Alan Grant

Poison Ivy und der Smaragdschädel

DC Comics

„Let the green revolution begin!“ (Poison Ivy)

Im Jahr 1997 bekamen die Annuals ein gemeinsames Rahmenkonzept verpasst: Unter dem Label Pulp Heroes wurden die DC-Superhelden in die Genres der Groschenromane gesteckt, also gewissermaßen zu ihren Ursprüngen zurückgeführt. „I Was The Love-Slave of a Plant-Based Killer“ von Alan Grant und Stefano Raffaele (Shadow of the Bat Annual #5) ist eine typische Detektivstory: Ein abgehalfterter Privatschnüffler namens Potato (der seinen Namen seinem vernarbten Gesicht zu verdanken hat) bekommt Besuch von Pamela Isley alias Poison Ivy, die ihm den Auftrag gibt, nach einem antiken Smaragdschädel zu suchen. Eintausend Dollar pro Woche überzeugen ihn, da braucht es keinen giftigen Kuss mehr, aber er bekommt ihn trotzdem.

Natürlich erweist sich die Dame als Femme fatale, denn der Kristallschädel bringt nur Ärger und bringt unseren Helden in Todesgefahr, aus der ihn Batman retten muss. Als Ivy ihren Schädel kriegt, stellt sich heraus, dass er Zauberkräfte hat. Mit ihm erschafft die Schurkin ihre typischen Mensch-Pflanzen-Hybride, um die Welt, wie wir sie kennen, zu zerstören und nach eigenem Bilde wiederaufzubauen.

All das ist nicht neu, das gab es schon ohne Zauberkristall, aber eben noch nicht im Hardboiled-Pulp-Genre. Obwohl kaum ein Klischee ausgelassen wird, gibt es doch einige schöne Momente. Zum Beispiel ruft der Held Batman, indem er sich ein Batsignal mit einer Taschenlampe bastelt und es an eine beliebige Hauswand wirft – der Trick funktioniert, Batman eilt sofort herbei.

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Poison Ivy und der Weltfrieden durch Hanf

DC Comics

Im Jahr 1996 hatte Poison Ivy gleich zwei größere Auftritte in Batman-Comics. In „Systemic Shock/Violent Reactions“ (Detective Comics #693-694, von Chuck Dixon und Staz Johnson) versprüht ein Pollenallergiker Entlaubungs- und Pflanzenvernichtungsmittel in Gotham. Naturgemäß hat Poison Ivy etwas dagegen, denn sie mag nur natürliche Gifte, die von Pflanzen produziert werden. Also bereitet sie für die Arkham-Ärzte einen Salat mit Tollkirschen, die sind naiv genug, den zu essen, und so bricht sie aus, um den Pflanzenfeind aufzuhalten.

Muss ich darüber noch mehr sagen? Ich denke nicht, daher gehen wir mal zur zweiten Geschichte aus dem Jahr 1996 über – die ist auch viel interessanter.

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Poison Ivy lässt die Pilze sprießen

DC Comics

Titel: Poison Ivy

Autor/Zeichner: Alan Grant/Brian Apthorp

Erschienen: 1995 (Batman: Shadow of the Bat Annual #3), Paperback 2016 (Batman Arkham: Poison Ivy)


Als im Jahr 1995 die Annuals Batmans Year One gewidmet wurden, waren nicht nur Scarecrow, Riddler, Man-Bat dran, sondern auch Poison Ivy.

Batman jagt einen Drogendealer. Als er einen Informanten zum Sprechen bringen will (mit Todesangst als Einschüchterung, auch Folter genannt), sprießen aus dem Zeugen plötzlich unzälige Pilze und er stirbt. Aus der Ferne schaut Poison Ivy zu, die völlig fasziniert von Batman ist: „the perfect man!“ Auch Bruce Wayne findet: „Poison Ivy is both beautiful and sexy!“ Das bekennt er vor Alfred, als er (Bruce) nackt unter der Dusche steht und sich den Wasserstrahl gerade in den Schritt schießen lässt – Alfred dreht dann das kalte Wasser auf, um ihn wieder zu sich kommen zu lassen.

Poison Ivy bekennt derweil, dass sie keine hohe Meinung von Männern hat: Alle seien arrogant, gierig und betrügerisch – höchstens gut als Kompost. Außer Batman vielleicht, der ist ihre große Hoffnung. Skrupellos erschießt sie ihre Handlanger, die sie ausrauben wollen. Ihr eigentlicher Plan: Die High Society mit einem Pilzgift zu infizieren, zu erpressen und auszurauben. Simple Waffengewalt hätte es für dieses Ziel auch getan, aber sei’s drum.

Keuscher Sex

Bruce Wayne spielt bei dem Raubzug den Helden, Poison Ivy drückt ihm einen Kuss auf, er verfällt ihr, doch vor allem hat er nur noch eine Stunde zu leben. Das Gegengift? Das verrät sie ihm nicht. Doch dann geht es einfacher als gedacht: Dank Bat-Tracer folgt er ihr ins Geheimversteck, verbrennt mit einer Phosphor-Fackel ihre Pflanzen, dann bekommt er einen weiteren Kuss von ihr.

Das Gute daran: Der zweite Kuss ist das Gegengift. Und das Beste: Sie weiß nicht, dass es der zweite ist. So kann Batman sie überwältigen. Und das ist im doppelten Sinne gemeint. Er fängt sie mit seinem Cape ein und sagt zwar: „I am completely immune to your charms!“, doch dabei ergreift er sie (bzw. legt sich sogar auf sie), während alles um sie herum in Flammen aufgeht. Das ist es, was der Darstellung von Sex im prüden Batman-Comic am nächsten kommt.

Zurück bleibt ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits erscheint Poison Ivy emanzipiert, andererseits nur in dem Rahmen, dass es bloß den richtigen Mann braucht, um sie zu verführen und zu zähmen. (Für was die Pilze stehen könnten, lassen wir mal beiseite.) Auch Batmans Rolle ist ambig: Einerseits verfällt er ihr, andererseits widersteht er ihr, auch wenn die Bildsprache sie doch zusammenführt und ihn dominieren lässt. Hauptsache, die Klamotten bleiben an. Wenn Batman keusch bleibt, scheint der Tag gerettet.

Für die Entwicklung von Poison Ivys Charakter erscheint diese Story als Rückschritt in die 60er.

>> Poison-Ivy-Comics

Pinguin: Wie alles begann

 

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Pinguin auf dem Cover von Secret Origins Special #1 (1989)

40 Jahre lang blieb der Pinguin unter den Batman-Schurken der große Unbekannte. Im Gegensatz zum Joker wusste man zwar, wie er mit wahrem Namen hieß, doch erst 1981 erfuhren die Leser, wie Oswald Chesterfield Cobblepot zum Pinguin wurde.

In The Origin of the Penguin (The Best of DC #10) erzählt Autor Michael Fleisher von einem Jungen, der nach dem Tod seines Vaters von einer kranken Mutter aufgezogen wird. Die Mutter hat eine Tierhandlung für Vögel und besteht drauf, dass Oswald jederzeit einen Regenschirm dabei hat – auch wenn draußen die Sonne scheint, denn der Vater soll sich einst in einem Gewittersturm seine tödliche Lungenentzündung geholt haben.

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Vögel sind die besseren Menschen, findet Oswald Cobblepot. (DC Comics)

Oswald tut seiner Mutter den Gefallen, aber sich selbst keinen, denn er wird dafür von anderen Jungs gehänselt, auch wegen seines Watschelgangs und seines Aussehens. Oswald sucht Zuflucht unter den Vögeln der Zoohandlung, studiert nach der High School Ornithologie und übertrumpft sogar das Wissen seiner Professoren. Nach dem Tod seiner Mutter bleibt Oswald allein zurück mit Schulden, die sie gemacht hat, um ihre Behandlung zu bezahlen. Die Zoohandlung wird gepfändet und er verliert seine Vögel.

