Lex Luthor

Zwei glorreiche Halunken

DC Comics

Titel: The Team of Luthor and Brainiac

Autor/Zeichner: Cary Bates, Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1964 (Superman #167)


Es war nur eine Frage der Zeit. Wenn Lex Luthor es alleine nicht schafft, Superman zu besiegen, würde er sich früher oder später einen Verbündeten suchen. Nach seinem erneuten Knastausbruch (und einem gescheiterten Mordanschlag) braucht er einen Gedankenübertragungshelm, um den richtigen Partner zu finden. Da der Helm ins All und in die Vergangenheit schauen kann, erfährt Luthor die Entstehungsgeschichte von Brainiac.

Der ist nämlich nicht nur ein Außerirdischer, sondern auch eine Maschine, die von anderen (tyrannischen) Maschinen geschaffen wurde. Doch Brainiac ist seit seiner jüngsten Begegnung mit Superman im Knast. Allerdings ein Knast mit einer entscheidenden Schwachstelle: Wenn’s brennt, geht die Tür auf. Da musste erst Luthor drauf kommen. Kaum ist der Schurke draußen, schraubt Luthor ihm am Gehirn herum, um ihn nicht nur klüger, sondern auch gefügig zu machen. (Dafür wird Brainiac sich später revanchieren.)

Zusammen locken sie Superman in eine Falle: Sie berauben ihn seiner Kräfte, verkleinern ihn und sperren ihn in einen Käfig. Allerdings gehen sie dabei noch schlampiger vor als Superman mit seinem Knast: Sie sperren nicht einmal die Tür zu. Superman haut ab, startet eine von Luthors Raketen und ruft so Hilfe aus der Flaschenstadt Kandor herbei. Brainiac versetzt ihn dafür ins Koma, kann jedoch nicht verhindern, dass eine Horde kleiner Supermänner die Schurken überwältigt, sie verkleinert und sie in Kandor vor Gericht stellt.

Doch weil Superman in einem Koma steckt, aus dem ihm nur Brainiac befreien kann, werden die Schurken begnadigt, wenn er Superman wieder befreit. So geschieht es auch – und Superman muss die beiden Erzfeinde von dannen ziehen lassen. Na ja, dann bis zum nächsten Mal …

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Duell unter roter Sonne

DC Comics

Titel: The Showdown Between Luthor and Superman

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Curt Swan

Erschienen: 1963 (Superman #164)


Lex Luthor hat die Schnauze voll. Während er im Knast sitzt, fliegt Superman frei herum. Und warum? Nur weil Superman eifersüchtig ist auf das Genie! Es muss keinen großen Sinn ergeben, jedenfalls bricht Lex mal wieder aus (indem er eine Maschine zu einem Panzer umbaut). Und dann fordert er Superman zu einem Kampf heraus, bei dem beide die gleichen Chancen haben – ohne Superkräfte.

Man könnte argumentieren, was Lex an Kräften fehlt, hat er im Kopf. Man könnte sagen: Er ist schon so oft gegen Superman gescheitert, dass sich jeglicher weitere Zweikampf erübrigt. Superman muss also keinem noch etwas beweisen, Lex ist in der Bringschuld. Trotzdem willigt Superman ein. Warum eigentlich? Wegen seines Rufs. Superman fürchtet, für einen Feigling gehalten zu werden, wenn er die Herausforderung nicht annimmt. Die naheliegendste Lösung wäre, den flüchtigen Verbrecher wieder zu verknacken. Aber dann gäbe es die folgende Story nicht … Und so bleibt keine andere Erklärung als: Es geht ums Ego.

Um zu einem Planeten mit roter Sonne zu fliegen, baut Superman sogar eine Rakete. Sie fliegen auf einen Wüstenplaneten, bauen sich einen Ring, ziehen ihre Hemden aus und prügeln sich. Superman gewinnt, Lex liegt am Boden. Hier könnte die Geschichte zu Ende sein.

Doch als Superman Wasser holt, um Lex aus dem K.O. zu holen, lässt dieser einen Kakteenwald wachsen, sodass sie Superman zu erdrücken drohen. Dann rollt er noch einen Felsen auf ihn. Superman kann die Gefahren zwar abwenden, aber als ein Sandsturm ausbricht, verdurstet er fast in der Wüste.

Lex findet eine Stadt mit Menschen, macht sich beliebt, indem er böse Vögel verjagt und verspricht ihnen, mehr Wasser zu besorgen. Obwohl er alte Maschinen wieder instand setzt und fleißig gräbt, scheitert er. Am Ende findet ihn Superman, sie kämpfen noch einmal in einem Ring, Lex schickt einen Tornado und einen Roboterhund auf ihn los, aber Superman wird mit allem fertig, auch im Zweikampf mit Lex.

Doch der lässt sich absichtlich besiegen, damit er mit Superman zu einem Eisplaneten fliegen und den Menschen auf dem Wüstenplaneten Wasser verschaffen kann. Offenbar ist er nicht so ein Mistkerl, wie er gerne wäre. Aber das verrät er Superman natürlich nicht – so viel Ego muss sein.

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Supermans Tod: Vergebliche Re-Animation

Warner Bros.

Titel: The Death of Superman

Regie/Drehbuch: Jack Castorena, Sam Liu/Peter Tomasi

Erschienen: 2018 (Direct-to-Video)


Superman ist vor 80 Jahren zur Welt gekommen und vor 25 Jahren gestorben – Anlass genug, die Story nochmal als Animationsfilm zu erzählen. DC folgt damit dem erfolgreichen Rezept, Comic-Klassiker zu verfilmen, statt auf neue Storys zu erzählen. Bereits 2007 hat man Superman vs. Doomsday antreten lassen mit dem gleichen Ergebnis, aber das hatte nur lose, sehr lose mit der Vorlage zu tun. Elf Jahre später bittet man die Fans erneut zur Kasse, um eine zweite Chance zu bekommen: The Death of Superman.

Das Ergebnis? Vorhersehbar. Tatsächlich hält sich der Film eng an die Vorlage. Das Problem ist leider nur, dass die Vorlage nicht besonders interessant ist. Der Film macht ein wenig davon wieder gut, vieles andere macht er wiederum schlechter.

Das Gute: Die echte Justice League darf zuerst gegen Doomsday kämpfen. Während es im Comic eine ziemlich lahme Truppe aus Zweit- und Drittligisten war (Booster Gold, Blue Beetle, Guy Gardner, Ice, Fire, Bloodwynd), kriegen wir hier endlich unter anderem Wonder Woman, Flash, Green Lantern und sogar Batman geboten. Außerdem findet das Finale am Abend statt, was viel dramatischer ist, als im Comic, wo alles im stimmungslosen Tageslicht passiert.

Das Schlechte: alles andere. Am Anfang sehen wir ein steriles, totes Metropolis, in dem nur drei Leute auf der Straße zu sein scheinen, eine beliebige Bande raubt eine Bank aus, Superman hält sie auf. Das ist ein Beginn, der für jeden anderen Superman-Film durchgehen würde, aber hier werden nur Minuten verschwendet, die nichts mit der Story zu tun haben. Die Comic-Story hingegen beginnt mit Doomsdays Hand, die gegen ihre Gefängniswand schlägt – was viel bedrohlicher erscheint. Im Film taucht Doomsday erst sehr spät auf – das zwar sehr wirkungsvoll als Asteroid, der eine Raumstation zerstört, ohne dass Superman hilft, aber trotzdem eine vertane Chance.

Clark Kent offenbart sich unbeholfen Lois als Superman. Aber während die Comic-Vorlage hier wenigstens eine Splash-Page für diesen historischen Moment übrig hat, tut es Clark hier in Bibbos Bar, mitten unter Leuten, wo er nicht wirkungsvoll sein Hemd aufreißen kann, sondern nur die Brille abnimmt und Lois die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fällt. Die Szene hat höchstens Wert in Sachen unfreiwilliger Komik. Danach gibt es nichts zu lachen, denn der Großteil des Films besteht (wie der Comic) aus nichts als stumpfer Prügelei. Selbst Lex Luthor versucht sein Glück in einem Kampfanzug, aber egal.

Ansonsten ist The Death of Superman einer dieser am Fließband produzierten, generischen Zeichentrickfilme, die steift, steril und tot wirken. Da hilft auch alles Blutvergießen nichts. Doomsday ist ein beliebiges Monster, das nicht genug gewürdigt wird, um so zu wirken, wie es in den Comics tut. Die Animation fehlt es an Dynamik und interessanten Perspektiven. Es scheint, als wäre dieser Film ein weiterer Beleg dafür, wie tot DCs alte Kunst des Zeichentrickfilms ist, wie man sie von Batman: The Animated Series bis heute verehrt. Dabei sollte gerade ein Animationsfilm es schaffen, Comic-Panels zum Leben zu erwecken. Neue Impulse für altbekannte Storys sind von DC bislang nicht zu erwarten. Man geht lieber auf Nummer sicher.

Teil 2, Reign of the Supermen, erscheint 2019.

Noch ein letzter Kryptonier

DC Comics

Titel: Last Son (of Krypton) (dt. Kryptons letzter Sohn)

Autor/Zeichner: Geoff Johns, Richard Donner/Adam Kubert

Erschienen: 2006-2008 (Action Comics #844-846, #851, Action Comics Annual #11), Paperback 2013; dt. Panini 2013


„You’ve taught humanity to rely on you and not fight for themselves.“ (Lex Luthor)

Superman gilt als der letzte Kryptonier. Eine traurige Figur. Doch das blieb nicht lange so: Da gab es Cousine Supergirl, General Zod und seine Mitstreiter und es gab die ganze Stadt Kandor. Der letzte Kryptonier ist also keineswegs allein mit sich.

In Last Son geht es genau darum: Es kommt ein Kind zur Erde, das offenbar von Krypton stammt. Das Militär nimmt ihn in Obhut, Superman befreit es, dann will sich Lex Luthor den Jungen holen und bringt Bizarro ins Spiel. Letzten Endes ist der Junge nur die Vorhut von Zod, dem Vater des Kindes, der mit den anderen Gefangenen aus der Phantomzone die Weltherrschaft übernimmt. Selbst die Justice League kommt dagegen nicht an.

Superman landet selbst in der Phantomzone, er verbündet sich mit Lex Luthor und anderen klassischen Schurken. Hier beginnt der wahre Spaß. Geoff Johns und Richard Donner (Regisseur der ersten beiden Superman-Filme) entwerfen eine typische All-Star-Story, die alles bietet, was Superman-Fans kennen und lieben: die größten Schurken, Krypton-Backstory, eine vernichtende Alien-Invasion – und das alles dargestellt in vielen großen, atemberaubenden Splash Pages. (Allerdings bin ich kein großer Fan von Adam Kubert, die Zeichnungen seines Bruders Andy sprechen mich persönlich eher an.)

Dabei wird das Rad leider nicht gerade neu erfunden: Lex Luthor geht wieder in seiner Rolle als xenophobes Genie auf, das sich in seinem Kryptonier-Hass bestätigt sieht und Superman die Schuld dafür gibt, nicht den Krebs besiegt zu haben. Superman, so Luthor, sei auch verantwortlich dafür, dass die Menschen sich zu sehr auf ihn verlassen, statt selbst nach Höherem zu streben. Das alles hat man schon oft gelesen.

Leider bleibt die Story auch hinter der Erwartung zurück, dem kryptonischen Jungen, der später Christopher Kent getauft wird, so etwas wie einen Charakter zu geben. Dafür aber bekommt Zod eine ungeahnte Tiefe, als er sich als Mann mit einst noblen Motiven entlarvt.

Anmerkung: Die 2013er Ausgabe enthält auch die Storyline Brainiac von Geoff Johns und Gary Frank.

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Jeder will ein Held sein

DC Comics

Was macht einen Helden aus? Außergewöhnliche Fähigkeiten? Oder vielmehr außerordentliche Taten? In der bislang unveröffentlichten Superman-Story Too Many Heroes (1945), die in der Jubiläumsausgabe Action Comics: 80 Years of Superman erschienen ist, wollen plötzlich sehr viele den Helden spielen. Denn in der Geschichte von Jerry Siegel und Joe Shuster geht es um Geld. Ein reicher Schauspieler vermacht auf dem Sterbebett demjenigen eine Million Dollar, der sich innerhalb einer Woche als größter Held beweist. Als Testamentsvollstrecker engagiert er Jonathan Trundle, einen der miesesten Anwälte der Stadt, nach dem Zufallsprinzip.

Kaum hat der Daily Planet die Story gedruckt, begehen plötzlich sehr viele Menschen in Metropolis Heldentaten. Kleiner Haken: sie alle sind fingiert. Ein Zoowärter lässt einen Tiger frei, ein Mann wirft einen anderen vor einen Bus, einer stürzt sich von einer Brücke usw. Schließlich aber wird Trundle selbst von der Nichte des Schauspielers gerettet, später erwidert er den Gefallen und wird selbst zum Begünstigten.

Natürlich hilft Superman kräftig mit, dass es dazu kommt. Er legt für den Loser-Anwalt ein gutes Wort beim Richter ein. Und am Ende findet Trundle nicht nur einen Topf voll Gold, sondern auch die große Liebe. Moral: Jeder kann ein Held sein – selbst der größte Versager. Aber die Story ist viel interessanter, weil sie die Frage aufwirft, was Heldentum ausmacht. Wer nur für Geld den Helden spielt, ist ein Betrüger und verdient keine Belohnung. (Allerdings lässt das Polizisten und Feuerwehrleute in einem fragwürdigen Licht dastehen.) Da hat DC jedenfalls für den Jubiläumsband eine schöne Geschichte aus dem Archiv gegraben. Und dankenswerterweise wurde sie unkoloriert und offenbar auch sonst unbearbeitet abgedruckt – am Rand kann man immer noch handschriftliche Anmerkungen lesen.

DC Comics

Die zweite neue Geschichte im Jubiläumsband ist The Game. Die Comic-Urgesteine Paul Levitz und Neal Adams erzählen von einem Schachspiel zwischen Superman und Lex Luthor. Die Szene erinnert an das Spiel der Erzfeinde und Freunde Charles Xavier und Erik Lehnsherr aus X-Men, aber leider kommt hier weder ein interessanter Dialog zustande noch sonst irgendeine Spannung. Nach wenigen Panels ist Luthor matt, dann fesselt Luthor Superman mit Kryptonitketten (Klischee) und Superman befreit sich sofort daraus dank einer Motherbox von Scott Free (Deus ex machina). Ende der Geschichte. So schnell gelesen wie vergessen. Eine Enttäuschung.

Die dritte neue Superman-Story ist Supersquare, ein zweiseitiger Comic Essay von Gene Luen Yang. Ein Mann, der dem Autor ähnlich sieht, wirft Superman vor, langweilig und lächerlich zu sein. Warum ist Superman so ein Spießer?, fragt er. Aber Superman schweigt. Der Autor antwortet sich selbst: Weil Superman ein Alien, ein Immigrant sei, müsse er sich wie ein mustergültiger Staatsbürger benehmen. Dadurch werde er von den Menschen akzeptiert. Ein interessanter Gedanke, leider etwas einfallslos ausgeführt …

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Supermans Aufstieg, Luthors Fall

DC Comics

Titel: Superman – Up, Up and Away (dt. Auf, auf und davon!)

Autor/Zeichner: Kurt Busiek, Geoff Johns/Pete Woods, Renato Guedes

Erschienen: 2006 (Superman #650-653, Action Comics #837-840), Paperback 2006; dt. Panini 2007


„You’re the worm in the apple, Superman …“ (Lex Luthor)

Ein Jahr nach der Infinite Crisis: Superman hat keine Kräfte mehr, lebt nur noch als Clark Kent. Wenn’s Ärger gibt, ruft er Supergirl. Lex Luthor hat seine politische Karriere hinter sich und ist von der Justiz freigesprochen worden. Doch seine Firma will ihn nicht mehr wieder, sein guter Ruf ist endgültig ruiniert. Jetzt will er Rache: Er schnappt sich den Sunstone von Krypton, entführt den Kryptonite Man, klaut alles Kryptonit zusammen und will Metropolis vernichten.

Up, up and away ist eine Story, die in zweifacher Hinsicht den Status quo wiederherstellt: Superman bekommt allmählich seine Kräfte wieder (einfach so), er kann zunächst nur springen, bevor er fliegen kann. Er wächst mit seinen Aufgaben. Und Lex Luthor ist kein gewiefter Unternehmer, sondern mehr der Mad Scientist, der sein Genie nur dazu benutzt, alles in Schutt und Asche zu legen, um sein Ego zu pampern. Wir sehen zu, wie der eine wieder aufsteigt und der andere noch tiefer sind.

Luthors Feldzug ist persönlich. Eigentlich wollte er Krebs heilen und den Welthunger bekämpfen, aber er gibt Superman die Schuld dafür, dass daraus nichts geworden ist. Am Ende kommt es zu einem Faustkampf … Und dann noch zu einem unnötig langen Epilog. Aber schließlich ist die Story eine im Großen und Ganzen runde Sache. Es gibt ein gutes Gleichgewicht zwischen Action und Zwischenmenschlichem, man kommt auch ohne Vorkenntnisse gut rein und findet raus, ohne unbedingt weiterlesen zu müssen. Als Extra gibt es Gastauftritte einiger anderer Superhelden.

Up, up and away ist eine solide wie altmodische Superhelden-Story, nur im neuen Gewand. Leider überzeugen die Zeichnungen nicht ganz, was Ausdruck und Einfallsreichtum angeht. Aber alles erfüllt hier ganz seinen bescheidenen Zweck.

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Die letzte Superman-Geschichte

Titel: Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (dt. Was wurde aus dem Mann von morgen?)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Curt Swan

Erschienen: 1986 (Superman #423, Action Comics #583), Paperback 1997, 2006 (DC Universe: The Stories by Alan Moore), 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?); dt. Panini 2010 (Paperback)


„I think I’m going to die, and there’s so much in my life I have to get straight …“ (Superman)

Nachdem die Crisis on Infitite Earths das DC-Universum auf Null gesetzt hat, wurde es Zeit, von Superman Abschied zu nehmen, wie man ihn kannte. Also erschien in den Serien Superman und Action Comics die letzte Story über den Helden – vor dem Reboot (Man of Steel). Doch dabei handelte es sich auch nur um eine „Imaginary Story“, eine „Was wäre wenn“-Geschichte nach der Tradition des Silver Age.

Im Jahr 1997 ist Superman seit zehn Jahren tot. Lois Lane, die geheiratet hat, gibt einem Reporter ein Interview darüber, wie es zum Ende des Helden gekommen ist. Viele Schurken waren bereits erledigt, als eine Kette von Ereignissen in Gang kam: Bizarro begeht Suizid, nachdem er Amok läuft. Toyman und Prankster enthüllen öffentlich, dass Superman Clark Kent ist. Brainiac ergreift Besitz von Lex Luthors Körper. Eine Bande Metallos stürmt den Daily Planet und greift Clark Kents Freunde an. Superman rettet sie in die Festung der Einsamkeit. Brainiac folgt ihm dorthin zum letzten Gefecht.

Niemand kann behaupten, Batman hätte es nicht versucht.

Es kommen noch viele andere Helden und Schurken wie der Kryptonite Man. Doch die meisten Helden können Superman nicht helfen, weil sie von einem Energiefeld abgeschirmt werden (selbst Batman kommt nicht rein, obwohl er mit einem Holzknüppel dagegen schlägt). Viele sterben – selbst Krypto, der Hund mit dem Cape. Am Ende ist der schuld, der bisher gefehlt hat: Mr. Mxyzptlk, der Quälgeist aus der fünften Dimension. Superman tötet ihn. Aber weil Superman nicht töten darf, bringt er sich daraufhin selbst um. Er läuft durch ein Lager mit Goldenem Kryptonit, wodurch er seine Kräfte verliert, und erfriert daraufhin im arktischen Eis.

Aber natürlich ist das eine Lüge: Superman lebt mit Lois Lane als Jordan Elliott (abgeleitet von Jor-El) und hat mit ihr ein Kind, das mit bloßen Händen Kohlenstücke in Diamanten verwandeln kann. Das bedeutet aber auch, dass Superman offenbar nicht darunter zu leiden scheint, seinen Widersacher getötet zu haben.

Eine seltsame Geschichte. Hier geht es darum, vieles zu einem Abschluss zu bringen, aber ohne kanonischen Anspruch. Das heißt, dass wir sehen nur ein mögliches Szenario, das zugleich als Hommage an die Comics aus den 50ern und 60ern dient. Trotz der abgehetzten Handlung findet sich Raum für Komtemplation: Superman geht davon aus, dass er sterben wird, und will noch einiges zum Abschluss bringen, wie etwa Lois seine Liebe gestehen.

23 Jahre später, als Batman starb, erschienen nach diesem Vorbild zwei „letzte“ Batman-Ausgaben: Whatever Happened to the Caped Crusader? von Neil Gaiman und Andy Kubert.

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Superman im grünen Bereich

DC Comics

Titel: Kryptonite (dt. Kryptonit)

Autor/Zeichner: Darwyn Cooke/Tim Sale

Erschienen: 2007-2008 (Superman Confidential #1-5, 11), Paperback 2008, dt. Panini 2008 (Superman-Sonderband 25)


Wie Superman das Kryptonit entdeckte und dabei auch Krypton fand, haben wir bereits erzählt. Aber manche Geschichten, so ein Prinzip von unendlichen Meta-Erzählungen, kann man immer wieder neu erzählen. So dachte es sich Darwyn Cooke, der hier nur als Autor fungiert. Die Geschichte verläuft hier etwas anders: Den grünen Stein hat hier kein falscher Wahrsager, sondern ein zwielichtiger Casinobetreiber mit dunkler Vergangenheit (Jason Gallo). Auf ihn setzt Perry White Lois, Clark und Jimmy an. Lois flirtet mit ihm. Und Superman fällt vom Himmel, als er zum ersten Mal die grüne Strahlung von Kryptonit spürt. Lex Luthor kommt dahinter, dass der Stein Supermans Schwachpunkt ist.

Erzählt wird die Geschichte scheinbar auch aus der Perspektive des Kryptonit-Brockens. Zunächst wirkt es, als hätte er ein Bewusstsein und würde teilnahmslos beobachten, was um ihn herum geschieht. Das sind zunächst menschliche Graumsamkeiten. Außerdem spürt er die Präsenz des Kryptoniers uns sehnt sich nach dessen Nähe. Am Ende stellt sich heraus, dass nur eine außerirdische Instanz steckt. Dieser Historiker zeigt Superman schließlich, wo er herkommt – und so schließt sich doch der Kreis zur Vorlage (Superman #61, 1949).

Über allem schwebt die Frage, die sich Superman selbst stellt: Ist er wirklich unverwundbar oder hat er seine Schwachstelle nur noch nicht gefunden? Bevor er mit dem grünen Stein konfrontiert wird, geht er fast bei einem Einsatz gegen einen Vulkanausbruch drauf. Nachdem er seine erste Kryptoniterfahrung macht, wird ihm nicht nur seine Sterblichkeit bewusst, sondern dadurch auch seine Menschlichkeit. Auch wenn er erfährt, dass er von Krypton stammt und Kal-El heißt, will er am Ende doch nur Clark Kent von der Erde sein. (Nebenbei erfahren wir, dass Superman im Schrank ein paar Clark-Roboter aufbewahrt, die ihm ein Alibi verschaffen, wenn er zufällig als Superman mit Jimmy nach Hause kommt.)

Tim Sale gehört zu meinen Lieblingszeichnern und er bietet auch hier einige eindrucksvolle Panels, aber ich habe den Eindruck, dass er in seinen früheren Werken in besserer Form war. Seine Batman-Werke (The Long Halloween, Haunted Knight) und Superman for All Seasons wirkten mutiger und konsequenter, dieses Comic ist dagegen ziemlich gewöhnlich. Von daher ist es fast schon schade, dass Darwyn Cooke nicht selbst gezeichnet hat. Alles in allem ist Kryptonite kein schlechter Neuaufguss, aber auch kein sonderlich überzeugender. Die Figur des Jason Gallo wirkt deplaziert – und am Ende erweist sie sich auch als überflüssig. Lex Luthor ist nur ein unbeteiligter Beobachter, der sich schließlich nimmt, was er will. Dass er selbst am Tatort auftaucht, lässt ihn aus der Rolle fallen. Aber um Continuity scheint sich Cooke ohnehin nicht groß zu scheren. Auch wenn diese Geschichte bodenständiger und damit moderner sein will, war das Original gerade wegen seiner naiven Abgedrehtheit um einiges sympathischer.

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Alles nochmal, aber anders

DC Comics

Titel: Birthright

Autor/Zeichner: Mark Waid/Leinil Francis Yu

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-12), Paperback 2005; dt. Panini 2005 (Miniserie #1-6), Eaglemoss DC-Collection 2015 (2 Bände)


Fast 20 Jahre lang galt John Byrnes The Man of Steel (1986) als kanonischer Superman-Origin. 2003 erzählte Mark Waid die Geschichte neu. Das Wesentliche bleibt: Es beginnt mit Krypton und dem Kind in der Rakete. Dann sehen wir den jungen Clark Kent bei einem Einsatz in Afrika. Und dann kommt das Übliche: Ankunft in Metropolis, erste Gehversuche als Reporter, erste Einsätze als Superman, Rückblenden nach Smallville. Clark Kent ist in Metropolis ein Außenseiter, der sich damit schwertut, Anschluss zu finden. Er leidet unter seiner doppelten Identität.

Eine wichtige Änderung und gleichzeitig eine Rückkehr zu den Ursprüngen ist die Causa Lex Luthor. Wahrscheinlich beeinflusst von der TV-Serie Smallville haben Clark und Lex wieder eine gemeinsame Vergangenheit in der Jugend. Das war auch schon in den Comics des Silver Age der Fall (Stichwort: Superboy), wurde aber von der Crisis getilgt. Jetzt also doch. Lex ist das missverstandene Wunderkind mit geringer emotionaler Intelligenz, Clark ist der einzige, der Zeit mit ihm verbringt – und man fragt sich, warum eigentlich. Lex weiß alles, kann alles und verliert seine Haare bei einem gescheiterten Experiment. Zehn Jahre später ist er Milliardär und Chef eines Konzerns, der allen weit voraus ist.

Kaum erscheint Superman, versucht der fremdenfeindliche Luthor, ihn zu erledigen und die Menschen gegen ihn aufzuhetzen, indem er sie glauben lassen will, dieser sei die Vorhut einer feindlichen Invasion von Krypton. Plötzlich tapsen Riesenmonster durch Metropolis und böse Soldaten mit S-Symbol unterjochen die Menschen – alles Fake, damit sich Lex selbst als Retter inszenieren kann. Superman will den Schwindel auffliegen lassen, ist aber geschwächt durch Kryptonit …

Auf fast 300 Seiten wird in Birthright breitgetreten, was alle schon gewusst oder geahnt, aber so noch nicht gelesen haben. Nur eben länger, größer und spektakulärer. Fans bekommen alle bekannten Klischees aufgetischt: den über-knallharten Chefredakteur Perry White, den kleinen Loser Jimmy Olsen, der bloß gedemütigt wird und die überaus taffe Reporterin Lois Lane, in die sich Clark sofort verliebt. Sie kennen alle bloß ein Ziel im Leben: die Titelseite (und den Pulitzerpreis). Und dann gibt es natürlich noch lange Erklärungen dafür, warum Superman als Clark Kent niemand erkennt, obwohl er nur eine Brille trägt. Die Brille verändert die Gesichtsform heißt es, Clark lässt die Schultern hängen und spielt einen anderen. Und trotzdem wirkt es forciert (und fast schon selbstironisch), wenn Lois Clark lange ins Gesicht schaut und dennoch nicht drauf kommt, warum er ihr bekannt vorkommt. Ansonsten ist das letzte Drittel reine Action mit vielen Splash-Pages, in denen versucht wird, die großen Momente zu zelebrieren.

Alles schon zigmal gesehen und gelesen. Nur eben nicht so. Und nicht so sperrig gezeichnet wie hier. Vielleicht tragen auch die Zeichnungen dazu bei, dass ich mit Birthright nicht warm geworden bin. Abgesehen von dieser Geschmackssache ist die zwölfteilige Story (die als Paperback ohne Unterbrechung durch Covereinschübe erzählt wird) nur etwas für Neueinsteiger oder richtige Superman-Fans, die nicht genug davon bekommen können, immer wieder dieselbe Geschichte zu lesen.

Sechs Jahre später, nach der Infinite Crisis, als sich das DC-Universum wieder änderte, wurde auch Supermans Vorgeschichte umgeschrieben: in Secret Origin. Doch auch da bleibt der wichtigste Aspekt erhalten: Clark und Lex kennen sich aus Smallville, nur dass Clark schon da als Superboy wirkte.

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Luthor zeigt Superman seinen Jurassic Park

DC Comics

Titel: Superman versus Luthor/Luthor’s Undersea City

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Paul Cassidy

Erschienen: 1940 (Superman #4), Paperback 2016 (Superman: The Golden Age Vol. 2)


Der glatzköpfige Kerl auf dem Cover sieht aus wie ein alter Bekannter. Aber nein, es ist nicht Lex Luthor, der vor den zusammenfallenden Säulen davonläuft. Und auch wenn das Bild an den biblischen Samson erinnert: Es ist nicht Superman, der da einen Tempel einreißt. Die Story geht ganz anders. Aber am Ende läuft es dennoch darauf hinaus, dass Luthor die Flucht ergreift.

Die Story geht so: Zum ersten Mal in der Geschichte von Metropolis erschüttert ein Erdbeben die Stadt. Häuser fallen in sich zusammen. Offenbar aber nicht das Gebäude, in dem der Daily Planet (der hier umbenannte „Daily Star“) untergebracht ist. Clark soll eine Story darüber schreiben (seltsam, dass man das einem Reporter im Katastrophenfall, einer Breaking News-Lage, noch sagen muss). Erst dann kommt er auf die Idee, sich als Superman nützlich zu machen und Menschen zu retten.

Anschließend findet er heraus, dass das Beben von einer neuen Waffe der Armee verursacht wurde, die während eines Tests über die Stränge schlug. Clark will den Erfinder interviewen, aber der schlägt ihn bewusstlos und wirft ihn aus dem Fenster. Lösung: Es ist nicht der Erfinder, sondern einer von Luthors Schergen – der echte Wissenschaftler ist entführt. Als aus Clark Superman wird, will ihn Luthor mit einer Bombe erledigen, was natürlich fehlschlägt.

Superman beeindruckt Luthor.

Daraufhin bietet ihm Luthor, dessen Gesicht plötzlich auf einem Baumstamm erscheint, einen Wettbewerb an. Wenn seine Erfindungen Superman besiegen, muss Superman den Weg für Luthor freimachen. Superman sagt zu, ohne dass bei dem Deal für ihn herausspringt. So rennt Superman schneller als Luthors Flugzeuge, springt höher als sie, stemmt selbst die schwersten Gewichte und überlebt Granaten, Kanonenkugeln und Giftgas.

Luthor ist tief beeindruckt. Offenbar hat er vergessen, dass selbst die grünen Strahlen, die er kurz zuvor in Action Comics #23 verschossen hat, Superman nichts anhaben konnten und der Held sogar seine fliegende Festung zu Fall gebracht hat. Luthor kapituliert, lässt den entführten Wissenschaftler frei und haut ab. Superman folgt ihm zu seinem Versteck, muss einen Steinschlag und Wölfe abwehren, schließlich vernichtet er das Versteck und die Beben-Maschine – und Luthor ist spurlos verschwunden (wie schon sein Vorgänger Ultra-Humanite).

Luthor erscheint auf einer Rakete.

Doch schon in der nächsten Geschichte kehrt er zurück. Diesmal noch größer: mit einer Unterwasserstadt, Dinosauriern und einer Riesenratte. Wieder beginnt es mit einem ungewöhnlichen Naturphänomen: weltweit versiegen die Ölquellen. Als Superman rennt Clark nach Oklahoma. Eine Rakete verfolgt ihn, Luthors Gesicht erscheint darauf und warnt ihn, sich um seinen Kram zu kümmern. Aber wie kann Luthor wissen, wo Superman hin will? Woher weiß er überhaupt, wo Superman ist?

Superman vs. T-Rex: Ist das schon Tierquälerei?

Wie dem auch sei: Lois Lane kommt dazu, damit Superman jemanden zum Retten hat. Lois und Clark werden entführt, Clark befreit sie, man fliegt  zu Luthors Unterwasserstadt, die aus dem Meer auftaucht. Superman rettet Lois vor einem Flugsaurier und besagter Riesenratte, dann erklärt ihm Luthor alles in Ruhe, prahlt mit seinem Jurassic Park und bietet ihm wieder einen Deal an: Wenn Superman sich ihm anschließt, wird er bei der Unterwerfung der Welt gnädiger sein. Superman denkt drüber nach.

Superman denkt über Luthors Angebot nach.

Doch als kurz darauf Lois in einen Säuretank geworfen werden soll, ist die Bedenkzeit vorbei: Superman wirft einen Handlanger in die Säure (noch ein Toter), prügelt sich mit einem Tyrannosaurus Rex, weil Luthor das so will, am Ende fallen aber die Dinos über Luthor her, während die Armee Gasbomben über ihm abwirft.

Superman rettet Lois vor der Säure.

Bemerkenswert: Zuerst beeindruckt Superman Luthor, dann versucht Luthor Superman zu beeindrucken, um ihn auf seine Seite zu ziehen. Luthor will Supermans Anerkennung, aber er hat keine Chance. Trotzdem versucht er es. Und trotzdem spielt Superman mit. Man fragt sich aber die ganze Zeit: Warum zum Teufel macht er das? Warum packt er sich den Rotschopf nicht einfach, wie er es auch mit anderen Verbrechern macht, und liefert ihn bei der Polizei ab? Die Antwort kann man sich denken: Weil Luthor immer eine Chance braucht, um wiederzukehren.

Luthors Unterwasserstadt taucht auf.

Die Comics des Golden Age scherten sich nicht um Glaubwürdigkeit. Ihre Sache war es, das Unglaubliche darzustellen. Gerade am Anfang musste man Superman ständig Gelegenheit geben, sich als der weit Überlegene zu behaupten. Deshalb zerlegt er alles, was sich ihm in den Weg stellt mit Leichtigkeit und lässt keinen Kampf aus. Für Superman ist alles nur ein Spiel. Und in Luthor hat er einen besonderen Spielkameraden gefunden, einer der zumindest vom Anspruch her auf Augenhöhe mit ihm ist.

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