Lex Luthors Vorgänger: Der Ultra-Humanite

Der Ultra-Humanite stellt sich vor.

Vor Lex Luthor gab es einen anderen Glatzkopf, der die Weltherrschaft an sich reißen wollte: der Ultra-Humanite, Supermans erster Superschurke. Er war konzipiert (wie so viele Schurken) als das Gegenteil des Helden, in diesem Fall alt und schwach, im Rollstuhl sitzend. „Super“ bzw. „ultra“ ist an ihm nur sein Verstand – auch wenn er sich nicht unbedingt klug anstellt, um seine Ziele zu erreichen. Nur in sechs Ausgaben erscheint er (Action Comics #13, 14, 17, 19-21) bis er in Heft 23 von dem Luthor abgelöst wird.

Der Ultra-Humanite fängt bescheiden an. Die erste Story, in der er auftaucht (Action Comics #13), beginnt zunächst mit ganz gewöhnlichen Kriminellen: Die Cab Protective League ist eine Erpresserbande, die andere Taxifahrer dazu zwingt, ihr gegen Gebühr beizutreten. Im Finale trifft Superman auf den weißgekleideten Greis in einer Holzhütte. Er stellt sich als Kopf einer Reihe von bösen Unternehmen vor, der sein Genie einem wissenschaftlichen Experiment zu verdanken habe. Superman, sagt er, habe bereits öfter seine Pläne durchkreuzt. Aber welche das gewesen sein sollen, bleibt offen.

Die Kreissäge zersplittert bei Superman.

Der Ultra-Humanite betäubt Superman zunächst mit einem Stromschlag und versucht ihn dann mit einer Kreissäge zu töten, aber die zerspringt, sobald sie auf seinen Kopf auftrifft. Die Helfer des Schurken bringen ihn in einem Flugzeug weg, Superman lässt es abstürzen, doch vom Ultra-Humanite findet er im Wrack keine Spur. (Dass er drei Leben auf dem Gewissen hat, scheint ihn auch nicht zu kümmern.)

Ultra-Humanite nimmt Superman gefangen.

In Action Comics #14 verläuft es ähnlich: Wieder geht es um Transportmittel, diesmal die U-Bahn. Eine Firma hat beim Tunnelbau gepfuscht. Zwei Gauner versuchen, einen Zeugen zum Schweigen zu bringen, indem sie ihn vor den Zug werfen wollen. Superman rettet ihn. Nicht, indem er – wie er es später tun würde – die Bahn aufhält, sondern indem er sich das Opfer schnappt und vor dem Zug herläuft. Superman ist zwar superstark, aber noch nicht so stark. (Fliegen kann er auch noch nicht.)

Superman findet heraus, wer dahintersteckt, erzwingt ein Geständnis vom Schuldigen und folgt den Gaunern in ihr Versteck – da verschwindet plötzlich der Fluchtwagen in die Unsichtbarkeit. Superman folgt den Reifenspuren in eine verlassene Scheune und tappt in eine Falle – also wie beim ersten Mal. Er wird vom Ultra-Humanite in einem Kristall gefangen genommen, befreit sich aber sofort daraus. Der Schurke verschwindet spurlos im Erdboden.

Mehr Schein als Sein: der Ultra-Humanite.

Und auch in Action Comics #17 beginnt die Story mit einer missglückten Beförderung: Superman rettet die Passagiere eines Schiffes in Seenot, auf dem ein Feuer ausgebrochen ist. Erst auf Seite acht erfährt er, dass es Sabotage war. Ein zunächst Unbekannter will von der Schifffahrtsgesellschaft fünf Millionen Dollar erpressen. Clark geht der Sache nach und erkennt die Stimme des Ultra-Humanite, nur dass dieser ohne Erklärung nur noch „Ultra“ genannt wird. Mit dem letzten Teil seines Namens hat er auch seine letzten Haare verloren.

Ultras Handlanger versuchen, Clark durch Einschüchterung zum Schweigen zu bringen, Superman befördert ihren Wagen auf das Dach eines Hauses. Bei der Geldübergabe droht ihm Ultra mit einer Säurepistole, doch als Superman ihm furchtlos entgegenkommt, prallt er gegen eine Wand aus durchsichtigem Metall – eine weitere Erfindung des Verbrechergenies. Und als Superman auch dieses Hindernis überwindet, verschwindet der Schurke im Nichts, denn das Bild von ihm erweist sich als Projektion.

Die Ultra-Seuche

Ultra plant den Massenmord.

Das Schema wird in Action Comics #19 gebrochen. Ultra ist hier kein einfacher Erpresser mehr, der im Hintergrund die Fäden zieht und am Ende mit seinen Tricks überrascht, sondern ein ausgemachter Schurke, der eine Seuche auf die Stadt loslässt: die Purple Plague. Die Menschen sterben wie bei der Pest. Ein Wissenschaftler will ein Gegenmittel finden. Ultra will nicht mehr die Welt beherrschen, sondern plant, die Menschheit auszurotten, um eine neue Rasse zu erschaffen. Seine Helfer haben offenbar kein Problem damit, selbst Teil dieser unerwünschten Spezies zu sein.

Superman wird Ultras Sklave

Superman wird am Ende von Ultra gefangen genommen und scheinbar seines Willens beraubt. Aber er tut nur so und zerstört das Flugzeug, das die Seuche verbreiten soll. Als Ultra Superman mit einer Kanone erschießen will, zieht ihn Superman vor den Lauf und Ultra stirbt. Das ist ganz klar Mord, kaltblütig und unnötig, aber Superman zeigt wieder keine Reue.

Superman tötet Ultra.

Die Ultra-Frau

Doch der Tod bedeutet in Superheldencomics bekanntlich nicht zwangsläufig das Ende. Und so kommt es in Action Comics #20 und 21 zu einem bizarren Nachspiel. Ultras Gehirn steckt im Körper einer Frau, der Schauspielerin Dolores Winters. Clark wird für den Daily Star nach Hollywood geschickt. Bei einer Studio-Tour verhindert er ein Attentat auf das Leben der Schauspielerin. Sie will es ihm mit einem Interview danken, aber dazu kommt es nicht. Plötzlich ist sie wie verwandelt, entführt eine Gesellschaft auf einem Schiff und verlangt ein Lösegeld von fünf Millionen Dollar.

Dolores ist Ultra

Superman folgt dem Geld zu einem U-Boot, dann in eine Unterwasserhöhle. Erst ganz am Ende erkennt er beim Blick in Dolores‘ Augen den Schurken Ultra. Das ist bemerkenswert, weil eigentlich nur sein Gehirn verpflanzt wurde, zugleich ist das eine Panel, das Dolores Blick zeigt, das einzige ohne Text. Natürlich verschwindet Ultra-Dolores wieder im Nichts.

In der letzten Ausgabe versucht der Schurke in Frauengestalt noch einmal sein Glück mit Erpressung, allerdings mit stark reduziertem Preis. Ultra droht, Metropolis auszulöschen, und verlangt dafür nur zwei Millionen Dollar. Ultra entführt dazu einen Wissenschaftler, der herausfindet, wie man Atome spaltet. In Ultras riesigem Geheimversteck, das einer Festung gleicht kämpft Superman gegen Roboter, die er so spielend zerlegt wie alles andere.

Schließlich zwingt ihn Ultra, für ihn Juwelen zu stehlen. Das bringt wiederum die Menschen gegen ihn auf. Die Armee hält ihn für den Schurken und beschießt ihn. Superman kümmert sich nicht um seinen Ruf, sondern bahnt sich seinen Weg. Die Stadt gleicht einem Kriegsgebiet. Seltsam, dass sich mehr um einen unverwundbaren Juwelendieb zu kümmern scheinen, als um den Kerl, der soeben ein Hochhaus hat einstürzen lassen … Schließlich aber sind die Steine egal, weil Superman Ultra auch ohne sie aufhält. Konfrontiert mit seiner Niederlage, stürzt sich der Schurke in einen Vulkankrater, Superman wirft noch ein paar Felsbrocken hinterher und lässt den Vulkan ausbrechen – wohl um ganz sicherzugehen.

Damit ist die Geschichte von Ultra(-Humanite) für eine Weile beendet. Aber schon in der übernächsten Ausgabe wird er abgelöst von Lex Luthor. In gewisser Weise kann man sagen, dass Ultra nur der Prototyp für Luthor war. Kein ausgereifter Charakter, nicht einmal eine klar umrissene Figur, mehr eine Art Experimentierfeld, das ständig modifiziert wurde. Kein Wunder, dass ihn Superman nie zu fassen kriegt – dem Leser dürfte es genauso gehen.

Zuerst sitzt der Schurke in einem Stuhl, später in einem Rollstuhl, mal hat er am Hinterkopf Haare, dann wieder nicht, er hat keinen richtigen Namen, mal nennt er sich „the Ultra-Humanite“, mal nur „Ultra“, mal will er die Weltherrschaft, dann nur schnödes Geld, dann will er die Menschen auslöschen, um eine neue Rasse zu erschaffen, am Ende – als er in einem Frauenkörper steckt – geht es ihm wieder nur um Geld. Nur sein weißer Kittel bleibt gleich, als wäre er ein Symbol für das unbeschriebene Blatt, das der Ultra-Humanite bleibt.

Der Wandel zur Frau hat ihn ohnehin in eine Sackgasse gesteckt: Mit dem Körperwechsel ist ihm jegliche Wiedererkennbarkeit abhanden gekommen. Er ist bloß ein austauschbarer Bösewicht geworden, dem es an Beständigkeit fehlt. (In den 80ern bekommt er sogar einen Affenkörper.) Zwar hat sich auch Luthor verändert – er verlor seine Haare und wurde irgendwann mehr Geschäftsmann als Wissenschaftler, schließlich sogar Politiker -, aber lange Zeit blieb Luthor der glatzköpfige Mad Scientist, der Superman hasst und ihn vernichten will. Der perfekte Gegenspieler.

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