One-shot

Batman als Audio zum Nachlesen

batman-audio-adventures-spe.jpg

DC Comics

Titel: Batman The Audio Adventures Special

Autor/Zeichner: Dennis McNicholas u.a./Jacob Edgar u.a.

Erschienen: 2021 (One-shot)


Batman gibt es in jedem Medium, nur im Radio war er bisher unterrepräsentiert. Aber warum sollte es anders sein? Ohne Bilder ergibt die Figur nicht viel Sinn. Aber weil Podcasts gerade der heiße Scheiß sind, gibt es seit September eben die zehnteilige Hörspielserie The Audio Adventures mit Jeffrey Wright in der Titelrolle (er spielt bald auch James Gordon im Film The Batman).

Für alle, die nicht hören, sondern weiterhin lieber lesen und bunte Bilder anschauen, ist nun auch ein Comic erschienen: The Audio Adventures Special hat zwar nichts mehr mit „Audio“ zu tun, soll aber anscheinend Comicleser dazu bringen, sich den Podcast anzuhören.

In der Tradition der Jubiläumsanthologien (z.B. Detective Comics #1000/1027) werden auch hier ein paar Kurzgeschichten geboten, manche sind abgeschlossen, andere teasern auf die Hör-Abenteuer (wie z.B. mit dem Joker). Doch vor allem führen sie ein in einen interessanten Kosmos: Batman etabliert sich in einer korrupten Stadt gerade erst als Verbrechensbekämpfer, bekommt die Anerkennung der Polizei und ein Batsignal.

Selbstironische Reflexionen

Es wird zum Leitmotiv dieser Storys: „It’s theatrical, impractical, ridiculous–in a word, perfect–the quintessence of Gotham City“, denkt sich Batman. Auch der Riddler findet es lächerlich, wünscht sich aber ein eigenes, während sich ein Reporter fragt: Was hat es zu bedeuten? „Could this ‚bat‘ signal brighter days for Gotham?“

Auch wenn hier der Mythos zelebriert wird: Die Geschichten sind wohltuend selbstironisch, und im Gegensatz zu vielen gewollt-witzigen Batman-Storys zünden die Gags wirklich. Der Zeichenstil der Künstler ist cartoonhaft, erinnert an die Batman: The Animated Series bzw. die Batman Adventures, aber auch sonst knüpfen die Geschichten an die besten Momente der Serie bzw. Comics an.

Alte und neue Schurken

Passend zu einem Hör-Abenteuer jagt Batman eine „Three Blind Mice-Gang „(daher auch die großen Lauscher), auch Catwoman (im Golden Age-Kostüm) kriegt mit ihnen zu tun und verleiht dem Plot eine überraschende Wendung. Ansonsten gibt es eine Two-Face-Story über ständige duale Entscheidungen in seinem Leben, Scarecrow verkauft Drogen an Kinder, der Pinguin erweist sich erneut als fieser Tyrann und den schönsten Auftritt bekommt aber der Riddler, der in Arkham besucht wird von einer Art Sidekick. Hier gibt es viel zu lachen.

Eine Geschichte widmet sich der Entstehung eines neuen Schurken (King Scimitar), der nicht ernst genommen wird, weil ihm ein Gimmick fehlt. Unterwegs begegnen ihm (neben Killer-Moth, Polka-Dot-Man und Calendar Man) viele verrückte Schurken wie ein Imker mit Bienenbande und ein laufender Hot-Dog. Wunderbarer Irrsinn – der Condiment King lässt grüßen.

Ach ja, und wer immer noch hören will, hier die erste von zwei Episoden auf YouTube:

Man kann sie sich auch bei Spotify anhören. Den Rest gibt es bei HBO Max.

>> Batman 2020-2029


Unterstütze das Batman-Projekt

€1,00

Scarecrows Angstkonzert

Titel: Concert of Fear

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Carl Critchlow

Erschienen: 1998 (Batman Scarecrow 3-D)


„So tell me, Professor Crane — Are you experienced?“ (Robin)

Scarecrow ist auf Teenagerjagd. Diesmal bekommt er es dabei mit Robin als Gegner zu tun. Tim Drake geht mit zwei Freundinnen in einem Club tanzen, in dem der „ambient engineer“ Bliss eine Art holografische Show abzieht. Es geht dabei sehr bunt, sehr psychedelisch zu – und dazu passt es ganz wunderbar, dass der Comic einen 3D-Effekt hat, der natürlich nur mit der dazu gelieferten Brille funktioniert. Doch leider erschöpft sich darin auch schon der Reiz dieses Heftes, denn die Story ist etwa so berauschend wie ein Kaffekränzchen.

Scarecrow entführt den Künstler Bliss und will ihn auf einem stillgelegten Rummelplatz köpfen, da kommt Robin dazwischen. Scarecrow selbst benutzt dann die Technik im Club, um Teenager in Angst zu versetzen. Aber wozu überhaupt, wenn sein Angstgas wie ein Halluzinogen wirkt? Wie dem auch sei: Einen tieferen Sinn hat die Geschichte nicht. Auch bekommt der Schurke keine neue Facette. Der Held muss, um zu triumphieren, seine Ängste überwinden und – Spoiler-Alarm! – er schafft es sehr schnell, denn das Heft hat nur 38 Seiten. Am Ende erfährt Scarecrow eine Art von „poetic justice“ …

Man könnte sich mit dem billigen 3D-Effekt trösten, aber nur die wenigsten Seiten sind überhaupt in 3D gehalten. Und leider sind diese cartoonhaften, einfallslos gezeichneten und kunterbunten Zeichnungen alles andere als Hingucker.

Mehr zum Thema:

Batmans Wiedersehen mit Spider-Man

DC Comics

Titel: Batman/Spider-Man

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Graham Nolan

Erschienen: 1997 (One-shot), dt. Dino 1997 (DC gegen Marvel 16)


Im Jahr 1995 traf Batman erstmals auf Spider-Man, damals verbündeten sie sich gegen den Joker und Carnage. Zwei Jahre später kam es zur obligatorischen Rückrunde. Ra’s al Ghul will mal wieder die verderbte Menschheit ausrotten, diesmal wirklich, aber damit das klappt, sucht er sich einen Verbündeten in New York City: Wilson Fisk, den Kingpin! Ra’s schickt seine Tochter Talia los, die Fisk ein Angebot macht, zu kooperieren, aber der Kingpin arbeitet nicht mit Terroristen zusammen. Außer natürlich, sie haben zufällig eine Kur für seine todkranke Frau Vanessa im Angebot. Fisk steigt in den Flieger nach Tibet …

Batman & Spider-Man von Graham Nolan. (DC Comics)

Batman ist der Sache auf der Spur, trifft unweigerlich auf Spider-Man und nach der kurzen Ich-arbeite-allein-Routine, begleitet von einer sehr kurzen Handgreiflichkeit, kommt es zur Kooperation der Helden. Diesmal bilden sie ein außerordentlich gutes Team, wenn es darum geht, die Handlanger der Schurken zu verdreschen. Aber sie haben auch einige Überraschungen zu bieten. Dafür, dass es sich bei diesem Crossover um eine kurze Geschichte (48 Seiten) mit bescheidenem Anspruch handelt, gibt es ein paar nette Wendungen am Ende, die für das Lesen belohnen. Falls einem die flotten Sprüche von Spidey und die sauberen und dynamischen Zeichnungen von Graham Nolan nicht genug sind – einem der besten Batman-Zeichner aller Zeiten, nach meiner bescheidenen Meinung. Aber auch Spider-Man kriegt er wunderbar hin.

Batman von Graham Nolan. (DC Comics)

Mehr zum Thema:

Batman in einem Husch

Tales from the Dark Multiverse: Batman: Hush #1

DC Comics

Titel: Tales from the Dark Multiverse: Hush

Autor/Zeichner: Phillip Kennedy Johnson, Dexter Soy

Erschienen: 2020 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne beim Mord seiner Eltern nicht allein gewesen wäre, sondern in Begleitung von Thomas Elliot und seinen Eltern? Dann wäre Bruce bei den Elliots aufgewachsen, Bruce und Thomas wären wie Brüder gewesen, aber Bruce wäre verrückt geworden, mit dem Ergebnis, dass Bruce zu einer Art Hush-Version von Batman mutiert wäre.

Wie bitte? Ja, so läuft das in aller Kürze bei Tales from the Dark Multiverse: Hush, DCs Versuch, einen modernen Batman-Klassiker neu zu erzählen – in einer Art Elseworlds-Manier, wie schon bei Knightfall geschehen. Auch hier ist Gotham eine Dystopie, in der das Verbrechen in der High Society regiert und die Bürger in einem Polizeistaat in Schach hält. Thomas Elliot ist Senator, anscheinend mit Präsidentschafts-Ambitionen, außerdem mit Talia al Ghul zusammen, die ihren Vater getötet und die League of Assassins übernommen hat.

Elliot feiert in Gesellschaft von Jason Todd, einem Waffenhändler (an der Seite von Dinah Drake), Staatsanwalt Harvey Dent und Oswald Cobblepot. Da wird er nach Arkham gerufen, das von Dr. Crane geleitet wird und wo er an Patienten herumexperimentiert. Einer davon ist Bruce Wayne, der als Resultat davon nun tot ist. Jedenfalls scheint es so, denn kurz darauf gehen in Arkham die Lichter aus und ein mumienhaft bandagierter Batman mit roten Augen metzelt Crane nieder und dann begeht er einen Anschlag auf Elliots Hubschrauber.

Nebenbei erfahren wir, dass Barbara Gordon (ein blindes Orakel) eine Gruppe von Outsiders anführt, um ihren toten Vater zu rächen und das Regime zu stürzen. Dabei legt sie sich aber mit „Gray Son“ an, der als Talon den Status Quo mit dem Schwert aufrecht erhält – bis er auf Hush trifft.

Abgehetzt und oberflächlich

Das alles klingt nach einer Menge Stoff und es hätte vielleicht Potenzial für epische Breite, aber leider muss das alles in 52 Seiten abgehetzt werden. Also wird man in eine fremde verkehrte Welt geworfen, mit Informationen bombardiert und dann wieder mit einem abrupten Ende hinausgestoßen. Was man mit Bildern nicht erzählen kann, wird mit vielen Worten nachgetragen, was ebenso ermüdend wie uninspiriert ist.

Im Grunde sehen wir also bloß einem simplen Rachefeldzug zu, der sich ohne Probleme vollzieht, denn für Hindernisse ist ja kein Raum. Auch die Beziehung von Thomas und Bruce, das emotionale Zentrum der Original-Hush-Storyline, bleibt oberflächlich, die Auflösung am Ende kryptisch und unbefriedigend. Statt hier mehr zu erklären, wird eine ganze Seite wird verschwendet zu erzählen, wem alles Bruce seine tollen Fähigkeiten zu verdanken hat – was für die Handlung überhaupt keine Rolle spielt.

Recycling von Bewährtem

Es stellt sich die Frage, wozu man überhaupt eine so runde Geschichte wie Hush noch einmal, aber anders erzählt. Die einzige Antwort, die mir darauf einfällt, ist keine befriedigende: Es ist leicht verdientes Geld, ein bewährtes Rezept zu recyceln und in ein Häppchen zu packen, das ohne Vorwissen schnell konsumiert ist. Als nächstes erwartet uns ein solcher Remix von Flashpoint.

Und so kann ich am Ende nur etwas Positives über dieses Heft sagen, was sich jedes Mal wie ein Trostpreis anhört, aber keineswegs den Leser für sein Geld entschädigt: schön gezeichnet.

>> Batman 2020

Batmans letzter Tag auf Erden

DC Comics

Titel: Batman DOA

Autor/Zeichner: Bob Hall

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Wenn morgen die Welt unterginge, würde er heute noch einen Apfelbaum pflanzen, ist von Martin Luther überliefert. Ganz ähnlich ist es mit Batman: Wenn er morgen stürbe, würde er nicht etwa Abschied vom Leben, von Freunden und Weggefährten nehmen, er würde bis zum letzten Atemzug das Verbrechen bekämpfen. So, als könnte das sonst niemand außer ihm.

In Batman: DOA (was sowohl für „Dead on Arrival“ als auch für „Dead or Alive“ stehen kann) läuft es so: Pinguin, Joker und Two-Face infizieren Batman von Arkham aus mit einem tödlichen neuen Virus. Er hat nur noch 24 Stunden zu leben. Unmöglich, so schnell ein Heilmittel zu finden. Das hat nur der Pinguin, aber das weiß kaum jemand. Das Problem: Die Tochter eines Politikers wurde entführt, die Erpresser wollen 50 Millionen Dollar. Doch Batman befürchtet, dass sie das Kind nicht am Leben lassen, wenn sie das Geld haben.

Batman sammelt seine letzten Kräfte, um die Erpresser aufzuhalten. Er kann kaum stehen, nicht mal Autofahren. Robin muss ihm helfen, um herauszufinden, wer ihn umbringen will. Wir sehen einen Helden am Ende, ausgezehrt, wie ein Untoter wandelt er durch Gotham und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Er muss viel trinken, aber hat nicht mal Geld, um in einer Bar dafür zu bezahlen. Selten sieht man Batman dem Tode so nah.

Autor Bob Hall schafft eine äußerst brenzlige Situation, in der er über die ganzen 64 Seiten seine Spannung aufrecht erhält. Als Zeichner ist er sperrig, aber ausdrucksstark, mit Anleihen beim Film Noir. Sein Batman DOA ist heute fast vergessen, aber durchaus wert, wiederentdeckt zu werden.

Mehr von Bob Hall:

>> Batman 1990-1999

Nachwuchs im Wahlkampf

Dark Knight Returns: The Golden Child (Cover)

DC Comics

Titel: Dark Knight Returns: The Golden Child

Autor/Zeichner: Frank Miller/Rafael Grampa

Erschienen: 2019 (One-shot)


„… all you can do is fight crazy with crazy.“ (Batwoman)

In den USA sind Präsidentschaftswahlen. Der Amtsinhaber sieht Donald Trump sehr ähnlich. „It’s a police state run by an asshole“, findet Batwoman (Carrie Kelley). Auf den Straßen demonstrieren Menschen gegen den Präsidenten, der im Obama-Stil für „Trust“ wirbt, zugleich werden sie von einem Mob aus Joker-Mob angegriffen. Der Joker (der alte oder ein neuer?) paktiert mit Darkseid, um Wahlkampf für den Amtsinhaber zu machen.  Batwoman verbündet sich mit Supergirl (Lara) und ihrem Bruder Jonathan, dem Golden Child, um das Schlimmste zu verhindern …

Dark Knight Returns: The Golden Child

Joker macht Wahlkamp für Trump (DC Comics).

Frank Miller kann von seinem größten Wurf, dem Dark Knight, nicht lassen. Mittlerweile ist er selbst der Greis, der ständig zurückkehrt, statt sich zur Ruhe zu setzen. Nach seinem Dark Knight III folgt diese kurze Fortsetzung über die zwei Nachwuchsheldinnen und einen -helden und wie sie sich gegen alte Bekannte behaupten. Batman kommt hier nicht vor, Superman nur einmal kurz zu Beginn als Clark Kent.

Dark Knight Returns: The Golden Child

Batwoman vs. Joker (DC Comics)

Für Lara sind die Menschen bloß Ungeziefer, das sich sinnlos vermehrt und Unheil anrichtet. Batwoman stürzt sich mit ihren Bat-Boys und -Girls in die Schlacht, sie hat ihre Lektionen von ihrem Meister gut gelernt. Jetzt zeigt sie uns, wie gut sie es kann: „Striking Terror. Best part of the job.“ Der Krieg wird auch im Internet geführt, wo Joker-Kinder als Trolle operieren. Während Batwoman sich mit dem Joker in der Spielhalle anlegt, beschießen die Super-Kids Darkseid mit Strahlen, bis Darkseid „stirbt“ (oder was auch immer Götter so tun) und als noch dunklerer „Darkness“ zurückkehrt.

Dark Knight Returns: The Golden Child

Joker-Mob gegen Trump-Gegner (DC Comics)

Aber worum geht es hier eigentlich? Schwer zu sagen. Die Story wirkt abgehetzt und unfokussiert. Gesellschaftskritik verbindet sich mit einem Schurken Team-up, das nicht wirklich einleuchtet. Und so kämpfen die Heldinnen an zwei Fronten, die bemüht zusammengesteckt wurden, aber am Ende nicht viel miteinander zu tun haben.

Zeichner Rafael Grampa inszeniert das alles mit einem Runzelstil, der an Frank Quitely und Chris Burnham erinnert, aber reichert seine Panels mit sehr vielen Details an, sodass es auf seinen Wimmelbildern viel zu entdecken gibt, zum Beispiel auch einen Cameo von Greta Thunberg.

Greta Thunberg in "Dark Knight: The Golden Child"

Greta Thunberg kämpft an der Seite von Batwoman. (DC Comics)

Und so darf Frank Miller immer weitermachen, solange „Dark Knight“ draufsteht, auch wenn gar keiner drin ist und schon The Dark Knight Strikes Again ein großer Fehler war. Vielleicht hätte Carrie Kelley, die von Robin, Catgirl und Batgirl einen weiten Weg gegangen ist, eine eigene Geschichte verdient. Diese ist es nicht.

Mehr zum Thema:

Gotham wird zum Schlachthaus

Batman: Crimson Mist

DC Comics

Titel: Crimson Mist (dt. Blutroter Nebel)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1998 (One-Shot), Paperback 2007 (Tales of the Multiverse: Batman Vampire), 2016 (Batman Elseworlds Vol. 2); dt. Panini 2002


„I’ve become worse than Two-Face, perhaps worse than Dracula himself.“ (Batman)

Nachdem Batman den Joker getötet hat und er sich von Alfred hat einen Pflock ins Herz rammen lassen (siehe Bloodstorm), liegt Batman als Skelett in seiner Gruft, sein Bewusstsein hängt zwischen Leben und Tod fest. In Gotham treiben neue Verbrecher ihr Unwesen: Two-Face, Scarecrow, Poison Ivy, Pinguin, Black Mask und in der Kanalisation frisst Killer Croc Prostituierte. Die Polizei ist verzweifelt, Gordon stattet Alfred einen Besuch ab. Daraufhin zieht Alfred Batmans Überresten den Pflock aus dem Brustkorb und Vampir-Batman kehrt wieder zurück, um in Gotham aufzuräumen.

Das bedeutet: Batman schlachtet einen Schurken nach dem anderen ab. Sogar in Arkham tötet er alle Mörder. Unterwegs ist er wahlweise als Riesenfledermaus oder als roter Nebel. Dann verbünden sich Gordon und Alfred mit Two-Face und Killer Croc, um dem Vampir Einhalt zu gebieten. Ihm selbst treibt ein Todeswunsch um …

Der dritte Teil der Vampir-Saga bietet einen starken Abschluss. Es wird anfangs zwar etwas zu viel gemetzelt, aber in der zweiten Hälfte wird das Finale in der Bathöhle spannend. Da Kelley Jones immer wieder beeindruckend den Horror darstellt, lässt sich die Brutalität ertragen. Gerade Batman erscheint alle paar Seiten noch schrecklicher als zuvor.

Interessant ist der innere Konflikt der drei Hauptfiguren: Alfred und Gordon wollen Batman nur widerwillig ausschalten, auch Batman will nicht töten, muss aber, um zu überleben. Verbrecher zu opfern ist das kleinere Übel. Er sieht seine Erlösung darin, dass am Ende alle Menschen zu Vampiren werden und dadurch schließlich verhungern, bzw. verdursten.

Zwischen den Zeilen scheint eine leise Zivilisationskritik durch: Die Vampire werden zur Allegorie für die Menschheit, die die Erde ausbeutet. Der Parasit kann nur endgültig sterben, wenn es nichts mehr zu holen gibt. Zum Glück geht diese Batman-Geschichte anders aus. Ein Ende im Frieden für alle Beteiligten. Und zum Schluss scheint sogar die Sonne.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Batman aus dem Computer

DC Comics

Titel: Digital Justice (dt. Im Netz des Jokers)

Autor/Zeichner: Pepe Moreno

Erschienen: 1990 (One-Shot), dt. Carlsen 1991


Als es das Internet gerade losging und Pixar mit den ersten computeranimierten Filmen begann, kamen auch die ersten digital gezeichneten Comics auf den Markt. Darunter auch Batman: Digital Justice. „Computer generated“ steht auf dem Cover und im Vorwort wird das Buch als Zeichen für den technischen Fortschritt gewertet. Zugleich heißt es darin auch, dass „state of the art“ heutzutage schnell veraltet sei. Das gilt vor allem für dieses Comic-Experiment.

Digital Justice mag für 1990 Avantgarde gewesen sein, aber es reicht nur ein Blick auf die Seiten, um zu verstehen, warum es bei einem Batman-Comic dieser Art geblieben ist. Aus heutiger Sicht sind die Bilder lächerlich primitiv: Häuser, Autos und Gegenstände wirken billig wie in den ersten Computerspielen, allein die Gesichter wirken halbwegs glaubhaft, allerdings auch maskenhaft steif, und überall sieht man ausgefranste Pixel-Kanten.

Das alles mag gut gemeint sein, aber es ist leider furchtbar schlecht gemacht. Das Bisschen Story, was sich der Künstler Pepe Moreno dazu überlegt hat, geht in der toten Atmosphäre der Grafik unter: Im digitalisierten Gotham der Zukunft (Megatropolis) herrscht ein böser Virus über die Menschen – der Joker. Fliegende Polizeiroboter laufen Amok, schießen immer wieder grundlos Menschen tot. Der Polizist Jim Gordon, Enkel des ehemaligen Commissioners, geht der Sache nach. Aber als er als Polizist scheitert, lässt er sich von einer Statue dazu inspieren, zum neuen Batman zu werden.

Die Hälfte der rund 100 Seiten muss man darauf warten. Dann geht alles recht flott: Er bekommt einen Robin, kommt in die alte Bathöhle, erfährt, dass der alte Batman noch als Programm weiterexistiert, während Alfred ein Roboter ist. Zusammen besiegen sie den digitalen Joker in einem digitalen Krieg, der so abstrakt ist, dass nicht annähernd nachvollziehbar, geschweige denn spannend ist, was da eigentlich passiert.

DC Comics

Das Aussehen des Joker ist auf das Wesentliche reduziert, sein Gesicht aus einigen simplen geometrischen Formen zusammengesetzt. Warum, sieht man beim Gesicht des digitalen Batman: Das soll zwar realistischer sein, ist aber so unbeholfen gezeichnet, dass man sich fragt, wie man jemals so eine Grafik bei DC hat durchgehen lassen.

Nein, es ist nicht einmal aus nostalgischer Sicht dem Comic etwas abzugewinnen. Es wirkt alles so leblos wie eben von einer toten Maschine erdacht und gemacht. Bestimmt war das damals „state of the art“, aber man wird den Eindruck nicht los, dass dieses Buch mehr sein will, als es sein kann. Als DC 17 Jahre später das Experiment mit dem Digitalen erneut wagte (The Clown at Midnight, Batman #663, 2007), sah das Resultat nicht wirklich überzeugender aus – auch wenn die Technik deutlich weiter war. Es zeigt sich: Computergenerierte Comics werden noch lange Science Fiction bleiben. Das ist auch völlig okay so, denn Papier und Bleistift reichen völlig aus. Auch wenn mittlerweile viel am Rechner passiert, braucht es immer noch den „Human Touch“.

Model wird Mieze

DC Comics

Titel: Just Imagine Stan Lee’s Catwoman

Autor/Zeichner: Stan Lee/Chris Bachalo

Erschienen: 2002 (One-shot)


„She’s like a real comicbook heroine! Here’s where I start readin‘ comics again!“

Stan Lees Catwoman ist Joanie Jordan, ein blondes Model, das lieber etwas anderes wäre, aber was tut man nicht alles fürs Geld? Eines Nachts wird sie von Gangstern überfallen, die sie für einen Bankraub einspannen wollen. In dem Moment schlägt ein grüner Blitz ein, erfasst Joanie und ihre Katze Ebony, daraufhin hat sie Katzenkräfte, samt Klauen. Sie überwältigt die Gauner und wird zur Heldin.

Diese Catwoman trägt statt einer Maske nur zwei Katzenöhrchen in einer schwarze Perücke und ein schwarz-grünes Kostüm. Dazu kann sie ihre Klauen ausfahren – wie Wolverine. Sie schlagfertig und furchtlos, außer ihrem Vater gegenüber, einem Polizisten, der nicht viel von Superheldinnen hält. Seine Meinung nach lassen sie die Cops schlecht dastehen. Also macht Joanie im Geheimen weiter.

Die Bösen arbeiten für einen Superschurken namens Furgo, the Flesh Crawler, einem alten Mann in einem Raumanzug, der unschöne Dinge mit Gesichtern anstellt. Er ist besessen von der Idee, die Bank mit Hilfe eines Models auszurauben. Er entführt Joanie, verliebt sich in sie, sie entkommt und verhindert den Bankraub.

Diese Story ist nicht wirklich der Rede wert, einzig die Zeichnungen überzeugen, allerdings sind die Figuren oft in so kleine Panels gequetscht, dass sie zu wenig Raum haben, um zur Geltung zu kommen.

Mehr zum Thema:

Vier Schurken und drei Todesfallen

DC Comics

Titel: Batman 3D – Ego Trip (dt. Ego Trip)

Autor/Zeichner: John Byrne

Erschienen: 1990 (One-shot), Paperback 2017 (DC Universe by John Byrne); dt. Carlsen 1997


Batman in 3D zu sehen, ist heute im Kino Standard. In den Comics gab es das schon 1953, als ein erstes 3D-Special erschien, zusammen mit einer passenden zweifarbigen Brille. Darin wurden drei bereits erschienene Batman-Storys wieder aufbereitet. Nachgedruckt wurde es 1966 – und eine Geschichte daraus auch 1990, in einem neuen 3D-Special.

John Byrne erzählt darin eine klassische Batman-Story mit Joker, Pinguin, Riddler und Two-Face. Darin verneigt er sich vor den Comics des Golden Age, insbesondere vor seinem Vorbild Dick Sprang. Batman geht einem Mordfall nach. Ein reicher Antiquitätensammler soll Suizid begangen haben, aber der Pinguin deutet in einem Video darauf hin, dass es Mord war.

Doch Batman wird zunächst abgelenkt vom Riddler, der ihm drei Rätsel aufgibt und ihn in eine Todesfalle lockt. Batman entkommt und lässt sich daraufhin von Two-Face (viel zu leicht: mit einem Netz) gefangen nehmen – und der steckt ihn wieder in eine Todesfalle. Und schließlich gerät er an den Joker, der sich (wer hätte das gedacht?) in einem stillgelegten Vergnügungspark versteckt. Statt einer Todesfalle gibt es einen Kampf gegen Two-Faces Zwillingsschergen und wilde Verfolgungsjagd mit Joker über Riesen-Requisiten wie eine Schreibmaschine (Dick Sprang lässt grüßen). Ehrlich gesagt eine schwache Vorstellung, die der Joker da abliefert.

Am Ende kommen wir endlich da aus, worauf es schon am Anfang hinausgelaufen ist: ein Showdown mit dem Pinguin (Todesfalle #3). Er ist der Mörder. Die Erklärung wird im Epilog nachgereicht. Überhaupt wird hier viel erklärt. Ständig liest man die Gedanken von Batman mit, der Selbstgespräche führt, damit man immer weiß, was in ihm vorgeht und klar wird, dass er immer Herr der Lage ist. Für Batman ist das alles Routine wie in einem altbekannten Spiel.

Ego Trip ist spannungsarm und vorhersehbar, funktioniert als Hommage aber ganz gut. Doch da gibt es auch noch Elemente, die sehr modern erscheinen: Der Joker flößt Riddler sein Gift intravenös ein, damit dieser einen langsamen Tod stirbt, und dann ist da noch ein Hinweis darauf, dass der Joker Robin getötet hat. Um welchen Robin es sich handelt, wird nicht erklärt. Damit wirkt der Comic wie ein unentschlossener Hybrid zwischen dem naiven Charme der Vergangenheit und abgeklärter Moderne.

Die Story bleibt flach – trotz 3D.

Hinweis: Ego Trip wurde ohne 3D-Effekt in schwarz-weiß nachgedruckt in DC Universe by John Byrne (siehe oben).

Mehr von John Byrne: