Greg Capullo

Batman mit der Keule

DC Comics

Titel: Dark Nights: Metal (dt. Batman Metal)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2017 (Mini-Serie #1-6), dt. Panini 2018


„Yeah. Riding a Joker dragon … and glowing … because of course he is.“ (Nightwing)

Die folgende Kritik wird Ihnen präsentiert von SPOILERN – Handlung wird überbewertet.

Fangen wir mal hinten an: Die Guten gewinnen. Die Welt – in diesem Fall das Multiversum – wird gerettet. Hurra. Und es stirbt – niemand Wichtiges.

So. Nachdem das geklärt wäre, kommen wir zurück zum Anfang: Zuletzt war Batman sehr damit beschäftigt, allerlei Artefakte aus besonderen Metallen zusammenzutragen, um etwas ganz ganz Schlimmes zu verhindern (siehe Dark Days: The Road to Metal). Dann ist es doch eingetroffen. Fast.

Zu Beginn des eigentlichen Metal-Events ist Batman anderweitig beschäftigt, nämlich mit der Justice League im All unterwegs, um gegen Mongul zu kämpfen. Als sie wieder zurückkehren, ist mitten in Gotham ein Berg aufgetaucht. Lady Blackhawk von einer antiapokalyptischen Eingreiftruppe erklärt die Handlung: Neben dem bekannten Multiversum aus Materie und Antimaterie gibt es noch das Multiversum aus dunkler Materie, das von sehr üblen Gestalten bevölkert wird. Die wollen schon immer in unser Multiversum, um alles plattzumachen, genauer gesagt: Barbatos, der Oberschurke. Und die wirklich schlechte Nachricht: Batman, der Altmetallsammler, ist das Einfallstor für die Bösen.

Mit anderen Worten: Die ganze Welt dreht sich um Batman. Kein Wunder, dass er größenwahnsinnig wird. Er haut ab, die Justice League verfolgt ihn, Batman legt sie rein. Er will (wie schon zuvor) zurück in die Zeit reisen und Barbatos mit Hawkmans Keule (bzw. Morgenstern) zu besiegen. Und am Ende wird er reingelegt und Barbatos sowie die bösen Batmen aus der dunklen Welt fallen in der Welt ein.

Jeder ist eine Inkarnation seiner Alpträume und damit auch ein Pendant zur Justice League: Ein Joker-Batmen mit blutrünstigen Robins an der Kette, ein böser Flash, ein böser Green Lantern, sowie auch ein Doomsday-Batman. Die Erde wird unterjocht, die Helden haben nix zu melden. Der Widerstand scheitert, aber es gibt noch eine letzte Hoffnung …

Das ist also Dark Nights: Metal, das große Ding, auf das Autor Scott Snyder seit 2011 hingearbeitet hat. Doch es sind nicht nur die letzten sechs Jahre Batman, die in diesen sechs Kapiteln einer Mini-Serie (und einem Haufen Tie-ins) kulminieren, Snyder holt sehr weit aus: Von der ersten Crisis bis zur Final Crisis und mit dem ganzen Grant-Morrison-Gedöns danach (nachzulesen im Dark Days-Band, aber am besten die ganzen Storys).

Wie immer bei solchen Events ist eine Menge los, mit zu vielen Charakteren, Handlungen, Nebenhandlungen und Anspielungen. Ich gebe zu: Wie immer habe ich nicht alles verstanden. Es reicht nicht, alles einmal gelesen zu haben, man sollte es mehrfach gelesen, verstanden und immer noch präsent haben, um hier voll durchzusteigen. Aber es reicht auch, sich an dem roten Faden entlangzuhangeln, dem kann man halbwegs folgen.

Es gibt einige tolle Szenen: Batmans Flucht, das Auftauchen der Batmen aus dem Multiversum, die Super-Sons spielen die Batman-Theme, Batmans Ritt auf einem Joker-Drachen und ein gemeinsamer Kampf mit dem Joker gegen den Batman, der lacht. Zeichner Greg Capullo setzt das alles auch in bewährter Qualität in Szene. Doch das sind nur Höhepunkte von Anfang und Ende. Dazwischen kommt leider viel, was nicht besonders im Gedächtnis bleibt: Batman wird alt und geht mit Superman durch die Hölle, Wonder Woman schlägt sich mit den anderen durch. Der Sandman taucht auch auf, aber redet bloß viel, ohne etwas zu sagen. (Ich hasse diese Figuren, die alles wissen, aber nur vage Andeutungen machen. Sie scheinen nur den Zweck zu haben, die Leser aufzuregen.) Ansonsten große Gesten, große Worte, nicht viel dahinter.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, zwischendrin einiges zu verpassen. Die Handlung springt, die Schurken bleiben oberflächlich und was Batman und der Widerstand in der Zwischenzeit treiben, wird anderswo erzählt. Wer das wissen will, muss die zwei Begleitbände lesen: Dark Kights Rising und The Resistance. Dass man die Handlung nicht schön durchkomponiert in einem Rutsch durchlesen kann, schmälert natürlich den Lesegenuss der Haupt-Story, aber folgt natürlich einer gewieften (wie bewährten) Verkaufstaktik.

Das Finale ist dann nicht ganz so ausgeklügelt, wie man es sich gewünscht hätte. (Es gibt einfach immer noch ein mächtigeres Metall.) Dark Nights: Metal kommt eben genauso brachial und lärmend daher wie die Musik dazu. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass das alles nur ein Sprungbrett für Scott Snyder in den Autorenolymp war, um mit der Justice League und anderen Ereignissen von kosmischen Ausmaßen weiterzumachen.

Mehr von Scott Snyder:

 

 

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Batman-Splitter #10: Wenn Batman lacht

Batman kann alles. Außer Spaß haben. Batman ist der Griesgram, der Miesepeter, der Spielverderber schlechthin. Ein verbitterter Rächer, der nichts als sein Trauma im Hinterkopf und seine Mission vor Augen hat. Verblendet, fanatisch und absolut humorbefreit. Als das Gegenteil vom bunten Strahlemann Superman konzipiert, haftet Batman das Image des düsteren Gesellen an. Wenn Batman lacht, wird’s gruselig. Dann ist er nicht er selbst. Er steht unter Fremdeinfluss, wie etwa unter dem des Joker-Gases. Oder er ist der Joker selbst. In diese Richtung geht es im derzeit laufenden Event Dark Nights: Metal. Neue Zeichnungen und Cover zeigen mit dem neuen Schurken The Batman Who Laughs eine Fusion aus Batman und dem Joker.

Der Name spielt auf den Film „The Man Who Laughs“ von 1928 an, dessen Hauptfigur Bill Finger einst als Inspirationsquelle für die Schöpfung des Jokers diente. Ein Mann, der nicht anders als grinsen kann – eine Perversion des Lachens. Doch der Joker hat mit der Zeit viel von seinem Schrecken eingebüßt. Deshalb ließ man ihn 2011 sich das Gesicht abschneiden und kurz darauf wieder anheften. Mit dem Man Who Laughs wird das Konzept erneut gesteigert, indem man den Joker in ein Gothic-mäßiges Batman-Kostüm steckt und seine Augen von einem stacheligen Metallreif verdecken lässt. Damit wird auch das Konzept des Dunklen Ritters pervertiert: Batman ist zwar dadurch auch im Inneren so düster wie er nach Außen wirkt, aber sein fieses Grinsen lässt den Aufzug absurd erscheinen.

detective comics 38 (DC Comics)

Dabei ist ein lächelnder Batman – historisch betrachtet – gar nicht mal so ungewöhnlich. Zwar war der Dunkle Ritter am Anfang, als er noch ein Einzelgänger war, noch sehr düster, aber schon sehr früh, änderte sich seine Erscheinung – und blieb drei Jahrzehnte lang so. In seinem erstem Jahr (1939 bis 1940) huscht Batman kaum ein Lächeln über die Lippen. Aber dann, im April 1940, kommt Robin. Und siehe da: Batman strahlt regelrecht auf dem Cover von Detective Comics #38, das den Sidekick einführt. Er lacht – genauso wie der junge Mann neben ihm. Robin bringt Batman das Lachen bei. Und das soll ihm so schnell nicht vergehen. Mit Robin wird alles leichter, heiterer, lässiger. In den 40er, 50er und 60er Jahren ist die Comicwelt knallbunt und fröhlich. Im Grunde geht es in den Geschichten nur darum, diesen Status quo wiederherzustellen. Und das gelingt den Superhelden spielend: Egal, ob das Dynamische Duo alleine kämpft oder mit Superman. Zwischen den Helden besteht nur äußerlich ein Unterschied, in ihrem Aussehen und Fähigkeiten, aber ihre Mentalität ist gleich. Passend dazu sind die Sprechblasen voller Kalauer.

Detective Comics #332 (1964, DC Comics)

Interessanterweise folgt kurz nach der Einführung von Robin auch der erste Auftritt des Jokers. Mit der kindlichen Fröhlichkeit hält auch ein falsches Lachen in die Comics Einzug, das im grotesken Widerspruch zu den willkürlichen Morden des Schurken steht. Doch auch der wird bald gezähmt zu einem harmlosen Clown, der Menschen nicht mehr mit einem Lächeln tötet, sondern nur noch ärgert. Der Joker – nicht mehr als eine Witzfigur, die Batman mehr nervt als schockiert. Der Held ist immer der, der zuletzt lacht.

