Tom King

Mister Miracle: Ausbruch aus der Routine

DC Comics

Titel: Mister Miracle

Autor/Zeichner: Tom King/Mitch Gerads

Erschienen: 2017-2018 (Mister Miracle #1-12), Paperback 2019


„I can always escape.“

Seien wir ehrlich: Die New Gods sind lahm. Ja, ich weiß: Jack Kirby ist ein Gott der Comics und alles, was er geschaffen hat, ist Gold wert. Aus einer historischen Perspektive mag das stimmen. Ohne die Fourth-World-Saga gäbe es wohl auch kein Star Wars und Grant Morrison hätte nur halb so viel zu tun. Aber jedes Mal, wenn die New Gods irgendwo auftauchen, bläht sich jede Superhelden-Story zu über-astronomischen Größe auf, und am Ende interessiert es doch keinen, was am anderen Ende des Universums passiert.

Okay, es gibt Ausnahmen. Die JLA-Saga Stein der Weisen, zum Beispiel. Aber im Grunde geht es doch nur um Darkseid. Den Oberfiesling. Noch böser und härter als Darth Vader. Der Rest der 1000 Charaktere ist bloß ödes Beiwerk. Wer mir nicht glaubt, kann sich ja nochmal den Justice League-Film ansehen und mir sagen, was fehlt. Who the fuck is Steppenwolf? And who cares?

Und jetzt komme ich euch mit Mister Miracle. Was hat der in einem reinen Batman-Blog verloren? Warum sollte euch das interessieren? Mister Miracle war 2018 für mehrere Eisner Awards nominiert (Autor, Zeichner/Kolorist, Cover, Miniserie) und gewann zwei, einer ging an Autor Tom King, einer an Zeichner Mitch Gerads. Nun habe ich zu Tom King ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits hat er so tolle Comics wie The Sheriff of Babylon (Vertigo) und The Vision (Marvel) geschrieben, andererseits tue ich mich sehr schwer mit seinem Batman. Aber bei all dem Kritiker- und Leser-Lob für MM habe ich ihm noch eine Chance gegeben.

Scott Free in der Krise

Mister Miracle ist ein Comic für alle, die die New Gods bisher blöd fanden und alle, die das Formelhafte von Superheldencomics satt haben. Gleich auf den ersten Seiten, wenn King in Kürze für Einsteiger den Origin von MM alias Scott Free nacherzählt, steckt so viel (Selbst-)Ironie darin, dass jegliche Zweifel vergessen sind. Und dann der Schock: Eine Doppelseite, die zeigt, wie Scott Free in seinem Badezimmer auf dem Boden sitzt und sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Der einst strahlende Held in der Lebenskrise.

Hinterher sagt der Ausbruchskünstler, er habe versucht, dem Tod zu entkommen. Kurz darauf erscheint Bruder Orion, verprügelt ihn und rekrutiert ihn für einen Krieg gegen Darkseid. Der Schurke soll die Anti-Life-Equation haben, die ultimative Waffe. Und das ist nur der Anfang. MM wird im Laufe der Story zum Tode verurteilt und steigt zum Highfather auf, bevor er es am Ende mit Darkseid aufnimmt. Doch statt in die typischen Action-Szenen abzudriften, behandelt die Geschichte die Kämpfe und Kriege als Beiwerk, das der Held eher nebenher verrichtet, wie einen Routine-Job.

Im Vordergrund steht der Charakter und seine Beziehung mit seiner Frau Big Barda. Und es sind sehr menschliche Probleme, die die beiden haben. Einmal bricht das Paar auf New Genesis in den Palast des Highfathers ein, doch statt sich auf den Kampf zu konzentrieren, diskutieren sie bloß die Einrichtung ihrer Wohnung, wobei Barda ihrem Mann damit nur sagen will, dass sie schwanger ist.

Es sind solche Überraschungsmomente, durch die Mister Miracle Spaß macht. Erwartungen werden ständig untergraben. Und es gibt immer wieder absurde Situationen, die dank der Kunst von Mitch Gerads, Ausdruck in die Gesichter zu zeichnen, jedes Mal funktionieren. Das führt leider auch dazu, dass man die ganze Story nicht ernst nehmen kann – auch in den durchaus drastischen und dramatischen Momenten. Das ist besonders dann schade, wenn Figuren sterben und es die Helden fast nicht zu kümmern scheint. Der Tod ist hier Alltagsgeschäft.

Aber auch wenn der Held mit seiner Liebsten auf der Couch liegt und ihr sein Herz ausschüttet, starrt sie bloß auf ihr (Motherbox?)Smartphone. Über wichtige Dinge sieht man sie aber nur selten reden. Als Scott seiner Barda einen philosophischen Vortrag über Descartes und Kant hält, hört sie bloß zu. So allzumenschlich die Story manchmal auch wirken will, wenn sie Götter beim Pinkeln zeigt, so abgebrüht und zynisch ist ihr Grundton.

 

Mister Miracle ist fast durchgehend in einem Neuner-Raster erzählt, wie Tom King am liebsten hat und wie es schon Alan Moore perfektioniert hat. Das lässt den Comic einerseits sehr einförmig erscheinen, aber dafür sorgen die farbenfrohen und stimmungsvollen Zeichnungen für die nötige Abwechslung. Manchmal wird das starre Muster eben spielerisch durchbrochen – genauso wie der Held immer wieder aus seinen Fallen ausbricht. Und genauso wie Tom King allzu verzweifelt versucht, aus dem Muster der Superhelden-Comics auszubrechen.

Viele Panels haben Bildstörungen, als wäre der „Empfang“ unterbrochen. Diese visuelle Spielerei erinnert immer wieder daran, dass wir das Erzählte tatsächlich nicht für voll nehmen können. Der Erzähler aus dem Off weist darauf hin, dass es sich um eine besonders tückische Falle handeln könnte. Doch bis zum Schluss bleibt offen, ob die Geschichte nur eine Illusion, ein Traum, eine Nahtoderfahrung, eine Art Jenseits oder ein Paralleluniversum ist. Obwohl es sich um eine abgeschlossene Serie handelt, wird am Ende eine Fortsetzung angekündigt.

Mister Miracle ist der Versuch, die New Gods zu erden. Das Göttliche wird zum Menschlichen. Superhelden werden zu Alltagsbewältigern. Aber dafür erscheint das Menschliche bloß in seiner banalen Alltäglichkeit. In der zweiten Hälfte verbraucht sich dieser Running Gag und übrig bleiben bloß zwei gelangweilte und frustrierte Erwachsene, die triviale Gespräche führen. Ungewöhnlich im Geiste Jack Kirbys, aber typisch Tom King, und am Ende doch wieder irgendwie lahm.

>> Mister Miracle erscheint am 9. April 2019 als Megaband bei Panini.

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Die zwölf Geschworenen gegen Batman

DC Comics

Titel: Cold Days

Autor/Zeichner: Tom King/Lee Weeks, Tony S. Daniel

Erschienen: 2018 (Batman #51-57), Paperback 2018 (Batman Vol. 8)


Mr. Freeze steht wegen Mordes an drei Frauen vor Gericht. Batman hat ihn gefangen. Am Ende des Prozesses sollen zwölf Geschworene über die Schuld entscheiden – einer davon ist Bruce Wayne. Der Fall ist klar: Freeze hat gestanden, Batman hat herausgefunden, dass nur er dahinterstecken kann. Alle sind für schuldig, nur einer stellt sich quer: Bruce Wayne.

Wen die Story an einen Klassiker der Filmgeschichte erinnert, der liegt richtig: Autor Tom King bedient sich kräftig bei Die zwölf Geschworenen (12 Angry Men) von Sidney Lumet. Wer den Film gesehenm hat (und jeder sollte ihn gesehen haben), weiß, worauf es hinausläuft: Der Querulant weckt Zweifel und stimmt alle um. Während das im Film sukzessive passiert, handelt King das Ganze in drei Heftkapiteln ab. Am Ende ist es Waynes langer Monolog, der die anderen dazu bringt, ihre Meinung zu ändern.

Das Besondere ist: Es geht hier nicht im Freezes Unschuld, sondern darum, dass die Geschworenen am scheinbar unfehlbaren Batman zweifeln. Und dass es Bruce Wayne selbst ist, der sich in die Jury einkauft, um einen Fehler wiedergutzumachen, den er als Batman begangen hat. Denn Batman ist nach der geplatzten Hochzeit mit Catwoman nicht mehr bei klarem Verstand.

Es ist mal wieder so eine Tom-King-Story geworden, in der mehr geredet, als gehandelt wird. Aber es ist trotzdem eine sehr starke, mitreißende Story, vielleicht sogar seine bisher beste. Noch beeindruckender sind aber die Zeichnungen von Lee Weeks: Ein feiner Strich macht die Figuren ausdrucksstark, die vielen Schatten sorgen (zusammen mit der gedeckten Farbpalette) für eine Film Noir-Stimmung, vergleichbar mit David Mazzucchelli in Year One. Dabei kann man auch vergessen, denn es scheint dann nicht mehr so wichtig, dass der Fall, wer die Frauen wirklich ermordet hat, nicht aufgeklärt wird. Das ist Nebensache.

Der zweite Teil des Bandes Cold Days ist der Beziehung von Bruce und Dick Grayson gewidmet. Batman und Nightwing kämpfen gegen ein paar drittklassiger Schurken, während Nightwing Sprüche klopft und versucht, Batman zum Lachen zu bringen – Aufmunterung in Zeiten von Liebeskummer. Parallel dazu gibt es Rückblenden zur schwierigen Anfangszeit mit Dick und Bruce, wie er versucht, ihn von Gurkensandwiches zu überzeugen. Matt Wagner zeichnet das Ganze in seinem gewohnt naiv-klobigem Stil.

Dann verübt KGBeast einen Anschlag auf Nightwing und Batman jagt dem Attentäter hinterher. Ein Kapitel lang sehen wir, wie der Schurke sich vorbereitet und Nightwing Batman auf die Nerven geht, ein Kapitel lang betrinkt sich der KGBeast mit seinem Vater, während Batman ihn sucht, ein Kapitel lang prügeln sie aufeinander ein. Das ist weder unterhaltsam, noch subtil, sondern schlicht öde und banal. Während der Dialog mit Nightwing nur daraus besteht, dass Batman permanent seinem Geschwätz widerspricht, beschränkt sich der mit KGBeast am Ende fast nur auf Interjektionen (Hm. Gnnn! Ungg! Aggh!). Da bringt es nicht viel, wenn der Autor am Ende noch versucht, mit einem russischen Märchen eine allegorische Meta-Ebene reinzubringen, oder dass Tony Daniel wie immer eine Glanzleistung als Zeichner abliefert: Es bleibt ein stumpfsinniges Stück Comic, das alles zunichte macht, was der Anfang aufgebaut hat.

Batman ist gerade in der zweiten Hälfte ein unsympathischer Grantler, der besessen seinen Zielen nachjagt und Opfer in Kauf nimmt. Hielt Bruce Wayne zunächst noch eine lange Predigt über Batmans Grenzen, fällt er am Ende wieder in seine Verblendung und Arroganz zurück: „I’m the world’s greatest detective.“ Hilfe nimmt er genauso wenig an, wie er sie gewährt. Wie schon bei seiner ersten Begegnung mit KGBeast überlässt er ihn dem (fast) sicheren Tod. Moralisch höchst fragwürdig. Und man muss sich wie bei seiner Adaption der Zwölf Geschworenen fragen, ob man das Tom King als Hommage durchgehen lassen kann, oder ob es dem Mann an eigenen Ideen fehlt …

Der Hochzeits-Spoiler

DC Comics

Titel: The Wedding

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Tony S. Daniel u.a.

Erschienen: 2018 (Batman #45-50, DC Nation #0), Paperback 2018 (Batman Vol. 7)


„I have to save Batman.“ (Joker)

ACHTUNG: SPOILER!

Ein Jahr lang, über 25 Ausgaben hinweg hat Tom King seine Leser hingehalten. Nach Batmans Heiratsantrag an Catwoman verging viel Zeit bis zur Hochzeit. Tom King schob zunächst den Krieg zwischen Joker und Riddler ein, dann folgten zwei Bände Geplänkel, bei denen Batman die Frauen seiner Vergangenheit Revue passieren ließ, es zum Doppeldate mit Lois und Clark kam (inklusive Ausflug zum Rummelplatz) und Catwoman ein Brautkleid stahl. Ach ja, und dann gab es noch Batmans Junggesellenabschied. Alles war darauf angelegt, die große Hochzeit in der Jubiläumsausgabe Batman #50 stattfinden zu lassen (die, nebenbei bemerkt, kein großer Grund zum Feiern ist, weil die Serie erst 2016 neu gestartet wurde, aber egal).

Jetzt aber, endlich: Der große Moment, der Superman bereits 1996 vergönnt war, soll jetzt endlich stattfinden. Natürlich kommt was dazwischen. Nämlich der Joker. Der ist beleidigt, dass er nicht eingeladen ist, er will Trauzeuge werden. Aber vorher kommt noch etwas ganz Unerwartetes: Booster Gold. Der hat sich nämlich ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk ausgedacht. Er ist in die Zeit zurückgereist und hat den Mord an Bruce Waynes Eltern verhindert, damit Batman zumindest für einen Augenblick sehen kann, wie sein Leben sonst verlaufen wäre, im besten Fall glücklicher.

Doch es endet in einer Katastrophe. Zwar ist Bruce Wayne glücklich mit seinen Eltern, aber Oswald Cobblepot (dem Pinguin) ist Präsident der USA und Ra’s al Ghul herrscht über Eurasien. In Gotham treibt ein schießwütiger und mörderischer Dick Grayson als Batman sein Unwesen, während Jason Todd Radkappen verkauft, die mögliche Diebe mit Elektroschocks töten.

Tom King bedient sich bei der alten Superman-Story For the Man Who Has Everything und lässt die Inspirationsquelle auch von Booster Gold nennen. Abgesehen davon, dass diese Idee bereits vor kurzem in der Serie Trinity verwurstet wurde und dass das Konzept auch an die Batman-TAS-Folge Perchance to Dream erinnert, gelingt ihm hier eine interessante Elseworlds-Version, die in Batmans Welt zwar moralisch höchst fragwürdig und absurd erscheint. Aber ihr Verdienst ist es, dass sie über ihre Vorlagen hinausgeht, indem sie die steile These aufstellt: Ein glücklicher Bruce Wayne ist nur zum Preis einer unglücklichen Welt zu haben. Oder andersrum gesagt: Batman muss unglücklich sein, damit die Welt ein besserer Ort ist.

Diese Erkenntnis wird in der zweiten Story des Wedding-Hefts noch einmal aus der Sicht des Joker deutlich: Um an Batman ranzukommen, metzelt der Joker eine beliebige Hochzeitsgesellschaft in einer Kirche nieder. Batman interveniert, wird niedergestreckt, Catwoman greift ein, aber am Ende liegen sie und der Joker schwer verwundet nebeneinander. (Übrigens ohne dass jemals die Polizei oder sonstwer vorbeikommt.) Und dann gesteht der Joker Catwoman, dass es einen verheirateten, also glücklichen Batman nicht geben darf. Er will Batman vor ihr retten, damit dieser ihm erhalten bleibt. Das gibt ihr zu denken.

Das Problem daran: Sie reden. Und reden. Und reden. Schon gegen Batman hat der Joker einen scheinbar endlosen Monolog geführt. Wie schon in all den Tom King-Storys zuvor werden die Panels mit Sprechblasen erschlagen. Er würzt seine Reden zwar mit Humor und weiteren absurden Situationen, wenn etwa der Joker Catwoman bittet, ihm beim Nachladen zu helfen, aber das ändert nichts daran, dass das viele Gerede schnell ermüdet. Bei aller Eloquenz: Auch Kürze ist eine Tugend. Kill Your Darlings, heißt eine alte Schreiber-Weisheit, die aber bei DC zuletzt in Vergessenheit geraten scheint. Doch wenn man alle zwei Wochen ein Batman-Heft herausbringt (neben anderen Projekten), fehlt dazu vielleicht einfach die Zeit, die Worte auf das Nötigste zu reduzieren. Abgesehen davon befremdet es doch sehr, dass Batman dem Joker-Gerede einfach nichts entgegenzusetzen hat, sondern sogar sein lächerliches Geiselnahme-Spiel mitspielt und mit ihm zum Gebet niederkniet, obwohl es für ihn ein Leichtes wäre, den Joker zu entwaffnen.

LETZTE SPOILER-WARNUNG!

Und dann kommt es zum Finale: Batman #50. Die titelgebende Hochzeit. Sie findet nicht statt. Catwoman holt sich zwar eine Trauzeugin, zieht sich zwar ihr hübsches Kleid an und lässt Batman mit Alfred und einem Richter zum verabredeten Treffpunkt kommen, aber sie erscheint nicht. (Viele Fans waren enttäuscht, einige Spinner sogar so aufgebracht, dass Tom King Morddrohungen bekam und sich danach im Juli auf der San Diego Comic Con einen Bodyguard besorgen musste. Es ist schlimm, wenn so etwas nötig ist, denn eine solche Überreaktion ist total unnötig – erst recht von BATMAN-Fans. Es reicht auch, Tom King per Twitter mitzuteilen, dass man seine Story nicht gelungen findet.)

Doch die geplatzte Hochzeit ist nicht so sehr das Problem. Die Idee dazu hinkt bereits. Denn es sollen nicht etwa Bruce Wayne und Selina Kyle heiraten (das würde Batmans wahre Identität verraten), sondern tatsächlich Batman und Catwoman. Weil aber kein Standesamt Geheimidentitäten akzeptieren würde, muss ein Richter betrunken gemacht werden, um die Ehe zu schließen. Das ist bescheuert, man könnte sich das ganze Theater einfach sparen und ohne Ehe zusammenleben. Dann der Treffpunkt: Nicht eine Kirche oder Wayne Manor, sondern irgendein Dach – eine Reminiszenz an ihre Anfänge. Es ist zwar das Dach eines gewissen Finger Tower (dass Catwoman auf dem falschen Dach des Kane Plaza ist, spricht Bände), aber es ist eben nur ein schnödes Dach. Und dass nicht ein einziger Gast geladen ist, macht die Angelegenheit schon zu einer traurigen noch bevor das eigentlich Unglück passiert.

Das größte Problem ist jedoch die Inszenierung: Alle zwei Seiten füllt Tom King mit zwei Seiten Monologen, es sind Auszüge aus Briefen, die sich Selina und Bruce geschrieben haben. Dazu sehen wir ganzseitige Pin-ups verschiedener Batman-Veteranen, die Batman und Catwoman in der Vergangenheit zeigen. Die Bilder haben selten etwas direkt mit dem Text zu tun, sondern dienen nur der Nostalgie und dem Fan Service, allerdings ohne der Story zu dienen. Die auch hier wieder viel zu langen Reden ergehen sich im kitschigen Geschwätz über die Augen des jeweils anderen, bis Catwoman ihm erklärt, warum sie ihn nicht heiraten kann: „To save the world, heroes make sacrifices.“ Sie opfert ihre Liebe für ihn … Aber die Motivation ist zweifelhaft, denn die Ehe garantiert den beiden weder Glück noch schließt sie aus, dass Batman dadurch die Welt ins Unglück stürzt.

Verständlich, wenn sich die Leser betrogen fühlen, vor allem, wenn das Ganze als „Wedding“ angekündigt wird und keine Hochzeit stattfindet, wenn ein Jahr lang Erwartungen geschürt wurden und wenn die größten Batman-Zeichner versammelt werden zu einem Event, das keines ist. Man könnte Tom King und den Redakteuren von DC für diese Entscheidung auch Mut zusprechen, aber es nach der ganzen Vorgeschichte kann man es kaum anders als lang anlegegten Betrug sehen. Ich hatte schon lange den Verdacht, aber spätestens nach diesem Heft komme ich zu der Überzeugung: King hat von Batman einfach nichts zu erzählen und versucht bloß darüber hinwegzutäuschen, mit Geschätz, das bedeutungsschwanger tut, und Absurdität, die um ihrer selbst Willen witzig sein soll. Aber die Rechnung geht nicht auf, wenn die Substanz fehlt. Selten fühlte sich Batman hohler an als hier.

Es fällt mir schwer das zu sagen, aber da schon lange beide Batman-Serien schwach sind, verliere ich die Lust am Lesen dieser Comics. Im Augenblick retten mich nur die alten Storys und Ausnahmen wie White Knight, die zeigen, dass es noch möglich ist, etwas von Belang zu erzählen. Hier erwarte ich es nicht mehr.

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Catwoman klaut sich ein Brautkleid

DC Comics

Titel: Bride or Burglar

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Joelle Jones

Erschienen: 2018 (Batman #38-44), Paperback 2018 (Batman Vol. 6)


„I have a Batcave, I drive a Batmobile, I throw a Batarang. Some people break their patterns. Some don’t.“ (Batman)

Erinnern wir uns: In Ausgabe #24 hat Bruce Selina einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat ja gesagt. 20 Ausgaben später sind wir immer noch nicht weiter. Denn die Hochzeit soll erst in der Jubiläumsausgabe #50 stattfinden – so will es die Verkaufsstrategie. Autor Tom King hat deswegen das Event The War of Jokes and Riddles als Rückblende dazwischen gelegt. Aber was sollte er mit den Ausgaben danach machen?

Wenn man sich durch die Hefte Rules of Engagement und Bride or Burglar liest, entsteht der Eindruck, dass er bloß Zeit totschlägt. Gab es im letzten Heft ein Wiedersehen mit Talia al Ghul sowie ein kurioses Doppeldate mit Lois und Clark, gibt es hier Wiedersehen mit Wonder Woman und Poison Ivy. Batman lässt vor seiner Ehe noch einmal die Frauen in seinem Leben Revue passieren.

Auf die Handlung muss man gar nicht groß eingehen, sie spielt kaum eine Rolle. Batman und Wonder Woman kämpfen sich in einer anderen Welt 37 Jahre (!) lang durch Monsterhorden und geraten dabei nur einmal in Versuchung – allerdings ohne ihren Geliebten untreu zu werden. (So eine Geschichte Geschichte gab es schon einmal mit Superman und Wonder Woman.) Selbst das bisschen Action dient nur dazu, wortkarge Dialoge über Beziehung und Ehe zu führen. Poison Ivy will mal wieder die Welt retten, indem sie sich alle Menschen zugleich untertan macht. Und zum Schluss klaut sich Catwoman ein Brautkleid. Dazu benutzt sie – gar nicht catlike – eine Bombe …

Am Anfang steht eine Geschichte über einen reichen Jungen, der seine Eltern verliert und wie Bruce Wayne sein will. Das ist immerhin stark erzählt, wenn auch die Handlung stark übertrieben wirkt. Aber ebenfalls nur Füllmaterial.

Keine Frage: Es darf auch mal ein paar Ausgaben zum Durchatmen geben. Aber was ich beim letzten Mal dem Autor habe durchgehen lassen, weil er immerhin gut schreibt, fällt hier durch als belangloses Geplänkel. Tom King erscheint mal wieder wie ein Autor, der sich selbst ziemlich toll findet und das geschickt inszeniert (z.B. in Alan Moore’schen 9-Panel-Seiten), aber es steckt nicht mehr dahinter als Banalität.

Die Zeichnungen von Joelle Jones und Mikel Janin sind wie immer hervorragend und ergänzen sich im letzten Kapitel auch sehr gut. Damit ist Bride or Burglar eher was zum Überblättern als zum Lesen. Im nächsten Band findet dann endlich die Hochzeit statt. Aber worauf ich hoffe, ist endlich mal eine lesenswerte Batman-Story.

Mehr Joker: Neues von der San Diego Comic-Con 2018

Die diesjährige SDCC bietet so viele Neuigkeiten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es gibt vor allem viel Neues zum Joker. Der Schurke soll 2019 einen eigenen Kinofilm bekommen – mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. In der Comic-Welt sind einige Projekte angekündigt:

The Batman Who Laughs kehrt zurück: Scott Snyder und Jock widmen dem bösesten aller Batmen aus dem Dunklen Multiversum (siehe Dark Nights: Metal) eine Mini-Serie. Start soll im November sein. In der Story verfolgt der Batman Who Laughs einen bösen Plan mit einem neuen Dunkler Ritter. Dieser soll Joe Chill mit seiner eigenen Waffe erschossen haben und nun als eine Art Punisher-Batman unterwegs sein. Snyder spricht von einem „weiteren schlimmsten Alptraum“ des Dunklen Ritters und der düstersten Batman-Story, die er je geschrieben habe …

Batman/Joker: Deadly Duo wird eine neue Mini-Serie von Marc Silvestri heißen. Der Joker ersucht Batman um Hilfe, indem er James Gordon entführt und Batman Körperteile schickt. Die Story soll ein neues Licht auf den Schurken werfen. „Siebeneinhalb“ Ausgaben lang soll die Geschichte sein, ein offizielles Startdatum gibt es nicht. „It would be full of dramatic and comedic moments“, sagt Silvestri. „I’ve been wanting to do this story for 20 years.“

Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok erscheint irgendwann im Winter als Dreiteiler unter dem DC Black Label. Es soll darin um die Traumata gehen, die der Joker bei Bruce Wayne, Barbara Gordon und Jason Todd verursacht hat. Und so sehen wir auf dem Cover auch einen der Joker mit der typischen blutigen Brechstange aus A Death in the Family, während das Kartenlegen an The Killing Joke erinnert. Waren da etwa jeweils andere Joker am Werk?

Darüber hinaus spielt der Joker auch in Scott Snyders Justice League-Serie eine große Rolle, sowie in der Mini-Serie Old Lady Harley (ab Oktober), in der es um eine altgewordene Harley Quinn gehen wird (nach dem Konzept von Marvels Old Man Logan).

Detective Comics bekommt ein neues Team: Peter J. Tomasi und Doug Mahnke übernehmen die Serie mit Ausgabe #994. Tomasi hat bereits die Serie Batman & Robin geschrieben, Mahnke hat mit ihm bereits zusammengearbeitet (The Big Burn), aber auch moderne Klassiker wie The Man Who Laughs und Under the Red Hood gezeichnet. Auch an der Jubiläumsausgabe Detective Comics #1000 soll das Team beteiligt sein. Ab Ausgabe #988 (12. September 2018) ist erstmal James Robinson als Autor verpflichtet. Ihm haben wir so großartige Batman-Storys wie Blades und Face the Face zu verdanken.

Batman bekommt ein neues Kostüm: sein altes. Autor Tom King hat angekündigt, dass Batman nach der Hochzeit mit Catwoman zurückkehrt zum Kostüm aus Hush-Zeiten. Das bedeutet einerseits, dass das Fledermaus-Symbol auf seiner Brust seinen gelben Rand verliert (juchu), andererseits, dass die schwarze Unterhose wieder zurückkommt (buh!).

Und zum Schluss noch ein Wort zu Zeichentrickfilmen: Batman: Hush wird im Sommer 2019 als Animationsfilm erscheinen. Damit setzt Warner Bros. seine erfolgreiche Reihe von Klassiker-Adaptionen wie Year One, The Dark Knight Returns und The Killing Joke fort. Für nächstes Jahr sind auch die Filme Reign of the Supermen (Fortsetzung zu Death of Superman, der im August 2018 rauskommt), Justice League vs. The Fatal Five und Wonder Woman: Bloodlines angekündigt.

Die nächste DC-Krise: Heroes in Crisis

Heroes in Crisis #1 DC Comics)

Alle paar Jahre kriegt das DC-Universum die Krise: Crisis on Infinite Earths (1985), Identity Crisis (2004), Infinite Crisis (2005), Final Crisis (2008). In diesem Jahr ist es wieder soweit: Heroes in Crisis heißt eine siebenteilige Mini-Serie, die am 26. September 2018 in den USA startet. Doch dieses Mal geht es nicht um kosmische Krisen, sondern um ganz persönliche. Batman-Autor Tom King und Zeichner Clay Mann erzählen eine Story, in der es vordergründig um einen Mordfall geht (vgl. Identity Crisis), aber tatsächlich darum, wie die Helden mit der Erfahrung von Gewalt umgehen. Im Mittelpunkt stehen die Helden hinter der Maske. Wenn ihnen die Kämpfe zu viel werden, ziehen sie sich an einen Ort namens Sanctuary zurück, eine Art Krisenzentrum für Superhelden. Heroes in Crisis handelt davon, was passiert, wenn Sanctuary versagt und katastrophale Folgen hat. Die Story kreist neben der Dreifaltigkeit aus Batman, Superman und Wonder Woman auch um Harley Quinn und Booster Gold, die vorne auf dem ersten Cover zu sehen sind.

„I feel like I’m part of a rolling generation of people who spent their twenties overseas fighting terrorism“, sagt King. „Millions of people cycle through that machine and come home to America. And I think that sort of experience of violence is shaping who we are as a culture, and as a country. And I want to talk about that. I want to talk about that experience, the experience of what violence can do to a person, to a community, to a nation, to a world.“ King fühle sich verpflichtet, darüber zu sprechen, was Gewalt einer Gesellschaft antun kann. Er wolle einen Sinn für Gemeinschaft von Superhelden und Menschen schaffen.

Tom King hat sich bereits kritisch mit dem Thema Gewalt in seiner Comic-Serie The Sheriff of Babylon (Vertigo) auseinandergesetzt. Darin geht es um einen Mordfall im Irak nach der Invasion der Amerikaner.

Doppeldate mit Lois und Clark

DC Comics

Titel: Rules of Engagement (Batman Vol. 5)

Autor/Zeichner: Tom King/Joelle Jones, Michael Lark, Clay Mann

Erschienen: 2018 (Batman #33-37, Batman Annual #2), Paperback 2018 (Batman Vol. 5)


„I’ll always be second to a child’s idiotic fantasy.“ (Selina Kyle)

Kaum sind Batman und Catwoman verlobt, erleben sie ihr erstes gemeinsames Abenteuer als Paar. In der Wüste von Khadym treffen sie auf Talia al Ghul, wo sie sich Schwertkämpfe mit ihr liefern, wobei Selina länger durchhält als Bruce. Nebenbei erfahren die drei Robins und Duke Thomas erst von Alfred von der Verlobung und fragen sich, wieso Bruce ihnen so etwas vorenthält …

Dann kommt es zum Doppeldate zwischen Bruce, Selina, Superman und Lois Lane. Ein Kapitel lang geht es um die Frage, wer wen anrufen soll, um ein Treffen vorzuschlagen. Ein Kapitel lang sehen wir die vier auf einem Jahrmarkt. Weil das Motto Superhelden lautet, tauschen die beiden Herren und Damen ihre Kostüme: Batman wird zu Superman und umgekehrt. Lois Lane wird zu Catwoman und Catwoman zu Selina Kyle in Lois‘ Kleid. Und so plaudert man über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die Ehe.

Schließlich ist da noch ein sentimentales Schlusskapitel, in dem eine Episode aus der Anfangszeit von Batman und Catwoman erzählt wird, verbunden mit einer Zukunftsepisode über die letzten Tage des alten Paares.

Der fünfte Band von Tom Kings Batman-Serie ist der bisher ruhigste und nachdenklichste, aber auch der heiterste und emotionalste, aber obwohl ein Spannungsbogen fehlt, unterhält er besser als die meisten vorherigen. Da ist zum einen der Humor, der die Geschichten mit Ironie durchzieht, da sind zum anderen Highlights wie Batman und Superman beim Baseball. Man mag das lächerlich finden, aber Tom King bekommt es gut hin, dass es Spaß macht, ohne weh zu tun.

Und natürlich sind die Zeichungen von vorn bis hinten erstklassig: Mit Joelle Jones darf erstmals eine Frau an Batman ran und man fragt sich, warum das erst jetzt passiert, da mit Selina Kyle auch eine Frau dauerhaft in Batmans Leben tritt. Jetzt müsste man sie nur noch Batman schreiben lassen, aber so weit ist man bei DC wohl noch nicht …

Mehr Batman von Tom King:

80 Jahre Superman auf 80 Seiten

DC Comics

Da ist sie endlich: 80 Jahre nach dem ersten Heft ist die 1000. Ausgabe von Action Comics erschienen. 80 Seiten lang ist sie geworden. In zehn Kurzgeschichten wird Superman abgefeiert. Hier geht es um nichts anderes als Heldenverehrung, Mythenbeschwörung, Nostalgie und Retrospektive. Wie bei einer großen Geburtstagsparty sind alle sind eingeladen, um dem Geburtstagskind die Ehre zu erweisen: alle Freunde und Schurken, sowie berühmte Autoren und Zeichner, die in Erinnerungen schwelgen und die Höhepunkte einer Karriere rekapitulieren.

Wir sehen alte Superman-Veteranen wie Dan Jurgens, der bei einer Gedenkfeier Menschen davon erzählen lässt, wie toll sie Superman finden. Der kann den Fame zwar nicht richtig genießen, weil er unruhig wegen einer möglichen Alien-Invasion ist, aber seine Helden-Freunde helfen ihm dabei aus, damit er sich feiern lassen kann. In anderen Storys darf Superman Alltagsheld spielen: Er verhindert zwei Geiselnahmen, bewahrt zwei Züge vor dem Entgleisen und spielt den Müllmann für Weltraumschrott.

Peter Tomasi und Patrick Gleason nutzen ihre rudimentäre Rahmenhandlung dazu, Superman im Wandel der Zeit darzustellen. Es ist bloß eine Aneinanderreihung von Splash-Pages, die auf vergangene Zeiten anspielen, allerdings sieht man eher Hommagen an vergangene Zeiten und eher abseitige Momente als die üblichen Greatest Hits. Und am Ende gibt es eine große Geburtstagstorte. Schön gemacht.

Die derzeitigen Branchen-Stars Scott Snyder und Tom King enttäuschen eher mit ihren nachdenklich-sentimentalen Storys, auch Altmeister Paul Dini kann mit seiner Superman-Freizeitpark-Idee und Mr. Mxyzptlk nicht überzeugen.

DC Comics

Höhepunkt des Heftes ist „The Car“, in der Geoff Johns und Richard Donner (das Team von Last Son) erzählen, was aus dem Auto wurde, das auf dem Cover von Action Comics #1 zu sehen ist. Der Fahrer bringt es ihn die Werkstatt und versucht dem Mechaniker klarzumachen, was damit passiert ist. Dann taucht Superman selbst auf – in seinem allerersten Kostüm – und sagt dem Ganoven, dass er sein Leben ändern solle. Abgesehen von diesem typischen Moralisieren ist die Idee sehr sympathisch und auch grafisch beeindruckend umgesetzt.

Zum Schluss bringt uns Brian Michael Bendis wieder in die Gegenwart. Superman wird von einem neuen Schurken durch Metropolis geprügelt: Rogol Zaar. Er behauptet, Krypton vernichtet zu haben und nun sein Werk mit Superman beenden zu wollen. Kryptonier seien nämlich eine Plage. Doch das ist nur ein erstes Teasing auf das, was da mit The Man of Steel kommen wird, der sechsteiligen Mini-Serie, mit der Bendis seine Superman-Storyline fortsetzt.

Action Comics #1000 liefert, was Superman-Fans mögen und erwarten, also keine großen Überraschungen. Überwiegend bekommt man hier, was man kennt und sich bereits gedacht hat. Schade eigentlich für so ein Geburtstagsgeschenk.

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Batman heiratet und trifft Black Lightning

DC Comics

Im Sommer wird es soweit sein: Batman und Catwoman heiraten in Batman #50. In den beiden Ausgaben zuvor wird es in der Story The Best Man darum gehen, dass der Joker versucht, das zu verhindern, indem er Batman entführt. Im Mai und Juni werden zudem fünf One-Shots erscheinen, die das Prelude to the Wedding bilden: Robin Vs. Ra’s al Ghul, Nightwing Vs. Hush, Batgirl Vs. The Riddler, Red Hood Vs. Anarky, Harley Quinn Vs. The Joker.

Alle Ausgaben werden verfasst von Tim Seeley und gezeichnet von jeweils verschiedenen Künstlern. Die fünf Cover werden aber von Rafael Albuquerque stammen und zusammen eine Einheit bilden.

DC Comics

Außerdem gibt es neues von der Serie Detective Comics zu vermelden: Autor James Tynion IV wechselt zu Justice League: No Justice, ab Ausgabe 982 übernimmt Bryan Hill (Postal, Cyberforce) die Serie. Im Juni beginnt die fünfteilige Story „On the Outside“, in der Batman auf Black Lightning trifft. Der Superheld erlebt gerade mit der gleichnamigen TV-Serie (bei uns auf Netflix) ein umjubeltes Comeback. 1983 war er bereits in Batmans Team The Outsiders.

Von James Tynion IV erscheinen in diesem Jahr noch die Bände A Lonely Place of Living (April), Fall of the Batmen (Juni) sowie im Herbst der wahrscheinlich letzte, noch unbenannte Teil.

Joker gegen Riddler: Krieg ohne Pointe

DC Comics

Titel: The War of Jokes and Riddles (dt. Der Joker/Riddler-Krieg)

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Clay Mann

Erschienen: 2017 (Batman #25-32), Paperback 2017 (Batman Vol. 4)


„What’s the difference between a joke and a riddle? (…) The answer is ‚Who cares?'“ (Selina Kyle)

Ein Jahr nach dem Zero Year: Dem Joker ist der Humor abhanden gekommen. Egal, was er auch tut, er kann nicht mehr lachen. Auch wenn er Komiker vorsprechen lässt, auch wenn er wahllos irgendwelche Leute umbringt. Der Riddler, der im Knast einsitzt, hat auch keinen Spaß mehr an Rätseln, auch wenn ihn die Polizei ständig um Hilfe bittet, welche für sie zu lösen. Und der Grund für die Miseren der beiden ist Batman. Riddler bricht aus dem Knast aus, kommt zum Joker und schlägt ihm einen Pakt vor. Der Joker lehnt ab, schießt auf den Riddler – und damit beginnt ein Krieg, bei den sich Batmans Rogue Gallery in zwei Lager spaltet …

Es gibt einige bemerkenswerte Momente in dieser Story: Das Vorsprechen der Komiker bei Joker. Riddlers Gefängnisausbruch. Ein Abendessen der Kontrahenten bei Bruce Wayne. Einen Exkurs zu Kite-Man, der dem lächerlichen Schurken eine ernst zu nehmende Tiefe verleiht. Es gibt Fan-Service wie eine Variation der Joker-Spiegel-Szene aus Tim Burtons erstem Batman-Film, einen Pinguin, der an Danny DeVito aus Batman Returns erinnert und eine Anspielung auf den ersten Auftritt des Jokers in Batman #1. Außerdem sind die präzisen Zeichnungen von Mikel Janin und Clay Mann wie immer beeindruckend.

Aber: Trotz allem hat die Geschichte bei mir nicht funktioniert. Warum? Es gibt einen Grundsatz beim Schreiben: Show, don’t tell. Das heißt: Werde konkret, lass Charaktere handeln und sprechen, erzähle nicht einfach, was sie denken, fühlen und tun. Autor Tom King kennt diesen Grundsatz, wie jeder Profi. Und dennoch ist sein War of Jokes and Riddles meistens eine reine Nacherzählung, in der er Batman in zu vielen Captions einfach nur reden lässt, statt der Handlung mehr Raum zu geben, sich entwickeln zu lassen. Der Krieg bleibt abstrakt, wir sehen kaum etwas davon, er wird nur behauptet, aber selten gezeigt – auch nicht in seiner Wirkung auf Gotham und seine Einwohner. Einzig ein dreitägiger Kampf zwischen den Profikillern Deathstroke und Deadshot bekommt ein paar Seiten gewidmet, aber auch der bleibt spannungsarm, weil man nie das Gefühl hat, dabei zu sein, zu distanziert wirkt das alles.

Das andere große Problem bildet die Motivation der Figuren. Es ist etwas müßig, beim Superhelden-Genre das Maß der Wahrscheinlichkeit anzulegen, aber jede noch so fantastische Story braucht ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer Ansprüche und Möglichkeiten. Hier ist es nicht nur fragwürdig, warum Joker und Riddler sich so verbittert bekriegen, sondern auch dass sich wirklich alle großen Schurken auf eine der beiden Seiten schlagen und sich souveräne Einzelgänger wie Two-Face oder Poison Ivy als Handlanger bzw. Soldaten einspannen lassen. Tom King zeigt uns nicht, wie es dazu kam, er spart die Rekrutierung einfach aus – so wie vieles andere.

So bleibt The War of Jokes and Riddles da sprunghaft, wo es interessant geworden wäre. Stattdessen gibt es seitenweise Gräueltaten, Dialoge zwischen und Monologe von Joker und Riddler. Und obwohl viel geredet wird, bleiben ihre Motive dennoch schwammig und dadurch wirkt der große Krieg sehr bemüht. Auch die Lösung und Auflösung am Ende überzeugen (mich) nicht. Und sowohl Bruce Waynes Fahrlässigkeit als auch Batmans Handeln bleiben (mir) unverständlich.

Das ist auch deshalb schade, weil damit eine grundsätzlich interessante Idee verheizt wurde. So wirkt der Comic nur wie der feuchte Traum eines Fanboys, der sich ausmalt, wie cool es wäre, wenn der Joker und der Riddler gegeneinander Krieg führten, aber nicht genug Fantasie und Fähigkeiten entwickeln, aus der Idee eine durchdachte, spannende und vielleicht sogar innovative Geschichte zu schreiben.

Coole Prämissen, schwache Umsetzungen – Superhelden-Comics sind leider voll davon.

Hier eine andere Meinung:

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