Alan Grant

Die Rache der Schlammgesichter

DC Comics

Titel: The Mud Pack

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1989 (Detective Comics #604-607), Hardcover 2015 (Legends of the Dark Knight: Norm Breyfogle Vol. 1)


Im Jahr 1989 gibt es vier Mal Clayface: Basil Karlo, den Schauspieler, Matt Hagen, den ersten Gestaltenwandler, Preston Payne, der im Schutzanzug und Sondra Fuller alias Lady Clay. In The Mud Pack bringt Basil Karlo, der gerade aus dem Knast entlassen wurde, alle Clayfaces zusammen. Warum? Um reich zu werden und Rache an Batman zu nehmen.

Doch schon mit Matt Hagen scheitert es. Karlo kratzt zwar alles an Zauberschlamm zusammen, den er finden kann, aber auch mit Wasser will ihm sein Golem nicht zum Leben erwachen. Den Rest der Story verbringen Matts Überreste als traurige Schlammskulpur, die von einem Löffel gestützt wird.

Wie der Zufall es will, bricht zur gleichen Zeit Preston Payne aus Arkham aus. Lady Clay erwartet ihn schon und bringt ihn zu Karlo. Sie hat die Form und die Kräfte der Superheldin Looker (von den Outsiders) angenommen. Natürlich verschanzt man sich in einem stillgelegten Kino, dem natürlichen Lebensraum des alten Schauspielers, wo alte Horrorplakate an den Wänden hängen.

Man raubt also eine Bank aus. Und Lady Clay tritt als Batman auf. Beim nächsten Überfall geht es Batman gegen Batman – und der echte sieht Robin wieder, den toten Jason Todd. Schließlich wird er entführt und im Kino mit allen anderen Traumata konfrontiert.

Am Ende stellt sich heraus, dass Basil Karlo den ganzen Aufwand nur betreibt, um sein eigenes Leben zu retten und zum ultimativen Clayface zu werden. Mit den Blutproben von Clayface III und IV lässt er sich zum Monster machen.

Eine starke Story, wäre da nicht der Auftritt der echten Looker. Ihr Name ist so dämlich wie ihr Kostüm. Aber sie kann so ziemlich alles, was die Handlung voranbringt. Deshalb darf sie Batman retten und ihm im Kampf gegen den Schurken helfen. Clayface III und IV verlieben sich Hals über Kopf, was nicht einmal der Autor ernst nimmt. In Knightfall: The Crusade werden sie eine Familie gründen, aber das ist ein anderes Thema … Schade ist nur, dass die Story nicht ihr Potenzial ausschöpft und auch Clayface II handeln lässt.

>> Liste der Clayface-Comics

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Pinguin lässt die Vögel los

DC Comics

Titel: The Penguin Affair, I-III (Pawns/Bird of Ill Omen/Winged Vengeance)

Autor/Zeichnner: Marv Wolfman, Alan Grant/Jim Aparo, Norm Breyfogle

Erschienen: 1990 (Batman #448, Detective Comics #615, Batman #449)


„Alfred Hitchcock, eat your heart out.“ (Pinguin)

Der Pinguin findet am Straßenrand Harold, einen stummen Mann mit Buckel – ein erfinderisches Genie. Drei Monate später hat Harold eine Technologie entwickelt, mit der sich Vögel kontrollieren lassen. Der Pinguin lässt sie auf Raubzüge gehen, Menschen angreifen und ein Flugzeug abstürzen. Sie hacken auf Batman ein und verfolgen ihn sogar in die Bathöhle und Wayne Manor.

Doch da kommt Tim Drake auf die Idee, dass sie von Mikrowellen beeinflusst sind und damit auch abgewehrt werden können. (Auf die Idee, dass der Pinguin das riesigen und auffälligen Aviarium als Hauptquartier nutzen könnte, kommt leider niemand.)

Die Vogel-Angriffe á la Hitchcock dienten nur als Test. Der Pinguin will die Technik nicht selbst nutzen, sondern an den meistbietenden Despoten oder Terroristen versteigern. In der Zwischenzeit entführt er eine verehrte Soap-Schauspielerin und versucht ihre Zuneigung zu erzwingen.

