Lois Lane

Superman heiratet, aber nicht wirklich

DC Comics

Titel: Superman Takes A Wife

Autor/Zeichner: Cary Bates/Curt Swan

Erschienen: 1978 (Action Comics #484), Hardcover 2018 (Action Comics: 80 Years of Superman)


„To me, you’ll always be a Superman!“ (Lois Lane)

Immer die alte Leier, von Anfang an: Clark liebt Lois, aber Lois liebt Superman – eine unglückliche Dreiecksbeziehung. Komplizierter wird es dadurch, dass Lois immer schon vermutet, Clark sei Superman, aber es nie beweisen kann. 40 Jahre lang steckte diese Konstellation in einer Schleife fest. Im Jahr 1978 traute sich DC endlich einen Schritt nach vorn, wenn auch nur auf der Parallelwelt Erde 2, wo man Ereignisse stattfinden lassen kann, ohne die Continuity zu gefährden.

Lois stellt in der Abstellkammer des Daily Planet eine Kamera auf, um Clark beim Umziehen zu filmen, aber auf dem Film ist – wohl wegen Supermans Röntgenblick – nichts zu sehen. Dann kommt es zum Pakt mit dem Schurken Colonel Future und einem Magier namens The Wizard: Letzterer soll Superman verschwinden lassen. Gesagt, getan. Superman verschwindet, dafür taucht er als Clark Kent auf, der sich seiner Kräfte nicht bewusst ist, aber trotzdem gegen Verbrecher kämpft.

Lois ist beeindruckt, Clark macht ihr einen Antrag und sie heiraten. In den Flitterwochen auf den Bahamas wird Clark erneut von Colonel Futures Leuten angegriffen und überlebt. Da ist sich Lois sicher, wen sie da geheiratet hat. Am Ende wird er vom Wizard wieder hergestellt und heiratet Lois noch einmal als Superman – auf kryptonische Art.

Verheiratet sind Lois und Clark auch in der „Imaginary Story“ Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (1986). Aber erst 1996 sollen Lois und Clark auch „wirklich“, also in der Haupt-Continuity, heiraten – zeitgleich mit der Hochzeit in der Serie Lois & Clark: The New Adventures of Superman. Auch da ist Clark nicht ganz er selbst, er hat seine Kräfte in der Final Night verloren. Das Wedding Album wurde von fünf Autoren geschrieben und 30 Künstlern gestaltet und viele von ihnen sind auch unter den Hochzeitsgästen. Die Trauung nimmt Superman-Schöpfer Jerry Siegel vor.

Mehr zum Thema:

Advertisements

Doppeldate mit Lois und Clark

DC Comics

Titel: Rules of Engagement (Batman Vol. 5)

Autor/Zeichner: Tom King/Joelle Jones, Michael Lark, Clay Mann

Erschienen: 2018 (Batman #33-37, Batman Annual #2), Paperback 2018 (Batman Vol. 5)


„I’ll always be second to a child’s idiotic fantasy.“ (Selina Kyle)

Kaum sind Batman und Catwoman verlobt, erleben sie ihr erstes gemeinsames Abenteuer als Paar. In der Wüste von Khadym treffen sie auf Talia al Ghul, wo sie sich Schwertkämpfe mit ihr liefern, wobei Selina länger durchhält als Bruce. Nebenbei erfahren die drei Robins und Duke Thomas erst von Alfred von der Verlobung und fragen sich, wieso Bruce ihnen so etwas vorenthält …

Dann kommt es zum Doppeldate zwischen Bruce, Selina, Superman und Lois Lane. Ein Kapitel lang geht es um die Frage, wer wen anrufen soll, um ein Treffen vorzuschlagen. Ein Kapitel lang sehen wir die vier auf einem Jahrmarkt. Weil das Motto Superhelden lautet, tauschen die beiden Herren und Damen ihre Kostüme: Batman wird zu Superman und umgekehrt. Lois Lane wird zu Catwoman und Catwoman zu Selina Kyle in Lois‘ Kleid. Und so plaudert man über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die Ehe.

Schließlich ist da noch ein sentimentales Schlusskapitel, in dem eine Episode aus der Anfangszeit von Batman und Catwoman erzählt wird, verbunden mit einer Zukunftsepisode über die letzten Tage des alten Paares.

Der fünfte Band von Tom Kings Batman-Serie ist der bisher ruhigste und nachdenklichste, aber auch der heiterste und emotionalste, aber obwohl ein Spannungsbogen fehlt, unterhält er besser als die meisten vorherigen. Da ist zum einen der Humor, der die Geschichten mit Ironie durchzieht, da sind zum anderen Highlights wie Batman und Superman beim Baseball. Man mag das lächerlich finden, aber Tom King bekommt es gut hin, dass es Spaß macht, ohne weh zu tun.

