Superman/Batman

Viel Lärm um nichts

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 6

Autor/Zeichner: Joe Casey, Paul Levitz/Jason Fabok, Scott Kolins, Jerry Ordway

Erschienen: Superman/Batman #64-75, Annual #4), Paperback 2017


Batman im Weltall. Eine Zeitlang war das eine verzweifelte Idee, die im Silver Age ins Absurde übertrieben wurde. Batman hat dort nichts verloren. Er gehört auf die Straßen von Gotham. Aber irgendwann wurde es wieder völlig normal, Batman ins All zu schicken. In The Big Noise hat er sogar eine eigene Bat-Rakete, damit er Superman helfen kann, Weltraumschrott zu inspizieren. Offenbar hat er gerade nichts Besseres zu tun.

Aber es kommt noch dicker: Ein Formwandler-Alien, das einst gegen Kryptons Armeen der Frühzeit gekämpft hat, will Superman töten. Dazu schickt er einen C-Ligisten-Attentäter wie Nrg-X los, eine laufende Atombombe. Batman hilft ihm, weil der Formwandler die Gestalt eines Industriellen angenommen hat. Bruce Wayne hat sich von ihm täuschen lassen und ihm die Hand geschüttelt. Wegen dieses Handschlags steigt Batman in einen Raumanzug, reist ins All und kämpft mit Superman gegen das Tentakel-Alien. Inwiefern ist das besser als der Quatsch im Silver Age? Es ist cool gezeichnet. Na, immerhin.

In der zweiten größeren Geschichte dürfen zwei Altmeister ran: Paul Levitz und Jerry Ordway erzählen eine Story, die bestenfalls als klassisch, schlimmstenfalls als altbacken gelten kann. Während eine ungewöhnliche Kolorierung über Ordways altmodischen Zeichenstil hinwegzutäuschen versucht, kann Levitz seine Story nicht so leicht kaschieren, dass sie in alten Mustern festhängt.

Lex Luthor hetzt einerseits einen Superman-Kult auf Lois Lane, der sie auf den Scheiterhaufen verbrennen will, andererseits hetzt er Aliens auf einem fernen Planeten gegen Superman auf und schenkt ihnen Technologie, um bei ihnen als Gott zu gelten. Zusammen mit Batman und Lois Lane verhindert Superman das alles. Sehr routiniert und spannungsarm und mit viel Introspektion in den Captions. Lesergehirne im Leerlauf.

Interessanter ist dagegen schon eine kleine Halloween-Story: Scarecrow hält Superman, Batman, Joker und Lex Luthor gefangen und lässt sie ihre schlimmsten Alpträume erleben. Mehrere Zeichner (darunter Kelley Jones) dürfen die vier Passagen inszenieren, einiges davon ist sehr stark. Und was ist Scarecrows schlimmster Alptraum? Die Vogelscheuche aus dem Zauberer von Oz zu sein.

Ein kleines Highlight bietet Annual #4: Batman Beyond trifft auf Superman Beyond. Wieder geht es wieder gegen Lex Luthor. Das Ganze ist etwas zu brav gezeichnet, aber hat einige schöne Splash Pages, in denen Superman in Schwarz-weiß sehr eindrucksvoll rüberkommt. Ein mäßiges Lob, okay, aber ich versuche, die Rosinen aus der Mittelmäßigkeit herauszupicken.

Total überflüssig sind die beiden Kapitel, in denen Monster gegeneinander antreten: Bizarro gegen Solomon Grundy und dann auch noch Man-Bat und Frankenstein. Dieser Schwachsinn muss absolut niemanden interessieren. Bitte überblättern.

Zum Schluss feiert die Serie mit seiner 75. Ausgabe von Superman/Batman ein „Jubiläum“. DC ist sich wirklich nicht zu schade, jede noch so lächerliche Heftnummer zum Anlass für Spezialausgaben zu nehmen. Nachdem Batman und Superman die Legion of Superheroes treffen (gähn), dürfen mehrere Autoren und Zeichner ein paar kleine Zweiseiter machen.

Wie unfruchtbar die Aufgabe ist, zeigt die Kurzgeschichte von Steven T. Seagle und Teddy Kristiansen (It’s a Bird …): Obwohl Seagle nichts zu erzählen hat, weil Superman und Batman zusammen nicht viel Sinn ergeben, steht die Geschichte trotzdem da – als Meta-Geschichte eines Pseudo-Making-ofs. Einfach nur peinlich.

Immerhin eine Idee ragt positiv heraus: Brian Azzarello und Lee Bermejo erzählen eine Lex-und-Joker-Story im Calvin & Hobbes-Stil – das sind aber auch schon die kreativsten zwei Seiten dieses Bandes.

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Super-Batman rastet aus

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 5

Autor/Zeichner: Michael Green, Mike Johnson, Dan Abnett, Andy Lanning, Len Wein/Rafael Alburquerque, Rags Morales, Francis Manapul, Whilce Portacio u.a.

Erschienen: 2008-2009 (Superman/Batman #50-63, Annual #3), Paperback 2017


Müsste man dem fünften Superman/Batman-Band einen Titel geben, würde Verkehrte Welt passen: Hier geht es um Rollentausch und Fusion von Rollen, die nicht zusammengehören.

Bei einem Angriff von Silver Banshee wird Batman verletzt. Doch kurz darauf ist er geheilt und hat Superkräfte – und zwar genau die, die Superman nach und nach abhanden kommen. Es kommt zum Rollentausch. Kaum hat Batman sein Potenzial erkannt, nutzt er es aus, um auf der ganzen Welt für Ordnung zu sorgen. Er genießt es, nicht schlafen und essen zu müssen, er ist besessener denn je von seiner Mission. Nachdem er sogar Bane fast umgebracht hat, will ihn Nightwing zur Strecke bringen und wird schwer verletzt.

Schließlich versucht die Justice League den außer Kontrolle geratenen Batman zu zähmen. Doch erst als Superman in ein umgebautes Batman-Kostüm steigt und austrickst, kann er ihn zur Vernunft bringen. Batman wirft Superman vor, sein Potenzial bisher nicht ausgeschöpft zu haben. Allerdings könnte man das auch der Geschichte vorwerfen, die zwar solide erzählt ist, aber leider durch die unterdurchschnittlichen Zeichnungen von Rags Morales nicht zur Entfaltung kommt.

Im Annual #3 lässt Len Wein den Composite-Superman aus dem Silver Age zurückkehren als Schöpfung von Amazo-Schöpfer Professor Ivo. Er ist ein missratener Versuch, aus der DNA der Justice League einen Kämpfer zu klonen. Eigentlich hatte Ivo ihn begraben, dann ist er aus dem Grab gestiegen und hat sich aus einem Batman- und einem Supermankostüm ein neues gebastelt.

Mit Mash-ups bekommen es die World’s Finest in der gleichnamigen Geschichte zu tun: Sie finden sich in einer Welt wieder, in der die Mitglieder der Justice League mit denen der Titans verschmolzen sind: Night Lantern, Aquaborg, Hawk Beast etc. Das Ganze erinnert an die Amalgam-Experimente mit den Marvel-Helden in den 90ern (Batman verschmolz mit Wolverine zu Dark Claw), aber wenn die Schurken Lex Joker, Doomstroke und Brainycat auftauchen, erscheint das Konzept so beliebig wie albern.

Am Ende ist alles nur ein Traum. Und die Kinder-Ausgaben der Helden, die plötzlich auftauchen, sind bloß Spielereien von Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite. Und die letzte Geschichte, in der Batman gegen ein totalitäres Gedankenkontroll-Regime von Gorilla Grodd kämpft, ist nur eine Simulation. Es sind lauter solcher Was-wäre-wenn-Szenarien, bei denen es um wenig geht und die höchstens als reine Pageturner taugen.

Fantasievoll gerät immerhin der Ausflug in die Nano-Welt, in der Superman und Batman zu Helden einer mikroskopisch kleinen Stadt werden. Batman steigt mal wieder in eine Art Raumschiff und feschen Kampfanzug, sieht toll aus, aber die Rolle als Science Fiction-Held steht ihm leider trotzdem nicht. Zwar bieten Fish-out-of-Water-Storys häufig interessante Prämissen, aber wie man hier sieht, geht die Rechnung nicht immer auf.

Visuell überzeugen die Zeichnungen von Rafael Albuquerque und Francis Manapul in diesem Band noch am meisten.

