Tom King

Neues Watchmen-Spin-off: „Rorschach“

DC Comics

DC kann’s nicht lassen. Vor nicht einmal einem Jahr ging die Watchmen-Fortsetzung Doomsday Clock zu Ende. Jetzt hat der Verlag eine neue zwölfteilige Serie angekündigt: Rorschach. Starten soll sie am 13. Oktober 2020. Geschrieben wird sie von Tom King und gezeichnet von Jorge Fornés, die beide schon an der Batman-Serie zusammengearbeitet haben.

DC Comics

Die Handlung spielt 35 Jahre nach Watchmen. Rorschach ist nach seinem Tod zur Ikone geworden. Dann taucht er wieder auf, um zusammen mit einem anderen Vigilanten den Kandidaten zu ermorden, der Präsident Robert Redford ablösen soll. In der Ankündigung heißt es:

Follow one determined detective as he walks backward in time, uncovering the identities and motives of the would-be killers, taking him deep into a dark conspiracy of alien invasions, disgraced do-gooders, mystical visions, and yes, comic books.

Es ist nicht das erste Spin-off zu Rorschach. Im Jahr 2012 hat es im Rahmen der Reihe Before Watchmen eine vierteilige Rorschach-Minserie von Brian Azzarello und Lee Bermejo gegeben – und schon die wäre nicht unbedingt nötig gewesen. In Doomsday Clock hat Rorschach in Reggie Long einen Nacheiferer gefunden, der sein Vorbild missverstanden hat. Die Watchmen-Serie auf HBO hat es geschickt geschafft, das schwierige geistige Erbe dieser Figur eine Gruppe von White Supremacists anzudichten.

King kündigt für seinen Comic ebenfalls einen politischen Kommentar zum Zeitgeschehen an:

„Like the HBO Watchmen show and very much like the original ‘86 Watchmen this is a very political work. It’s an angry work. We’re so angry all the time now. We have to do something with that anger. It’s called Rorschach not because of the character Rorschach, but because what you see in these characters tells you more about yourself than about them.“

King ist zwar Eisner-Preisträger, aber hat zuletzt aber einen zähen und bestenfalls umstrittenen Batman abgeliefert. Eine Batman/Catwoman-Serie ist angekündigt. Er hat auch Mister Miracle, The Sheriff of Babylon und Vision geschrieben.

Was auch immer der Autor mit dem Charakter macht: Watchmen-Autor Alan Moore dürfte dagegen sein. Er hält weder etwas von den Verfilmungen noch den Comics zu seinem Klassiker.

City of Bane: Hell No!

DC Comics

Titel: City of Bane

Autor/Zeichner: Tom King/Tony S. Daniel, Clay Mann, Mikel Janin, John Romita Jr.

Erschienen: 2019 (Batman #75-85), Hardcover 2020 (2 Bände), Paperback 2020 (Complete Collection erscheint im Dezember)


Stell dir vor, du hast den Jackpot gewonnen: Du darfst die Serie Batman schreiben – 85 Ausgaben! Das ist mehr, als Scott Snyder zur Verfügung hatte. Ein Traum wird wahr, du kannst endlich all deine Ideen verwirklichen und fast alles tun, was du immer schon mit deiner Lieblingsfigur machen wolltest. Die besten Zeichner stehen dir zur Verfügung. Was tust du? Du lässt Batman natürlich durch die Hölle gehen, er trifft auf alle großen Gegner, du lässt einen Krieg zwischen dem Joker und dem Riddler ausbrechen, du lässt Batman endlich mit Catwoman zusammenkommen, damit endlich zusammenkommt, was seit 80 Jahren zusammengehört – und du lässt ihn am Ende auf die härtesten aller Gegner treffen: Bane und (weil’s so schön war) auf den bösen Batman aus Flashpoint, Thomas Wayne.

Klingt das cool? Na klar, zumindest theoretisch. Denn all das hat Autor Tom King zwar gemacht, aber auch wenn es nach einer Riesenmenge Story klingt, hat er sie so zäh gestaltet, dass es – trotz einiger guter Einfälle – meistens eine Qual war, sich da durchzuackern, weil er mehr auf Nabelschau und endlose Dialoge als auf Handlung und Spannung gesetzt hat. Und jetzt das große Finale: City of Bane, in elf Ausgaben.

Schöne Neue Welt in Gotham

Batman hat den Kampf gegen seinen bösen Vater in der Wüste verloren (Batman Vol. 11). Bane und Thomas Wayne haben Gotham City übernommen und es nach ihrem Bilde gestaltet: Nach einer Gehirnwäsche durch den Psycho Pirate sorgen jetzt Schurken wie Joker und Riddler als neue Polizisten für Recht und Ordnung. Das Verbrechen ist passé, abgesehen von der Folter, die die neuen Gesetzeshüter ausüben. Wer sich sträubt, wie etwa Two-Face, wird zwangsbekehrt. Flashpoint-Batman und Gotham Girl sind das neue Dynamische Duo.

Die US-Regierung findet das gut und lässt Bane gewähren, solange er die Stadt friedlich hält. Besser so als der alte Status quo. Der Präsident verbietet jedes Eingreifen von Superhelden innerhalb der Stadtgrenzen. Die Batman-Familie wird draußen gehalten, indem Alfred Pennyworth als Geisel dient. Sollte einer von ihnen die Stadt betreten, stirbt Alfred. (SPOILER gibt es hier.)

