Arkham Asylum

Die halbe Geschichte einer geteilten Stadt

Arkham City

DC Comics

Titel: Arkham City

Autor/Zeichner: Paul Dini, Derek Fridolfs/Carlos D’Anda u.a.

Erschienen: 2012/2014 (Batman: Arkham City #1-5, Digital Chapters #1-5)


So gut die Arkham-Games auch gemacht sein können: Ich bin kein Spieler. Ich lese lieber. Das Problem ist: Zu Arkham Asylum gibt es keine Comic-Adaption, nur ein 16-seitiges Prequel. Erst die Ereignisse danach wurden in einer fünfteiligen Miniserie und fünf digitalen Comics erzählt, die zu dem Nachfolger-Spiel Arkham City überleiten. Daher wirkt der Einstieg etwas unvermittelt.

Der Joker ist zu Beginn ein zu einem Bane-artigen Mutanten aufgeblähtes Monstrum. Batman besiegt ihn dank Handschuhen, die bei jedem Schlag explodieren. Daraufhin ruft Bürgermeister Sharp Arkham City aus, ein Teil der Stadt wird zum Gefängnis erklärt, in dem sich die Insassen von Arkham Asylum und Blackgate aufhalten dürfen, bis sie von dort entlassen werden. Ehrlich gesagt verstehe ich den Sinn dieser Idee nicht, denn die Folgen sind absehbar: Die größten Schurken kämpfen um die Vorherrschaft, allen voran Joker und Pinguin. Aber vielleicht muss man es nicht verstehen, sondern es reicht zu erkennen, dass dahinter Hugo Stranges sinistrer Plan steckt, Batman zu vernichten …

Das Szenario erinnert an die Storyline No Man’s Land, nur mit dem Unterschied, dass hier die große Geschichte nicht erzählt, sondern nur vorbereitet wird. Wir sehen, wie Batman sich undercover zuerst in Jokers Gang, dann in Pinguins Gang einschleust und verhindert, dass sich die beiden mit Waffen versorgen. Wir sehen Catwoman und Poison Ivy zusammenarbeiten. Mit ausdrucksstarken Zeichnungen und knalligen Farben wird ein schönes, kurzweiliges Actionspektakel geboten, das Lust auf mehr macht.

Aber „mehr“ bedeutet in diesem Fall nur fünf kleine Kapitelchen mit Hintergrundmaterial und vor allem: das eigentliche Spiel Arkham City. Wer sich nicht in diesem Universum bewegt, ist in diesem Comic verloren. Schade eigentlich, denn während es zu Batman-Filmen stets Comicadaptionen gab, sind die Comics zum Spiel nur Beiwerk. Damit erzählt dieser Band bestenfalls nur eine halbe Geschichte.

Mr. Dent geht nach Washington

DC Comics

Titel: Threat of the Two-Headed Coin

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick

Erschienen: 1974 (Batman #258)


„Whenever I begin to think I’ve got nothing else to learn from you, you prove me wrong!“ (Robin)

Die Geschichte des Arkham Asylums beginnt erst 1974: Damals wurde es als Arkham Hospital eingeführt, ganz nebenbei, als Aufenthaltsort von Two-Face und dem Joker. Und schon beim ersten Erscheinen erweisen sich die Sicherheitsvorkehrungen als bedenklich. John Harris, ein frustrierter General, der sich an den USA rächen will, überfällt Arkham und befreit Two-Face, weil er ihn für seinen ach so genialen Plan braucht. Doch kaum ist Two-Face frei, macht er seinem Namen alle Ehre: Er hat jetzt das Sagen und da der General widerspricht, schmeißt er den General raus.

Erster Blick auf Arkham Hospital

Harris wendet sich an die Polizei von Gotham, um sie vor Two-Face zu warnen, doch als Batman ihn zur Rede stellt, springt er aus dem Fenster. Völlig ungerührt machen Batman und Gordon weiter, als wäre nichts passiert. Psychologisch glaubwürdig wird es erst wieder, als Batman feststellt, dass er und Two-Face so verschieden nicht sind: Beide seien besessen. Two-Face von dem Widerspiel zwischen Gut und Böse, Batman vom Verbrechen.

Ein Mann stürzt sich in den Tod. Und dann weiter im Text …

Batman und Robin geraten in die Falle. Two-Face erweist sich als gnädig: Statt Batman endlich ein für alle Mal zu töten, betäubt er ihn nur und nimmt ihn gefangen. Batman kommt auf eine interessante Weise frei: Im linken Ohr seiner Maske befindet sich ein kleiner Schweißbrenner, mit dem sich die Fesseln lösen lassen. Genial! Nicht nur Robin ist begeistert.