Und natürlich sind die Zeichungen von vorn bis hinten erstklassig: Mit Joelle Jones darf erstmals eine Frau an Batman ran und man fragt sich, warum das erst jetzt passiert, da mit Selina Kyle auch eine Frau dauerhaft in Batmans Leben tritt. Jetzt müsste man sie nur noch Batman schreiben lassen, aber so weit ist man bei DC wohl noch nicht …

Mehr Batman von Tom King:

Die letzte Superman-Geschichte

Titel: Whatever Happened to the Man of Tomorrow? (dt. Was wurde aus dem Mann von morgen?)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Curt Swan

Erschienen: 1986 (Superman #423, Action Comics #583), Paperback 1997, 2006 (DC Universe: The Stories by Alan Moore), 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?); dt. Panini 2010 (Paperback)


„I think I’m going to die, and there’s so much in my life I have to get straight …“ (Superman)

Nachdem die Crisis on Infitite Earths das DC-Universum auf Null gesetzt hat, wurde es Zeit, von Superman Abschied zu nehmen, wie man ihn kannte. Also erschien in den Serien Superman und Action Comics die letzte Story über den Helden – vor dem Reboot (Man of Steel). Doch dabei handelte es sich auch nur um eine „Imaginary Story“, eine „Was wäre wenn“-Geschichte nach der Tradition des Silver Age.

Im Jahr 1997 ist Superman seit zehn Jahren tot. Lois Lane, die geheiratet hat, gibt einem Reporter ein Interview darüber, wie es zum Ende des Helden gekommen ist. Viele Schurken waren bereits erledigt, als eine Kette von Ereignissen in Gang kam: Bizarro begeht Suizid, nachdem er Amok läuft. Toyman und Prankster enthüllen öffentlich, dass Superman Clark Kent ist. Brainiac ergreift Besitz von Lex Luthors Körper. Eine Bande Metallos stürmt den Daily Planet und greift Clark Kents Freunde an. Superman rettet sie in die Festung der Einsamkeit. Brainiac folgt ihm dorthin zum letzten Gefecht.

Niemand kann behaupten, Batman hätte es nicht versucht.

Es kommen noch viele andere Helden und Schurken wie der Kryptonite Man. Doch die meisten Helden können Superman nicht helfen, weil sie von einem Energiefeld abgeschirmt werden (selbst Batman kommt nicht rein, obwohl er mit einem Holzknüppel dagegen schlägt). Viele sterben – selbst Krypto, der Hund mit dem Cape. Am Ende ist der schuld, der bisher gefehlt hat: Mr. Mxyzptlk, der Quälgeist aus der fünften Dimension. Superman tötet ihn. Aber weil Superman nicht töten darf, bringt er sich daraufhin selbst um. Er läuft durch ein Lager mit Goldenem Kryptonit, wodurch er seine Kräfte verliert, und erfriert daraufhin im arktischen Eis.

Aber natürlich ist das eine Lüge: Superman lebt mit Lois Lane als Jordan Elliott (abgeleitet von Jor-El) und hat mit ihr ein Kind, das mit bloßen Händen Kohlenstücke in Diamanten verwandeln kann. Das bedeutet aber auch, dass Superman offenbar nicht darunter zu leiden scheint, seinen Widersacher getötet zu haben.

Eine seltsame Geschichte. Hier geht es darum, vieles zu einem Abschluss zu bringen, aber ohne kanonischen Anspruch. Das heißt, dass wir sehen nur ein mögliches Szenario, das zugleich als Hommage an die Comics aus den 50ern und 60ern dient. Trotz der abgehetzten Handlung findet sich Raum für Komtemplation: Superman geht davon aus, dass er sterben wird, und will noch einiges zum Abschluss bringen, wie etwa Lois seine Liebe gestehen.

23 Jahre später, als Batman starb, erschienen nach diesem Vorbild zwei „letzte“ Batman-Ausgaben: Whatever Happened to the Caped Crusader? von Neil Gaiman und Andy Kubert.

Mehr zum Thema:

Lois Lane hat einen Verdacht

DC Comics

Titel: Man or Superman?

Autor/Zeichner: Jerry Siegel/Joe Shuster

Erschienen: 1942 (Superman #17), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years)


„A work of art.“ (Superman)

Lois Lane mag zwar eine smarte Reporterin sein, aber was Superman angeht, ist sie nicht gerade die Hellste. Vielleicht liegt es daran, dass ihr beim Anblick des Mannes der Verstand aussetzt. Vielleicht ist das Supermans geheime Superkraft: So auf Lois Lane zu wirken, dass sie nicht erkennt, wen sie vor sich hat, nämlich Clark Kent.

Nach vier Jahren dämmert es ihr plötzlich: Könnte es sein, dass …? Da steht sie gerade noch mit Clark in der U-Bahn, plötzlich ist er weg, Superman hält den Zug vorm Entgleisen ab, Clark ist an der nächsten Station wieder da und telefoniert die Geschichte beim Daily Planet rein. Klar, dass Lois skeptisch wird. Clark redet sich raus. Lois bleibt skeptisch. Clark gerät ins Schwitzen. (Im Gegensatz zu Superman, der nie zu schwitzen scheint.)

Allein lässt Lois ihre Erinnerungen Revue passieren: Nie sind Clark und Superman zugleich zu sehen, denkt sie sich, und es gibt auch eine gewisse Ähnlichkeit der Gesichtszüge … Aber als sie sich klarmacht, was für ein geiler Typ Superman ist und was für eine mickrige Erscheinung ihr Kollege, da erscheint das Naheliegende plötzlich wieder absurd.

Es kommt zu einem dramatischen Höhepunkt: Der Schurke Talon entführt Clark Kent und Lois Lane und lässt sie – aufgepasst – in einem Glaskasten an einem Pendel über Clark schaukeln. Wenn es Mittag wird, soll sie auf ihn krachen und beide sind tot – so jedenfalls die graue Theorie, die sich natürlich nicht bewahrheitet, wenn der Schurke sich davonmacht, statt nach dem Rechten zu sehen. (Warum ausgeklügelte sadistische Todesfallen, wenn man nicht dabei sein kann, wenn sie töten sollen?!)

Clark hat aber eine viel dringendere Frage: Wie kann er Lois retten, ohne sich die Blöße zu geben? Denn das scheint fast noch wichtiger als das Retten von Leben. Die Lösung: Mit Supergeschwindigkeit und alten Lumpen. Er zieht sich schnell um, stopft Clarks Anzug aus, rettet Lois und während sie sich umsieht, wird er wieder zu Clark. Nach der atemberaubenden Performance sind alle Zweifel vergessen. Dann nimmt er noch den Schurken fest, absorbiert die Explosion einer Bombe und schreibt die Story runter bevor Lois es kann.

Hat eigentlich schon mal jemand hinterfragt, wie Clark als Reporter arbeitet? Indem er ständig über sich selbst schreibt, verstößt er gegen einen Grundsatz des Journalismus! Ganz abgesehen davon, dass er ein Betrüger ist. Und was ist Perry White eigentlich für Chefredakteur, dass seine Reporter ständig unnötige Doppelarbeit leisten? Offenbar hat man beim Daily Planet Geld und Zeit zu viel. Das waren noch Zeiten, als sich die Zeitungen solche Späße leisten konnten …

Mehr zum Thema:

Frauentausch nach Gedächtnisverlust

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman/Superman Vol. 3: Second Chance (dt. Verlorene Helden)

Autor/Zeichner: Greg Pak, Jeff Lemire/Jae Lee u.a.

Erschienen: 2014 (Batman/Superman #10, 12-15, Paperback 2015) dt. Panini 2015 (Batman/Superman Bd. 4)


„Genau darum bleib ich in Gotham.“ (Batman)

Machen wir’s kurz: Batman und Superman verlieren ihr Gedächtnis. Batman bandelt mit Lois Lane an, Superman mit Catwoman. Bruce Wayne entdeckt die Vorzüge des Reichtums, der High Society und entwickelt Spaß am Imponiergehabe. Zusammen geht man gegen den Schurken Mangubat vor, zwischendrin sorgt auch Scarecrow für Ärger. Die Story lebt mehr von dem Frauentausch und dem Out-of-Character-Aspekt als vom Kampf. Ein Highlight: Lois Lane wird kurz zu Batgirl. Das ergibt zwar keinen Sinn und erfüllt keine Funktion, aber als Fan Service wird der schiere Anblick schon einige Leser erfreuen. Das Gleiche gilt für die wie immer beeindruckend gezeichneten Seiten von Jae Lee.

Batman/Superman Bd. 4 (Panini)

Batman/Superman Bd. 4 (Panini)

Leider stammen nicht alle Seiten dieses Bandes von ihm, auch wenn die übrigen Zeichner . Und leider gibt es da noch mehr an Geschichten: Superman und Atom reisen in Batmans Gehirn, Superman und Batman unternehmen eine folgenlose Reise nach Erde 2, was an ihre erste Begegnung anknüpft (Batman/Superman Vol. 1), aber kaum Mehrwert hat.

Eine weitere entbehrliche Fortsetzung der Serie der Belanglosigkeit.

Krieg um den Weltfrieden

Batman versus Superman, Teil 28: Injustice – Year One (2013)

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice – Gods Among Us: Year One (Vol. 1-2) (dt. Injustice – Götter unter uns)

Autor/Zeichner: Tom Taylor/Jheremy Raapack, Mike S. Miller u.a.

Erschienen: 2013 (Mini-Serie #1-12, Paperback 2013/2014/2016 Complete Edition), dt. Panini 2013-2014 (4 Bände)


„I am calling for an immediate world-wide ceasefire. All hostilities will stop immediately — or I will stop them. It’s over.“ (Superman)

Das Spiel Injustice ist der wahrgewordene feuchte Traum der Fanboys: Eine Kampfarena für Superhelden und -schurken. Story? Gibt’s zwar auch, muss aber nicht sein. Die Vorgeschichte dazu wird in einer Comic-Mini-Serie erzählt. Wer Comics zu Games verachtet, sollte diesem eine Chance geben: die Story lohnt sich.

Lois Lane ist schwanger von Superman. Der Joker entführt sie, klaut eine Atombombe, verkabelt Lois‘ Herz mit einem Zünder. Nachdem er Superman einem Angstgas aussetzt, sieht dieser in Lois Doomsday und tötet sie. Daraufhin wird Metropolis vernichtet, Millionen Menschen sterben. Superman dreht durch, ermordet den Joker und verkündet eine neue Weltordnung: mit Krieg ist Schluss. Schurken werden nicht geduldet. Der selbsternannte Wächter und seine Gefolgsleute erzwingen den Frieden – auch untereinander. Doch Batman ist dagegen und versammelt eine Allianz von Helden gegen die Diktatur von Superman. Dabei macht er sogar gemeinsame Sache mit dem US-Präsidenten. (In The Dark Knight Returns ist es andersrum, da pakiert Superman mit der Regierung.) Es kommt zu Verrat, Enttäuschung und einigen Tragödien. Vertrauen geht verloren, Freundschaften zerbrechen, Existenzen und Identitäten gehen zugrunde, Helden sterben.

Obwohl der Comic das alles sehr abgehetzt und in großen Bildern erzählt, bleibt die Geschichte nicht so oberflächlich, wie es zunächst scheint. Einzelne Kapitel legen den Fokus auf die Konflikte der einzelnen Protagonisten, wie etwa die ethische Grundsatzfrage, wie legitim es ist, Frieden zu forcieren. Es ist der Konflikt der Superhelden: einerseits sollen sie die Menschen retten, andererseits sollen sie sich auch nicht zu sehr einmischen. Sollen sie sich nur um Meta-Bedrohungen kümmern oder auch um Kriegstreiber, Menschenrechtsverletzer und Wirtschaftskriminelle? Und ist Mord gerechtfertigt, wenn man dadurch Massenmord verhindern kann? Die Figuren kommen in Gewissensnöte und verhandeln die Grundfrage. Es ist die Frage nach der Rolle Gottes und der Selbstverantwortung des Menschen. Es geht also um nichts Geringeres als die Theodizee.

Die Idee, Superman als totalitären Herrscher darzustellen, ist nicht neu. Schon Mark Millar hat das in seinem Klassiker Red Son (dt. Genosse Superman) getan, womit er bloß eine Idee aus World’s Finest #247 (1977) aufgegriffen hat. Bei Injustice geht der Faschismus aber auf ein Trauma zurück, den Verlust seiner zweiten Heimat und seiner Frau. Damit wird Superman wie Batman. Auch in seinen Methoden nähert er sich Batman an, indem er darauf setzt, Menschen Angst einzujagen. Batman wiederum ist die Stimme der Humanität, die mahnt, dass er Zweck nicht die Mittel heiligt. Er bleibt der unbestechliche Idealist. Die World’s Finest tauschen die Rollen.

Batman und Superman liefern sich zunächst ein Wortgefecht, in dem die Frage aufkommt, was Batman an Supermans Stelle täte. Batmans Antwort ist einfach: Superman sei der bessere Mensch von ihnen. Aber nach all dem Unheil, das Superman in bester Absicht anrichtet, ändert sich Batmans Meinung. Am Ende läuft alles auf ein Duell zwischen den beiden hinaus. Doch anders als erwartet wird es kein Kampf auf Augenhöhe. Superman wird nicht durch Kryptonit oder rotes Licht geschwächt, Batman nicht durch einen Anzug gestärkt. Der Dunkle Ritter weigert sich, Gewalt anzuwenden, weil er sich sonst nicht zurückhalten könnte. „I don’t think I can beat you without killing you“, sagt Batman. „And I’m not like you. I’m not a murderer.“ Superman tötet seinen Gegner nicht – er bricht ihm bloß das Rückgrat (wie einst Bane).

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

Injustice #12: Superman bricht Batman (DC Comics)

So packend die Story ist, leider schwankt die Qualität der Zeichnungen stark, da eine Reihe von Künstlern daran mitgewirkt hat. Manche Seiten sind grandios, andere mäßig. Trotzdem lohnt sich die Lektüre sehr, wenn man eine spannende wie hochdramatische Erzählung abseits der Continuity lesen will – auch wenn man das Spiel dazu nicht kennt.

>>> Weitere Abenteuer und Duelle von Batman und Superman

Superman von der Kette gelassen

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman Unchained

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jim Lee, Dustin Nguyen

Erschienen: 2013-2015 (Mini-Serie #1-9, Paperback 2015/2016) dt. Panini 2015 (Serie)/2016 (Paperback)


„You’re living in a place between. Don’t you see that? A limbo that can’t last.“ (Wraith)

„Your whole life is on a collision course with reality.“ (Wraith)

Raumstationen fallen vom Himmel, Wolkenkratzer stürzen ein – dahinter steckt die Terror-Organisation Ascencion – und Superman muss sich um alles allein kümmern. Dann attackiert ihn auch noch General Lane und hetzt eine Superwaffe auf ihn, den Außerirdischen Wraith, eine lebende Atombombe, die schon lange darauf wartet Superman zu töten. Zunächst beschützt Wraith ihn, dann verhaut er ihn ein bisschen, dann lädt er ihn zu sich nach Hause ein, dann haut man gemeinsam ein paar Roboter kaputt, tauscht Tipps aus, schließlich gibt’s wieder Keile untereinander. Parallel zu diesem Spielchen bricht Superschurke und Erzfeind Lex Luthor aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus (man hat es ihm sehr leicht gemacht) und versucht erneut, in aller Seelenruhe (Homer lesend und Origami faltend) Superman nun wirklich und endgültig umzubringen. Und am Ende gibt’s noch eine Alien-Invasion …