Nachgeholte Flitterwochen

DC Comics

In der Zwischenzeit treibt sich Bruce Wayne in den Bergen rum und sucht nach einer Lösung für das Problem. Und dann hilft ihm Catwoman aus der Patsche und man macht erst mal Urlaub in der Südsee, als wären es nachgeholte Flitterwochen. Zwei Ausgaben lang sehen wir ihnen beim Baden und beim Training zu, während sie über gute alte Zeiten reden und sich fragen, ob sie sich auf der Straße (wie in Year One) oder auf einem Boot kennenlernten (wie in Batman #1, 1940), als gäbe es gerade keine dringenderen Probleme zu besprechen. Und als hätten wir noch nicht genug Erklärungsversuche über die geplatzte Hochzeit gelesen, wird hier alles noch einmal aufgerollt, derweil Gotham weiter vor die Hunde geht.

Es ist zum Ausflippen. Es gibt viele mäßige Autoren, einige Langweiler, aber Tom King schafft es, einen auf die Palme zu bringen. Das bisschen Story wird nebenbei abgehandelt, erst später, als Batman und Catwoman in den Kampf mit Bane treten, wird alles in Captions nacherzählt. Hier will der Autor wohl bewusst mit bestimmten Schemata brechen, aber dabei bleibt leider die Handlung völlig auf der Strecke. Selbst das zweite Finale, in dem Batman gegen seinen Vater kämpft, ist verschenkt für eine weitere unnötig lange Rückblende, in der ALLES noch einmal aus der Sicht von Thomas nacherzählt wird – man möchte schreien.

Potenzial verschwendet

Aber Tom King ist ein selbstgefälliger Autor, der sich so cool findet, dass er sich permanent selbst zitiert, bis es auch der Letzte kapiert hat (Stichwort: „Hell yeah“). Dabei versucht er zu kaschieren, dass er eigentlich nichts zu sagen hat. Die endlose Wiederholung nervt. Auch weil ihm mit Bane und Batman nichts Besseres einfällt, als dass sich beide gegenseitig übers Knie legen wollen – das gab es schon so oft (siehe I Am Bane), dass darin nichts Dramatisches mehr liegt. Das Endloszitat ist mittlerweile völlig ausgehöhlt.

City of Bane ist elf Kapitel lang – das sind insgesamt 336 Seiten, genug, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Aber es passiert einfach nicht. Trotz einiger sehr interessanter Ansätze wird das Potenzial vertrödelt. (Außerdem erinnert sie viel zu sehr an The Dark Knight Rises. Immerhin wird man am Ende mit Batman und Catwoman für die geplatzte Hochzeit entschädigt.) Und wieder bleiben nur die Bilder einige grandioser Künstler als Trostpreis, damit es keine totale Geld- und Zeitverschwendung war.

Zum Glück ist dieses Kapitel jetzt endlich vorbei und hoffentlich entschädigt uns der neue Batman-Autor, James Tynion IV. Aber nein, leider ist es nicht ganz zu Ende: Denn dieses Jahr soll noch Tom Kings Zwölfteiler Batman/Catwoman kommen. Fans dürfen sich also freuen auf ganz viel „Bat-Cat-Rumgeschmachte“. Die Serie wurde aber bis auf Weiteres verschoben.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

Gefällt dir dieser Beitrag? Was ist er dir wert? Ich würde mich über jede Hilfe freuen, die Kosten für diese Seite zu decken (8 Euro im Monat, 96 Euro pro Jahr). Vielen Dank.

€1,00

Batman in der Story-Wüste

Batman Vol. 11: The Fall and the Fallen

DC Comics

Titel: The Fall and the Fallen

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Jorge Fornes

Erschienen: 2019 (Batman ##70-74, Batman Secret Files #2), Paperback 2019 (Batman Vol. 11)


Nachdem Batman sich aus seinem Psycho-Gefängnis in Arkham Asylum befreit hat, das ihn durch eine Reihe von Albträumen jagte, vermöbelt er alle Arkham-Insassen. Bevor er sich den Drahtzieher Bane vornimmt, geht er erst mal nach Hause, um sich auszuruhen und Verstärkung zu holen. Doch als er die Batman-Family zusammentrommelt, ist in Arkham alles wieder ganz normal, als ob nie die Insassen die Anstalt übernommen hätten.

In Wayne Manor serviert Alfred inzwischen Bane Suppe. Bane vermöbelt Batman und bricht ihm in alter Tradition das Rückgrat. Weil Bane das halt so macht und irgendwie dazugehört. Inzwischen erzählt Flashpoint-Batman Thomas Wayne noch einmal nach, was bisher geschah und erklärt, dass Bane ihn mit der gescheiterten Hochzeit mit Catwoman brechen wollte.

Thomas heilt Bruce nebenbei und blitzschnell von seinem gebrochenen Rückgrat und schleppt ihn durch die Wüste, um in Ra’s al Ghuls“Nain Pit“ Martha Wayne wiederzubeleben. Indem er die Familie wiederherstellt, will er Bruce von seiner Batman-Sucht heilen. Doch Bruce wehrt sich.

Prügelei und Geschwätz

Der größte Teil von Tom Kings elftem Batman-Kapitel ist Prügelei, der andere ist Geschwätz. Es wird erzählt, was wir schon wissen, es wird erklärt, was wir uns denken oder auch nach vielen Worten nicht nachvollziehen können, und es wird noch zweimal (!) die Tierfabel aus Batman #57 (Batman Vol. 8: Cold Days) wiederholt, weil Tom King sehr stolz darauf zu sein scheint und bedeutungsschwangere Kapriolen wie diese ihm wohl den Eisner-Award eingebracht haben.

Ach ja, und Thomas Wayne singt beim Wüstenritt einen klassischen Western-Folk-Song: „Home on the Range“:

Das alles ist wie immer langweilig und ärgerlich. Diese Seitenschinderei entspricht der Wüste, durch die die Batmen reiten. Eine weitere Verschwendung von Geld, Zeit und Nerven. Nur noch zwei Bände (City of Bane), dann haben wir das Elend endlich hinter uns. Ach, nein, danach kommt noch Kings Zwölfteiler: Batman/Catwoman … Wäre das alles bloß nicht so lang und ausschweifend! Es ist schon seltsam: Da gibt man einem fast 100 Ausgaben für Batman und er weiß so gut wie nichts Interessantes damit anzufangen.

Die Oase in der Wüste

Das Beste kommt zum Schluss: In Batman Secret Files #2 werden fünf Kurzgeschichten von Batman erzählt. Gemessen an der Wüste bilden sie eine Oase. In der ersten (von Andy Kubert) hat der Joker Batman gefangengenommen und will ihm Kostüm und Gürtel abnehmen, was aber nicht so leicht ist, wie gedacht – aber dafür höchst amüsant zu lesen.

Die Storys um den Riddler und Bane können da nicht mehr mithalten, auch wenn die Bane-Story einen interessanten Aspekt hat. Kurioser ist aber die Hugo-Strange-Story um einen brutalen Test, wer der echte Batman ist. Die vielleicht schwächste Geschichte ist die über den Psycho Pirate, die ebenso wie beim Joker, beim Riddler und bei Strange mit Schlägen ins Gesicht enden. Die Pointe ist immer Gewalt, Batmans Faust markiert das Ende.

>> Batman 2011-2019

Helden mit Problemen

heroes in crisis tpb

DC Comics

Titel: Heroes in Crisis

Autor/Zeichner: Tom King/Clay Mann

Erschienen: 2018-2019 (Heroes in Crisis #1-9), Hardcover 2019


„Bros before heroes.“

Helden haben es nicht leicht. Auch Superhelden brauchen mal eine Auszeit. Und Hilfe. Vor allem psychologisch. Denn auch Superhelden leiden unter posttraumatischer Belastungsstörung. Dafür haben Superman und Co. Sanctuary eingerichtet, einen Zufluchtsort in Kansas, in den sich Superhelden anonym zurückziehen, über ihre Erfahrungen sprechen und in einer Art Holo-Deck ihre Traumata verarbeiten können. Flash Wally West ist dort, aber auch der ehemalige Green-Arrow-Sidekick Arsenal, Harley Quinn und Booster Gold. Dann endet das Experiment plötzlich, als alle Helden bei Sanctuary abgeschlachtet werden.

Superman, Batman und Wonder Woman untersuchen den Fall mit Hilfe von Flash. Sie verdächtigen Harley Quinn und Booster Gold, aber beide beteuern ihre Unschuld. Booster wird von seinem alten Kumpel Blue Beetle aus dem Knast befreit, während Harley sich mit Batgirl verbündet. In der Zwischenzeit macht Lois Lane das Geheimnis um Sanctuary ohne Rücksicht auf Verluste publik …

Regelmäßige Leser werden wissen, dass ich nicht gut auf Autor Tom King zu sprechen bin. Er hat zwar mit Sheriff of Babylon und The Vision bewiesen, dass er schreiben kann, aber sein Batman ist eine Qual, weil sich die minimale Handlung in die Länge zieht. Hier zäumt King das Pferd von hinten auf. Noch bevor Sanctuary eingeführt ist, ist es damit auch schon vorbei, weil das Schlimmste bereits passiert ist. Erst nach und nach erfährt man als Leser, was das für ein Ort war.

Wir sehen unzählige Aufzeichnungen von Helden, die erzählen, was sie belastet, meistens unbekannte Gesichter, die hier als Kanonenfutter dienen. Sie rechtfertigen sich, offenbaren sich oder üben sich im beredtem Schweigen. Das sind vielleicht die stärksten Momente, auch wenn sich das Prinzip, eingepfercht in das typische Neuner-Panel-Raster, etwa nach der Hälfte verbraucht und ab dann nur noch nervt – denn es muss einfach jeder mal was sagen. Wenn ein Neandertaler beginnt, über Hobbes und Rousseau zu philosophieren und mit einem Mammut kuschelt, wird es zu viel des Guten.

Erst am Ende überrascht und bewegt die Geschichte – wenn es eigentlich schon zu spät ist. Dann wird eine überkomplizierte Zeitreisegeschichte daraus. Man hätte das alles interessanter hinkriegen können. Denn die eigentliche Ermittlung spielt keine große Rolle, viel mehr sieht man bloß Harley, wie sie versucht, ihre Mordlust auszuleben.

Ein großes Problem ist auch das Konzept von Heroes in Crisis: Warum sollte Sanctuary ein anonymer Ort sein? Warum sollte man Menschen mit Problemen in Kameras sprechen lassen statt mit anderen, wo doch selbst Kriegsveteranen in einer Gruppentherapie zusammensitzen? Kein Wunder, dass der Aufenthalt nicht hilft und sich die Teilnehmer einsam fühlen. Daher wirkt die Story forciert und die Erkenntnis am Ende banal. Den Ärger hätte man sich sparen können – aber dann hätte es eben diese Geschichte nicht gegeben …

Ansonsten ist es typischer Tom King: Minimale Handlung, die auf großen Panels breitgetreten wird, lange Dialoge und Monologe mit abgehackten Sätzen und Endloswiederholungen, mal mehr, mal weniger gelungene Pointen. Allerdings wird so viel gewitzelt, dass man das Ganze nicht ganz ernst nehmen kann. Wieder einmal lassen die besten Zeichner die Story mehr glänzen, als sie es verdient. Manche Doppelseiten sind geradezu atemberaubend. Leider hat der auf dem Cover angepriesene Clay Mann nur einen geringen Anteil an den Seiten.

Mehr zum Thema:

Misere in Serie

DC Comics

Titel: Knightmares

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Mitch Gerads, Amanda Conner, Lee Weeks

Erschienen: 2019 (Batman #61-63, 66-69), Paperback 2019 (Batman Vol. 10)


Was bisher geschah: Catwoman hat die geplante Hochzeit mit Batman platzen lassen. KGBeast hat einen Anschlag auf Nightwing verübt. Batman ist daraufhin Amok gelaufen. Bane hat Arkham Asylum übernommen und sich mit dem bösen Flashpoint-Batman (Thomas Wayne) gegen Batman verbündet, der wiederum Alfred angegriffen hat.

Was jetzt geschieht: Nix. Absolut nix. Batman steht unter dem Einfluss eines neuen Scarecrow-Angstgases und erlebt einen Traum oder Albtraum nach dem anderen. Aber sonst geschieht nichts. Wir sehen zunächst eine Horror-Variante von Bruce Waynes Werdegang, der als Junge zum Kindermörder wird. Dann einen Kampf gegen Professor Pyg alias Damian Wayne. Und eine weitgehend wortlose, aber ziemlich spektakuläre Hetzjagd mit den Joker durch Gotham.

Vor allem aber wird noch mal Batmans Beziehung zu Catwoman rekapituliert – und zwar die ganze. Von den ersten Treffen bis zum Sitzenlassen auf dem Dach, als wäre das nicht schon im Hochzeitsband zu Genüge geschehen. Mit dabei sind John Constantine und the Question, die aber natürlich nicht sie selbst sind, sondern auch nur Traumbilder, und hier bloß reine Funktionsträger. Batman zergeht in Selbstmitleid und fragt immer wieder, warum er sitzengelassen wurde – allerdings ohne neue Erkenntnisse zu gewinnen (wie auch, im Selbstgespräch?) und so fällt die Antwort gleich aus. Gleich unbefriedigend.

Ansonsten sehen wir noch mal einen Junggesellenabschied: Lois Lane und Selina Kyle vergnügen sich in der Festung der Einsamkeit, während Bruce und Clark sich beim Schach in Wayne Manor langweilen. Aber auch das – nur ein belangloser Traum. Ach ja: Und wir sehen auch Bane und Thomas Wayne beim Sparring. Bane ist nackt.

Fazit: Seit fast 70 Ausgaben verfolge ich Tom Kings Batman-Serie und meine Geduld ist längst am Ende. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass endlich etwas Relevantes und Mitreißendes passiert. Stattdessen ergehen sich die Figuren bloß in Selbstreflexion und -analysen, sentimentalem Geschwafel, aufgeblasene Banalitäten und vor allem: endlosen Wiederholungen. Die Handlung – sofern vorhanden -, die nur langsam voranschreitet, tritt hier völlig auf der Stelle. Die Träume bzw. Albträume wirken beliebig und das Konzept ermüdet.

Dieser Band wäre reine Geld- und Zeitverschwendung, wären da nicht die wirklich herausragenden Arbeiten der Zeichner: Mikel Janin, Mitch Gerads, Lee Weeks und auch die anderen leisten Großes. Leider sind diese Bilder völlig an Tom Kings erzählerischen Leerlauf verschwendet. Das hier ist ein reines Hinhalten seiner Leser, ohne das erkennbar wäre, für was. Ich kann es kaum erwarten, dass diese Misere mit Ausgabe 85 endlich endet. Egal wie.

Leider muss ich sagen: Ich halte diesen Batman für eine Zumutung. Er ärgert mich sehr. Gäbe es dieses Blog nicht, hätte ich längst aufgehört, diese Serie zu lesen. Ich will keine Dankbarkeit, denn immerhin mache ich dieses Projekt freiwillig, aber es ist Arbeit. In diesem Fall harte Arbeit. Und ich finde, DC Comics müsste mich dafür bezahlen, dass ich mich durch diesen Batman-Bullshit quäle.

Mehr zum Thema:

Tom King macht 2020 mit Batman/Catwoman weiter

Batman/Catwoman DC Comics

Batman/Catwoman DC Comics

Eigentlich wollte Autor Tom King über 100 Ausgaben für die Batman-Serie schreiben. Jetzt kündigt DC an, dass er sie schon zum Dezember 2019 mit Ausgabe #85 verlässt. King beendet damit seine auf elf Ausgaben angelegte Storyline „City of Bane“, die im Juli mit Ausgabe #75 beginnt und Teil von DCs „Year of the Villain“ ist.

Im Januar 2020 soll ein neues Team die Serie übernehmen, die von da an wieder monatlich erscheinen wird, statt wie bisher alle zwei Wochen. Wer Teil des Teams sein wird, ist noch offen. King erzählt jedoch seine Geschichte mit der zwölfteiligen Maxiserie Batman/Catwoman zu Ende, die ebenfalls ab Januar erscheinen soll. Zeichner wird Clay Mann sein.

Tom King sagt: „Batman and Catwoman is a chance to do what Morrison and Quietly did in Batman and Robin: launch anambitious, accessible, beautiful, thrilling new series that concludes years of stories and defines what Batman is, can, and will be. This will be a comic about what the best Batman comics are always been about, how our greatest hero turns fear into bravery, pain into hope, trauma into love. It’s the story I always wanted to tell, and I’m telling it with the man I consider to be the greatest artist in comics, my brother Clay Mann.“

King hat die Batman-Serie seit dem sanften Reboot von DC Rebirth übernommen. Von ihm stammen die folgenden Storylines, darunter auch die umstrittene „Hochzeit“ mit Catwoman:

 

Batman & White Knight für Eisner Awards nominiert

Die Mini-Serie Batman: White Knight von Sean Murphy ist für den Eisner Award 2019 nominiert – den Oscar der Comic-Branche. Die Story wurde auch von Kritikern und Fans begeistert aufgenommen und wird in diesem Sommer fortgesetzt. Auch Kolorist Matt Hollingsworth ist ein Anwärter auf den Preis. Nicht zum ersten Mal, er hat ihn schon 1997 bekommen.

Außerdem ist Batman als beste fortlaufende Serie nominiert, zusammen mit Tom King als bester Autor, der auch für Mister Miracle, Heroes in Crisis und Swamp Thing Winter Special ausgezeichnet werden könnte. King ist für seine Batman-Serie durchaus umstritten. Vor allem die Hochzeit zwischen Batman und Catwoman im vergangenen Jahr wurde sehr heftig kritisiert (und hat ihm sogar Todesdrohungen eingebracht, was selbstverständlich indiskutabel ist). King hat den Preis bereits 2018 und 2017 erhalten, neben Batman auch für The Vision (Marvel).

Als bester Künstler ist Lee Bermejo für Batman: Damned nominiert. Die Mini-Serie, die Brian Azzarello schreibt, wurde vor allem dadurch bekannt, dass darin zuerst Batmans Penis gezeigt und dann von DC zensiert wurde.

Der Will Eisner Comics Industry Award wird am 19. Juli 2019 bei der San Diego Comic Con zum 31. Mal verliehen.

>> Alle Nominierten 2019

Pinguin, Prügel, Pennyworth

DC Comics

Titel: The Tyrant Wing

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Otto Schmidt

Erschienen: 2018 (Batman #58-60, Secret Files #1, Batman Annual #3), Paperback 2019 (Batman Vol. 9)


Es ist schwierig, über diesen Band zu urteilen. Denn die erste Hälfte enthält nur drei Hefte der Batman-Serie und diese bilden keine abgeschlossene Handlung, sondern nur ein kleines Zwischenstück, das die Ereignisse von Band 8 fortsetzt und zu Band 10 hinführt.

Kurz gesagt: Batman erfährt vom Pinguin, dass Bane Arkham übernommen hat. Doch als Batman der Behauptung nachgeht, findet er keine Belege dafür. Bane scheint ein psychisches Wrack zu sein. Der Ablauf ist ermüdend: Batman verprügelt einen B-Schurken nach dem anderen, ob Maxie Zeus, Firefly oder Kite-Man („Hell yeah“), aber er kriegt nichts über Bane heraus. Schließlich macht Batman sich bei Commissioner Gordon unbeliebt, indem er auch ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. Gordon Und natürlich verrät Banes Lächeln am Ende, dass alles nach einem fiesen Plan abläuft – aber offensichtlich mischt noch ein ganz anderer Schurke mit …

Mikel Janins Zeichnungen lassen die Story mal wieder besser aussehen als sie ist. Aber wie gesagt: Darüber zu urteilen, fällt schwer, da alles nur Teil eines größeren Ganzen ist. Es fällt aber auf, dass Batman hier wieder nur der verbitterte und besessene Haudrauf ist, der er schon im Band zuvor war. Die geplatzte Hochzeit mit Catwoman hängt ihm noch nach, aber besonders tief steigt die Handlung nicht in die Seele des Helden ein, vielmehr widmet sie sich Pinguin, der diesmal nicht als Fiesling, sondern als trauernder und einfühlsamer Charakter mit Shakespeare-Spleen dargestellt wird. Wenn man überhaupt etwas über diese drei Kapitel sagen kann, dann ist das das Positivste.

Interessanter ist hingegen der zweite Teil des Bandes, der nichts mit der Handlung des ersten zu tun hat. In Secret Files erzählen mehrere Kurzgeschichten von zeitlosen Aspekten des Dunklen Ritters. Batman bekommt von Superman eine Kugel Platinum-Kryptonit, das ihm für ihmmer Superkräfte verleihen kann. Er gerät in Versuchung, sie zu benutzen. Dann zeigt Batman einem Polizisten, der unter Scarecrows Angstgas leidet, den Weg hinaus aus der Angst. Schließlich bekämpft Batman Drohnen aus eigener Herstellung und hilft Detective Chimp bei einem Fall. All diese Geschichten sind nachdenklich und feinfühlig geschrieben sowie ausdrucksstark gezeichnet. Wer Freude hat an Anthologien wie Batman Black and White oder Detective Comics #1000, der sollte auch hier sein Glück finden.

Die stärkste Story hat aber Tom Taylor (Injustice) in Batman Annual #3 zu erzählen. In Father’s Day ist der Kampf Gut gegen Böse nebensächlich, im Vordergrund steht das Verhältnis zwischen Bruce Wayne und Alfred Pennyworth. Batman zieht (mal wieder) trotz Erkältung hinaus, um einen Schurken aufzuhalten. Wir sehen, wie Alfred sich um ihn sorgt und kümmert, wie er seiner Sorge in kleinen Gemeinheiten Ausdruck verleiht, wie er ihm Suppe macht und ihn schließlich auch vor dem Tod rettet, indem er (mal wieder) selbst die Batman-Maske aufsetzt.

Mag sein, dass man das so oder ähnlich schon oft gesehen und gelesen hat. Aber hier ist es kein Neben-, sondern ein Hauptaspekt in einer ebenso sensibel wie grafisch stark umgesetzten Geschichte, die nach Tom Kings Prügeleskapaden sehr wohltut.

Mehr zum Thema:

80 Jahre Batman: Detective Comics #1000

Detective Comics #1000 Jim Lee Cover (DC Comics)

Detective Comics #1000-Cover von Jim Lee (DC Comics)

Eine von DCs besten strategischen Entscheidungen der vergangenen Jahre war es, die Hauptserien von Batman und Superman zweiwöchentlich erscheinen und Action Comics und Detective Comics zur alten Nummerierung zurückkehren zu lassen. Zum einen, weil man so mehr Comics verkaufen und die Leser bei der Stange halten konnte, zum anderen, weil dadurch die jeweils 80-jährigen Jubiläen mit den 1000er-Ausgaben zusammenfielen.

Allerdings: Während Superman von Anfang an Action Comics war, kam Batman erst in Detective Comics #27 vor. Strenggenommen müssten wir also noch 27 Ausgaben warten, bis Batman seinen 1000. Auftritt in der Serie hat – ein Umstand, der bei früheren Jubiläumsausgaben (627) berücksichtigt wurde. Aber das sind nur Zahlenspielereien, denn Batman hat in 80 Jahren weit mehr als 1000 Hefte gefüllt, zusammen mit allen Ablegern sind es unzählige.

Ein Jubiläumsheft, das versucht, dieser sehr langen und unüberschaubaren Tradition Rechnung zu tragen, ist daher schon ein gewagter Versuch. 96 Seiten umfasst Detective Comics #1000, elf Geschichten und auch ein paar Seiten, die bloß hübsch zum Ansehen sein sollen. Jede dieser elf Geschichten trägt die Last dieser Tradition und will zugleich einen Beitrag dazu leisten.

Scott Snyder & Greg Capullo besinnen sich auf die Anfänge zurück: Batman als Detektiv. In Batman’s Longest Case geht Batman einer Spur aus seinem ersten Fall (aus #27, 1939) nach und folgt ihr über Jahre um die ganze Welt. Am Ende landet er wieder in Gotham und stellt fest, dass alles nur ein Test war, um in eine Geheimgesellschaft der besten Detektive aufgenommen zu werden. Dazu gehören auch Slam Bradley, Hawkman und Martian Manhunter.

Man kann einwenden, dass der World’s Greatest Detective keinen solchen Aufnahmetest braucht und seine Zeit nicht mit Spielchen verschwenden sollte, aber was zählt ist – abgesehen von dem Willen, ein paar Comic-Veteranen in einer Splash Page zu versammeln – die Botschaft, dass jede Antwort immer zu anderen Fragen führt, jedes Rätsel zu neuen Rätseln. Man stehe immer wieder am Anfang. Diese Einsicht lässt am Ende Batman staunen. Und dem Leser wird klar, warum Batman eine unendliche Geschichte sein muss.

Zu einem Ende kommt Batman in Manufacture for Use. Kevin Smith und Jim Lee erzählen, wie Batman als Matches Malone die Waffe erwirbt, mit denen die Waynes erschossen wurden. Alfred fragt ihn hinterher, ob er das wirklich für eine gute Idee halte, dieses schmerzhafteste aller Andenken im Trophäenraum aufzubewahren. Doch Batman hat eine andere Idee, wie er daraus etwas Neues und Nützliches erschaffen kann. Eine ziemlich gute Idee. Sie zeigt, wie auch Autoren aus alten Motiven noch überraschende Geschichten machen können.

The Legend of Knute Brody ist ein Beispiel für so eine Geschichte. Paul Dini beweist mal wieder Einfallsreichtum und Witz, wenn er die Story des schlechtesten Handlangers in Gotham erzählt und dabei eine interessante Auflösung findet. Dafür tut er sich mit seinem Zeichner aus Streets of Gotham, Dustin Nguyen, zusammen.

Drei Storys zeigen pessimistische Sichtweisen auf den Mythos. In The Batman’s Design (Warren Ellis & Becky Cloonan) hält Batman einen Terroristen von seiner Tat ab, indem er sich selbst als schlechtes Beispiel darstellt: „I’m already dead.“ In Return to Crime Alley (Denny O’Neil & Steve Epting), einem Sequel zu „There’s No Hope in Crime Alley“ (Detective Comics #457, 1976), trifft Batman wieder auf Leslie Thompkins. Als eine maskierte Bande versucht, sie zu überfallen, übertreibt er es mit der Prügelei. Am Ende bemitleidet Leslie Batman statt der Verbrecher. In Heretic (Christopher Priest & Neal Adams) wird Bruce Waynes Brieftasche zum Auslöser für einen Brudermord. Klingt seltsam? Ja, es ist auch die schwächste Geschichte in dem Heft. Neal Adams Zeichnungen lassen auch schon seit Jahren die alte Eleganz vermissen.

DC Comics

Dafür ist I Know einer der Höhepunkte. Brian Michael Bendis erzählt von einem alten Pinguin, der auf einen alten Bruce Wayne trifft und ihm sagt, er hätte schon lange gewusst, dass er Batman sei. Alex Maleev inszeniert es nicht nur herrlich atmosphärisch und lebendig, sondern auch mit gelungenen Anspielungen auf den Pinguin im Film Batman Returns (1992).

Einen Altmeister in Hochform sieht man in The Last Crime in Gotham. Kelley Jones scheint mit dem Alter immer besser zu werden, einige Panels, wie etwa eine Nahaufnahme des Jokers, strotzen vor ausdrucksstarker Schaurigkeit. Das bildet das Gegenstück zu der optimistischen Geschichte von Geoff Johns, der Batman von einem verbrecherfreien Gotham und einer echten Bat-Familie träumen lässt.

Familär geht es auch am Ende zu. The Precedent (James Tynion IV & Alvaro Martinez) ist mal wieder eine Meditation auf die Rolle von Robin. Diesmal erscheint der Skeptiker Alfred als derjenige, der in Verbrechensbekämpfung ein Abenteuer statt eine Gefahr sieht. Ein gutgemeinter Versuch, Robin glaubwürdig zu erklären. Die hervorragenden Zeichnungen lassen aber über die logische Schwäche hinwegsehen.

Um Logik schert sich auch Tom King wenig. Batman’s Greatest Case (gezeichnet von Tony Daniel & Joëlle Jones) besteht darin, die Familie für ein Gruppenfoto zusammenzutrommeln. Das legt Bruce Wayne am Jahrestag ihres Todes seinen Eltern ans Grab. Sinn ergibt das nicht. Es ist nur sentimental. Und dazwischen gibt es typisch geschwätzigen Dialog der Robins und Bat-Frauen, der allerdings sehr witzig ist.

Batman mit Familie und Schurken von Jason Fabok (DC Comics)

Zum Schluss wird dann noch ein Familienfoto mit Schurken von Jason Fabok hinterhergeschoben und dann auch noch zwei Pin-ups von Mikel Janin und Amanda Conner, die wirken wie verworfene Variant Cover.

Ganz zum Schluss wird es relevant: Medieval (Peter J. Tomasi & Doug Mahnke) zeigt den ersten Auftritt des Arkham Knight, einer neuen Konkurrenz für Batman, die in Detective Comics #1001ff. eine Rolle spielen wird. Erzählt wird keine Story, sondern was wir sehen, ist eine Abfolge von Splash Pages, die Batmans Kämpfe gegen seine einige (klassische) Schurken zeigen, dazu liest man den inneren Monolog des Arkham Knight, der Batman für ein Auslaufmodell hält.

Das Jubiläumsheft beweist, dass er es natürlich nicht ist. Von solchen einfallsreichen und hervorragend gezeichneten Ausgaben kann es ruhig noch weitere 1000 geben.

>> Detective Comics: 80 Years of Batman

>> Batman 2011-2019

Mister Miracle: Ausbruch aus der Routine

DC Comics

Titel: Mister Miracle

Autor/Zeichner: Tom King/Mitch Gerads

Erschienen: 2017-2018 (Mister Miracle #1-12), Paperback 2019


„I can always escape.“

Seien wir ehrlich: Die New Gods sind lahm. Ja, ich weiß: Jack Kirby ist ein Gott der Comics und alles, was er geschaffen hat, ist Gold wert. Aus einer historischen Perspektive mag das stimmen. Ohne die Fourth-World-Saga gäbe es wohl auch kein Star Wars und Grant Morrison hätte nur halb so viel zu tun. Aber jedes Mal, wenn die New Gods irgendwo auftauchen, bläht sich jede Superhelden-Story zu über-astronomischen Größe auf, und am Ende interessiert es doch keinen, was am anderen Ende des Universums passiert.

Okay, es gibt Ausnahmen. Die JLA-Saga Stein der Weisen, zum Beispiel. Aber im Grunde geht es doch nur um Darkseid. Den Oberfiesling. Noch böser und härter als Darth Vader. Der Rest der 1000 Charaktere ist bloß ödes Beiwerk. Wer mir nicht glaubt, kann sich ja nochmal den Justice League-Film ansehen und mir sagen, was fehlt. Who the fuck is Steppenwolf? And who cares?

Und jetzt komme ich euch mit Mister Miracle. Was hat der in einem reinen Batman-Blog verloren? Warum sollte euch das interessieren? Mister Miracle war 2018 für mehrere Eisner Awards nominiert (Autor, Zeichner/Kolorist, Cover, Miniserie) und gewann zwei, einer ging an Autor Tom King, einer an Zeichner Mitch Gerads. Nun habe ich zu Tom King ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits hat er so tolle Comics wie The Sheriff of Babylon (Vertigo) und The Vision (Marvel) geschrieben, andererseits tue ich mich sehr schwer mit seinem Batman. Aber bei all dem Kritiker- und Leser-Lob für MM habe ich ihm noch eine Chance gegeben.

Scott Free in der Krise

Mister Miracle ist ein Comic für alle, die die New Gods bisher blöd fanden und alle, die das Formelhafte von Superheldencomics satt haben. Gleich auf den ersten Seiten, wenn King in Kürze für Einsteiger den Origin von MM alias Scott Free nacherzählt, steckt so viel (Selbst-)Ironie darin, dass jegliche Zweifel vergessen sind. Und dann der Schock: Eine Doppelseite, die zeigt, wie Scott Free in seinem Badezimmer auf dem Boden sitzt und sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Der einst strahlende Held in der Lebenskrise.

Hinterher sagt der Ausbruchskünstler, er habe versucht, dem Tod zu entkommen. Kurz darauf erscheint Bruder Orion, verprügelt ihn und rekrutiert ihn für einen Krieg gegen Darkseid. Der Schurke soll die Anti-Life-Equation haben, die ultimative Waffe. Und das ist nur der Anfang. MM wird im Laufe der Story zum Tode verurteilt und steigt zum Highfather auf, bevor er es am Ende mit Darkseid aufnimmt. Doch statt in die typischen Action-Szenen abzudriften, behandelt die Geschichte die Kämpfe und Kriege als Beiwerk, das der Held eher nebenher verrichtet, wie einen Routine-Job.

Im Vordergrund steht der Charakter und seine Beziehung mit seiner Frau Big Barda. Und es sind sehr menschliche Probleme, die die beiden haben. Einmal bricht das Paar auf New Genesis in den Palast des Highfathers ein, doch statt sich auf den Kampf zu konzentrieren, diskutieren sie bloß die Einrichtung ihrer Wohnung, wobei Barda ihrem Mann damit nur sagen will, dass sie schwanger ist.

Es sind solche Überraschungsmomente, durch die Mister Miracle Spaß macht. Erwartungen werden ständig untergraben. Und es gibt immer wieder absurde Situationen, die dank der Kunst von Mitch Gerads, Ausdruck in die Gesichter zu zeichnen, jedes Mal funktionieren. Das führt leider auch dazu, dass man die ganze Story nicht ernst nehmen kann – auch in den durchaus drastischen und dramatischen Momenten. Das ist besonders dann schade, wenn Figuren sterben und es die Helden fast nicht zu kümmern scheint. Der Tod ist hier Alltagsgeschäft.

Aber auch wenn der Held mit seiner Liebsten auf der Couch liegt und ihr sein Herz ausschüttet, starrt sie bloß auf ihr (Motherbox?)Smartphone. Über wichtige Dinge sieht man sie aber nur selten reden. Als Scott seiner Barda einen philosophischen Vortrag über Descartes und Kant hält, hört sie bloß zu. So allzumenschlich die Story manchmal auch wirken will, wenn sie Götter beim Pinkeln zeigt, so abgebrüht und zynisch ist ihr Grundton.

 

Mister Miracle ist fast durchgehend in einem Neuner-Raster erzählt, wie Tom King am liebsten hat und wie es schon Alan Moore perfektioniert hat. Das lässt den Comic einerseits sehr einförmig erscheinen, aber dafür sorgen die farbenfrohen und stimmungsvollen Zeichnungen für die nötige Abwechslung. Manchmal wird das starre Muster eben spielerisch durchbrochen – genauso wie der Held immer wieder aus seinen Fallen ausbricht. Und genauso wie Tom King allzu verzweifelt versucht, aus dem Muster der Superhelden-Comics auszubrechen.

Viele Panels haben Bildstörungen, als wäre der „Empfang“ unterbrochen. Diese visuelle Spielerei erinnert immer wieder daran, dass wir das Erzählte tatsächlich nicht für voll nehmen können. Der Erzähler aus dem Off weist darauf hin, dass es sich um eine besonders tückische Falle handeln könnte. Doch bis zum Schluss bleibt offen, ob die Geschichte nur eine Illusion, ein Traum, eine Nahtoderfahrung, eine Art Jenseits oder ein Paralleluniversum ist. Obwohl es sich um eine abgeschlossene Serie handelt, wird am Ende eine Fortsetzung angekündigt.

Mister Miracle ist der Versuch, die New Gods zu erden. Das Göttliche wird zum Menschlichen. Superhelden werden zu Alltagsbewältigern. Aber dafür erscheint das Menschliche bloß in seiner banalen Alltäglichkeit. In der zweiten Hälfte verbraucht sich dieser Running Gag und übrig bleiben bloß zwei gelangweilte und frustrierte Erwachsene, die triviale Gespräche führen. Ungewöhnlich im Geiste Jack Kirbys, aber typisch Tom King, und am Ende doch wieder irgendwie lahm.

>> Mister Miracle erscheint am 9. April 2019 als Megaband bei Panini.