Ra’s al Ghul

Jokers Junggesellenabschied für Batman

DC Comics

Titel: Preludes to the Wedding

Autor/Zeichner: Tim Seeley, Tom King/Clay Mann u.a.

Erschienen: 2018 (5 One-shots, DC Nation #0)


„Keep it simple.“ (Joker)

Batman und Catwoman wollen heiraten. Der Joker ist nicht eingeladen. Er ist beleidigt. Also läuft er Amok. Zuerst sucht er einen zufällig ausgewählten Mann heim und terrorisiert ihn. Diese ersten acht Seiten, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Clay Mann, sind der größte Höhepunkt in Preludes to the Wedding. Hier gibt es Spannung und einiges zu lachen.

Danach hetzt der Joker vier Schurken auf Batman, indem er ihnen von der Hochzeit erzählt – und keiner ist von der Sache begeistert. Robin nimmt es mit seinem Großvater Ra’s al Ghul auf, Nightwing mit Hush, Batgirl mit Riddler und Red Hood mit Anarky. Wie immer geht es dabei um alte Wunden, die aufreißen. Um Enttäuschungen und Eifersucht. Jeder dieser Schurken hat eine persönliche Rechnung offen mit Batman.

Besonders persönlich wird es, wenn sich am Ende Harley Quinn den Joker vornimmt. Harley tut so, als wollte sie ihn umbringen, die Frage ist, ob sie ihn wirklich töten will, aber natürlich schafft er es, sich aus zwei Todesfallen zu befreien. Am Ende ist er der Sentimentale, der es nicht übers Herz bringt, seine alte Komplizin zu töten.

Preludes to the Wedding ist das Gegenstück zu den beiden Batman-Bänden Rules of Engagement und Bride or Burglar. Während da Batman, bevor er sich an Catwoman bindet, die Frauen in seinem Leben wiedertrifft, sind es hier die Männer, die noch einmal ihr Verhältnis zu Batman Revue passieren lassen.

Natürlich ist Joker der Eifersüchtigste von allen, denn zwischen ihm und Batman besteht schon immer eine ganz besondere Verbindung – und das nicht erst seit Frank Miller beide im Liebestunnel intim werden ließ. Im Grunde inszeniert der Joker hier einen Junggesellenabschied für seinen liebsten Feind, nur das der Bräutigam meist nicht anwesend ist. Es ist ein verkappter Akt der Liebe auf Umwegen, der daher tragischerweise unerwidert bleibt und schließlich damit endet, dass der Joker versucht, die Hochzeit zu sabotieren.

Tiefsinnigere Erkenntnisse bekommt man in diesen kurzweiligen Kapiteln zwar nicht, aber dafür solide Unterhaltung. Aber einmal überrascht Autor Tim Seeley dann doch, wenn er den eigentlichen Jungesellenabschied (Batman, Nightwing, Superman) in eine Dimension bringt, die von Gestalten bevölkert wird, die nur noch gesichtslose Schatten echter Menschen sind, lauter vertane Chancen aus unserer Welt. So viel Gesellschaftskritik bekommt hier nicht einmal Anarky hin.

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Das Mädchen, das ein Schatten war

DC Comics

Titel: League of Shadows

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Marcio Takara, Christian Duce

Erschienen: 2017 (Detective Comics #950-956), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 3)


„The course of history is not guided in the light. It is guided in the shadows.“ (Ra’s al Ghul)

„There’s so much that still doesn’t make any sense.“ (Batman)

Einst galten sie als ein Mythos, den Ra’s al Ghul in die Welt gesetzt hat, jetzt treten sie in Erscheinung: die League of Shadows. Shiva (auch bekannt als Lady Shiva), früher beste Auftragskillerin bei der League of Assassins, führt die Bande an, um Gotham City zu vernichten. Der Grund: Weil Ra’s al Ghul die Stadt im Hintergrund beherrscht. (Was sind dagegen schon zehn Millionen Menschenleben?)Die Bande stiftet zunächst Chaos in Gotham, indem sie Bürgermeister Hady ermordet und Batman die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dann lässt sie Joker-Gas frei. Schließlich soll die Stadt mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden.