Aber davor versucht es noch General Lane, indem er über Supermans Festung der Einsamkeit herfällt. Parallel dazu dringt Wraith in die Bathöhle ein – und dort kommt es zu einer herrlichen Verwüstung: Batman wirft zunächst das Batplane auf den Schurken, dann alle Batmobile, die es je gab (kein Problem, da sie versichert sind). Wonder Woman kommt zur Hilfe und erschlägt Wraith mit dem Riesenpenny („Penny for your thoughts“), Wraith schlägt zurück mit dem Robo-Dinosaurier. Reiner Unsinn – aber wegen der Verspieltheit ist die Episode lesenswert, auch wenn Batman in der Story eigentlich keine Funktion hat.

Superman Unchained ist der Versuch von Autorenwunderkind Scott Snyder, nach Batman auch den anderen großen DC-Helden zu der Größe zu verhelfen, die ihm gebührt. Ob es gelingt, kommt darauf an, welche Ansprüche man stellt. Es ist, wie oben beschrieben, eine Story, in der viel zu viel passiert, aber eigentlich geht es die meiste Zeit um Keilereien im Großformat: Zuerst Superman gegen Wraith in der Horizontalen, einmal um den Globus, dann in der Vertikalen, ins All und zum Erdmittelpunkt. Die Alien-Bedrohung im Finale wird etwas lieblos abgehandelt. Superman mus selbst zur Bombe werden, um die Invasoren zu vernichten – er opfert sich, ohne Fragen zu stellen. Die Handlung wirkt beliebig. Star-Zeichner Jim Lee illustriert das Ganze zwar in der gewohnten epischen Qualität – larger than life -, aber an diesem detailversessenen Stil hat man sich mittlerweile sattgesehen. Aufgelockert wird der Stil durch die Kapitel von Dustin Nguyen, der einen etwas ‚künstlerischeren‘ Einschlag hat.

Panini

Panini

Immerhin bemüht sich Snyder mit der Backstory aus Clarks Jugend in Smallville um ein wenig Charaktertiefe. Und mit Lex Luthors Monolog gelingt ihm auch eine interessante, weil äußerst kritische Analyse der Figur:

„… Superman, whoever he is, is trial and error. (…) He avoids a situation and it worsens; next time, he involves himself. The point I’m making is that Superman doesn’t stand for anything. He’s just a man, stumbling through life. He’s not a great beacon, he’s barely a candle, lighting a path for himself the best he can. And as we all know, eventually … candles go out.“

Superman als Fehlender, der seinen Weg durch die Dunkelheit sucht – das ist ein treffendes Bild. Man muss ihn wohl so darstellen, wenn man ihn von seinem Pfadfinder-Image abbringen will. Er soll mehr Mensch als Übermensch sein. Das Dilemma ist: Als Suchender nach sich selbst scheint der Charakter nie irgendwo anzukommen, wodurch sich diese Ichfindung schnell erschöpft. Wenn er aber seinen Charakter definiert, wirkt er zu perfekt – und damit auch langweilig. Dass man diesen Widerspruch nicht auflösen kann, wird wohl immer das Problem an Superman bleiben.

Das ist Selbstmord

Batman versus Superman, Teil 24: Dawn of Justice (2016)

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Batman v Superman – Dawn of Justice

Regie/Drehbuch: Zack Snyder/Chris Terrio, David S. Goyer

Erschienen: 2016


„Ich bin ein Freund Ihres Sohnes.“ (Batman zu Martha Kent)

Was ist der Reiz von Comicverfilmungen? Genauer gesagt: Von Superhelden-Verfilmungen? Es geht darum, gezeichneten Figuren Leben einzuhauchen. Sie mit echten Darstellern, also Menschen, der Realität ein wenig näher zu bringen. Und den Zuschauer ein wenig mehr dem Unmöglichen. Superheldenfilme sind dem Rezipienten etwas näher als Comics. Sie geben die Aussicht auf einen besseren, stärkeren und edleren Menschen. Sie enthalten das Versprechen: auch du könntest ein Superheld sein, ein Gott. Wie Christopher Reeve und Christian Bale. Oder neuerdings: wie Henry Cavill und Ben Affleck. Alles, was es dazu braucht, ist ein schickes Kostüm und ein paar Spezialeffekte aus dem Computer. – So scheint es jedenfalls.

Bei dem ersten Gipfeltreffen von Batman und Superman im Kino geht es genau darum: um den Kampf zwischen Mensch und Gott. Superman ist ein zweifelhaftes Wesen zwischen Erlöser und Bedrohung, Batman agiert als Korrektiv und Katastrophen-Prävention. Man kann sich kaum einen besseren Konflikt für einen großen Film vorstellen, ausgetragen von zwei der ikonischsten Figuren. Und Batman v Superman hat auch sonst alles, was es braucht, um diesen Konflikt glaubhaft und packend auszutragen. Und dennoch macht der Film alles falsch.

Kaum Aufarbeitung

Zunächst: er ist schlicht langweilig. Regisseur Zack Snyder schafft es zu keinem Zeitpunkt, für seine Geschichte Interesse zu wecken. Er scheint sich selbst auch für keinen Charakter zu interessieren – immer noch, denn das war schon bei Man of Steel das Problem. In Sachen Farbgebung hat man zwar aus den Fehlern gelernt, nun ist alles in Sepia getaucht statt in Grau, aber die Fortsetzung macht fast genauso wenig Spaß wie der Vorgänger. Der neue Film ist überfrachtet mit öden Subplots, führt wichtige Charaktere wie Lex Luthor und Wonder Woman kaum ein, entwickelt sich schwerfällig und wenn es endlich zur Hauptsache, dem Kampf der Titelhelden kommt, hat Snyder bereits jegliche Spannung verspielt. Statt den Kulturschock und den Schaden stärker aufzubereiten, den die Vernichtungswelle durch Superman und Zod hinterlassen hat, tritt ein kaum ausgeführter, aber umstrittener Einsatz Supermans gegen irgendwelche Terroristen in den Vordergrund.

Das Gleiche passiert auch mit Batman: Abgesehen davon, dass seine Keilerei mit Superman viel zu kurz kommt, tritt der dahinterstehende Konflikt zu schnell in den Hintergrund, als die Entführung von Martha Kent durch Lex Luthor alles verdrängt. Dass der zum Äußersten bereite Batman seine Mordabsichten an Superman vergisst, sobald er erkennt, dass Supermans Mutti, die zufällig auch Martha heißt, in Gefahr ist, überzeugt wenig. Ben Affleck füllt die Rolle als grauer Batman mit Dreitagebart zwar gut aus, aber diese Rolle ist bedenklich. Dass Batman überhaupt zum Bruch seines einzigen Tabus bereit ist, wird nie thematisiert, geschweige denn problematisiert. Auch wenn er am Ende – viel zu spät – klassischerweise gegen Schurken kämpft, scheint er keine Skrupel zu haben, über Leichen zu gehen.

Kino mit der Brechstange

Zack Snyder zitiert fleißig die Tradition, Frank Millers The Dark Knight Returns und Dan Jurgens‘ The Death of Superman, zum Teil Wort für Wort und Bild für Bild, aber setzt kaum bemerkenswerte eigene Impulse. Stattdessen tut er das, wofür er immer schon bekannt war: Kino mit der Brechstange. Martialische Auftritte von Batman im Batmobil und Rüstung, Muskelspielchen von Superman, ein an Blitzen und Explosionswellen überladenes Finale gegen das seelenlose Monster Doomsday. Die Zerstörungsorgie ist ebenso ermüdend wie bei Man of Steel, nur dass es dieses Mal keine zivilen Opfer zu geben scheint. Am Ende bleibt nur noch eine Staubwolke übrig. Der Tod von Superman lässt einen kalt – weil Snyder noch nie darin investiert hat, mit diesem Charakter warm zu werden. Da hilft auch nicht die plötzlich vorausgesetzte Beziehung zu Lois Lane.

Lois ist ebenso wie Wonder Woman bloß schmückendes Beiwerk. Klassische Nebencharaktere und potenzielle Sympathieträger wie Perry White und Alfred bleiben ebenso blass. Bei Lex Luthor kann auch ein fähiger Schauspieler wie Jesse Eisenberg nichts daran ändern, dass die Figur nicht über das Klischee eines verrückten Wissenschaftlers hinausgeht. Sein irres Gestammel nervt so sehr, dass man schmerzlich den genialen wie eiskalten Geschäftsmann aus den Comics vermisst. Über ihn erfährt man ebensowenig wie über das Schicksal des verfallenen Wayne Manor.

Letztendlich krankt der Film auch an seinem Anspruch, eine neue Justice League zu etablieren und damit Interesse für die Fortsetzung zu wecken. Bruce Waynes Vision von einem apokalyptischen Kampf gegen eine Allianz von Superman und dem Schurken Darkseid (nur angedeutet durch das Omega-Symbol, Paradämonen und das Teufelsgemälde) wirkt zusammenhanglos wie ein Fremdkörper; gerade comicfremde Zuschauer dürften damit wenig anzufangen wissen. Auch die bemühte Einführung anderer „Metawesen“ wie Aquaman, Flash und Cyborg bremst den Fluss der Handlung unnötig aus. Hiermit will DC schnell zu Marvel aufschließen, packt aber bloß zu viel Stoff in einen Film, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Lust an DC-Kino ist vergangen

Doch noch bevor es mit der großangelegten Justice League weitergehen kann, ist das DC Extended Universe ein Rohrkrepierer. Zack Snyder kann mit den DC-Helden nicht umgehen. DC Comics kann keine Filme. Ja mehr noch: Es zerstört im Kino seinen eigenen Mythos. Außer Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie und Watchmen ist Warner Bros. im neuen Jahrtausend kein sehenswerter DC-Film gelungen: Schon Superman Returns und Green Lantern, ganz zu schweigen von Catwoman, sind große Fehlschläge gewesen. Das Reboot des Filmuniversums mit Man of Steel enttäuschte mit einer schwachen Vorstellung. Batman v Superman sollte das besser machen, es sollte der Film des Jahres werden, nun ist er die größte Enttäuschung des noch jungen Jahrhunderts der Filmsuperhelden – und lässt nichts mehr von Zukunftsprojekten wie Wonder Woman und vor allem Justice League erwarten.

Ein Satz von Alfred, den er zu Bruce Wayne sagt, erweist sich als treffende Bilanz für die Filme: „Das ist Selbstmord.“ So bleibt einem Fan nur, die Highlights in angenehmer Erinnerung zu behalten, die bereits in den Trailern gezeigt wurden, und sich vorzustellen, wie aus diesen vielversprechenden Elementen ein fantastischer oder wenigstens viel besserer Film hätte werden können. Alle richtigen Zutaten waren da, nur wurden sie falsch zusammengemischt. Zu hohe Erwartungen wurden geweckt, zu viele Versprechen nicht eingehalten. Die Lust auf mehr ist dahin. DC sollte sich lieber auf seine Kernkompetenz Comics konzentrieren und Warner sollte seine Filmhelden lieber in die Hände von Marvel legen. Die wüssten damit so viel mehr anzufangen.

>> Weitere Beiträge in der Serie Batman versus Superman

Kooperation zwischen Konkurrenten

Batman versus Superman, Teil 20: Animated World’s Finest (1997)

Prise Kryptonit gefällig?

Prise Kryptonit gefällig?

Titel: World’s Finest (The Batman Superman Movie), dt. Batman in Metropolis

Story: Alan Burnett/Paul Dini

Erschienen: 1997 (Superman: The Animated Series S02E16-18)


„Two for the price of one – I love it!“ (Joker)

Batman lässt sich nicht reinquatschen. Vor allem nicht bei seinen Methoden. Wenn er in Metropolis Ganoven verhört, muss er damit rechnen, dass Superman mitzureden hat. Doch kaum hat der Stählerne Batman zurechtgewiesen, pariert ihn Batman mit einem Überwurf. Nach Kindergartenmanier schubst Superman zurück, nennt ihn verrückt und dämlich und lässt es sich auch nicht nehmen, mit Röntgenblick unter Batmans Maske zu schauen. Batman revanchiert sich, indem er eine Tüte mit Kryptonit rausholt. (Kurz darauf findet Batman raus, dass Clark Kent Superman ist.)

Gruß an Clark.

Hallo Clark, ich weiß, wer du bist!

In der Superman-Animationsserie der 90er treffen die World’s Finest dreimal aufeinander, zu Beginn mit in einer Dreifachfolge, die für den Heimvideomarkt auch zu einem einstündigen Film zusammengeschnitten wurde. Der Plot vereint, nach alter Tradition, auch die wichtigsten Schurken: Der Joker stiehlt eine Statue aus Kryptonit und bietet Lex Luthor an, Superman für eine Milliarde Dollar zu töten (vgl. Batman und das Phantom). Batman reist nach Metropolis, um das zu verhindern und verbündet sich notgedrungen mit Superman.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Joker und Lex: Ein verlockendes Angebot.

Doch nicht nur im Dienst sind die beiden Konkurrenten, auch in der Liebe: Bruce Wayne spannt Clark Lois Lane aus – und aus dem Flirt wird Ernst. Allerdings nur, bis sie hinter sein Geheimnis kommt. (Symbolisch schwerwiegend: durch eine Druckerpresse!) Bruce bringt es auf den Punkt: Lois mag Bruce Wayne und Superman, aber nicht die beiden anderen Typen – Batman und Clark Kent. Diese komplexe Dreierbeziehung, die überkreuz zur Fünferbeziehung wird, ist ein typisches Motiv der World’s Finest-Storys. Hier aber wird die Affäre bis zur Eifersucht durchgezogen.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Bruce und Lois kommen sich näher.

Natürlich läuft es darauf hinaus, dass keiner die Frau kriegt. Lois spielt die typische Jungfer in Nöten, die von beiden Helden gerettet werden muss. Im Laufe der Handlung merken die beiden, die nichts miteinander zu tun haben wollen, dass sie sich prima ergänzen. Batman kann das Kryptonit unschädlich machen, Superman mit dem Kopf voran durch Wände brechen. Am Ende geht es gegen ein paar bösartige Kampfroboter.

Jetzt seid ihr dran!

Jetzt seid ihr dran!

Trotz der Erkenntnis, dass man ein gutes Team bildet, gerät auch der Abschied nicht gerade freundschaftlich. Man sollte bloß keine regelmäßige Sache daraus machen, sagt Clark. Bruce droht Clark, gut zu Lois zu sein, denn er wisse, wo er wohne. Wie schon bei der ersten Begegnung verzichten sie auf einen Handschlag. Damit ist die „Kinderserie“ deutlich konsequenter als manch Comic.

"Ich weiß, wo du wohnst." Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

„Ich weiß, wo du wohnst.“ Auch zum Abschied kein Händeschütteln.

Der Dreiteiler wurde parallel als Comic adaptiert. Dafür gab es 1998 den Eisner Award in der Kategorie Best Graphic Album. An den Charme der TV-Episoden kommt das Heft aber nicht heran. Hier wird eine Story voller Konflikte, zündender Pointen und Action geboten, die sowohl alte Fans als auch Kinder glücklich machen dürfte. Herrlich: Batman und Superman zum Preis von einem.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen:

(mehr …)

Tausend Jahre Tradition

Batman versus Superman, Teil 10: Generations (1999)

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman & Batman: Generations – An Imaginary Tale (dt. Untertitel: Eine imaginäre Geschichte)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1999 (Mini-Serie #1-4, Paperback 2000), dt. Carlsen 1999 (4 Teile)


„Continuity is important. A sence of history and tradition.“ (Bruce Wayne)

„What a man! Bruce, why can’t you be more like him?“ (Lois Lane)

Was wäre, wenn Superman und Batman normal altern würden? Was wäre, wenn sie heiraten und Kinder kriegen würden? John Byrne hat in seiner Imaginary Tale, wie er die Elseworlds-Story nennt, die Comic-Continuity mit der Comic-Historie verschränkt und die beiden größten Helden gemeinsam alt werden lassen, von der ersten Begegnung 1939 bis zum Jahr 1999 – und dann noch mal über 920 Jahre.

Beim ersten Treffen bei der Weltausstellung in Metropolis (eine Anspielung auf das gemeinsame Cover von World’s Fair Comics) kämpfen sie gegen den Ultra-Humanite, einen Vorläufer von Lex Luthor, zehn Jahre später auf Luthor selbst, der (mit dem Joker) die schwangere Lois Lane goldenem Kryptonit aussetzt, sodass der erste Sohn von Superman ohne Kräfte aufwächst. Doch auch Batman bekommt einen Sohn, Bruce Junior, allerdings erfährt man nie, wer seine Mutter ist. Der wird zum nächsten Robin und nach Dick Graysons Tod zum Batman und bändelt dann mit der Tochter von Superman und Lois an: Kara, dem Supergirl. Doch den Kindern ist kein Glück vergönnt, Luthor lässt die Hochzeit platzen, indem er zuerst Lois und dann Kara tötet. Vorher schon zieht der verbitterte Sohn Joel in den Vietnamkrieg, wo er Kriegsverbrechen begeht und schließlich getötet wird. Superman verliert schließlich seine Kräfte und rächt sich an Luthor, indem er ihn tötet, dann wird er von Batman zur Strafe in die Phantomzone verbannt. Batmans Leben wird dank der Lazarusgrube verlängert.

Am Ende sehen sich Superman und Batman im Jahr 2919 wieder, wo sie sich daran erinnern, schon im Jahr 1929 als Superboy und Robin (!) miteinander gegen Luthor gekämpft zu haben. Aber nicht erst hier wird die Story dämlich, schon vorher gab es eine nervige Episode, in der es um einen Wettstreit zwischen Bat-Mite und Mr. Mxyzptlk ging, ob Superman oder Batman der größte Held ist. Der unzeitgemäße Stil der Geschichten ist zwar der Nostalgie geschuldet, den Reminiszenzen an das Golden, Silver und Bronze Age, aber die Byrnes Erzählweise wirkt immer gleich altbacken und seine Wendungen bemüht.

Zwar ist das Grund-Szenario, das Byrne durchspielt, durchaus reizvoll, geht aber über das Niveau einer Seifenoper nicht hinaus. Der Erzähler rast durch die Jahrzehnte und lässt selbst die dramatischsten Augenblicke vorübergehen, ohne dass die Helden oder die Leser Zeit bekämen, damit umzugehen. So sehr aber die Story das Vergehen der Zeit thematisiert, so sehr versucht sie auch, die Helden zu konservieren. Statt Superman mit dem Verlust seiner Kräfte auch altern zu lassen, wird ein Weg gefunden, wie er sie wiederbekommen kann. Statt Supermans Enkel ohne Kräfte zu lassen, werden sie ihm regelrecht aufgenötigt, damit er als Nightwing das Erbe des Vaters weitertragen kann. Und zu allem Überfluss wird Batman auch noch unsterblich gemacht.

Welchen Sinn ergibt das Konzept vom Altern, wenn die Superhelden dann doch 1000 Jahre und länger leben, so lange bis sie sich aus Langweile neuen Welten zuwenden? Daher heißt es auch folgerichtig am Schluss „Never the End!“ Aber wer altert, sollte auch sterben können. Das hätte den Superhelden etwas mehr von der Menschlichkeit verliehen, die sie nötig gehabt hätten. Stattdessen macht Byrne, was bei DC Tradition ist: Heldenverehrung und Mythenpflege.

Fortsetzung folgt.

Bisher erschienen: