Wonder Woman

Gefangen in der Scheune

DC Comics

Titel: Better Together (dt. Gemeinsam stark)

Autor/Zeichner: Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2016 (Trinity #1-6), Paperback 2017 (Trinity Vol. 1), dt. Panini 2017 (Paperback)


„This is ridiculous.“ (Batman)

Nach dem Ende der Serien Batman/Superman und Superman/Wonder Woman gibt es wieder eine Serie, die alle drei Helden zusammenbringt (passend zum Film Batman v Superman): Bruce Wayne und Wonder Woman besuchen die Familie Kent in Smallville. In einer Scheune werden sie von Schlingpflanzen gefangen genommen, die sie in eine Traumwelt versetzen: Zunächst sehen sie Clarks Jugend und treffen auf Jonathan Kent, dann sehen sie den Mord an den Waynes, schließlich geht es nach Themyscira. Und als alle durch sind, dämmert ihnen, dass das alles nur ein Traum ist. Poison Ivy ist verantwortlich. Aber eigentlich Mongul … (Ist eigentlich auch egal.)

Die Story ist nichts als ein Remake von Alan Moores Superman-Special For the Man Who Has Everything (1985). Aber ein furchtbar langweiliges und einfallsloses. Wie immer zeigt sich, dass Francis Manapul ein toller Grafiker ist, aber ein mieser Erzähler. Seine Zeichnungen und warmen, bunten Farben sind schön anzusehen, aber seine Story bleibt flach und erschöpft sich in Introspektionen der drei Helden. (Ganz abgesehen davon hat Manpul nur drei von sechs Ausgaben gezeichnet, wobei der Rest auch okay aussieht.) So wirkt Trinity wie eine Klassenzusammenkunft: voller Nostalgie, aber nichts als eine bemühte Pflichtübung.

Schon Batman v Superman hat gezeigt: die drei größten Helden zusammen zu bringen, garantiert noch längst keine einnehmende Geschichte.

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With A Little Help From My Friends

DC Comics

Titel: Universe’s Finest (dt. Fünf gegen Vandal Savage)

Autor/Zeichner: Tom Taylor, Peter J. Tomasi, Frank Tieri/Robson Rocha, Doug Mahnke, Alex Konat, Elia Bonetti, Guiseppe Cafaro

Erschienen: 2016 (Batman/Superman #28-32, #33-34, Annual #3), Paperback 2017 (Batman Superman Vol. 6)


„We’re more than friends, Bruce … We’re super-friends.“ (Superman)
„Say that again, and we’re most definitely not.“ (Batman)

Batman hat seine Prinzipien. Zum Beispiel, dass niemanden um Hilfe bittet. Jedenfalls nicht gern. Trotzdem gibt es ihn auch als Teamplayer. Ob mit der Bat-Family, der Justice League – oder eben als World’s Finest-Zweiergespann mit Superman. Im letzten Band der Batman/Superman-Serie fragt zunächst Superman um Rat: Auf dem Mond liegt die Leiche eines Riesenaliens, daneben ein kombiniertes Symbol beider Helden. Sie finden heraus, dass das etwas mit Krypton zu tun hat – und dann wird Batman auch noch von Lobo gejagt. Der Kampf zwischen Batman und Lobo ist das erste Highlight des Bandes. Schön gezeichnet ist das Ganze auch noch.

Danach folgen zwei Kapitel aus der Storyline The Final Days of Superman, deren Lektüre für sich genommen wenig Sinn ergibt, wenn man den Rest nicht kennt. In Kürze: Superman stirbt, zusammen mit Batman und Wonder Woman verfolgen sie einen neuen Superman nach China. Sie kämpfen gegen chinesische Superhelden, darunter den Yeti … Whatever.

Interessant wird es am Ende, in der dritten Geschichte: Criss Cross erzählt, wie sich einige Schurken von Batman und Superman in einer New Yorker Bar treffen und eine Wette abschließen, welchen Helden sie zu Fall bringen können. Batmans Schurken nehmen sich Superman vor, Supermans Schurken greifen Batman an. Es kommt zu einem amüsanten Doppelkampf mit Killer Croc, Livewire, Bane, Major Disaster, Poison Ivy und Atomic Skull. Batman fährt das Batmobil und trägt den Kampfanzug aus Batman v Superman, Superman wird von Bane übers Knie gelegt – zum Schluss gibt sich sogar Lex Luthor die Ehre. Alles Nonsens, nicht ernst zu nehmen, nicht ernst gemeint, aber so kurzweilig, witzig und (meistens) so ansprechend gezeichnet, dass es ein Riesenspaß für Fans ist.

Mehr solcher Geschichten hätten der Serie gut getan, leider blieb sie aber meist hinter den Erwartungen zurück. Schade eigentlich, aber immerhin ist das Finale sehr gelungen.

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Jeder darf mal

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice League

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ivan Reis, Doug Mahnke, Jason Fabok

Erschienen: 2014 (Justice League #30-39), Paperback 2015; dt. Panini 2016 (Paperback)


„You’re no different from those in Arkham, Luthor. You don’t have a colorful costume or carry a deck of cards. You don’t wear your psychosis on your sleeve like they do… But that’s what makes you more dangerous. You can hide among us.“ (Batman)

Lex Luthor hat die Welt gerettet. Jetzt will er der Justice League beitreten. Seine Begründung: Da kommt noch mehr auf die Erde zu. Aber Superman und Co. trauen Luthor nicht. Die Erfahrung mit ihm als Schurke lässt sich nicht wegdenken. Daraufhin versucht Luthor es bei Batman. Er kommt unangemeldet zu Bruce Wayne nach Hause, sagt ihm, dass er dessen Geheimnis kenne. Bruce stellt sich dumm. Und auch das Ziehen einer Handfeuerwaffe überzeugt Bruce nicht von Luthors edlen Motiven. (Warum wohl?)

Und dann gibt es noch das Vermächtnis von Power Ring, dem bösen Green Lantern von Erde 3. Dessen Ring hat sich ein neues Opfer gesucht: Jessica Cruz. Sie wird zum Träger wider Willen und lässt in Portland, Oregon, eine Flut an grünen Monstern und Flammen los. Die Doom Patrol greift ein, die Justice League folgt sogleich, es kommt zu einem kleinen, unmotivierten und auch nur halbherzigen Kampf.

Cyborg versucht in den Ring einzudringen. Lex Luthor versucht mit Drohungen an den Ring heranzukommen. Am Ende kann Batman durch gutes Zureden Jessica Mut machen, die Kontrolle zu übernehmen. Schließlich wird nicht nur sie in die Liga aufgenommen, obwohl sie weder sich noch den Ring im Griff hat, sondern auch Lex und nebenbei der infantile Shazam – offenbar nimmt man heutzutage jeden. Für Lex lautet der Grund: Man will ihn so besser beobachten …

In der zweiten Story, The Amazo-Virus, bereut die JL ihre Entscheidung. Bei einem gescheiterten Attentat auf Luthor wird aus seinem Labor ein Virus freigesetzt, das Menschen zunächst Superkräfte verleiht und sie kurz darauf sterben lässt. Auch die meisten Liga-Mitglieder werden infiziert. Man sucht nach Patient Null, doch als man ihn findet, trägt er nichts zur Lösung bei. Schließlich muss Superman Blut spenden, um die Sache zu lösen. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen den infizierten und den verschont gebliebenen Mitgliedern.

Die Story ist ziemlich spannungsarm erzählt, die meiste Zeit wird bloß geredet, wobei wir am meisten nur selbstverliebte Monologe von Lex Luthor lesen. Dabei wird das Ausmaß der Seuche nie richtig greifbar und auch die Tatsache, dass die halbe Liga besessen vom Virus ist, wirkt nie richtig bedrohlich. Der Umstand, dass Menschen Superkräfte bekommen, spielt eigenartigerweise keine große Rolle, was den Sinn hinter der Idee fraglich macht. Jeder kriegt mit den Kräften seine 15 Minuten Ruhm – das könnte auch für die Rekrutierungsstrategie der Justice League stehen. Kurz: Ein weiteres Routine-Abenteuer.

Am Ende aber gibt es einen neuen Amazo und Green Lantern Hal Jordan kehrt zurück. Wo war der eigentlich hin? Man verliert sehr leicht den Überblick, wenn man nicht gut aufpasst und dranbleibt …

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Swiss Army Robot

DC Comics

Titel: The Case of the Stolen Super-Powers

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #30), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Das Besondere an der JLA ist die Vielseitigkeit: Jeder Held hat andere Kräfte, die er nützlich fürs ganze Team einsetzen kann. Jeder kommt zum Einsatz. Außer Batman und Superman – die spielen, obwohl sie die prominentesten Mitglieder sind, kaum eine Rolle in den ersten Abenteuern. Sie erscheinen meist nur kurz im Bild, Superman darf höchstens der Deus ex machina am Ende sein. Offenbar ist er zu mächtig und würde damit die anderen in den Schatten stellen. Was aber wäre, wenn ein Gegner alle Kräfte der Liga vereinen würde? Er wäre unbesiegbar …

Darum geht es im dritten Abenteuer: Die Mitglieder der JLA verlieren ihre Kräfte. Zumindest für einen Moment. Gleichzeitig stiehlt der Android Amazo mit genau diesen Kräften Tiere, die lange leben. Die JLA sieht da einen Zusammenhang und macht sich auf, die ältesten Tiere (und auch einen Menschen) der Welt zu beschützen. Interessante Aufteilung: Während Flash und J’onn J’onzz sich zusammen um eine Eule kümmern, nimmt sich Batman einen Elefanten vor – allerdings hat das keine Relevanz für den Rest der Geschichte, weil Batman über keine Superkräfte verfügt. (Seltsam allerdings, dass sich niemand für Supermans Kräfte interessiert.)

Die JLA kämpft weltweit gegen Amazo, am Ende landen alle in Gefangenschaft von Professor Ivo, des Wissenschaftlers, der Amazo geschaffen hat. Der Superroboter, der alles kann, ist aber nur ein Umweg: Ivo will bloß ewiges Leben, daher braucht er die Tiere. Ein ganz schön großer Umweg! Denn in all den Jahren, die er gebraucht hat, um Amazo zu konstruieren, hätte er auch einfach die Tiere einsammeln können. Am Ende geht das mit dem Zusammenbrauen des lebensverlängernden Tranks auch superfix. Warum verschwendet einer, der so sehr auf ein langes Leben bedacht ist, seine Lebenszeit mit Amazo?

Weil es sonst keine Story mit der Justice League gäbe. Die werden am Ende nämlich völlig ihrer Kräfte beraubt und ihrer Erinnerung daran, dass sie Superhelden waren. Nur Green Lantern kann sie retten, indem er seine Gelbschwäche zu seinem Vorteil ausnutzt. Ivo landet für 500 Jahre im Knast, damit es lebenslänglich wird. Moment mal: 500 Jahre? Für was? Diebstahl? Entführung? Gestohlene Superkräfte? Selbst nach US-Recht dürfte die Strafe milder ausfallen. Immerhin ist niemand gestorben.

Aber in Superheldencomics muss ja nicht immer alles Sinn ergeben. Wer Realität will, sollte lieber aus dem Fenster schauen.

Amazo kommt natürlich zurück und wird im Laufe der Zeit zu einem der größten Feinde der JLA. Unter anderem taucht er auch bei Batman auf, in der Storyline Under the (Red) Hood.

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Zum Scheitern verurteilt

DC Comics

Titel: Challenge of the Weapons Master

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #29), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


„Xotar is the most dangerous enemy the JLA ever faced!“ (Batman)

Schurken wollen nur das Eine: Reichtum, Weltherrschaft oder Rache. Doch es gibt Ausnahmen. Manche Schurken legen es nur drauf an, von den Superhelden Aufmerksamkeit zu bekommen. Damit haben sie zwar meist Erfolg und nerven die Helden, aber scheitern natürlich umso kläglicher. Beim „Weapons Master“ Xotar, dem zweiten Gegner der noch jungen Justice League, ist das besonders interessant. Er scheint es aufs Scheitern geradezu anzulegen. Anders ist sein idiotisches Handeln nicht zu erklären.

Dieser Berufsverbrecher macht sich die Mühe, aus einer 10.000 Jahre entfernten Zukunft mit einem gelben Kampfroboter ins 20. Jahrhundert zu reisen, nur um vier Waffen an der Justice League zu testen. Damit will er die Polizei besiegen, die hinter ihm her ist. Ein altes Buch, das Wonder Woman geschrieben hat, lässt ihn darauf schließen, dass eine seiner Waffen unbesiegbar sein muss – auch wenn die fragliche Passage halb unleserlich ist. Trotzdem: Er ergreift Besitz von Snapper Carr (dem nervigen Jungen, der seit Starro Ehrenmitglied der JL ist), hält die Helden mit einem Strahl fest und testet seine Waffen nacheinander an anderen Helden.

Zuerst ist Flash dran – gegen einen Schrumpfstrahl. Dann Aquaman und J’onn J’onzz – gegen einen Strahl, der aus Mehrzellern Einzeller macht. Schließlich Batman, Wonder Woman und Green Lantern gegen gelbe Blasen. Damit die Sache spannender wird, macht Xotar einen auf Riddler, indem er den Ort der Duelle nur in Rätseln verrät. Das bringt den armen Flash dazu, erstmal einen Umweg über die Bücherei zu nehmen … Jedes Mal kann die JLA die vermeintlichen Superwaffen ganz einfach ausschalten.

Warum aber kommt keiner der jeweils befreiten Helden auf die Idee, den Strahl, der die anderen gefangen hält, zu zerstören? Und wo ist Superman? Der antwortet nicht. So kommt es zum letzten Kampf, dafür werden alle Helden auf einmal befreit. Die letzte Waffe gaukelt ihnen vor, gegen dinosaurierartige Monster zu kämpfen, während sie sich in Wirklichkeit gegenseitig bekriegen. Da hilft am Ende Superman, der wie Kai aus der Kiste gesprungen kommt und die Farce mit bloßen Händen beendet. Er schickt Xotar zurück in die Zukunft, wo ihn schon die Polizei aufgreift.

Xotar wirkt wie ein Paradebeispiel dafür, dass Menschen ihre Fähigkeiten nicht auf andere Felder übertragen können. Geniale Wissenschaftler sind nicht unbedingt geniale Strategen. Vielleicht ist er aber auch nur dämlich: Wer vor der Polizei flieht, sollte sich nicht unbedingt mit der JLA duellieren. Es sei denn er ist masochistisch veranlagt. Vielleicht steckt aber auch mehr dahinter: Das Schuldbewusstsein, das ihn am Ende zurück in die Arme der Exekutive treibt. Im Grunde sehen wir dabei zu, wie Xotar sich über einen Umweg selbst seiner Strafe ausliefert …

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Götter als Alltagshelden

Titel: The World’s Greatest Super-Heroes (dt. DC Helden)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross

Erschienen: 1999-2004 (One-shots: Superman: Peace on Earth, Batman: War on Crime, Captain Marvel: Power of Hope, Wonder Woman: Spirit of Truth, JLA: Secret Origins, JLA: Liberty and Justice) Paperback 2005, Hardcover 2017 (Absolute Justice League); dt. Panini 2007 (DC Premium 50)


„I now see that taking on this responsibility was too ambitious for one man, even a Superman.“

Alex Ross ist der Michelangelo unter den Superhelden-Malern. In den 90ern hat er zuerst mit Marvels die Marvel-Helden zu Göttern gemacht, dann – mit Kingdom Come – die DC-Helden, wenn auch in einem Elseworlds-Szenario. Ende der 90er begann er zusammen mit Autor Paul Dini damit, den größten Charakteren einzelne Denkmäler zu setzen: Superman, Batman, Captain Marvel, Wonder Woman und der Justice League. Entstanden sind sechs Bände, in denen einerseits die Helden mit bildgewaltigen Auftritten zu Göttern stilisiert, anderersits ihre menschlichen Seiten gezeigt werden.

Die Helden kämpfen nicht gegen Superschurken, sondern gegen die realen Probleme der Welt: Superman versucht, den Welthunger zu besiegen – und scheitert an der Gier und der Borniertheit der Menschen. Batman (der sich fragt, wie sein Leben ohne Reichtum verlaufen wäre) versucht, das Verbrechen an der Wurzel anzugehen, um Menschen in Gotham ein besseres Leben zu ermöglichen, und erzielt immerhin Teilerfolge. Es ist interessant in der Gegenüberstellung, wie der Übermensch versagt und der Mensch gewinnt, aber in ihrer Grundhaltung sind beide Geschichten positiv.

So auch Captain Marvel (Shazam) und Wonder Woman: Während der eine behinderten Kindern Hoffnung gibt, indem er Zeit mit ihnen verbringt, beschützt die andere Unschuldige (Frauen) weltweit vor ihren Unterdrückern. Captain Marvel kann zwar auch den Vater eines Jungen davon abhalten, seinen Sohn zu misshandeln, aber Wonder Woman scheitert mit ihrer Naivität, als sie sich halbnackt in ihrem Kostüm unter vollverschleierte Muslima begibt – dafür fliegen Steine.

Jeweils über zwei Seiten werden die jeweiligen Entstehungsgeschichten der Helden nacherzählt, so auch die von Flash, Green Lantern, Aquaman, Martian Manhunter und anderen. Die umfangreichste Story ist der Justice League gewidmet. Das Team muss einen außerirdischen Virus in Zentralafrika bekämpfen, der zur Bedrohung für die Welt wird. Während die Helden versuchen, das Schlimmste zu verhindern, bricht weltweit Panik aus, die Helden müssen intervenieren und machen sich damit unbeliebt. Das Vertrauen wird erschüttert – und muss anschließend mühsam wieder aufgebaut werden.

Trotz der allzu weltlichen Probleme ist der Blick stets nach innen gekehrt, der Ton der Geschichten nachdenklich. Sprechblasen gibt es nicht (außer bei der JLA), die Captions sind aufgelöst in reine Textfelder, um der Kunst mehr Raum zu geben. Wichtiger als die äußere Handlung sind die inneren Vorgänge und Motivationen der Helden. So bekommen die Charaktere eine größere Tiefe als in den meisten Comics. Und manches Unerhörte offenbart neue Abgründe, wie z.B. dieser Gedanke von Batman:

„In my darkest moments, I’m taunted by the suspicion that my parent’s murder was the best thing that ever happened to me. Cynically, I tell myself it has given my life a destiny and the means to fulfill it.“

Die Superhelden zweifeln an sich, weil sie mit ihren scheinbar unendlichen Kräften an die Grenzen des Machbaren stoßen. Ganz alltägliche Probleme scheinen unüberwindbarer als eine Alien-Invasion. Man sieht, warum auch Superhelden nicht alles können – es sei denn, sie werden zu Tyrannen, was sie natürlich nicht wollen. Ihren größten Nutzen haben die Übermenschen, wenn sie sich bemühen, einfach nur gute Menschen zu sein. So besteht auch ihr Zweck für die reale Welt darin, anderen Menschen Hoffnung zu verleihen.

Alex Ross inszeniert die Protagonisten nicht nur überaus realistisch, sondern auch feinfühlig, mit einem treffenden Gespür für Ausdrücke und Nuancen schafft er es, jeden noch so geringen Statisten mit Leben zu füllen. Mit ungewöhnlichen Perspektiven und einer Vielzahl an romantisierenden Lichtstimmungen versetzt er auf jeder Seite seine Leser in Staunen. The World’s Greatest Super-Heroes wird seinem Titel mehr als gerecht, es ist ein Meisterwerk.

Jahrelang war das Buch vergriffen, jetzt hat DC es in einer prächtigen Absolute-Edition herausgebracht (UVP: 75 US-Dollar). Für jeden DC- und Alex Ross-Fan dürfte es das perfekte Weihnachtsgeschenk sein.

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Wie aus Bäumen Helden werden

DC Comics

Titel: The Origin of the Justice League

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1962 (Justice League of America #9), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 2); dt. Eaglemoss 2015 (JLA – Das erste Jahr Teil 1)


Nach elf Abenteuern der JLA fiel den Verantwortlichen bei DC ein, dass es vielleicht interessant wäre zu erzählen, wie alles mit dem Team begann. Denn die Justice League war bisher ohne Erklärungen eingeführt worden, was eigentlich ziemlich seltsam ist, wenn man bedenkt, dass es schon über 20 Jahre Superhelden gab, aber noch keiner auf die Gedanken gekommen war, die bekanntesten zusammenzubringen (abgesehen von Batman und Superman). Noch seltsamer ist dieser nervige Junge namens Snapper Carr, der aus unerfindlichen Gründen mit unser aller Lieblingshelden rumhängen darf. Der fragt bei einer Geburtstagsfeier der Liga, wie denn das damals gewesen sei und da erzählen sie es ihm. (Offenbar liest der Junge keine Zeitung und kriegt auch sonst nix mit.)

Es beginnt mal wieder mit einer Alien-Invasion: Ein Steinriese, ein Glasfisch, ein Quecksilberklecks und ein Riesenvogel verwandeln die Menschheit in Stein, Glas, Quecksilber und Vögel – und jedes einzelne Mitglied der JLA auch. Doch die können sich jeweils kurz vor knapp aus dem Bann befreien und die Gegner besiegen. Obwohl man das Prinzip spätestens nach dem zweiten Mal verstanden hat, wird es noch zweimal durchexerziert, bis jeder Held seinen Auftritt hatte. Am Ende machen alle nochmal das Gleiche durch, indem sie in Bäume verwandelt werden. Dann geht es zum Nordpol, wo Batman und Superman gegen den Endgegner kämpfen, der sie zu Diamanten macht. Superman erledigt ihn aber sehr schnell. Wie das? Nun ja, die Erklärung geht so: Superman kann bekanntlich Kohle zu Diamanten pressen – also funktioniert das auch umgekehrt, indem er Diamanten zu Kohle … äh … rubbelt …

Wie dem auch sei: Nach dem Kampf gegen die sieben Invasoren gründen die Glorreichen Sieben die Liga. Während die Aliens nur zur Erde gekommen sind, um sich zu beweisen, damit entschieden wird, wer von ihnen der nächste Herrscher ihres Planeten (Appellax) wird, konstituiert sich die Liga als Gruppe Gleichberechtigter und Gleichgesinnter. In der Liga, so erfahren wir, gibt es keinen festen Anführer. Der Chairman wechselt ständig. Allerdings, wenn es ums Putzen des Hauptquartiers geht, trägt Wonder Woman eine Schürze und hat das Sagen. Auch wenn alles ihrem Kommando folgt und kräftig mitanpackt – ich bin mir nicht sicher, ob das ganz im Sinne der Emanzipation ist …

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Die Justice League und der Seestern

DC Comics

Titel: Starro the Conqueror (Justice League of America)

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #28), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Die Geschichte der Justice League (of America) beginnt nicht mit einem Teambuilding, sondern mit einem Riesenseestern namens Starro. Der kommt aus dem All hinab auf die Erde, rekrutiert drei kleine Seesterne, päppelt sie zu Riesen auf und will mit ihnen die Welt erobern. Aquaman, der Seesternexperte, alarmiert sein Team: Wonder Woman, Flash, Green Lantern und J’onn J’onzz – nur Superman und Batman haben gerade Besseres zu tun. (Superman zerkleinert immerhin Meteoriten im All, aber Batman jagt nur Ganoven im Gotham. Erst am Ende tauchen sie wieder kurz im Bild auf.)

Während Green Lantern dabei zusieht, wie ein Aushilfsseestern eine Atombombe zündet und sich an der Energie gütlich tut, müssen Wonder Woman und der Marsianer die besten Wissenschaftler des Landes vor dem Brain Drain durch einen anderen Seestern retten. Und dann gibt es noch Flash. Der gibt sich mit einem ziemlich unsympathischen Jungen namens Snapper ab, der die nervige Angewohnheit hat, nicht nur Stuss zu reden, sondern auch ständig mit den Fingern zu schnippen. Snapper sieht, wie seine Familie zu gedankenkontrollierten Zombies werden, während er selbst – weil offenbar zu dämlich, um von Nutzen zu sein – verschont bleibt. Flash kann auch den dritten Stern besiegen, indem er das tut, was er immer tut, nämlich rennen. So entstehen Wirbelwinde etc.

Am Ende bewirft die Justice League den bösen Oberseestern mit Kalk und die Sache ist erledigt. Snapper sei dank, der unfreiwillig den entscheidenden Impuls dazu gibt. Dafür gibt es eine Ehrenmitgliedschaft in der Liga, samt Medaille. (Okay, Junge, du hattest deine 15 Minuten Ruhm. Und jetzt bitte: lass das dumme Grinsen, verzieh dich – und hör mit dem verdammten Schnippen auf!)

Die Story von Starro wurde 1998 (in JLA: Secret Files and Origins #1) von Grant Morrison und Howard Porter neu erzählt. Der Riesenseestern (der jetzt grün ist statt grau) besetzt ein Gebäude in Blue Valley und lässt viele kleine einäugige Sterne auf die Gesichter von Menschen fliegen (Facehugger, eine freundliche Leihgabe der Alien-Filme) und sie zu Zombies werden, darunter auch Flash. Die Justice League will eingreifen, da taucht The Spectre auf und verbietet es, weil sie sonst ebenso zu Zombies und damit mächtigen Verbündeten des Eroberers werden, um die Menschheit zu versklaven. Die JLA lässt sich also die Kräfte nehmen, um keine Gefahr mehr darzustellen, wird vom bösen Flash ausgeknockt. In der Zwischenzeit dringt Batman in die Zentrale ein und besiegt Flash, indem er die Klimaanlage sabotiert. Denn Kälte verträgt der Seestern nicht so gut (fragt sich nur, wie er es durchs Weltall geschafft hat). Flash wird den Parasiten los, zerstört alles und die JLA kriegt ihre Kräfte zurück.

Doch das war nur die Vorhut. In JLA #22-23 (1998) kommt Starro als der eigentliche Eroberer zur Erde. Diesmal im Traum. Die ganze Menschenheit (bis auf die Einwohner Blue Valleys) ist plötzlich in Tiefschlaf versetzt und gefangen in einer Traumwelt, in der Starro herrscht und es weder Superhelden noch Erinnerungen an sie gibt. Nur ein kleiner Junge erinnert sich noch an sie und leistet Widerstand. Wieder wird die JLA von einem Metawesen aufgesucht, diesmal dem Sandman, und indem sie sich von ihm in die Traumwelt versetzen lässt, verlieren die Helden wieder ihre Kräfte. Bei der Suche nach dem Hoffnungsträger müssen sie sich beeilen, denn nach und nach bekommen alle Seesternfratzen angeheftet und parallel dazu kommen weitere Riesenseesterne zur Erde …

Die Neuauflage des alten Motivs macht aus dem albernen und beliebigen Schurken einen ernstzunehmenden Gegner. Die drei Hefte gehören nicht nur zu den unheimlichsten JLA-Storys, sondern sind auch grafisch beeindruckend von Howard Porter umgesetzt, sodass eine beklemmende postapokalyptische Atmosphäre entsteht. Dieses starre rote Auge auf den Gesichtern der Menschen hat exquisite Horrorqualitäten.

Hinweis: Die neueren JLA-Storys sind in JLA Sonderband 4 und JLA 22-23 (Dino Verlag) auf deutsch erschienen.

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Batman trifft Wonder Woman in Brave and the Bold

DC Comics

DC Comics lässt im Februar 2018 seine Serie The Brave and the Bold wiederauferstehen, als Mini-Serie mit Batman und Wonder Woman. Wie die Washington Post berichtet, wird Liam Sharp die insgesamt sechs Teile schreiben und zeichnen. Die Story vermischt griechische und keltische Mythologie, die beiden Helden müssen den Tod eines keltischen Gottes aufklären. Sharp schreibt und zeichnet schon seit vielen Jahren Comics, auch an Batman hat er bereits mitgewirkt (Batman Chronicles #2 und Shadow of the Bat #42, beide 1995).

Die Serie The Brave and the Bold lief ursprünglich von 1955 bis 1983 und wurde nach 200 Ausgaben eingestellt. Zunächst diente die Serie als Experimentierfeld für neue Figuren und Konzepte, darunter die Justice League. Seit 1967 (Ausgabe #74) ging es nur noch um wechselnde Team-ups mit Batman. Die Serie wurde noch zweimal neu gestartet, in den 90ern als Mini-Serie und in den Nullerjahren als fortlaufende Serie, die es auf 35 Ausgaben brachte.

Brave and the Bold: Batman and Wonder Woman #1 erscheint in den USA am 21. Februar 2018.

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Justice League: Batman bringt die Band zusammen

Warner Bros.

Titel: Justice League

Regie/Drehbuch: Zack Snyder/Chris Terrio, Joss Whedon

Erschienen: 2017


„I’m rich.“ (Bruce Wayne)

Die gute Nachricht zuerst: Es ist gelungen. Endlich haben auch die DC-Helden einen Film bekommen, der ihnen gebührt. Nach dem vorzüglichen Wonder Woman ist Justice League eine würdige Fortsetzung. Nicht ganz so vorzüglich zwar, aber allemal unterhaltsamer als Man of Steel und Batman v Superman. Auch wenn der Film alles andere als einfallsreich ist. Das ist wohl das größte Problem: Es fehlt jegliche Überraschung.

Das liegt schon an der Story: Ein böses Alien (Steppenwolf) will die Erde vernichten. Batman und Wonder Woman trommeln Flash, Cyborg und Aquaman zusammen, um das zu verhindern. Und sie beleben – auch das kann man sich denken – Superman wieder. Okay, jetzt kann man einwenden: die Handlung des ersten Avengers-Films war auch nicht komplexer. Trotzdem hat das bei Marvel immer noch mehr Spaß gemacht.

Justice League fühlt sich an wie der erste Versuch, so cool zu sein wie die Avengers. Man ist zwar noch nicht ganz so weit, aber auf einem guten Weg. Da sind die vielen Witze, die Seitenhiebe, die Selbstironie, aber es fehlt noch die Leichtigkeit. Das zeigt sich an Batman: Zwar ist er als animierte Figur so flink wie nie, aber Ben Affleck wirkt in seinem Kostüm behäbig und so unsicher, dass er das mit viel technischem Brimborium und martialischem Geballer kompensieren muss. Als Bruce Wayne hat er seltsamerweise kein Problem damit, wirklich jedem neuen Rekruten seine Geheimidentität preiszugeben.

Superman ist noch immer der gleiche Unsympath wie in den Filmen davor. Kaum von den Toten zurückgekehrt wird er zur Killermaschine, erst Lois Lane kann ihn besänftigen. Und am Ende erfüllt er bloß den Zweck eines Deus ex machina, der mühelos den Schurken plattmacht. Erst ganz zum Schluss, im Abspann, wenn er sich ein Rennen mit Flash leistet, beginnt er, einen netten Eindruck zu machen. Leider bleibt es bei dieser Andeutung.

Die anderen drei männlichen Nebenfiguren – Aquaman, Flash und Cyborg – sind zwar größere Sympathieträger als die beiden Platzhirsche, bleiben jedoch leider oberflächlich. Da alles auf die Haupthandlung ausgerichtet ist (der Versuch, aus den Fehlern von Batman v Superman zu lernen), bleibt wenig Zeit, um hier mehr rauszuholen. Hier zeigt sich wieder der gravierende Fehler des DC-Filmuniversums, zuerst mit der Justice League anzufangen bevor alle Helden ihre Einzelfilme hatten. Wonder Woman bleibt damit die gute Seele der Gruppe, die spätestens mit ihrem Solofilm die Herzen der Fans gewonnen haben dürfte.

Bleibt noch Steppenwolf: Hitchcock sagte einst, je besser der Schurke, desto besser der Film. Gemessen daran wäre Justice League mies. Er ist ein typisch größenwahnsinniger, langweiliger und austauschbarer Gegner. Man erfährt nichts über dessen Motivation, man interessiert sich nicht im Geringsten für ihn und er bleibt wegen seiner 100-prozentigen CGI-Künstlichkeit ein toter Charakter. Dieses Defizit teilen viele Superheldenfilme. Schurken wie Loki (bei Thor/Avengers) sind selten. Steppenwolf ist nur die Vorhut vom Oberbösewicht Darkseid, der im Film nur einmal genannt wird. Offenbar wollte man sich den aufsparen, um sich noch steigern zu können …

Ansonsten macht Regisseur Zack Snyder einfach so weiter wie gewohnt: mit viel Slow Motion zelebriert er die Momente, mit denen er seine Charaktere wie Götter erscheinen lässt und damit sein Publikum in Staunen versetzen will. Der Effekt hat sich längst verbraucht, zu gedehnt erscheinen manche Sequenzen, aber auch da fällt ihm nichts Neues ein. Auch Menschen kümmern ihn wenig: Bis auf Alfred, Lois Lane und James Gordon gibt es kaum welche, Zivilistenrettung beschränkt sich auf eine Familie und ein Wohnhaus, in dem keine Menschen zu sehen sind. Komponist Danny Elfman bedient sich in der Mottenkiste von John Williams‘ Superman-Theme und holt auch nochmal, weil’s so schön war, seine eigene Batman-Theme von 1989 hervor. Auch hier wäre mehr Kreativität wünschenswert gewesen. So wirkt es, als würde man sich lieber auf alten Lorbeeren ausruhen, als Neues zu wagen.

So bleibt Justice League eine rasante, kurzweilige und solide Popcorn-Unterhaltung ohne irgendetwas Essenzielles zum Genre Superheldenfilm beizutragen. Vielleicht ist das für DC schon genug Leistung, die man anerkennen muss nach der Misere solcher Filme wie Suicide Squad.

Nach dem Abspann ist vor dem Film: Lex Luthor und Deathstroke gründen eine Injustice Gang. Na dann, von mir aus … Vielleicht gelingt beim nächsten Mal ja auch nicht nur ein guter, sondern auch mal ein richtig guter Film. Irgendwann muss es mal klappen.

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