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Zurück zu alter Stärke

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 4 (Torment/The Search for Kryptonite)

Autor/Zeichner: Alan Burnett, Dan Abnett, Michael Green, Mike Johnson, Andy Lanning/Dustin Nguyen, Shane Davis

Erschienen:  (Superman/Batman #37-49, Annual #2), Paperbacks 2008, Paperback 2016 (Superman/Batman Vol. 4)


Killer Croc stiehl ein mysteriöses Gerät von Lex Luthor. Daraufhin wird er von seinem Auftraggebeber, einem Monster namens Schrocken angegriffen. Batman untersucht den Fall. In der Zwischenzeit plagen Superman Visionen, die seine schlimmsten Alpträume werden lassen. Schließlich verschwindet er und wird von Scarecrow nach Apokolips gebracht. Der geschwächte Darkseid will mit Superman seine alter Stärke wiedererlangen. Nun muss Batman ihn retten …

Natürlich kommt es zum obligatorischen Kampf zwischen den Freunden. Batman hat später mit einem weit größerem Problem zu kämpfen: seinen Gefühlen. Denn nachdem er von Bekka, Orions Frau, gerettet wird, fühlt er sich zu ihr hingezogen wie sonst zu keiner Frau bisher. Batman gerät in Versuchung und zweifelt an seinem bisherigen Vorgehen, sich keine enge Bindung zu erlauben. Am Ende aber zeigt Batman seine Verbundenheit vor allem einem: Superman. Als dieser fragt: „Are you okay?“, antwortet Batman: „As long as you’re on my side again.“ Wahrer Männerfreundschaft kann auch eine Frau nichts anhaben …

Dieser selbstzweiflerisch-emotionale Aspekt macht Torment, die erste Story des vierten Superman/Batman-Bandes, zu einer interessanten Lektüre. Viel Abwechslung und einige Überraschungen, dazu solide Zeichnungen von Dustin Nguyen in bewährter Qualität halten bei Laune.

Auch die zweite große Story, „K“ (als Paperback „The Search for Kryptonite“), kann auf dem Niveau mithalten, vielleicht sogar noch steigern: Superman und Batman stellen fest, dass es einfach zu viel Kryptonit auf der Welt gibt – das Zeug ist einfach überall. Und weil es Supermans Leben bedroht, beschließen die beiden, das Gift auf der ganzen Welt zu suchen, zu sammeln und in die Sonne zu befördern.

Die Heldenreise führt die World’s Finest zum Meeresgrund, wo sie sich mit einem unkooperativen Prinzipienreiter (Aquaman) rumschlagen müssen, Batman springt in einen Vulkan und Superman reißt (in einem Schutzanzug) Metallo das Herz heraus. Dann finden die beiden aber, dass das größte Lager die US-Regierung hält und damit eine Spezialeinheit ausrüstet, um Superman bei Gefahr zu erledigen. Weil Superman das nicht einsieht und alles einkassieren will, schickt Amanda Waller, die hinter all dem steckt, einen Kryptonit-Doomsday auf Superman los – und der verwüstet Smallville.

Es ist eine Story, die so ziemlich alles bietet, was man sich von einem Gipfeltreffen der zwei größten DC-Helden erträumen kann: Superman und Batman bilden ein perfekt eingespieltes Dream-Team, das mit den größten Problemen fertig wird, es gibt Gastauftritte anderer großer Helden (z.B. Flash), persönliche Konflikte mit Lana Lang, Action und Dialoge halten sich die Waage, alle paar Seiten warten Überraschungen und das Ganze wird noch gewürzt durch eine feinen Prise Humor. Shane Davis (Superman: Earth One) inszeniert die Geschichte mit detailreichen Zeichnungen im Geiste eines Jim Lee, in denen die Helden eine prächtige Figur machen und in jedem Panel dramatisch erscheinen.

Natürlich kann man sich fragen, warum Amanda Waller Superman töten will und ein Monster züchten lässt, das sie nicht beherrscht, und auch der Konflikt mit Aquaman wirkt forciert, aber das sind verzeihliche Nebensächlichkeiten. Dieses Comic mag nicht das Beste sein, aber bietet trotzdem sehr gute Unterhaltung.

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Eine Kreuzfahrt, die ist lustig

Batman versus Superman, Teil 29: Enemies Among Us (2006-2007)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 3 (Enemies Among Us/Stop Me If You’ve Heard This One/Metal Men/Nevermore)

Autor/Zeichner: Mark Verheiden, Joe Kelly/Ethan Van Sciver, Ed McGuiness u.a.

Erschienen: 2006-2007 (Superman/Batman #27-36, Superman/Batman Annual #1, Paperback 2007, Gesamtausgabe 2016), dt.


„… today’s stories need angst!“

Der dritte große Sammelband der Serie Superman/Batman enthält vier Storys. Eine erzählt das erste Mal neu, in einer anderen schlüpfen die Helden in Frauenkörper, die dritte handelt von den Metal Men, die vierte enthält einen Kampf der Titelhelden. Beginnen wir mit letzterer.

Enemies Among Us

Der Martian Manhunter greift grundlos Batman an. Dann stellt sich heraus, dass es nur ein unbekannter Formwandler war, der in verschiedenen Erscheinungen auftritt und Chaos stiftet. Schließlich wird klar, dass unbekannte Aliens die Aliens auf Erden dazu aufrufen, die Menschheit zu vernichten. Als auch Superman dem Wahn anheim fällt, will er Batman töten, Kryptonit hält ihn davon ab, aber dann ergreift die dunkle Macht auf Besitz von Batman und er greift Superman an. Es kommt zu einer handfesten Auseinandersetzung, bei der zuerst Superman einstecken muss, bevor er Batman in blutige Fetzen schlagen darf. (Batman überlebt das dank der Alien-Kraft.) Als der Dunkle Ritter wieder zur Besinnung kommt, versöhnt man sich wieder und geht gegen die wahren Schurken, Lex Luthor und Despero vor.

DC Comics

DC Comics

Das Interessanteste an der Story ist, dass sie von Alfred Pennyworth erzählt wird, während er Tee trinkt. Das hebt etwas das Niveau dieser etwas verworrenen, aber doch banalen Geschichte. Das Problem an dieser Story ist das große Figurenaufgebot: Manhunter, Plastic Man, Green Lantern, Supergirl usw. Man hat eher das Gefühl, ein Justice League-Abenteuer zu verfolgen, als ein klassiches Team-up der World’s Finest. Dadurch kommen die Hauptfiguren etwas zu kurz, der uninspirierte Kampf entschädigt nur wenig dafür.

Stop Me If You’ve Heard This One … (Superman/Batman Annual #1)

In dieser Nacherzählung der ersten Begegnung von Superman und Batman (Superman #76, 1952) arbeiten Superman und Batman bereits als Team zusammen, aber kennen noch nicht ihre Geheimidentitäten. In zivil begegnen sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff: Clark Kent und Bruce Wayne machen zufällig dort zeitgleich Urlaub. Wegen eines Buchungsfehlers müssen sie sich nicht nur (wie im Original) ein Zimmer, sondern sogar ein Bett teilen. Highlight: Bruce klaut Clark die Decke.

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Superman und Batman: Deckenkampf im Bett (DC Comics)

Das war’s auch schon an Höhepunkten. Denn um die etwas altbackene Story ansprechender zu machen, wurde sie aufgepimpt – und das mehr als nötig. Nicht nur, dass Deathstroke ein Attentat auf Wayne zu verüben versucht, es kommen auch noch die bösen Doppelgänger vom Crime Syndicate aus einem Paralleluniversum dazu (Dimensionsriss!). Außerdem noch ein anderer Deathstroke, der sehr an Deadpool erinnern soll (Anspielung auf das Plagiat!). Während des Vorfalls finden Clark und Bruce heraus, mit wem sie sich das Zimmer teilen. Aber so witzig, wie das sein soll ist es leider nicht. Eher eine peinliche Reihe von Kalauern und Klamauk. Dass am Ende noch Mr. Mxyzptlk für alles verantwortlich ist, macht die Sache nicht besser.

Nevermind

Superman und Batman finden sich durch Schurkeneinfluss in den Körpern von Power Girl und Huntress wieder. Bevor ihre Persönlichkeiten von denen ihrer Wirtinnen verdrängt werden, müssen sie zurück in ihre alten Körper finden. Da bleibt keine Zeit für eine umoralische Selbstbegutachtung … Der Titel sagt alles. Ein typisches Füllmaterial wie in Power Girls Brüsten, so leer wie Huntress‘ Ausschnitt. (#Aufschrei etc.)

Metal Men

Eine Story mit den Metal Men kann nur eines sein: Schrott. Die Metal Men sind ein Haufen Loser, die über ihre Minderwertigkeitskomplexe jammern und sich selbst bemitleiden – und zwar zurecht, denn abgesehen von ihren plumpen, eindimensionalen Charakteren und ihren Unzulänglichkeiten (warum stottert der eine und warum ist der andere dumm, wenn die anderen offenbar besser konstruiert sind?), haben sie eine ziemlich miese Firewall, denn sie drehen gleich bei jeder Gelegenheit durch, wenn sie mal von einem Computervirus befallen werden. In dieser Story versucht ihr Schöpfer, Dr. Magnus, sie als Sicherheitsleute bei Wayne Enterprises unterzubringen. Es dauert keine fünf Minuten, bis sie nicht mehr tun, was sie tun sollen. Brainiac sei Dank. Superman und Batman biegen natürlich alles wieder hin. Aber die Metal Men hat man danach so was von satt …

Bilanz: Verzichtbar.

Ein Batman aus Kryptonit

Batman versus Superman, Teil 16: Vengeance (2005)

Titel: (With A) Vengeance (dt. Voller Wut)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Ed McGuinness

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #20-25, Paperback 2008/2014 mit Absolute Power) , dt. Panini 2007 (Paperback)


„– and what could be more fitting than … Batman killing Superman?“ (Kryponite-Batman)

Wer diese Reihe verfolgt, dem wird aufgefallen sein, dass „Batman versus Superman“ mehr ein Name ist, der sich an den kommenden Spielfilm anlehnt, als dass es tatsächlich um eine Retrospektive der Kämpfe handelt. Denn zwar gibt es einige, und einige davon habe ich bereits früher vorgestellt, aber in der Regel bilden Batman und Superman ein Team – so auch in der Superman/Batman-Serie. Hier aber, bei Vengeance, kommt es endlich wieder zu einer richtigen Prügelei. Einer auf Leben und Tod.

Aber der Reihe nach. Allerdings ist das nicht so einfach. Batman und Superman stoßen auf die Maximums, die einzige Superheldengruppe, die von der US-Regierung anerkannt ist. Noch nie von denen gehört? Macht nix, die sind neu (dazu später mehr). Jedenfalls tötet Superman einen von ihnen, als Vergeltung für den Mord an Lois Lane. Wann das passiert sein soll? Das spielt keine Rolle, denn die Maximums wissen auch nicht, wovon Superman spricht. Überhaupt haben sie ihn und Batman noch nie gesehen. Kurz darauf holen die Maximums also zum Gegenschlag aus, um den Tod ihres Gefährten zu rächen, doch die Versionen von Superman und Batman, die sie treffen, wissen auch nicht, was los ist.

Damit aber nicht genug: Parallel dazu verbündet sich Bizarro mit Batzarro, seinem Batman-Pendant, um Superman zu helfen. Dabei treffen sie auf den Red Son-Superman und Batman Beyond. Schließlich versammeln sie auch noch einen Haufen Batmen, Supermen und Supergirls aus Paralleluniversen – ganz zu schweigen von Gastauftritten von Darkseid und Lex Luthor. Ach ja, und zwischendurch kommt noch Captain Atom aus dem Weltall zurück (er hat in Public Enemies den Kryptonit-Asteroiden zerstört) und ist besessen von einer Art Kryptonitgeist. Der ergreift schließlich von Batman Besitz und versucht so, Superman zu töten. Der grüne Batman prügelt ein paarmal auf Superman ein, bis sein Gegner ihn mit einem kleinen Rippenstoß halbseitig lähmt und dann in einen Bleipanzer kleidet bis der Kryptonite Man verschwindet (wohin auch immer).

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Superman/Batman #23 (DC Comics)

Okay, so viel zum dramatischen Höhepunkt der Story. Aber was soll der ganze Rest? Wer das Marvel-Universum ein wenig kennt, wird in den Maximums eine Art Beinahe-Avengers bzw. Fast-Ultimates erkennen: Soldier = Captain America, Robot = Iron Man, Monster = Hulk (zunächst lila, dann grün), Viking = Thor, Skyscraper = Giant Man, Hornet = The Wasp, Bug = Spider-Man. Die Ähnlichkeiten sind offensichtlich, aber immer noch so, dass es keinen Ärger mit dem Urheberrecht gibt. (Später sollte Jeph Loeb übrigens tatsächlich die Ultimates für Marvel schreiben.) Schließlich verschmelzen sie zu einem Helden („The Maximum Maximum“) und kloppen sich mit einem Amalgam aus Batman und Superman. Aber kaum geht der Kampf los, ist er auch schon wieder vorbei.

