Die Justice League und der Seestern

DC Comics

Titel: Starro the Conqueror (Justice League of America)

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #28), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Die Geschichte der Justice League (of America) beginnt nicht mit einem Teambuilding, sondern mit einem Riesenseestern namens Starro. Der kommt aus dem All hinab auf die Erde, rekrutiert drei kleine Seesterne, päppelt sie zu Riesen auf und will mit ihnen die Welt erobern. Aquaman, der Seesternexperte, alarmiert sein Team: Wonder Woman, Flash, Green Lantern und J’onn J’onzz – nur Superman und Batman haben gerade Besseres zu tun. (Superman zerkleinert immerhin Meteoriten im All, aber Batman jagt nur Ganoven im Gotham. Erst am Ende tauchen sie wieder kurz im Bild auf.)

Während Green Lantern dabei zusieht, wie ein Aushilfsseestern eine Atombombe zündet und sich an der Energie gütlich tut, müssen Wonder Woman und der Marsianer die besten Wissenschaftler des Landes vor dem Brain Drain durch einen anderen Seestern retten. Und dann gibt es noch Flash. Der gibt sich mit einem ziemlich unsympathischen Jungen namens Snapper ab, der die nervige Angewohnheit hat, nicht nur Stuss zu reden, sondern auch ständig mit den Fingern zu schnippen. Snapper sieht, wie seine Familie zu gedankenkontrollierten Zombies werden, während er selbst – weil offenbar zu dämlich, um von Nutzen zu sein – verschont bleibt. Flash kann auch den dritten Stern besiegen, indem er das tut, was er immer tut, nämlich rennen. So entstehen Wirbelwinde etc.

Am Ende bewirft die Justice League den bösen Oberseestern mit Kalk und die Sache ist erledigt. Snapper sei dank, der unfreiwillig den entscheidenden Impuls dazu gibt. Dafür gibt es eine Ehrenmitgliedschaft in der Liga, samt Medaille. (Okay, Junge, du hattest deine 15 Minuten Ruhm. Und jetzt bitte: lass das dumme Grinsen, verzieh dich – und hör mit dem verdammten Schnippen auf!)

Die Story von Starro wurde 1998 (in JLA: Secret Files and Origins #1) von Grant Morrison und Howard Porter neu erzählt. Der Riesenseestern (der jetzt grün ist statt grau) besetzt ein Gebäude in Blue Valley und lässt viele kleine einäugige Sterne auf die Gesichter von Menschen fliegen (Facehugger, eine freundliche Leihgabe der Alien-Filme) und sie zu Zombies werden, darunter auch Flash. Die Justice League will eingreifen, da taucht The Spectre auf und verbietet es, weil sie sonst ebenso zu Zombies und damit mächtigen Verbündeten des Eroberers werden, um die Menschheit zu versklaven. Die JLA lässt sich also die Kräfte nehmen, um keine Gefahr mehr darzustellen, wird vom bösen Flash ausgeknockt. In der Zwischenzeit dringt Batman in die Zentrale ein und besiegt Flash, indem er die Klimaanlage sabotiert. Denn Kälte verträgt der Seestern nicht so gut (fragt sich nur, wie er es durchs Weltall geschafft hat). Flash wird den Parasiten los, zerstört alles und die JLA kriegt ihre Kräfte zurück.

Doch das war nur die Vorhut. In JLA #22-23 (1998) kommt Starro als der eigentliche Eroberer zur Erde. Diesmal im Traum. Die ganze Menschenheit (bis auf die Einwohner Blue Valleys) ist plötzlich in Tiefschlaf versetzt und gefangen in einer Traumwelt, in der Starro herrscht und es weder Superhelden noch Erinnerungen an sie gibt. Nur ein kleiner Junge erinnert sich noch an sie und leistet Widerstand. Wieder wird die JLA von einem Metawesen aufgesucht, diesmal dem Sandman, und indem sie sich von ihm in die Traumwelt versetzen lässt, verlieren die Helden wieder ihre Kräfte. Bei der Suche nach dem Hoffnungsträger müssen sie sich beeilen, denn nach und nach bekommen alle Seesternfratzen angeheftet und parallel dazu kommen weitere Riesenseesterne zur Erde …

Die Neuauflage des alten Motivs macht aus dem albernen und beliebigen Schurken einen ernstzunehmenden Gegner. Die drei Hefte gehören nicht nur zu den unheimlichsten JLA-Storys, sondern sind auch grafisch beeindruckend von Howard Porter umgesetzt, sodass eine beklemmende postapokalyptische Atmosphäre entsteht. Dieses starre rote Auge auf den Gesichtern der Menschen hat exquisite Horrorqualitäten.

Hinweis: Die neueren JLA-Storys sind in JLA Sonderband 4 und JLA 22-23 (Dino Verlag) auf deutsch erschienen.

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