Christopher Priest

Duell wegen nichts

DC Comics

Titel: Batman vs. Deathstroke

Autor/Zeichner: Christopher Priest/Carlo Pagulayan

Erschienen: 2018 (Deathstroke #30-35), Hardcover 2019


Es gibt diese Comics, die auf den ersten Blick ganz toll aussehen. Da wäre zum einen der Titel. Batman vs. Deathstroke. Das klingt nach: Kampf der Gegensätze, der Titanen, des Jahrhunderts. Aber wenn wir ehrlich sind, ist so eine Begegnung auch nichts Besonderes, weil Superheldencomics ständig von solchen Kämpfen leben. Wobei die Kämpfe meistens nur die Funktion haben, die Leser anzulocken, denn am Ende arbeiten die Gegner dann doch wieder zusammen.

Es gibt diese Comics, die dann auch von innen ganz toll aussehen. Präzise gezeichnete Figuren, herrlich dynamische Actionsequenzen, stimmungsvolles Zusammenspiel von Schatten und knalligen Farben. Das sieht alles so stark und edel aus, dass man gerne mehr für ein Hardcover mit Schutzumschlag bezahlt. Keine Frage: Das alles bietet Batman vs. Deathstroke.

Ist es dann überhaupt noch wichtig, was in den Sprechblasen steht? Nun, es gibt auch diese Comics, die ihre Prämisse, die den Kaufanreiz bietet, ziemlich weit herholen. Batman findet Papiere, die behaupten, dass Slade Wilson der Vater von Damian Wayne (Robin IV) ist. Batman stellt ihn zur Rede. Das heißt: Er springt durchs Fenster eines Hochhauses und würgt ihn mit einer Kette, stürzt mit ihm ab und stellt ihn dann zur Rede. So geht das unter Superhelden. Aber Deathstroke sagt, die Papiere seien gefälscht, er sei nicht der Vater.

Doch Batman gibt keine Ruhe. Er verbietet Slade, seiner Arbeit nachzugehen (sprich: Leute zu töten), solange die Sache nicht geklärt sei. Warum? Hier wird es bescheuert. Denn für einen Konflikt gibt es keinen Grund. Slade hat nie etwas behauptet oder Ansprüche gestellt und man könnte einfach weitermachen, als wäre nichts passiert. Aber Batman geht ihm ständig auf die Nerven, indem er ihm in die Quere kommt. In halsbrecherischen Manövern kämpfen sie immer wieder gegeneinander, bis es zum beinahe tödlichen Endkampf in der Bathöhle kommt.

Keine Frage: ein Spektakel. Wäre da nicht noch das ganze Gerede nebenher, bei dem sich die beiden gegenseitig zu Tode analysieren, um festzustellen, wer von ihnen der größere Spinner ist. Das geht sogar so weit, dass die beiden sich immer noch schlagen, wenn sie schon am Ende und aufeinander angewiesen sind.

Es gibt diese Comics, bei denen die Cover mehr versprechen, als geboten wird. Und es gibt die, bei denen etwas geboten wird, wonach niemand gefragt hat. In einem Kapitel ist Damian aus einem unerfindlichen Grund mit Deathstroke undercover unterwegs, die Geschichte ufert in eine belanglose Nebenhandlung mit Nightshade aus, die keinen interessieren muss. Nebenbei erfahren wir, dass die beiden Butler, Alfred und Wintergreen, miteinander befreundet sind. Aber welche Rolle das spielt, habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden.

Ich habe sogar einiges an dieser Geschichte nicht verstanden. Es gibt solche Comics, die komplizierter gemacht sind, als sie sein müssten, damit nicht auffällt, dass sie nicht so klug sind, wie sie tun. Am Ende spielt es auch keine Rolle, denn alles läuft doch nur auf ein Zurück zum Status quo hinaus. Total lächerlich wird es, als Bruce Wayne die Ergebnisse des DNA-Tests ungelesen ins Feuer wirft. Man kommt sich veralbert vor: WOZU DANN DER GANZE QUATSCH?

Niemand ist am Ende wirklich klüger, außer vielleicht durch die Erkenntnis: Man hätte sich den ganzen Ärger sparen können. Das gilt vor allem für die Leser.

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