Wonder Woman beendet das Patriarchat

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DC Comics

Titel: Wonder Woman Earth One Vol. 1-3 (dt. Erde Eins)

Autor/Zeichner: Grant Morrion/Yanick Paquette

Erschienen: 2016/2018/2021 , dt. Panini 2016-2021


Hippolyta, die Königin der Amazonen, kniet gefesselt in Dreck, mitten unter Schweinen, über ihr lacht der Mannn im Löwenmantel: „To heel, bitch of Hercules!“ Die anderen Amazonen sind gefangen, versklavt von seinen Männern. Doch dann nimmt Hippolyta den Zaubergürtel wieder an sich, erdrosselt Herkules und befreit sich und ihre Schwestern von der Knechtschaft durch die Männer.

So beginnt die Geschichte von Wonder Woman auf Earth One von Grant Morrison. In ähnlicher Form ist sie seit 80 Jahren bekannt (siehe All-Star Comics #8, 1941), aber so wurde sie noch nie erzählt: drastisch, aber auch ausdrucksstark  und eingebettet in Bruchstücke antiker Malerei: Zeichner Yanick Paquette legt sich mächtig ins Zeug und ihm gelingt ein wahrer Hingucker auf jeder Seite. Nach dem Prolog ist Paradise Island 3000 Jahre später eine Pracht, idyllisch gelegen, klassizistisch bebaut und hochtechnisiert mit Fluggleitern und Heilungsstrahlen.

Zurück zu den Ursprüngen

Hier wird Prinzessin Diana in Ketten vorgeführt und angeklagt, weil sie sich mit der Welt der Männer eingelassen hat. Sie brachte den abgestürzten Piloten Steve Trevor zurück in seine Heimat und offenbarte so die Existenz der Amazonen. Anders als in der Urfassung der Geschichte von William Moulton Marston nimmt Diana nicht am Wettkampf teil, um auszulosen, wer Trevor nach Hause bringen soll. Dennoch tritt sie als Rebellin auf, die nach eigenem Kopf und Gewissen handelt. Sie hinterfragt ihr Erbe als Prinzessin. Anspielend auf ihre Entstehung aus Lehm sieht sie sich als Dreck, der sich nur einbildet, am Leben zu sein. Sie provoziert, indem sie sich für den Wettkampf den Löwenkopf des Herkules aufsetzt – die Maske des Unterdrückers. Zum Schluss stellt sich heraus, dass sie die Tochter des Herkules ist, eine Waffe Hippolytas gegen die Welt der Männer.

Wonder Woman: Earth One erzählt damit die altbekannte Geschichte in einer verblüffend frischen Variation, ohne die vertrauten Elemente und Figuren aufzugeben, betont aber vor allem die Ursprünge der Figur wie die Fesselspiele und die dazugehörige Unterwerfung unter eine liebende Autorität („submission in loving authority“). Im Unterschied zu ihrer klassischen Corsage trägt Diana hier ein Korsett sowie geschnürte Stiefel. Steve Trevor legt sie ein Hundehalsband um.

Ende des Patriarchats

Das zentrale Thema ist hier der Feminismus, der sich von einer unterdrückenden Welt der Männer abgrenzt. Von Anfang an wird Wonder Woman angefeindet und vom Milität für eine Bedrohung gehalten. Diana will die Welt vor dem Übel bewahren, indem sie sie den Amazonen unterwirft. „Then all be well. Trust me.“ Am Ende wird sie freigesprochen und setzt sich durch: Sie präsentiert sich der Welt, um sie zu einem besseren Ort zu machen – vor allem für Frauen. Das bedeutet ein radikales, aber friedliches Ende des Patriarchats.

Im zweiten Teil stellt sich Wonder Woman kritischen Fragen zu ihrer „unrealistischen“ Figur, der Inklusion von Trans-Frauen und inwiefern ihre Mission anmaßend ist. Wie anpassungsfähig sie selbst ist, zeigt eine Sequenz, in der sie Frauen im Nahen Osten von Terroristen befreit und dabei in einem Niqab auftritt.

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Undercover, aber nicht gerade unauffällig: Wonder Woman im Niqab. (DC Comics)

Nach einem Kampf gegen die Nazifrau Paula von Gunther („Uberfraulein“) und Dr. Psycho kommt es im dritten Teil zum Finale mit Maxwell Lord, der sich als Kriegsgott Ares entpuppt, der eine Reihe von Killer-Robotern auf die Insel schickt. Diese Schlacht wird etwas zu mühelos geschlagen, als dass hier Spannung aufkommen könnte.

Interessant ist aber das Resultat: Die Welt wird zum weiblichen Utopia, in dem die Männer den Frauen als Haustiere dienen. Aufständische werden mit Liebe besiegt. All you need is love? Fast zu schön, um wahr zu sein. Für die Machos dieser Welt, die ihre Vormachtstellung schwinden und sich dadurch diskrimiert sehen, eine Horrorvorstellung, die sicher als Provokation dient. Aber eine, über die es sich nachzudenken lohnt.

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