Black Mask

Knightfall #3: Das erste Vorspiel

DC Comics

Knightfall beginnt nicht erst mit Batmans Kampf gegen Bane. Das Besondere daran ist, dass das unerhörte Ereignis gut vorbereitet wird – und zwar mit langem Vorlauf. Nachdem Azrael (Jean-Paul Valley) und Bane eingeführt wurden, wurde Batman geschwächt. Das geschah zunächst in den Ausgaben Batman #484-490  (1992-1993).

Zu Beginn lässt Black Mask seine Gang an mehreren Orten Feuer legen – ein Rachefeldzug gegen Bruce Wayne, denn Roman Sionis gibt ihm die Schuld dafür, sein Unternehmen verloren zu haben. Batman tut sich schwer damit, ihm auf die Spur zu kommen. Lucius Fox wird entführt. Dann schleust sich Batman undercover in die False Face Society ein. Als Skullface gelingt es ihm, die Gang zu zerschlagen, aber Black Mask entkommt ihm.

DC Comics

Batman sieht sich gescheitert, was ihn noch mehr runterzieht. Er hat schon während des Falls Ermüdungserscheinungen gezeigt, hat kaum geschlafen und sich zur Höchstleistung angetrieben. Im Nachgang schont er sich nicht, sondern versucht, sein Versagen wiedergutzumachen. Sein Zustand bessert sich nicht, als er es mit einem gestachelten Freak namens Metalhead zu tun bekommt. Dann muss er auch noch ein Attentat auf Commissioner James Gordon verhindern.

Bruce Wayne geht zum Arzt. Dieser versichert ihm, es gehe ihm körperlich gut, nur psychisch nicht. Batman leidet unter einer Art Burnout – all die Strapazen haben ihre Spuren hinterlassen. Schließlich sucht er sich Hilfe bei der Psychiaterin Shondra Kinsolving, die es mit einem ganzheitlichen Ansatz versuchen will: Medikamenten und Gesprächen. Bruce legt sich ins Bett, träumt aber schlecht.

In Batman #489 tritt Bane erstmals öffentlich auf. Zugleich ist es auch das erste Mal, dass Jean-Paul Valley das Batman-Kostüm anzieht, während Bruce Wayne sich auszuruhen versucht. Nach einem ersten Training mit Robin, das er in einem schwarzen Kostüm (mit seltsamen Kopf-Fransen, vgl. Metalhead) absolviert, muss sich der Neuling gegen einen durchdrehenden Killer Croc beweisen. Doch das geht schief, er steckt mächtig Prügel ein. Da erscheint Bane und bricht Croc den Arm. Er besiegt ihn, um seine Würdigkeit zu beweisen. Mehr noch: Bane durchschaut, dass nicht der wahre Batman im Kostüm steckt.

Der wahre Batman kommt eine Ausgabe später wieder (Batman #490), obwohl noch längst nicht fit, und lässt sich auf den Riddler ein. Doch dem wird von Bane die Droge Venom verabreicht. Batman muss zweimal gegen einen „aufgepumpten“ Edward Nigma kämpfen, der mit seinen Aktionen die Stadt zu terrorisieren versucht. Schließlich sind es die Bane-Schergen Bird, Zombie und Trogg, die den Riddler zu Fall bringen, indem sie ihn anschießen.

In Batman #491 schließlich befreien Bane und seine Gang die Arkham-Insassen, was offiziell zwar auch noch zum Vorspiel zählt, aber womit die tatsächliche Handlung von Knightfall einsetzt; daher ist die Ausgabe auch in Band eins des Paperbacks von 2012 enthalten. Die Ausgaben 484 bis 490 sind erstmals gesammelt im Knightfall Omnibus Vol. 1 enthalten. Und man sollte sie unbedingt lesen, wenn man die ganze Story erfassen will. Denn sie zeigen nicht nur, dass Batman schon vor Banes Intervention psychisch zusammenbricht, sondern sie führen auch wichtige Figuren wie Dr. Kinsolving ein und erklären, wie Killer Croc zu seinem gebrochenem Arm kam und wie sich Bane in Batmans Leben einschleicht.

Wer noch früher ansetzen will, sollte auch Batman #386, Detective Comics #553 und Batman #387 lesen (in dieser Reihenfolge) – darin wird nämlich Black Mask eingeführt.

Mehr zu Knightfall:

Advertisements

Wie Black Mask in die Welt kam

Titel: Black Mask: Losing Face/The False Face Society of Gotham/Ebon Masquery

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Klaus Janson

Erschienen: 1985 (Batman #386, Detective Comics #553, Batman #387)


„Know that the mask destroys one identity while creating another. Know that the mask recreates its wearer.“ (Black Mask)

Batman ist auch eine Geschichte über Identitäten, über Gesichter und Masken. Batmans wahre Identität ist zwar Bruce Wayne, aber nur an der Oberfläche. In Wahrheit ist Wayne nur eine Maske, während die Batman-Maske sein wahres Gesicht ist. Und dennoch bedeckt seine Maske nur das halbe Gesicht, seine Mundpartie bleibt (meist) frei. Wir haben es also nur mit einer halben Maske zu tun. Batman ist eben nur zur Hälfte Fledermaus. Und damit ist er so gespalten wie Two-Face – und nicht mehr als ein Zerrbild wie Joker oder Clayface.

1985 kam ein neuer Schurke auf, der diese Masken-Thematik neu aufgriff: Black Mask (Roman Sionis). Erzählt wird seine Geschichte ganz altmodisch, nämlich von Anfang an, wie etwa bei Scarecrow. Es beginnt damit, dass Roman Sionis gleich nach der Geburt fallengelassen wird. Nur ein Versehen macht den Tag der Geburt gleich zum einem fatalen Datum, das sein restliches Leben bestimmt. Denn Roman wird ein Kind, das nie Gefühle zeigt, sondern bloß falsche Gesichter aufsetzt, um so zu tun als ob.

Dabei hat Roman sonst alles, was er braucht, denn seinen Eltern gehört der Kosmetikhersteller Janus. Als Erwachsener verliebt er sich in das Model Circe und stellt es ein, doch als seine Eltern gegen die Verbindung sind, ermordet er sie durch Brandstiftung. Er übernimmt das Unternehmen und richtet es mit iditotischen Entscheidungen zugrunde. Nachdem es wegen eines gesichtsschädigenden Make-ups vielfach verklagt wird, übernimmt Wayne Enterprises Janus.

Der verbitterte Roman Sionis schnitzt sich in der Familiengruft eine schwarze Maske aus dem Ebenholz-Sarg seines Vaters, macht ein paar Gauner zu seiner maskentragenden False Face Society und geht auf Rachefeldzug. Seine ehemaligen Vorstandskollegen werden mit Masken getötet, die mit dem zerstörerischen Make-up bestrichen sind, dann müssen auch die amtierenden Vorstandsmitglieder dran glauben. Black Mask entstellt Circe. Schließlich soll auch Bruce Wayne sterben – Sionis kannte ihn schon als Kind.

Batman lockt ihn in eine Falle, indem er ihn als Bruce Wayne zu einem Maskenball einlädt. Am Ende, nachdem Roman seine Kuscheltiere abfackelt, brennt sich die Maske in sein Gesicht – und Black Mask ist fürs Leben entstellt.

Black Mask hat eine Ideologie: die Maske dient als Mittel zur Reinkarnation. Sie zerstört die alte Identität und erschafft eine neue. Autor Doug Moench lässt sich viel Zeit, um seine Motivation zu erklären, eine ganze Ausgabe lang wird die tragische Vorgeschichte ausgebreitet. Aber wie so oft übertreibt er maßlos, wenn der junge Roman zum Beispiel inspiriert wird von einem Waschbär – weil der scheinbar eine Maske trägt. Dieses Waschbär-Motiv zieht sich durch die ganze Geschichte und wird damit überzogen, weil es schon am Anfang zu bemüht wirkt.

Bei aller Liebe zur Exposition – die Story erschöpft sich leider darin. Es folgt eine Reihe von Grausamkeiten, aber Empathie verspürt man bei diesem Rachefeldzug nicht für den Schurken. Denn er rächt sich für etwas, das er selbst zu verantworten hat. Roman Sionis ist ein unsympathischer Irrer, der sich bloß von seinen emotionalen Kurzschlüssen leiten lässt und das macht sein Verhalten schwer nachvollziehbar. Sein Ende kommt abrupt, denn er ist nicht einmal ein besonders gewiefter Gegner für Batman. Interessanter wird Black Mask erst später: im Vorspiel zu Knightfall, in War Games und Under the (Red) Hood.

Die schrillen Zwei auf Achse

DC Comics

Titel: All-Star Batman Vol. 1 – My Own Worst Enemy (dt. Mein schlimmster Feind)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/John Romita Jr., Declan Shalvey

Erschienen: 2016 (All-Star Batman #1-5), Hardcover 2017; dt. Panini 2017 (Paperback)


„There will be a mess.“

Nachdem Two-Face einen Säureregen über Gotham niedergehen ließ, offenbart sein gutes Ich, Harvey Dent, dass er an einer dauerhaften Lösung für das Problem arbeite: Er will Two-Face mit einer chemischen Kur beseitigen. Batman packt den Schurken ein und macht sich im Flieger zu dem Ort auf – doch dann wird er abgeschossen. Weil Two-Face ein Kopfgeld auf Batman ausgesetzt hat, sind jetzt alle hinter ihm her – Schurken wie Zivilisten. Und dann schicken Pinguin, Black Mask und Great White (Shark) auch noch einen alten Bekannten ins Spiel: The Beast, ehemals KGBeast.

Scott Snyders erste All-Star Batman-Storyline ist ein Road Movie, in dem fast jedes denkbare Transportmittel bemüht wird, es steckt voller erst-, zweit- und drittklassiger Schurken, voller Waffen von der Kettensäge bis zur Machete, und demnach auch voller Gemetzel. Und dann bricht auch noch die Polizei in Wayne Manor ein, um die Bathöhle zu suchen. Auch die immer noch die namenlose gelbe Bat-Aushilfe Duke darf mitspielen. (Der bekommt am Ende des Bandes noch ein kleines Extra-Abenteuer.) Als wäre das noch nicht genug, dichtet Snyder dem jungen Bruce Wayne noch eine gemeinsame Vergangenheit mit Harvey Dent an. (Armer Bruce: Hat der Junge mit dem Tod seiner Eltern und der Suche nach dem Rat der Eulen nicht schon genug durchmachen müssen?)

Snyder zieht also mal wieder alle denkbaren Register. Das sorgt zwar für viel Abwechslung, aber führt auch zu Ermüdungserscheinungen. Denn natürlich muss es auch um den alten Widerstreit der gespaltenen Persönlichkeiten gehen. Doch das eigentliche Thema bleibt zuweilen auf der Strecke. Bei dem schnell ausgetauschten Kanonenfutter an Schurken hat man selten den Eindruck, dass es sich wirklich um eine Two-Face-Story handelt. Immerhin ist die Wendung am Ende interessant ausgefallen, wenn auch die Idee von Two-Face, von jedem Menschen die stärkere Seite hervorzubringen, nicht ganz neu ist (siehe Jekyll & Hyde).

Eigentlich kann man sich kaum beschweren: My Own Worst Enemy ist ein knallbuntes, wildes Spektakel.  Aber es leidet, wie andere Snyder-Storys, an dem alten Problem: es wirkt überladen. Es passiert so viel, dass man fast vergessen könnte, dass hier nichts von Substanz passiert. Snyder hat zwar viele Ideen. Leider sticht keine davon besonders heraus. Da erscheint es nur passend, dass gerade Zeichner John Romita Jr. (The Last Crusade) das Ganze inszeniert – klobig und brachial.

Mehr von Scott Snyder:

>> Liste der Two-Face-Comics

Tausend Seiten Langeweile

Titel: War Games Vol. 1-2 (früher: War Drums, War Games, War Crimes)

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2004-2005; Paperbacks 2004-2006 (5 Bände), 2015-2016 (2 Bände); dt. Panini 2005 (diverse Hefte)


„War is not a game. It’s an abomination. And this must be stopped.“ (Batman)

Die Kurzfassung: Ein Bandenkrieg bricht in Gotham aus, Black Mask übernimmt die Unterwelt.

SPOILER: Stephanie Brown wird zu Robin, wird aber schnell gefeuert und stirbt bald darauf, nachdem sie von Black Mask gefoltert wird.

Bilanz: Zwei Bände mit über 1000 Seiten, auf denen zu wenig Spannendes passiert – verschwendete Lesezeit.

Die ausführliche Fassung:

Tim Drake hat keine Lust mehr. Er hat als Robin hingeschmissen. Ein Ersatz muss her, da steht auch schon die erste Aspirantin auf das Amt des Wunderknaben bereit: Stephanie Brown, Tochter des Schurken Cluemaster, ehemals als Spoiler unterwegs. Kaum bricht sie in die Bathöhle ein und steht im selbstgenähtem Kostüm vor Batman, ist sie engagiert. Bei Tim hat Batman noch gezögert und mit sich gehadert, immerhin war gerade erst Jason Todd im Einsatz draufgegangen. Aber beim ersten Mädchen in der Rolle scheint er keine Skrupel zu haben. Warum, erfährt man später: sie ist bloß Kanonenfutter.

Ja, ich weiß: strenggenommen ist Stephanie nicht der erste weibliche Robin. Vor ihr gab es Carrie Kelley, allerdings nur im alternativen Universum von The Dark Knight Returns (auch wenn sie kürzlich Eingang in den Kanon fand, aber das ist eine andere Geschichte). Spoiler-Robin ist aber die erste in der regulären Continuity. Es ist allerdings bezeichnend: Wenn Robin ein Mädchen wird, dann nur für kurze Zeit. So geht Stephanie Brown leider nur als Fußnote in die Comic-Geschichte ein. Alfred Pennyworth kommentiert das so:

„One has difficulty adjusting to the recurrent personnel changes, what with Robin, and the Robin before her …“

Die Handlung von War Games lässt sich Zeit. Das erste Drittel (ursprüglich War Drums genannt) baut nur allmählich die Geschichte in Gang. Ein Gang-Krieg hier, Mr. Freeze da, eine Pest frisst Menschen auf, der Pinguin macht Waffendeals, Robin darf sich beweisen und wird nach ein paar Tagen gefeuert, während Tim Drake Liebeskummer hat und sich woanders Trost sucht. Kurz gesagt: ziemlich schleppend und belanglos.

Nach diesem zähen Auftakt geht die eigentliche War Games-Story los. Nachdem es bei einem Treffen der Gangster-Bosse zu einer Schießerei kommt, bei der die meisten getötet werden, bricht ein Bandenkrieg in der ganzen Stadt aus. Das Treffen hat Stephanie Brown einberufen, um Batman zu beweisen, das sie das Verbrechen in Gotham beseitigen kann. Falsch gedacht, es endet in einer Katastrophe. Auch für sie. Und auch narrativ. So wird das Lesen selbst zum Kampf.

Der erste Akt von War Games, mit dem der erste Band (500 Seiten!) schließt, ist nichts als eine große Prügelei:

  • Batman vermöbelt Gangster
  • Nightwing vermöbelt Gangster
  • Catwoman vermöbelt Gangster
  • Robin vermöbelt Gangster
  • Batgirl vermöbelt Gangster
  • neue Heldinnen wie Onyx und Tarantula vermöbeln Gangster

Eintönig? Ja, so ging es mir auch. Aber so geht es im zweiten Band (600 Seiten!) weiter. Bis irgendwann endlich der Hauptschurke auftaucht: Black Mask. Zu lange hält man mit ihm hinterm Berg, dann ist er plötzlich da, ohne großen Auftritt – und als Batman dahinterkommt, ist es keine Überraschung mehr, weil der Leser es längst weiß, ohne dass er selbst rätseln musste. Das hätte man eleganter lösen können. Aber immerhin ist Black Mask, ein grausamer, sadistischer wie wortgewandter Schurke, das Einzige an dieser Story, das Interesse weckt.

Alles weitere ist entbehrlich. Zu viele Charaktere tummeln sich da (Hush! Deadshot! Scarecrow!), die die dünne Story mehr mit unnötigen Schlägereien ausbremsen als sie voranzubringen. Batman wirkt mal wieder sehr unsympathisch, weil herrisch, als er auch noch der Polizei vorschreiben will, was sie zu tun hat, und danach bei ihr in Ungnade fällt. Dabei ist die eigentlich spannende Prämisse, dass der Mann, der an alles gedacht hat, unfreiwillig zum eigentlichen Auslöser der Krise wird. Aber hier wird die Idee verschenkt.

Der Schlussteil, War Crimes, ändert an dem Gesamteindruck wenig: er liest sich wie ein Epilog, der sich noch mehr zieht als das Ende von Herr der Ringe III. Das Finale enttäuscht, Black Mask und Joker gehen in einer Seitengasse wegen einer Nichtigkeit aufeinander los, Batman mischt sich ein, es geht kindisch zu wie auf dem Pausenhof. Da kann auch die überraschende Wendung am Ende nicht mehr helfen. Sie braucht uns ebenso wenig zu jucken wie die über 1000 Seiten davor.

Hort der Hoffnungslosen

DC Comics

DC Comics

Titel: Arkham Reborn

Autor/Zeichner: David Hine/Jeremy Haun

Erschienen: 2009-2010 (Batman: Battle for the Cowl – Arkham Asylum #1, Arkham Reborn #1-3, Detective Comics #864-865), Paperback 2010


„All things are possible here and I am what madness made me. Whole. And complete. And free at last.“ (Amadeus Arkham)

Dies ist keine Batman-Story. Es ist die Geschichte von Jeremiah Arkham, dem Leiter von Arkham Asylum. Erzählt wird, wie er nach der Zerstörung der Anstalt durch Black Mask (Battle for the Cowl) Arkham wieder aufbaut und mit neuem Konzept in Betrieb nimmt. Der Psychiater wird als unverbesserlicher Idealist dargestellt, der immer noch fest an die Heilung seiner Patienten glaubt, obwohl sie noch nie geglückt ist. Mit der neuen Anstalt setzt er auf das Konzept eines Krankenhauses statt eines Gefängnisses. Kritiker bleiben skeptisch. Und tatsächlich geht schon kurz vor der offiziellen Eröffnung einiges schief, sodass einige Insassen wie Killer Croc und Clayface fast draufgehen. Offenbar ist jemand daran interessiert, für Gothams Schurken eine ultimative Lösung zu finden. Es kommt zum Aufstand der Patienten. Erst dann tritt Batman auf.

Arkham Reborn ist eine Story für Freunde von Vorgeschichten, in denen erklärt wird, wie es zu diesem oder jenem kam. Normalerweise sehe ich so eine Erlärerei skeptisch, weil der Reiz von Geschichten oft darin besteht, dass man vieles nicht weiß. Hier ist es anders. Denn Arkham Reborn reicht Antworten für Fragen nach, die bei der Lektüre von Batman: Life After Death (dt. Das Leben nach dem Tode) aufgekommen sind und den Leser unbefriedigt zurückließen. Mit anderen Worten: es wird erklärt, wie Jeremiah Arkham zu Black Mask wurde. Es ist also eine psychologische Geschichte eines Menschen mit gespaltener Persönlichkeit. Alles ist schön plausibel aufgedröselt. Aber das Beste daran ist, dass das sehr einnehmend erzählt wird. Und damit macht die Geschichte das Chaos von Life After Death wieder gut.

Wie in anderen Arkham-Storys üblich, ist auch hier der Fantasie für Grausamkeit keine Grenzen gesetzt. Auch hier begegnet man neuen Insassen, die das Irrenhaus noch mehr zum Gruselkabinett werden lassen. Am besten funktioniert aber Arkham Reborn als Charakterstudie. Aus der persönlichen Perspektive wird erzählt, was dem Protagonisten seine Anstalt bedeutet, dass er sich seinem (irren) Vorfahren Amadeus Arkham verpflichtet fühlt und wie fürsorglich er sich um seine kaputtesten Patienten kümmert. So kann man Empathie und sogar Mitleid für den ihn aufbringen, wenn man mitansieht, wie er sich vom Wahnsinn anstecken lässt. So reiht sich auch diese Story in die Tradition der ewigen Tragödie ein: Arkham bleibt der Hort der Hoffnungslosen.

Weitere Arkham-Storys:

Stets bemüht

Titel: Life after Death (dt. Das Leben nach dem Tode)

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel

Erschienen: 2009-2010 (Batman #692-699, Paperback 2010), dt. Panini 2012 (Paperback)


„I acted as the Dark Knight. To the best of my abilities – I became him. And I succeeded.“ (Dick Grayson)

Nein, Dick Grayson ist nicht Bruce Wayne. Aber er tut sein Bestes, die Rolle von Batman auszufüllen. Das ist besonders schwierig, denn wie immer gibt es in Gotham sehr viel zu tun. Black Mask beherrscht immer noch die Stadt, er verbündet sich mit Hugo Strange und Doctor Death und führt eine Armee von gehirngewaschenen Gasmaskenträgern an. Es beginnt ein Bandenkrieg mit Mario Falcone, dem letzten Sohn des Paten Carmine „The Roman“ Falcone. Der Reaper kehrt in neuer Form zurück: als Holocaust-Überlebender, der sich für sein Trauma rächt (an wem auch immer, jedenfalls nicht an Nazis). Eine Forschungseinrichtung, die Geisteskranke heilen will, wird attackiert. Batman versucht, Black Masks Versteck aufzuspüren. Dabei helfen ihm Catwoman und ein Mädchen namens Kitrina, das ebenfalls eine Vorliebe für Katzenkostüme hat …

Das alles hört sich nicht nur nach ziemlich viel für gerade einmal sechs Hefte an. Das ist es auch. Das Problem daran: Es ergibt keine stimmige Geschichte. Zu viel ist bloß angerissen verläuft sich im Nichts. Es fehlt der Spannungsbogen, es fehlt ein Charakter als roter Faden. Dick Grayson taugt nicht besonders dazu. Überhaupt stellt er sich nicht gerade schlau an. Wie ein blutiger Anfänger tappt er in die offensichtlichste Falle und lässt sich als Handlanger für die Bösen instrumentalisieren – wie gut, dass Sie ihm nur eine Gasmaske anlegen, statt ihm seine Maske auszuziehen. Es wirkt, als hätte Dick seine Lehrjahre als Robin und seine Wanderjahre als Nightwing vergessen.

Tony S. Daniel (Battle for the Cowl) ist zwar ein herausragender Zeichner, aber kein besonders fähiger Erzähler (das haben wir schon bei seinen Detective Comics festgestellt). Das gilt auch für die Zweistory im Paperback, in der Batman einen Serienmörder sucht und dabei mit dem Riddler zu tun bekommt. Am Ende gibt es mehr Fragen als Antworten, ohne dass man besonders gespannt ist auf des Rätsels Lösung.

Das dynamische Trio

Batman versus Superman, Teil 23: The Batman/Superman-Story (2007)

Das dynamische Trio: Batman, Superman und Robin. (Warner Bros.)

Das dynamische Trio: Batman, Superman und Robin. (Warner Bros.)

Titel: The Batman/Superman-Story

Drehbuch: Alan Burnett, Steve Cuden

Erschienen: 2007 (The Batman S05E01-02 (E53-54))


No man in a tin can is going to beat the Man of Steel.“ (Lex Luthor)

Als Superman zu Besuch in Gotham City ist, hetzt ihm Lex Luthor Metallo auf dem Leib. Glücklicherweise sind Batman und Robin in der Nähe, um dem Stählernen den Maschinenmann mit dem Kryptonitherz vom Leib zu halten. Superman zeigt seine Dankbarkeit, indem er einen Röntgenblick unter Batmans Maske wirft (vgl. World’s Finest, 1997). Batman ist nicht erfreut. Doch das war nur der Auftakt von Lex‘ Racheplan: Danach beauftragt er Batmans halbe Rogues Gallery, um Superman auszuschalten – Black Mask, Bane, Mr. Freeze und Clayface. Weil auch hier wieder das dynamische Trio triumphiert, kommt Plan C zum Einsatz. Lex bringt Superman dank einer Mischung aus Kryptonitstaub und Poison Ivys Gift in seine Kontrolle. Daraufhin müssen Batman und Robin gegen Superman kämpfen. Batman behilft sich mit Kryptonit, das er Superman fieserweise in den Pyjama steckt, später steigt der Dunkle Ritter in seine Panzerrüstung, unterstützt wird von Robin, der mit Raketenantrieb durch die Gegend fliegt – und schließlich ist es auch dieser „Rockin‘ Robin“, der mit Raketen dem Kampf der Titanen ein Ende bereitet. Als Superman wieder zur Besinnung kommt, verbünden sich die drei gegen Lex, der mit einer Roboter-Armee die Weltherrschaft anstrebt …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Animationsserie The Batman hat im Vergleich zu der klassischen Serie aus den 90ern keinen Stil: ein grauenhafter Vorspann, völlig überzeichnete Charaktere, ein kindliches Szenario, Anbiederung an die Tradition ohne nennenswerte eigene Akzente zu setzen. Aber die Doppelfolge The Batman/Superman-Story hat durchaus Unterhaltungswert. Wenn man davon absieht, dass hier bloß abgestandene Motive wiederaufgewärmt, möglichst viele Figuren zusammengepfercht werden und die ganze Handlung unvermittelt und unmotiviert einsetzt, kann man sich wenigstens an der Action berauschen. Denn wen interessieren Plot und Charaktere, wenn man die beiden größten Superhelden von DC endlich dabei sieht, wie sie sich gehörig vermöbeln? In den bisherigen Episoden der Superman Animated-Serie hat es das nicht gegeben. Bemerkenswert ist auch der ungewöhnliche Rollentausch: Nicht Batman, sondern Superman ist hier der einsame Wolf, der keine Lust auf Teamwork hat. So muss ihn Batman erst dazu überreden, der Justice League beizutreten. Am Ende wird „Big Blue“ etwas geselliger und vertraut sogar Batman ein Stück Kryptonit an. Ende gut, alles gut: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

In diesem Sinne beenden wir (vorerst) unsere Serie und freuen uns auf kindliche Erwachsenenunterhaltung beim Kinofilm Batman v Superman.

Alle Teile der Serie Batman versus Superman zum Nachlesen:

Weitere Begegnungen und Kämpfe zwischen Batman und Superman:

Vom Rotkehlchen zum Rotkäppchen

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Under the Red Hood

Drehbuch: Judd Winick

Erschienen: 2010 (Direct-to-Video)


„Ich hätte mich niemals mit einem Wahnsinnigen verbünden dürfen.“ (Ra’s al Ghul)

Fünf Jahre nach der umstrittenen Storyline Under the Hood wurde der Comic verfilmt, allerdings unter dem Titel Under the Red Hood, was danach auch für den Comicsammelband übernommen wurde. Der Film tut, was Filme so tun: Er lässt viel aus. Man könnte auch sagen: Er verdichtet. Und das tut dem Stoff sehr gut.

Kurz gesagt: Es geht darum, wie das ehemalige Rotkehlchen Jason Todd (Robin II) über den Umweg des Todes zum mörderischen Rächer, dem Rotkäppchen Red Hood, wird. Es beginnt mit dem obligatorischen Robin-Mord durch den Joker. Statt die Story von A Death in the Family nachzuerzählen (Jasons Suche nach der Mutter, Reise in den Libanon etc.) wird hier kurzer Prozess gemacht: Der Joker vermöbelt gerade Robin mit der Brechstange, Batman eilt zu Hilfe, aber er kommt zu spät. Irgendwas hat die Sache mit Ra’s al Ghul zu tun, der offenbar gemeinsame Sache mit dem Joker macht. Und dieser Aspekt ist die wohl beste Entscheidung für den Film: So hat man gleich den Protagonisten eingeführt, der für Jason mit der Lazarus-Grube wiederbelebt. Kein metaphysischer Schicksals-Unsinn wie im Comic ist für die Auferstehung verantwortlich, sondern ganz einfach Ra’s selbst, weil er Schuldgefühle hat, für Jasons Tod mitverantwortlich zu sein. Als Leser und Zuschauer fragt man sich: Warum nicht gleich so?

Der weitere Hauptunterschied ist, dass der Joker eine viel größere Rolle spielt. Nicht bloß als Racheobjekt für Jason alias Red Hood, sondern auch dass Black Mask Joker als Auftragskiller für Red Hood anheuert. Der Joker ist gewalttätiger als je zuvor in einem Animationsfilm, er tötet plötzlich einige von Black Masks Männern – nur mit einem Wasserglas und nur weil er gerade Lust dazu hat. Der Part mit Mr. Freeze wird weggelassen, ebenso die Gastauftritte anderer Helden und Schurken, zum Beispiel Deathstroke. Dafür gibt es ein Attentat einer neuen Gruppe: The Fearsome Hand of Four. Batman und Nightwing kämpfen gemeinsam gegen den Androiden Amazo, der auch schon im Comic vorkommt. Trotz der zusätzlichen Gewalt sind andere Szenen entschärft, zum Beispiel die, in der Red Hood eine Tasche voller Köpfe in eine Gangsterversammlung wirft. Im Comic sieht man, was drinsteckt, im Film muss es Red Hood sagen. Einige Rückblenden, in der Robins Anfangszeit nachgereicht werden, vom Räderklau bis hin zu einer kurzen Begegnung mit dem Riddler, sorgen für die emotionale Tiefe der Charaktere.

Under the Red Hood übernimmt das Beste aus den Comics, verdichtet es und fügt einige neue Ideen hinzu. Daraus entsteht ein in sich stimmiges Ganzes, das auch dank der hervorragenden Animation zu fesseln vermag.

Niemand stirbt für immer

DC Comics

DC Comics

Titel: Under the (Red) Hood

Autor/Zeichner: Judd Winick/Doug Mahnke

Erschienen: 2005-2006 (Batman #635-641, #645-650, Batman Annual #25), Paperback 2005/2006 (zwei Bände), 2011 (ein Band, Titel: Under the Red Hood)


„He was never supposed to die.“

„This has nothing to do with science … or logic …“ (Batman)

„Fear isn’t the answer.“ (Red Hood)

Under the (Red) Hood ist wieder so eine Geschichte, über die man nicht sprechen kann, ohne das Wichtigste vorwegzunehmen. Während die Erstleser noch rätseln konnten, wer sich unter der roten Maske verbirgt, dürfte das heute den meisten Lesern klar sein, deshalb sei es hier gesagt: Jason Todd, der vom Joker totgeprügelte Robin II, kehrt von den Toten zurück. Und diese Entscheidung dürfte noch umstrittener gewesen sein, als die Leser damals über den Tod abstimmen zu lassen (vgl. A Death in the Family). Denn immerhin wird damit ihr (Todes-)Urteil für nichtig erklärt.

Was kurz zuvor bei Hush noch ein nettes Gimmick in der Story war, aber sich als Trugbild offenbarte, wird hier zur Tatsache. Im Nachhinein war es doch nicht Clayface in der Gestalt von Robin, der Batman einst auf dem Friedhof begegnet ist, sondern tatsächlich Jason Todd, der später mit Clayface die Rollen getauscht hat. Und es beweist erneut die alte Superhelden-Weisheit: niemand stirbt für immer. Nach dem Tod und der Wiederaufstehung von Superman sind auch Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman und Green Arrow Oliver Queen diesen Weg gegangen. Egal, ob man Superkräfte hat oder nicht, es findet sich immer ein Weg, die Toten zurückzuholen – mit welcher fadenscheinigen Begründung auch immer. Die einen Fans fühlen sich verschaukelt, die anderen freuen sich über die Rückkehr einer beliebten Figur oder einfach nur über eine unerwartete Wendung. Nichts ist unmöglich in der Welt der Superhelden. Das lässt sie leider auch oft sehr willkürlich erscheinen.

(mehr …)

Ziemlich ätzend

Detective Comics 2: Scare Tactics

Titel: Scare Tactics (dt. Die Maske des Schreckens)

Autor/Zeichner: Tony Daniel (u.a.)

Erschienen: 2012 (Detective Comics #8-12, #0, Annual #1 (The New 52)), Paperback 2013; dt. Panini 2013 (Batman #13-14), Paperback 2014


„The death of your parents is the best thing that could happen to you. It freed you from the constraints of mortality. You are destined to be more than human… You are destined to soar like a god. “ (Shihan Matsuda)

Der zweite Sammelband der neuen Detective Comics ist ein Potpourri an Geschichten und Figuren – leider wird kaum etwas davon im Gedächtnis bleiben.  Das erste Heft erzählt eine Scarecrow-Story, die Catwoman und den bereits im ersten Band eingeführten Sohn von Hugo Strange involviert, aber auf den wenigen Seiten keinen Platz bekommt, einen Spannungsbogen Hier werden bloß bekannte Figuren vorgezeigt, ohne etwas Interessantes mit ihnen anzufangen. Bruce Waynes Verhältnis zu seiner Freundin, die im ersten Band eingeführt wurde, spielt kaum noch eine Rolle.

Die zweite Story bildet das Arkham-Kapitel der Night of the Owls, bevor die drei nächsten Ausgaben einem neuen Schurken gewidmet ist: Mr. Toxic. Nicht nur der Name klingt lachhaft, als käme er aus dem Golden Age, auch das Kostüm des Kerls ist nicht gerade einfallsreich. Ein Kerl in einer Rüstung, natürlich mit Muskeln bepackt, trägt eine an Red Hood erinnernde Haube, die – Achtung! – mit einem Totenkopf und gekreuzten Knochen bemalt ist – ziemlich ätzend … In dieser Story wirft Batman nur so mit irgendwelchen pseudo-physikalischen Fachbegriffen um sich, nur um einer ziemlich trivialen Handlung so etwas wie eine Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dabei fängt sie eigentlich ganz interessant an: Mit einer Gruppe als Batman verkleideter Räuber. Nur leider wird bis zum Ende nicht klar, warum sie sich gerade so verkleidet haben …

Detective Comics #0, das von einem Kampf von Black Mask gegen den Mad Hatter handelt, ist ebenfalls nicht der Rede wert. Interessant wird es erst am Ende des Bandes (Detective Comics #0), denn dort bekommt man zwei Kapitel aus Batmans Vorgeschichte zu lesen: Zunächts eine Episode aus Bruce Waynes Ausbildung im Himalaya, dann sehen wir seine Heimkehr. Das ist zwar etwas zusammenhanglos, aber es macht Lust auf das Zero Year, das später in Batman erzählt wird. (Leider ist auch die Himalaya-Episode nicht ganz logisch, aber ich will nicht zu viel vorwegnehmen.) Zum Schluss (im Annual #1) gibt es eine passable Two-Face-Story und eine Hinführung zu der Joker-Storyline Death of the Family – beide überzeugen eher durch die Bilder von Szymon Kudranski als die Handlung.

Während Batman die großen Stories erzählt, wird Detective Comics wohl nur die kleinen und zweitrangigen Beiträge leisten.