Two-Face und die Bombe

In der Zwischenzeit hat Two-Face eine Atombombe im Kapitol in Washington D.C. platziert und will die Regierung um zwei Milliarden US-Dollar erpressen. Zwölf Stunden lang steht er mit dem Zünder rum, ohne dass er müde wird oder irgendjemand einen Finger rührt (zum Beispiel, um das Geld zu besorgen oder den Schurken zu erschießen). Erst als Batman eintrifft, kümmert sich jemand um die Lösung des Problems.

Zum Schluss spielt wieder die Münze eine große Rolle: Batman wendet wieder diesen Schwachpunkt gegen seinen Erzrivalen. Two-Face soll, bevor er den Knopf drückt, erstmal seine Münze konsultieren. Sie fällt auf die heile Seite. Doch kurz bevor er sich ergibt, erkennt er: Die Münze hat nur zwei heile Seiten – er wurde reingelegt. Der hat bereits in „The New Crimes of Two-Face“ (Batman #68, 1951) und ähnlich auch in „Half an Evil“ (Batman #234, 1971) geklappt. Mensch, Harvey, du fällst aber auch immer wieder auf den gleichen Trick rein!

Two-Face hilft Joker … nicht.

Aber Two-Face erweist sich auch sonst als inkonsequent: Als der Joker ihn in Arkham bittet, ihn zu befreien, wirft Two-Face seine Münze, und weil sie auf der zerkratzten Seite landet, sagt er nein. Als er sie später noch einmal wirft, bedeutet die zerkratzte Seite, dass er sich dem General anschließt, also ja. Aber auch falls die Münze für Gut und Böse steht, wäre es doch naheliegender, den Joker bei der bösen Seite freizulassen – um noch mehr Böses zu stiften. Stattdessen ist Two-Face einfach böse dem Joker gegenüber. Es ist wohl zu viel verlangt, den Verstand eines Irren verstehen zu wollen …

>> Liste der Two-Face-Comics

Lästern über Arkham-Spiele

Spiele sind nicht mein Ding. Ich lese lieber Comics und schaue Filme. Warum? Weil man damit schneller eine durch eine Geschichte kommt als in Games wie in der Batman: Arkham-Reihe. Durch Gotham zu fliegen, mit dem Batmobil zu fahren und sich durch Arkham zu prügeln mag am Anfang ganz nett sein, aber der Effekt verbraucht sich schnell. Keine Frage: Die Spiele sind toll gemacht. Aber eben was für Spieler. Eine ironische Zusammenfassung der Trilogie Batman: Arkham Asylum, Arkham City und Arkham Knight bieten die Honest Game Trailers.

Hort der Hoffnungslosen

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Reborn

Autor/Zeichner: David Hine/Jeremy Haun

Erschienen: 2009-2010 (Batman: Battle for the Cowl – Arkham Asylum #1, Arkham Reborn #1-3, Detective Comics #864-865), Paperback 2010


„All things are possible here and I am what madness made me. Whole. And complete. And free at last.“ (Amadeus Arkham)

Dies ist keine Batman-Story. Es ist die Geschichte von Jeremiah Arkham, dem Leiter von Arkham Asylum. Erzählt wird, wie er nach der Zerstörung der Anstalt durch Black Mask (Battle for the Cowl) Arkham wieder aufbaut und mit neuem Konzept in Betrieb nimmt. Der Psychiater wird als unverbesserlicher Idealist dargestellt, der immer noch fest an die Heilung seiner Patienten glaubt, obwohl sie noch nie geglückt ist. Mit der neuen Anstalt setzt er auf das Konzept eines Krankenhauses statt eines Gefängnisses. Kritiker bleiben skeptisch. Und tatsächlich geht schon kurz vor der offiziellen Eröffnung einiges schief, sodass einige Insassen wie Killer Croc und Clayface fast draufgehen. Offenbar ist jemand daran interessiert, für Gothams Schurken eine ultimative Lösung zu finden. Es kommt zum Aufstand der Patienten. Erst dann tritt Batman auf.

Arkham Reborn ist eine Story für Freunde von Vorgeschichten, in denen erklärt wird, wie es zu diesem oder jenem kam. Normalerweise sehe ich so eine Erlärerei skeptisch, weil der Reiz von Geschichten oft darin besteht, dass man vieles nicht weiß. Hier ist es anders. Denn Arkham Reborn reicht Antworten für Fragen nach, die bei der Lektüre von Batman: Life After Death (dt. Das Leben nach dem Tode) aufgekommen sind und den Leser unbefriedigt zurückließen. Mit anderen Worten: es wird erklärt, wie Jeremiah Arkham zu Black Mask wurde. Es ist also eine psychologische Geschichte eines Menschen mit gespaltener Persönlichkeit. Alles ist schön plausibel aufgedröselt. Aber das Beste daran ist, dass das sehr einnehmend erzählt wird. Und damit macht die Geschichte das Chaos von Life After Death wieder gut.

Wie in anderen Arkham-Storys üblich, ist auch hier der Fantasie für Grausamkeit keine Grenzen gesetzt. Auch hier begegnet man neuen Insassen, die das Irrenhaus noch mehr zum Gruselkabinett werden lassen. Am besten funktioniert aber Arkham Reborn als Charakterstudie. Aus der persönlichen Perspektive wird erzählt, was dem Protagonisten seine Anstalt bedeutet, dass er sich seinem (irren) Vorfahren Amadeus Arkham verpflichtet fühlt und wie fürsorglich er sich um seine kaputtesten Patienten kümmert. So kann man Empathie und sogar Mitleid für den ihn aufbringen, wenn man mitansieht, wie er sich vom Wahnsinn anstecken lässt. So reiht sich auch diese Story in die Tradition der ewigen Tragödie ein: Arkham bleibt der Hort der Hoffnungslosen.

Weitere Arkham-Storys:

Vom Elternhaus zum Irrenhaus

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Manor

Autor/Zeichner: Gerry Duggan/Shawn Crystal

Erschienen: 2014-2015 (Mini-Serie #1-6, Paperback 2015), dt. Panini 2015


„This is the best outcome from a list of terrible options.“

Nachdem Bruce Wayne in Batman Eternal sein Vermögen verloren hat und Arkham Asylum zerstört wurde, wird Wayne Manor zum neuen Arkham. Batman zieht sich in seine Höhle zurück. Arkham Manor ist ein Tie-in, in dem von den Folgen der Umwandlung erzählt wird. Denn kurz nach dem Bezug mordet ein Unbekannter in dem Anwesen. Batman lässt sich undercover einweisen und geht der Sache nach. Die eigentliche Verbrecherjagd verläuft ziemlich linear und unspektakulär, auch die Auflösung nicht weiter von Belang, weil wir so gut wie nichts über den x-beliebigen Mörder erfahren. Deshalb wird die Story noch mit einem kleinen Joker-Clayface-Intermezzo aufgemotzt, in dem Mr. Freeze eine Schlüsselrolle spielt. Leider fällt Freeze dabei aus seiner Rolle: Während er in Batman Eternal noch versucht, in Gotham Verbrecher zu spielen, begnügt er sich hier mit Grillen und Iglubauen im Vorgarten.

Und damit wären wir beim Hauptkritikpunkt: Shawn Crystal neigt mit seinen kantigen Figuren zu Überzeichnungen, die an Cartoons erinnern. Das hat zwar einerseits eine bestechende Dynamik, andererseits kann man dadurch die Handlung nicht ganz ernst nehmen. Wenn Batman am Ende ein schmächtiges Kerlchen durch eine Wand schleudert, verstärkt das den Eindruck davon, dass hier zu dick aufgetragen wurde für eine Story, die man nicht unbedingt hätte erzählen müssen. Das einzig Interessante ist hier, dass Bruce Wayne damit hadert, das Anwesen seiner Eltern als Hort für seine Erzfeinde herzugeben. Aber auch dieser Konflikt ist schnell gelöst, als er zur Erkenntnis kommt, dass der Sohn damit auch bloß seiner Stadt dient.

Von allem zu viel

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Eternal Vol. 2

Autor/Zeichner: Scott Synder, James Tynion IV u.a./Jason Fabok u.a.

Erschienen: 2014-2015 (Batman Eternal #22-34, Paperback 2015), dt. Panini 2015 (Batman Eternal #11-17)


„We’re stretched in too many directions. Perhaps more than ever before. I’m getting worried.“ (Batman)

Nach dem ersten Akt von Batman Eternal ist klar, wer für das Chaos in Gotham verantworltich ist: Hush. Zuletzt ist er in Wayne Manor eingedrungen und hat Alfred Angstserum ins Hirn gespritzt; der Butler wird im Krankenhaus ins Koma gebracht und dann nach Arkham verlegt. Doch die Hauptarbeit lässt Hush immer noch traditionsgemäß von anderen erledigen: Der Architekt (Zachary Gate) versucht, Waynes Beacon Tower zu zerstören und löst damit ein Erdbeben in Gotham aus. Daraufhin sorgt der neue Commissioner Jason Bard dafür, dass in Gotham das Kriegsrecht ausgerufen wird. Auf eine Massenpanik folgen Aufstände. Der viel zu spät erwachte Spectre vernichtet Arkham Asylum beim Kampf gegen den Schurken Deacon Blackfire. Catwoman tritt das Erbe ihres Gangster-Vaters Rex „The Lion“ Calabrese an, indem sie zur Mobchefin wird. Stephanie Brown wird zur Superheldin Spoiler und wehrt sich gegen ihren mordlüstigen Vater.

Obwohl die Autoren es schaffen, mit immer neuen Zuspitzungen den Leser bei Laune zu halten, hat der zweite Akt von Batman Eternal einige Durchhänger. Das liegt auch daran, dass weniger Handlungsstränge in die einzelnen Kapitel gepackt werden. Dadurch verliert man aber auch einige Personen aus dem Blick: die Polizei und die Presse spielen eine marginale Rolle. Der Subplot in Arkham mit Spectre wird allzuschnell aufgelöst, war aber auch zuvor nicht besonders geistreich. Es sollte bloß auf die Vernichtung von Arkham und die Befreiung der Insassen hinauslaufen.

Bei Hush stellt sich wieder der Verdacht ein, dass der grandiose Racheplan an Batman vielleicht eine Spur übertrieben sein könnte. Dabei lernt man schon beim Big Lebowski, dass Pläne am besten einfach sein sollten, damit sie funktionieren … Hush hat übrigens auch die bemerkenswerte Fähigkeit, immer zufällig an der richtigen Stelle zu sein, wo es seinem grandiosen Plan dienlich ist. Leider aber scheitert er an seiner Inkonsequenz. Nach einem furiosen Finale scheint die Schlacht gewonnen, aber Batman steht fast vor dem Nichts.

Trotzdem tut es der Über-Story gut, dass sie sich wieder auf ihren Hauptcharakter besinnt. Batman schien in dem ganzen Aufgebot an Charakteren zwischenzeitlich unterzugehen. Jetzt wird es wieder persönlicher, es steht wieder mehr Batman im Mittelpunkt. Er muss mal wieder gegen sich selbst kämpfen und die Dämonen, die er erschaffen hat. Dabei wird er erneut mit der Frage konfrontiert, ob sein Kreuzzug nicht doch mehr Schaden verursacht, als er verhindert. Denn wieder werden dafür neue Soldaten rekrutiert, die unter dem ewigen Krieg leiden. Dazu zählen neben der neuen Spoiler und Harper Row auch Julia Pennyworth, Alfreds Tochter. Sie sorgt mit ihren bissigen Sprüchen für einige Seitenhiebe auf den Batman-Mythos und damit einige Lacher. Erfreulich ist daran auch, dass dadurch die Frauenquote sehr hoch ist, aber die Batman-Familie so groß wird wie wahrscheinlich noch nie zuvor:

  1. Red Hood
  2. Red Robin
  3. Batgirl
  4. Batwoman
  5. Bluebird (Harper Row)
  6. Spoiler
  7. Alfred Pennyworth
  8. Julia Pennyworth

Es fehlen nur Nightwing (da gegenwärtig als Grayson unterwegs), Robin (da gegenwärtig noch tot) und Ace der Bathund (hoffentlich bleibt es dabei). Aber zu einer solchen Mega-Story wie Batman Eternal gehört es wohl dazu, nicht nur viel, sondern von allem zu viel zu bieten. Schon in Goethes Faust heißt es: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.“

Fortsetzung folgt.

Wahnsinn und Hölle

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Asylum – Living Hell

Autor/Zeichner: Dan Slott/Ryan Sook

Erschienen: 2003 (Mini-Serie #1-6)


„Arkham Asylum is not just any institution for the criminally insane. It’s the Ivy League of insanity. A ‚Harvard‘ for Psychopaths.“ (Dr. Arkham)

Wer Batman lesen will, sollte sich vergewissern, dass auch Batman draufsteht. Tut es hier nämlich nicht. Auch wenn Batman auf dem Cover abgebildet ist. Denn in Arkham Asylum: Living Hell ist die Irrenanstalt der Protagonist. Und die Hölle spielt auch eine wichtige Rolle. Leider. Denn wenn ich eines nicht mag, dann sind es Batman-Storys, in denen Etrigan irgendwelche anderen Dämonen bekämpft. Und besonders wenn Batman dabei nicht viel zu melden hat.

So viel vorab. Den roten Faden der Geschichte bildet Warren White, ein Betrüger, der sich für unzurechnungsfähig erklären lässt, um dem Knast zu entgehen. Doch der Richter schickt ihn nach Arkham. Und dort muss White viele Qualen durchstehen. Seine einzige Hoffnung ist tot bevor er es ahnt. Einzig der dicke Riese Humpty Dumpty erweist sich als Freund. Am Ende geht White aus seiner Opferrolle wieder als Schurke hervor. Zwischendrin ufert die Handlung aus: das Personal ist frustriert, die Insassen proben den Aufstand, Two-Face und Joker kommen frei, Poison Ivy versucht es zumindest, Dr. Arkham selbst greift zur Waffe – was halt so in dieser Anstalt passiert.

Naja, und dann gibt es eben noch die Höllenhandlung. Das Böse kommt frei, weil … nun, weil vielleicht doch etwas dran ist an der alten Vorstellung, dass Geisteskranke von fremden Dämonen besessen sind. Oder, wie es in einem deutschen Schlager heißt, Wahnsinn und Hölle hängen schon immer eng zusammen. In Arkham spuken auch Geister von Toten herum. Warum? Wegen der vielen Leichen im Keller von Arkham wahrscheinlich. Ist auch eigentlich nicht so wichtig und auch gar nicht so interessant. Etrigan erweist sich als ziemlich unfähig. Batman ist bloß eine Randerscheinung in dem ganzen Chaos. Und die Zeichnungen? Ganz okay: bei den Freaks ausdrucksstärker als bei den Normalos, bei Batman selbst langweilig und auch sonst eher gewöhnlich. Ansonsten bleibt trotz der Gewaltorgien kaum etwas nachhaltig im Gedächtnis. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass mich solche Dämonen-Geschichten nicht jucken. Gelungenere Anstaltsberichte sind das spätere Arkham Asylum: Madness sowie der unübertroffene Klassiker von Grant Morrison.

Weitere Arkham-Storys:

 

 

Erschütternd, nicht weltbewegend

Titel: Cataclysm (dt. Inferno)/Aftershock (dt. Nachbeben)

Autor/Zeichner: Alan Grant, Doug Moench, Chuck Dixon u.a./Jim Aparo, Klaus Janson u.a.

Erschienen: 1998 (18-teilig in mehreren Serien und One-Shots), dt. Dino 1999-2000 (Batman #40-46, Batman Special #9-11, Batman präsentiert #1-2)


„It’s never easy to find inner strength and peace, even when the outer world is relatively stable…the destruction of physical reality always does spiritual damage.“ (Bruce Wayne)

„… there’s little I can do against disease and natural disasters. A lost cause can become a fool’s errand. I’m still only human. I did what was humanly possible. I hope you don’t think I’ve failed in my promise.“ (Batman)

Nach der Seuche kommt das Erdbeben. Gotham wird zerstört, es herrschen Tod, Chaos und Verbrechen. Ein gewisser Quakemaster bekennt sich, die Katastrophe verursacht zu haben und erpresst die Stadt. Die Frage ist nicht, ob er es wirklich war, denn umgehen müssen Batman und seine Verbündeten so oder so mit einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Batman verzweifelt an dem Verfall seiner Stadt und dem Massentod seiner Bewohner, vor allem aber an der Tatsache, dass er niemandem die Schuld an dem Unglück geben kann. Er kämpft an allen Fronten – aber es gibt keinen Gegner, den man verprügeln und einbuchten könnte. Das mag zwar das alte Batman-Schurken-Schema durchbrechen, indem es dem Helden neue Seiten und Leidenswege eröffnet, aber es funktioniert nur schleppend.

(mehr …)

Schlachtgetümmel und Etikettenschwindel

DC Comics

DC Comics

Titel: Forever Evil: Arkham War

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Scot Eaton, Graham Nolan

Erschienen: 2013-2014 (Batman #23.1: Bane, Arkham War #1-6, Forever Evil Aftermath: Batman vs. Bane #1, Paperback 2014), dt. Panini 2014.


„To know thine enemy, you must become thine enemy.“ (Bane)

„… no matter how these freaks try to convince us otherwise … the sun always rises eventually.“ (James Gordon)

Nachdem das Crime Syndicate die Justice League ausgeschaltet, die Welt verdunkelt und die Schurken befreit hat (siehe Forever Evil), haben die Insassen des Arkham Asylum Gotham übernommen und unter sich aufgeteilt. Batmans Erzfeind Bane wittert seine Chance, befreit mit seiner Privatarmee die Insassen von Blackgate-Gefängnis und versucht seinerseits die Stadt zu erobern, um dort seine Schreckensherrschaft zu errichten. Er paktiert mit dem Pinguin, doch der treibt ein dreifaches Spiel, da er ebenfalls mit Scarecrow, dem Anführer der Arkhamites, und Comissioner James Gordon was am laufen hat. Es kommt zum Krieg. Unter anderem kämpft Banes Venom-Armee gegen eine Schar von Man-Bats. Bane versucht, die tiefgefrorenen Talons zu reaktivieren, doch Scarecrow will sich ebenfalls ihrer bemächtigen – mit einer Mischung aus Angstgas und Mad Hatters Gedankenmanipulation. Als das nicht funktioniert, verpasst Scarecrow sich und seinen Schergen eine Dosis Venom – und die Stadt ist voller Bane-Verschnitte …

(mehr …)

Brutstätte des Wahnsinns

Arkham Asylum : Madness

DC Comics

Titel: Arkham Asylum: Madness

Autor/Zeichner: Sam Kieth

Erschienen: 2010 (One-shot), dt. Panini 2011


„… the people here are actually very sad, and that can happen to any of us …“

„This place is killing me.“

„These very walls are the perfect recipe for madness.“

In diesem Comic hat Batman mal Pause. Stattdessen wird ein Tag in Arkham Asylum aus der Sicht der Angestellten gezeigt. Man erfährt, dass in der Anstalt nur die Insassen die gleichen bleiben, während das Personal verheizt wird. Die Menschen, die dort arbeiten, haben meist keine Wahl, weil sie verschuldet sind und sie ihr Leben notdürftig bestreiten müssen. So nehmen sie die Angst und den Frust in Kauf, den Arkham mit sich bringt: Entweder man stirbt dort oder man kündigt früher. Hier dient eine alte rostige Wanne außerhalb des Geländes, wo die Angestellten ihre Raucherpausen machen, als Insel der Glückseligkeit.

Hauptfigur ist die Krankenschwester Sabine, die den Job durchzieht, um für ihren Sohn zu sorgen. Wegen Personalmangels muss sie nach einer Tagesschicht auch noch eine Nachtschicht übernehmen. Der Antagonist ist, wie kann es anders sein, der Joker höchstselbst. Wir sehen ihn alte Schachteln von antiken Scherzartikeln sammeln. Man kann sich denken, dass er sich dieses Hobby nicht ohne Grund gesucht hat. Denn jede Box erzählt die Geschichte einer Grausamkeit am Personal. Zum Schluss spielt der Joker mal wieder den Narren, der die Heldin mit unbequemen Fragen quält. Gastauftritte gibt es von einem beängstigend-ungeheuerhaften Killer Croc im Wassertank, Poison Ivy, Harley Quinn, Scarecrow und Man-Bat. Und dann ist da noch eine zu langsam gehende Wanduhr, die blutet … – ein Symbol für die Gesamtsituation.

Sam Kieth findet einen ganz eigenen Weg, den Irrsinn zu verbildlichen. Er benutzt verschiedene Zeichen- und Maltechniken sowie Bildstile, vom cartoonhaft Überzeichneten bis zum Hyperrealistischen. Manche Panels sind Gemälde, andere wirken wie skizzenhafte Vorstufen. Die Virtuosität zeigt sich am meisten beim Finale, wenn der Joker in jedem Panel auf eine andere Art dargestellt ist: mal kantig, mal cartoonhaft, stets wie eine Karikatur seiner selbst. Selten war mehr Abwechslung als in diesem Comic. Man kommt nicht umhin, die Optik mit der zu vergleichen, die Dave McKean für Grant Morrisons Arkham-Story gefunden hat. Auch wenn es zuweilen Ähnlichkeiten gibt, bewahrt sich Sam Kieth einen ganz eigenen Zugang zum Thema Irrsinn und schafft es so, eine beklemmende, klaustrophobische Stimmung zu erschaffen. Arkham Madness verdient einen Platz im Regal gleich neben Morrisons Klassiker.

>> Mehr Joker-Comics

>> Mehr über den Joker

Weitere Arkham-Storys: