere Autoren und Zeichner ein paar kleine Zweiseiter machen.

Wie unfruchtbar die Aufgabe ist, zeigt die Kurzgeschichte von Steven T. Seagle und Teddy Kristiansen (It’s a Bird …): Obwohl Seagle nichts zu erzählen hat, weil Superman und Batman zusammen nicht viel Sinn ergeben, steht die Geschichte trotzdem da – als Meta-Geschichte eines Pseudo-Making-ofs. Einfach nur peinlich.

Immerhin eine Idee ragt positiv heraus: Brian Azzarello und Lee Bermejo erzählen eine Lex-und-Joker-Story im Calvin & Hobbes-Stil – das sind aber auch schon die kreativsten zwei Seiten dieses Bandes.

>> Liste der World’s Finest-Comics

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Batman und Superman: Wie alles begann

Titel: The Origin of the Superman-Batman-Team

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1958 (World’s Finest #94)


Wie Batman und Superman das erste Mal aufeinandertrafen, ist eigentlich seit 1952 (Superman #76) bekannt: Sie begegneten sich auf einer Kreuzfahrt. Das war lustig. Doch sechs Jahre später will Batman uns weismachen, dass alles ganz anders war, bzw. dass es ein Treffen vor dem ersten Treffen gegeben hat.

Anlass für die Rückblende ist, dass Luthors wieder mal aus dem Gefägngnis ausbricht und damit prahlt, sich eines Tages an Superman und Metropolis zu rächen. Kaum hören Bruce und Dick die Nachricht, ziehen sie sich um und eilen nach Metropolis, weil sie glauben, sie könnten Superman helfen, falls Luthor Kryptonit benutzt. Schon das ist seltsam, denn dann müssten sie jedes Mal nach Metropolis fahren, aber sei’s drum.

Doch Superman lehnt ihre Hilfe ab. Bei ihrem Treffen hat er einen neuen Helfer dabei: Powerman, einen maskierten Helden, der nicht fliegen kann. Trotzdem folgt ihnen das Dynamische Duo und Batman erinnert sich an ihr erstes Treffen: Als die beiden einst beinen Schmuggler-Ring ausgehoben haben, hörten sie die Ganoven von Kryptonit sprechen. Daraufhin flogen sie nach Metropolis, um Superman zu warnen. Und das war auch gut so: Denn als Superman von Gangstern mit flüssigem Kryptonit bespritzt wurde und vom Himmel fiel, konnten sie ihm mit dem Bat-Plane das Leben retten.

Als sie es dann mit den Gangstern aufnahmen, verkleidete sich Batman als Superman, weil er immun gegen Kryptonit war. Dabei riskierte er aber trotzdem sein Leben, denn die Schurken wollten es daraufhin mit Blei versuchen, aber da war Superman schon zur Stelle. Der Beginn einer langen Freundschaft. Der Rollentausch erinnert an ihren zweiten gemeinsamen Auftritt in World’s Finest Comics #71 (1954) – seitdem eine Tradition.

Und ähnlich läuft es auch in der Gegenwart: Batman findet heraus, wie er Luthors Todesstrahlen von sich fernhalten kann, dann nimmt er ihm sein Kryptonit weg und rettet Superman das Leben. Und wer ist dieser Powerman? Es ist ein Roboter, den Superman gegen das Kryptonit einsetzen wollte, um nicht das Dynamische Duo zu gefährden. Na dann ist ja alles wieder gut …

>> Liste der World’s Finest-Comics

(Fast) Gratis Comic Tag: DC verkündet sein Jahr der Schurken

Am 1. Mai 2019 will DC sein „Year of the Villain“ einläuten. Drei Tage vor dem Free Comic Book Day erscheint ein 32-seitiges Heft, das den Grundstein für weitere Storys legt. Es soll nur 25 Cent kosten. Mit dabei sind Lex Luthor, Cheetah, Bane und The Batman Who Laughs (Dark Nights: Metal). Verfasst wird das Comic von Scott Snyder, James Tynion IV und Brian Michael Bendis, gezeichnet von Maleev, Jim Cheung und Francis Manapul, das Cover stammt von Greg Capullo.

In dem Heft werden die Ereignisse mehrerer Serien zusammenlaufen: Aus Action Comics, Justice League, aber auch aus der The Batman Who Laughs-Miniserie, die derzeit erscheint. Im Sommer soll dieser Anti-Batman eine eigene fortlaufende Comicserie bekommen. Und ebenfalls im Sommer soll Bane erneut (nach I Am Bane) gegen Batman antreten, in der Storyline City of Bane. Das Heft erscheint mit drei Variant Covern (siehe oben).

Am eigentlichen Free Comic Book Day, am 4. Mai, will DC seine neuen Reihen für junge Leser vorstellen: DC Ink und DC Zoom. Darin werden erste Einblicke in Under the Moon: A Catwoman Tale und Dear Justice League gewährt.

Panini Comics

Zum deutschen Gratis Comic Tag, am 11. Mai, bringt Panini ein Comic-Heft heraus, das auf das Event Heroes in Crisis (von Tom King und Clay Mann) und dem Watchmen-DC-Crossover Doomsday Clock (von Geoff Johns und Gary Frank) einstimmt, sowie eine abgeschlossene Batman-Story bietet – welche das sein wird, ist noch unklar.

Doomsday Clock erscheint bei Panini als vierteilige Miniserie und beginnt am 2. April 2019. Das erste Heft wird die ersten drei US-Ausgaben enthalten (108 Seiten). Bis die Serie komplett ist, kann es sich hinziehen. In den USA erscheinen die Hefte mit zwei Monaten Abstand und Ausgabe 9 von 12 kommt erst am 6. März 2019 heraus. Das bedeutet: Das Finale wird erst zum Jahresende eintreffen.

Superman: Working Class Hero

Titel: Superman and the Men of Steel/Bulletproof/At the End of Days

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Rags Morales, Brad Walker, Andy Kubert

Erschienen: 2011-2013 (Action Comics #1-18), Paperbacks 2012-2013


Im Jahr 2011 setzte DC mal wieder die Superheldenzeit zurück und auch alle Heftnummern begannen wieder von vorn. Bei Superman durfte Grant Morrison (All-Star Superman, JLA, Batman and Son) alles noch einmal von vorn erzählen. Grant Morrison steigt in die Story ein, als Superman bereits seinen ersten Auftritt gehabt und seinen Namen bekommen hat, aber noch nicht etabliert ist. Bei ihm ist Superman zuerst ein junger Mann mit Superman-T-Shirt, weiten Hosen und Arbeiterstiefeln, der sich als Clark Kent beim Daily Star (Konkurrenzblatt des Daily Planet) und als Blogger für die Rechte der Unterdrückten einsetzt.

Damit wählt Morrison einen Ansatz, bei dem er auch historisch ganz an den Anfang zurückgeht. Superman war bereits in seinen allerersten Geschichten ein Kämpfer für die Arbeiterklasse. Hier ist er ein Angry Young Man, der es mit einem bösen Großunternehmer aufnimmt und ihn mit Drohungen zu einem Geständnis zwingt. Und nebenbei hält er einen entgleisten Zug auf und was Superman sonst noch so macht. Als erstes wird er vom US-Militär gejagt, angeführt von General Lane und beraten von Lex Luthor, der als „bester Wissenschaftler“ der Welt gilt. (Auf welchem Gebiet? Wohl auf allen.) Zu bgeinn wird Superman auf einem elektrischen Stuhl gefoltert und kann sich selbst befreien. Luthor hasst ihn aus dem altbekannten Motiv: Fremdenfeindlichkeit.

Nach diesem Vorspiel bekommt Superman es aber mit Brainiac zu tun, dem Weltensammler. Abgesehen davon, dass Brainiac mehr wie ein riesiger Wurm aussieht als ein Mensch, bleibt die Story nah an den Versionen, die man aus dem Silver Age und der Geoff Johns-Version kennt. Nach Kandor entführt Brainiac das Zentrum von Metropolis, Superman macht das wieder rückgängig. Luthor hatte mit Brainiac paktiert, um ihn hereinzulegen, ist dann aber selbst reingefallen. Nebenbei wird John Corben zu Metallo, allerdings noch ohne diesen Namen anzunehmen. Und andeutet wird, dass Brainiac lediglich die Welten vor einer viel größeren Gefahr bewahren wollte, die noch kommen wird.

Auch als Morrison nach ein paar Ausgaben von Supermans Ursprung erzählt, bleibt er nah am Altbekannten. Kleine Variationen: Krypton ist nicht mehr so steril und lebensfeindlich wie noch bei John Byrnes Man of Steel und in der Rakete ist nur Platz für das Kind (statt für Lara). Superman wird von Jonathan und Martha Kent gefunden, die Rakete aber vom Militär konfisziert. Das Paar hinterlässt ein deformiertes totes Kalb, um die Wissenschaftler in die Irre zu führen. (Möglichen DNA-Analysen zum Trotz geht selbst Luthor später davon aus, dass es ein Alien ist …) Später sehen wir wieder die alte Anekdote, als der junge Clark einen Stier einfängt und auf die Legion of the Superheroes trifft – das gab es bereits früher schon, auch in Superman: Secret Origin.

Supermans Kostümwahl wird nicht erklärt. Die Farbe von Supermans T-Shirts schwankt, mal blau, mal weiß, mal rot. Sein Logo stammt von dem roten unzerstörbaren Stoff, der bei ihm in der Rakete lag, und nun als Cape dient. Seinen Ganzkörperanzug bekommt er erst in Brainiacs Schiff; es handelt sich um einen kryptonischen Anzug, eine Art Rüstung, die nach Belieben das Aussehen ändern kann. Kaum ist Superman drin, wird die Kleidung blau. Trotzdem kehrt Superman danach immer noch zum T-Shirt zurück, es braucht eine Weile, bis er nur noch den Anzug trägt. (Dieser Anzug mit seinem Kragen und seinen vielen unnötigen Linien hat für viel Kritik gesorgt. Er nimmt der Figur viel von seiner einstigen Schlichtheit, die ihn seit den 40ern fast unverändert – mit kurzen Ausnahmen – wiedererkennbar machte.)

Gegenüber der Justice League ist Superman das soziale Gewissen, das lieber den Hunger in Somalia bekämpfen würde, statt nur auf den nächsten Alien-Gegner zu warten. Aber was das Storytelling angeht, ist Grant Morrison leider nicht halb so ambitioniert. Ihm fehlt die zündende Idee seiner Geschichten, bei der man den Eindruck bekommen könnte, hier wird Superman neu erfunden. Sprunghaft handelt er die altbekannten Elemente und Figuren ab (z.B. den Superhund Krypto), darunter auch die Schurken (Luthor, Brainiac, Metallo, Kryptonite-Man), fügt neue hinzu, aber ohne dass sie ein großes Problem darstellen oder im Gedächtnis bleiben.

Erst im dritten Teil (Action Comics #13-18) entspinnt Morrison eine Handlung, die sich mehr Zeit lässt, allerdings auch so vollgepackt ist mit Figuren und Zeitsprüngen (Stichwort: Legion of Superheroes), das man leicht den Überblick verlieren kann. Lord Vyndktvx, ein böses Wesen aus der fünften Dimension, greift Superman an verschiedenen Punkten in der Zeit an, dabei tötet er auch Jonathan und Martha Kent. Superman kämpft gegen einen Super-Doomsday und trifft erstmals auf Mr. Mxyzptlk. Die Story nervt genauso wie die meisten anderen Fünfte-Dimension-Geschichten.

Leider gibt sich Morrison aber auch keine Mühe, seiner Hauptfigur viel Tiefe zu verleihen. Ein kurzes Praktikum als Feuerwehrmann bekommt Clark Kent, dazu ein paar gute Ratschläge seines Ziehvaters, aber das war’s auch schon an Selbstfindung. Auch wenn er zu Beginn noch nicht fliegen, sondern nur springen kann (auch das eine Reminiszenz an das Golden Age): Superman erscheint als der Übermensch schlechthin. Und das ist der Inbegriff des Spannungskillers. Er kann sogar die Daten auf einem USB-Stick lesen und sich in fünf Minuten alles medizinische Wissen aneignen, um eine perfekte OP an Lois durchzuführen. Dabei täte es einem, der ohnehin so ziemlich alle Kräfte in sich vereint, gut, etwas weniger von allem zu können, um noch irgendetwas als Herausforderung zu empfinden.

Die ersten dieser neuen Ausgaben von Action Comics lesen sich wie eine Pflichtübung, bei der man voraussetzt, dass die Leser alles bereits kennen und wissen. Und für die, die es nicht kennen, wird alles im Schnellverfahren abgehandelt. Nichts daran rechtfertigt den Neustart, den Superman hier hinlegt, außer die 1 auf dem Cover, die neue Leser anlockt. Das Prinzip funktioniert immer wieder: Der Verkauf von Action Comics legte 2011 und 2012 stark zu.

Morrisons Superman-Reboot zeigt das Dilemma, in dem der moderne Mythos steckt: Einerseits gilt es, ständig neue Leser zu gewinnen, andererseits will man die alten Leser behalten. Um diesen Spagat zu schaffen, braucht man zum Einen eine konservative Linie, die eine gewisse Wiedererkennbarkeit garantiert, zum Anderen braucht man auch Innovation, um alte wie neue Leser bei Laune zu halten. Bei einer Figur wie Superman, die mittlerweile eine 80-jährige Geschichte vorzuweisen hat, bedeutet das, eine sehr große Last der Tradition mit sich herumzutragen und immer wieder frisch halten zu müssen.

Daher ist die Serie Action Comics am Anfang von The New 52 nicht viel mehr als ein „Was-bisher-geschah“, eine kurze Zusammenfassung wichtiger Meilensteine, um neue Leser auf den Stand zu bringen, aber auch eine Variation von alldem, um den alten Lesern etwas Neues zu bieten. Mit den ganzen Verweisen auf die Tradition bis hin zu ihrem Anfang ergibt das Ganze einen Remix bekannter Motive. Das ist kein Problem von Superman allein, das ist ein Phänomen so ziemlich jedes Superhelden-Comics und -Films. Da (fast) alles schon einmal dagewesen ist, bleibt den Autoren nichts übrig, als alles neu zu mischen.

Diesen Fluch der ewigen Wiederkehr zu bewälitgen, ist eine Herkulesaufgabe. Und sie wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Sollte es in 20 Jahren immer noch einen Superman geben (davon ist auszugehen), wird man einige hundert Ausgaben von Action Comics mehr zu beachten haben, dazu nochmal so viele Ausgaben von Superman und unzählige Sonderhefte. Die unendliche Geschichte wird immer umfangreicher und komplexer, sodass sowohl Autoren als auch Leser fast schon Superkräfte entwickeln müssen, um das alles bewältigen zu können. Am wichtigsten wird aber immer noch bleiben, eine packende Story zu erzählen. Und dabei hilft oft das bewährte Rezept: Weniger ist mehr.

>> Liste der Superman-Comics

Luthor, der moderne Prometheus

DC Comics

Titel: The Superman Monster

Autor/Zeichner: Dan Abnett, Andy Lanning/Anthony Williams

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Vor 200 Jahren erschien Mary Shelleys Roman Frankenstein, vor 80 Jahren Action Comics #1, vor 19 Jahren kam ein Comic heraus, das beide Mythen verband: The Superman Monster. Die Story spielt 1988 in der Schweiz. Victor Frankenstein ist hier Vicktor Luthor, ein übereifriger Student der Naturphilosophie, der sich an der Uni unbeliebt mit seinen Experimenten macht. Er sieht sich als moderner Prometheus. Auch in seinem künftigen Schwiegervater findet er keinen Freund, denn Luthor macht keinen Hehl daraus, dass er seine Eloise vor allem wegen der Mitgift heiraten will.

Eines Nachts entdeckt er Kal-Els Rakete, doch das Baby an Bord ist tot. Mithilfe einer Projektion von Jor-El und einigen Leichenteilen erweckt er das namenlose Monster. Superman trägt schwarz und ein silbernes Symbol auf der Brust – also passenderweise das Kostüm nach dessen Tod und Auferstehung in den Comics der regulären Serien. Luthor ist beim Anblick erschüttert, er denkt, dass das Monster ihn töten will, aber tatsächlich rettet es ihn aus seinem Labor, das in Flammen aufgeht. Ähnlich ergeht es Superman später: Obwohl er Menschen rettet, verabscheuen sie ihn.

Superman findet Asyl bei Familie Kant, bekommt den Namen Klaus und macht sich auf dem Acker nützlich. Luthor setzt ein Kopfgeld auf ihn aus, findet ihn, tötet seine Zieheltern und Superman rächt sich auf der Hochzeit mit der schlimmstmöglichen Wendung: Über den Umweg des Todes wird aus Eloise Frankensteins Braut …

Wie schon mit Two Faces, in dem Batman als Dr. Jekyll und Mr. Hyde kombiniert wurde, legen die Autoren Dan Abnett und Andy Lanning eine weitere solide und kurzweilige Adaption eines Literaturklassikers hin. Eine ähnliche Elseworlds-Story hat es bereits 1994 mit Batman gegeben (Castle of the Bat), damals wirkte es äußerst bemüht, Batman zu Frankensteins Monster zu machen. Mit Superman funktioniert es, weil Luthor ohnehin den perfekten Mad Scientist abgibt und er auch sonst Superman als Monster verachtet. Überraschungen gibt es zwar keine, außer der Tatsache, wie gut sich die beiden Geschichten ineinander fügen. Ansonsten bekommt man, was man erwartet, und dazu noch ausdrucksstarke Zeichungen.

Kritisieren könnte man höchstens, was häufig das Problem von Elseworlds-Storys ist: 48 Seiten sind auch hier zu kurz, um in die Tiefe zu gehen. Man hätte mehr draus machen können. Aber als Hommage reicht das Format völlig aus.

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Supermans langer Abschied

DC Comics

Titel: All-Star Superman

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frank Quitely

Erschienen: 2005-2008 (Mini-Serie #1-12), Paperback 2011; dt. Panini 2011


“ If I want to die happy, it’s time to get serious about killing Superman.“ (Lex Luthor)

Nach einem Einsatz in der Sonne überlädt sich Superman mit Sonnenenergie und setzt damit einen Verfallsprozess seiner Zellen in Gang: Superman stirbt. Und Lex Luthor lacht sich ins Fäustchen, denn er hat Supermans Tod vom Gefängnis aus orchestriert, um über Superman zu triumphieren. Seine letzten Tage nutzt Superman, um einiges nachzuholen. Wie Herkules muss er zwölf Aufgaben bewältigen. So nimmt Superman Abschied von der Welt.

Bis auf die Rahmenhandlung hat All-Star Superman keinen Spannungsbogen. In zwölf Episoden wird erzählt, wie der sterbende Held sich Lois offenbart, sie für einen Tag zu Superwoman macht und wie er seine alten Freunde und Feinde wieder trifft: Jimmy wird zu Doomsday, der Parasit greift Luthor an, Superman strandet auf einem Bizarro-Planeten, muss sich gegen despotische Kryptonier behaupten und mit seinen Nachfolger aus der Zukunft ein zeitfressendes Monster in Smallville bekämpfen.

Beim ersten Mal fand ich All-Star Superman langweilig. Selten habe ich mich durch ein Superman-Comic so hindurchgequält. Beim zweiten Mal, als ich wusste, was mich erwartete, konnte ich mich etwas besser darauf einlassen. Man muss sich klarmachen, dass hier keine typische Superman-Story mit gewohnt moderner Action geboten wird. Es ist lediglich eine Hommage an den Superman des Silver Age, Morrison bedient sich bei bekannten Versatzstücken, wie den Geschichten, in denen Luthor tatsächlich Superman tötet (The Death of Superman, Superman #149, 1961) oder Superman sein Testament macht (The Last Days of Superman (Superman #156, 1962). Grant Morrison reichert diese Stücke mit eigenen Mythen an, wie etwa der bösen Sonne Solaris und dem Superman des 853. Jahrhunderts (bekannt aus dem Event One Million). Wer die Comics aus den 50er und 60er Jahren kennt, weiß auch Variationen dieser Ideen wie Zibarro, den einzig klugen Bewohner des Bizarro-Planeten, zu schätzen.

Superman wird von seiner menschlichsten Seite gezeigt: Er wird demütig gegenüber seiner eigenen Vergänglichkeit, er muss mit dem Verlust seines Vaters umgehen, gegenüber Schurken erweist er sich gnädig. Bei einem Gefängnisaufstand bewahrt er als Clark Kent sogar Luthor vor dem Tod, allerdings ohne dass dieser das merkt. Das Kapitel zählt zu den Höhepunkten des Bandes – nicht zuletzt wegen des Humors.

Allerdings: Das Comic bleibt episodisch, die einzelnen Plots plätschern mehr vor sich hin, als dass sie echtes Drama zu bieten hätten, Neues hat uns Morrison nicht über den Vater aller Superhelden zu sagen und selbst Luthor gibt zu, dass sein Verhältnis zu Superman ein ziemlich banales ist. All-Star Superman ist nichts anderes als die Liebeserklärung eines Fans und es bedient eine emotionale Ebene, vor allem aber ist es ein nostalgisches Erlebnis.

Frank Quitelys Stil ist gewöhnungsbedürftig. Einerseits ist er sehr klar und seine detaillierten Figuren wirken lebendig, andererseits kann er auch keinen Menschen zeichnen, ohne ihn verrunzelt aussehen zu lassen. Weil er sich aber selten die Mühe macht, detaillierte Hintergründe zu zeichnen, scheinen sich die Figuren im luftleeren Raum zu bewegen, was die Panels oft steril wirken lässt.

Wem das nichts ausmacht und sich auf eine Story abseits gewohnter Superhelden-Prinzipien einlassen kann, der wird an All-Star Superman seine Freude haben. Aber wer darauf verzichtet, hat auch nichts verpasst. Meine Meinung dürfte damit eine unpopuläre sein: Die Mini-Serie wurde mit Lob und Preisen (darunter auch Eisner-Awards) überschüttet. 2010 folgte eine Zeichentrick-Adaption. Im Dezember 2018 erscheint eine neue Ausgabe unter DCs neuem „Black Label.

DC Comics

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Superman als Green Lantern

Titel: Superman – Last Son of Earth/Last Stand on Krypton

Autor/Zeichner: Steve Gerber/Doug Wheatley

Erschienen: 2000 (Zweiteiler)/2003 (One-Shot)


„Ours is a culture founded on fear. We fear each other. We fear our past. We fear the unknown.“ (Kal-El)

Was wäre, wenn Clark Kent auf der Erde geboren und zu Krypton geschickt worden wäre? Dann wäre er nicht Superman, sondern ein Green Lantern geworden. Der Elseworlds-Zweiteiler Last Son of Earth spielt das Szenario durch. Jonathan Kent ist ein Astrophysiker, der im Jahr 1968 als einziger einen Asteroiden auf die Erde zurasen sieht. Weil ihm keiner glaubt, baut er eine Rakete für seine Frau Martha und seinen noch ungeborenen Sohn. Der folgende Teil der Story ist der altbekannte, aber bleibt genauso unglaubwürdig: Statt mit ihrem Kind zu reisen, stirbt Martha lieber bei ihrem Mann. Dabei schießt er es ohne ein Ziel ins Weltall – alleine würde es mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben! (Immerhin gibt Martha später zu, dass es ziemlich abwegig war, bei ihrem Mann zu bleiben.)

Egal: Durch einen glücklichen Zufall fliegt die Rakete in ein Wurmloch und landet auf Krypton. Dort nimmt Jor-El das Kind auf. Damit ist allerdings ein Risiko verbunden. Krypton ist eine sterile Welt, die sich vor dem Fremden und vor physischer Nähe fürchtet. Jor-El zieht den Jungen, den er Kal-El nennt, im Geheimen groß. Kal-El muss einen Spezialanzug tragen, um auf dem Planeten zu überleben.

Superman als Green Lantern

Eines Tages findet er den grünen Ring, wird Green Lantern, rettet Krypton vor dem Untergang (Explosion), fliegt zu Oa, dann zur Erde. Dort haben nur wenige Menschen überlebt und kämpfen sich in einem dystopischen Mad-Max-Szenario durch. Einige schließen sich dem Diktator Lex Luthor an, aber Perry White, Lois Lane und Jimmy Olsen leisten Widerstand. Kal-El hilft ihnen und entdeckt neue Superkräfte …

Lois Lane als Widerstandskämpferin

Bereits 1994 wurde Batman zu Green Lantern gemacht. Während damals aber die Story in einer furchtbaren Hetze abgehandelt wurde, nimmt man sich bei Superman zwei Teile á 48 Seiten Zeit. Die Geschichte bleibt zwar simpel, kann sich aber so entfalten, dass man gut an ihr Anteil nehmen kann. Der Aspekt der Angst wird gut herausgearbeitet; der Held kämpft dagegen auf zwei Welten an, die unter jeweils anderen Schreckensszenarien leiden.

Zusammen mit sehr naturalistischen Zeichnungen und lebendigen Farben ergibt sich eine solide Lektüre für Fans alternativer Welten. Allerdings überzeugt Kal-Els Green Lantern-Kostüm nicht wirklich – warum ist es blau-weiß? Und das Logo hätte mal auch eleganter gestalten können, ohne dass es aussieht, als wäre die Laterne in die Diamantenform gequetscht worden.

In Last Stand on Krypton geht die Geschichte weiter. Da Kal-El seinen Ring aber schon in Teil 1 aufgegeben hat, hat diese Fortsetzung nichts mehr mit Green Lantern zu tun. Kal-El ist nur noch Superman (sieht aber nicht aus wie auf dem Cover!) und hat zehn Jahre später der Erde Kryptons Technologie beschert. Ein unzufriedener Politiker wirft Kal-El vor, gewisse Techniken zurückgehalten zu haben und verhilft Luthor zu einem Gefängnisausbruch, um an das Wissen heranzukommen. Doch Luthor hat seine eigene Agenda: Er reist nach Krypton, wo Jor-El sich damit unbeliebt gemacht hat, die Flora und Fauna auf den Wüstenplaneten zurückzubringen. Es kommt zum letzten großen Gefecht.

Superman als Red Hulk

Weil Superman auf Krypton keine Superkräfte hat, wird er mittels roter Kryptonit-Strahlung zu einer Art Red Hulk gemacht. Zusammen mit einer Lois Lane im Kampfanzug und einigen geklonten Supertierchen kann er es mit einem – ebenfalls optimierten – Luthor aufnehmen.

ACHTUNG SPOILER!

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass Krypton wirklich zerstört wird und Jor-Els leiblicher ungeborener Sohn mit Lara den Planeten verlässt. Es ist also mal wieder eine Elseworlds-Story, die nur einen Umweg nimmt, um zum bekannten Status quo zurückzukehren. Schon der erste Teil lief darauf hinaus. Ja, mehr noch: Clark ins All zu schießen war letztlich sinnlos, weil die Kents den Aufpfall überlebt haben und Krypton ohnehin untergegangen ist. Alles kommt also wie es kommen muss. Und auch wenn der Weg dorthin kurzweilig unterhält, ist die Unvermeidlichkeit dieses Szenarios zutiefst deprimierend, berechenbar und daher langweilig.

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Zwei glorreiche Halunken

DC Comics

Titel: The Team of Luthor and Brainiac

Autor/Zeichner: Cary Bates, Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (Superman #167)


Es war nur eine Frage der Zeit. Wenn Lex Luthor es alleine nicht schafft, Superman zu besiegen, würde er sich früher oder später einen Verbündeten suchen. Nach seinem erneuten Knastausbruch (und einem gescheiterten Mordanschlag) braucht er einen Gedankenübertragungshelm, um den richtigen Partner zu finden. Da der Helm ins All und in die Vergangenheit schauen kann, erfährt Luthor die Entstehungsgeschichte von Brainiac.

Der ist nämlich nicht nur ein Außerirdischer, sondern auch eine Maschine, die von anderen (tyrannischen) Maschinen geschaffen wurde. Doch Brainiac ist seit seiner jüngsten Begegnung mit Superman im Knast. Allerdings ein Knast mit einer entscheidenden Schwachstelle: Wenn’s brennt, geht die Tür auf. Da musste erst Luthor drauf kommen. Kaum ist der Schurke draußen, schraubt Luthor ihm am Gehirn herum, um ihn nicht nur klüger, sondern auch gefügig zu machen. (Dafür wird Brainiac sich später revanchieren.)

Zusammen locken sie Superman in eine Falle: Sie berauben ihn seiner Kräfte, verkleinern ihn und sperren ihn in einen Käfig. Allerdings gehen sie dabei noch schlampiger vor als Superman mit seinem Knast: Sie sperren nicht einmal die Tür zu. Superman haut ab, startet eine von Luthors Raketen und ruft so Hilfe aus der Flaschenstadt Kandor herbei. Brainiac versetzt ihn dafür ins Koma, kann jedoch nicht verhindern, dass eine Horde kleiner Supermänner die Schurken überwältigt, sie verkleinert und sie in Kandor vor Gericht stellt.

Doch weil Superman in einem Koma steckt, aus dem ihm nur Brainiac befreien kann, werden die Schurken begnadigt, wenn er Superman wieder befreit. So geschieht es auch – und Superman muss die beiden Erzfeinde von dannen ziehen lassen. Na ja, dann bis zum nächsten Mal …

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Duell unter roter Sonne

DC Comics

Titel: The Showdown Between Luthor and Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1963 (Superman #164)


Lex Luthor hat die Schnauze voll. Während er im Knast sitzt, fliegt Superman frei herum. Und warum? Nur weil Superman eifersüchtig ist auf das Genie! Es muss keinen großen Sinn ergeben, jedenfalls bricht Lex mal wieder aus (indem er eine Maschine zu einem Panzer umbaut). Und dann fordert er Superman zu einem Kampf heraus, bei dem beide die gleichen Chancen haben – ohne Superkräfte.

Man könnte argumentieren, was Lex an Kräften fehlt, hat er im Kopf. Man könnte sagen: Er ist schon so oft gegen Superman gescheitert, dass sich jeglicher weitere Zweikampf erübrigt. Superman muss also keinem noch etwas beweisen, Lex ist in der Bringschuld. Trotzdem willigt Superman ein. Warum eigentlich? Wegen seines Rufs. Superman fürchtet, für einen Feigling gehalten zu werden, wenn er die Herausforderung nicht annimmt. Die naheliegendste Lösung wäre, den flüchtigen Verbrecher wieder zu verknacken. Aber dann gäbe es die folgende Story nicht … Und so bleibt keine andere Erklärung als: Es geht ums Ego.

Um zu einem Planeten mit roter Sonne zu fliegen, baut Superman sogar eine Rakete. Sie fliegen auf einen Wüstenplaneten, bauen sich einen Ring, ziehen ihre Hemden aus und prügeln sich. Superman gewinnt, Lex liegt am Boden. Hier könnte die Geschichte zu Ende sein.

Doch als Superman Wasser holt, um Lex aus dem K.O. zu holen, lässt dieser einen Kakteenwald wachsen, sodass sie Superman zu erdrücken drohen. Dann rollt er noch einen Felsen auf ihn. Superman kann die Gefahren zwar abwenden, aber als ein Sandsturm ausbricht, verdurstet er fast in der Wüste.

Lex findet eine Stadt mit Menschen, macht sich beliebt, indem er böse Vögel verjagt und verspricht ihnen, mehr Wasser zu besorgen. Obwohl er alte Maschinen wieder instand setzt und fleißig gräbt, scheitert er. Am Ende findet ihn Superman, sie kämpfen noch einmal in einem Ring, Lex schickt einen Tornado und einen Roboterhund auf ihn los, aber Superman wird mit allem fertig, auch im Zweikampf mit Lex.

Doch der lässt sich absichtlich besiegen, damit er mit Superman zu einem Eisplaneten fliegen und den Menschen auf dem Wüstenplaneten Wasser verschaffen kann. Offenbar ist er nicht so ein Mistkerl, wie er gerne wäre. Aber das verrät er Superman natürlich nicht – so viel Ego muss sein.

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Supermans Tod: Vergebliche Re-Animation

Warner Bros.

Titel: The Death of Superman

Regie/Drehbuch: Jack Castorena, Sam Liu/Peter Tomasi

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Superman ist vor 80 Jahren zur Welt gekommen und vor 25 Jahren gestorben – Anlass genug, die Story nochmal als Animationsfilm zu erzählen. DC folgt damit dem erfolgreichen Rezept, Comic-Klassiker zu verfilmen, statt auf neue Storys zu erzählen. Bereits 2007 hat man Superman vs. Doomsday antreten lassen mit dem gleichen Ergebnis, aber das hatte nur lose, sehr lose mit der Vorlage zu tun. Elf Jahre später bittet man die Fans erneut zur Kasse, um eine zweite Chance zu bekommen: The Death of Superman.

Das Ergebnis? Vorhersehbar. Tatsächlich hält sich der Film eng an die Vorlage. Das Problem ist leider nur, dass die Vorlage nicht besonders interessant ist. Der Film macht ein wenig davon wieder gut, vieles andere macht er wiederum schlechter.

Das Gute: Die echte Justice League darf zuerst gegen Doomsday kämpfen. Während es im Comic eine ziemlich lahme Truppe aus Zweit- und Drittligisten war (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd), kriegen wir hier endlich unter anderem Wonder Woman, Flash, Green Lantern und sogar Batman geboten. Außerdem findet das Finale am Abend statt, was viel dramatischer ist, als im Comic, wo alles im stimmungslosen Tageslicht passiert.

Das Schlechte: alles andere. Am Anfang sehen wir ein steriles, totes Metropolis, in dem nur drei Leute auf der Straße zu sein scheinen, eine beliebige Bande raubt eine Bank aus, Superman hält sie auf. Das ist ein Beginn, der für jeden anderen Superman-Film durchgehen würde, aber hier werden nur Minuten verschwendet, die nichts mit der Story zu tun haben. Die Comic-Story hingegen beginnt mit Doomsdays Hand, die gegen ihre Gefängniswand schlägt – was viel bedrohlicher erscheint. Im Film taucht Doomsday erst sehr spät auf – das zwar sehr wirkungsvoll als Asteroid, der eine Raumstation zerstört, ohne dass Superman hilft, aber trotzdem eine vertane Chance.

Clark Kent offenbart sich unbeholfen Lois als Superman. Aber während die Comic-Vorlage hier wenigstens eine Splash-Page für diesen historischen Moment übrig hat, tut es Clark hier in Bibbos Bar, mitten unter Leuten, wo er nicht wirkungsvoll sein Hemd aufreißen kann, sondern nur die Brille abnimmt und Lois die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fällt. Die Szene hat höchstens Wert in Sachen unfreiwilliger Komik. Danach gibt es nichts zu lachen, denn der Großteil des Films besteht (wie der Comic) aus nichts als stumpfer Prügelei. Selbst Lex Luthor versucht sein Glück in einem Kampfanzug, aber egal.

Ansonsten ist The Death of Superman einer dieser am Fließband produzierten, generischen Zeichentrickfilme, die steift, steril und tot wirken. Da hilft auch alles Blutvergießen nichts. Doomsday ist ein beliebiges Monster, das nicht genug gewürdigt wird, um so zu wirken, wie es in den Comics tut. Die Animation fehlt es an Dynamik und interessanten Perspektiven. Es scheint, als wäre dieser Film ein weiterer Beleg dafür, wie tot DCs alte Kunst des Zeichentrickfilms ist, wie man sie von Batman: The Animated Series bis heute verehrt. Dabei sollte gerade ein Animationsfilm es schaffen, Comic-Panels zum Leben zu erwecken. Neue Impulse für altbekannte Storys sind von DC bislang nicht zu erwarten. Man geht lieber auf Nummer sicher.

Teil 2, Reign of the Supermen, erscheint 2019.