Auch wenn sich die Story über drei Ausgaben erstreckt, wirkt sie nicht sehr ausgereift. Der Pinguin soll zwar ein kriminelles Genie sein, das gerne mit Bruce Wayne übers Internet Schach spielt, aber davon ist hier nichts zu sehen. Vielmehr wirkt er wie ein skrupelloser Massenmörder mit gestörter Selbstwahrnehmung. Nicht einmal die anfänglich beteuerte Solidarität mit dem hässlichen Harold zeigt ihn von seiner menschlichen Seite, denn um Harold schert er sich nur so lange, wie er ihn braucht – danach will er ihn „beseitigen“. (Was aber nicht passiert, denn Harold wird später Batmans Helfer.)

In einer Sequenz sehen wir Batman meditieren. In einer anderen seine Unterhosen über die Hose ziehen. Aber der Rest ist actionreiche Routine ohne Innovation.

>> Liste der Pinguin-Comics

 

Der Tod des Pinguins

DC Comics

Titel: Snow and Ice (Part 1-2)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Norm Breyfogle

Erschienen: 1990 (Detective Comics #610-611), Paperback 2018 (Batman Arkham: Penguin)


Der Pinguin ist tot. Gestorben im Knast, beim Training. Alle kommen zur Beerdigung: Commissioner Gordon, selbst Batman. Kann das wirklich sein, fragt sich der Held? Ja, immerhin haben zwei Ärzte den Tod bestätigt. Bei der Trauerfeier sammelt der Pinguin postum Spenden für Pinguine.

Aber natürlich kann das nicht sein. Noch in derselben Nacht buddeln ihn zwei Stooges aus und erwecken ihn wieder zum Leben. Zombie-Pinguin? Nein, nur ein Hypnosetrick. Der Todesfetischist Cadaver hat den Pinguin in Scheintod versetzt und wieder aufgeweckt. Sogleich macht er sich über Juwelen, Kokain und schließlich über das eingesammelte Spendengeld her.

Es geht brutal zur Sache: Der Pinguin und seine Komplizen jagen Gangster in die Luft und erschießen Wachen. Auch Cadaver soll dran glauben, aber er hält den Pinguin in Schach, solange er ihn wieder per Hypnose in seinen Scheintod zurückversetzen kann. Batman macht kurzen Prozess: Ein Wurf mit einem Mülleimerdeckel und ein Schlag ins Gesicht, schon landet der Pinguin wieder im Knast. Besonders genial war der Plan nicht gerade …

Nebenbei erfahren wir, dass sich der Pinguin seine tödlichen Schirme von einem Alt-Nazi herstellen lässt – allerdings gegen dessen Willen.

>> Liste der Pinguin-Comics

Batman und der Bauchredner

Der Bauchredner und seine Puppe Scarface, geschaffen von John Wagner, Alan Grant und dem Zeichner Norm Breyfogle, hatte seinen ersten Auftritt 1988 in Detective Comics #583-584 (nachgedruckt in Legends of the Dark Knight: Norm Breyfogle Vol. 1, 2015). Aber sein Charakter wurde erst allmählich entwickelt.

Die Geschichte beginnt so: Eine neue Droge flutet Gothams Straßen: „Fever“ lässt Menschen nicht nur körperlich heißlaufen, sondern auch übermütig werden – und mörderisch. Batman bricht in das Hauptquartier der Dealer ein und seine Spur führt zu einem neuen Gangster: Scarface.

Parallel dazu lernen wir bereits, dass Scarface nur eine Holzpuppe ist, die von einem geheimnisvollen Bauchredner bedient wird. Dieser schreckt nicht davor zurück, seine eigenen Leute mit dem Maschinengewehr zu ermorden, wenn sie versagen. Schließlich lässt er einen sogar in einem mexikanischen Drogenlabor umbringen und in seiner Leiche die Droge über die Grenze schaffen.

