Ra’s al Ghul

Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 3)

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Michael Golden, Don Newton

Erschienen: 1978-1980 (DC Special Series #15, Detective Comics #485, 489, 490), Paperback 1991


Was bisher geschah: Ra’s al Ghul will Batman zu seinem Nachfolger machen und mit seiner Tochter Talia verheiraten (Tales of the Demon, Teil 1). Nachdem die ersten Versuche scheiterten und Ra’s ins Gefängnis kam, hat Ra’s einen Mord an Talia und ihm selbst inszeniert und Batman als Schuldigen dastehen lassen (siehe Detective Comics #444-448). Ra’s kam als falsche Leiche frei. Batman und Talia lieben immer noch einander, aber das ist zum Scheitern verurteilt.

Was jetzt geschieht: Ra’s al Ghul entführt Batman und erklärt ihn und Talia zu Mann und Frau. Dass Batman nicht einwilligt, spielt keine Rolle. In seiner Kultur, sagt Ra’s, reiche die Zustimmung der Braut und ihres Vaters. (Ich frage mich, in welcher Kultur das irgendwie praktikabel sein kann, aber sei’s drum.) Auch wenn Talia für ihn alles ist, was eine Frau sein soll (schön, intelligent, loyal), kann Batman diese Ehe nicht ernst nehmen.

Aber das Unfassbare geschieht in der Hochzeitsnacht: Batman schlägt Talia bewusstlos. Einfach so. Mit der Faust ins Gesicht. Dass er dabei um Verzeihung bittet, macht es kein bisschen besser. Batman schlägt seine Geliebte! Und das im Jahr 1978 – dagegen ist sein „Quiet or papa spank“ gegenüber Catwoman (Batman #1, 1940) harmlos.

Batman schlägt Talia K.O.

Allerdings ist unsere Talia nicht nachtragend. Nachdem Batman Ra’s an einem Diamantenraub gehindert hat, bewahrt sie Batman vor einer tödlichen Kugel und widersetzt sich ihrem Vater und gibt Batman den obligatorischen Abschiedskuss, als wäre nichts gewesen. Und tatsächlich sieht man nicht einmal einen blauen Fleck in ihrem Gesicht. Übrigens trägt sie in dieser Szene nur einen Bikini – warum auch immer. Beziehungsstatus: It’s complicated …

In den restlichen drei Kapiteln (Detective Comics #485, 489, 490) geht es dann weniger um Ra’s al Ghul als um die League of Assassins und ihren Anführer Sensei. Die ehemalige Batwoman Kathy Kane, die jetzt einen Zirkus betreibt, wird von den Attentätern ermordet. Da erscheint Ra’s am Tatort und Batman vermutet, dass er Kathy gegenüber Sensei als Bedrohung dargestellt hat. Klar ist nur: Ra’s versucht, totale Kontrolle über die League zu bekommen.

Ohne auch nur kurz um seine einstige Gefährtin zu trauern oder ein Wort in Gedenken über sie zu verlieren, jagt Batman den Attentäter: Bronze Tiger, einen Martial Arts-Meister mit Tigermaske. Als Batman ihn im Duell fast besiegt, will Sensei ihn umbringen lassen, der Tiger protestiert, dann will Sensei auch ihn töten lassen und Batman muss ihm das Leben retten.

Schließlich plant Sensei, Religionsvertreter bei einem Friedenstreffen zu töten. Wie es sich für Terroristen gehört, geht er nicht den einfachsten Weg, sondern will das Haus mit einem Erdbeben zum Einsturz bringen. Ein Geologe soll ihm dabei helfen. Und dann wird es absurd: Auf der Flucht vor den Bösen platzt der Geologe in ein Bingo-Spiel rein und zerstört auf der Nummernanzeige zwei Zahlen. Der Vorfall steht dann in der Zeitung, Alfred liest Bruce den Artikel vor und dann schließt Bruce, dass der Mann ihm damit einen Ort auf der Karte vermitteln wollte. Er hätte auch einfach die Polizei anrufen können. Aber wie gut, dass Alfred so aufmerksam die Panorama-Seiten liest und Batman Gedanken von Wirrköpfen lesen kann …

Noch absurder endet eine Verfolgungsjagd auf einem Rummelplatz: Ein Attentäter entführt den Geologen und fährt mit ihm erstmal Achterbahn. Vielleicht hätte jemand dem Mann mal sagen sollen, dass er damit nicht weit kommt, aber Batman hat natürlich wieder mal eine halsbrecherische Herausforderung zu meistern. Er hätte allerdings einfach warten können, bis der Wagen wieder am Ausgangspunkt zurück ist.

Und als man denkt, es geht nicht mehr blöder, legt Dennis O’Neil noch einen drauf: Als sich Batman mit dem Batgyro dem Versammlungsort der Religionsvertreter nähert, ordnet James Gordon ohne zu zögern an, auf ihn zu schießen. Batman stürzt ab. Als er kurz darauf Gordon trifft, scheint er allerdings nicht nachtragend zu sein. Allerdings scheint Gordon seinem Freund auch dann nicht zu vertrauen, als dieser ihn vor den kommenden Gefahren warnt. Batman wird ziemlich sauer. Sensei nutzt die Chance und haut ab.

Als am Ende Ra’s auftaucht, ist immer noch nicht klar, ob er mit dem Mord an Kathy Kane zu tun hat. Batman will ihn festnehmen, aber da schießt ihm Talia einen Betäubungspfeil in den Rücken. Später wacht er bei ihr in einem idyllischen Landhaus auf und alles scheint vergeben und vergessen. (Vielleicht weil er noch Gewissensbisse wegen des Schlags hat?) Von Talia überredet gönnt sich Batman mal einen Tag Ruhe. Was das bedeutet, bleibt der Fantasie der Leser überlassen.

Damit enden die Tales of the Demon so unbefriedigend wie unüberzeugend. Abgesehen von der fragwürdigen Handlung erschließt sich nicht, was Batman, der sonst so Unbestechliche, an Talia findet. Er weiß nichts über sie, außer dass sie ihn mehrfach belogen und hintergangen hat, sie ist alles andere als loyal, sondern extrem sprunghaft, aber im Zweifel dem Vater ergeben. Kurz: Wenn sie keine Verbrecherin ist, ist sie zumindest eine Helferin. So eine Beziehung ist toxisch. Batman fällt hier mehr aus der Rolle als er es bei Catwoman und anderen Frauen getan hat. Das muss wohl wahre Liebe sein …

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

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Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 2)

 

Titel: Bat-Murderer/Break-In At The Big House/Slaughter in Silver/Enter: The Creeper/Bedlam Beneath the Big Top

Autor/Zeichner: Len Wein/Jim Aparo, Ernie Chan

Erschienen: 1975 (Detective Comics #444-448), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


„The Batman has gone stark, raving mad!“

Was bisher geschah: Der mysteriöse Ra’s al Ghul hat herausgefunden, dass Batman Bruce Wayne ist (Tales of the Demon, Teil 1). Er hat ihn mit einer fingierten Entführung seiner Tochter Talia und von Robin getestet, um ihn zu seinem Wunschnachfolger und Schwiegersohn zu erklären. Daraus wurde nichts. Batman durchschaute, dass Ra’s nichts Gutes vorhat und hat ihn im Duell zur Strecke gebracht.

Was jetzt geschieht: Als Batman eine neue Bande an einem Juwelenraub hindern will, entpuppt sich zuerst die Anführerin als Talia al Ghul, Tochter von Ra’s al Ghul. Und als Batman sie festhalten will, wirft sie ihm seine Pistole zu und flieht. Er hält sie auf, indem er ihr in den Rücken schießt. Talia stirbt und die Polizei will Batman wegen Mordes festnehmen.

Moment mal: Wie kann das sein? Aber die Beweislage ist eindeutig: Batman hat auf Talia gezielt und sie erschossen. Doch Batman beteuert seine Unschuld: Jemand habe ihn da reingeritten. Er flieht vor der Polizei und sucht im Knast Ra’s al Ghul auf. Doch kaum spricht er ihn an, erschießt dieser sich selbst. Jetzt wird Batman wegen zweier Morde gejagt. Was ist hier los?

Nach einem Intermezzo um einen Silber-Schmuggler, das nichts mit der Handlung zu tun hat (Detective Comics #446), trifft Batman auf den Creeper, der ihn zuerst dingfest zu machen versucht und dann mit ihm gegen Löwen kämpft. Als Batman das Grab von Ra’s al Ghul öffnet, ist es zunächst leer und als die Polizei eintrifft, scheint doch eine Leiche darin zu liegen.

Schließlich führt die Spur zu einem Zirkus. Doch der ist nur Fassade des Schurken. Ra’s tarnt sich als Strongmen-Zwerg, Talia als Schlangenbeschwörerin (und damit auch als verführerische Eva). Mir ist nicht klar, was der ganze Aufwand soll, aber am Ende kommt alles so, wie man es sich längst gedacht hat: Ra’s hat das alles sehr aufwendig (und überkompliziert) inszeniert, damit Batman zum gesuchten Verbrecher wird und sich, da ihm keine andere Wahl bleibt, dem Schurken anschließt. Batman sagt natürlich nein, er prügelt sich, der Zirkus geht in Flammen auf, Ra’s verschwindet.

Am Ende meint Talia, Batman dürfe sich geehrt fühlen: „You are honored, beloved! My father would go to such extremes for no other man!“ Doch Batman ist angewidert. Spätestens hier müsste er merken, dass Talia keine Frau für ihn ist. Aber schon bei ihrem ersten Wiedersehen können sie nicht die Finger voneinander lassen – es ist zum Verzweifeln …

Diese Geschichte fehlt leider in dem Sammelband Tales of the Demon. Zugegeben: Sie hat ihre Schwächen, aber nicht mehr als die anderen. Dabei ist sie zumindest wichtig, um zu erfahren, wie Ra’s al Ghul aus dem Gefägnis gekommen ist. Aber leider lässt eine vollständige Ausgabe dieser Comics aus den 70ern noch auf sich warten. So klafft eine Lücke.

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Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 1)

DC Comics

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bob Brown, Neal Adams, Irv Novick

Erschienen: 1971-1972 (Detective Comics #411, Batman #232, 235, 240, 242, 243, 244), Paperback 1991


Die Geschichte von Ra’s al Ghul beginnt ungewöhnlich geheimnisvoll. In den ersten Auftritten erfährt man so gut wie nichts über die Herkunft, Fähigkeiten und die Motive des Schurken. Er bleibt ein mysteriöser Machtmensch – und seltsamerweise stellt Batman auffallend wenig Fragen, um das Rätsel zu klären.

Batman trifft zuerst dessen Tochter Talia, nachdem sie von Doctor Darrk, dem Anführer der League of Assassins, entführt worden ist (Detective Comics #411). Mit dieser tödlichen Geheimorganisation hatte es Batman bereits in Detective Comics #405-406 (1970) zu tun. Ein Hinweis führt ihn nach Asien, wo er gefangengenommen und mit Talia eingesperrt wird. Die Hintergründe bleiben vage. Sie erklärt ihm, dass Darrk irgendein Geschäft mit ihrem Vater hatte. Batman darf sie dann gegen einen Stier verteidigen. Doch als er Darrk der Polizei übergeben will, zückt der Schurke ein Messer, Talia schießt auf ihn und er fällt vor einen Zug.

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Erst in Batman #232 trifft Batman Ra’s al Ghul. Zuerst wird Robin von Unbekannten entführt, dann taucht plötzlich Ra’s in der Bathöhle mit seinem Diener Ubu auf, erklärt ihm, dass er Batmans wahre Identität herausgefunden habe und dass auch Talia entführt worden sei (schon wieder). Batman soll ihm helfen, sie wiederzufinden. Eine Spur führt sie nach Kalkutta. Batman muss gegen einen Leoparden kämpfen und sich beim Bergsteigen gegen Attentäter wehren.

Doch dann wird ihm klar: Die ganze Sache stinkt. Talia ist nicht entführt, Ra’s hat den Aufwand nur betrieben, um Batman zu testen. Er will Batman zu seinem Nachfolger und zum Schwiegersohn machen – Talia sei verliebt in ihn. Und im letzten Panel zeigt sie es ihm, indem sie ihn küsst. Batman schaut entsetzt. Aber mehr passiert nicht. Die Geschichte ist plötzlich zu Ende und erst drei Ausgaben später sehen wir Ra’s und Talia wieder, allerdings seltsamerweise ohne dass die ganze Nachfolge- und Heiratsthematik eine Rolle spielt.

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In Swamp Sinister (Batman #235) bekommt Bruce Wayne eine Leiche per Post zugeschickt, kurz darauf taucht Ra’s al Ghul auf und bittet mal wieder um Hilfe. Batman soll eine Chemikalie wiederfinden, die dazu benutzt werden kann, eine tödliche Seuche herzustellen. Diese hat ihm ein ehemaliger Mitarbeiter gestohlen. Wieder hilft ihm Talia und am Ende gibt es wieder ein Küsschen auf die Wange. Batman ist nicht besonders erfreut, denn Talia hat sich hier als mordlüstig erwiesen. Aber sie ist sich sicher, dass sich seine Meinung bald ändern werde.

In Vengeance for a Dead Man (Batman #240) beginnt die Story damit, dass Batman bei einer Ermittlung in einem Mordfall auf Talia trifft (wieder gibt’s einen Schmatzer). Der Leiter einer Forschungseinrichtung wurde ermordet und der Leiche wurde das Gehirn entfernt. Der Mörder ist schnell gefunden, aber als Talia ihm ein Wahrheitsserum verabreichen will, drückt sie ihm ein Amnesie-Mittel rein – aus Versehen, wie sie behauptet.

Batman glaubt ihr kein Wort. Er verfolgt sie, als sie mit dem U-Boot in ein Unterwasser-Versteck ihres Vaters. Ra’s al Ghul hat das Gehirn des Toten nicht nur konserviert, sondern auch zum Sprechen gebracht, weil es für ihn wertvolle Informationen über die US-Außenpolitik hat. Diese könnten ihm helfen, mit seiner Organisation eine bessere Welt zu schaffen, und dazu gehört, dass Batman Talia zur Frau nimmt.

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Erst jetzt sagt Batman Ra’s die Meinung: Er will nicht. „You’re mad … Insane with the need for power! I’ve never realized it until this moment!“ Manchmal hat auch der weltbeste Detektiv eine lange Leitung. Und offenbar hat Batman, der sonst so gründlich Nachforschungen anstellt, seine Hausaufgaben nicht gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass er abgelenkt war, in Gedanken bei Talia. Indirekt gesteht er ihr, dass er sie so liebt wie sie ihn. Aber Vater und Tochter schaffen es, abzuhauen noch bevor Batman etwas dagegen tun kann – und auch bevor das Gehirn Ra’s sagen kann, was er wissen will. Ist wohl doch nicht so wichtig, denn es geht später ja auch ohne.

Danach betreibt Batman einen immensen Aufwand, um Ra’s al Ghul zu finden. Zuerst inszeniert er Bruce Waynes Tod, dann nimmt er die Identität eines Gauners an, der auf der Flucht vor ihm von einem Querschläger getötet wird: Matches Malone. (Das Alter Ego soll ihm später noch viele gute Dienste bei Undercover-Ermittlungen erweisen.)

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Als Matches verhindert er, dass einer von al Ghuls Schergen, Lo Ling, einen Wissenschaftler entführt, Harris Blaine, weil er an „etwas“ arbeite, was ihm nützlich sei. Wieder bleibt dieses Etwas vage. Batman bittet Blaine, ihm dabei zu helfen, Ra’s al Ghul aufzuhalten. Alleine schaffe er es nicht, bisher sei es nur zum Unentschieden zwischen ihnen gekommen, aber er müsse besiegt werden, weil er besessen von weltweiter Macht sei und eine Diktatur des Verbrechens errichten wolle.

Hier könnte man stutzig werden: Was hat Batman eigentlich gegen Ra’s? Und was genau hat er gegen ihn in der Hand? Batman hat Ra’s vorgeworfen, unmenschlich gehandelt zu haben, indem er das Gehirn zum Sprechen brachte. Aber Ra’s wandte ein: „It it inhuman to prolong life in whatever form?“ Der Punkt geht klar an ihn: Er hat ein Bewusstsein vor dem Tod bewahrt. Das Ganze mag zwar geschmacklos erscheinen, aber getötet hat er bislang nicht. Angegriffen haben seine Leute nur Batman, aber das nur als Reaktion auf sein Eindringen. Und mehr als Andeutungen hat Ra’s über seine Pläne auch nicht gemacht. Worüber regt sich Batman eigentlich auf? Ist er noch nachtragend wegen Robins Entführung? Auch wenn sie prinzipiell justiziabel gewesen wäre, war die ganze Sache bisher ziemlich harmlos …

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Batmans Motiv bleibt also noch schleierhafte als das seines Gegners. Aber zunächst ist da die Sache mit dem Handlanger Ling. Batman rettet ihm das Leben, aber weil Ling jetzt bei zwei Herren in einer Lebensschuld steht und sich das nicht verträgt, entscheidet sich Lings Loyalität in einem Messerduell mit Batman. Gemeinsam mit Blaine fliegt er als Matches in die Schweiz, wo Ra’s untergetaucht ist. (Wieder Berge!) Ihnen schließt sich die Skifahrerin Molly Post an, die auch noch eine Rechnung mit dem Schurken offen hat.

Jeder der vier macht sich auf der Quest nützlich und als sie endlich zu Ra’s Versteck vordringen, ist ihr Gegner tot. Kurz darauf wird er in der Lazarus-Grube versenkt und wiederbelebt. Wahnsinnig verfolgt er die vier Helden, verletzt Ling und schlägt Batman K.O., dann haut er mit Talia in einem Hovercraft ab. Molly versucht ihn aufzuhalten, aber wird dabei verletzt. Batman muss sich um sie kümmern und kann Ra’s nicht weiter verfolgen.

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Er findet ihn kurz darauf trotzdem: in der Sahara. Ra’s zollt dem Detective seinen Respekt und bietet ihm eine Chance: Es kommt zu einem Duell mit Schwertern. Batman kämpft oben ohne, aber mit Maske. Batman wird von einem Skorpion gestochen, Ra’s überlässt ihn dem Tod, aber Talia verabreicht ihm bei einem letzten Kuss ein Gegenmittel und so kann Batman doch – mit einem finalen Faustschlag – triumphieren.

Talia kommt natürlich ungeschoren davon. Es gibt sogar noch einen großen Abschiedskuss. Warum er sie verschont, bleibt auch hier unklar. Batmans Urteilskraft scheint bei ihr sehr getrübt zu sein. Allerdings scheint es sich von selbst zu verstehen, dass ihre Liebe keine Zukunft hat. Immerhin liefert Batman Ra’s den Behörden aus.

Damit endet die erste große Ra’s al Ghul-Story. Bemerkenswert ist, dass diese Geschichte zwar über ganze sieben Ausgaben erzählt wird, aber nicht direkt hintereinander. Zwischen den ersten Kapiteln liegen stets mehrere Ausgaben, erst die letzten drei bilden eine durchgehende Story. Erst nach und nach werden Informationen preisgegeben, aber die eine große Erklärung gibt es nicht. Vieles bleibt offen, vor allem, was Ra’s überhaupt will und wie er es erreichen will.

Am Ende erklärt er selbst, dass er sich weder für einen Kriminellen noch ein Genie hält, sondern für einen Künstler: „I have a vision … of an earth as clean and pure as a snow-swept mountain … or the desert!“ Er will auf der Erde Harmonie herstellen. Wie das gehen soll, bleibt unklar. Die Vernichtungspläne, für die er später berüchtigt sein wird, formuliert er hier noch nicht. Aber Batman bleibt dabei: Ra’s ist irre. Das muss wohl der untrügliche Instinkt des Detektivs sein.

(Fortsetzung folgt.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Jokers Junggesellenabschied für Batman

DC Comics

Titel: Preludes to the Wedding

Autor/Zeichner: Tim Seeley, Tom King/Clay Mann u.a.

Erschienen: 2018 (5 One-shots, DC Nation #0)


„Keep it simple.“ (Joker)

Batman und Catwoman wollen heiraten. Der Joker ist nicht eingeladen. Er ist beleidigt. Also läuft er Amok. Zuerst sucht er einen zufällig ausgewählten Mann heim und terrorisiert ihn. Diese ersten acht Seiten, geschrieben von Tom King und gezeichnet von Clay Mann, sind der größte Höhepunkt in Preludes to the Wedding. Hier gibt es Spannung und einiges zu lachen.

Danach hetzt der Joker vier Schurken auf Batman, indem er ihnen von der Hochzeit erzählt – und keiner ist von der Sache begeistert. Robin nimmt es mit seinem Großvater Ra’s al Ghul auf, Nightwing mit Hush, Batgirl mit Riddler und Red Hood mit Anarky. Wie immer geht es dabei um alte Wunden, die aufreißen. Um Enttäuschungen und Eifersucht. Jeder dieser Schurken hat eine persönliche Rechnung offen mit Batman.

Besonders persönlich wird es, wenn sich am Ende Harley Quinn den Joker vornimmt. Harley tut so, als wollte sie ihn umbringen, die Frage ist, ob sie ihn wirklich töten will, aber natürlich schafft er es, sich aus zwei Todesfallen zu befreien. Am Ende ist er der Sentimentale, der es nicht übers Herz bringt, seine alte Komplizin zu töten.

Preludes to the Wedding ist das Gegenstück zu den beiden Batman-Bänden Rules of Engagement und Bride or Burglar. Während da Batman, bevor er sich an Catwoman bindet, die Frauen in seinem Leben wiedertrifft, sind es hier die Männer, die noch einmal ihr Verhältnis zu Batman Revue passieren lassen.

Natürlich ist Joker der Eifersüchtigste von allen, denn zwischen ihm und Batman besteht schon immer eine ganz besondere Verbindung – und das nicht erst seit Frank Miller beide im Liebestunnel intim werden ließ. Im Grunde inszeniert der Joker hier einen Junggesellenabschied für seinen liebsten Feind, nur das der Bräutigam meist nicht anwesend ist. Es ist ein verkappter Akt der Liebe auf Umwegen, der daher tragischerweise unerwidert bleibt und schließlich damit endet, dass der Joker versucht, die Hochzeit zu sabotieren.

Tiefsinnigere Erkenntnisse bekommt man in diesen kurzweiligen Kapiteln zwar nicht, aber dafür solide Unterhaltung. Aber einmal überrascht Autor Tim Seeley dann doch, wenn er den eigentlichen Jungesellenabschied (Batman, Nightwing, Superman) in eine Dimension bringt, die von Gestalten bevölkert wird, die nur noch gesichtslose Schatten echter Menschen sind, lauter vertane Chancen aus unserer Welt. So viel Gesellschaftskritik bekommt hier nicht einmal Anarky hin.

Das Mädchen, das ein Schatten war

DC Comics

Titel: League of Shadows

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Marcio Takara, Christian Duce

Erschienen: 2017 (Detective Comics #950-956), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 3)


„The course of history is not guided in the light. It is guided in the shadows.“ (Ra’s al Ghul)

„There’s so much that still doesn’t make any sense.“ (Batman)

Einst galten sie als ein Mythos, den Ra’s al Ghul in die Welt gesetzt hat, jetzt treten sie in Erscheinung: die League of Shadows. Shiva (auch bekannt als Lady Shiva), früher beste Auftragskillerin bei der League of Assassins, führt die Bande an, um Gotham City zu vernichten. Der Grund: Weil Ra’s al Ghul die Stadt im Hintergrund beherrscht. (Was sind dagegen schon zehn Millionen Menschenleben?)Die Bande stiftet zunächst Chaos in Gotham, indem sie Bürgermeister Hady ermordet und Batman die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dann lässt sie Joker-Gas frei. Schließlich soll die Stadt mit einer Atombombe in die Luft gejagt werden.

Die Batman-Familie hat viel zu tun. Batwing und Azrael bekommen jeweils ein Schwert ab, später auch Batwoman. Batman wird von Ra’s in der Bathöhle ausgetrickst und an Shiva ausgeliefert. Jetzt kann nur noch Cassandra Cain alias Orphan helfen, Shiva aufzuhalten. Es kommt zum Kampf Tochter gegen Mutter. Und es fließt sehr viel Blut.

Cassandra steht im Mittelpunkt der Story. Wir erfahren, dass sie gerne tanzen würde und deshalb eine Baletttänzerin stalkt, und dass sie zwar zur Killerin ausgebildet wurde, aber nicht mehr töten will. Deshalb schafft sie es, 1000 Schattenligisten blutig zu prügeln und mit dem Schwert zu malträtieren, ohne dass einer dabei drauf geht. Mein Problem dabei ist: Wenn ich eine Batman-Story lese, will ich eine Story über Batman lesen, nicht über einen Nebencharakter. Aber Batman bekommt man hier nur wenig.

Detective Comics ist seit dem Neustart von DC Rebirth eben eine Serie über ein Bat-Team und jedes Mal liegt der Schwerpunkt auf einem anderen Charakter: Batwoman, Spoiler oder jetzt eben Orphan. Das Problem ist, dass es die Nebenfiguren hier eigentlich nicht braucht, außer als Kanonenfutter. Sie stehen syptomatisch für eine einfallslose Handlung nach altem Muster, ohne sich zumindest die Mühe zu machen, die Motivation der Schurkin plausibel zu gestalten. Mag sein, dass sich das ein oder andere aufklären wird, wenn noch der große Krieg kommt, den Batman vorausahnt, aber ehrlich gesagt: Ich will’s gar nicht wissen.

Was bisher geschah:

Neues Gotham, alte Probleme

DC Comics

Titel: New Gotham (frühere Ausgabe: Evolution)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Shawn Martinbrough (u.a.)

Erschienen: 2000 (Detective Comics #742-753), Paperback 2001 (Evolution, bis Detective Comics #750), Neuausgabe 2017 (New Gotham)


„Gotham is still Batman’s city.“

Das No Man’s Land ist überstanden, Gotham wird wiederaufgebaut. Aber auch das Verbrechen kehrt wieder zurück. Fünf Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft in Gothams Unterwelt. Da mischt sich Ra’s al Ghul ein, indem er zwei Profikiller losschickt, die den Kampf zu einem Krieg eskalieren lassen. Sein Ziel: eine neue Droge auf den Markt zu bringen, die den Menschen ewige Jugend verspricht, aber den Nebeneffekt hat, sie in halbe Tiere zu verwandeln. Batman verfolgt Ra’s bis nach Europa und trifft dabei auf Talia …

Doch diese Geschichte macht nur den kleinsten Teil der Handlung aus. Anders als andere Batman-Storylines dreht sich nicht alles um das Prinzip Held gegen Schurke. Den roten Faden bildet der Wiederaufbau und wie die Menschen mit den Folgen der zerstörten und abgeschotteten Stadt zurechtkommen. Viele haben alles verloren und sind weggegangen, andere sind geblieben – jetzt bilden die Dagebliebenen und Zurückgekehrten verfeindete Lager. Commissioner James Gordon trauert um seine Frau Sarah, die der Joker erschossen hat (siehe Niemandsland). Wir sehen, wie Detective Montoya ihren Geburtstag feiert. Bruce Wayne bekommt einen Bodyguard: Sascha Bordeaux, die in der Storyline Murderer/Fugitive eine Rolle spielen wird. Und zum Schluss wird gezeigt, wie Poison Ivy aus ihrem Revier im Robinson Park geholt wird, aber das ist ziemlich fade.

New Gotham (das zuerst als Evolution als Paperback erschienen ist) erzählt nichts von Substanz und ist erst recht kein Meisterwerk, aber es wäre wesentlich lesbarer, wenn die Zeichnungen besser wären. Zwar versucht man hier mit einer reduzierten Farbpalette etwas Neues (meistens gibt es nur ein bis zwei Farben neben Schwarz und Weiß), aber die Figuren von Shawn Martinbrough wirken so unbeholfen und leblos, das es keinen Spaß macht, mit dem Blick auf den Seiten zu verharren. Einzig die Cover von Dave Johnson bilden Oasen in dieser großen grafischen Wüste.

Die neue Paperback-Ausgabe dieser Comics schließt eine Lücke in der Sammlung. Aber wer wissen will, wie es nach dem No Man’s Land in Gotham weitergeht, sollte lieber gleich die nächsten Storylines wie Officer Down und Murderer/Fugitive lesen.

Am Ende der Ideen

Titel: All-Star Batman Vol. 2 – Ends of the Earth

Aut0r/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2017 (All-Star Batman #6-9), Hardcover 2017


„Because like it or not … this is a Batman story after all.“ (Batman)

Batman besucht Mister Freeze in der Arktis. Der Schurke hat sich in einer Forschungsstation verschanzt und Menschen aus dem kryogenischen Schlaf erweckt, damit sie ihm als Eiszombies dienen. (Nebenbei erfahren wir, was Victor Fries‘ Lieblingsgedicht ist.) Doch Batman interessiert sich nicht für Freeze, er will verhindern, dass ein tödliches Bakterium aus dem Eis freigesetzt wird. Obwohl er erfolgreich ist, findet der Tod seinen Weg in die Welt. Er bittet Poison Ivy um Hilfe, später sucht er den Mad Hatter auf. Verfolgt wird er von einer mysteriösen Spezialeinheit, den Blackhawks. Am Ende kommt es zum Showdown mit Ra’s al Ghul in Washington.

Ja, der gute alte Ra’s will mal wieder die Welt vernichten. Aus den altbekannten Gründen. Und Batman trickst ihn aus. Zweimal mit der gleichen Masche, nämlich mit Ra’s eigenen Mitteln. Vorher wird viel geredet, wenig gehandelt. Statt eine Detektivstory zu erzählen, lässt Autor Scott Snyder die Zwischenschritte aus und liefert uns nur vier Höhepunkte der Geschichte, den Rest trägt er in langen Sprechblasen nach. Das hat den negativen Nebeneffekt, dass jegliche Spannung auf der Strecke bleibt.

DC Comics

Stattdessen dreimal der gleiche Aufbau: Batman kommt aus der Ferne an einen abgelegenen Ort, er versucht es mit Worten, dann mit Gewalt. Doch die üblichen Verdächtigen handeln auch stets so, wie man es von ihnen erwartet, nichts davon hat mich nicht schon zigmal so gesehen. Mister Freeze und seine Nora-Mission, Poison Ivy und ihre Schlingpflanzen, Mad Hatter und seine alten Hüte. Und dass Bruce Wayne beim Mad Hatter schon wieder mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird (Joker! Bane! Riddler! Catwoman!) und das alles mal wieder im Alice im Wunderland-Stil – geschenkt.

An Ends of the Earth wird am deutlichsten, was Scott Snyder mit All-Star Batman wollte: Geschichten über die Schurken erzählen, zu denen er bisher noch nicht gekommen ist, zusammen mit einer Parade seiner Lieblingszeichner. Doch statt nach John Romita Jr. einen weiteren Zeichner zu engagieren, gibt es nun vier davon (Jock, Francesco Francavilla, Tula Lotay, Guiseppe Camuncoli), womit der Qualität nicht immer ein Gefallen getan wird.

Es wirkt, als wollte Snyder in kürzester Zeit möglichst viel unterbringen. Das wirkte auch schon in My Own Worst Enemy so, aber da hat es immerhin noch eine mitreißende (wenn nicht gar allzu reißerische) Story gegeben, hier ist alles nur eine Aneinanderreihung von vermeintlichen Höhepunkten, die in Wortwüsten und Klischees ersticken, ohne dem Altbekannten irgendetwas Neues abzugewinnen.

So ist Ends of the Earth mit Abstand das schwächste von Snyders bisherigen Batman-Comics geworden. Enttäuschend, dass seine bisherige Kreativität, für die er sonst bekannt geworden ist, hier offenbar erschöpft ist.

Mehr von Scott Snyder:

Drachenritter im Mittelalter

Titel: Dark Knight of the Round Table

Autor/Zeichner: Bob Layton/Dick Giordano

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-2)


Bislang war „Dunkler Ritter“ bloß eine Metapher. Hier aber wird sie beim Wort genommen: Batman wird ins Mittelalter übertragen. Oder besser gesagt: in eine Fantasy-Version davon. Die Geschichte spielt in England. King Arthur hat Ärger mit seiner Halbschwester Morgana, mit der er ein Kind gezeugt hat. Weil der Bastard Unheil verspricht, verbannt der König Familien aus dem Land, darunter die Waynemoors. Morgana, die auch noch eine Hexe ist, schickt fledermausartige Dämonen, um die Waynemoors dahinzuraffen. Der kleine Bruce überlebt und schwört Rache.

Den Rest kann man sich denken: hartes Training. Geschult wird er von Merlin, der in Form einer weißen Riesenfledermaus erscheint. Und am Ende zieht Bruce Rüstung und Schwert mit Drachensymbol an. Keine Ahnung, was dieser Umweg soll, wenn das Symbol ohnehin aussieht wie eine Fledermaus. Aber egal. Der Drachenritter Batman zieht in den Kampf gegen das austauschbare Böse. Da kommen Ra’s al Ghul und seine Tochter Talia ins Spiel …

Batmans Erzschurke ist auch schon der einzige nennenswerte Gegenspieler. Bis auf Alfred und einen Kurzauftritt von Robin gibt es kaum Wiedererkennungswert in diesem Elseworlds-Quark. Nicht einmal ein Joker als Hofnarr – aber das wäre wohl zu offensichtlich. Stattdessen gibt es nur das offensichtlichste und oberflächlichste Rittergedöns mit pathetischem, humorfreiem Gelaber und Gemetzel. Moral von der Geschicht: Es muss mehr als Rache geben. Für diese Erkenntnis muss man sich aber nicht durch fast 100 Seiten quälen.

Lektüre für Minuten

DC Comics

Titel: Private Casebook

Autor/Zeichner: Paul Dini/Dustin Nguyen

Erschienen: 2007-2008 (Detective Comics #840-845, DC Infinite Halloween Special #1), Paperback 2008


Paul Dini gehört zu den Legenden unter den Batman-Autoren: Miterfinder von The Animated Series, Autor von Mad Love, zuletzt schrieb er den autobiografischen Comic Dark Night: A True Batman Story. Doch schon in den Nuller Jahren durfte er lange Comics schreiben, wie The Resurrection of Ra’s al Ghul, Heart of Hush und Streets of Gotham. Daneben schrieb er auch eine Reihe von Kurzgeschichten; Private Casebook ist eine Sammlung davon.

Der Auftakt ist ein Epilog zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, der eigentlich im dazugehörigen Paperback besser aufgehoben wäre. Der auferstandene Schurke versucht wieder, in Gotham Fuß zu fassen. Aber Batman prügelt ihn nach Arkham. Aber das ist auch schon die stärkste Erzählung des Bandes.

Was sonst noch passiert?

In „The Wonderland Gang“ versammelt der Mad Hatter eine Gruppe von Handlangern, die wie er von Alice im Wunderland inspiriert sind. „The Suit of Sorrows“ macht eigenartigerweise einen Sprung zurück zu The Resurrection of Ra’s al Ghul, wo Batman eine historische Rüstung getragen hat. Hier geht er dem Geheimnis der Rüstung nach. Aber interessieren muss uns das nicht.

Zu einem Team-up mit der Zauberin Zatanna kommt es im Zweiteiler „Opening Night/Curtains“. Zusammen nehmen sie es mit einem neuen Bauchredner auf, einer Frau, die offenbar von Scarface besessen ist. Wir lernen die Frau mit sehr viel Vorgeschichte näher kennen, bevor wir uns wieder schnell von ihr verabschieden. Schließlich trifft Batman in „The Riddle Unanswered“ auf Catwoman, aber das ist eigentlich nicht nennenswert, ebenso wie die Halloweengeschichte am Ende.

Kurz gesagt: Man muss Private Casebook nicht lesen. Außer man braucht eine Klolektüre für Minuten oder belanglose Gutenachtgeschichten zum Einschlafen.

Ra’s al Ghul muss sterben

Titel: Death and the Maidens (dt. Der Tod und die Mädchen)

Autor/Zeichner: Greg Rucka/Klaus Janson

Erschienen: 2003-2004 (Mini-Serie #1-9, Detective Comics 783; Paperback 2004, Deluxe Edition 2017), dt. Panini 2005 (2 Sonderbände)


„… it’s always for the greater good …“

Ra’s al Ghul ist dem Ende nah: da Batman ihn von seinen Kurbädern in Lazarusgruben abhält, droht dem Erzfeind der baldige Tod. Er bietet dem Detective einen Deal an: wenn Batman ihm verrät, wo er eine Lazarusgrube findet, bekommt er einen Trank, dank dem er mit seinen toten Eltern sprechen kann. Doch da ist noch Nyssa, eine Tochter des Dämons, die ihren eigenen Plan verfolgt: Rache zu nehmen an dem, was ihr Vater ihr über Jahrhunderte angetan hat. Auch Talia wird Teil des Plans.

Anfangs habe ich mich etwas schwer damit getan, weil mich Klaus Jansons sperrige Zeichnungen abgeschreckt haben. Aber die Story hat mich dann doch sehr schnell eingenommen, dass das Buch zum regelrechten Pageturner wurde. Denn Death and the Maidens ist eine sehr persönliche Geschichte, die viel Wert legt auf innere Konflikte und Charaktere. Insofern gibt es hier kaum Batman zu sehen, im Vordergrund steht Bruce Wayne und sein Verhältnis zu seinen Eltern. Er muss sich die Frage stellen: Handelt er überhaupt in ihrem Sinne, wenn er sich als Batman verkleidet? Und spielt das überhaupt eine Rolle, ob er damit ihren Willen erfüllt?

Die Frage verliert sich gegen Ende, wenn es um den Familienkonflikt der al Ghuls geht. Aber der hat es in sich. Ra’s bekommt eine neue Tiefe: wir erfahren nämlich, dass er schon mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat, auch wenn er ihre Motive nicht teilte, hieß er dennoch ihren Genozid gut. Noch dramatischer wird es, dass er selbst seine Tochter Nyssa nicht vor dem Konzentrationslager bewahren wollte – alles „für das größere Wohl“, die Welt von allem Bösen, also den Menschen, zu befreien.

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen hervorragend. Und dann kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die Zeichnungen nicht den persönlichen Geschmack treffen. Death and the Maidens ist einer der besten Batman-Comics des neuen Jahrtausends. Es wurde höchste Zeit, dass er wieder neu aufgelegt wurde – in einer gebundenen Deluxe-Edition.

Die Geschichte um Ra’s al Ghul und seine Familie wird fortgesetzt in:

Außerdem empfohlen als Vorgeschichte: Son of the Demon.