Grant Morrison

Zum tausendsten Mal Batman: Detective Comics #1027

Detective Comics #1027 von Andy Kubert (DC Comics)

Man muss nicht abergläubig sein, um zuzugeben, welche Macht Zahlen auf uns haben. Schlaue Marketing-Leute wissen das. Und so feiern wir nicht nur mittlerweile alle fünf Jahre ein Batman-Jubiläum, auch jede runde Heftnummer wird schon zu einer Jubiläumssonderausgabe aufgeblasen, auch wenn eine #50 heute nur noch halb so viel wert ist wie noch im 20. Jahrhundert, da Batman und Detective Comics immer noch zweiwöchentlich erscheinen, aber dafür hebt man sich dann „Batmans Hochzeit mit Catwoman“ auf. Batman #100 muss natürlich auch was Besonderes sein. Und Detective Comics #1000 fiel im vergangenen Jahr mit Batmans 80. Jahrestag zusammen. Und dieses Jahr ist sogar Nummer #1027 144-Seiten stark. Warum? Weil es Batmans 1000. Aufritt in der Serie ist (die Nummern 0 und 1.000.000, sowie 23.1-4, Annuals und Specials natürlich nicht mitgezählt).

Die Idee ist nicht neu: Bereits 1991 wurde Detective Comics #627 mit drei Nacherzählungen von The Case of the Chemical Syndicate (Detective Comics #27, 1939) gefeiert. Jetzt also zwölf ganz neue Kurzgeschichten von der Crème de la Crème der Branche, übliche Verdächtige wie King, Snyder, Tomasi und Tynion, Veteranen wie Bendis, Morrison, Wolfman, Jurgens und Rucka, aber auch Batman-Neulinge wie Matt Fraction sowie die beiden Autorinnen (!) Mariko Tamaki und Kelly Sue DeConnick dürfen je eine Story beitragen. (Ganz zu schweigen von den fähigen Zeichnern.)

Mal wieder Joker

Jeder Autor widmet sich einer anderen Facette des Dunklen Ritters: Brian Michael Bendis lässt Batman sich mit der Batman-Family als Detektiv betätigen, Greg Rucka lässt seine Gotham-Central-Zeit wiederaufleben, indem er den Werdegang einer jungen Polizistin in Gotham erzählt, die nicht nach den Regeln spielt – und (wie oft in der Serie) von Batman gerettet wird. In Ghost Story trifft Batman mit Robin auf Deadman, in einer anderen prügelt er sich mit Dr. Phosphorus (gezeichnet von Walter Simonson) und Marv Wolfmans Beitrag ist nicht mal eine Erwähnung wert.

Und was kommt von den Neulingen? Kelly Sue DeConnick zeigt, wie Bruce Wayne beim Golfspielen geschickt gegen Korruption vorgeht – auf jeden Fall eine der stärkeren Geschichten. Fraction erzählt, wie der Joker Batman jedes Jahr ein Geburtstagsgeschenk überreicht. Die Pointe: Joker selbst ist das Geschenk – in ewiger Verbundenheit. Diese Tatsache beweist auch die letzte Story in dem Heft, einem Tie-in von Mariko Tamaki zum Joker War. Ohne Joker geht es nicht mehr, wir erleben derzeit eine regelrechte Joker-Flut und nach meiner Meinung läuft es sich tot. Weniger Joker wäre mehr. Andere klassische Schurken hätten mehr Aufmerksamkeit nötig.

Batmans Vorläufer und Vorbilder

Peter J. Tomasi macht es so, wie es nicht sein sollte: Seine Story von Batman in einer Todesfalle dient nur zum Anlass, seitenweise Pin-ups von Batmans Rogue-Gallery aneinanderzureihen. Damit werden die Figuren wie so oft in letzter Zeit zu bloßen Statisten degradiert. Ähnlich ist es mit Scott Snyders As Always, wo es darum geht – aufgehängt am Symbol des Bat-Signals – Batmans Rolle als kosmischen Kämpfer an der Seite der Justice League darzustellen. Hauptsache, es kommen alle anderen auch mal vor. Dan Jurgens deutet mit Generations: Fractured das nächste Event an, in dem die Zeit (schon wieder) aus den Fugen gerät und Batman in sein Ur-Kostüm von 1939 schlüpfen lässt. Die Welle der Nostalgie rollt immer weiter, in ewiger Retro-Schleife … (siehe auch Zero Year)

All diese Häppchen lesen sich schnell weg und sind ebenso schnell wieder vergessen. Was bleibt aber hängen? Vielleicht höchstens Grant Morrisons Detective #26, eine schöne Hommage an Batmans Vorbilder (bzw. Vorläufer): Ein Mann in Gotham beschließt, in Anlehnung an den Crimson Avenger und The Shadow, zum maskierten Rächer Silver Ghost zu werden – bis ihm dann ein Kerl in Fledermauskostüm zuvorkommt. Damit greift Morrison geschickt die Prämisse von der Batman TAS-Episode Beware of the Gray Ghost (Das graue Phantom) wieder auf, indem er darstellt, dass Batman selbst nur zusammengesetzt ist aus verschiedenen Versatzstücken – von Zorro bis Sherlock Holmes, von Leonardo bis The Bat Whispers.

Detective Comics #1027 bietet also viele Seiten fürs Geld, darunter auch viele prächtig gezeichnete, mit einer Reihe wunderbarer Pin-ups (Lee Bermejo ehrt die ersten Batman-Serials!), aber am Ende ist es doch nur eine weitere aufgeblasene Jubiläumsausgabe, die bloß viel Luft bietet – besonders nach oben.

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Superman: Working Class Hero

Titel: Superman and the Men of Steel/Bulletproof/At the End of Days

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Rags Morales, Brad Walker, Andy Kubert

Erschienen: 2011-2013 (Action Comics #1-18), Paperbacks 2012-2013


Im Jahr 2011 setzte DC mal wieder die Superheldenzeit zurück und auch alle Heftnummern begannen wieder von vorn. Bei Superman durfte Grant Morrison (All-Star Superman, JLA, Batman and Son) alles noch einmal von vorn erzählen. Grant Morrison steigt in die Story ein, als Superman bereits seinen ersten Auftritt gehabt und seinen Namen bekommen hat, aber noch nicht etabliert ist. Bei ihm ist Superman zuerst ein junger Mann mit Superman-T-Shirt, weiten Hosen und Arbeiterstiefeln, der sich als Clark Kent beim Daily Star (Konkurrenzblatt des Daily Planet) und als Blogger für die Rechte der Unterdrückten einsetzt.

Damit wählt Morrison einen Ansatz, bei dem er auch historisch ganz an den Anfang zurückgeht. Superman war bereits in seinen allerersten Geschichten ein Kämpfer für die Arbeiterklasse. Hier ist er ein Angry Young Man, der es mit einem bösen Großunternehmer aufnimmt und ihn mit Drohungen zu einem Geständnis zwingt. Und nebenbei hält er einen entgleisten Zug auf und was Superman sonst noch so macht. Als erstes wird er vom US-Militär gejagt, angeführt von General Lane und beraten von Lex Luthor, der als „bester Wissenschaftler“ der Welt gilt. (Auf welchem Gebiet? Wohl auf allen.) Zu bgeinn wird Superman auf einem elektrischen Stuhl gefoltert und kann sich selbst befreien. Luthor hasst ihn aus dem altbekannten Motiv: Fremdenfeindlichkeit.

Nach diesem Vorspiel bekommt Superman es aber mit Brainiac zu tun, dem Weltensammler. Abgesehen davon, dass Brainiac mehr wie ein riesiger Wurm aussieht als ein Mensch, bleibt die Story nah an den Versionen, die man aus dem Silver Age und der Geoff Johns-Version kennt. Nach Kandor entführt Brainiac das Zentrum von Metropolis, Superman macht das wieder rückgängig. Luthor hatte mit Brainiac paktiert, um ihn hereinzulegen, ist dann aber selbst reingefallen. Nebenbei wird John Corben zu Metallo, allerdings noch ohne diesen Namen anzunehmen. Und andeutet wird, dass Brainiac lediglich die Welten vor einer viel größeren Gefahr bewahren wollte, die noch kommen wird.

Auch als Morrison nach ein paar Ausgaben von Supermans Ursprung erzählt, bleibt er nah am Altbekannten. Kleine Variationen: Krypton ist nicht mehr so steril und lebensfeindlich wie noch bei John Byrnes Man of Steel und in der Rakete ist nur Platz für das Kind (statt für Lara). Superman wird von Jonathan und Martha Kent gefunden, die Rakete aber vom Militär konfisziert. Das Paar hinterlässt ein deformiertes totes Kalb, um die Wissenschaftler in die Irre zu führen. (Möglichen DNA-Analysen zum Trotz geht selbst Luthor später davon aus, dass es ein Alien ist …) Später sehen wir wieder die alte Anekdote, als der junge Clark einen Stier einfängt und auf die Legion of the Superheroes trifft – das gab es bereits früher schon, auch in Superman: Secret Origin.

Supermans Kostümwahl wird nicht erklärt. Die Farbe von Supermans T-Shirts schwankt, mal blau, mal weiß, mal rot. Sein Logo stammt von dem roten unzerstörbaren Stoff, der bei ihm in der Rakete lag, und nun als Cape dient. Seinen Ganzkörperanzug bekommt er erst in Brainiacs Schiff; es handelt sich um einen kryptonischen Anzug, eine Art Rüstung, die nach Belieben das Aussehen ändern kann. Kaum ist Superman drin, wird die Kleidung blau. Trotzdem kehrt Superman danach immer noch zum T-Shirt zurück, es braucht eine Weile, bis er nur noch den Anzug trägt. (Dieser Anzug mit seinem Kragen und seinen vielen unnötigen Linien hat für viel Kritik gesorgt. Er nimmt der Figur viel von seiner einstigen Schlichtheit, die ihn seit den 40ern fast unverändert – mit kurzen Ausnahmen – wiedererkennbar machte.)

Gegenüber der Justice League ist Superman das soziale Gewissen, das lieber den Hunger in Somalia bekämpfen würde, statt nur auf den nächsten Alien-Gegner zu warten. Aber was das Storytelling angeht, ist Grant Morrison leider nicht halb so ambitioniert. Ihm fehlt die zündende Idee seiner Geschichten, bei der man den Eindruck bekommen könnte, hier wird Superman neu erfunden. Sprunghaft handelt er die altbekannten Elemente und Figuren ab (z.B. den Superhund Krypto), darunter auch die Schurken (Luthor, Brainiac, Metallo, Kryptonite-Man), fügt neue hinzu, aber ohne dass sie ein großes Problem darstellen oder im Gedächtnis bleiben.

Erst im dritten Teil (Action Comics #13-18) entspinnt Morrison eine Handlung, die sich mehr Zeit lässt, allerdings auch so vollgepackt ist mit Figuren und Zeitsprüngen (Stichwort: Legion of Superheroes), das man leicht den Überblick verlieren kann. Lord Vyndktvx, ein böses Wesen aus der fünften Dimension, greift Superman an verschiedenen Punkten in der Zeit an, dabei tötet er auch Jonathan und Martha Kent. Superman kämpft gegen einen Super-Doomsday und trifft erstmals auf Mr. Mxyzptlk. Die Story nervt genauso wie die meisten anderen Fünfte-Dimension-Geschichten.

Leider gibt sich Morrison aber auch keine Mühe, seiner Hauptfigur viel Tiefe zu verleihen. Ein kurzes Praktikum als Feuerwehrmann bekommt Clark Kent, dazu ein paar gute Ratschläge seines Ziehvaters, aber das war’s auch schon an Selbstfindung. Auch wenn er zu Beginn noch nicht fliegen, sondern nur springen kann (auch das eine Reminiszenz an das Golden Age): Superman erscheint als der Übermensch schlechthin. Und das ist der Inbegriff des Spannungskillers. Er kann sogar die Daten auf einem USB-Stick lesen und sich in fünf Minuten alles medizinische Wissen aneignen, um eine perfekte OP an Lois durchzuführen. Dabei täte es einem, der ohnehin so ziemlich alle Kräfte in sich vereint, gut, etwas weniger von allem zu können, um noch irgendetwas als Herausforderung zu empfinden.

Die ersten dieser neuen Ausgaben von Action Comics lesen sich wie eine Pflichtübung, bei der man voraussetzt, dass die Leser alles bereits kennen und wissen. Und für die, die es nicht kennen, wird alles im Schnellverfahren abgehandelt. Nichts daran rechtfertigt den Neustart, den Superman hier hinlegt, außer die 1 auf dem Cover, die neue Leser anlockt. Das Prinzip funktioniert immer wieder: Der Verkauf von Action Comics legte 2011 und 2012 stark zu.

Morrisons Superman-Reboot zeigt das Dilemma, in dem der moderne Mythos steckt: Einerseits gilt es, ständig neue Leser zu gewinnen, andererseits will man die alten Leser behalten. Um diesen Spagat zu schaffen, braucht man zum Einen eine konservative Linie, die eine gewisse Wiedererkennbarkeit garantiert, zum Anderen braucht man auch Innovation, um alte wie neue Leser bei Laune zu halten. Bei einer Figur wie Superman, die mittlerweile eine 80-jährige Geschichte vorzuweisen hat, bedeutet das, eine sehr große Last der Tradition mit sich herumzutragen und immer wieder frisch halten zu müssen.

Daher ist die Serie Action Comics am Anfang von The New 52 nicht viel mehr als ein „Was-bisher-geschah“, eine kurze Zusammenfassung wichtiger Meilensteine, um neue Leser auf den Stand zu bringen, aber auch eine Variation von alldem, um den alten Lesern etwas Neues zu bieten. Mit den ganzen Verweisen auf die Tradition bis hin zu ihrem Anfang ergibt das Ganze einen Remix bekannter Motive. Das ist kein Problem von Superman allein, das ist ein Phänomen so ziemlich jedes Superhelden-Comics und -Films. Da (fast) alles schon einmal dagewesen ist, bleibt den Autoren nichts übrig, als alles neu zu mischen.

Diesen Fluch der ewigen Wiederkehr zu bewälitgen, ist eine Herkulesaufgabe. Und sie wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Sollte es in 20 Jahren immer noch einen Superman geben (davon ist auszugehen), wird man einige hundert Ausgaben von Action Comics mehr zu beachten haben, dazu nochmal so viele Ausgaben von Superman und unzählige Sonderhefte. Die unendliche Geschichte wird immer umfangreicher und komplexer, sodass sowohl Autoren als auch Leser fast schon Superkräfte entwickeln müssen, um das alles bewältigen zu können. Am wichtigsten wird aber immer noch bleiben, eine packende Story zu erzählen. Und dabei hilft oft das bewährte Rezept: Weniger ist mehr.

>> Liste der Superman-Comics

Supermans langer Abschied

DC Comics

Titel: All-Star Superman

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frank Quitely

Erschienen: 2005-2008 (Mini-Serie #1-12), Paperback 2011; dt. Panini 2011


“ If I want to die happy, it’s time to get serious about killing Superman.“ (Lex Luthor)

Nach einem Einsatz in der Sonne überlädt sich Superman mit Sonnenenergie und setzt damit einen Verfallsprozess seiner Zellen in Gang: Superman stirbt. Und Lex Luthor lacht sich ins Fäustchen, denn er hat Supermans Tod vom Gefängnis aus orchestriert, um über Superman zu triumphieren. Seine letzten Tage nutzt Superman, um einiges nachzuholen. Wie Herkules muss er zwölf Aufgaben bewältigen. So nimmt Superman Abschied von der Welt.

Bis auf die Rahmenhandlung hat All-Star Superman keinen Spannungsbogen. In zwölf Episoden wird erzählt, wie der sterbende Held sich Lois offenbart, sie für einen Tag zu Superwoman macht und wie er seine alten Freunde und Feinde wieder trifft: Jimmy wird zu Doomsday, der Parasit greift Luthor an, Superman strandet auf einem Bizarro-Planeten, muss sich gegen despotische Kryptonier behaupten und mit seinen Nachfolger aus der Zukunft ein zeitfressendes Monster in Smallville bekämpfen.

Beim ersten Mal fand ich All-Star Superman langweilig. Selten habe ich mich durch ein Superman-Comic so hindurchgequält. Beim zweiten Mal, als ich wusste, was mich erwartete, konnte ich mich etwas besser darauf einlassen. Man muss sich klarmachen, dass hier keine typische Superman-Story mit gewohnt moderner Action geboten wird. Es ist lediglich eine Hommage an den Superman des Silver Age, Morrison bedient sich bei bekannten Versatzstücken, wie den Geschichten, in denen Luthor tatsächlich Superman tötet (The Death of Superman, Superman #149, 1961) oder Superman sein Testament macht (The Last Days of Superman (Superman #156, 1962). Grant Morrison reichert diese Stücke mit eigenen Mythen an, wie etwa der bösen Sonne Solaris und dem Superman des 853. Jahrhunderts (bekannt aus dem Event One Million). Wer die Comics aus den 50er und 60er Jahren kennt, weiß auch Variationen dieser Ideen wie Zibarro, den einzig klugen Bewohner des Bizarro-Planeten, zu schätzen.

Superman wird von seiner menschlichsten Seite gezeigt: Er wird demütig gegenüber seiner eigenen Vergänglichkeit, er muss mit dem Verlust seines Vaters umgehen, gegenüber Schurken erweist er sich gnädig. Bei einem Gefängnisaufstand bewahrt er als Clark Kent sogar Luthor vor dem Tod, allerdings ohne dass dieser das merkt. Das Kapitel zählt zu den Höhepunkten des Bandes – nicht zuletzt wegen des Humors.

Allerdings: Das Comic bleibt episodisch, die einzelnen Plots plätschern mehr vor sich hin, als dass sie echtes Drama zu bieten hätten, Neues hat uns Morrison nicht über den Vater aller Superhelden zu sagen und selbst Luthor gibt zu, dass sein Verhältnis zu Superman ein ziemlich banales ist. All-Star Superman ist nichts anderes als die Liebeserklärung eines Fans und es bedient eine emotionale Ebene, vor allem aber ist es ein nostalgisches Erlebnis.

Frank Quitelys Stil ist gewöhnungsbedürftig. Einerseits ist er sehr klar und seine detaillierten Figuren wirken lebendig, andererseits kann er auch keinen Menschen zeichnen, ohne ihn verrunzelt aussehen zu lassen. Weil er sich aber selten die Mühe macht, detaillierte Hintergründe zu zeichnen, scheinen sich die Figuren im luftleeren Raum zu bewegen, was die Panels oft steril wirken lässt.

Wem das nichts ausmacht und sich auf eine Story abseits gewohnter Superhelden-Prinzipien einlassen kann, der wird an All-Star Superman seine Freude haben. Aber wer darauf verzichtet, hat auch nichts verpasst. Meine Meinung dürfte damit eine unpopuläre sein: Die Mini-Serie wurde mit Lob und Preisen (darunter auch Eisner-Awards) überschüttet. 2010 folgte eine Zeichentrick-Adaption. Im Dezember 2018 erscheint eine neue Ausgabe unter DCs neuem „Black Label.

DC Comics

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Gefangen in der Traumwelt

Titel: Imaginary Stories/Elseworlds

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Oscar Jimenez

Erschienen: 1997 (JLA #8-9), dt. Dino Verlag 1997


Batman und Catwoman verheiratet? Superman als Green Lantern? Das gab es auch einmal in den 90ern, nämlich in Grant Morrisons legendärer JLA-Serie. Als der Schurke The Key die Liga auf einmal ausschaltet (was genau genommen bereits in Ausgabe 7 passiert), indem er sie in einen Schlaf versetzt, hält er sie in Traumwelten gefangen. Superman träumt, er würde zum Green Lantern von Krypton werden, der einer Spur zur Erde folgt. Wonder Woman muss ohne ihre Kräfte gegen Nazis kämpfen, Aquaman in einem versunkenen New York.

Batman träumt, bereits 21 Jahre mit Selina Kyle verheiratet zu sein, sie haben einen gemeinsamen Sohn. Bruce Wayne Jr. ist Robin, während Tim Drake Batman im Gotham der Zukunft ist. Aber auch der Joker lebt noch. Trotz seines hohen Alters nimmt er Robin als Geisel und schießt auf ihn, so lange er auf den alten Batman wartet. Bruce und Selina steigen wieder in ihre Kostüme, um ihren Sohn zu retten. Der Joker will eine Atombombe zünden, die er am Körper trägt, aber da kommt Green Lantern Kal-El zur Hilfe. Batman spürt aber bereits, dass er und die anderen einer Illusion anheimgefallen sind. Doch das Aufwachen könnte alles nur noch schlimmer machen …

Währenddessen, in der wahren Welt, bekämpft der neue Green Arrow (Connor Queen) den Key, indem er die Pfeile seines gestorbenen Vaters benutzt. Green Arrow soll JLA-Mitglied werden. Da er sich bewährt und die anderen rettet, wird der Aufnahmeritus verkürzt.

So unterhaltsam und fantasievoll die Geschichte auch ist, so bedauerlich scheint ihre Kürze. Denn die Szenarien sind so spannend, dass jedes einzelne eine ausführliche Behandlung verdient hätte.

Die Titel des Zweiteilers beziehen sich auf die früheren Heldenszenarien, die außerhalb der Continuity spielten: Imaginary Storys waren Was-wäre-wenn-Szenarien, in den 90ern übernahmen die Elseworlds-Storys diese Funktion.

>> Liste der Justice League-Comics

Finsterste Gesellen

DC Comics

Titel: Dark Nights Metal – Dark Knights Rising (dt. Der Aufstieg der Dunklen Ritter)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Grant Morrison, James Tynion IV u.a.

Erschienen: 2017, Hardcover 2018; dt. Panini 2018 (2 Sonderbände)


Batmans schlimmste Albträume sind wahr geworden: Auf verschiedenen Welten des Dark Multiverse sind düstere Versionen von ihm entstanden, die jeweils auch eine Kombination mit anderen Helden wie Flash und Green Lantern sind, aber auch mit Schurken wie Doomsday und Joker. Sie alle dienen dem Überschurken Barbatos, der auch die Kehrseite des Multiversums vernichten will (siehe Dark Nights: Metal).

Der Schlimmste von ihnen ist The Batman Who Laughs, eine Kreuzung aus Batman und Joker. Der Joker hat bei seinem letzten grausamen Akt (Eltern vor den Augen ihrer Kinder umbringen und die Kinder zu Jokern machen) Batman mit einem Joker-Virus infiziert. Nachdem der Clown tot ist, erschießt Batman zunächst die Bat-Familie, dann erledigt er auch den Rest der Superhelden auf furchtbarste Weise.

So zieht er von Welt zu Welt, um weitere böse Batmen auf seine Seite zu ziehen. Wie sie entstanden sind, davon erzählt der Band Dark Knights Rising. Einige dieser Hintergrundgeschichten sind interessant, wie etwa die von Red Death, dem Flash-Batman: Batmans Kampf gegen das Verbrechen ist gescheitert, seine Familie ist tot. Jetzt will er von Flash die Speed Force haben, um endlich schnell genug und überall zugleich zu sein. Flash weigert sich, da kettet Batman ihn an ein Batmobil, das er mit dessen Tretmühle kombiniert hat und holt sich das, was er will, mit Gewalt.

Oder da ist die Story vom Devastator, dem Doomsday-Batman: Superman dreht durch, Batman versucht, ihn mit einer Kryptonitlanze zu erledigen, als das scheitert, lässt Batman das Doomsday-Virus in sich wirken.

Die Geschichte des Dawnbreakers (Green Lantern-Batman) schießt allerdings um einiges übers Ziel hinaus: Der junge Bruce Wayne bekommt den Ring unmittelbar nach dem Mord an seinen Eltern. Er will sich rächen, der Ring verweigert den tödlichen Einsatz, doch Bruces Willenskraft ist so stark, dass er es doch schafft. Daraufhin belebt er seine Eltern als Zombies wieder und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Wirklich alles. Sogar James Gordon, völlig grundlos. Und dazu hat man sich eine Variation des Green Lantern-Schwurs ausdedacht, dessen Metrum leider arg holpert: „I turn the dawn to midnight! Beware my power — Dawnbreaker’s might!“

Die anderen drei (The Drowned, The Merciless, The Murder Machine) sind hingegen nicht mehr so spannend, dazu sind die Rahmenhandlungen stets vorhersehbar formelhaft: Entweder taucht The Batman Who Laughs auf, um ihnen den Teufelspakt anzubieten, oder Doctor Fate rettet die Helden von Erde 0, wenn sie gegen ihre bösen Gegenstücke kämpfen. Das letzte Kapitel, The Wild Hunt, ist eine gänzlich überflüssige Ergänzung des Haupt-Events, die einen nicht besonders interessieren muss: Gerahmt ist sie von einer Handlung über den Affen-Ermittler Detective Chimp, der am Ende Pate steht für die Entstehung von Erde 53 …

Insgesamt bietet Dark Knights Rising eine durchwachsene Lektüre, allerdings befriedigt sie die Neugier der Leser nach den Hintergründen der im Hauptevent zu kurz gekommenen Schurken. Und trotz seiner Schwächen macht es zum Teil mehr Spaß als Dark Nights: Metal. Meisterhaft gezeichnet ist es fast durchgehend. Daher ist es neben dem anderen Ergänzungsband The Resistance zu empfehlen.

Übrigens: Wie auf der San Diego Comic-Con bekannt wurde, bekommt The Batman Who Laughs im November eine eigene Mini-Serie. Die Fans wird’s freuen.

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Cape aus Stahl

DC Comics

Titel: The Boy Who Stole Superman’s Cape

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Ben Oliver

Erschienen: 2012 (Action Comics #0), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


Superman am Anfang: Er lässt sich 200 T-Shirts mit S-Symbol bedrucken. Er fängt als Reporter beim Daily Star an. Er zockt mit Jimmy Olsen Games, aber weigert sich zu schießen, weil er Pazifist ist. Im wahren Leben lässt er auf sich schießen. Dabei verliert er sein Cape. Ein Junge klaut es ihm, hält sich damit für unverwundbar. Doch als sein Fuß einmal in einer Eisenbahnschiene stecken bleibt, muss Superman eingreifen. Dann bekommt er auch sein Cape zurück. Wofür steht das S? Superman, sagt Lois.

Eine nette kleine Kurzgeschichte. Sehr stimmungsvoll gezeichnet und koloriert. Kein großer Wurf, sondern leise Heldenverehrung nach dem Motto „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

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Die JLA von Grant Morrison – ein Liebesbekenntnis

Heute möchte ich persönlich werden. Und auch ein bisschen sentimental. Deshalb ist dieser Text keine der üblichen Kritiken, sondern eine Hommage. Die JLA-Serie von Grant Morrison und Howard Porter, die sich von 1997 bis 2000 über 41 Ausgaben erstreckte, gehört für mich zu den prägendsten Lektüre-Erfahrungen meiner Jugend.

Ich entdeckte sie im Jahr 1998, kurz nachdem ich begonnen hatte, Superheldencomics zu lesen. Mein erstes Heft war Batman & Superman Adventures #1 (Dino-Verlag) gewesen. Darin gab es eine Geschichte über die Justice League. Ich war sofort fasziniert von der Idee, dass die größten Helden in einem Team kämpften. Auch rein optisch schien es perfekt: jede Farbe war vertreten. Ich kannte nur Superman und Batman, ich lernte Wonder Woman, Flash, Green Lantern, Aquaman und Martian Manhunter kennen. Doch leider wurde die im ersten Heft angerissene Geschichte vom Dino-Verlag nie fortgesetzt. (Teil 2 habe ich mir dann später als US-Heft besorgt.) Und überhaupt wurde die Serie nach nur acht Ausgaben eingestellt. Aber ich war angefixt. Ich wollte mehr. Und ich sah, dass die Batman & Superman Adventures nur was für Kinder waren. Ich aber war reif für etwas Erwachseneres.

So kam ich zur echten JLA. Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst las. Vielleicht war es der JLA Sonderband 1. Mark Waid und Fabian Nicieza erzählen in der dreiteilige Miniserie A Midsummer’s Nightmare die Entstehungsgeschichte der neuen Justice League. Denn bis dahin bestand die JLA nur aus zweit- und drittklassigen Charakteren. Die neuen alten Helden wurden in der Story augenscheinlich ihrer Superkräfte beraubt und kennen nur noch ihre zivilen Identitäten, während normale Menschen Superkräfte entwickeln. Nach und nach erwachen die Helden aus der Illusion und entdecken ihre Kräfte wieder … Die Story steht am Anfang eines größeren Ganzen, das erst noch kommen sollte. Die Stimmung darin ist bedrückend, wie in einem Albtraum, aber einnehmend, besonders für einen neuen Leser wie mich, der diese Welt noch kaum kannte.

Mit JLA #1 ging die Grant Morrison-Saga los. Schon allein die detailreichen und realistischen Zeichnungen von Howard Porter hatten es mir angetan, dazu die knalligen, aufwendigen Farben, die sich so sehr von anderen Superheldenserien wie Superman und Batman unterschieden. In der ersten Geschichte wird alte JLA von B- und C-Helden von der A-Liga abgelöst, während sie zugleich Konkurrenz von außerirdischen Superwesen bekommt. Die Neuen scheinen die Welt ökologisch und sozial zu einem besseren Ort zu machen, sie gehen rigoros gegen Schurken vor – und schließlich auch gegen die alten Superhelden. Es ist Batman, der schlau genug ist herauszufinden, dass die Bösen weiße Marsianer sind und damit anfällig gegen Feuer. Und so besiegt Batman, der Mensch ohne Superkräfte, die Aliens fast im Alleingang. Eine tolle Story.

Spätestens dann war ich süchtig. JLA wurde nicht nur meine Lieblingsserie, jedes Heft wurde zu einem Ereignis. Ich sparte mir die 4,90 D-Mark pro Heft von meinem kleinen Taschengeld ab, kaufte es immer am Erscheinungstag im Comicladen und zelebrierte die Lektüre zu Hause wie eine Heilige Messe. Jedes Heft behandelte ich behutsam, verwahrte jedes in einer Plastikhülle, las es mindestens zweimal kurz hintereinander und wenn die Wartezeit bis zum nächsten Monat mir zu lang wurde, auch ein drittes Mal. 4,90 DM waren damals viel Geld für mich, aber da kein anderes Heft so viele Helden auf einmal bot, war das gut angelegtes Geld, obwohl die andere Hälfte des Heftes (Teen Titans) Mist war. Denn die JLA war immer für eine Überraschung gut. Man wusste nie, was einen erwartete, außer erstklassige Unterhaltung.

In JLA sah ich zum ersten Mal den blau-weißen Elektro-Superman und den Engel Zauriel. Ich fieberte mit, wie Schurken wie Key und Prometheus die JLA auf einmal ausknockten. Ich las mindestens ein Dutzend Mal in JLA Sonderband 4 die geheime Entstehungsgeschichte der JLA und ihre erste Begegnung mit dem unheimlichen Starro. Dann kam Der Stein der Weisen (Rock of Ages, JLA #10-15), eine Story, die ich sofort liebte. Da war einfach alles drin: Die größten Helden und die größten Schurken. Lex Luthor, Joker und viele andere, eine Story voller Twists und unbekannter Welten, ein postapokalyptisches Szenario, in dem der Oberschurke Darkseid die Welt unterjocht und zerstört, Superhelden tötet und eine Schreckensherrschaft ausübt. Wieder ist es Batman, der schlau genug ist, sich durchzuschlagen und – zusammen mit den verbliebenen Helden – das Böse zu besiegen. Lange blieb Der Stein der Weisen das Nonplusultra für mich.

Bis One Million. Das war eine noch viel epischere Odyssee zwischen fernster Zukunft und Gegenwart. Bis heute ist es für mich das Gelungenste und Einfallsreichste Crossover von DC. Und schließlich endete Grant Morrisons Über-Story mit World War III, dem Dritten Weltkrieg, was nicht nur eine Fortsetzung von Stein der Weisen war, sondern auch den Bogen zum ersten Sonderband zurückschlug. Es war nicht nur ein Fest, es war auch eine Belohnung für die treuesten und aufmerksamsten Leser der ersten Stunde, für die jetzt endlich alles (mehr oder weniger) einen übergeordneten Sinn ergab.

Der Dino-Verlag gab die letzte Story als Sonderband heraus, weil er JLA eingestellt hatte – wie bald darauf auch alle anderen Serien. Ich war mittlerweile auch zum Batman- und Superman-Sammler geworden, aber mit JLA konnte sich nichts messen. Und mit dem Ende der Serie (Sommer 2000) ging auch mein Interesse an Superheldencomics verloren. Ich wandte mich anderen Lektüren zu. An die Stelle der Comics traten für mich Superheldenfilme: X-Men, Spider-Man, Batman Begins etc.

Erst zehn Jahre später entdeckte ich das Medium wieder und begann auch wieder, Superhelden zu lesen. Als ich die alten JLA-Hefte von damals hervorkramte, las ich mich mit einer ähnlichen Begeisterung durch die Hefte. Natürlich war der Reiz des Neuen verflogen, dafür war es wie Nachhausekommen. Ich war überrascht, wie gut ich noch alles in Erinnerung hatte – und wie unterhaltsam die Geschichten immer noch waren. Und ich erkannte: Der größte Held für mich war nicht Superman oder Batman, sondern der geniale Grant Morrison gewesen, mit seinem schier unermesslichen Erfindungsreichtum, allerdings fand ich den Zeichner Howard Porter nicht mehr ganz so genial wie früher – nach ihm gab es deutlich versiertere Künstler.

Und trotzdem: Die Hefte der JLA bleiben für mich das Ideal der Superhelden-Team-Comics. Es würde mich freuen, einmal diesen Geist auf der großen Leinwand zu sehen.

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Die Justice League und der Seestern

DC Comics

Titel: Starro the Conqueror (Justice League of America)

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #28), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Die Geschichte der Justice League (of America) beginnt nicht mit einem Teambuilding, sondern mit einem Riesenseestern namens Starro. Der kommt aus dem All hinab auf die Erde, rekrutiert drei kleine Seesterne, päppelt sie zu Riesen auf und will mit ihnen die Welt erobern. Aquaman, der Seesternexperte, alarmiert sein Team: Wonder Woman, Flash, Green Lantern und J’onn J’onzz – nur Superman und Batman haben gerade Besseres zu tun. (Superman zerkleinert immerhin Meteoriten im All, aber Batman jagt nur Ganoven im Gotham. Erst am Ende tauchen sie wieder kurz im Bild auf.)

Während Green Lantern dabei zusieht, wie ein Aushilfsseestern eine Atombombe zündet und sich an der Energie gütlich tut, müssen Wonder Woman und der Marsianer die besten Wissenschaftler des Landes vor dem Brain Drain durch einen anderen Seestern retten. Und dann gibt es noch Flash. Der gibt sich mit einem ziemlich unsympathischen Jungen namens Snapper ab, der die nervige Angewohnheit hat, nicht nur Stuss zu reden, sondern auch ständig mit den Fingern zu schnippen. Snapper sieht, wie seine Familie zu gedankenkontrollierten Zombies werden, während er selbst – weil offenbar zu dämlich, um von Nutzen zu sein – verschont bleibt. Flash kann auch den dritten Stern besiegen, indem er das tut, was er immer tut, nämlich rennen. So entstehen Wirbelwinde etc.

Am Ende bewirft die Justice League den bösen Oberseestern mit Kalk und die Sache ist erledigt. Snapper sei dank, der unfreiwillig den entscheidenden Impuls dazu gibt. Dafür gibt es eine Ehrenmitgliedschaft in der Liga, samt Medaille. (Okay, Junge, du hattest deine 15 Minuten Ruhm. Und jetzt bitte: lass das dumme Grinsen, verzieh dich – und hör mit dem verdammten Schnippen auf!)

Die Story von Starro wurde 1998 (in JLA: Secret Files and Origins #1) von Grant Morrison und Howard Porter neu erzählt. Der Riesenseestern (der jetzt grün ist statt grau) besetzt ein Gebäude in Blue Valley und lässt viele kleine einäugige Sterne auf die Gesichter von Menschen fliegen (Facehugger, eine freundliche Leihgabe der Alien-Filme) und sie zu Zombies werden, darunter auch Flash. Die Justice League will eingreifen, da taucht The Spectre auf und verbietet es, weil sie sonst ebenso zu Zombies und damit mächtigen Verbündeten des Eroberers werden, um die Menschheit zu versklaven. Die JLA lässt sich also die Kräfte nehmen, um keine Gefahr mehr darzustellen, wird vom bösen Flash ausgeknockt. In der Zwischenzeit dringt Batman in die Zentrale ein und besiegt Flash, indem er die Klimaanlage sabotiert. Denn Kälte verträgt der Seestern nicht so gut (fragt sich nur, wie er es durchs Weltall geschafft hat). Flash wird den Parasiten los, zerstört alles und die JLA kriegt ihre Kräfte zurück.

Doch das war nur die Vorhut. In JLA #22-23 (1998) kommt Starro als der eigentliche Eroberer zur Erde. Diesmal im Traum. Die ganze Menschenheit (bis auf die Einwohner Blue Valleys) ist plötzlich in Tiefschlaf versetzt und gefangen in einer Traumwelt, in der Starro herrscht und es weder Superhelden noch Erinnerungen an sie gibt. Nur ein kleiner Junge erinnert sich noch an sie und leistet Widerstand. Wieder wird die JLA von einem Metawesen aufgesucht, diesmal dem Sandman, und indem sie sich von ihm in die Traumwelt versetzen lässt, verlieren die Helden wieder ihre Kräfte. Bei der Suche nach dem Hoffnungsträger müssen sie sich beeilen, denn nach und nach bekommen alle Seesternfratzen angeheftet und parallel dazu kommen weitere Riesenseesterne zur Erde …

Die Neuauflage des alten Motivs macht aus dem albernen und beliebigen Schurken einen ernstzunehmenden Gegner. Die drei Hefte gehören nicht nur zu den unheimlichsten JLA-Storys, sondern sind auch grafisch beeindruckend von Howard Porter umgesetzt, sodass eine beklemmende postapokalyptische Atmosphäre entsteht. Dieses starre rote Auge auf den Gesichtern der Menschen hat exquisite Horrorqualitäten.

Hinweis: Die neueren JLA-Storys sind in JLA Sonderband 4 und JLA 22-23 (Dino Verlag) auf deutsch erschienen. Starro hatte auch einen Auftritt in der Zeichentrickserie Batman Beyond.

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Batman #666 (DC Comics)

Autor Grant Morrison wird seine Batman-Story Arkham Asylum: A Serious House on Serious Earth fortsetzen. Wie der Autor auf der San Diego Comic-Con angekündigt hat, soll der zweite Teil in der Zukunft spielen, die er einst in Batman #666 (2007, erschienen in Batman and Son) für Damian Wayne entworfen hat. Gezeichnet wird der 120 Seiten-Band von Chris Burnham, der bereits an Batman Incorporated (2010-2013) mit Morrison zusammengearbeitet hat. Ein Erscheinungstermin steht noch nicht fest. Arkham Asylum, 1989 erschienen, ist eines der ungewöhnlichsten und anspruchsvollsten Batman-Comics. Es ist weniger eine Story, als eine kritische Analyse von Batman, verstörend illustriert von Dave McKean.

Außerdem hat Morrison sein nächstes Werk vorgestellt: Den zweiten Teil von Wonder Woman: Earth One, das als Trilogie geplant ist.

Robin, Redbird, Dead Bird

Titel: Batman Incorporated – Demon Star/Gotham’s Most Wanted

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham

Erschienen: 2012-2013 (Batman Incorporated #0-13, Special #1), Paperbacks 2013; dt. Panini 2015 (Paperback)


„Gotham. Or Damian. Whichever you choose, the other dies.“ (Talia)

Talia al Ghul will Rache. Dafür dass sie ihren Sohn Damian an Batman verloren hat, hat sie ein Kopfgeld auf Robin ausgesetzt. Eine Schar von Auftragskillern fällt über Gotham her. Batman schart seine erweiterte Familie um sich, die Jungs und Mädels des weltweiten Superheldennetzwerks Batman Incorporated. Aber damit nicht genug: mit ihrer Geheimorganisation Leviathan hat Talia auch Gothams Gesellschaft infiltriert, um die Stadt zu zerstören; Kinder werden zu Zombies. Batman muss sich entscheiden, ob er die Stadt oder seinen Sohn retten will.

SPOILER: Am Ende muss Damian dran glauben. Getötet wird er im Kampf mit dem Schurken The Heretic, einem Handlanger von Talia, der auch noch ein aufgemotzter Damian-Klon ist.

Mit den letzten zwei Bänden von Batman Incorporated beendet Grant Morrison sein Batman-Epos, das er 2006 mit Batman and Son begonnen hat. Für Einsteiger gibt es am Anfang eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse. Bemerkenswert ist, dass Batman Inc. dort weitermacht, wo es vor dem Reboot von The New 52 (2011) aufgehört hat. Im Laufe der Story wird klar, dass offenbar die Ereignisse in Morrisons Epos (Batman RIP etc.) seit 2006 auch in der neuen Continuity stattgefunden haben.

Dass alles auf Damians Tod hinausläuft, ist nur konsequent: Morrison vernichtet die Figur, die er geschaffen hat. Der Tod verläuft hochdramatisch: dem Kleinen wird so ziemlich jede erdenkliche Wunde zugefügt bevor er stirbt. Inszeniert wird die Szene mit einigen Anleihen in der Comicgeschichte. Und Batman plagen wieder Schuldgefühle – denn er hat seit Jason Todd (A Death in the Family) nichts dazugelernt. Talia ist zwar auch betroffen (warum hat sie es dann zugelassen?), aber zieht ihren Plan weiter durch: sie lässt den Wayne-Tower hochgehen und hetzt die Stadt gegen Batman auf, der mutiert dank Man-Bat-Serum zur Fledermaus und besiegt Leviathan im Kampf. Erledigt wird er jedoch von Talias Schwert. Die Frau hat eindeutig ein Problem, ihr Temperament zu zügeln. Und das war schon immer das Problem mit der Figur: sie ist zu wankelmütig und unberechenbar. Wohl der alten Zeiten wegen küsst Batman sie bevor er sie im Schwertduell bekämpft. Überzeugend ist derlei Zärtlichkeit längst nicht mehr.

Aber was sollte eigentlich dieser Riesen-Aufriss mit Batman Inc.? Welchen Zweck erfüllen die vielen internationalen Batmen, die zuvor so ausführlich eingeführt wurden? Kurz: gar keinen. In dem großen Epos sind sie mehr oder weniger bloß schmückendes Beiwerk. Das enttäuscht. Wohl deshalb gibt es als Zugabe am Ende des zweiten Bandes noch ein paar Anekdoten von den anderen Batmen (z.B. aus Japan). Ein überflüssiger Anhang, der niemanden zu interessieren braucht.

Apropos überflüssig: Wir erfahren auch, wie Talia zur Welt kam und ausgebildet wurde, und wir bekommen wieder eine Vorschau in Damians Zukunft als Batman (wie in Batman and Son), der gegen die Folgen einer Joker-Epidemie kämpft. Damian benennt sich zwischenzeitlich von Robin zu Redbird um und baut sich mit Hund, Katze und Kuh einen Streichelzoo auf. Gipfel der Dämlichkeit ist, wenn die „Bat-Cow“ tatsächlich einmal im Cape auf der Straße steht und damit Verbrecher ausschaltet. Aber es gibt auch ein Wiedersehen mit Matches Malone – die Story hat also durchaus ihre Momente. Nachhaltig im Gedächtnis wird sie aber nicht bleiben.

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