Offiziell betreibt Scarface nur den Ventriloquist Club, in dem er gerne Spaghetti und Minestrone isst und aus dem er Gäste auch gerne mal hinauswirft, wenn sie ihn schräg ansehen. In dem ersten Zweiteiler geht alles ganz schnell: Batman erwischt Scarface auf frischer Tat, es gibt einen makabren Zwischenfall in einem Beerdigungsinstitut, Batman steht kurz selbst unter dem Einfluss der Droge, aber kann den Rausch überwinden. Der Bauchredner landet samt Puppe im Knast. Hier zeigt sich die gespaltene Persönlichkeit: Der Bauchredner behauptet, nur Scarfaces Handlanger zu sein, aber dafür rächt sich die Puppe, indem sie auf ihn einschlägt.

In The Return of Scarface (Batman #475, Detective Comics #642, Batman #476, 1992) wird der Bauchredner aus dem Knast entlassen und Scarface nimmt Rache an den Leuten, die ihn in seiner Abwesenheit um sein Drogenimperium gebracht haben. Zunächst wird er kaputtgeschossen und fast schon beerdigt. Der Bauchredner sieht seine Chance, ihm zu entkommen und will sich schon nach Kalifornien absetzen, aber dann fängt er nicht nur selbst an, die Bs als Gs auszusprechen und die Puppe holt ihn zurück zu sich.

Daraufhin repariert Wesker die Puppe und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Sogar einen Panzer fährt er auf, um die Street Demonz zu erledigen. Dabei werden seine Prioritäten klar: Geld und Drogen sind nicht so wichtig, wie den Menschen zu zeigen, wer der Boss ist. Bei der ganzen Aktion wird Fotografin Vicki Vale angeschossen. Bruce Wayne, der etwas mit ihr laufen hat, überlegt, ob er sich ihr nicht als Batman offenbaren soll. Aber das bringt er dann doch nicht über sich.

DC Comics

Über den Bauchredner erfährt man in den ersten beiden Storys nichts. In der Storyline Prodigal erwähnt Batman nebenbei (Shadow of the Bat #32), dass Arnold Wesker ein Psychopath sei, der unter extremer Schizophrenie leide (was Unsinn ist, weil Schizophrenie – ein populärer Irrtum – keine gespaltene Persönlichkeit beschreibt). Er drücke seine böse Seite durch die Puppe aus.

Die Vorgeschichte wird erst 1994 ausführlich erzählt, in Showcase ’94 #8-9. Darin ist es zunächst der lebenslänglich verurteilte Mörder Donnegan, der in Blackgate zufällig ein Buch übers Bauchreden in die Hände kriegt und aus Langeweile die Kunst lernt. Daraufhin schnitzt er sich eine Handpuppe aus altem Holz – das Holz stammt von einem Galgen.

Kaum ist die Puppe fertig, entwickelt sie ein Eigenleben. Sie protestiert gegen den Namen Woody und verrät, dass ihr Schöpfer einen geheimen Fluchttunnel gräbt. Als ein neuer Insasse Arnold Wesker in die Zelle kommt, überredet die Puppe ihn, mit ihm zu fliehen. Doch zuvor wird der schüchterne Arnold zum Mörder. Zuerst erschlägt er Donnegan, als dieser ihn hindern will. Als er dann einen Selbstmord fingieren will, bemerkt er, dass sein Opfer noch lebt. So lässt er ihn hängen. Auf der Flucht erschießt er noch zwei Wachmänner. Und schließlich gibt sich die Puppe selbst den Namen Scarface.

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Arnold Wesker kam wegen Totschlags nach Blackgate. Bei einem Kampf in einer Bar soll sein Opfer unglücklich gestürzt sein. Noch mehr tragische Vorgeschichte bekommt er drei Jahre später (Killer Killer, Part 1/2: Storm Gird/The Old Man and the Sea; Shadow of the Bat #59-60, 1997). Darin erfahren wir, dass Weskers Eltern vor seinen Augen von einem Laster für Schaufensterpuppen überfahren wurden, als er noch ein Kind war. Und weil zuvor ein Albatross vorbeiflog, glaubt er, dass das sein Unglücksvogel ist. Scarface will ihn davon befreien und ihn dazu zwingen, einen Albatross zu erwürgen, aber er bringt es nicht übers Herz. Dann kommt Batman dazwischen.

Während der Storyline Cataclysm versucht der Bauchredner als Trittbrettfahrer Profit aus dem Beben zu schlagen, indem er eine neue Puppe als Quakemaster ausgibt und so versucht, Gotham zu erpressen. In Detective Comics #818 (2006) wurde Wesker erschossen und Detective Comics #843 von einer Frau, Peyton Riley, ersetzt. In der neuen Continuity (The New 52) lebt Wesker wieder.

Nächste Woche: Der Bauchredner in Batman: The Animated Series.

Knightfall #12: Nightwing – Alfred’s Return

DC Comics

In Gotham ist wieder alles beim Alten: Bruce Wayne ist wieder Batman, Dick Grayson ist wieder Nightwing. Nur Alfred Pennyworth fehlt in Wayne Manor. Der treue Butler hat hingeschmissen. Er hatte keine Lust mehr, seinem Arbeitgeber bei seinem selbstzerstörerischem Feldzug zu helfen. Aber er muss natürlich irgendwann zurückkehren. Dieser Rückkehr wurde 1995 ein 54-seitiger One-Shot gewidmet.

Alfred ist – nach Abstechern auf die Bahamas und in die Antarktis – wieder nach England gereist, wo er seine alte Flamme wiedersieht: eine Schauspielerin namens Joanna. Sie hatte er einst heiraten wollen, bis er vor dem Traualtar von ihrem Liebhaber erfuhr, dass sie ihn betrogen hatte. Alfred und Joanna bandeln wieder miteinander an und er lernt ihren Sohn kennen. Der hat hohe Spielschulden in einem zwielichten Casino. Nachdem Alfred erfährt, dass er sein Sohn sein soll, will er ihm helfen, doch das funktioniert nicht. Und so erfährt er, dass dahinter eine Verschwörung steckt. Ein paar Generäle planen, den Eurotunnel zu sprengen und aus diesem inszenierten Terrorakt einen Putsch machen zu können.

Wie gut, dass Nightwing vorbeischaut. Er hat nämlich Alfred aufgespürt, auch wenn dieser seine Spuren gut zu verwischen wusste. Nightwing und Alfred verhindern das Schlimmste, aber nicht ohne dass ein Opfer gebracht werden muss.

Klingt hanebüchen und entbehrlich? Ist es auch. Zwar ist es zur Abwechslung interessant, etwas über Alfreds Vergangenheit und Innenleben zu erfahren, zwar zeichnet Dick Giordano einen wunderbar dynamischen Nightwing in Aktion, aber es bleibt nur eine durchschnittliche Anekdote für Leser, deren Neugier auch die kleinste Lücke des übergreifenden Plots nicht im Dunkeln lassen kann.

Hinweis: Nightwing – Alfred’s Return ist im Paperback Nightwing: Ties that Bind erschienen, wird in Knightfall Omnibus Vol. 3 neu aufgelegt, voraussichtlich auch in der späteren Paperback-Ausgabe, ist aber jetzt schon auch einzeln digital bei Comixology verfügbar.

Mehr zu Knightfall:

Knightfall #7: Knightquest – The Crusade

Bruce Wayne ist gebrochen und im Rollstuhl auf Reisen, Bane ist besiegt, jetzt macht Jean-Paul Valley als Batman die Stadt sicher. Oder vielmehr unsicher. Denn der einst zum Killer indoktrinierte junge Mann weiß noch immer nicht, wer er eigentlich ist und hat sich und seine Programmierung nicht im Griff. Aber da niemand da ist, um ihm auf die Finger zu schauen, kann er machen, was er will. Gotham dient ihm dabei als Spielwiese seiner Selbsterkenntnis.

Das verlassene Wayne Manor verkommt, nicht einmal die Bathöhle macht der Neue sauber. Nach Batmans Kampf gegen Bane liegen immer noch die Scherben der Robin-Vitrine herum, aber vorsichtshalber hat er schon mal den Durchgang zu Tim Drakes Haus zugemauert. Reine Sicherheitsmaßnahme, versteht sich. Heißt aber auch ganz klar: Robin ist unerwünscht. JP macht lieber sein eigenes Ding. Zum Beispiel ein neues Batmobil testen, das auf den Schienen der U-Bahn fährt. 300 Meilen pro Stunde im Tunnel? Das kann nur schiefgehen … Aber zum Glück tauchen zwei Bösewichte auf, die einen Zug voller Geld entführen wollen, da kann JP nach Herzenslust Wildwestheld spielen.

Ach ja, und dann ist da noch die Selbsterkenntnis. Dazu steigt JP nackt in einen Tank voller Wasser, wo er halluziniert. Netter Nebeneffekt: der Leser erfährt noch einmal in Kürze, was bisher geschah. JP bekommt von seinem eingebildeten St. Dumas gesagt, er müsse seinen Kreuzzug als Batman weiterführen. Und da JP macht, was man ihm sagt, legt er los. Gegen Gangsterbosse, gegen neue Schurken wie den Tally Man und einen Profikiller namens Mekros, der genauso wie er konditioniert ist zum Töten und eine Rüstung trägt. Lauter Routine-Aufgaben, im Vergleich zu Bane alles Leichtgewichte, aber der neue Batman tut sich dennoch schwer damit. Aber auch nicht zu schwer, die meisten sind nach zwei Ausgaben erledigt.

Catwoman und Joker

Der neue Batman lässt sich von Catwoman betören, es kommt zu einem körperbetonten Duell, das auf einem Missverständnis beruht. JP hält Selina Kyle für eine Terroristin, die Menschen mit einem Nervengas ermorden will, aber ihre Absichten sind ganz andere. Eine belanglose und zu lang erzählte Episode. Ganz ähnlich die mit dem Joker. Der dreht nämlich einen Film, in dem Batman sterben soll. Aber das Unternehmen ist so halbherzig umgesetzt, dass es nie wirklich um Leben und Tod geht (außer für ein paar unwichtige Nebenfiguren). Joker ist hier bloß wieder Clown, der seine nervigen Späße treibt. Batman bricht ihm am Ende beide Arme – aber dem Joker reichen auch seine Beine, um gefesselt aus einem Krankenwagen zu entkommen …

JP offenbart sich ein paarmal mehr als Fanatiker, der sich selbst nicht im Griff hat. Immer wieder erscheint ihm sein Vorbild St. Dumas und schärft ihm die Wichtigkeit seines Kreuzzugs ein. Später auch sein Vater, der einst als Racheengel Azrael unterwegs war. JP ist hin- und hergerissen. Der Sohn geht äußerst brutal vor, er prügelt besinnungslos auf seine Gegner ein, zerfetzt ihnen das Gesicht mit seinen Klauen und muss sich zusammenreißen, sie nicht zu töten. Andere lässt er laufen, weil sie ihm nicht der Mühe wert erscheinen. Ein Sozialleben hat er nicht. Statt zu schlafen, bastelt er immer wieder an seiner Rüstung rum. Im Laufe der Storyline verändert er ihr mehrmals ihr Design und macht sie zu einer Waffe.

Der Fall Abattoir

Den größten Teil nimmt die Jagd nach Abattoir ein, einem Serienkiller, der es auf seine Familienmitglieder abgesehen hat. Dieser Plot, der mit Batman #505 beginnt, erstreckt sich fast über die zweite Hälfte von The Crusade, involviert neben einigen nervigen Nebenfiguren auch Clayface 3 und Lady Clayface – und ermüdet auch sehr bald. Allerdings kommt es in Batman #508 zu einem entscheidenden Wendepunkt: JP lässt Abattoir sterben. Und dadurch stirbt auch ein weiteres Opfer des Serienkillers. In der Folge hat Commissioner Gordon genug von diesem neuen Batman. JP ist das egal, er rüstet erneut auf – zum letzten Kampf mit dem Profikiller Gunhawk (noch so einer!). Und am Ende taucht Bruce Wayne wieder auf, eigentlich will er sich zur Ruhe setzen. Aber als er sieht, was JP angerichtet hat, stellt er ihn zur Rede und beschließt, seinen Stellvertreter zu entmachten …

The Crusade ist weniger eine Storyline mit einer zusammenhängenden Handlung, sondern eine Reihe von kurzen Geschichten, die nur zum Teil aufeinander Bezug nehmen. Der Spannungsbogen liegt vielmehr in der Entwicklung des Charakters Jean-Paul Valley zum Psycho, der sich nur wenig von seinen Gegnern unterscheidet. Allerdings: So dramatisch ist die Veränderung nun auch wieder nicht. JP tötet Abattoir nicht, er hadert einfach zu lange mit sich, sodass der Killer irgendwann selbst in den Tod stürzt. Dass Batman nicht selbst zum Killer wird, zeigt sich darin, dass er kurz darauf Gunhawk verschont.

Er geht drastischer mit seinen Gegnern um, lässt Wayne Manor verlottern und schottet sich von der Batman-Familie ab. Dennoch bleibt er ein empathischer Held, der einige Male sogar Kinder rettet. So ganz leuchtet die Dringlichkeit also nicht ein, ihn abzusetzen. Außer, dass er nicht freiwillig gehen will. Bruce Wayne hat viel zu leichtsinnig sein Erbe einem unberechenbaren und labilen Mann anvertraut. Der zweite große Fehler nach Bane.

Muss man The Crusade lesen, das immerhin über 600 Seiten lang ist? Nicht unbedingt ganz. Es gibt viele Ausgaben, die man überspringen kann, wenn man ungeduldig ist. Wichtig wird es erst ab Batman #505. Aber auch schon vorher gibt es einige interessante Momente: Batmans Raserei durch die U-Bahn-Schächte, seine Konfrontation mit Robin. Und die klaren Zeichnungen von Graham Nolan und auch die abseitigen von Vincent Giarrano (Shadow of the Bat) sind wahre Hingucker. Die Gunhawk-Episode lässt sich sogar als sozialkritischer Kommentar auf den Waffen-Irrsinn der USA lesen: Wozu braucht Gotham, die Mord-Hauptstadt, eine Waffenmesse? Ein Seitenhieb, der leider immer noch aktuell ist …

The Crusade ist im Paperback Knightfall Vol. 2: Knightquest (2012) sowie im Knightfall Omnibus Vol. 2 (2017) erschienen. Eine deutsche Ausgabe fehlt bislang.

Mehr zu Knightfall:

Dystopische Variationen

Titel: Legends of the Dead Earth

Autor/Zeichner: Doug Moench, Chuck Dixon, Alan Grant/Vincent Giarrano, Flint Henry, Barry Kitson, Brian Apthorp

Erschienen: 1996 (Batman Annual #20, Detective Comics Annual #9, Shadow of the Bat Annual #4, Legends of the Dark Knight Annual #6)


„Whatever happens to me — the legend will never die!“ (Batman)

Im Jahr 1996 standen alle DC-Annuals unter einem Titel: Legends of the Dead Earth. Erzählt wurden Geschichten aus alternativen Universen (allerdings ohne Elseworlds-Label), in denen die Helden in verschiedenen Versionen einer düsteren Zukunft kämpften. Auf einer toten Erde leben die Legenden weiter, so das Motto der Reihe.

Im Batman Annual erzählt ein alter Mann in einer dystopischen Zukunft ein paar Kindern Legenden von Bat-Man, einem geflügelten Helden, der einen Sidekick namens Darkbird hat. Die bekannten Schurken erscheinen in abgewandelter Form: der Joker ist der Mad Jester, der Menschen mit manipulierten Holo-Programmen zum Lachen bringt, Catwoman ist Cat-Fem, eine Mensch-Tier-Hybridin, Two-Face ist Split-Face und Scarecrow ist ein Vogelmensch, der tatsächlich zunächst als Vogelscheuche arbeitet, bevor er vor Angst wahnsinnig wird und seinen Job verliert. Auch wenn die Figuren und Anekdoten nicht alle durch Einfallskraft glänzen, ist dieses Heft das gelungenste der vier.

Im Detective Comics Annual ist Batman ein Riesen-Roboter, im Shadow of the Bat Annual führt Batman eine Armee gegen eine feindliche Reptilien-Spezies an und reitet dabei auf Dinosauriern. Der vierte Teil (Legends of the Dark Knight Annual) spielt zwar in einer Art Zukunft, aber das Szenario mutet mittelalterlich an. Batwoman ist hier die Heldin, die das Erbe ihres Vaters Robert Kane antritt. Batman war ein Henker für einen Schurkenstaat, der Selbstmord beging, nachdem er seine Schuld nicht mehr ertrug. Batwoman macht reinen Tisch.

Auch wenn das Konzept einen interessanten Ansatz verspricht und den Schöpfern kreative Freiheit zu gewähren scheint, kommt bei Batman nicht viel Interessantes bei rum. Bloß oberflächliche Variationen des Altbekannten in verschiedenen Dystopien. Kein Wunder, dass diese Storys bisher nicht wiederaufgelegt wurden.

Galgenmännchen

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Scarface – A Psychodrama (dt. Batman/Scarface – Ein Psychodrama)

Autor/Zeichner: Alan Grant/Charlie Adlard

Erschienen: 2001 (One-shot), dt. Panini 2002 (Batman Finest #1)


„Ich bin nicht nur ein Holzglock –“ (Scarface)

Der Bauchredner Arnold Wesker klebt seiner Puppe Scarface den Mund zu, fesselt sie auf einem Brett und lässt sie in Flammen aufgehen während sie aufs Meer hinaustreibt. Mithilfe von Doktor Arkham soll das der erste Schritt zur Heilung sein. Wesker wird aus der Anstalt entlassen und versucht ein neues Leben anzufangen – als Bauchredner. Ob das eine gute Idee ist? Natürlich nicht. Denn auch wenn er sich eine neue Puppe schnitzt, auch wenn sie weiblich ist und Lola heißt, lässt sich Scarface nicht abschütteln. Das Holz, aus dem die Puppe gemacht ist, entstammt einem Galgen, an dem die Verurteilten von Blackgate gehängt wurden, und ist folglich verflucht von ihren Seelen. Also entwickelt Scarface ein Eigenleben, das ihn über Umwege wieder zurück zu Wesker führt. Auch der Pinguin hat die Flossen im Spiel …

Batman spielt in diesem Psychodrama nur eine kleine Rolle. Im Mittelpunkt stehen Wesker und die Puppe, allerdings ohne große psychologische Tiefe. Durch den angedichteten Fluch wird die Einbildung relativiert. In gewisser Weise erinnert das Comic an die Serienepisode „Double Talk“ der New Batman Adventures (S01E04, 1997), in der Wesker ebenfalls versucht, von Scarface loszukommen, aber seine alte Gang ihn wieder mit Scarface zu verbünden versucht. Die Episode macht vieles besser als das Comic, weil sie wirkliche Empathie für die Hauptfigur weckt. Die Figur so stark mit Hokuspokus aufzuladen, schießt in diesem „Psychodrama“ übers Ziel hinaus. Grafisch ist das Heft auch eher aus einfachem Holz geschnitzt.

Furchtlos gegen furchteinflößend

Titel: Daredevil and Batman: Eye for an Eye (dt. Auge um Auge); Batman/Daredevil: King of New York

Autor/Zeichner: D.G. Chichester/Scott McDaniel; Alan Grant/Eduardo Barreto

Erschienen: 1997/2000 (One-shots), dt. Panini 1998/Dino 2000


„They’re not so alike as some might believe.“

„One man knows his fear. Respects it, and has made himself its master. The other man knows no fear, and if he did — he would laugh in its face.“

Batman und Daredevil sind Seelenverwandte. Beide bewegen sich in ihren jeweiligen Universen auf dem selben Niveau: dem der Straße. Beide operieren weitgehend ohne übernatürliche Kräfte – wenn man von Daredevils gesteigerter Sinneswahrnehmung und Batmans Gadgets absieht. Beide sind nachtaktiv. Da liegt es nahe, die beiden Helden aus verschiedenen Universen zu einem Crossover zusammenzubringen. Wie so üblich gibt es zwei Teile, ein Hin- und ein Rückspiel, eines herausgegeben von Marvel, eines von DC.

Im ersten Teil (Eye for an Eye) kämpfen die beiden gegen Two-Face und Mr. Hyde (gespaltene Persönlichkeit!), doch zuvor geraten die Helden aneinander. Es beginnt mit einer kleinen Keilerei, dann spielen die beiden Angsthase, indem Batman mit dem Batmobil auf Daredevil zugerast kommt. Daredevil ist in dieser Story der Besonnene, der die Sinnlosigkeit solcher Spielchen aufzeigt und der – im Gegensatz zu Batman – bei Two-Face den Menschen hinter dem Schurken sieht. Das liegt auch daran, dass Matt Murdock und Harvey Dent eine gemeinsame Vergangenheit angedichtet wird (Jura!). Im Wesentlichen aber bleibt die Story eine oberflächliches Gipfeltreffen, das schnell abgehandelt wird wie eine Pflichtübung.

Drei Jahre später kommt es (in King of New York) zu einem Wiedersehen in Gotham. Dieses Mal geht es um Scarecrow, was naheliegt. Für alle, die es nicht kapieren, erklärt die Erzählstimme, dass Batman der Meister der Angst ist, während Daredevil der Mann ohne Furcht ist (siehe oben). Scarecrow lässt von Catwoman eine Akte über den Kingpin stehlen und verübt daraufhin Attentate auf Wilson Fisks Filialen in New York. Warum? Keine Ahnung, denn am Ende will Scarecrow doch nur das Übliche: die ganze Stadt mit seinem Angstgas zu terrorisieren. Weil Batman und Daredevil sich bereits kennen, gibt es zwar das obligatorische Rumgezicke, aber keine Kämpfe mehr. Nur in der Eröffnungsszene kommen sie einander in die Quere. So lösen sie zusammen einen unspektakulären Fall, den jeder von ihnen auch genauso gut hätte alleine lösen können.

Aber der Sinn solcher Crossover besteht eigentlich nur darin, Fan-Fantasien zu befriedigen und beide Helden wenigstens ein paar Panels teilen zu lassen. Das ist so weit in Ordnung, nur hätten die Autoren dabei selbst ein wenig mehr ihre eigene Fantasie bemühen können.

Fascho

DC Comics

DC Comics

Titel: The Tyrant

Autor/Zeichner: Alan Grant/Tom Raney, Joe Staton

Erschienen: 1994 (Shadow of the Bat Annual #2)


„Funny how we start off with such good intentions, yet somehow end up mired in terror and fear.“ (Batman)

Dass der Weg zur Hölle bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert ist, kann man in dieser Geschichte sehen: Seit Batman vor zwei Jahren vom Joker öffentlich demaskiert wurde, wurde der Vigilant zum Volkshelden und stieg zum Herrscher von Gotham empor. Batman bei Nacht, Bruce Wayne bei Tag – eine Schreckensherrschaft, deren oberstes Ziel die Verbrechensbekämpfung ist. Denn zusammen mit Doktor Jonathan Crane (hier einmal nicht Scarecrow) hält der Tyrann die Verbrechensrate gering, indem er das Trinkwasser mit Drogen versetzt. Als die beiden daraufhin planen, die Stadt mit einer noch stärkeren Substanz zu vergasen, die alle Menschen mit „kriminellen Tendenzen“ außer Gefecht setzt, regt sich Widerstand: Die klassischen Batman-Schurken planen ein Attentat auf Batman – angeführt vom jugendlichen Revoluzzer Anarky.

Es ist schade, dass The Tyrant keine aufwendigere Aufmachung oder mehr Seiten bekommen hat, denn das Elseworlds-Setting, das Alan Grant entwirft, wäre es wert gewesen, weiter ausgebreitet zu werden. Dass Batmans Kreuzzug in letzter Konsequenz Faschismus bedeutet, ist eine kühne Vision, die hier sehr einnehmend inszeniert wird. Batman ist zwar ein autoritärer Herrscher, aber auch ein Zweifler, der sich nach den richtigen Methoden fragt und schockiert ist, als er von James Gordon als Faschist beschimpft wird. Da ist es folgerichtig, die Story als Tragödie enden zu lassen. Leider aber kommt das eigentliche Finale überstürzt, hier hätte man sich mehr Platz für Dramaturgie gewünscht. So bleibt The Tyrant zwar ein herausragendes Was-wäre-wenn-Szenario, aber ein viel zu kurzes.

Eine ähnliche, aber nicht ganz so gelungene Dystopie entwirft I, Joker. Wen der politische Aspekt besonders interessiert, sollte die Anarky-Storys lesen. In Frank Millers All-Star Batman wird der Held erneut zum faschistoiden Tyrannen.