Dass das Ganze ein Spiel zwischen Mr. Mxyzptlk und dem Joker (bzw. Bat-Mite) ist, verleiht der Geschichte nicht viel mehr Sinn. Das Problem an solchen Geschichten ist, dass sie so willkürlich sind, dass darin alles passieren und am Ende alles wieder annulliert werden kann. Das Nonsens-Prizip funktioniert gut bei Alice im Wunderland, bei Superhelden-Storys wirkt es ermüdend und spannungsarm. Und so wirkt auch Vengeance völlig überladen an Figuren, ohne dass es einen Zusammenhang oder gar Mehrwert gäbe. Kurz: Viel Lärm um nichts.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Hitler Twins und Hardy Boys

Batman versus Superman, Teil 15: Absolute Power (2005)

Titel: Superman/Batman: Absolute Power (dt. Absolute Macht)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Carlos Pacheco

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #14-18, Paperback 2006), dt. Panini 2006


„Obey or die.“ (Superman)

Das Lesen von Superheldencomics ist ein ständiges Déjà-vu-Erlebnis: Im Grunde liest man immer die gleichen Geschichten, erzählt in tausend Variationen, aber weil es dann doch immer anders ist, wirkt es, als wären es doch andere Geschichten. So beginnt auch Absolute Power mit altbekannten, bis zum Erbrechen erzählten und wiedererzählten Origins der Titelhelden – die Sache mit der Rakete im Kornfeld und die Sache mit dem Zorro-Film – man will schon weiterblättern, weil das offenbar die obligatorische Einführung für neue Leser sein soll, und dann kommt die Wendung – und alles ist anders als gedacht.

Weil drei Superschurken aus der Zukunft an diesen Stellen in der Zeit eingegriffen haben, verläuft alles anders: Superman und Batman werden zu Tyrannen, die die Welt beherrschen. Die anderen großen Superhelden wurden bei seiner Entstehung vernichtet. Wer noch übrig ist, dessen nehmen sich die Diktatoren selbst an, wie etwa Green Arrow, der die beiden bloß „Hitler Twins“ nennt. Übertrieben ist das nicht sehr, denn Batman und Superman sind als Brüder aufgewachsen und hängen entsprechend aneinander. Doch dann gibt es noch Wonder Woman. Und sie trommelt die verbliebenen Superhelden zusammen, um eine Rebellion gegen die Tyrannen starten. Dabei tötet Wonder Woman Batman. Superman zögert nicht, Wonder Woman zu ermorden. Doch damit gehen die Probleme erst los, denn danach springen Superman und Batman durch verschiedene alternative Zeitlinien, an deren Ende stets einer von ihnen draufgeht.

Eigentlich müsste man hier aufhören zu erzählen, aber eine dramatische Wendung muss gespoilert werden, weil sie einfach zu gut ist, um darüber zu schweigen: In einem Szenario interveniert Batman in die Ermordung seiner Eltern und erschießt den Mörder kurzerhand. Daraufhin löscht er einerseits seine Existenz aus und ermöglicht andererseits seinem alternativen Ich ein glückliches Leben. Doch weil in dieser Welt Ra’s al Ghul herrscht, muss Superman Bruce Wayne wieder zu Batman machen, um alles wieder in Ordnung zu bringen.

Es lohnt sich immer noch, diese Story zu lesen, denn es passiert so viel, dass ich die Hälfte weggelassen habe (Darkseid! Justice League! Und wieder der Superman aus Kingdom Come!) Waren die Helden in den ersten beiden Superman/Batman-Geschichten schon ein gutes Team, so sind sie hier ein Herz und eine Seele, ja eine Familie. Gemeinsam stehen sie als „Hardy Boys“ (Green Arrow) eine Reihe von Elseworlds-artigen-Szenarien durch und leiden miteinander, betrauern den Verluste des jeweils anderen. Das ist rührend mitanzusehen, auch wenn die beiden zunächst Arschlöcher sind. Aber im Laufe der Geschichte finden sie zu ihren wahren Identitäten zurück – denn gewisse Dinge, so die Moral, müssen nunmal so sein und nicht anders, also so wie immer – womit wir wieder beim Déjà-vu wären … Absolute Power ist so dramatisch, rasant und vollgepackt mit interessanten Einfällen, dass alle seine Bestandteile (auch die feinen Zeichnungen) eine World’s Finest-Story im besten Sinne des Wortes ergeben.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Vier Fäuste gegen Darkseid

Batman versus Superman, Teil 14: Supergirl (2004)

Titel: Supergirl (The Supergirl from Krypton)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Michael Turner

Erschienen: 2004 (Superman/Batman #8-13, Paperback 2005/2014), dt. Panini 2006, Eaglemoss 2015


„I am … not alone …“ (Superman)

„You prattle on like a child reciting bits of meaningless trivialities.“ (Darkseid)

Auch wenn Superman nie zu spüren bekommen hat, dass er eine Waise ist, fühlt er sich allein: Zwar hat er Eltern, Ehefrau, Freunde, Verbündete wie Batman, aber als Kryptonier ist er der Letzte seiner Art. Das ändert sich mit der Ankunft von Supergirl, die – wie früher, vor der Crisis – Kal-Els Cousine Kara Zor-El ist. Batman entdeckt sie beim Aufsammeln der Trümmer, die der Kryptonit-Asteroid hinterlassen hat: eine ausgewachsene junge Frau, die nackt in Metropolis für Verwirrung und Zerstörung sorgt. Nach einem kurzen Plausch auf Kryptonisch schließt sie Superman ins Herz. Doch Batman bleibt skeptisch …

Kara integriert sich schnell: innerhalb eines Monats lernt sie Englisch und andere Sprachen und entdeckt ihre Leidenschaft fürs Shoppen, aber noch bevor sie ihren Platz auf Erden finden kann, wird sie zweimal entführt und in Kriegerrollen gezwängt. Zuerst bringt sie Wonder Woman auf die Paradiesinsel Themyscira, wo Kara sich ohne Protest zum Kämpfen ausbilden lässt, kurz darauf lässt sie Darkseid nach Apokalips bringen, um seiner Sache zu dienen. Darauf lässt sich Kara ebenso schnell ein, wenn auch dank Gehirnwäsche. Superman und Batman starten mit Wonder Woman und Big Barda eine Rettungsaktion.

Was eigentlich wie eine klassische Superman- oder JLA-Story anmutet, lässt Batman etwas aus der Rolle fallen, damit er mit den Übermenschen mithalten kann. So wird er dank Mr. Miracles Rüstung zu einem Krieger, der es mit dämonischen Kötern und schließlich sogar mit Darkseid selbst aufnimmt. Solche Abenteuer wirken stets etwas bemüht, weil Batman in solchen Szenarien eigentlich keine fünf Minuten überleben dürfte. Dass er es tut, strapaziert seine Glaubwürdigkeit enorm. Batman ist eben immer Herr der Lage. Warum? „Because he’s Batman.“

Was aber wirklich nervt ist das Finale, wenn Superman aus Zorn Darkseid durchs All prügelt. Während Clark unendlich scheinende pathetische Reden schwingt, monologisiert Batman aus dem Off sentimentale Gemeinplätze, in denen er erneut, noch einmal und schon wieder in aller Ausführlichkeit Clarks Entwicklung nacherzählt. Man möchte den beiden zurufen: Aufhören, wir haben es verstanden! Und wenn dann noch zum Schluss Superman seine besten Momente mit Kara Revue passieren lässt, wird der Kitsch unerträglich. Bei der Wendung am Ende weiß man gar nicht, ob man wütend oder vor Erleichterung dankbar sein soll. Und dann muss Superman alle Helden zusammentrommeln, um ihr das neue Supergirl vorzustellen. Bei all dem Gedöns bleibt das Verhältnis zwischen Batman und Superman leider auf der Strecke. Das Auftauchen von Kara hat keinen großen Effekt auf die beiden, weder führt die Meinungsverschiedenheit zu großen Konflikten noch wachsen die beiden zusammen. Das hohe Frauenaufkommen lenkt vielmehr von der Tatsache ab, dass die World’s Finest gemeinsame Sache machen.

(The Supergirl from Krypton wurde im Jahr 2010 unter dem Titel Superman/Batman: Apocalypse als Animationsfilm adaptiert.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

Die Weltbesten gegen den Rest der Welt

Batman versus Superman, Teil 13: Public Enemies (2003-2004)

Titel: Public Enemies (dt. Freunde und Feinde)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Ed McGuinness

Erschienen: 2003-2004 (Superman/Batman #1-6), Paperback 2005, dt. Panini 2006/2016, Eaglemoss 2014


„You know what I got sick of, Bruce? You kicking the crap out of me with your toys. When you’re nothing but a man. A man who got to stay alive because I let you.“ (Superman, Kindom Come)

„If this is going to be our last stand, I can’t think of a better ally to fight alongside.“ (Superman)

Ein Asteroid rast auf die Erde zu. Ein riesiger Klumpen Kryptonit. US-Präsident Lex Luthor versucht ihn wegzusprengen. Nachdem er scheitert, gibt er Superman öffentlich die Schuld an der nahenden Katastrophe. Statt ihn oder andere Helden um Hilfe bei der Rettung der Welt zu bitten, tut Luthor alles, um seinen Erzfeind gefangen zu nehmen. Da Superman gerade mit Batman gegen Metallo und sein Ich aus der Zukunft (Kingdom Come) gekämpft hat, steht ihm sein düsterer Freund zur Seite. Auf ein Kopfgeld von einer Milliarde Dollar reagiert zunächst eine Reihe von Superschurken (z.B. Mongul, Solomon Grundy, Grodd), dann kommen ein paar B-Superhelden, die auf Luthors Gehaltsliste stehen (z.B. Captain Atom, Green Lantern John Stewart, Power Girl), schließlich helfen Captain Marvel/Shazam und Hawkman aus, um die beiden Staatsfeinde zu jagen. Aber die Gejagten bilden ein eingespieltes Super-Team, das fast immer Herr der Lage ist …

Viel Sinn ergibt das nicht, dass mehr Aufwand betrieben wird, Superman und Batman zu bekämpfen, statt sich um den Asteroiden zu kümmen. Auch nicht, dass der Superman der Zukunft den aus der Gegenwart zu töten versucht (ganz zu schweigen vom Raum-Zeit-Kontinuum-Paradoxon). Oder dass Metallo zuerst beteuert, niemanden mehr umbringen zu wollen, dann mit Kryptonit auf Superman schießt und ihn anschließend mit Batman lebendig begräbt. Aber man kann nicht leugnen, dass das Spektakel großen Spaß macht. Spätestens seit seinen großen Epen The Long Halloween und Dark Victory wissen wir, dass wenn Jeph Loeb gerne in die Vollen greift (auch bei Hush). Und so sehen wir reihenweise Charaktere, die dem Serienauftakt von Superman/Batman die Ehre erweisen. Selbst die Familien von Batman und Superman (also die Sidekicks) schauen vorbei und versuchen eine Befreiungsaktion im Weißen Haus. Und immerhin gibt es so großartige Sequenzen, in die, in der Kingdom Come-Superman das Batmobil von Adam West hochhebt, um Batman damit zu erschlagen.

Leider meint es Loeb mal wieder zu gut. Wenn er parallel zur Handlung die inneren Monologe von Superman und Batman laufen lässt, überfordert das nicht nur beim Lesen, denn man muss drei Strängen gleichzeitig folgen, sondern hat auch keinen großen Mehrwert. Es müssen nicht immer beide Helden Anekdoten aus ihrer Vergangenheit erzählen, um einen Vergleich zur Handlung zu ziehen, zumal sich die Anekdoten in ihrer Moral ähneln. Es muss auch nicht ständig der Gegensatz von Optimismus und Pessimismus herausgearbeitet werden – ganz zu schweigen von der Parallelführung der beiden bis zum Gehtnichtmehr erzählten Origins.

DC Comics

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Abgesehen von diesem ermüdenden Erzählverfahren bietet Loeb erneut genug Stoff, um vor lauter Fan-Service die Story vergessen zu machen – bis hin zu einem hanebüchenen Unsinn wie einem Raumschiff, das wie eine Fusion aus Batman und Superman aussieht. Zeichner Ed McGuinness trägt mit seinem lieblich-klobigen Michelin-Männchen-Stil dazu bei, dass man sich in dieser knallbunten Hochglanzwelt rundum wohl fühlt. Und vor allem: Es tut so gut, die World’s Finest Heroes auf der Höhe ihrer Fähigkeiten agieren zu sehen: mit perfektem Teamwork. Die einzigen Hiebe, die sie miteinander austauschen, sind verbale. Ansonsten zeigt die Story, dass Batman und Superman es zusammen mit der ganzen Welt aufnehmen können.

(Public Enemies wurde im Jahr 2009 als Animationsfilm adaptiert.)

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen: