Joe Kelly

Wozu noch Superman?

DC Comics

Titel: What’s So Funny About Truth Justice and the American Way?

Autor/Zeichner: Joe Kelly/Doug Mahnke, Lee Bermejo

Erschienen: 2001 (Action Comics #775), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„How does it feel to have your flaws exploited? To be deconstructed? How does it feel to watch dreams die?“ (Superman)

Eine neue Gruppe von Vigilanten macht weltweit kurzen Prozess mit Schurken: The Elite. Viele finden das gut. Aber Superman ist nicht erfreut. Er hält immer noch an seinen Idealen fest, allerdings kann er die Neulinge nicht davon überzeugen. Auch nicht durch vorbidliches Handeln. Man muss die Meinungsverschiedenheit also mit Gewalt austragen. Also reist man ins All.

Zunächst machen die vier Superman fast alle, dann revanchiert er sich, indem er sie im Alleingang erledigt. Nicht nur Cape und Kostüm werden dabei zerrissen, auch das Ego leidet. Superman wird nicht gern hinterfragt. Für einen kurzen Moment denkt man, die selbsternannte Elite hätte ihn doch über die Grenze getrieben, aber dann bleibt er sich selbst doch treu.

Er tötet auch diese Schurken nicht, auch wenn es bedeutet, immer wieder gegen sie zu kämpfen. The Elite profitiert also von Supermans Gnade, die sie an ihm zuvor abgelehnt hat. Supermans Moral:

„Dreams save us. Dreams lift us up and transform us. And on my soul, I swear… Until my dream of a world whre dignity, honor and justice becomes the reality we all share … — I’ll never stop fighting. Ever.“

Superman soll mit dieser 40-seitigen Story eine Rechtfertigung für das neue Jahrtausend bekommen. Beantwortet werden soll die Frage: Wozu braucht es noch einen Superman? Geboten werden aber nur Gemeinplätze ohne neue oder tiefere Einsichten. Autor Joe Kelly betreibt am Rande Medienkritik und baut sogar einen Gastauftritt der „Men in Black“ ein. Allerdings hat er mit seinem Statement eine passende Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 vorweggenommen (die Story ist vom März). Im Nachhinein wirkt die Story damit wie ein Kommentar Richtung US-Regierung. Aber die hat ihn wohl nicht gelesen.

Elf Jahre später erschien mit Superman vs. The Elite eine Zeichentrick-Adaption des Comics.

>> Liste der Superman-Comics

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Superman ist einer von uns

DC Comics

Titel: A Hero’s Journey

Autor/Zeichner: Joe Kelly/Pascual Ferry, Duncan Rouleau u.a.

Erschienen: 2003 (Action Comics #800), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


Als Superman 65 wurde, erschien Action Comics #800. Wieder ein Anlass, um in die Geschichte zu schauen, wieder ein Anlass, um dessen Vorgeschichte zu erzählen, wieder ein Anlass, um nostalgisch und sentimental zu werden.

Wir sehen erneut das Altbekannte: Vom Kind aus der Rakete bis zum ersten Auftritt im Cape. Wie die Kents diskutieren, ob sie das Kind adoptieren sollen, wie Jonathan Kent seinem Sohn mit bestem Beispiel vorangeht, wie Clark fliegen lernt und sich in Metropolis zunächst verloren fühlt und es dann in Paris und Venedig versucht, wo er sich erstmals als Held beweisen kann. Später lernt er das Journalisten-Handwerk von Ed Wilson, rettet das Flugzeug Constitution (Superman rettet als guter Amerikaner sozusagen die Verfassung) und wird zu Superman im bekannten Kostüm.

Es sind Momente der Introspektion und Selbstreflexion, es sind Momente des großen Zweifels eines Heranwachsenden, der seinen Platz in der Welt sucht – vor allem vor dem Hintergrund, dass er besondere Fähigkeiten hat. Und wir kennen es bereits zum Erbrechen. Hier nochmal dargestellt in bonbonbunten Farben.

Was diese Jubiläumsausgabe interessant macht, sind die Zwischenspiele: Mehrere Zeichner, darunter Tim Sale, Jim Lee, Lee Bermejo und Klaus Janson, schildern entweder eine sehr persönliche Sicht auf Superman oder aber erzählen kurze Geschichten, wie Superman „einfache Menschen“ inspiriert. Das kranke Kind will wieder gesund werden, die gelähmte Frau lernt wieder gehen, ein Polizist zieht zur Arbeit ein Superman-T-Shirt als Glücksbringer an, wird von seinen Kollegen verspottet und nach einer Heldentat respektiert. Doch da sind auch nostalgische Momente: Alex Ross reinszeniert das Cover von Action Comics #1, wir sehen den Superman aus den Fleischer-Cartoons der 40er und Jerry Siegel mit Joe Shuster, wie sie Superman erfinden.

Wir sehen also Supermans Geschichte zum einen durch seine und zum anderen durch unsere Augen, aus der Sicht des Helden und aus der Sicht der Leser. Zwischen den Panels steht also Supermans Rechtfertigung im 21. Jahrhundert. Nein, er ist nicht nur eine kindische Fantasie, er ist einer von uns – und deshalb kann er auch Menschen in der realen Welt dazu bringen, über sich selbst hinauszuwachsen. Pathetisch? Ja, natürlich. Aber wenn ich nach all der Superman-Lektüre eines verstanden habe, dann dass Superman ohne Pathos nicht geht. Das ist die Garantie von Superman-Comics: dass sie eine optimistische, menschenfreundliche Haltung haben. Man kann sich darauf verlassen, dass sie Trost spenden, motivieren und ein gutes Ende finden. Ob das einem gefällt, ist eine andere Frage.

Mehr zum Thema:

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig

Batman versus Superman, Teil 29: Enemies Among Us (2006-2007)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 3 (Enemies Among Us/Stop Me If You’ve Heard This One/Metal Men/Nevermore)

Autor/Zeichner: Mark Verheiden, Joe Kelly/Ethan Van Sciver, Ed McGuiness u.a.

Erschienen: 2006-2007 (Superman/Batman #27-36, Superman/Batman Annual #1, Paperback 2007, Gesamtausgabe 2016), dt.


„… today’s stories need angst!“

Der dritte große Sammelband der Serie Superman/Batman enthält vier Storys. Eine erzählt das erste Mal neu, in einer anderen schlüpfen die Helden in Frauenkörper, die dritte handelt von den Metal Men, die vierte enthält einen Kampf der Titelhelden. Beginnen wir mit letzterer.

Enemies Among Us

Der Martian Manhunter greift grundlos Batman an. Dann stellt sich heraus, dass es nur ein unbekannter Formwandler war, der in verschiedenen Erscheinungen auftritt und Chaos stiftet. Schließlich wird klar, dass unbekannte Aliens die Aliens auf Erden dazu aufrufen, die Menschheit zu vernichten. Als auch Superman dem Wahn anheim fällt, will er Batman töten, Kryptonit hält ihn davon ab, aber dann ergreift die dunkle Macht auf Besitz von Batman und er greift Superman an. Es kommt zu einer handfesten Auseinandersetzung, bei der zuerst Superman einstecken muss, bevor er Batman in blutige Fetzen schlagen darf. (Batman überlebt das dank der Alien-Kraft.) Als der Dunkle Ritter wieder zur Besinnung kommt, versöhnt man sich wieder und geht gegen die wahren Schurken, Lex Luthor und Despero vor.

DC Comics

DC Comics

Das Interessanteste an der Story ist, dass sie von Alfred Pennyworth erzählt wird, während er Tee trinkt. Das hebt etwas das Niveau dieser etwas verworrenen, aber doch banalen Geschichte. Das Problem an dieser Story ist das große Figurenaufgebot: Manhunter, Plastic Man, Green Lantern, Supergirl usw. Man hat eher das Gefühl, ein Justice League-Abenteuer zu verfolgen, als ein klassiches Team-up der World’s Finest. Dadurch kommen die Hauptfiguren etwas zu kurz, der uninspirierte Kampf entschädigt nur wenig dafür.

Stop Me If You’ve Heard This One … (Superman/Batman Annual #1)

In dieser Nacherzählung der ersten Begegnung von Superman und Batman (Superman #76, 1952) arbeiten Superman und Batman bereits als Team zusammen, aber kennen noch nicht ihre Geheimidentitäten. In zivil begegnen sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff: Clark Kent und Bruce Wayne machen zufällig dort zeitgleich Urlaub. Wegen eines Buchungsfehlers müssen sie sich nicht nur (wie im Original) ein Zimmer, sondern sogar ein Bett teilen. Highlight: Bruce klaut Clark die Decke.

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Das war’s auch schon an Höhepunkten. Denn um die etwas altbackene Story ansprechender zu machen, wurde sie aufgepimpt – und das mehr als nötig. Nicht nur, dass Deathstroke ein Attentat auf Wayne zu verüben versucht, es kommen auch noch die bösen Doppelgänger vom Crime Syndicate aus einem Paralleluniversum dazu (Dimensionsriss!). Außerdem noch ein anderer Deathstroke, der sehr an Deadpool erinnern soll (Anspielung auf das Plagiat!). Während des Vorfalls finden Clark und Bruce heraus, mit wem sie sich das Zimmer teilen. Aber so witzig, wie das sein soll ist es leider nicht. Eher eine peinliche Reihe von Kalauern und Klamauk. Dass am Ende noch Mr. Mxyzptlk für alles verantwortlich ist, macht die Sache nicht besser.

Nevermind

Superman und Batman finden sich durch Schurkeneinfluss in den Körpern von Power Girl und Huntress wieder. Bevor ihre Persönlichkeiten von denen ihrer Wirtinnen verdrängt werden, müssen sie zurück in ihre alten Körper finden. Da bleibt keine Zeit für eine umoralische Selbstbegutachtung … Der Titel sagt alles. Ein typisches Füllmaterial wie in Power Girls Brüsten, so leer wie Huntress‘ Ausschnitt. (#Aufschrei etc.)

Metal Men

Eine Story mit den Metal Men kann nur eines sein: Schrott. Die Metal Men sind ein Haufen Loser, die über ihre Minderwertigkeitskomplexe jammern und sich selbst bemitleiden – und zwar zurecht, denn abgesehen von ihren plumpen, eindimensionalen Charakteren und ihren Unzulänglichkeiten (warum stottert der eine und warum ist der andere dumm, wenn die anderen offenbar besser konstruiert sind?), haben sie eine ziemlich miese Firewall, denn sie drehen gleich bei jeder Gelegenheit durch, wenn sie mal von einem Computervirus befallen werden. In dieser Story versucht ihr Schöpfer, Dr. Magnus, sie als Sicherheitsleute bei Wayne Enterprises unterzubringen. Es dauert keine fünf Minuten, bis sie nicht mehr tun, was sie tun sollen. Brainiac sei Dank. Superman und Batman biegen natürlich alles wieder hin. Aber die Metal Men hat man danach so was von satt …

Bilanz: Verzichtbar.