Hitler Twins und Hardy Boys

Batman versus Superman, Teil 15: Absolute Power (2005)

Titel: Superman/Batman: Absolute Power (dt. Absolute Macht)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Carlos Pacheco

Erschienen: 2005 (Superman/Batman #14-18, Paperback 2006), dt. Panini 2006


„Obey or die.“ (Superman)

Das Lesen von Superheldencomics ist ein ständiges Déjà-vu-Erlebnis: Im Grunde liest man immer die gleichen Geschichten, erzählt in tausend Variationen, aber weil es dann doch immer anders ist, wirkt es, als wären es doch andere Geschichten. So beginnt auch Absolute Power mit altbekannten, bis zum Erbrechen erzählten und wiedererzählten Origins der Titelhelden – die Sache mit der Rakete im Kornfeld und die Sache mit dem Zorro-Film – man will schon weiterblättern, weil das offenbar die obligatorische Einführung für neue Leser sein soll, und dann kommt die Wendung – und alles ist anders als gedacht.

Weil drei Superschurken aus der Zukunft an diesen Stellen in der Zeit eingegriffen haben, verläuft alles anders: Superman und Batman werden zu Tyrannen, die die Welt beherrschen. Die anderen großen Superhelden wurden bei seiner Entstehung vernichtet. Wer noch übrig ist, dessen nehmen sich die Diktatoren selbst an, wie etwa Green Arrow, der die beiden bloß „Hitler Twins“ nennt. Übertrieben ist das nicht sehr, denn Batman und Superman sind als Brüder aufgewachsen und hängen entsprechend aneinander. Doch dann gibt es noch Wonder Woman. Und sie trommelt die verbliebenen Superhelden zusammen, um eine Rebellion gegen die Tyrannen starten. Dabei tötet Wonder Woman Batman. Superman zögert nicht, Wonder Woman zu ermorden. Doch damit gehen die Probleme erst los, denn danach springen Superman und Batman durch verschiedene alternative Zeitlinien, an deren Ende stets einer von ihnen draufgeht.

Eigentlich müsste man hier aufhören zu erzählen, aber eine dramatische Wendung muss gespoilert werden, weil sie einfach zu gut ist, um darüber zu schweigen: In einem Szenario interveniert Batman in die Ermordung seiner Eltern und erschießt den Mörder kurzerhand. Daraufhin löscht er einerseits seine Existenz aus und ermöglicht andererseits seinem alternativen Ich ein glückliches Leben. Doch weil in dieser Welt Ra’s al Ghul herrscht, muss Superman Bruce Wayne wieder zu Batman machen, um alles wieder in Ordnung zu bringen.

Es lohnt sich immer noch, diese Story zu lesen, denn es passiert so viel, dass ich die Hälfte weggelassen habe (Darkseid! Justice League! Und wieder der Superman aus Kingdom Come!) Waren die Helden in den ersten beiden Superman/Batman-Geschichten schon ein gutes Team, so sind sie hier ein Herz und eine Seele, ja eine Familie. Gemeinsam stehen sie als „Hardy Boys“ (Green Arrow) eine Reihe von Elseworlds-artigen-Szenarien durch und leiden miteinander, betrauern den Verluste des jeweils anderen. Das ist rührend mitanzusehen, auch wenn die beiden zunächst Arschlöcher sind. Aber im Laufe der Geschichte finden sie zu ihren wahren Identitäten zurück – denn gewisse Dinge, so die Moral, müssen nunmal so sein und nicht anders, also so wie immer – womit wir wieder beim Déjà-vu wären … Absolute Power ist so dramatisch, rasant und vollgepackt mit interessanten Einfällen, dass alle seine Bestandteile (auch die feinen Zeichnungen) eine World’s Finest-Story im besten Sinne des Wortes ergeben.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

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