Doug Mahnke

Batmans Krieg gegen sich selbst

DC Comics

Titel: Mythology

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Doug Mahnke

Erschienen: 2019 (Detective Comics #994-999), Hardcover 2019 (Detective Comics Vol. 1)


„We always knew that to wear the cape and cowl we’d have to wage war on ourselves, Bruce.“

Detective Comics fängt noch einmal von vorne an. Schon wieder. Denn nach der siebenbändigen Storyline von James Tynion IV kamen nur zwei Gastautoren vorbei, kurz vor der Nummer 1000 hat man Peter J. Tomasi (Batman and Robin) und Altmeister Doug Mahnke (The Man Who Laughs, Under the Hood) zusammengebracht, um die Serie zum Jubiläum und darüber hinaus weiterzuführen.

Die Geschichte beginnt so, wie man es von einer Serie mit dem Titel erwartet: mit einem Mord. Im Gotham City Aquarium werden zwei Leichen gefunden, die bis aufs Haar Thomas und Martha Wayne ähneln – inklusive der Einschusswunden und Kleidung. Kurz darauf wird Leslie Thompkins von einem Monster angegriffen. Batman kann es zwar abwehren, aber das Monster setzt Leslie einem Joker-Gas aus. Dann wird auch noch Alfred von einem falschen Zorro angegriffen …

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994

Batman von Doug Mahnke in Detective Comics #994 (DC Comics)

Batman wird klar, dass die Angriffe von jemandem stammen müssen, der sein Geheimnis kennt. Also sucht er jeden auf, der dafür infrage käme: Henri Ducard, Sensei Kirigi, Thaddeus Brown (dem ersten Mr. Miracle), Hugo Strange und Etrigan. Zwischendrin taucht das Monster wieder auf, das diesmal die Gesichter von Batmans Rogues Gallery trägt. Und spätestens hier wird die Story verdächtig. Und tatsächlich: Hier geht es um nichts anderes, als um Mythologie. Zu Deutsch: Batman betreibt mal wieder Nabelschau.

ACHTUNG: SPOILER!!!

Wenn Peter Tomasi auch noch Etrigan einführt, ohne wirklich zu motivieren, und am Ende auflöst, es habe sich bloß um eine Simulation gehandelt, der sich Batman jedes Jahr zu seinem Geburtstag aussetzt, um seine Leistung zu steigern, dann fällt die ganze Geschichte in sich zusammen.

Immer wenn es heißt, es sei alles nur Vorstellung, ein Traum/Albtraum oder ein Trugbild, verliert die Story an Brisanz, denn in so einem Konstrukt kann alles passieren, ohne dass es ernsthafte Folgen hat – und das wirkt beliebig. Und so werden wir mit dem Tod von Leslie Thompkins und dem Angriff auf Alfred getäuscht. So etwas haben wir in letzter Zeit zu oft lesen müssen: ob in Kings of Fear oder in Tom Kings Knightmares. Hier verliert sich die Detektivgeschichte in einer Parade von All-Stars und Kämpfen.

detective comics 999

Cover zu Detective Comics #999 (DC Comics)

Bei aller Kritik muss man dem Kreativteam zugestehen, dass das alles immerhin kurzweilig und spannend inszeniert ist, sei es der Angriff auf Leslie oder die Befreiungsaktion unter Wasser. Doug Mahnke zeichnet die Stippvisiten bei alten Bekannten herrlich detailliert und spektakulär, jede Seite ist eine farbenprächtige Augenweide voller kraftstrotzender Muskeln und ausdrucksstrarker Gesichter. Auch die Hellbat-Rüstung ist immer wieder ein Hingucker.

Dennoch: Es bleibt noch viel Luft nach oben, es wirkt wie ein weiterer Lückenbüßer bis endlich das große Ding kommt. Verbuchen wir es als Aufwärmübung für Arkham Knight – und hoffen wir, dass es noch besser wird. Und mit besser meine ich eine Geschichte, die endlich auch emotionalen Eindruck hinterlässt, ohne dass Batman nur über sich selbst nachdenkt.

(Nach einigem Hin- und Her hat sich DC dazu entschieden, doch nur eine Storyline zu bündeln, dafür aber als Hardcover – die Kraut- und Rübensammlung im Comicregal ist um eine Ausnahme reicher.)

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80 Jahre Batman: Detective Comics #1000

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Detective Comics #1000-Cover von Jim Lee (DC Comics)

Eine von DCs besten strategischen Entscheidungen der vergangenen Jahre war es, die Hauptserien von Batman und Superman zweiwöchentlich erscheinen und Action Comics und Detective Comics zur alten Nummerierung zurückkehren zu lassen. Zum einen, weil man so mehr Comics verkaufen und die Leser bei der Stange halten konnte, zum anderen, weil dadurch die jeweils 80-jährigen Jubiläen mit den 1000er-Ausgaben zusammenfielen.

Allerdings: Während Superman von Anfang an Action Comics war, kam Batman erst in Detective Comics #27 vor. Strenggenommen müssten wir also noch 27 Ausgaben warten, bis Batman seinen 1000. Auftritt in der Serie hat – ein Umstand, der bei früheren Jubiläumsausgaben (627) berücksichtigt wurde. Aber das sind nur Zahlenspielereien, denn Batman hat in 80 Jahren weit mehr als 1000 Hefte gefüllt, zusammen mit allen Ablegern sind es unzählige.

Ein Jubiläumsheft, das versucht, dieser sehr langen und unüberschaubaren Tradition Rechnung zu tragen, ist daher schon ein gewagter Versuch. 96 Seiten umfasst Detective Comics #1000, elf Geschichten und auch ein paar Seiten, die bloß hübsch zum Ansehen sein sollen. Jede dieser elf Geschichten trägt die Last dieser Tradition und will zugleich einen Beitrag dazu leisten.

Scott Snyder & Greg Capullo besinnen sich auf die Anfänge zurück: Batman als Detektiv. In Batman’s Longest Case geht Batman einer Spur aus seinem ersten Fall (aus #27, 1939) nach und folgt ihr über Jahre um die ganze Welt. Am Ende landet er wieder in Gotham und stellt fest, dass alles nur ein Test war, um in eine Geheimgesellschaft der besten Detektive aufgenommen zu werden. Dazu gehören auch Slam Bradley, Hawkman und Martian Manhunter.

Man kann einwenden, dass der World’s Greatest Detective keinen solchen Aufnahmetest braucht und seine Zeit nicht mit Spielchen verschwenden sollte, aber was zählt ist – abgesehen von dem Willen, ein paar Comic-Veteranen in einer Splash Page zu versammeln – die Botschaft, dass jede Antwort immer zu anderen Fragen führt, jedes Rätsel zu neuen Rätseln. Man stehe immer wieder am Anfang. Diese Einsicht lässt am Ende Batman staunen. Und dem Leser wird klar, warum Batman eine unendliche Geschichte sein muss.

Zu einem Ende kommt Batman in Manufacture for Use. Kevin Smith und Jim Lee erzählen, wie Batman als Matches Malone die Waffe erwirbt, mit denen die Waynes erschossen wurden. Alfred fragt ihn hinterher, ob er das wirklich für eine gute Idee halte, dieses schmerzhafteste aller Andenken im Trophäenraum aufzubewahren. Doch Batman hat eine andere Idee, wie er daraus etwas Neues und Nützliches erschaffen kann. Eine ziemlich gute Idee. Sie zeigt, wie auch Autoren aus alten Motiven noch überraschende Geschichten machen können.

The Legend of Knute Brody ist ein Beispiel für so eine Geschichte. Paul Dini beweist mal wieder Einfallsreichtum und Witz, wenn er die Story des schlechtesten Handlangers in Gotham erzählt und dabei eine interessante Auflösung findet. Dafür tut er sich mit seinem Zeichner aus Streets of Gotham, Dustin Nguyen, zusammen.

Drei Storys zeigen pessimistische Sichtweisen auf den Mythos. In The Batman’s Design (Warren Ellis & Becky Cloonan) hält Batman einen Terroristen von seiner Tat ab, indem er sich selbst als schlechtes Beispiel darstellt: „I’m already dead.“ In Return to Crime Alley (Denny O’Neil & Steve Epting), einem Sequel zu „There’s No Hope in Crime Alley“ (Detective Comics #457, 1976), trifft Batman wieder auf Leslie Thompkins. Als eine maskierte Bande versucht, sie zu überfallen, übertreibt er es mit der Prügelei. Am Ende bemitleidet Leslie Batman statt der Verbrecher. In Heretic (Christopher Priest & Neal Adams) wird Bruce Waynes Brieftasche zum Auslöser für einen Brudermord. Klingt seltsam? Ja, es ist auch die schwächste Geschichte in dem Heft. Neal Adams Zeichnungen lassen auch schon seit Jahren die alte Eleganz vermissen.

DC Comics

Dafür ist I Know einer der Höhepunkte. Brian Michael Bendis erzählt von einem alten Pinguin, der auf einen alten Bruce Wayne trifft und ihm sagt, er hätte schon lange gewusst, dass er Batman sei. Alex Maleev inszeniert es nicht nur herrlich atmosphärisch und lebendig, sondern auch mit gelungenen Anspielungen auf den Pinguin im Film Batman Returns (1992).

Einen Altmeister in Hochform sieht man in The Last Crime in Gotham. Kelley Jones scheint mit dem Alter immer besser zu werden, einige Panels, wie etwa eine Nahaufnahme des Jokers, strotzen vor ausdrucksstarker Schaurigkeit. Das bildet das Gegenstück zu der optimistischen Geschichte von Geoff Johns, der Batman von einem verbrecherfreien Gotham und einer echten Bat-Familie träumen lässt.

Familär geht es auch am Ende zu. The Precedent (James Tynion IV & Alvaro Martinez) ist mal wieder eine Meditation auf die Rolle von Robin. Diesmal erscheint der Skeptiker Alfred als derjenige, der in Verbrechensbekämpfung ein Abenteuer statt eine Gefahr sieht. Ein gutgemeinter Versuch, Robin glaubwürdig zu erklären. Die hervorragenden Zeichnungen lassen aber über die logische Schwäche hinwegsehen.

Um Logik schert sich auch Tom King wenig. Batman’s Greatest Case (gezeichnet von Tony Daniel & Joëlle Jones) besteht darin, die Familie für ein Gruppenfoto zusammenzutrommeln. Das legt Bruce Wayne am Jahrestag ihres Todes seinen Eltern ans Grab. Sinn ergibt das nicht. Es ist nur sentimental. Und dazwischen gibt es typisch geschwätzigen Dialog der Robins und Bat-Frauen, der allerdings sehr witzig ist.

Batman mit Familie und Schurken von Jason Fabok (DC Comics)

Zum Schluss wird dann noch ein Familienfoto mit Schurken von Jason Fabok hinterhergeschoben und dann auch noch zwei Pin-ups von Mikel Janin und Amanda Conner, die wirken wie verworfene Variant Cover.

Ganz zum Schluss wird es relevant: Medieval (Peter J. Tomasi & Doug Mahnke) zeigt den ersten Auftritt des Arkham Knight, einer neuen Konkurrenz für Batman, die in Detective Comics #1001ff. eine Rolle spielen wird. Erzählt wird keine Story, sondern was wir sehen, ist eine Abfolge von Splash Pages, die Batmans Kämpfe gegen seine einige (klassische) Schurken zeigen, dazu liest man den inneren Monolog des Arkham Knight, der Batman für ein Auslaufmodell hält.

Das Jubiläumsheft beweist, dass er es natürlich nicht ist. Von solchen einfallsreichen und hervorragend gezeichneten Ausgaben kann es ruhig noch weitere 1000 geben.

>> Detective Comics: 80 Years of Batman

Wozu noch Superman?

DC Comics

Titel: What’s So Funny About Truth Justice and the American Way?

Autor/Zeichner: Joe Kelly/Doug Mahnke, Lee Bermejo

Erschienen: 2001 (Action Comics #775), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„How does it feel to have your flaws exploited? To be deconstructed? How does it feel to watch dreams die?“ (Superman)

Eine neue Gruppe von Vigilanten macht weltweit kurzen Prozess mit Schurken: The Elite. Viele finden das gut. Aber Superman ist nicht erfreut. Er hält immer noch an seinen Idealen fest, allerdings kann er die Neulinge nicht davon überzeugen. Auch nicht durch vorbidliches Handeln. Man muss die Meinungsverschiedenheit also mit Gewalt austragen. Also reist man ins All.

Zunächst machen die vier Superman fast alle, dann revanchiert er sich, indem er sie im Alleingang erledigt. Nicht nur Cape und Kostüm werden dabei zerrissen, auch das Ego leidet. Superman wird nicht gern hinterfragt. Für einen kurzen Moment denkt man, die selbsternannte Elite hätte ihn doch über die Grenze getrieben, aber dann bleibt er sich selbst doch treu.

Er tötet auch diese Schurken nicht, auch wenn es bedeutet, immer wieder gegen sie zu kämpfen. The Elite profitiert also von Supermans Gnade, die sie an ihm zuvor abgelehnt hat. Supermans Moral:

„Dreams save us. Dreams lift us up and transform us. And on my soul, I swear… Until my dream of a world whre dignity, honor and justice becomes the reality we all share … — I’ll never stop fighting. Ever.“

Superman soll mit dieser 40-seitigen Story eine Rechtfertigung für das neue Jahrtausend bekommen. Beantwortet werden soll die Frage: Wozu braucht es noch einen Superman? Geboten werden aber nur Gemeinplätze ohne neue oder tiefere Einsichten. Autor Joe Kelly betreibt am Rande Medienkritik und baut sogar einen Gastauftritt der „Men in Black“ ein. Allerdings hat er mit seinem Statement eine passende Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 vorweggenommen (die Story ist vom März). Im Nachhinein wirkt die Story damit wie ein Kommentar Richtung US-Regierung. Aber die hat ihn wohl nicht gelesen.

Elf Jahre später erschien mit Superman vs. The Elite eine Zeichentrick-Adaption des Comics.

>> Liste der Superman-Comics

Mehr Joker: Neues von der San Diego Comic-Con 2018

Die diesjährige SDCC bietet so viele Neuigkeiten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es gibt vor allem viel Neues zum Joker. Der Schurke soll 2019 einen eigenen Kinofilm bekommen – mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. In der Comic-Welt sind einige Projekte angekündigt:

The Batman Who Laughs kehrt zurück: Scott Snyder und Jock widmen dem bösesten aller Batmen aus dem Dunklen Multiversum (siehe Dark Nights: Metal) eine Mini-Serie. Start soll im November sein. In der Story verfolgt der Batman Who Laughs einen bösen Plan mit einem neuen Dunkler Ritter. Dieser soll Joe Chill mit seiner eigenen Waffe erschossen haben und nun als eine Art Punisher-Batman unterwegs sein. Snyder spricht von einem „weiteren schlimmsten Alptraum“ des Dunklen Ritters und der düstersten Batman-Story, die er je geschrieben habe …

Batman/Joker: Deadly Duo wird eine neue Mini-Serie von Marc Silvestri heißen. Der Joker ersucht Batman um Hilfe, indem er James Gordon entführt und Batman Körperteile schickt. Die Story soll ein neues Licht auf den Schurken werfen. „Siebeneinhalb“ Ausgaben lang soll die Geschichte sein, ein offizielles Startdatum gibt es nicht. „It would be full of dramatic and comedic moments“, sagt Silvestri. „I’ve been wanting to do this story for 20 years.“

Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok erscheint irgendwann im Winter als Dreiteiler unter dem DC Black Label. Es soll darin um die Traumata gehen, die der Joker bei Bruce Wayne, Barbara Gordon und Jason Todd verursacht hat. Und so sehen wir auf dem Cover auch einen der Joker mit der typischen blutigen Brechstange aus A Death in the Family, während das Kartenlegen an The Killing Joke erinnert. Waren da etwa jeweils andere Joker am Werk?

Darüber hinaus spielt der Joker auch in Scott Snyders Justice League-Serie eine große Rolle, sowie in der Mini-Serie Old Lady Harley (ab Oktober), in der es um eine altgewordene Harley Quinn gehen wird (nach dem Konzept von Marvels Old Man Logan).

Detective Comics bekommt ein neues Team: Peter J. Tomasi und Doug Mahnke übernehmen die Serie mit Ausgabe #994. Tomasi hat bereits die Serie Batman & Robin geschrieben, Mahnke hat mit ihm bereits zusammengearbeitet (The Big Burn), aber auch moderne Klassiker wie The Man Who Laughs und Under the Red Hood gezeichnet. Auch an der Jubiläumsausgabe Detective Comics #1000 soll das Team beteiligt sein. Ab Ausgabe #988 (12. September 2018) ist erstmal James Robinson als Autor verpflichtet. Ihm haben wir so großartige Batman-Storys wie Blades und Face the Face zu verdanken.

Batman bekommt ein neues Kostüm: sein altes. Autor Tom King hat angekündigt, dass Batman nach der Hochzeit mit Catwoman zurückkehrt zum Kostüm aus Hush-Zeiten. Das bedeutet einerseits, dass das Fledermaus-Symbol auf seiner Brust seinen gelben Rand verliert (juchu), andererseits, dass die schwarze Unterhose wieder zurückkommt (buh!).

Und zum Schluss noch ein Wort zu Zeichentrickfilmen: Batman: Hush wird im Sommer 2019 als Animationsfilm erscheinen. Damit setzt Warner Bros. seine erfolgreiche Reihe von Klassiker-Adaptionen wie Year One, The Dark Knight Returns und The Killing Joke fort. Für nächstes Jahr sind auch die Filme Reign of the Supermen (Fortsetzung zu Death of Superman, der im August 2018 rauskommt), Justice League vs. The Fatal Five und Wonder Woman: Bloodlines angekündigt.

Jeder darf mal

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice League

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ivan Reis, Doug Mahnke, Jason Fabok

Erschienen: 2014 (Justice League #30-39), Paperback 2015; dt. Panini 2016 (Paperback)


„You’re no different from those in Arkham, Luthor. You don’t have a colorful costume or carry a deck of cards. You don’t wear your psychosis on your sleeve like they do… But that’s what makes you more dangerous. You can hide among us.“ (Batman)

Lex Luthor hat die Welt gerettet. Jetzt will er der Justice League beitreten. Seine Begründung: Da kommt noch mehr auf die Erde zu. Aber Superman und Co. trauen Luthor nicht. Die Erfahrung mit ihm als Schurke lässt sich nicht wegdenken. Daraufhin versucht Luthor es bei Batman. Er kommt unangemeldet zu Bruce Wayne nach Hause, sagt ihm, dass er dessen Geheimnis kenne. Bruce stellt sich dumm. Und auch das Ziehen einer Handfeuerwaffe überzeugt Bruce nicht von Luthors edlen Motiven. (Warum wohl?)

Und dann gibt es noch das Vermächtnis von Power Ring, dem bösen Green Lantern von Erde 3. Dessen Ring hat sich ein neues Opfer gesucht: Jessica Cruz. Sie wird zum Träger wider Willen und lässt in Portland, Oregon, eine Flut an grünen Monstern und Flammen los. Die Doom Patrol greift ein, die Justice League folgt sogleich, es kommt zu einem kleinen, unmotivierten und auch nur halbherzigen Kampf.

Cyborg versucht in den Ring einzudringen. Lex Luthor versucht mit Drohungen an den Ring heranzukommen. Am Ende kann Batman durch gutes Zureden Jessica Mut machen, die Kontrolle zu übernehmen. Schließlich wird nicht nur sie in die Liga aufgenommen, obwohl sie weder sich noch den Ring im Griff hat, sondern auch Lex und nebenbei der infantile Shazam – offenbar nimmt man heutzutage jeden. Für Lex lautet der Grund: Man will ihn so besser beobachten …

In der zweiten Story, The Amazo-Virus, bereut die JL ihre Entscheidung. Bei einem gescheiterten Attentat auf Luthor wird aus seinem Labor ein Virus freigesetzt, das Menschen zunächst Superkräfte verleiht und sie kurz darauf sterben lässt. Auch die meisten Liga-Mitglieder werden infiziert. Man sucht nach Patient Null, doch als man ihn findet, trägt er nichts zur Lösung bei. Schließlich muss Superman Blut spenden, um die Sache zu lösen. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen den infizierten und den verschont gebliebenen Mitgliedern.

Die Story ist ziemlich spannungsarm erzählt, die meiste Zeit wird bloß geredet, wobei wir am meisten nur selbstverliebte Monologe von Lex Luthor lesen. Dabei wird das Ausmaß der Seuche nie richtig greifbar und auch die Tatsache, dass die halbe Liga besessen vom Virus ist, wirkt nie richtig bedrohlich. Der Umstand, dass Menschen Superkräfte bekommen, spielt eigenartigerweise keine große Rolle, was den Sinn hinter der Idee fraglich macht. Jeder kriegt mit den Kräften seine 15 Minuten Ruhm – das könnte auch für die Rekrutierungsstrategie der Justice League stehen. Kurz: Ein weiteres Routine-Abenteuer.

Am Ende aber gibt es einen neuen Amazo und Green Lantern Hal Jordan kehrt zurück. Wo war der eigentlich hin? Man verliert sehr leicht den Überblick, wenn man nicht gut aufpasst und dranbleibt …

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Robin macht noch als Leiche Ärger

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 6: The Hunt for Robin (dt. Die Jagd nach Robin)

Autor/Zeichner: Peter Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert

Erschienen: 2014 (Batman and Robin #29-34, Robin Rises: Omega #1); dt. Panini 2015 (Sonderband)


„If you try to take Damian’s body again I’m going to kill you and make sure you never come back.“ (Batman zu Ra’s al Ghul)

Damian und seine Mutter Talia sind immer noch tot, aber ihre beerdigten Körper sind verschwunden (siehe Batman Incorporated Vol. 1-2) – denn Ra’s al Ghul lässt nicht locker: er will Tochter und Enkel wiederbeleben. Obwohl Batman in einem Anfall von Wahnsinn selbst versucht hat, seinen Sohn von den Toten zurückzuholen (siehe Requiem for Damian), hat er etwas gegen die Grabschändung und versucht, die Damians Leiche wieder zurück in ihr Grab zu bringen.

Auch wenn es im Grunde um Robin geht, bleibt der sechste Band von Batman and Robin strenggenommen eine Mogelpackung. Schon in den letzten zwei Bänden kam Robin kaum bis gar nicht vor. In Teil fünf (The Big Burn) fiel das allerdings nicht auf, weil Two-Face in gewisser Weise die Rolle des Sidekicks übernahm, und hier stehen andere Helden Batman bei seiner Quest zur Seite: Zunächst Aquaman, dann Wonder Woman, dann wieder Frankenstein, schließlich andere Justice League-Mitglieder wie Lex Luthor, Shazam und Cyborg. Die Familienangelegenheit nimmt immer größere Ausmaße an.

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Ra’s al Ghul versucht zunächst, eine Lazarusgrube auf der Paradiesinsel ausfindig zu machen – dagegen haben die Amazonen jedoch etwas. Nachdem der Versuch scheitert, nimmt er sich eine Grube unter der ehemaligen Tibet-Stadt Nanda Parbat vor, was übrigens ohne Widerstand funktioniert. Hier kann man sich fragen: Warum nicht gleich so? Aber die Antwort auf die Frage kann man sich denken: Sonst gäbe es keinen Konflikt mit den Amazonen und Wonder Woman. Weil Ra’s aber auch noch einen mysteriösen Energie-Kristall benutzt, den Darkseid haben will, wird Damians Sarkophag (nach einer Keilerei mit der Liga) nach Apokolips entführt – und Batman folgt ihnen in einem Mega-Kampfanzug als „Hellbat“. Holy Shit, sieht das cool aus! Doch plötzlich ändert sich Batmans Meinung wieder: er will Robin doch lebendig zurückbringen …

Abgesehen von diesen Löchern im Plot ist The Hunt for Robin eine vergnügliche und visuell ansprechende Lektüre (auch dank Andy Kubert). Der klassische Heldenreisen-Aufbau mit seinen verschiedenen Stationen und Weggefährten sorgt für viel Abwechslung und Action, und wegen der persönlichen Motive der Hauptfiguren wird die Jagd nach dem MacGuffin dramatisch aufgeladen. Seinen Höhepunkt bekommt die Story, wenn Batman Ra’s droht, ihn umzubringen, wenn er noch einmal Damian entführen sollte. Aber so weit kommt es dann doch nicht. Nein, Batman begnügt sich damit, andere anzuschreien, zu fluchen und um sich zu schlagen. Good old Batman …

Tod durch Überforderung

DC Comics

DC Comics

Titel: Final Crisis

Autor/Zeichner: Grant Morrison/J.G. Jones, Doug Mahnke u.a.

Erschienen: 2008 (Mini-Serie #1-7, Superman Beyond #1-2, Batman 682-683, DC Universe 0, Submit #1, Paperback 2009/2012), dt. Panini 2010


„I’m inside a self-assembling hyper-story!“ (Superman)

„This isn’t just some superhero war, some crisis.“ (Black Lightning)

Zugegeben: Großen Superhelden-Events stehe ich zwiespältig gegenüber. Einerseits hat mich das Konzept, dass alle Helden zusammenkommen, schon immer gereizt. Andererseits hat mich die Fülle an Figuren und Plots zuletzt ziemlich überfordert, genervt und gelangweilt. Trotzdem habe ich mich durchgekämpft. Durch die Crisis on Infinite Earths und auch durch die (viel leichter verdauliche) Infinite Crisis. So glaubte ich mich gut vorbereitet auf Grant Morrisons Final Crisis, die ich eigentlich nur noch lesen wollte, weil ich wusste, dass Batman darin stirbt (oder es zumindest so scheint). Aber falsch geglaubt. Denn Morrison zieht mal wieder alle Register. Alle. Und das macht Final Crisis unlesbar, wenn man nicht jeden Winkel des DC Universums kennt. „Of course, that’s the way it’s always been with DC Universe comic books: you don’t always know everything about everyone, and sometimes you miss stuff, and sometimes you only suss out later what something was really all about“, schreibt DC-Redakteur Jay Babcock in seinem Vorwort und rechtfertigt das damit, dass es in der realen Welt genau so sei. Aber selbst der Meister Morrison gesteht in seinen Memoiren, dass die Handlung „holprig, bedeutungslos und chaotisch“ sei und er „mitunter die Nerven wegschmiss“. So ging es mir beim Lesen auch.

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Niemand stirbt für immer

DC Comics

DC Comics

Titel: Under the (Red) Hood

Autor/Zeichner: Judd Winick/Doug Mahnke

Erschienen: 2005-2006 (Batman #635-641, #645-650, Batman Annual #25), Paperback 2005/2006 (zwei Bände), 2011 (ein Band, Titel: Under the Red Hood)


„He was never supposed to die.“

„This has nothing to do with science … or logic …“ (Batman)

„Fear isn’t the answer.“ (Red Hood)

Under the (Red) Hood ist wieder so eine Geschichte, über die man nicht sprechen kann, ohne das Wichtigste vorwegzunehmen. Während die Erstleser noch rätseln konnten, wer sich unter der roten Maske verbirgt, dürfte das heute den meisten Lesern klar sein, deshalb sei es hier gesagt: Jason Todd, der vom Joker totgeprügelte Robin II, kehrt von den Toten zurück. Und diese Entscheidung dürfte noch umstrittener gewesen sein, als die Leser damals über den Tod abstimmen zu lassen (vgl. A Death in the Family). Denn immerhin wird damit ihr (Todes-)Urteil für nichtig erklärt.

Was kurz zuvor bei Hush noch ein nettes Gimmick in der Story war, aber sich als Trugbild offenbarte, wird hier zur Tatsache. Im Nachhinein war es doch nicht Clayface in der Gestalt von Robin, der Batman einst auf dem Friedhof begegnet ist, sondern tatsächlich Jason Todd, der später mit Clayface die Rollen getauscht hat. Und es beweist erneut die alte Superhelden-Weisheit: niemand stirbt für immer. Nach dem Tod und der Wiederaufstehung von Superman sind auch Green Lantern Hal Jordan, Wonder Woman und Green Arrow Oliver Queen diesen Weg gegangen. Egal, ob man Superkräfte hat oder nicht, es findet sich immer ein Weg, die Toten zurückzuholen – mit welcher fadenscheinigen Begründung auch immer. Die einen Fans fühlen sich verschaukelt, die anderen freuen sich über die Rückkehr einer beliebten Figur oder einfach nur über eine unerwartete Wendung. Nichts ist unmöglich in der Welt der Superhelden. Das lässt sie leider auch oft sehr willkürlich erscheinen.

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Joker – Das erste Mal

The man who laughs

Titel: The Man Who Laughs

Autor/Zeichner: Ed Brubaker/Doug Mahnke

Erschienen: 2005 (One-shot)


The Man Who Laughs weist in vier Richtungen: Zum einen stammt der Titel vom gleichnamigen Stummfilm, dem der Joker sein Aussehen zu verdanken hat. Zum zweiten wird hier die erste Joker-Story aus Batman #1 (1940) neu erzählt. Zum dritten knüpft die Geschichte stilistisch wie inhaltich an Year One an. Schließlich gibt es noch eine Anspielung auf die Red Hood-Episode aus The Killing Joke. Es handelt sich um Batmans erste Begegnung mit dem Killer-Clown. Und wie schon bei Frank Miller beginnen wir, den Schauplatz durch die Augen von James Gordon zu sehen. Die Polizei hat ein Lager für Leichen mit furchtbar verzerrten Gesichtszügen entdeckt. „What the hell is happening to my city?“, fragt sich ein fassungsloser Gordon. Ein bis dahin noch Unbekannter hat Versuche an Menschen durchgeführt. Kurz darauf kündigt der Joker im Fernsehen seinen ersten Mord an. Anders als in der Ur-Fassung hat es der Schurke nicht auf Juwelen, sondern auf reinen Terror abgesehen. Während das ‚Lachgas‘ an seinem Opfer wirkt, entlässt der Joker ein paar Verrückte aus Arkham, damit sie Chaos auf den Straßen verbreiten. Zum Schluss will der Joker – auch das eine Änderung zugunsten der Story – Bruce Wayne an den Kragen, während er plant, die ganze Stadt zu vergasen …

Wer die Vorlage gelesen hat und nicht viel damit anfangen konnte, wird hier mit Genuss entschädigt: Es ist ein Gefühl, als hätte diese alte Geschichte heute genau so und nicht anders erzählt werden müssen: Mit dem nötigen Spannungsaufbau und einigen Überraschungen, krachender Action und beklemmenden Szenerien. Zwar ist sie eine typische Joker-Story, wie sie schon aus Burtons erstem Batman-Film und der Zeichentrickserie der 90er bekannt ist, doch ist sie – visuell und so gut erzählt und mit neuen Ideen angereichert, dass es ein Vergnügen ist, die Seiten umzublättern. Vor allem aber ist The Man Who Laughs ein wichtiger Lückenschluss der Joker-Mythologie.

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