The Dark Knight Returns: Batman & Joker (DC Comics)

Erst in den 70ern wird es wieder ernster und düsterer. Nach und nach vergeht Batman das Lachen. Bis hin zum ultimativen Tiefpunkt, der in der Comicgeschichte ein Höhepunkt ist: Frank Millers The Dark Knight Returns. Doch auch in dieser knallharten Dystopie mit seinem gebrochenen Helden, findet Batman noch die Kraft zu einem Lächeln. Doch es ist nur noch das müde Lächeln eines vom Todestrieb gelenkten Zynikers, der nichts mehr zu verlieren hat. Als der Joker endlich tot neben ihm liegt, ist aber Schluss mit lustig: „Stop laughing“, sagt Batman zu der Leiche seines Erzfeindes. Selbst das brennende Skelett des Jokers scheint noch zu lachen. Dem verletzten und gebrochenen Batman ist der Anblick sichtlich unheimlich.

Batman lacht nicht mehr. Der Held, der Gute der Geschichte, ist ein Dunkler Ritter mit finsterem Gemüt. Das Gelächter ist den Bösen und den Irren überlassen. Gotham City ist von daher eine verkehrte Welt, in der bunte Clowns Kinder töten und teuflisch, dämonenhaft wirkende Schreckgespenster sie davor bewahren. Der erste Eindruck ist falsch. Wer hier lächelt, der täuscht. Er grinst eigentlich hinterlistig und führt Schlimmes im Schilde. Wer grimmig dreinschaut, stellt sich als Retter in der Not heraus.

Im Jahr darauf, 1987, beweist Batman in der regulären Serie Selbstironie: Er lacht schallend, als er sieht, dass jemand die Reifen des Batmobils gestohlen hat. „And Batman does something he has never done before, in Crime Alley …“, heißt es in Batman #408, bevor er auf den Dieb, Jason Todd, den späteren Robin, trifft.

Batman #408 (1987) (DC Comics)

Ein Jahr später, 1988, macht Alan Moore einen Schritt zurück: In The Killing Joke erzählt er davon, wie der Joker das Lachen lernte. Der Comic endet damit, dass der Joker, von Batman überführt, einen Witz erzählt – und Batman mit ihm darüber lacht. Die Situation ist absurd: Gerade hat der Joker noch Barbara Gordon verkrüppelt und ihren Vater beinahe in den Wahnsinn getrieben, Batman müsste das Lachen also allen Grund haben, spaßbefreit zu sein. Aber am Ende gehen die Gefühle so sehr mit ihm durch, dass er sich sogar vor Lachen an den Schultern des Joker festhält, fast kumpelhaft wirkt es. Manche haben das so gelesen, dass Batman den Joker am Ende mit bloßen Händen tötet – aber dafür gibt es keinen eindeutigen Beleg.

The Killing Joke (DC Comics)

Das nächste Mal bringt Harley Quinn Batman richtig zum Lachen – wenn auch unfreiwillig. In Mad Love (1994) schildert sie Batman, der kopfüber gefesselt über einem Piranha-Becken hängt, ihren Wunsch von einem Leben mit dem Joker. Batman bricht in schallendes Gelächter aus (Harley erschaudert). Es dient der taktischen Einschüchterung, damit Harley verunsichert wird und den Joker herbeiholt, der Batman daraufhin aus der Falle rettet. Trotz seines grundsätzlich ernsten Tones und seiner düsteren Inszenierung lächelt Batman in The Animated Series, auf der Mad Love basiert, sogar ziemlich oft.

Mad Love (1994, DC Comics)

Wenn der moderne Batman lacht, dann höchstens zurückhaltend, wenn er schallend lacht, dann wissen wir: er kann nicht er selbst sein. Oder er wird wahnsinnig, wie etwa in der Story Venom (Legends of the Dark Knight #16), wo der Held zum Drogensüchtigen wird und sich unkontrolliert freut, wenn er an seinen Stoff gekommen ist.

Batman: Venom (DC Comics)

Das Lachen ist etwas, das Batman seinem Alter Ego, Bruce Wayne überlässt. Er setzt die fröhliche Maske auf, um den Milliardär und Lebemann zu spielen. Das Lächeln ist – wie bei seinen Feinden – bloß Fassade, um von seinen wirklichen Absichten abzulenken. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, auch Wayne ist nicht sicher vor den bösen Einflüssen des Jokers: In der Neufassung der ersten Joker-Story, The Man Who Laughs, ist es Bruce Wayne, der vom Joker-Gas infiziert lachen muss. Und in Batman Beyond: Return of the Joker fällt sogar noch der alte Bruce Wayne dem Gas zum Opfer. Darin besteht mittlerweile der Horror von Batman: Wenn hier jemand lacht, dann stimmt etwas nicht. Am meisten gilt das für Batman selbst. Für Spaß sind andere zuständig.

Batman Beyond: Return of the Joker

Dark Nights: Metal – Snyders und Capullos Finale

DC Comics

Angeblich haben sie schon seit The Court of Owls daran gearbeitet, immer wieder Hinweise gestreut, in ihrer Joker-Story und in Batman #50: Scott Snyder und Greg Capullo, das Batman-Dreamteam seit 2011, machen jetzt ihre Pläne wahr. Das Event Dark Nights: Metal soll das Finale ihrer großen Batman-Saga werden. Im August geht es los. Der Inhalt wurde bisher nur vage angedeutet. So viel steht fest: es soll groß werden. Snyder sagt:

„Now we’re back to tell a story that breaks everything apart. This will be the definitive project of our careers. METAL takes us in an entirely new direction. Greg and I will dig beneath the surface of all the stories we’ve told to find a place of terror and twisted nightmares.“

Bereits vor einigen Tagen wurden die beiden Vorläufer angekündigt, die One-shots Dark Days: The Forge und The Casting, die im Juni und Juli erscheinen sollen. Daran soll Co-Autor James Tynion IV mitwirken, Zeichner sollen Andy Kubert, Jim Lee und John Romita Jr. sein. Jim Lee hat zur Fan Expo Dallas schon mal eine Zeichnung zu The Forge veröffentlicht, es zeigt Batman mit Green Lantern und dem Joker.

DC Comics

Dunkle Tage für den Dunklen Ritter

DC Comics

Der Auftakt von Batman nach DC Rebirth war überwiegend ganz solide, leider enttäuschte das erste Event, aber was ist in diesem Jahr als das nächste dicke Ding zu erwarten? DC hat es jetzt verkündet: Batman: Dark Days. Geschrieben vom wichtigsten Batman-Autor seit 2011, Scott Snyder, und seinem nicht ganz so genialen Mitstreiter James Tynion IV, gezeichnet von Andy Kubert, Jim Lee und John Romita Jr. Die Autoren und Zeichner sollen die Story gemeinsam entwickeln.

Worum geht’s? Viel wurde nicht bekannt gegeben, nur so viel. Es geht wieder einmal um eines von Batmans düsteren Geheimnissen. Aber diesmal eines, das die Existenz des gesamten Multiversums gefährdet … Aquaman, Flash und andere hegen einen bösen Verdacht gegen den Dunklen Ritter … Dem ersten Cover nach zu urteilen scheint es dystopisch zu werden. Batman als Tyrann?

Laut Snyder handelt es sich um ein Geheimnis, das sich vom Anbeginn der Menschheit bis in die Gegenwart durchzieht. Snyder hat angeblich von Anfang an Hinweise in seinen Batman-Comics versteckt. Und da soll noch mehr kommen: „It’s the prelude to the event we’ve been developing for years.“ Auf Twitter schrieb Snyder, dass das eigentliche Event wieder von Greg Capullo gezeichnet werden soll, dem Künstler, der seit 2011 Batman mitgestaltet hat.

Der erste Teil, The Forge, wird als 40-seitiger One-shot am 14. Juni erscheinen, der zweite Teil, The Casting, am 12. Juli. Aber das ist nur der Auftakt. Was danach folgt, ist noch nicht bekannt.

Oden an den Dunklen Ritter

DC Comics

DC Comics

Titel: Epilogue (Batman Vol. 10)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV, Tom King/Greg Capullo, Roge Antonio, ACO

Erschienen: 2016 (Batman #51-52, Batman Annual #4, Batman: Futures End #1, Batman Rebirth #1), Hardcover 2016


„Gotham must always have a Batman. No matter what happens to me. Always.“ (Bruce Wayne)

Eigentlich war mit dem letzten Batman-Band alles gesagt: die Story war auserzählt, als Bruce Wayne wieder zu Batman wurde (siehe Batman Vol. 9: Bloom). Ein perfekter Abschluss von The New 52, danach hätte man zu Rebirth übergehen können. Aber weil DC unbedingt 52 Hefte seiner Hauptserien vollkriegen wollte, musste man auch die letzten beiden Batman-Ausgaben irgendwie füllen.

Entstanden sind zwei Abschiedsgeschichten: Scott Snyder verabschiedet sich von der Serie mit einer Hommage an den Dunklen Ritter, indem er ihn durch die Stadt ziehen lässt, um nach der Ursache für einen Stromausfall zu suchen. Er trifft auf alte Weggefährten und Schurken, fährt ein neues schnittiges Batmobil und begegnet einem Mann, der sein Leben wieder in den Griff bekommen hat, nachdem er vom rechten Weg abgekommen ist. Es ist weniger eine Story als eine Meditation mit prächtigen Zeichnungen von Greg Capullo und viel Nachdenklichkeit.

Die letzte Story, von James Tynion IV, springt zurück in die Anfangsjahre von Bruce Wayne, der in sein Tagebuch eine Reihe von Regeln eintrug, wie er nach dem Tod seiner Eltern weiterleben kann. Ein neuer Schurke versucht, das Buch zu stehlen, um es auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Aber daraus wird nichts. – Eine nette Anekdote mit einer netten Pointe.

Die dritte Story, Annual #4, springt zurück in die Zeit als Bruce Wayne sein Gedächtnis verloren hatte (Batman Vol. 8: Superheavy) und Arkham bereits wieder aus Wayne Manor ausgezogen war (siehe Arkham Manor). Bruce, Alfred und Julie Madison werden von Mr. Freeze, Riddler und Clayface heimgesucht. Bruce muss sich dafür verantworten, Batman gesponsert zu haben. – Noch so eine Anekdote, die schnell erzählt und schnell verdaut ist.

Weil diese drei Geschichten ziemlich dünn ausfallen, hat DC noch Füllmaterial hinzugefügt: Eine Episode aus Futures End, die man sich sparen kann, wenn man das Event nicht verfolgt, und das Special Batman Rebirth #1. DC versucht damit, für seine nächste Phase zu werben, aber angesichts dessen, dass das Heft bereits in Detective Comics Vol. 9 (Gordon at War) abgedruckt war und in Batman Vol. 1 (Rebirth) wieder abgedruckt sein wird, ist das eine ärgerliche Doppelung.

Insgesamt wirkt der Abschlussband der Serie ziemlich mager – sowohl an Seiten als auch inhatlich. Kein Lesemuss, eher eine Ergänzung wie auch bereits der Resterampe-Band Graveyard Shift.

Blüten des Zorns

DC Comics

DC Comics

Titel: Bloom (Batman Vol. 9)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Greg Capullo, Yanick Paquette

Erschienen: 2016 (Batman #46-50, Detective Comics #27; Hardcover 2016), dt. Panini 2016 (Batman #50-52)


„For Batman to live, Bruce Wayne always has to die!“ (Bruce Wayne)

Was bisher geschah: Nach einem Kampf mit dem Joker (Endgame/Todesspiel) ist Batman tot – aber Bruce Wayne lebt. Batman ist aus Bruces Gedächtnis gelöscht. Bruce arbeitet in einem Jugendzentrum und hat eine Freundin. James Gordon übernimmt die Batman-Rolle, indem er in einen Panzeranzug steigt. Seine Herausforderung: Ein neuer Schurke namens Mr. Bloom, der Gaunern Superkräfte verleiht und sie daraufhin tötet (siehe Superheavy/Superschwer).

Was hier geschieht: Bloom startet seine Offensive gegen Gotham. Gordon gerät als Batman an seine Grenzen. Bruce Wayne wird bewusst, dass er Batman war – und als die Stadt in größter Not ist, unterzieht sich Bruce einer qualvollen wie gefährlichen Prozedur, um sich wieder geistig zu Batman zu machen. Unterstützt wird er dabei von Duke Thomas, einem Jungen, den er schon aus dem Zero Year/Jahr Null kennt, und der hier zu Robin wird.

Höhepunkt: Ein Treffen zwischen Bruce Wayne und dem Joker auf einer Parkbank. Das heißt: Die Szene lässt offen, ob es sich wirklich um den Joker handelt, der wie Batman körperlich erneuert und geistig auf Null zurückversetzt wurde, aber es spricht vieles dafür. Der Unbekannte will sich selbst erschießen, dann verschwindet er im Nichts. Hier wird klar, dass Scott Snyder mit seinem Dionesium, das wie eine Lazarus-Grube wirkt, einen Weg gefunden hat, nach dem ultimativen Endkampf, einen Neuanfang für Batman und Joker zu finden. Beide waren tot, beide entstehen wieder neu. (Der Joker sogar in drei Gestalten?)

Zweiter Höhepunkt: Eine andere starke Sequenz ist ein wilder Trip durch eine Reihe von Elseworlds-Szenarien, als Batman wieder zu sich kommt.

Was gefällt: Dass Scott Snyder und Greg Capullo erzählen können, haben sie schon oft bewiesen. Auch Bloom ist ein Comic auf höchstem Niveau. Sensibel werden Charaktere ausgebaut, Konflikte vertieft und auch für ein wenig Humor ist Platz. Capullo zeichnet ein paar herausragende Seiten mit tollen Inszenierungen, unterstützt wird er dabei zum Teil von Yanick Paquette, dessen Figuren dagegen leider zu steif wirken.

Was nicht gefällt: Im dritten Akt verliert sich die Story zu sehr im Radau des Endkampfes. Wieder wird die halbe Stadt zerstört, wieder dreht halb Gotham durch, wieder müssen Schurken und Roboter riesengroß werden und alles in einem großen Knall enden lassen. Das ermüdet. Es wäre mal wieder an der Zeit, eine Batman-Story zu erzählen, ohne dass dabei fast die Welt untergeht. Gegen Ende wird Snyder auch etwas geschwätzig, wenn er Gordon über Batman schwadronieren lässt. (Und sich dabei für seinen Gordon-Batman-Plot rechtfertigt.) Und dass Batman noch die Nerven hat, sich im Notfall noch ein neues Kostüm zu designen – das hätte man sich auch sparen können. (Warum muss sich ständig das Kostüm ändern? Warum ist die Fledermaus gelb umrandet?)

Bonus: DC hat in den Sammelband noch eine Story aus Detective Comics #27 dazugepackt. Eigentlich unnötig, weil sie schon in Detective Comics Vol. 5: Gothtopia veröffentlicht wurde. Aber sie gehört thematisch zur Story, weil hier Bruce Waynes Batman-Maschine erstmals eingeführt wird. Der Rest des Bandes ist gefüllt mit einer Reihe „Batman v Superman“-Variant-Cover, darunter auch einige Perlen.

Bilanz: Es ist seltsam: Obwohl ich die Snyder-Capullo-Storys am meisten mag, gehe ich mit ihnen sehr kritisch um. Keine Frage: sie sind (innerhalb von The New 52) das Beste der vergangenen fünf Jahre. Wer’s mag, wird auch das hier mögen. Vielleicht sind die Geschichten aber so gut, dass ich deswegen umso enttäuschter bin, dass sie nicht perfekt sind.

Bye, Batman! Snyder und Capullo verabschieden sich

Batman #51 (DC Comics)

Batman #51 (DC Comics)

In den USA ist gerade Batman #51 erschienen – die vorerst letzte Ausgabe von dem gefeierten Kreativteam Scott Snyder und Greg Capullo. Im Interview mit DC Comics erzählen die beiden, inwiefern ihre letzte gemeinsame Story ein Abschied von Gotham und ein „Brief an die Fans“ ist, wie sie ihre Arbeit an Batman empfunden haben und wie es danach weitergehen soll. (Außerdem gibt es eine Vorschau auf ein paar tolle Seiten samt prächtiger Bathöhle und einem schnittigen Batmobil.) Eine sehr sentimentale Angelegenheit – wenn auch kein Grund zur Trauer. Denn wenn DC im Sommer mit seinem Event DC Rebirth auch seine Batman-Serien neu startet, wird Snyder mit einer eigenen Serie, All-Star Batman, der Fledermaus treu bleiben. Capullo zeichnet ein Geheimprojekt für Mark Millar. Beide schließen aber nicht aus, wieder zusammen zu arbeiten. Vielleicht sogar an Batman.

Bisherige Storylines von Snyder und Capullo waren: der neue Batman-Origin Zero Year (dt. Jahr Null), Court of Owls/City of Owls (dt. Rat der Eulen/Stadt der Eulen) und das Joker-Epos Death of the Family/Endgame (dt. Tod der Familie/Todesspiel). Alle diese Geschichten haben Maßstäbe für nachfolgende Künstler und Autoren gesetzt. In Deutschland läuft gerade ihre letzte Storyline – Superheavy/Superschwer – zu Ende. In den USA ist der erste Teil als Paperback erschienen. Teil 2 soll im September kommen.

Auferstehung im Hasenkostüm

DC Comics

DC Comics

Titel: Superheavy (Batman Vol. 8) (dt. Superschwer)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Greg Capullo

Erschienen: 2015 (DC Sneak Peek #1/Divergence #1, Batman #41-45, Paperback 2016), dt. Panini 2016 (Batman 46ff.)


„… this is the dumbest idea in the history of Gotham City.“ (James Gordon)

„In the beginning, there was nothing … and then, there was Batman. And this was good.“ (Geri Powers)

Nach dem Endgame (dt. Todesspiel) mit dem Joker gilt Batman als verschollen, bzw. tot. Aber weil es schon immer einen Batman zu geben scheint (nach gerade einmal sechs Jahren im Dienst) und man sich ein Gotham ohne nicht mehr vorstellen kann, bringt das Unternehmen Powers International (vgl. Batman Beyond), das kürzlich Wayne Enterprises übernommen hat, einen neuen Batman ins Spiel: einen Kampfanzug. Bedienen soll ihn ein Polizist – und das ist niemand geringerer als Commissioner James Gordon. Ja, genau: Gordon wird der neue Batman. Am Anfang hat auch er Bedenken, um nicht zu sagen, er hält das für Schwachsinn. Der Anzug, so sagt er, sehe nicht einmal Batman ähnlich, eher einem Kaninchen. Zugegeben, das Ding hat sehr lange Antennen, die wie Ohren aussehen, aber der Hase müsste schon auf Steroiden zu sein, um ihn mit dem Panzerkostüm zu verwechseln …

Egal, es sieht cool aus. Vielleicht ist Gordon deshlab schnell überredet und fast ebenso schnell in Form gebracht (mit Training, Implantaten und Rasur) und nach einigen Startschwierigkeiten tritt er gegen seinen ersten Superschurken an: Mr. Bloom, ein dürrer Mensch mit Blumenmaske, der Straßengangs mit kleinen „Samen“ zu Superschurken macht – oder sie tötet. Aber über die Story kann man noch nichts Abschließendes sagen, weil in diesem Band bloß der erste Teil erzählt wird. Da wir über den Schurken kaum etwas erfahren, bleibt er oberflächlich und nur mäßig interessant.

Bruce Waynes Gehirn gelöscht

Aber was ist mit dem echten Batman, was ist mit Bruce Wayne? Den gibt es noch, aber er ist nicht mehr der alte. Überlebt hat er dank des Wundermittelchens, das auch Joker immer wieder regenerieren ließ (siehe Endgame). Doch damit wurde auch Waynes Gehirn gelöscht – und ohne Erinnerungen und Trauma kann er nicht mehr Batman sein. Stattdessen lässt er sich einen Vollbart wachsen und arbeitet in einem Jugendzentrum, wo er eigentlich nicht viel macht, außer mit Julie Madison herumzuturteln.

Fassen wir zusammen: Gordon rasiert sich und steigt in ein Hasenkostüm, um Batmans Erbe anzutreten, und Wayne setzt sich zur Ruhe und hütet Kinder? Ja, er baut ihnen sogar einen Spielgarten aus den alten Trophäen der Bathöhle, die Joker entstellt hat. Überzeugt das? Mäßig. Auch wenn Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo ihr Bestes geben, um ihre Geschichte mit der betonenen Sensibilität für ihre Charaktere zu erzählen, liefern sie mit Band 8 ihrer Batman-Serie den bisher schwächsten ab. Und das liegt nicht nur daran, dass es mehr Gerede als Handlung gibt. Die meiste Zeit über wirkt Superheavy wie ein Urlaub, wie eine Auszeit nach dem aufreibenden Endgame, als müsste sich gerade Bruce Wayne davon erholen. (Auch die Rückblende im Intermezzo, von Brian Azzarello und Jock, wirkt etwas müde.)

Wieder bei Null anfangen

Gordons Wandlung zu Batman ist zu überstürzt. Dafür, dass er am Anfang vehement dagegen ist, lässt er sich doch leicht überreden, und das nur durch das Argument, dass er die Stadt am besten kennt. Er hingegen hält die Idee für reizvoll, dass Batman innerhalb des Systems arbeit. So wird aus dem Vigilanten ein legitimierter Ordnungshüter. Das ist eine neue Idee, die wohl einmal hätte durchgespielt werden müssen, aber sie kränkelt daran, dass Batmans Wesen darin besteht, außerhalb des Gesetzes zu operieren.

Die Grundidee der Story besteht darin, Batman wieder auf Null zu bringen, neu anzufangen. Und so wird der erfahrene Polizist James Gordon wieder zum Anfänger. Immerhin ist das nett anzusehen, wie er seinen Kampfanzug und seine Fähigkeiten im Batarang-Werfen austestet. (Bermerkung im Kluscheißermodus: Dass er allerdings einen 1000-Grad-heißen Ofen überlebt, ist dann doch unwahrscheinlich. Zwar mag sein Kostüm ihn schützen, aber wenigsten die untere Hälfte des Gesichts müsste verdampfen. Aber das geht bekanntlich nicht, solange die Story nicht zu Ende ist.) Daher gedulden wir uns noch auf die Fortsetzung, die als Hardcover im September erscheinen soll, und hoffen, dass in der zweiten Hälfte wieder mehr Schwung in die Story kommt.

Veränderungen bei DC und Batman

Batman #50 (Greg Capullo) (DC Comics)

Batman #50 (Greg Capullo) (DC Comics)

Bei DC Comics stehen offenbar große Veränderungen an. Wie Nerdist.com berichtet, könnten die Serien im Sommer (nach den Nummern 52) neu nummeriert werden. Offen ist, ob damit auch das Comic-Universum rebootet werden soll. Das wäre ein drastischer Einschnitt, wenn man bedenkt, dass das DC Universum erst 2011 mit der „The New 52“-Initiative einen Neustart bekam und die Continuity in weiten Teilen annulliert oder wenigstens überarbeitet wurde. Angeblich soll die Comic-Continuity zum Teil an die der TV-Serien (Arrow, Flash, Supergirl) angepasst werden. Doch bis auf eine mysteriöse Ankündigung der Herausgeber Jim Lee und Dan DiDio auf Twitter, auf dem bloß der Schriftzug „Rebirth“ auf einem blauen Vorhang zu sehen ist, gibt es nicht – der Rest ist noch Gerücht bzw. Spekulation.

DC Comics

DC Comics

Konkreter hingegen sind die Pläne für Batman: Autor Scott Snyder soll die Hauptserie verlassen, dafür aber Detective Comics übernehmen. Damit soll er mehr Freiheiten bekommen, Charaktere zu entwickeln, statt wie bisher dem Druck ausgesetzt zu sein, am Fließband Events wie Court of Owls, Death of a Family oder Zero Year  schreiben zu müssen. Die Serie „Batman“ soll fortan zweimal statt einmal im Monat erscheinen. Snyder hat bereits 2011 bei Detective Comics angefangen, damals mit der Storyline The Black Mirror (dt. Der schwarze Spiegel). Wann der Wechsel vollzogen werden soll, ist noch unklar, vielleicht hängt er auch mit DCs „Rebirth“-Projekt zusammen.

Bereits im Oktober wurde berichtet, dass Batman-Zeichner Greg Capullo nach Ausgabe 51 eine kurze Pause machen wird, um an einem kleinen Projekt mit Mark Millar (Wanted, Kick Ass, Chrononauts) zu arbeiten. Snyder und Capullo arbeiten seit dem Reboot im Jahr 2011 zusammen und schaffen seitdem wegweisende Werke, die bei Kritik und Publikum gefeiert werden. Nebenher war Snyder auch als Co-Plotter neben James Tynion IV für die wöchentliche Serie Batman Eternal verantwortlich. Außerdem – weil er offenbar nebenher noch Kapazitäten frei hat – schrieb er für DC die Mini-Serie Superman Unchained und Swamp Thing sowie für andere Verlage American Vampire, The Wake und Wytches.

Die Traditionsserie Detective Comics, in der Batman 1939 seinen ersten Auftritt hatte, war seit dem Reboot eine glücklose Angelegenheit: Mehrere Autoren und Zeichner versuchten ihr Glück, doch schafften sie bestenfalls Durchschnittsware. Allein die Jubiläums-Story Gothtopia und die Jubiläumsausgabe von Detective Comics #27 (beide enthalten in Volume 5) waren lesenswerte Comics.

Coverwahn #8

Batman gibt Superman seinen Stiefel zu spüren: unerbittlich tritt er mit seiner stacheligen Sohle auf Supermans Gesicht ein, sodass es blutet. Der Kampf Batman gegen Superman fasziniert wohl auch, weil es befriedigend ist, zu sehen, wie der eigentlich Schwächere den eigentlich Stärkeren so richtig vermöbelt. Die Rache der Außenseiter an den Strahlemännern. Meisterzeichner Greg Capullo hat sein Variant Cover zu Dark Knight III: The Master Race beigesteuert, und obwohl es ein typisches Motiv zeigt, ist es (wie immer) klasse geworden. Voller Kraft und Dynamik und roher Gewalt – ein deutlicher Kontrast zu den blassen Farben, die andeuten, dass aus den Helden gerade das Leben entweicht.

Deutlich weniger grandios sind die Leistungen der anderen Zeichner: Walter Simonson zeigt Batman mit Verstopfung und dem Heiligenschein des Vollmonds, die anderen drei setzen Robin Carrie Kelley in Szene, davon einmal im Frauen-Power-Verbund mit Wonder Woman und Catgirl (die eigentlich auch Carrie ist). Bemerkenswert ist die Arbeit von Babs Tarr, die Robin nach vorne stellt und einen Vertigo-artigen Hintergrund in schwarz und rot wählt.

Damit sind wir fast durch mit unserer Galerie-Reihe, es fehlen nur noch eine Handvoll Bilder.

>> Hier die bisherigen Variant-Cover-Galerien zu DK III.