Superman und der Krieg

Als Superman in die Welt kommt, hat sie ihn nötig: In Spanien tobt der Bürgerkrieg, über China fallen die Japaner her, die Briten bekämpfen den Arabischen Aufstand in Palästina – und in Europa erwartet man den Ausbruch eines weiteren Kriegs. Mit dieser Realität haben die Comics zwar nichts zu tun, aber sie hinterlässt dennoch Spuren in ihnen.

Kurz nachdem im September 1939 der Zweite Weltkrieg in Europa ausbricht, sieht man auf den Covern von Action Comics (#17, 19, 21), wie Superman Panzer und Kanonen zerlegt. Eine Aussage über konkrete politische Ereignisse steckt dahinter noch nicht. Schweres Kriegsgerät ist zunächst hervorragend geeignet, um die ungeheure Kraft des Helden darzustellen. Aber auch seinen Pazifismus.

Superman ist von Anfang an der Retter der Unterdrückten, ein Symbol für Gerechtigkeit – und ein klarer Kriegsgegner. Schon in seinem zweiten Abenteuer (Action Comics #2, 1938) reist er in das fiktive südamerikanische Land San Monte und beendet dort den Bürgerkrieg. Zunächst geht es nur darum, einen Waffenhersteller zu bekehren, indem Superman ihm das Grauen des Krieges zeigt. Superman rettet aber auch Lois vor einer standrechtlichen Erschießung, nachdem sie fälschlicherweise wegen Spionage verurteilt worden ist, er befreit Soldaten vor der Folter und bringt ein Kampfflugzeug mit bloßen Händen zu Fall. Schließlich zwingt er die beiden verfeindeten Generäle, ihren Konflikt zu zweit auszutragen, aber als ihnen klar wird, dass sie gar nicht mehr wissen, warum sie sich bekämpfen, beschließen sie, Frieden zu schließen.

Superman bekehrt einen Waffenhersteller (Action Comics #2)

Aber das ist nur eine Seite der Geschichte. Denn Superman mag vielleicht Pazifismus als Ziel anstreben, ein Mittel ist er für ihn nicht. Er wendet zum Teil drastische Gewalt an, bei der Menschen zumindest verletzt werden. Den Folterer wirft er so weit, dass er zumindest schwere Verletzungen davontragen muss, der Pilot des abgestürzten Flugzeugs dürfte auf jeden Fall sterben. Für Superman offenbar kein Problem, er verliert kein Wort darüber.

Krieg in Europa

Eisernes Kreuz? Lois und Clark bei General Lupo

Ein Jahr später greift Superman im Zweiteiler „War in Europe“ (Action Comics #22-23, 1940) in einen bewaffneten Konflikt zwischen den fiktiven Staaten Toran und Galonia ein. Clark Kent und Lois Lane werden als Reporter hingeschickt, nachdem Toran über Galonia hergefallen ist. Lois sagt naiv, sie hätte sich schon lange auf Urlaub gefreut, doch schon bald fallen – wie Clark es voraussagt – Bomben auf sie.

Superman sorgt für Kollateralschäden

Superman beweist seine ganze Kraft, indem er den Bomber vom Himmel holt, er wirft einen Torpedo zu seinem U-Boot zurück und eine Kanonenkugel zurück zu seinem Geschoss. Wieder fliegen die Soldaten durch die Gegend – ob verletzt oder tot, man erfährt es nicht. Später schießt Superman zwei Flugzeuge mit einem Maschinengewehr ab, weitere bringt er wieder mit bloßen Händen zum Absturz. Man sieht zwar einmal einen Fallschirm, aber die meisten Soldaten dürften dabei draufgegangen sein. Wieder kein Wort des Bedauerns.

Herrsche und teile: Luthor schießt grüne Strahlen

Superman findet heraus, dass einer der Generäle (Lupo) beeinflusst wird von einem Schurken namens Luthor – es ist der erste Auftritt des späteren Erzfeindes. Der erscheint zunächst als ein riesiges Gesicht in einer Felswand. Superman droht Lupo zunächst an, ihm seinen Kopf einzuschlagen, wenn er ihm nicht sagt, wer Luthor ist, aber dann schießt Luthor grüne Strahlen aus seinen Augen, die den General zerteilen. Gegen Superman können sie jedoch nichts ausrichten.

Luthor mit Reichsadler?

Als Clark Kent später die Kriegsparteien darüber informiert, dass Luthor hinter dem Krieg steckt, glauben sie ihm nicht. Luthor versucht, Kent zu elimieren, nimmt aber dann mit Lois Lane vorlieb. Luthor entführt sie in sein schwebendes Versteck, das an einem riesigen Luftschiff hängt. Der rothaarige Schurke in der roten Robe schürt den Krieg, um die Nationen zu schwächen und die Weltherrschaft zu erlangen. Er beschießt Superman wieder mit den grünen Strahlen, die ihn zwar nicht verletzen, aber schwächen – ein Vorläufer von Kryptonit. Superman bringt schließlich den Zeppelin zu Fall. Auch hier müssen wieder etliche Menschen sterben, ohne dass das thematisiert wird. Schließlich aber kann Superman erneut einen Krieg beenden.

Superman gegen Hitler

Superman greift sich Hitler

Im Februar 1940, zehn Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor, erschien eine zweiseitige Geschichte im Look Magazine: „How Superman Would End the War“. Zwei Seiten reichen, denn Superman macht kurzen Prozess: Zuerst verbiegt er die Kanonen der Nazis, dann schnappt er sich Hitler und Stalin und stellt sie vor Gericht. Der Zweite Weltkrieg, der erst im wahren Leben vor einigen Monaten begonnen hat, wäre auf einen Schlag vorbei.

Stalin und Hitler werden für Kriegsverbrechen verurteilt

Aber das ist nur ein Was-wäre-wenn-Szenario. Denn in Wahrheit fängt der Krieg erst an und ihn Superman tatsächlich beenden zu lassen, das wäre eine vermessene Fantasterei. Aber Superman im Zweiten Weltkrieg kämpfen zu lassen, wäre auch deshalb ungünstig, weil er ihn einfach zu schnell beenden könnte. Die US-Soldaten wären ziemlich überflüssig – und so konnte Superman sie als wahrer Patriot nicht dastehen lassen.

Superman machte sich dennoch im echten Krieg nützlich, indem er für die Propaganda eingesetzt wurde. Auf den Covern warb er (so wie Batman und andere Helden) für den Kauf von Kriegsanleihen, um die eigenen Streitkräfte zu unterstützen. Superman schwenkte die US-Flagge, zeigte sich Seit‘ an Seit‘ mit Soldaten, nannte sie die „true Supermen“, Superman erschreckte Nazis, zerlegte feindliche Panzer, Kampfflugzeuge und U-Boote mit bloßen Händen.

Auf dem Cover von Superman #17 (1942) ging es Hitler und dem japanischen Kaiser Hirohito an den Kragen, später auch Goebbels.

Im Golden Age war Superman noch eindeutig der Gute. Auch wenn er sich über etwaige Kollateralschäden keine Sorgen machte. Das änderte sich im Laufe der Zeit: Superman tötete nicht. Und wenn doch, dann nur mit größten Skrupeln. Vier Jahrzehnte später war seine Rolle nicht mehr so eindeutig, jedenfalls abseits der Continuity. In The Dark Knight Returns (1986) diente er tatsächlich als Kriegswaffe für die USA, er wendete einen nuklearen Erstschlag ab und danach kämpfte er auf Geheiß des Präsidenten gegen Batman.

Dass Superman seine Kräfte genauso gut auch zum Nachteil der Menschheit einsetzen könnte, wurde 2003 in der Elseworlds-Story Red Son durchgespielt. Superman wird darin zu einem totalitaristischen Herrscher der Sowjetunion – und Luthor sein Widersacher für die Freiheit. Zum Weltdiktator wurde Superman schließlich in der Comic-Adaption des Games Injustice. Frieden wird zum Zwang – und das führt wieder zum Krieg.

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