Fünf Robins in zehn Geschichten

DC Comics

Titel: Robin 80th Anniversary 100-Page Super Spectacular #1

Autor/Zeichner: diverse

Erschienen: 2020 (One-Shot)


Vor 80 Jahren ist Detective Comics #38 erschienen. Ein Jahr nach Batman wurde damit Robin eingeführt. Der grimmige dunkle Ritter bekam ein bunt gekleidetes, gut gelauntes Kind zur Seite gestellt, das ein ähnliches Schicksal teilte. Batman gewöhnte sich das Töten ab und das Lächeln an. Im Grunde war damit für lange Zeit Schluss mit dem Dunklen Ritter, wie ihn Bob Kane und Bill Finger ursprünglich geschaffen hatten. (Bemerkenswert an Robin: Mit seinem roten Anzug und der schwarzen Domino-Maske sah er Kanes erstem Entwurf für Batman sogar sehr ähnlich.)

DC Comics

Zum Jubiläum hat DC – wie bei Action Comics #1000 und Detective Comics #1000 – ein 100-seitiges Special herausgebracht, das in zehn Kurzgeschichten alle bisherigen Wunderknaben (und -mädchen) würdigt. Alle noch lebenden Robin-Veteranen durften daran mitwirken: von Marv Wolfman über Chuck Dixon bis hin zu Peter J. Tomasi, James Tynion IV und Tom King.

Vier Storys sind Dick Grayson gewidmet, eine Jason Todd (Red Hood), zwei Tim Drake, eine Stephanie Brown und zwei Damian Wayne, alles schön brav in chronologischer Reihenfolge. (Eine Preview mit Variant Covern gibt es bei CBR.)

Nightwing und Geheimagent

Von Dick Grayson sehen wir keine Reminiszenzen an die gute alte Anfangszeit – zum Glück, denn die wurde schon eine Millionen Mal rauf und runter erzählt. Stattdessen zeigt Marv Wolfman, wie der 18-Jährige den Schritt von Robin zu Nightwing macht. Eine altbackene Story mit einem militanten Batman, wäre da nicht die überraschende Wendung. Dabei wird auch klar, dass Robin ursprünglich dafür geschaffen wurde, um eine Identitifikationsfigur für Kinder zu sein.

Die Nightwing-Story von Chuck Dixon und Scott McDaniel bedient die 90er-Nostalgie mit einer Anekdote aus der Zeit nach dem Erdbeben. Nightwing rettet ein paar Zivilisten, ach ja, wie schön, weiter im Text: Nightwing kämpft mit den Titans gegen H.I.V.E – die wohl witzigste Geschichte im ganzen Heft. Dick wird hier als Superstratege dargestellt, der seinen Gegnern jederzeit voraus ist, aber leider ist von ihm nicht viel zu sehen.

Von seiner Zeit als Geheimagent 37 (nachzulesen in der Serie Grayson) erzählen Tim Seeley und Tom King. Hier gibt er seine Lektionen, die er bei Batman gelernt hat, an eine Kollegin weiter, während die Story von Schauplatz zu Schauplatz hetzt und eigentlich keine große Rolle spielt. Aber zum Glück illustriert Mikel Janin das alles ganz ordentlich.

Robin I-V von Andy Kubert und Brad Anderson (DC Comics)

Die wohl gelungenste Geschichte erzählt Judd Winick (Under the Red Hood) von Jason Todd, der Batman eine Uhr zum Geburtstag schenkt. Es handelt sich um die Uhr von Thomas Wayne, die kaputt war und die Jason aufwendig repariert hat. Die Uhr wird zum Symbol für Robin: Man muss sie immer bei sich tragen, damit sie nicht stehen bleibt. Und selbst wenn man sie nicht dabei hat, muss man daran denken, sie aufzuziehen.

Wenn man bösartig sein möchte, könnte man sagen: Batman ist also bisher auch gut ohne Uhr zurechtgekommen und braucht deshalb auch keine. Wir wollen aber nicht bösartig sein, Robin hat immerhin Geburtstag, also sagen wir: Gut gemacht.

Die unglückselige Nummer 3

Tim Drake hat eigentlich nie so richtig den Absprung geschafft. Während Dick und Jason aus sich eigene Marken wie Nightwing und Red Hood gemacht haben, wurde aus Tims Robin bloß „Red Robin“ – dabei ist er heute nicht mal richtig rot, sondern sieht mit dem vielen Grün aus wie seine Vorgänger. Das ist ärgerlich einfallslos. Wie lange soll dieser Mann noch in einem Kinderkostüm herumrennen? Aber richtig cool war Tim auch nie. Eher ein Streber und Computer-Nerd, der niemals als Robin berufen wurde, sondern sich in die Rolle gedrängt hat. (Außer in Batman: The New Adventures, als die Figur mit Elementen von Jason Todd kombiniert wurde.)

DC Comics

Im Special handelt eine Geschichte davon, wie ein Vertrauenslehrer ihn darauf anspricht, er betätige sich zu wenig außerhalb der Schule, was darauf hinausläuft, dass sich Tim und Leser sagen: Höhö, wenn der nur wüsste … In einer anderen stellt ihn James Tynion IV den Vorgängern gegenüber, aber ohne dass es ihm gelingt, Tim ein eigenes Profil zu geben. Am Ende führt alles bloß dazu, dass er Batman das Gotham Knights Protocol vorstellt, also das Team, das einige Zeit in Detective Comics operiert. Aber weil es nur von kurzer Dauer und bescheidenem Erfolg ist, wirkt diese Hinführung ziemlich forciert und unüberzeugend.

Dann wird es banal: Stephanie Brown bekommt ein Kostüm geschneidert, das für ein Mädchen angemessen ist, und Jonathan Kent schreibt einen Aufsatz darüber, warum Damian sein bester Freund ist (Super-Sons lassen grüßen – gähn). Das letzte Kapitel spielt wieder in der jetzigen Continuity und handelt vom schwierigen Verhältnis zwischen Damian und seinem Vater, was wieder stark gemacht ist, aber aufhört, als es interessant wird.

Gemischte Bilanz

Insgesamt ist das Robin-Special weder „super“ noch „spectacular“. Das wäre auch zu viel erwartet. In der Regel sind solche Kurzgeschichten meist Gemischtwarenläden, in denen man nur ein paar Perlen findet. Es gibt sie auch hier. Es sind eher die kleinen Momente, auf die es ankommt. Leider versäumen es die Autoren, nach 80 Jahren Robin eine (kritische) Zwischenbilanz zu ziehen oder einen Ausblick auf die Zukunft zu geben. Vielleicht weil ersteres schon sehr oft gemacht wurde, vielleicht weil es sich nicht wirklich lohnt, tiefer über Robin nachzudenken, weil sich dann herausstellt, dass die Figur höchst fragwürdig und vielleicht sogar unzeitgemäß ist.

Batman wird längst nicht mehr von Kindern gelesen – wozu also noch Robin? Aus Nostalgie. Aus Tradition. Das ist nicht wirklich ein Argument, aber bei Comics durchaus ein Grund, sonst rennen einem die Fans die Bude ein. Es ist damit wie mit langen Ehen: Nach 80 Jahren hört man nicht mehr auf.

>> Liste der Robin-Comics


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