Verbittert beschließt Oswald, sich dem Verbrechen zu widmen, doch er wird von einer Bande abgelehnt. Oswald baut einen Schirm zu einer Schusswaffe um, legt sich einen Frack zu und knallt den Anführer kaltblütig ab. Die anderen Gangster folgen ihm sofort und damit beginnt seine Karriere als Schurke mit Schirm, Charme und Zylinder.

The Killing Peck

Acht Jahre später (nach dem DC-Reboot der Crisis) wird die Entstehungsgeschichte etwas anders nacherzählt. Mit dem Titel, The Killing Peck (Secret Origins Special #1, 1989), orientiert sich Autor Alan Grant an dem ein Jahr zuvor erschienenen The Killing Joke, allerdings ohne sich in Form und Ausmaß damit messen zu wollen.

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Am schönsten ist es unter Vögeln. (DC Comics)

Der Pinguin entführt einen Mann namens Sharkey. Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit: Sharkey war einst sein Klassenkamerad, der ihn gemobbt und geschlagen hat. Er drückte Oswald das Gesicht ins Essen und verpasste ihm seinen Rufnamen: „Penguins just love fish!“ Bei einem Kostümball, als Oswald als Hamlet kam, hat ihn Sharkey sich zum Pinguin umziehen lassen.

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Training mit Monokel: Oswald plant seine Rache. (DC Comics)

Oswald begann dann zu trainieren: Gewichteheben und Kampfsport. Nach einigen Monaten verprügelte er Sharkey, dieser rächte sich dann an Oswald, indem er alle seine Vögel tötete. Nach Jahren spürt der Pinguin ihn wieder auf und rechnet mit ihm ab, indem er in dazu zwingt, Fisch zu essen. Schließlich will er ihn im Zoo Tigern zum Fraß vorwerfen, doch dann kommt Batman dazwischen.

Unerwiderte Liebe

In den folgenden Jahren werden die Motive in den Origins immer wieder variiert. Im Film Batman Returns wird der Pinguin zu einem Ausgestoßenem, der sich nach Liebe sehnt. Wegen seiner Missbildung wird er von seinen reichen Eltern in einem Korb in einen Fluss geworfen und von Pinguinen aufgezogen. Das Motiv wird ähnlich auch in Penguin Triumphant (1992) aufgegriffen. Auch hier geht es um unerfüllte Liebe und um Mobbing als Kind. Doch der Pinguin wandelt sich zu einem von Anfang an ruchlosen Charakter.

Die Sache mit dem Regenschirm kehrt wieder in Joker’s Asylum: Penguin (2008). Die schwere Kindheit bleibt die Standarderklärung für sein menschenverachtendes Verhalten. Gesteigert wird die Grausamkeit in Penguin: Pain and Prejudice (2012). Hier wird er vom Vater und seinen Brüdern für sein Aussehen gehasst, allerdings von der kranken Mutter geliebt. Später schreckt er nicht davor zurück, einen Schwarm mordender Vögel auf die Kinder vom Gotham loszulassen …

>> Pinguin-Comics

Mad Hatter und die Glücksdroge

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DC Comics

Titel: The Blank Generation, Part 1-2: Corporate Nightmares/A Favorable Wind (dt. Generation Null)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Mark Buckingham

Erschienen: 1998 (Shadow of the Bat #78-79), erschienen in: Road to No Man’s Land Vol. 1 (2015), dt. Auf dem Weg ins Niemandsland Bd. 1 (2017)


Gotham nach dem Beben: Die Stadt ist verwüstet, viele sind tot, andere obdachlos, arbeitslos, mittellos. In dieser Verzweiflung streift der Schurke Narcosis umher und versetzt Menschen durch ein Gas in Glückszustände. Bald will er ganz Gotham beglücken. Der Mad Hatter hat seine eigene Agenda: Er lässt in dem Chaos von zwei Lakaien seine wertvolle Hutsammlung aus den Trümmern bergen und geht dabei über Leichen. Als Narcosis auftaucht, verbündet er sich mit ihm, um an dessen Kopfbedeckung (ein Tuch) heranzukommen.

