Lex Luthor

With A Little Help From My Friends

DC Comics

Titel: Universe’s Finest (dt. Fünf gegen Vandal Savage)

Autor/Zeichner: Tom Taylor, Peter J. Tomasi, Frank Tieri/Robson Rocha, Doug Mahnke, Alex Konat, Elia Bonetti, Guiseppe Cafaro

Erschienen: 2016 (Batman/Superman #28-32, #33-34, Annual #3), Paperback 2017 (Batman Superman Vol. 6)


„We’re more than friends, Bruce … We’re super-friends.“ (Superman)
„Say that again, and we’re most definitely not.“ (Batman)

Batman hat seine Prinzipien. Zum Beispiel, dass niemanden um Hilfe bittet. Jedenfalls nicht gern. Trotzdem gibt es ihn auch als Teamplayer. Ob mit der Bat-Family, der Justice League – oder eben als World’s Finest-Zweiergespann mit Superman. Im letzten Band der Batman/Superman-Serie fragt zunächst Superman um Rat: Auf dem Mond liegt die Leiche eines Riesenaliens, daneben ein kombiniertes Symbol beider Helden. Sie finden heraus, dass das etwas mit Krypton zu tun hat – und dann wird Batman auch noch von Lobo gejagt. Der Kampf zwischen Batman und Lobo ist das erste Highlight des Bandes. Schön gezeichnet ist das Ganze auch noch.

Danach folgen zwei Kapitel aus der Storyline The Final Days of Superman, deren Lektüre für sich genommen wenig Sinn ergibt, wenn man den Rest nicht kennt. In Kürze: Superman stirbt, zusammen mit Batman und Wonder Woman verfolgen sie einen neuen Superman nach China. Sie kämpfen gegen chinesische Superhelden, darunter den Yeti … Whatever.

Interessant wird es am Ende, in der dritten Geschichte: Criss Cross erzählt, wie sich einige Schurken von Batman und Superman in einer New Yorker Bar treffen und eine Wette abschließen, welchen Helden sie zu Fall bringen können. Batmans Schurken nehmen sich Superman vor, Supermans Schurken greifen Batman an. Es kommt zu einem amüsanten Doppelkampf mit Killer Croc, Livewire, Bane, Major Disaster, Poison Ivy und Atomic Skull. Batman fährt das Batmobil und trägt den Kampfanzug aus Batman v Superman, Superman wird von Bane übers Knie gelegt – zum Schluss gibt sich sogar Lex Luthor die Ehre. Alles Nonsens, nicht ernst zu nehmen, nicht ernst gemeint, aber so kurzweilig, witzig und (meistens) so ansprechend gezeichnet, dass es ein Riesenspaß für Fans ist.

Mehr solcher Geschichten hätten der Serie gut getan, leider blieb sie aber meist hinter den Erwartungen zurück. Schade eigentlich, aber immerhin ist das Finale sehr gelungen.

Mehr zum Thema:

 

Advertisements

Jeder darf mal

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice League

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ivan Reis, Doug Mahnke, Jason Fabok

Erschienen: 2014 (Justice League #30-39), Paperback 2015; dt. Panini 2016 (Paperback)


„You’re no different from those in Arkham, Luthor. You don’t have a colorful costume or carry a deck of cards. You don’t wear your psychosis on your sleeve like they do… But that’s what makes you more dangerous. You can hide among us.“ (Batman)

Lex Luthor hat die Welt gerettet. Jetzt will er der Justice League beitreten. Seine Begründung: Da kommt noch mehr auf die Erde zu. Aber Superman und Co. trauen Luthor nicht. Die Erfahrung mit ihm als Schurke lässt sich nicht wegdenken. Daraufhin versucht Luthor es bei Batman. Er kommt unangemeldet zu Bruce Wayne nach Hause, sagt ihm, dass er dessen Geheimnis kenne. Bruce stellt sich dumm. Und auch das Ziehen einer Handfeuerwaffe überzeugt Bruce nicht von Luthors edlen Motiven. (Warum wohl?)

Und dann gibt es noch das Vermächtnis von Power Ring, dem bösen Green Lantern von Erde 3. Dessen Ring hat sich ein neues Opfer gesucht: Jessica Cruz. Sie wird zum Träger wider Willen und lässt in Portland, Oregon, eine Flut an grünen Monstern und Flammen los. Die Doom Patrol greift ein, die Justice League folgt sogleich, es kommt zu einem kleinen, unmotivierten und auch nur halbherzigen Kampf.

Cyborg versucht in den Ring einzudringen. Lex Luthor versucht mit Drohungen an den Ring heranzukommen. Am Ende kann Batman durch gutes Zureden Jessica Mut machen, die Kontrolle zu übernehmen. Schließlich wird nicht nur sie in die Liga aufgenommen, obwohl sie weder sich noch den Ring im Griff hat, sondern auch Lex und nebenbei der infantile Shazam – offenbar nimmt man heutzutage jeden. Für Lex lautet der Grund: Man will ihn so besser beobachten …

In der zweiten Story, The Amazo-Virus, bereut die JL ihre Entscheidung. Bei einem gescheiterten Attentat auf Luthor wird aus seinem Labor ein Virus freigesetzt, das Menschen zunächst Superkräfte verleiht und sie kurz darauf sterben lässt. Auch die meisten Liga-Mitglieder werden infiziert. Man sucht nach Patient Null, doch als man ihn findet, trägt er nichts zur Lösung bei. Schließlich muss Superman Blut spenden, um die Sache zu lösen. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen den infizierten und den verschont gebliebenen Mitgliedern.

Die Story ist ziemlich spannungsarm erzählt, die meiste Zeit wird bloß geredet, wobei wir am meisten nur selbstverliebte Monologe von Lex Luthor lesen. Dabei wird das Ausmaß der Seuche nie richtig greifbar und auch die Tatsache, dass die halbe Liga besessen vom Virus ist, wirkt nie richtig bedrohlich. Der Umstand, dass Menschen Superkräfte bekommen, spielt eigenartigerweise keine große Rolle, was den Sinn hinter der Idee fraglich macht. Jeder kriegt mit den Kräften seine 15 Minuten Ruhm – das könnte auch für die Rekrutierungsstrategie der Justice League stehen. Kurz: Ein weiteres Routine-Abenteuer.

Am Ende aber gibt es einen neuen Amazo und Green Lantern Hal Jordan kehrt zurück. Wo war der eigentlich hin? Man verliert sehr leicht den Überblick, wenn man nicht gut aufpasst und dranbleibt …

Mehr zur Justice League:

Luthors Putschversuch mit Robotern

DC Comics

Titel: Rules of Engagement (dt. Kriegskonventionen)

Autor/Zeichner: Andy Diggle/Whilce Portacio

Erschienen: 2007 (Batman Confidential #1-6), dt. Panini 2007 (Sonderband)


„How can I expect to make a difference in this city when all I do is mop up the bloodstains…?“ (Bruce Wayne)

Wir springen zurück in Batmans Frühzeit, kurz nach dem Jahr eins: Als Batman einen Frauenmörder davor bewahrt, auch noch über ein Kind herzufallen, wird dieser aus der Ferne eingeäschert. Bruce Wayne forscht in seinem eigenen Unternehmen nach, wo gerade Roboter für die Armee entwickelt werden – in Konkurrenz zu Lexcorp. Durch Einschüchterung, Bestechung und Sabotage gewinnt Lex Luthor den Wettbewerb, doch er hat andere Pläne, als bloß Geld zu machen: er versucht sich mit seiner Roboter-Armee an einem Putsch der USA. Natürlich nur für den guten Zweck, Sicherheit und Frieden für alle herzustellen.

Der Rest ist schnell erzählt: Batman pflügt sich durch seine Gegner und hinterlässt eine Menge Schrott. Wir sehen das erste Mal das Batplane und das Bat-Motorrad in Aktion, zelebriert in doppelseitigen Panels. Es ist schade: Rules of Engagement beginnt mit einem spannenden, eindringlich erzählten Auftakt, aber läuft dann auf ein ziemlich plumpes Action-Finale hinaus. Dass am Ende Bruce Wayne den Rückzug aus der Waffenproduktion verkündet und sich fortan der Wohltätigkeit widmet, ist nur ein schwacher Trost. Whilce Portacio zeichnet einen ausdrucksstarken Batman, aber schwächelt bei der Mimik der Figuren. Insgesamt also eine kurzweilige, wenn auch durchschnittliche Lektüre.

Warum Batman niemals Trump wählen würde

President Lex Luthor (DC Comics)

President Lex Luthor (DC Comics)

Die Realität hat die Fiktion eingeholt. Endgültig. Denn die Fiktion kommt nicht mehr hinterher im Trump-Zeitalter. Neulich habe ich einen Cartoon gesehen, in dem das Dilemma eines Cartoonisten beschrieben wird: die Idee die er hat, wird vom US-Präsidenten schon vorweggenommen noch bevor der Cartoon veröffentlicht ist. Es wird immer schwerer, sich das Absurde auszudenken – denn es ist längst da. „Ist Fiktion endgültig an die Stelle von Geschichte getreten?“, fragte der Pubilizist Hartwig Tegeler neulich bei Deutschlandradio Kultur und zielte damit auf Superheldenfilme ab: „Spielt Milliardär Donald Trump einen milliardenschweren Superhelden wie Batman oder Iron Man nach? Oder umgekehrt?“

Tegeler geht davon aus, dass Hollywood unser Denken verändere und kritisiert, dass Superhelden einen großen Anteil daran hätten. „Das Problem an solchen Rettungen durch den Superhelden ist eine Vereinfachung von Welt, die in Dauerschleife vor uns abgespult wird und sich in der Wiederholung tiefer und tiefer eingräbt. Vereinfachung trifft im Zeitalter des Postfaktischen, von Fake News oder sogenannten „alternativen“ Faten auf einen fruchtbaren Boden.“ Superheldenfilme schienen mit Trump in der Realität angekommen zu sein, auch der neue US-Präsident sehe die Welt „superheldenmäßig, schwarz-weiß, Freund-Feind. Und diesen Feind gilt es nicht zu überzeugen, sondern auszumerzen.“

Schlechte Vorbilder für Trump

Ich weiß nicht, ob Tegeler mal einen Superheldenfilm der vergangenen Jahre gesehen hat. Er schreibt jedenfalls, als hätte er das nicht. Oder jedenfalls nicht genau. Denn dann wüsste er, dass gerade Batman und Iron Man die besten Beispiele dafür sind, dass moderne Superhelden schlechte Vorbilder für einen Haudraufpolitiker wie Trump sind. Man muss gar nicht tief in die Comics gehen, um das zu belegen. Bleiben wir bei den Filmen.

Batman bewahrte in Batman Begins die Welt von größenwahnsinnigen, selbsternannten Messias, der die Welt vom Bösen reinigen wollte, indem er eine Stadt zu vernichten drohte. In The Dark Knight wies ihm der Joker als nihilistischer Terrorist die Schranken seines Handelns. Geld, Gadgets und Gewalt brachten Batman nicht viel. Ja, er triumphierte vielleicht am Ende, aber der Joker lebte und lachte zuletzt, weil Batman alles verloren hatte, was ihm lieb und teuer war. Im dritten Teil der Nolan-Trilogie, The Dark Knight Rises, befreit Batman Gotham City von einem Despoten, der die ganze Stadt seiner Willkür unterjocht.

Tony Stark wird Pazifist

„Iron Man“ Tony Stark hingegen ist zwar so wie Bruce Wayne ein Milliardär, am Anfang sogar ein Waffenkonstrukteur, der den Krieg als Show zelebriert, aber schon in der ersten Hälfte seines Debutfilms macht er eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch. Nachdem er einen Anschlag überlebt hat, von Terroristen gefangen genommen wurde und sich befreit hat, schwört er dem Waffenhandel ab. Als Iron Man wird er selbst zur Ein-Mann-Waffe, um die Welt zu befrieden.

In diesem Punkt könnte man Tegeler Recht geben: Ja, Superhelden nehmen das Gesetz in die eigene Hand. Das ist ein typisch amerikanischer Western-Topos. Bedenklich, aber Superhelden brechen aus dem System nur deshalb aus, weil das System nicht funktioniert. Aber das macht sie noch nicht zu tumben Wutbürgern. Gotham City braucht Batman, weil die Stadt von Verbrechen und Korruption zerfressen ist, die Welt braucht Iron Man, weil sie sich sonst in den Abgrund hochrüstet. Dass einzelne sich das Recht rausnehmen, selbst die Welt besser zu machen, bleibt dennoch ein moralisches Dilemma der Helden. Am eindrücklichsten haben es die Watchmen vorgemacht, dass die Welt nicht so einfach zu retten ist und dass Helden es schwer haben, nicht als Schurken zu enden. Und heute steht die Doomsday-Uhr wieder auf kurz vor zwölf … Aber nicht wegen der Superhelden.

Superman gegen Hitler

Im Gegenteil. Superhelden waren von Anfang an Freiheitskämpfer, die sich gegen Unterdrückung und Diktatur wandten. Man darf nicht vergessen: Superman wurde (wie auch viele andere seiner Art) von Juden erfunden, die einen Gegenentwurf zum Übermenschen der Nazis schufen. Superman (übrigens ein Flüchtling und illegaler Einwanderer) hat im Comic einst Hitler vor Gericht gestellt, Captain America hat den Diktator einfach vermöbelt. Rund 60 Jahre später wurde Supermans Erzfeind Lex Luthor Präsident der USA, die Helden setzten ihn bald darauf ab, anderhalb Jahrzehnte später ist mit Donad Trump tatsächlich ein industrieller Schurke an der Macht und regiert wie ein Faschist.

Warum ist es soweit gekommen? Weil zu viele Menschen die Welt schwarz-weiß sehen? Vielleicht. Aber sie tun es bestimmt nicht wegen Superheldenfilmen oder -comics. Gerade diese Helden haben – seit etwa 30 Jahren im Comic und seit 17 Jahren auch im Kino – immer wieder die vielen Graustufen aufgezeigt: vom Film X-Men, der im KZ beginnt und wo ein Holocaust-Überlebender zum Rassisten wird, bis hin zu Captain America: Civil War, wo sich Superhelden die Frage gefallen lassen müssen, welche Folgen ihre Taten nach sich ziehen. (Ein ähnliches Thema, wenn auch schlechter umgesetzt, hat auch Batman v Superman). „Aus großer Macht folgt große Verantwortung“ – das hat das Publikum schon früh bei Spider-Man gelernt. Donald Trump hat das nie verinnerlicht.

Das Problem ist jetzt: in der Realität gibt es keine Superhelden, die einen wie Trump ausschalten könnten. Und selbst wenn es sie gäbe, würden sie sich wahrscheinlich zunächst mit ihm arrangieren, so wie sie es mit Lex Luthor getan haben. Man kann nur hoffen, dass das Böse eines Tages sich selbst vernichtet. Dass das Gute triumphiert. Das ist die Hoffnung, die Utopie und das Heilsversprechen, das Superhelden immer wieder vermitteln.

Mann aus Stahl, Comic aus Blei

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – American Alien

Autor/Zeichner: Max Landis/Ryan Sook, Jae Lee, Jock, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2016 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2016; dt. Panini 2016 (Paperback)


„… whatever happened to the man of tomorrow?“ (Lex Luthor)

Superman ist lahm. Als Figur ist er eine Ikone, aber kein interessanter Charakter. Auch seine Entstehungsgeschichte war noch nie besonders spannend. Zwar hat er, wie Batman, seine Eltern verloren – aber es war kein traumatisches Erlebnis. Superman ist zwar die Geschichte eines Außenseiters, aber keines Normalos, sondern eines Überfliegers in jeglicher Hinsicht. Es ist nicht leicht, sich in jemanden hineinzuversetzen, der in allem super ist und dessen einziges Problem ist, zu gut für diese Welt zu sein.

Und trotzdem wird immer wieder versucht, Supermans Origin neu zu erzählen. Nach John Byrnes Man of Steel von 1986, der den modernen Superman definierte, aber heute lachhaft erscheint, kam Ende der 90er die Idylle Superman for All Seasons, im neuen Jahrtausend Birthright, Secret Origin, Earth One und Grant Morrisons Reboot von The New 52 – ganz zu schweigen von der TV-Serie Smallville, die zehn Staffeln lang die Vorgeschichte als Teenager-Seifenoper ausbreitete. Superheldengeschichten sind Geschichten einer Entwicklung – die Anfänge, das Entdecken der Kräfte, waren schon immer die reizvollsten Aspekte dieser modernen Mythen.

Clark Kent als Bruce Wayne

Und jetzt noch einmal: American Alien. Erzählt wird wieder alles von vorn. Als gäbe es da noch etwas Neues zu erzählen. Max Landis erzählt es eben ein bisschen anders, aber doch in alter Gewohnheit. In sieben Episoden, von der Kindheit bis Supermans Anfängen, jedes Kapitel hat einen anderen Zeichner. Clark Kent lernt fliegen. Clark Kent überwältigt einen Geiselnehmer. Und es wird viel geredet. Nach sehr viel Nabelschau beginnt ein wenig Handlung: Clark Kent kommt durch Zufall auf Bruce Waynes Yacht, gibt sich als Wayne aus, macht Party und hat Sex.

Doch die Handlung kommt nicht in Gang. Eigentlich wird nur geredet, was meist schwafeln bedeutet. Auch als Clark in Metropolis ankommt, landet er in einer Bleiwüste aus Sprechblasen. Lange Dialoge mit Lois Lane, ein ewiger, selbstgefälliger Monolog von Lex Luthor, ein altkluges Gespräch mit Dick Grayson, der ihm die Idee dazu gibt, dass Batman einen Gegenpol brauche (wtf?), schließlich ein Treffen mit Batman. Zugegeben: das ist stark, wie Batman zum Gruß Clarks Gesicht auf den Schreibtisch knallt und dann von ihm selbst gegen die Wand gedrückt wird. Da helfen auch weder Elektroschocker noch Pfeffersprays. Eine Sequenz zum Schmunzeln. Aber das war’s auch schon mit dem Spaß.

Superman: American Alien #4 (Jae Lee Variant)

DC Comics

Am Ende des Kampfes trägt Clark Batmans zerfetzten Umhang. Wie schon zuvor, als ihm als Kind ein zerfetztes T-Shirt zum Cape wurde. Lex Luthor bringt ihn auf die Idee, sein S-Symbol auf der Brust zu tragen. Das Buch ist voll von solchen Andeutungen mit dem Holzhammer. Dieser Fanservice nervt, denn er trägt mehr zur Mythenbildung als zum Charakter Clark Kent bei – obwohl das Buch doch eigentlich genau letzteres will.

Superman beginnt seine Karriere also mit Batmans Cape, Fliegermütze und einem selbstbemaltem schwarzen T-Shirt. (Denn die Variante mit T-Shirt und Arbeiterstiefeln hatten wir schon bei Morrison.) Doch kaum kommt mal mit dem Parasiten ein wenig Action in diese lahme Angelegenheit, endet der Kampf ganz schnell wieder, um mal wieder ein paar Leute Vorträge halten zu lassen: Lois Lanes pathetisch, Lex Luthor arrogant – der Leser gelangweilt. Und so geht das immer weiter, auch Pete Ross darf lang und breit seinen Senf abgeben. Nebenbei erfahren wir, dass Supermans das S-Symbol auch auf der Brust trägt, weil er hofft, dadurch von seinesgleichen gefunden zu werden.

Zwischendrin schauen auch mal ein paar Promis vorbei: Oliver Queen (Green Arrow) zum Beispiel, oder zwei Green Lanterns als Deus ex machina, die Clark den Arsch retten, als er zum ersten Mal ins Weltall fliegt. Die Lanterns teilen ihm mit, dass er von Krypton komme, und später sagt Lobo Superman, dass dieser der letzte seiner Art sei. Mit anderen Worten: wieder ein Vortrag. Wie ermüdend.

Ein wenig entschädigt wird man durch die Zeichnungen von Jae Lee (Batman/Superman), Francis Manapul (Detective Comics) und auch Jock (The Black Mirror), die anderen Zeichner können, was Ausdruck angeht, da nicht mithalten – das zieht die Qualität insgesamt stark runter. Herrlich anzusehen sind auch die einfallsreichen Cover von Ryan Sook, von denen leider die ersten beiden falsche Erwartungen wecken: Auf dem ersten sehen wir einen jungen Clark mit rotglühenden Augen im Maisfeld stehen – das wirkt bedrohlich, hat aber nichts mit der Handlung zu tun. Gleiches gilt für das zweite, das einen Mugshot von Clark zeigt, das ihn als jugendlichen Delinquenten darstellt – obwohl er in dem Kapitel kein Verbrechen begeht, sondern eines verhindert.

Aber auch die besten Zeichner können American Alien nicht vor der Belanglosigkeit bewahren. Wer sich tiefer mit dem Wesen von Superman beschäftigen will, sollte lieber den Comic-Essay It’s a Bird … lesen – das ist immer noch das Eichmaß der Superman-Kritik. Von American Alien ist jedoch jedem abzuraten, der nicht vor Langeweile sterben will.

Robin macht noch als Leiche Ärger

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 6: The Hunt for Robin (dt. Die Jagd nach Robin)

Autor/Zeichner: Peter Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert

Erschienen: 2014 (Batman and Robin #29-34, Robin Rises: Omega #1); dt. Panini 2015 (Sonderband)


„If you try to take Damian’s body again I’m going to kill you and make sure you never come back.“ (Batman zu Ra’s al Ghul)

Damian und seine Mutter Talia sind immer noch tot, aber ihre beerdigten Körper sind verschwunden (siehe Batman Incorporated Vol. 1-2) – denn Ra’s al Ghul lässt nicht locker: er will Tochter und Enkel wiederbeleben. Obwohl Batman in einem Anfall von Wahnsinn selbst versucht hat, seinen Sohn von den Toten zurückzuholen (siehe Requiem for Damian), hat er etwas gegen die Grabschändung und versucht, die Damians Leiche wieder zurück in ihr Grab zu bringen.

Auch wenn es im Grunde um Robin geht, bleibt der sechste Band von Batman and Robin strenggenommen eine Mogelpackung. Schon in den letzten zwei Bänden kam Robin kaum bis gar nicht vor. In Teil fünf (The Big Burn) fiel das allerdings nicht auf, weil Two-Face in gewisser Weise die Rolle des Sidekicks übernahm, und hier stehen andere Helden Batman bei seiner Quest zur Seite: Zunächst Aquaman, dann Wonder Woman, dann wieder Frankenstein, schließlich andere Justice League-Mitglieder wie Lex Luthor, Shazam und Cyborg. Die Familienangelegenheit nimmt immer größere Ausmaße an.

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Ra’s al Ghul versucht zunächst, eine Lazarusgrube auf der Paradiesinsel ausfindig zu machen – dagegen haben die Amazonen jedoch etwas. Nachdem der Versuch scheitert, nimmt er sich eine Grube unter der ehemaligen Tibet-Stadt Nanda Parbat vor, was übrigens ohne Widerstand funktioniert. Hier kann man sich fragen: Warum nicht gleich so? Aber die Antwort auf die Frage kann man sich denken: Sonst gäbe es keinen Konflikt mit den Amazonen und Wonder Woman. Weil Ra’s aber auch noch einen mysteriösen Energie-Kristall benutzt, den Darkseid haben will, wird Damians Sarkophag (nach einer Keilerei mit der Liga) nach Apokolips entführt – und Batman folgt ihnen in einem Mega-Kampfanzug als „Hellbat“. Holy Shit, sieht das cool aus! Doch plötzlich ändert sich Batmans Meinung wieder: er will Robin doch lebendig zurückbringen …

Abgesehen von diesen Löchern im Plot ist The Hunt for Robin eine vergnügliche und visuell ansprechende Lektüre (auch dank Andy Kubert). Der klassische Heldenreisen-Aufbau mit seinen verschiedenen Stationen und Weggefährten sorgt für viel Abwechslung und Action, und wegen der persönlichen Motive der Hauptfiguren wird die Jagd nach dem MacGuffin dramatisch aufgeladen. Seinen Höhepunkt bekommt die Story, wenn Batman Ra’s droht, ihn umzubringen, wenn er noch einmal Damian entführen sollte. Aber so weit kommt es dann doch nicht. Nein, Batman begnügt sich damit, andere anzuschreien, zu fluchen und um sich zu schlagen. Good old Batman …

Luthor und Joker gründen ein Start-up

Batman versus Superman, Teil 27: Superman and Batman’s Greatest Foes (1957)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman and Batman’s Greatest Foes

Autor/Zeichner: Edmond Hamilton/Dick Sprang

Erschienen: 1957 (World’s Finest #88), Hardcover: World’s Finest Comics Archives Vol. 2 (2001), Batman & Superman in World’s Finest: The Silver Age Omnibus Vol. 1 (2016)


„… there’s something bigger behind this jokes!“ (Superman)

„Good partners, I mean, cellmates should never argue!“ (Batman)

Die ersten gemeinsamen Abenteuer der World’s Finest, Superman und Batman, waren bisher Kinkerlitzchen. Hier bekommen sie es endlich mit richtigen, klassischen Schurken zu tun, denn zum ersten Mal machen Lex Luthor und der Joker gemeinsame Sache. Ihr Plan ist so genial, dass die beiden Schurken sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Der Joker lobt Luthors Genie, Luthor lobt Jokers Sinn für Humor. Die beiden gründen ein Unternehmen, eine Fabrik, um genau zu sein. Ganz legal, ganz offiziell. Was sie herstellen, ist zunächst geheim, aber sie beteuern ehrliche Geschäftsmänner werden zu wollen. Also düsen sie gemeinsam im Jokermobil durch die Gegend und lachen über den Witz, den sie auf Kosten der Helden machen.

DC Comics

DC Comics

Die bleiben nämlich skeptisch. Auch als die Schurken der Öffentlichkeit präsentieren, was sie gebaut haben: die Mechano-Men, menschenähnliche Roboter, die selbst bei starker Hitze und großem Druck schwere Arbeiten verrichten können. Doch selbst als Superman und Batman eine Demonstration sehen, vermuten sie einen Schwindel. Dreimal glauben sie auch, die Schurken auf frischer Tat ertappt zu haben: der Joker fängt einen Mann in einem Käfig, dann versucht er, einen mit seinem Auto zu überfahren, einmal bringt Luthor eine Lawine in Gang. Doch jedesmal erweisen sich die Aktionen als Experimente für die Mechano-Men.

Batman und Superman stehen immer wieder als Idioten da.

Und trotzdem geben sie nicht auf. Auch als Superman sich als Mechano-Man ausgibt und er meint, die Verdächtigen bei einem Raub zu erwischen, stellt sich das Ganze als sauber heraus. Erst beim fünften Versuch haben die World’s Finest Recht: Luthor und Joker geben eine Show mit ihren Mechano-Men, während sie parallel dazu eine Bank ausrauben. Natürlich haben die wachsamen Helden längst alles durchschaut und buchten die Gauner ein. Auf eine Frage kommt aber niemand: Warum der ganze Aufwand, um Geld zu stehlen, wenn man es mit der Erfindung so viel leichter hätte ehrlich verdienen können? (Und woher hatten sie überhaupt die Mittel, die Fabrik und die Roboter zu bauen?) Als Unternehmer taugen sie jedenfalls nichts. Aber hier gilt wohl das Sprichwort: old habits die hard. So genial war der Plan dann doch nicht.

(P.S.: Mit dem Cover hat die Story übrigens nichts zu tun.)

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Superman von der Kette gelassen

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman Unchained

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jim Lee, Dustin Nguyen

Erschienen: 2013-2015 (Mini-Serie #1-9, Paperback 2015/2016) dt. Panini 2015 (Serie)/2016 (Paperback)


„You’re living in a place between. Don’t you see that? A limbo that can’t last.“ (Wraith)

„Your whole life is on a collision course with reality.“ (Wraith)

Raumstationen fallen vom Himmel, Wolkenkratzer stürzen ein – dahinter steckt die Terror-Organisation Ascencion – und Superman muss sich um alles allein kümmern. Dann attackiert ihn auch noch General Lane und hetzt eine Superwaffe auf ihn, den Außerirdischen Wraith, eine lebende Atombombe, die schon lange darauf wartet Superman zu töten. Zunächst beschützt Wraith ihn, dann verhaut er ihn ein bisschen, dann lädt er ihn zu sich nach Hause ein, dann haut man gemeinsam ein paar Roboter kaputt, tauscht Tipps aus, schließlich gibt’s wieder Keile untereinander. Parallel zu diesem Spielchen bricht Superschurke und Erzfeind Lex Luthor aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus (man hat es ihm sehr leicht gemacht) und versucht erneut, in aller Seelenruhe (Homer lesend und Origami faltend) Superman nun wirklich und endgültig umzubringen. Und am Ende gibt’s noch eine Alien-Invasion …

Aber davor versucht es noch General Lane, indem er über Supermans Festung der Einsamkeit herfällt. Parallel dazu dringt Wraith in die Bathöhle ein – und dort kommt es zu einer herrlichen Verwüstung: Batman wirft zunächst das Batplane auf den Schurken, dann alle Batmobile, die es je gab (kein Problem, da sie versichert sind). Wonder Woman kommt zur Hilfe und erschlägt Wraith mit dem Riesenpenny („Penny for your thoughts“), Wraith schlägt zurück mit dem Robo-Dinosaurier. Reiner Unsinn – aber wegen der Verspieltheit ist die Episode lesenswert, auch wenn Batman in der Story eigentlich keine Funktion hat.

Superman Unchained ist der Versuch von Autorenwunderkind Scott Snyder, nach Batman auch den anderen großen DC-Helden zu der Größe zu verhelfen, die ihm gebührt. Ob es gelingt, kommt darauf an, welche Ansprüche man stellt. Es ist, wie oben beschrieben, eine Story, in der viel zu viel passiert, aber eigentlich geht es die meiste Zeit um Keilereien im Großformat: Zuerst Superman gegen Wraith in der Horizontalen, einmal um den Globus, dann in der Vertikalen, ins All und zum Erdmittelpunkt. Die Alien-Bedrohung im Finale wird etwas lieblos abgehandelt. Superman mus selbst zur Bombe werden, um die Invasoren zu vernichten – er opfert sich, ohne Fragen zu stellen. Die Handlung wirkt beliebig. Star-Zeichner Jim Lee illustriert das Ganze zwar in der gewohnten epischen Qualität – larger than life -, aber an diesem detailversessenen Stil hat man sich mittlerweile sattgesehen. Aufgelockert wird der Stil durch die Kapitel von Dustin Nguyen, der einen etwas ‚künstlerischeren‘ Einschlag hat.

Panini

Panini

Immerhin bemüht sich Snyder mit der Backstory aus Clarks Jugend in Smallville um ein wenig Charaktertiefe. Und mit Lex Luthors Monolog gelingt ihm auch eine interessante, weil äußerst kritische Analyse der Figur:

„… Superman, whoever he is, is trial and error. (…) He avoids a situation and it worsens; next time, he involves himself. The point I’m making is that Superman doesn’t stand for anything. He’s just a man, stumbling through life. He’s not a great beacon, he’s barely a candle, lighting a path for himself the best he can. And as we all know, eventually … candles go out.“

Superman als Fehlender, der seinen Weg durch die Dunkelheit sucht – das ist ein treffendes Bild. Man muss ihn wohl so darstellen, wenn man ihn von seinem Pfadfinder-Image abbringen will. Er soll mehr Mensch als Übermensch sein. Das Dilemma ist: Als Suchender nach sich selbst scheint der Charakter nie irgendwo anzukommen, wodurch sich diese Ichfindung schnell erschöpft. Wenn er aber seinen Charakter definiert, wirkt er zu perfekt – und damit auch langweilig. Dass man diesen Widerspruch nicht auflösen kann, wird wohl immer das Problem an Superman bleiben.

Das ist Selbstmord

Batman versus Superman, Teil 24: Dawn of Justice (2016)

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman v Superman – Dawn of Justice

Regie/Drehbuch: Zack Snyder/Chris Terrio, David S. Goyer

Erschienen: 2016


„Ich bin ein Freund Ihres Sohnes.“ (Batman zu Martha Kent)

Was ist der Reiz von Comicverfilmungen? Genauer gesagt: Von Superhelden-Verfilmungen? Es geht darum, gezeichneten Figuren Leben einzuhauchen. Sie mit echten Darstellern, also Menschen, der Realität ein wenig näher zu bringen. Und den Zuschauer ein wenig mehr dem Unmöglichen. Superheldenfilme sind dem Rezipienten etwas näher als Comics. Sie geben die Aussicht auf einen besseren, stärkeren und edleren Menschen. Sie enthalten das Versprechen: auch du könntest ein Superheld sein, ein Gott. Wie Christopher Reeve und Christian Bale. Oder neuerdings: wie Henry Cavill und Ben Affleck. Alles, was es dazu braucht, ist ein schickes Kostüm und ein paar Spezialeffekte aus dem Computer. – So scheint es jedenfalls.

Bei dem ersten Gipfeltreffen von Batman und Superman im Kino geht es genau darum: um den Kampf zwischen Mensch und Gott. Superman ist ein zweifelhaftes Wesen zwischen Erlöser und Bedrohung, Batman agiert als Korrektiv und Katastrophen-Prävention. Man kann sich kaum einen besseren Konflikt für einen großen Film vorstellen, ausgetragen von zwei der ikonischsten Figuren. Und Batman v Superman hat auch sonst alles, was es braucht, um diesen Konflikt glaubhaft und packend auszutragen. Und dennoch macht der Film alles falsch.

Kaum Aufarbeitung

Zunächst: er ist schlicht langweilig. Regisseur Zack Snyder schafft es zu keinem Zeitpunkt, für seine Geschichte Interesse zu wecken. Er scheint sich selbst auch für keinen Charakter zu interessieren – immer noch, denn das war schon bei Man of Steel das Problem. In Sachen Farbgebung hat man zwar aus den Fehlern gelernt, nun ist alles in Sepia getaucht statt in Grau, aber die Fortsetzung macht fast genauso wenig Spaß wie der Vorgänger. Der neue Film ist überfrachtet mit öden Subplots, führt wichtige Charaktere wie Lex Luthor und Wonder Woman kaum ein, entwickelt sich schwerfällig und wenn es endlich zur Hauptsache, dem Kampf der Titelhelden kommt, hat Snyder bereits jegliche Spannung verspielt. Statt den Kulturschock und den Schaden stärker aufzubereiten, den die Vernichtungswelle durch Superman und Zod hinterlassen hat, tritt ein kaum ausgeführter, aber umstrittener Einsatz Supermans gegen irgendwelche Terroristen in den Vordergrund.

Das Gleiche passiert auch mit Batman: Abgesehen davon, dass seine Keilerei mit Superman viel zu kurz kommt, tritt der dahinterstehende Konflikt zu schnell in den Hintergrund, als die Entführung von Martha Kent durch Lex Luthor alles verdrängt. Dass der zum Äußersten bereite Batman seine Mordabsichten an Superman vergisst, sobald er erkennt, dass Supermans Mutti, die zufällig auch Martha heißt, in Gefahr ist, überzeugt wenig. Ben Affleck füllt die Rolle als grauer Batman mit Dreitagebart zwar gut aus, aber diese Rolle ist bedenklich. Dass Batman überhaupt zum Bruch seines einzigen Tabus bereit ist, wird nie thematisiert, geschweige denn problematisiert. Auch wenn er am Ende – viel zu spät – klassischerweise gegen Schurken kämpft, scheint er keine Skrupel zu haben, über Leichen zu gehen.

Kino mit der Brechstange

Zack Snyder zitiert fleißig die Tradition, Frank Millers The Dark Knight Returns und Dan Jurgens‘ The Death of Superman, zum Teil Wort für Wort und Bild für Bild, aber setzt kaum bemerkenswerte eigene Impulse. Stattdessen tut er das, wofür er immer schon bekannt war: Kino mit der Brechstange. Martialische Auftritte von Batman im Batmobil und Rüstung, Muskelspielchen von Superman, ein an Blitzen und Explosionswellen überladenes Finale gegen das seelenlose Monster Doomsday. Die Zerstörungsorgie ist ebenso ermüdend wie bei Man of Steel, nur dass es dieses Mal keine zivilen Opfer zu geben scheint. Am Ende bleibt nur noch eine Staubwolke übrig. Der Tod von Superman lässt einen kalt – weil Snyder noch nie darin investiert hat, mit diesem Charakter warm zu werden. Da hilft auch nicht die plötzlich vorausgesetzte Beziehung zu Lois Lane.

Lois ist ebenso wie Wonder Woman bloß schmückendes Beiwerk. Klassische Nebencharaktere und potenzielle Sympathieträger wie Perry White und Alfred bleiben ebenso blass. Bei Lex Luthor kann auch ein fähiger Schauspieler wie Jesse Eisenberg nichts daran ändern, dass die Figur nicht über das Klischee eines verrückten Wissenschaftlers hinausgeht. Sein irres Gestammel nervt so sehr, dass man schmerzlich den genialen wie eiskalten Geschäftsmann aus den Comics vermisst. Über ihn erfährt man ebensowenig wie über das Schicksal des verfallenen Wayne Manor.

Letztendlich krankt der Film auch an seinem Anspruch, eine neue Justice League zu etablieren und damit Interesse für die Fortsetzung zu wecken. Bruce Waynes Vision von einem apokalyptischen Kampf gegen eine Allianz von Superman und dem Schurken Darkseid (nur angedeutet durch das Omega-Symbol, Paradämonen und das Teufelsgemälde) wirkt zusammenhanglos wie ein Fremdkörper; gerade comicfremde Zuschauer dürften damit wenig anzufangen wissen. Auch die bemühte Einführung anderer „Metawesen“ wie Aquaman, Flash und Cyborg bremst den Fluss der Handlung unnötig aus. Hiermit will DC schnell zu Marvel aufschließen, packt aber bloß zu viel Stoff in einen Film, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Lust an DC-Kino ist vergangen

Doch noch bevor es mit der großangelegten Justice League weitergehen kann, ist das DC Extended Universe ein Rohrkrepierer. Zack Snyder kann mit den DC-Helden nicht umgehen. DC Comics kann keine Filme. Ja mehr noch: Es zerstört im Kino seinen eigenen Mythos. Außer Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie und Watchmen ist Warner Bros. im neuen Jahrtausend kein sehenswerter DC-Film gelungen: Schon Superman Returns und Green Lantern, ganz zu schweigen von Catwoman, sind große Fehlschläge gewesen. Das Reboot des Filmuniversums mit Man of Steel enttäuschte mit einer schwachen Vorstellung. Batman v Superman sollte das besser machen, es sollte der Film des Jahres werden, nun ist er die größte Enttäuschung des noch jungen Jahrhunderts der Filmsuperhelden – und lässt nichts mehr von Zukunftsprojekten wie Wonder Woman und vor allem Justice League erwarten.

Ein Satz von Alfred, den er zu Bruce Wayne sagt, erweist sich als treffende Bilanz für die Filme: „Das ist Selbstmord.“ So bleibt einem Fan nur, die Highlights in angenehmer Erinnerung zu behalten, die bereits in den Trailern gezeigt wurden, und sich vorzustellen, wie aus diesen vielversprechenden Elementen ein fantastischer oder wenigstens viel besserer Film hätte werden können. Alle richtigen Zutaten waren da, nur wurden sie falsch zusammengemischt. Zu hohe Erwartungen wurden geweckt, zu viele Versprechen nicht eingehalten. Die Lust auf mehr ist dahin. DC sollte sich lieber auf seine Kernkompetenz Comics konzentrieren und Warner sollte seine Filmhelden lieber in die Hände von Marvel legen. Die wüssten damit so viel mehr anzufangen.

>> Weitere Beiträge in der Serie Batman versus Superman

Das dynamische Trio

Batman versus Superman, Teil 23: The Batman/Superman-Story (2007)

Das dynamische Trio: Batman, Superman und Robin. (Warner Bros.)

Das dynamische Trio: Batman, Superman und Robin. (Warner Bros.)

Titel: The Batman/Superman-Story

Drehbuch: Alan Burnett, Steve Cuden

Erschienen: 2007 (The Batman S05E01-02 (E53-54))


No man in a tin can is going to beat the Man of Steel.“ (Lex Luthor)

Als Superman zu Besuch in Gotham City ist, hetzt ihm Lex Luthor Metallo auf dem Leib. Glücklicherweise sind Batman und Robin in der Nähe, um dem Stählernen den Maschinenmann mit dem Kryptonitherz vom Leib zu halten. Superman zeigt seine Dankbarkeit, indem er einen Röntgenblick unter Batmans Maske wirft (vgl. World’s Finest, 1997). Batman ist nicht erfreut. Doch das war nur der Auftakt von Lex‘ Racheplan: Danach beauftragt er Batmans halbe Rogues Gallery, um Superman auszuschalten – Black Mask, Bane, Mr. Freeze und Clayface. Weil auch hier wieder das dynamische Trio triumphiert, kommt Plan C zum Einsatz. Lex bringt Superman dank einer Mischung aus Kryptonitstaub und Poison Ivys Gift in seine Kontrolle. Daraufhin müssen Batman und Robin gegen Superman kämpfen. Batman behilft sich mit Kryptonit, das er Superman fieserweise in den Pyjama steckt, später steigt der Dunkle Ritter in seine Panzerrüstung, unterstützt wird von Robin, der mit Raketenantrieb durch die Gegend fliegt – und schließlich ist es auch dieser „Rockin‘ Robin“, der mit Raketen dem Kampf der Titanen ein Ende bereitet. Als Superman wieder zur Besinnung kommt, verbünden sich die drei gegen Lex, der mit einer Roboter-Armee die Weltherrschaft anstrebt …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Animationsserie The Batman hat im Vergleich zu der klassischen Serie aus den 90ern keinen Stil: ein grauenhafter Vorspann, völlig überzeichnete Charaktere, ein kindliches Szenario, Anbiederung an die Tradition ohne nennenswerte eigene Akzente zu setzen. Aber die Doppelfolge The Batman/Superman-Story hat durchaus Unterhaltungswert. Wenn man davon absieht, dass hier bloß abgestandene Motive wiederaufgewärmt, möglichst viele Figuren zusammengepfercht werden und die ganze Handlung unvermittelt und unmotiviert einsetzt, kann man sich wenigstens an der Action berauschen. Denn wen interessieren Plot und Charaktere, wenn man die beiden größten Superhelden von DC endlich dabei sieht, wie sie sich gehörig vermöbeln? In den bisherigen Episoden der Superman Animated-Serie hat es das nicht gegeben. Bemerkenswert ist auch der ungewöhnliche Rollentausch: Nicht Batman, sondern Superman ist hier der einsame Wolf, der keine Lust auf Teamwork hat. So muss ihn Batman erst dazu überreden, der Justice League beizutreten. Am Ende wird „Big Blue“ etwas geselliger und vertraut sogar Batman ein Stück Kryptonit an. Ende gut, alles gut: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

In diesem Sinne beenden wir (vorerst) unsere Serie und freuen uns auf kindliche Erwachsenenunterhaltung beim Kinofilm Batman v Superman.

Alle Teile der Serie Batman versus Superman zum Nachlesen:

Weitere Begegnungen und Kämpfe zwischen Batman und Superman: