Ethan van Sciver

Wiedergeburt eines Universums

DC Comics

DC Comics

Titel: DC Universe Rebirth #1

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Gary Frank, Ethan Van Sciver, Ivan Reis, Phil Jimenez

Erschienen: 2016 (One-shot)


„I love this world, but there’s something missing.“ (Flash/Wally West)

Es ist wohl das meisterwartete DC-Heft des Jahres: DC Universe Rebirth #1. Es soll der Anfang einer neuen Ära sein, kein Reboot, sondern ein sanfter Neustart, mit ein paar Änderungen des Status quo und einer neuen Heftzählung. Aber so ganz für sich allein steht der One-shot nicht, er setzt die letzten Ereignisse des The New 52-Universums voraus und ist bloß der Auftakt zu mehr. In einem Satz: Das DC-Universum verschmilzt mit dem der Watchmen.

Was muss man zuvor wissen? (Spoiler!)

Gleich auf der ersten Seite steht, dass man zuvor Justice League #50 und Superman #52 gelesen haben sollte. Aber das ist nur die Minimalanforderung, denn die beiden letzten Nummern der Serien enthalten bloß die Schlusskapitel der Storylines Darkseid War und The Final Days of Superman – und da ist einiges los. In Kürze: Darkseid stirbt im Kampf mit dem Antimonitor und wird wiedergeboren, Jessica Cruz wird zu Green Lantern, der New-52-Superman stirbt und wird durch den klassischen Superman ersetzt, der mit Lois Lane verheiratet ist. Und was die große Enthüllung von Jokers wahrer Identität angeht, kommen mehr Rätsel als Antworten auf: es gibt drei Joker! Aber was das bedeutet, weiß Batman selbst nicht. (Und offenbar hat er vergessen, den Möbius-Stuhl danach zu fragen.)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Justice League 50: Batman und die drei Joker (DC Comics)

Was passiert in DC Universe Rebirth? (Mehr SPOILER!)

Flash Wally West, der in der Speed Force festhängt, versucht, verschiedenen Helden mitzuteilen, dass mit dem Universum, wie sie es kennen, etwas nicht stimmt. Offenbar sind während des Flashpoint-Events, bei dem Flash (Barry Allen) die Vergangenheit geändert hat, zehn Jahre verloren gegangen. Zunächst sucht Wally Batman auf und erklärt ihm, dass alles mit dem Brief angefangen habe, den sein Vater (Thomas Wayne) ihm geschrieben hat. Flash Barry Allen hat Batman diesen Brief am Ende von Flashpoint überreicht. Doch niemand erinnert sich an Wally, immer wieder verschwindet er in der Speed Force, bevor er etwas erreichen kann. Schließlich wird er von Barry Allen aus seiner Lage befreit. Barry erinnert sich wieder an seinen vergessenen Sidekick. Dann sagt Wally, dass jemand die Jahre aus dem Universum gestohlen habe, um die Helden zu schwächen, dass ein neuer Krieg mit dem oder den Unbekannten anstehe – und dass sie beobachtet würden. Am Ende sieht man endlich, um wen es sich handelt: Batman entdeckt in der Bathöhle den blutbefleckten Smiley-Anstecker des Comedian aus Watchmen.

Im Epilog sieht man, wie auf dem Mars die (am Anfang des Hefts erwähnte) kaputte Armbanduhr von Wally West wie durch Geisterhand repariert wird, dazu erscheint ein kurzer Dialog zwischen Dr. Manhattan und Adrian Veidt (Ozymandias), ohne dass man sie sieht: „I did the right thing, didn’t I? It all worked out in the end“, sagt Adrian. – „In the end?“, sagt Dr. Manhattan. „Nothing ends, Adrian. Nothing ever ends.“ Das letzte Bild zeigt eine gelbe, blutbefleckte Uhr, die auf viertel vor zwölf steht. Darunter der Satz: „The Clock is ticking across the DC Universe!“ Und damit endet Rebirth #1.

Was erfahren wir über die drei Joker?

Nichts. Batman ist gerade beim Herumrätseln, als er von Flash gestört wird. Auf dem Monitor des Batcomputers sieht man drei Joker: den aus dem Golden Age, den aus The Killing Joke und dem aus Endgame. Batman hat noch immer keine Ahnung. Allerdings könnte das Ende einen ersten Hinweis darauf geben: Eine gewisse Nähe zwischen den Namen Joker und Comedian ist nicht zu leugnen (auch wenn die Körper und Gesichter ganz anders aussehen.)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Rebirth 1: Drei Joker. (DC Comics)

Was ist aus Rebirth zu schließen?

Offenbar spielt der allmächtige Dr. Manhattan eine große Rolle bei der Schöpfung des DC-Universums von The New 52. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Ebenso wie über die Joker-Frage. Oder man wartet einfach geduldig auf die Fortsetzungen. Eines wird aber ganz deutlich: das Dilemma von DC. Einerseits blickt stolz man auf eine lange Tradition zurück, andererseits blicken nur wenige völlig durch bei den ganzen Helden, Storys und Welten. Einerseits will man neue Leser gewinnen, andererseits will man die alten nicht verlieren. Einerseits will man sich immer wieder neu erfinden, die Leser überraschen und ihnen etwas bieten, was sie noch nicht kennen. Andererseits läuft man dabei Gefahr, sich zu weit weg vom Vertrauten zu entfernen. Ob der Untergang des Multiversums in Crisis oder seine Neu-Entstehung in Infinite Crisis, ob der Radikal-Reboot von The New 52 oder der sanfte von Rebirth – es wird immer bei diesem Dilemma bleiben. Und mit jeder Neu-Ordnung stiftet man eigentlich bloß mehr Verwirrung.

Was taugt Rebirth #1?

Geoff Johns erzählt mal wieder so eine typische nostalgische Flash-Geschichte, die sehr an sein Flash Rebirth erinnert und noch einmal die gesamte Flash-Geschichte aus Wally Wests Sicht rekapituliert. Das ist alles fein gemacht, sensibel ausgeführt, in gewohnter hoher Qualität gezeichnet. Das Uhrenmotiv leitet sauber zu dem Thema Watchmen über. Über dieses Heft kann man viel sagen, vor allem über die Bezüge zur Vor-Flashpoint-Ära und die Wiederkehr einiger Nebencharaktere, aber eigentlich auch nur sehr wenig, denn die Story ist nichts als ein Übergang zwischen The New 52, das implizit als Fehler benannt wird, und etwas Neuem, von dem wir noch nicht genau wissen, worauf es hinausläuft. Außer natürlich auf eine Konfrontation mit Alan Moores Watchmen.

Eine gute Idee? Nach der Lektüre von Before Watchmen: Dr. Manhattan dachte ich mir: Warum erzählt DC diese sinnlosen Prequels, die nichts anderes tun, als Altbekanntes breitzutreten, statt (wenn man die Kuh schon weiter melken muss) eine Fortsetzung zu machen? Und wäre es nicht cool, wenn man die Watchmen auf die DC-Helden treffen ließe? Genau das wird demnächst wohl passieren. Unabhängig von den Gründen für den Einfluss auf das Universum (die eigentlich willkürlich sind) könnte darin das Potenzial für eine interessante Geschichte stecken, wenn man die Themen der Watchmen auf Superman, Batman und Co. überträgt.

Eine Warnung: Rebirth #1 taugt nicht als Startpunkt für neue Leser. Es wird zu viel vorausgesetzt. Zwar wird viel erklärt (vor allem die Ereignisse aus Flashpoint), aber um alles zu durchdringen muss man nicht nur die beiden oben genannten letzten Superman- und Justice League-Storys lesen, sondern eigentlich auch alles, was dazu geführt hat. Also die gesamte New 52-Reihe. Und natürlich Watchmen. Wer diesen Klassiker noch nicht kennt (oder nur den Film), sollte das spätestens jetzt dringend nachholen. Watchmen ist nicht nur eine herausragend erzählte Geschichte, sie setzt (neben The Dark Knight Returns) auch Maßstäbe für alle künftigen Superhelden-Geschichten. Das gilt vor allem für Rebirth und seine Folgen.

Eine Ermunterung: Das Heft kostet nur drei Dollar und bietet 80 Seiten, davon 66 Seiten Story. Ein fairer Deal.

(UPDATE: Laut Panini Verlag soll DC Rebirth Anfang 2017 auf Deutsch erscheinen.)

>> Batman 2011-2019

Die Rückkehr der Silver Ager

Titel: Green Lantern Rebirth/Flash Rebirth

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ethan Van Sciver

Erschienen: 2004-2005/2009-2010 (Miniserien #1-6)


„I suppose this universe needs a little more light anyway.“ (Batman)

Bevor DC Comics sein Rebirth-Event startet, eine neue Heftzählung einführt und inhaltlich zu seinen Ursprüngen zurückkehrt, wollen wir die beiden Storys rekapitulieren, die bereits den Titel „Rebirth“ trugen: Green Lantern und Flash. Im Gegensatz zu Superman, Batman und Wonder Woman, die schon immer Clark Kent, Bruce Wayne und Diana Prince waren, hat es mit Green Lantern und Flash nicht beim ersten Versuch geklappt. Nicht die Golden Age-Helden Alan Scott und Jay Garrick haben sich durchgesetzt, sondern erst ihre Nachfolger im Silver Age: Hal Jordan und Barry Allen. Doch dieser Flash starb 30 Jahre nach seinem ersten Auftritt während der Crisis on Infinite Earths (1985), sein Nachfolger wurde sein ehemaliger Sidekick Wally West, und Green Lantern Jordan drehte in den 90ern durch, wurde zum mörderischen Schurken Parallax, ermordete die Green Lanterns und Wächter, vernichtete die Zentralbatterie und starb schließlich bekehrt – während der Final Night (1996) – doch den Heldentod. Kyle Rayner wurde die neue Green Lantern, Hal Jordan bekam eine neue Karriere als Rachegott Spectre.

Weil die Fans aber ihre alten Helden vermissten, holte DC in den Nullerjahren wieder zurück. Davon erzählen die beiden Rebirth-Miniserien. Beide stammen von Geoff Johns und Ethan Van Sciver, beide ähneln sich auch inhaltlich stark. Green Lantern Rebirth ist ein Musterbeispiel für Retroactive Continuity, auch Retcon genannt. Das Prinzip ist seit Sherlock Holmes Auferstehung von den Toten beliebt bei Serien, um vergangenes Geschehen rückgängig zu machen. Eigentlich ist es schummeln: man ändert im Nachhinein die Regeln, um plausible Erklärungen zu finden. So erweckt man Superhelden zum Leben, auch wenn man ihre bis auf die Knochen verbrannten Leichen gesehen hat.

Gelbe Schurken & Familienfeiern

Doch bei Green Lantern hat sich Geoff Johns etwas Geschicktes einfallen lassen: er erklärt nicht nur, dass Hal Jordan niemals ein irrer Mörder war, sondern von dem bösen Wesen Parallax besessen war, er gibt dem scheinbar weit hergeholten Schurken auch seine Daseinsberechtigung, weil er ihn untrennbar mit der Green Lantern-Mythologie verbindet. Parallax ist nämlich ein Urwesen, das für die Macht der Furcht steht – und damit im Gegensatz zu der Macht der Willenskraft, aus der sich die grünen Funzeln speisen. Parallax wurde in der Großen Lantern eingeschlossen, und weil er gelb ist, hatten die alten Ringe eine Gelbschwäche. So ist auch die älteste Frage nach der wohl dümmsten aller Schwächen geklärt.

Ähnlich ist es bei Flash: Dort wird erklärt, dass es auch eine negative Speed Force gibt. Und in beiden Storys ist der Schurke gelb. Bei Flash ist es der Reverse Flash, bei Green Lantern kommt zu Parallax noch Sinestro hinzu. Beide Helden müssen eine großangelegte Racheaktion an ihresgleichen verhindern, denn beide Wiedergeburten werden begleitet von einer kleinen Family Reunion: hier das halbe Green Lantern Corps und alte Weggefährten wie Green Arrow, dort alle Speedster auf Erden (und es sind verdammt viele) und ein kleines Rennen gegen Superman. Kurz gesagt, es wird viel Fan Service geboten, die Rückkehr der alten Helden wird gebührlich zelebriert – und dabei auch die lange Comictradition. Wie so oft bei solchen überambitionierten Storys bleiben die Neueinsteiger etwas auf der Strecke. Man sollte sich etwas mit GL und Flash auskennen, wenn man hier durchblicken will. Und wer so viel grün und gelb, bzw. gelb und rot nicht gewöhnt ist, dem könnte das detailliert gezeichnete Getöse bei den Endkämpfen zu viel werden.

Green Lanterns Kampf gegen Batman

Der Hauptunterschied: In Green Lantern Rebirth geht es darum, wie Hal Jordan vom Spectre wieder zu Green Lantern wird. Barry Allen ist am Anfang seiner Story bereits aus der Speed Force zurückgekehrt und Central City bereitet eine Willkommensfeier für ihn vor, mit Parade und allem drum und dran. Im Gegensatz zu Hal Jordan kommt er sich überflüssig vor. Jordan wiederum ist, sobald er seine lästigen Pflichten als Spectre losgeworden ist, die Zuversicht in Person. Oder, wie Batman es sagt, arrogant wie immer. Der Dunkle Ritter hat in Green Lantern Rebirth einen glorreichen Gastauftritt, bei dem er Zweifel an Jordans Rehabilitierung äußert: „Do you expect me to believe this?“ Hal revanchiert sich (schon zuvor) mit einen Kinnhaken. Eigentlich spricht Batman damit bloß vielen Lesern aus der Seele. Aber so läuft das nun mal in Superhelden-Geschichten. Es muss immer weitergehen. Deshalb stirbt hier auch niemand für immer.

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Eine Kreuzfahrt, die ist lustig

Batman versus Superman, Teil 29: Enemies Among Us (2006-2007)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 3 (Enemies Among Us/Stop Me If You’ve Heard This One/Metal Men/Nevermore)

Autor/Zeichner: Mark Verheiden, Joe Kelly/Ethan Van Sciver, Ed McGuiness u.a.

Erschienen: 2006-2007 (Superman/Batman #27-36, Superman/Batman Annual #1, Paperback 2007, Gesamtausgabe 2016), dt.


„… today’s stories need angst!“

Der dritte große Sammelband der Serie Superman/Batman enthält vier Storys. Eine erzählt das erste Mal neu, in einer anderen schlüpfen die Helden in Frauenkörper, die dritte handelt von den Metal Men, die vierte enthält einen Kampf der Titelhelden. Beginnen wir mit letzterer.

Enemies Among Us

Der Martian Manhunter greift grundlos Batman an. Dann stellt sich heraus, dass es nur ein unbekannter Formwandler war, der in verschiedenen Erscheinungen auftritt und Chaos stiftet. Schließlich wird klar, dass unbekannte Aliens die Aliens auf Erden dazu aufrufen, die Menschheit zu vernichten. Als auch Superman dem Wahn anheim fällt, will er Batman töten, Kryptonit hält ihn davon ab, aber dann ergreift die dunkle Macht auf Besitz von Batman und er greift Superman an. Es kommt zu einer handfesten Auseinandersetzung, bei der zuerst Superman einstecken muss, bevor er Batman in blutige Fetzen schlagen darf. (Batman überlebt das dank der Alien-Kraft.) Als der Dunkle Ritter wieder zur Besinnung kommt, versöhnt man sich wieder und geht gegen die wahren Schurken, Lex Luthor und Despero vor.

DC Comics

DC Comics

Das Interessanteste an der Story ist, dass sie von Alfred Pennyworth erzählt wird, während er Tee trinkt. Das hebt etwas das Niveau dieser etwas verworrenen, aber doch banalen Geschichte. Das Problem an dieser Story ist das große Figurenaufgebot: Manhunter, Plastic Man, Green Lantern, Supergirl usw. Man hat eher das Gefühl, ein Justice League-Abenteuer zu verfolgen, als ein klassiches Team-up der World’s Finest. Dadurch kommen die Hauptfiguren etwas zu kurz, der uninspirierte Kampf entschädigt nur wenig dafür.

Stop Me If You’ve Heard This One … (Superman/Batman Annual #1)

In dieser Nacherzählung der ersten Begegnung von Superman und Batman (Superman #76, 1952) arbeiten Superman und Batman bereits als Team zusammen, aber kennen noch nicht ihre Geheimidentitäten. In zivil begegnen sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff: Clark Kent und Bruce Wayne machen zufällig dort zeitgleich Urlaub. Wegen eines Buchungsfehlers müssen sie sich nicht nur (wie im Original) ein Zimmer, sondern sogar ein Bett teilen. Highlight: Bruce klaut Clark die Decke.

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Das war’s auch schon an Höhepunkten. Denn um die etwas altbackene Story ansprechender zu machen, wurde sie aufgepimpt – und das mehr als nötig. Nicht nur, dass Deathstroke ein Attentat auf Wayne zu verüben versucht, es kommen auch noch die bösen Doppelgänger vom Crime Syndicate aus einem Paralleluniversum dazu (Dimensionsriss!). Außerdem noch ein anderer Deathstroke, der sehr an Deadpool erinnern soll (Anspielung auf das Plagiat!). Während des Vorfalls finden Clark und Bruce heraus, mit wem sie sich das Zimmer teilen. Aber so witzig, wie das sein soll ist es leider nicht. Eher eine peinliche Reihe von Kalauern und Klamauk. Dass am Ende noch Mr. Mxyzptlk für alles verantwortlich ist, macht die Sache nicht besser.

Nevermind

Superman und Batman finden sich durch Schurkeneinfluss in den Körpern von Power Girl und Huntress wieder. Bevor ihre Persönlichkeiten von denen ihrer Wirtinnen verdrängt werden, müssen sie zurück in ihre alten Körper finden. Da bleibt keine Zeit für eine umoralische Selbstbegutachtung … Der Titel sagt alles. Ein typisches Füllmaterial wie in Power Girls Brüsten, so leer wie Huntress‘ Ausschnitt. (#Aufschrei etc.)

Metal Men

Eine Story mit den Metal Men kann nur eines sein: Schrott. Die Metal Men sind ein Haufen Loser, die über ihre Minderwertigkeitskomplexe jammern und sich selbst bemitleiden – und zwar zurecht, denn abgesehen von ihren plumpen, eindimensionalen Charakteren und ihren Unzulänglichkeiten (warum stottert der eine und warum ist der andere dumm, wenn die anderen offenbar besser konstruiert sind?), haben sie eine ziemlich miese Firewall, denn sie drehen gleich bei jeder Gelegenheit durch, wenn sie mal von einem Computervirus befallen werden. In dieser Story versucht ihr Schöpfer, Dr. Magnus, sie als Sicherheitsleute bei Wayne Enterprises unterzubringen. Es dauert keine fünf Minuten, bis sie nicht mehr tun, was sie tun sollen. Brainiac sei Dank. Superman und Batman biegen natürlich alles wieder hin. Aber die Metal Men hat man danach so was von satt …

Bilanz: Verzichtbar.

Ausgelutscht

DC Comics

DC Comics

Titel: Corporate Rider/In the Shadow

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Ethan Van Sciver

Erschienen: 2014 (Batman: The Dark Knight #28-29)


„You know as long as I sit behind that desk, I’m bound by the law. You, on the other hand, you’re a vigilante. So… start vigilante-ing.“ (James Gordon)

Mit der zweiteiligen Man-Bat-Story endet die Serie The Dark Knight nach 29 Ausgaben. Wir werden sie nicht vermissen. Obwohl sich ihre Qualität mit dem Autorenwechsel verbessert hat, erweckte sie nie den Eindruck, dass die Leute bei DC wussten, wohin sie diese Serie steuern sollten. Da wurden Handlungsstränge angefangen und nicht fortgesetzt, neue Figuren eingeführt und nicht wieder aufgegriffen. Und auch wenn Gregg Hurwitz die interessanteren Geschichten erzählte, wurden die Vorgeschichten der Schurken allzu formelhaft abgespult: schlimme Kindheit schafft böse Männer. Besonders bei Clayface wurde es ermüdend. Immerhin das Annual und die wortlose Geschichte Voiceless boten ein paar interessante Ansätze, die über den Durchschnitt hinausreichten.

Und zum Schluss Man-Bat. Die Figur bekam bei Detective Comics schon mehr als genug Aufmerksamkeit, warum sie hier schon wieder eine Rolle spielt, kann nur mit der Einfalls- und Lieblosigkeit erklärt werden. Dieses Mal verschafft sich Langstroms böser Vater das Serum, verbessert es, wird zu einer Art Super-Man-Bat, metzelt ein paar Leute hin. Da Batman es nicht schafft, ihm das Gegenserum zu verabreichen, verpasst er es sich selbst und lässt sich von dem Monster aussaugen … Äh, Moment mal – hatten wir das so ähnlich nicht schon in Detective Comics? Ja, genau. Aber lassen wir das, es ist nicht der Rede wert. Beenden wir das Kapitel und hoffen wir auf bessere Geschichten. Drei Solo-Batman-Serien sind wohl auch zu viel gewesen.

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Alter Hut passt gut

DC Comics

DC Comics

Titel: Mad (Batman: The Dark Knight Vol. 3) (dt. Liebe und Wahn)

Autor/Zeichner: Gregg Hurwitz/Ethan van Sciver, Szymon Kudranski

Erschienen: 2013 (Batman: The Dark Knight #16-21)


 „… es gibt gewisse Standards, die man einhalten muss. Es gibt keine Abkürzungen. Man kann nicht tricksen, sonst taugt das Produkt am Ende nichts. Und das ist ausgeschlossen.“ (Mad Hatter)

Woher kommt die Redensart ‚verrückt wie ein Hutmacher‘? Früher wurden Hüte mit Kupfernitrat behandelt und von den giftigen Dämpfen bekamen die Hutmacher Krankheiten und Halluzinationen. Das erfährt man in Gregg Hurwitz‘ zweiter Dark-Knight-Story. Wie schon zuvor bei Scarecrow bekommt nun auch Jervis Tetch eine neue Vorgeschichte verpasst. Die hat zwar auch mit einer Alice und einer Affinität zum Wunderland zu tun, ist aber noch ein Stück drastischer. Der Hauptunterschied: Die Vorgeschichte erklärt mehr, als dass sie Empathie für den späteren Schurken weckt. Denn der Mad Hatter ist ein skrupelloser Massenmörder, dem ein Menschenleben nichts bedeutet.

Darin liegt der Horror dieser Story. Menschen werden zur Wegwerfware degradiert, Tetch und seine Schergen erschießen oder ertränken jeden, der nicht ins Konzept passt. Tetch, der auch um einiges hässlicher ist als zuvor, drückt Leuten die Augen ein oder dreht ihnen den Hals um. Der Bodycount dürfte höher als beim Joker liegen.

Menschlich hingegen geht es bei Batman zu. Bruce Wayne und seine Natalya trennen sich, weil sie die üblichen Spielchen satt hat. Dann offenbart er ihr seine Geheimidentität und erwägt, Batman aufzugeben. Doch wie auch bei James Bond sind solche edlen Vorhaben nie von Dauer. (Und das ist auch gut so, wo kämen wir sonst hin?) Kurz darauf rächt sich der Vertrauensbeweis: Natalya wird vom Mad Hatter entführt … Batman wird zum Rächer in eigener Sache und vergisst dabei fast seine selbstgesetzten Grenzen.

Schwarzer Humor und Selbstironie

Gregg Hurwitz ist mit Mad die bisher beste Story der Serie gelungen. Es ist vielleicht nicht innovativ, was er erzählt, eigentlich eine schon fast konservative Geschichte, (man könnte auch sagen ein alter Hut) aber sie ist gut ausgewogen zwischen Action und Ruhepausen, menschenverachtender Drastik und intimer Menschlichkeit. Im Gegensatz zu David Finch lässt sich Hurwitz Zeit für sein Personal, ohne die Story mit Figuren zu überfrachten. Außerdem versteht er es, die Story mit schwarzem Humor und Selbstironie zu würzen. Schon zum zweiten Mal spielt er mit dem obligatorischen Gespräch zwischen Batman und Gordon, indem er das übliche plötzliche Verschwinden Batmans variiert.

Selbst die Bildsprache geht über das übliche Niveau hinaus: Da gibt es zum Beispiel Seiten, die einen Dialog zwischen Bruce und Natalya zeigen und die Panels sind wie Klaviertasten angeordnet. Die neuen Zeichner der Serie, Ethan van Sciver und Szymon Kudranski, so unterschiedlich ihre Ansätze sein mögen, beweisen mehr Feingefühl in ihren Bildern als es Finch zuvor getan hat. Während van Sciver den feinen Strich mit vielen Details bevorzugt, bleibt bei Kudranski vieles abstrakt und flächig, lebt aber von einer besonderen Atmosphäre. Bedauerlich ist jedoch, dass durch den Zeichnerwechsel innerhalb der Geschichte die Einheitlichkeit verloren geht; das gleiche gilt für den Autorenwechsel, denn Hurwitz geht auf vieles nicht ein, was Finch angefangen hat. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Zurück bleibt ein erfreulicher Eindruck und das Bewusstsein, dass auch in einer Batman-Nebenserie noch starke Storys erzählt werden können.

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