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Mad Hatter und Narcosis haben verschiedene Interessen. (DC Comics)

Tetch will die Stadt mit dem berauschenden Gas erpressen, doch Narcosis interessiert sich nicht für Geld, sondern nur für Glück. Da knockt ihn Tetch kurzerhand aus, schnappt sich das Tuch und lässt das Gas los, um Gotham einen Vorgeschmack darauf zu geben. Batman taucht mit einem Bat-Monstertruck auf und zerstört den Schornstein, aus dem das Gas entweicht. Narcosis kommt wieder zu sich, geht auf Batman los und bekommt sein eigenes Gas zu spüren. Dann versucht Tetch, Batman mit einem Hut zu kontrollieren, aber der scheint immun dagegen zu sein. Reine Willensstärke scheint zu reichen.

Am Ende lässt man das Gas in einer großen Explosion verschwinden, die den Himmel in bunte Lichter taucht. Als alles vorbei ist, zieht Batman Tetch seinen Zylinder über die Augen und verpasst ihm einen völlig überflüssigen Haken zur Strafe – wohl als Vorgeschmack auf den Knast, den er ihm verspricht.

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Batman in Schottland

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DC Comics

Titel: Batman: Scottish Connection

Autor/Zeichner: Alan Grant/Frank Quitely

Erschienen: 1998 (One-shot), Paperback 2010 (Batman International)


Bruce Wayne ist in Schottland, weil das Grab seines Vorfahren und Kreuzfahrers, Sir Gaweyne de Weyne, entdeckt wurde und nun dessen mumifiziertes Herz darin bestattet wird. (Ganz Schotte ist der allerdings nicht gewesen, sondern Franzose.) Doch mit dem Grab stimmt etwas nicht, offenbar wurde die Grabplatte an den Kanten bestoßen. Grund genug für Bruce, der Sache als Batman nachzugehen.

Offenbar hat er gerade nichts Besseres in Gotham zu tun, dass er sich mit solchen Nichtigkeiten beschäftigt und Sightseeing in Schottland betreibt. Und daran kränkelt auch Scottish Connection. Die Handlung, die daraus resultiert, wirkt erzwungen: Es fängt an mit Grabräubern, dann will plötzlich jemand Bruce Wayne ermorden, schließlich trifft er auf Fergus Slith, einen Mann in goldener Maske und Schottenrock, der auf einem Kreuzritter-Schatz hockt und sich für die Vernichtung seiner Familie vor Jahrhunderten rächen will.

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Fergus Slith und der Schatz der Kreuzritter (DC Comics)

Der Plan ist überambitioniert: Zunächst macht der Schurke Supermenschen aus seinen Handlangern, dann will er einen Zug entgleisen lassen, dessen Insassen er zugleich mit einem Pest-Virus verseuchen will. Sicher ist sicher – aber kein Problem für Batman. Nachdem der Held all das verhindert, ballert der Schurke auf die Nachkommen seiner Feinde mit einem Hubschrauber los und am Ende kommt es zum Schwertkampf.

Na ja. Immerhin etwas für Freunde des schottischen Zeichners Frank Quitley (JLA: Earth 2, Batman & Robin, All-Star Superman), der hier die Story des schottischen Autors Alan Grant mit seinem feinen Strich illustiert.

>> Batman in den 90ern

Sieben Tipps für Superschurken

DC Comics

Titel: Shadow of the Bat Vol. 1

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle, Dan Jurgens u.a.

Erschienen: 1992-1993 (Shadow of the Bat #1-12), Paperback 2016


Alle, die vorhaben sollten, eine Superschurken-Karriere anzustreben, sollten sich keine schlechten Vorbilder nehmen (wie etwa von den „Misfits“), sondern die folgenden Tipps beachten:

  1. Sucht euch ein cooles Gimmick, das es noch nicht gibt.
  2. Macht es praktisch.
  3. Macht es nicht allzu offensichtlich, sodass man von eurem Beruf oder eurem Hobby auf euch schließen könnte.

Wie etwa beim Fall von „The Human Flea“ (Shadow of the Bat #11-12), dem menschlichen Floh. Da ist der Enkel eines Flohzirkusbetreibers dahinter gekommen, wie man das Mittel, das Flöhe weit springen lässt, künstlich herstellen kann und hat beschlossen, damit (und einem aufwendigen Kostüm) Raubzüge zu begehen, um den Flohzirkus zu retten. Warum, fragt Batman, hat er nicht einfach versucht, das Zeug mit Gewinn an den Mann zu bringen? Gute Frage …

Daher gilt 4. Wenn ihr eine Superschurken-Karriere anstrebt, überlegt lieber, was ihr mit euren wertvollsten Ressourcen (Zeit und Geld) Sinnvolleres anstellen könnt, das nicht euer Leben gefährdet und euch in den Knast bringen könnte.

5. Auch keine besonders gute Idee ist es, seine kruden Ansichten (z.B. Rassismus) jedem aufzuzwingen und deswegen sofort Streit anzufangen – schon gar nicht handfesten Streit. So etwa führt es „The Ugly American“ vor (Shadow of the Bat #6). Aber manchmal kann man sich einfach nicht kontrollieren, vor allem wenn man zu einem Schurken gemacht wurde. Hier haben gewisse, sagen wir mal: konservative Ansichten allerdings vorher schon bestanden. Allerdings: In den USA von heute dürfte dieses Modell des übersteigerten Patriotismus, auch Nationalismus genannt, durchaus dem Zeitgeist entsprechen, sodass man gar nicht als Schurke durchgehen würde.

6. Was ein Schurke ist, ist ja häufig nur eine Frage der Perspektive. Auf den zweiten Blick stellen sich manche auch als gar nicht so böse heraus. Auch Batman lernt die Lektion, seine Urteile nicht allzu voreilig zu treffen. „The Thane of Gotham“ (Shadow of the Bat #10) ist ein alter Schotte, der ein paar Leute in sein verwinkeltes Schloss einlädt. Batman fürchtet, dass der Alte sich für seinen Sohn rächen und die Gäste vergiften will, am Ende ist dann doch alles anders. Manche wollen einfach nur Empathie.

Und nicht jeder will ein Schurke werden. Manche eifern auch einfach nur Batman nach, indem sie das Gesetz in die eigenen Hände nehmen, wenn das Gesetz versagt. Wie „The Black Spider“ (Shadow of the Bat #5). Das ist zwar strenggenommen auch illegal, aber wenn es einem guten Zweck dient, etwa Drogendealern das Handwerk zu legen, dann geht das in Ordnung, Gesichter von Dealern in Heroinberge zu drücken – vor allem, wenn sie die eigene Familie auf dem Gewissen haben.

Allerdings gilt Regel Nr. 7: Nicht okay ist es, Leute zu erschießen, auch wenn sie es verdient haben. Jedenfalls für Batman. Und so muss auch diese Vigilantenkarriere mit einem Märtyrertod enden, damit Batman nicht selbst die undankbare Aufgabe zufällt, einen „Schurken“, der keiner ist, einbuchten lassen zu müssen.

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Vier Verlierer wollen nach oben

DC Comics

Titel: The Misfits (dt. Die Außenseiter)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tim Sale

Erschienen: 1992-1993 (Shadow of the Bat #7-9), Paperback 2016 (Shadow of the Bat Vol. 1), dt. Ehapa 1997


Immer nur Schurken aus der zweite Reihe, immer nur Versager, die sich schnappen lassen, während die Großen wie der Joker im Rampenlicht des Verbrechens stehen – Killer Moth hat die Schnauze voll davon. Also versammelt er zwei andere Loser mit beknackten Kostümen, Calendar Man und Catman, um einen großen Coup zu planen. Dann schließt sich ihnen auch noch Chancer an, ein Mann mit zwei Würfeln auf der Brust, weil seine Superkraft darin besteht, mehr Glück als Verstand zu haben.

Batman gegen die Misfits. (DC Comics)

Gemeinsam entführen die „Misfits“ Bürgermeister Krol, Commissioner James Gordon und – Bruce Wayne. Sie fordern zehn Millionen Dollar Lösegeld bis abends um neun, doch bis dahin könnten die drei Opfer in einem rostigen Container ertrinken. Killer Moth scheint seinem Namen alle Ehre zu machen.

Killer Moth und Chancer (DC Comics)

Vier lächerliche C-Schurken zusammenzubringen birgt ein großes Risiko. Aber Alan Grant schafft es, über drei Ausgaben eine packende Story zu erzählen. Denn darüber hinaus geht es noch um einen Helden namens Nimrod, der den Chancer fassen will, um seine eigene Unschuld zu beweisen. Aber der größte Trumpf ist hier natürlich der Look von Zeichner Tim Sale, der alles in eine herrliche Noir-Stimmung taucht, wie man sie aus den späteren Meisterwerken Haunted Knight, The Long Halloween und Dark Victory kennt.

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Wiedersehen mit Retro-Alfred

DC Comics

Titel: The Battling Butler!

Autor/Zeichner: Alan Grant/Bret Blevins

Erschienen: 1994 (Batman: Shadow of the Bat #31), Paperback 2017, (Batman: Zero Hour), 2018 (Batman: Shadow of the Bat Vol. 3), 2020 (Batman Allies: Alfred Pennyworth)


Während des Knightfall-Events hat es Bruce Wayne übertrieben, deshalb hat Alfred seinen Dienst quittiert und musste dann später von Nightwing zurückgeholt werden. Aber zwischendrin passiert noch die Zero Hour, ein Event, bei dem die Zeit durcheinander gerät. Und plötzlich taucht der alte Alfred Beagle aus den 40ern wieder auf: dick, tollpatschig und voller Eifer, ein Detektiv zu werden.

Der stürzt sich auch gleich auf Tim Drake, den er für einen Robin-Hochstapler hält, sobald der zusammen mit Batman die Bathöhle betritt. Später zerbricht er ein Bild seines Nachfolgers und schüttet Kaffee über den Batcomputer. Dafür gibt’s Hausarrest – dem Dynamischen Duo darf er nicht bei seinem neuesten Fall helfen. Alfred widersetzt sich natürlich und das ist auch gut so, denn als Batman und Robin von den Schurken mit einem Halluzinogen benebelt werden, rettet er ihnen mit seiner Tollpatschigkeit das Leben.

Kaum hat Alfred seinen Zweck erfüllt, löst er sich auch schon in Luft auf. Allerdings verkündet er vorher noch seinen Beschluss, nicht mehr Detektiv werden zu wollen, sondern nur noch Butler zu sein – und zwar ein treuer, der seinen „Mawster“ nicht im Stich lässt. Dem haben Batman und Robin nichts mehr hinzuzufügen. Sie dürften einfach nur froh sein, dass dieses Wiedersehen zu Ende ist.

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Vier Variationen einer Geschichte

Titel: The Case of the Chemical Syndicate

Autor/Zeichner: Marv Wolfman, Alan Grant/Jim Aparo, Norm Breyfogle

Erschienen: 1991 (Detective Comics #627)


Zum 600. Auftritt von Batman in Detective Comics wurden nicht nur die ersten beiden Versionen der ersten Batman-Story nachgedruckt, Marv Wolfman und Alan Grant haben sich auch zwei neue Adaptionen einfallen lassen.

Die Wolfman-Variante beginnt mit einer Splash Page, die wie das erste Panel der Original-Geschichte Batman nur als Silhoutte zeigt – Batman wird mit dem Original-Text als Geheimnis eingeführt, auch wenn er in der Story längst bekannt ist. Nicht Gordon ermittelt hier, sondern Dana Hanrahan.

Der Mörder geht sehr publikumswirksam vor, ein typischer Batman-Schurke. Eine Frau im Schutzanzug spritzt unter dem Pseudonym Pesticyde eine Säure, die Menschen, Autos und Asphalt schmelzen lässt. Lambert verschmilzt mit seinem Taxi, daraufhin trifft sich Bruce Wayne mit dem Sohn, Ted Lambert. Wieder ist der Sohn der Umweltschützer mit einem Motiv: Bruce erfährt, dass Ted einen Streit mit seinem Vater hatte, der Gift ins Wasser kippen ließ.

Der Täter ist Prisilla, die Tochter von Stryker. Sie will sich dafür rächen, dass ihr Vater von Säure entstellt worden ist. Statt das letzte Opfer, Rogers, wie die anderen mit der Säure zu bespritzen, wird er mühsam über einem Tank drapiert, über dem ein Fass mit der Substanz schwebt. So kann Batman Rogers noch rechtzeitig retten. Die Täterin stirbt durch eigenes Verschulden, indem sie selbst in den Tank fällt – so weit, so traditionell. Aber wie es geschieht, ist äußerst albern, um nicht zu sagen dämlich, oder einfach: einfallslos. Sie spritzt ein Loch in den Boden, rennt darauf zu und fällt hinein – was soll das denn?

Alan Grants Variante legt den Schwerpunkt auf den Umweltaspekt. Gleich auf der ersten Seite sieht man einen Haufen Fässer mit giftigen Chemikalien. Lambert wird wieder mit einem Messer erstochen, sein Sohn Mel ist am Tatort, Batman entlastet ihn zunächst, aber er findet ein Päckchen Kokain bei ihm. Mel hat das Unternehmen seines Vaters missbraucht, um Drogen zu schmuggeln. Dafür setzt es was: Als der Kleine aufmuckt und die Pistole zückt, wirft ihm Batman das Koks ins Gesicht und verpasst ihm einen rechten Haken.

Der Rest der Handlung läuft etwas raffinierter als sonst ab: Crane wird von angeheurten Killern erledigt, die es wie einen Überfall aussehen lassen wollen. Batman kommt zu spät. Um sie zum Sprechen zu bringen, greift Batman zu einer drastischen Maßnahme: Er steckt einem der Mörder die eigene Pistole in den Mund.

Das dritte Opfer, Paul Rogers, erhängt sich scheinbar und hinterlässt ein Bekennerschreiben. Aber Batman lässt sich nicht täuschen: Er weiß, dass der Vierte im Bunde, Stryker, dahintersteckt. Beim Showdown im Chemiewerk fällt Stryker durch einen Unfall in den Säuretank. Und Batman sagt, wie schon 1939 den legendären Satz: „A fitting ending for his kind!

Gerahmt wird die Geschichte durch eine Handlung, in der man einen Obdachlosen durch die Stadt ziehen sieht, er wird von Schlägern bedroht und von Batman gerettet. Daraufhin gibt er Batman den entscheidenden Hinweis auf den Giftmüll, durch den seine Kumpel getötet wurden. Alan Grant wird auch hier seinem Ruf als Sozialkritiker gerecht.

Detective Comics #627, das daneben auch die Ausgaben #27 und #387 enthält, zollt nicht nur Batmans Ursprüngen Tribut. Hier kann man auch im Kleinen beobachten, was sich ständig im Großen bei Batman (und anderen Superhelden) vollzieht: Im Grunde wird immer dieselbe Geschichte neu erzählt, oder wenigstens ein gewisser Grundstock an archetypischen Geschichten, der immer wieder variiert wird. Es kommt dabei auf eine Gratwanderung zwischen Traditionsbewusstsein und Innovationsfreude an. Die Herausforderung besteht darin, auf dem Grund des Altbekannten eine interessante Variation herzustellen, die das Lesen lohnt. So erscheint auch viermal dieselbe Geschichte jedes Mal wie eine ganz neue.

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