Die Batman-Familie hat viel zu tun. Batwing und Azrael bekommen jeweils ein Schwert ab, später auch Batwoman. Batman wird von Ra’s in der Bathöhle ausgetrickst und an Shiva ausgeliefert. Jetzt kann nur noch Cassandra Cain alias Orphan helfen, Shiva aufzuhalten. Es kommt zum Kampf Tochter gegen Mutter. Und es fließt sehr viel Blut.

Cassandra steht im Mittelpunkt der Story. Wir erfahren, dass sie gerne tanzen würde und deshalb eine Baletttänzerin stalkt, und dass sie zwar zur Killerin ausgebildet wurde, aber nicht mehr töten will. Deshalb schafft sie es, 1000 Schattenligisten blutig zu prügeln und mit dem Schwert zu malträtieren, ohne dass einer dabei drauf geht. Mein Problem dabei ist: Wenn ich eine Batman-Story lese, will ich eine Story über Batman lesen, nicht über einen Nebencharakter. Aber Batman bekommt man hier nur wenig.

Detective Comics ist seit dem Neustart von DC Rebirth eben eine Serie über ein Bat-Team und jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf einem anderen Charakter: Batwoman, Spoiler oder jetzt eben Orphan. Das Problem ist, dass es die Nebenfiguren hier eigentlich nicht braucht, außer als Kanonenfutter. Sie stehen syptomatisch für eine einfallslose Handlung nach altem Muster, ohne sich zumindest die Mühe zu machen, die Motivation der Schurkin plausibel zu gestalten. Mag sein, dass sich das ein oder andere aufklären wird, wenn noch der große Krieg kommt, den Batman vorausahnt, aber ehrlich gesagt: Ich will’s gar nicht wissen.

Was bisher geschah:

Neues Gotham, alte Probleme

DC Comics

Titel: New Gotham (frühere Ausgabe: Evolution)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough (u.a.)

Erschienen: 2000 (Detective Comics #742-753), Paperback 2001 (Evolution, bis Detective Comics #750), Neuausgabe 2017 (New Gotham)


„Gotham is still Batman’s city.“

Das No Man’s Land ist überstanden, Gotham wird wiederaufgebaut. Aber auch das Verbrechen kehrt wieder zurück. Fünf Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft in Gothams Unterwelt. Da mischt sich Ra’s al Ghul ein, indem er zwei Profikiller losschickt, die den Kampf zu einem Krieg eskalieren lassen. Sein Ziel: eine neue Droge auf den Markt zu bringen, die den Menschen ewige Jugend verspricht, aber den Nebeneffekt hat, sie in halbe Tiere zu verwandeln. Batman verfolgt Ra’s bis nach Europa und trifft dabei auf Talia …

Doch diese Geschichte macht nur den kleinsten Teil der Handlung aus. Anders als andere Batman-Storylines dreht sich nicht alles um das Prinzip Held gegen Schurke. Den roten Faden bildet der Wiederaufbau und wie die Menschen mit den Folgen der zerstörten und abgeschotteten Stadt zurechtkommen. Viele haben alles verloren und sind weggegangen, andere sind geblieben – jetzt bilden die Dagebliebenen und Zurückgekehrten verfeindete Lager. Commissioner James Gordon trauert um seine Frau Sarah, die der Joker erschossen hat (siehe Niemandsland). Wir sehen, wie Detective Montoya ihren Geburtstag feiert. Bruce Wayne bekommt einen Bodyguard: Sascha Bordeaux, die in der Storyline Murderer/Fugitive eine Rolle spielen wird. Und zum Schluss wird gezeigt, wie Poison Ivy aus ihrem Revier im Robinson Park geholt wird, aber das ist ziemlich fade.

New Gotham (das zuerst als Evolution als Paperback erschienen ist) erzählt nichts von Substanz und ist erst recht kein Meisterwerk, aber es wäre wesentlich lesbarer, wenn die Zeichnungen besser wären. Zwar versucht man hier mit einer reduzierten Farbpalette etwas Neues (meistens gibt es nur ein bis zwei Farben neben Schwarz und Weiß), aber die Figuren von Shawn Martinbrough wirken so unbeholfen und leblos, das es keinen Spaß macht, mit dem Blick auf den Seiten zu verharren. Einzig die Cover von Dave Johnson bilden Oasen in dieser großen grafischen Wüste.

Die neue Paperback-Ausgabe dieser Comics schließt eine Lücke in der Sammlung. Aber wer wissen will, wie es nach dem No Man’s Land in Gotham weitergeht, sollte lieber gleich die nächsten Storylines wie Officer Down und Murderer/Fugitive lesen.

Am Ende der Ideen

Titel: All-Star Batman Vol. 2 – Ends of the Earth

Aut0r/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2017 (All-Star Batman #6-9), Hardcover 2017


„Because like it or not … this is a Batman story after all.“ (Batman)

Batman besucht Mister Freeze in der Arktis. Der Schurke hat sich in einer Forschungsstation verschanzt und Menschen aus dem kryogenischen Schlaf erweckt, damit sie ihm als Eiszombies dienen. (Nebenbei erfahren wir, was Victor Fries‘ Lieblingsgedicht ist.) Doch Batman interessiert sich nicht für Freeze, er will verhindern, dass ein tödliches Bakterium aus dem Eis freigesetzt wird. Obwohl er erfolgreich ist, findet der Tod seinen Weg in die Welt. Er bittet Poison Ivy um Hilfe, später sucht er den Mad Hatter auf. Verfolgt wird er von einer mysteriösen Spezialeinheit, den Blackhawks. Am Ende kommt es zum Showdown mit Ra’s al Ghul in Washington.

Ja, der gute alte Ra’s will mal wieder die Welt vernichten. Aus den altbekannten Gründen. Und Batman trickst ihn aus. Zweimal mit der gleichen Masche, nämlich mit Ra’s eigenen Mitteln. Vorher wird viel geredet, wenig gehandelt. Statt eine Detektivstory zu erzählen, lässt Autor Scott Snyder die Zwischenschritte aus und liefert uns nur vier Höhepunkte der Geschichte, den Rest trägt er in langen Sprechblasen nach. Das hat den negativen Nebeneffekt, dass jegliche Spannung auf der Strecke bleibt.

DC Comics

Stattdessen dreimal der gleiche Aufbau: Batman kommt aus der Ferne an einen abgelegenen Ort, er versucht es mit Worten, dann mit Gewalt. Doch die üblichen Verdächtigen handeln auch stets so, wie man es von ihnen erwartet, nichts davon hat mich nicht schon zigmal so gesehen. Mister Freeze und seine Nora-Mission, Poison Ivy und ihre Schlingpflanzen, Mad Hatter und seine alten Hüte. Und dass Bruce Wayne beim Mad Hatter schon wieder mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird (Joker! Bane! Riddler! Catwoman!) und das alles mal wieder im Alice im Wunderland-Stil – geschenkt.

An Ends of the Earth wird am deutlichsten, was Scott Snyder mit All-Star Batman wollte: Geschichten über die Schurken erzählen, zu denen er bisher noch nicht gekommen ist, zusammen mit einer Parade seiner Lieblingszeichner. Doch statt nach John Romita Jr. einen weiteren Zeichner zu engagieren, gibt es nun vier davon (Jock, Francesco Francavilla, Tula Lotay, Guiseppe Camuncoli), womit der Qualität nicht immer ein Gefallen getan wird.

Es wirkt, als wollte Snyder in kürzester Zeit möglichst viel unterbringen. Das wirkte auch schon in My Own Worst Enemy so, aber da hat es immerhin noch eine mitreißende (wenn nicht gar allzu reißerische) Story gegeben, hier ist alles nur eine Aneinanderreihung von vermeintlichen Höhepunkten, die in Wortwüsten und Klischees ersticken, ohne dem Altbekannten irgendetwas Neues abzugewinnen.

So ist Ends of the Earth mit Abstand das schwächste von Snyders bisherigen Batman-Comics geworden. Enttäuschend, dass seine bisherige Kreativität, für die er sonst bekannt geworden ist, hier offenbar erschöpft ist.

Mehr von Scott Snyder:

Drachenritter im Mittelalter

Titel: Dark Knight of the Round Table

Autor/Zeichner: Bob Layton/Dick Giordano

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2)


Bislang war „Dunkler Ritter“ bloß eine Metapher. Hier aber wird sie beim Wort genommen: Batman wird ins Mittelalter übertragen. Oder besser gesagt: in eine Fantasy-Version davon. Die Geschichte spielt in England. King Arthur hat Ärger mit seiner Halbschwester Morgana, mit der er ein Kind gezeugt hat. Weil der Bastard Unheil verspricht, verbannt der König Familien aus dem Land, darunter die Waynemoors. Morgana, die auch noch eine Hexe ist, schickt fledermausartige Dämonen, um die Waynemoors dahinzuraffen. Der kleine Bruce überlebt und schwört Rache.

Den Rest kann man sich denken: hartes Training. Geschult wird er von Merlin, der in Form einer weißen Riesenfledermaus erscheint. Und am Ende zieht Bruce Rüstung und Schwert mit Drachensymbol an. Keine Ahnung, was dieser Umweg soll, wenn das Symbol ohnehin aussieht wie eine Fledermaus. Aber egal. Der Drachenritter Batman zieht in den Kampf gegen das austauschbare Böse. Da kommen Ra’s al Ghul und seine Tochter Talia ins Spiel …

Batmans Erzschurke ist auch schon der einzige nennenswerte Gegenspieler. Bis auf Alfred und einen Kurzauftritt von Robin gibt es kaum Wiedererkennungswert in diesem Elseworlds-Quark. Nicht einmal ein Joker als Hofnarr – aber das wäre wohl zu offensichtlich. Stattdessen gibt es nur das offensichtlichste und oberflächlichste Rittergedöns mit pathetischem, humorfreiem Gelaber und Gemetzel. Moral von der Geschicht: Es muss mehr als Rache geben. Für diese Erkenntnis muss man sich aber nicht durch fast 100 Seiten quälen.

Lektüre für Minuten

DC Comics

Titel: Private Casebook

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2007-2008 (Detective Comics #840-845, DC Infinite Halloween Special #1), Paperback 2008


Paul Dini gehört zu den Legenden unter den Batman-Autoren: Miterfinder von The Animated Series, Autor von Mad Love, zuletzt schrieb er den autobiografischen Comic Dark Night: A True Batman Story. Doch schon in den Nuller Jahren durfte er lange Comics schreiben, wie The Resurrection of Ra’s al Ghul, Heart of Hush und Streets of Gotham. Daneben schrieb er auch eine Reihe von Kurzgeschichten; Private Casebook ist eine Sammlung davon.

Der Auftakt ist ein Epilog zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, der eigentlich im dazugehörigen Paperback besser aufgehoben wäre. Der auferstandene Schurke versucht wieder, in Gotham Fuß zu fassen. Aber Batman prügelt ihn nach Arkham. Aber das ist auch schon die stärkste Erzählung des Bandes.

Was sonst noch passiert?

In „The Wonderland Gang“ versammelt der Mad Hatter eine Gruppe von Handlangern, die wie er von Alice im Wunderland inspiriert sind. „The Suit of Sorrows“ macht eigenartigerweise einen Sprung zurück zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, wo Batman eine historische Rüstung getragen hat. Hier geht er dem Geheimnis der Rüstung nach. Aber interessieren muss uns das nicht.

Zu einem Team-up mit der Zauberin Zatanna kommt es im Zweiteiler „Opening Night/Curtains“. Zusammen nehmen sie es mit einem neuen Bauchredner auf, einer Frau, die offenbar von Scarface besessen ist. Wir lernen die Frau mit sehr viel Vorgeschichte näher kennen, bevor wir uns wieder schnell von ihr verabschieden. Schließlich trifft Batman in „The Riddle Unanswered“ auf Catwoman, aber das ist eigentlich nicht nennenswert, ebenso wie die Halloweengeschichte am Ende.

Kurz gesagt: Man muss Private Casebook nicht lesen. Außer man braucht eine Klolektüre für Minuten oder belanglose Gutenachtgeschichten zum Einschlafen.

Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.

Robin macht noch als Leiche Ärger

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 6: The Hunt for Robin (dt. Die Jagd nach Robin)

Autor/Zeichner: Peter Tomasi/Patrick Gleason, Doug Mahnke, Andy Kubert

Erschienen: 2014 (Batman and Robin #29-34, Robin Rises: Omega #1); dt. Panini 2015 (Sonderband)


„If you try to take Damian’s body again I’m going to kill you and make sure you never come back.“ (Batman zu Ra’s al Ghul)

Damian und seine Mutter Talia sind immer noch tot, aber ihre beerdigten Körper sind verschwunden (siehe Batman Incorporated Vol. 1-2) – denn Ra’s al Ghul lässt nicht locker: er will Tochter und Enkel wiederbeleben. Obwohl Batman in einem Anfall von Wahnsinn selbst versucht hat, seinen Sohn von den Toten zurückzuholen (siehe Requiem for Damian), hat er etwas gegen die Grabschändung und versucht, die Damians Leiche wieder zurück in ihr Grab zu bringen.

Auch wenn es im Grunde um Robin geht, bleibt der sechste Band von Batman and Robin strenggenommen eine Mogelpackung. Schon in den letzten zwei Bänden kam Robin kaum bis gar nicht vor. In Teil fünf (The Big Burn) fiel das allerdings nicht auf, weil Two-Face in gewisser Weise die Rolle des Sidekicks übernahm, und hier stehen andere Helden Batman bei seiner Quest zur Seite: Zunächst Aquaman, dann Wonder Woman, dann wieder Frankenstein, schließlich andere Justice League-Mitglieder wie Lex Luthor, Shazam und Cyborg. Die Familienangelegenheit nimmt immer größere Ausmaße an.

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Hellbat-Rüstung (Batman and Robin #33, DC Comics)

Ra’s al Ghul versucht zunächst, eine Lazarusgrube auf der Paradiesinsel ausfindig zu machen – dagegen haben die Amazonen jedoch etwas. Nachdem der Versuch scheitert, nimmt er sich eine Grube unter der ehemaligen Tibet-Stadt Nanda Parbat vor, was übrigens ohne Widerstand funktioniert. Hier kann man sich fragen: Warum nicht gleich so? Aber die Antwort auf die Frage kann man sich denken: Sonst gäbe es keinen Konflikt mit den Amazonen und Wonder Woman. Weil Ra’s aber auch noch einen mysteriösen Energie-Kristall benutzt, den Darkseid haben will, wird Damians Sarkophag (nach einer Keilerei mit der Liga) nach Apokolips entführt – und Batman folgt ihnen in einem Mega-Kampfanzug als „Hellbat“. Holy Shit, sieht das cool aus! Doch plötzlich ändert sich Batmans Meinung wieder: er will Robin doch lebendig zurückbringen …

Abgesehen von diesen Löchern im Plot ist The Hunt for Robin eine vergnügliche und visuell ansprechende Lektüre (auch dank Andy Kubert). Der klassische Heldenreisen-Aufbau mit seinen verschiedenen Stationen und Weggefährten sorgt für viel Abwechslung und Action, und wegen der persönlichen Motive der Hauptfiguren wird die Jagd nach dem MacGuffin dramatisch aufgeladen. Seinen Höhepunkt bekommt die Story, wenn Batman Ra’s droht, ihn umzubringen, wenn er noch einmal Damian entführen sollte. Aber so weit kommt es dann doch nicht. Nein, Batman begnügt sich damit, andere anzuschreien, zu fluchen und um sich zu schlagen. Good old Batman …

Robin, Redbird, Dead Bird

Titel: Batman Incorporated – Demon Star/Gotham’s Most Wanted

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Chris Burnham

Erschienen: 2012-2013 (Batman Incorporated #0-13, Special #1), Paperbacks 2013; dt. Panini 2015 (Paperback)


„Gotham. Or Damian. Whichever you choose, the other dies.“ (Talia)

Talia al Ghul will Rache. Dafür dass sie ihren Sohn Damian an Batman verloren hat, hat sie ein Kopfgeld auf Robin ausgesetzt. Eine Schar von Auftragskillern fällt über Gotham her. Batman schart seine erweiterte Familie um sich, die Jungs und Mädels des weltweiten Superheldennetzwerks Batman Incorporated. Aber damit nicht genug: mit ihrer Geheimorganisation Leviathan hat Talia auch Gothams Gesellschaft infiltriert, um die Stadt zu zerstören; Kinder werden zu Zombies. Batman muss sich entscheiden, ob er die Stadt oder seinen Sohn retten will.

SPOILER: Am Ende muss Damian dran glauben. Getötet wird er im Kampf mit dem Schurken Leviathan, einem Handlanger von Talia, der auch noch ein aufgemotzter Damian-Klon ist.

Mit den letzten zwei Bänden von Batman Incorporated beendet Grant Morrison sein Batman-Epos, das er 2006 mit Batman and Son begonnen hat. Für Einsteiger gibt es am Anfang eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse. Bemerkenswert ist, dass Batman Inc. dort weitermacht, wo es vor dem Reboot von The New 52 (2011) aufgehört hat. Im Laufe der Story wird klar, dass offenbar die Ereignisse in Morrisons Epos (Batman RIP etc.) seit 2006 auch in der neuen Continuity stattgefunden haben.

Dass alles auf Damians Tod hinausläuft, ist nur konsequent: Morrison vernichtet die Figur, die er geschaffen hat. Der Tod verläuft hochdramatisch: dem Kleinen wird so ziemlich jede erdenkliche Wunde zugefügt bevor er stirbt. Inszeniert wird die Szene mit einigen Anleihen in der Comicgeschichte. Und Batman plagen wieder Schuldgefühle – denn er hat seit Jason Todd (A Death in the Family) nichts dazugelernt. Talia ist zwar auch betroffen (warum hat sie es dann zugelassen?), aber zieht ihren Plan weiter durch: sie lässt den Wayne-Tower hochgehen und hetzt die Stadt gegen Batman auf, der mutiert dank Man-Bat-Serum zur Fledermaus und besiegt Leviathan im Kampf. Erledigt wird er jedoch von Talias Schwert. Die Frau hat eindeutig ein Problem, ihr Temperament zu zügeln. Und das war schon immer das Problem mit der Figur: sie ist zu wankelmütig und unberechenbar. Wohl der alten Zeiten wegen küsst Batman sie bevor er sie im Schwertduell bekämpft. Überzeugend ist derlei Zärtlichkeit längst nicht mehr.

Aber was sollte eigentlich dieser Riesen-Aufriss mit Batman Inc.? Welchen Zweck erfüllen die vielen internationalen Batmen, die zuvor so ausführlich eingeführt wurden? Kurz: gar keinen. In dem großen Epos sind sie mehr oder weniger bloß schmückendes Beiwerk. Das enttäuscht. Wohl deshalb gibt es als Zugabe am Ende des zweiten Bandes noch ein paar Anekdoten von den anderen Batmen (z.B. aus Japan). Ein überflüssiger Anhang, der niemanden zu interessieren braucht.

Apropos überflüssig: Wir erfahren auch, wie Talia zur Welt kam und ausgebildet wurde, und wir bekommen wieder eine Vorschau in Damians Zukunft als Batman (wie in Batman and Son), der gegen die Folgen einer Joker-Epidemie kämpft. Damian benennt sich zwischenzeitlich von Robin zu Redbird um und baut sich mit Hund, Katze und Kuh einen Streichelzoo auf. Gipfel der Dämlichkeit ist, wenn die „Bat-Cow“ tatsächlich einmal im Cape auf der Straße steht und damit Verbrecher ausschaltet. Aber es gibt auch ein Wiedersehen mit Matches Malone – die Story hat also durchaus ihre Momente. Nachhaltig im Gedächtnis wird sie aber nicht bleiben.

Rückkehr auf Raten

DC Comics

DC Comics

Titel: Bruce Wayne – The Road Home (dt. Bruce Wayne – Der lange Weg zurück)

Autor/Zeichner: Fabian Nicieza, Mike W. Barr u.a./Cliff Richards, Ramon Bachs u.a.

Erschienen: 2010-2011 (ursprünglich acht One-Shots), Paperback 2011, dt. Panini 2011 (Paperback)


„Will my return cause more grief than when I was gone?“ (Bruce Wayne)

Lange schien Bruce Wayne zunächst tot zu sein, in Wirklichkeit war er verschollen in der Zeit, jetzt ist er von seiner Odyssee zurück. Aber statt wieder das Batman-Kostüm anzulegen, spielt er erstmal Theater: Statt sich zu erkennen zu geben, legt er sich die Identität „The Insider“ zu, steigt in einen High-Tech-Anzug, der die Fähigkeiten der Justice League vereint, und stalkt seine alten Weggefährten: Dick Grayson und Damian, die als Batman und Robin ein gutes Team ergeben, Tim Drake (Red Robin), Stephanie Brown (Batgirl), Selina Kyle (Catwoman), Barbara und James Gordon sowie die C-Heldengruppe, die Outsider. Jeden beobachtet er oder stellt ihn oder sie auf die Probe. Bruce erkennt schnell, dass alle ziemlich gut auch ohne ihn ausgekommen sind. Das bestärkt ihn darin, seine geheime Agenda zu verfolgen …

Zeitgleich machen Attentäter weltweit Jagd auf Stadtoberhäupter, aber das ist nur der äußere Anlass für Action. Die eigentliche Gefahr geht von der Reporterin Vicky Vale aus, die hinter Batmans Geheimidentität gekommen ist (siehe Battle for the Cowl) und damit an die Öffentlichkeit gehen will. Leider geht sie bei ihrer Recherche nicht allzu vorsichtig vor, sodass bald Gothams Unterwelt hinter ihr her ist – und Ra’s al Ghul. Aber da ist Bruce schon zur Stelle.

The Road Home ist keine Batman-Story, sondern eine Story über Bruce Wayne in einer Übergangsphase, die zu Batman Incorporated leiten soll. Batman wächst über die Familie hinaus zu einem weltweiten Unternehmen. Daher kommen hier auch so viele Nebenfiguren auf, auf die man sonst gut verzichten kann. Stark sind die Momente, die die Beziehungen zu den Verbündeten vertiefen, auch Batman in seinem neuen Anzug voller Gadgets kämpfen zu sehen, macht Spaß, auch wenn es zu übertrieben ist und zu sehr nach Batman Beyond aussieht. Die erste Hälfte ermüdet ein wenig, weil die Proben mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip laufen, in der zweiten Hälfte zieht die Vicky Vale-Handlung stärker an und gewinnt an Spannung. Was aber am meisten nervt, ist diese unnötige Geheimniskrämerei und diese Rückkehr auf Raten. Hier bleibt sich Bruce leider unangenehmerweise treu.

Von den Zeichnungen her ist bis auf das James Gordon-Kapitel, das von Szymon Kudranski genial stimmungsvoll inszeniert ist, kaum etwas der Rede wert. So ist The Road Home noch eine dieser mittelmäßigen Transit-Storys, durch die man durch sollte, wenn man das gesamte Bild haben will, aber kein Muss für Fans ausgefeilten Storytellings.