One-shot

Superman trifft Spider-Man (Teil 1)

DC Comics/Marvel

Titel: Superman vs The Amazing Spider-Man: The Battle of the Century

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Ross Andru

Erschienen: 1976, Neuauflage 1995; dt. Dino 1999


Vor 60 Jahren erschien erstmals Spider-Man, in Amazing Fantasy #15. 16 Jahre später traf er auf Superman. Dieser 92-seitige „Battle of the Century“ war das erste offizielle Crossover zwischen zwei Superhelden von DC und Marvel, auf das noch viele folgen sollten.

Die Story verläuft formelhaft nach dem Schema: Zwei Schurken schließen sich zusammen, die Helden kämpfen zunächst gegeneinander, dann miteinander und besiegen die Schurken. Doch mehr haben die Fans von damals wohl nicht erwartet und Fans von heute können daran noch genauso ihren Spaß haben.

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Poison Ivys Vertreibung aus dem Paradies

DC Comics

Titel: Poison Ivy

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Brian Apthorp

Erschienen: 1997 (Batman: Poison Ivy #1), Paperback 2016 (Batman Arkham: Poison Ivy)


Poison Ivy hat ihre jüngste Flucht genutzt, um sich zurückzuziehen. Nun lebt sie in der Karibik, auf einer kleinen unbewohnten Insel östlich von Nicaragua, in ihrem privaten Paradies, leicht bekleidet unter Pflanzen-Tier-Hybriden. Als sie gerade Besuch von einer jungen Frau bekommt, kommt ein Schwarm Hubschrauber und jagt den Dschungel zur Hölle, die junge Frau verbrennt. Hier wurde ein neuer Kampfstoff namens Prometheus getestet, der stärker und schneller als Napalm brennt.

Die Schuldigen kümmern die Verluste wenig. Ivy rächt sich sofort, dann kehrt sie nach Gotham zurück, um die Hintermänner zu bestrafen. Einer davon ist der Chemiker Milo Frommer, der andere der Parfumhersteller Christopher DeJardin.

Comic zum Film

Diese Story erschien 1997, nicht zufällig in jenem unheilvollen Jahr wie der Kinofilm Batman & Robin, in dem Poison Ivy (gespielt von Uma Thurman) ihr Leinwanddebüt hatte (parallel zu Batman: Mr. Freeze). Daher wird hier nicht nur einfach irgendeine Ivy-Story erzählt, sondern auch erneut ihr Origin, allerdings ohne Überraschungen: Pamela Isley studierte Botanik, wurde zum Opfer von Woodrues Experimenten, verströmt seither tödliches Gift und kann Männer becircen, hat es vor allem auf Batman abgesehen.

Etwas seltsam erscheint ihre Motivation für ihre Raubzüge: Alles, was sie wollte, war es, allein mit ihren Pflanzen zu sein, doch Privatsphäre sei nicht billig, heißt es. Ein Spaziergang im Park oder Wald hätte es auch getan, könnte man dagegen halten. Und später scheint es ihr sogar gelungen zu sein, in die Karibik auszuwandern – aber egal. Hauptsache, man hat einmal alle Aspekte der Figur auf zwei Seiten untergebracht.

Kann Ivy lieben?

Batman trifft auf der Suche nach ihr auf Killer Croc, dann hindert er sie daran, drei weitere Männer zu töten. Wie? Ziemlich einfach, denn Batman hat gegen alles sofort das richtige Rezept. Mit einem Gegengift ist er längst immun gegen sie, den Rest erledigt sein Umhang. Dann rettet er sie noch vor einer Kugel, die er selbst abfängt. Das muss Liebe sein, denkt sich Ivy, doch Batman findet, sie wisse gar nicht, was Liebe sei. Das bleibt unwidersprochen.

Doch zumindest scheint sie Nächstenliebe zu kennen: Denn anders als sonst lässt Ivy Gnade mit dem Schurken DeJardin walten: Statt ihn zu töten ruiniert sie ihn, indem sie ihn mit ihrem Gift zu einem Geständnis zwingt. Auch dank der filigranen Zeichnungen und einer schönen psychdelischen Sequenz steht die Story damit über dem Durchschnitt.

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Fanboy wird Batman

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DC Comics

Titel: Realworlds: Batman

Autor/Zeichner: Christopher Golden, Tom Sniegoski/Marshall Rogers

Erschienen: 2000 (One-shot)


Charlie ist nicht nur ein Batman-Fan, er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Fanboy: 28 Jahre alt und noch immer begeistert er sich so sehr für Batman – besonders den der 60er-Jahre-Serie -, dass er Batman geradezu lebt. Er trägt oft ein passendes Kostüm, fährt ein Bat-Bike, singt ständig die Titelmelodie und sieht überall nur Schurken und Verbündete. Charlie ist kein normaler Erwachsener. Er ist in seiner Entwicklung stehengeblieben. „Retarded“ würden böse englische Zungen sagen, was man aber nicht mehr sagt, außer man ist Frank Millers All-Star Batman – und dann passt es wieder (sieht man einmal vom Anachronismus ab). Das ist natürlich kein Problem, denn Charlie lebt ein sorgloses Leben. Doch dann taucht eine alte Jugendfreundin auf, die früher mit ihm Batman und Robin gespielt hat. Heute ist sie ein Junkie in einer doppelt toxischen Beziehung mit ihrem Dealer. Charlie sieht seinen einstigen Robin in den Fängen des Jokers und beschließt, sie zu befreien …

Altmeister Marshall Rogers

In dieser Realworlds-Geschichte versucht DC, seinen Comichelden in der sogenannten Realität zu verankern: Was wäre, wenn jemand Batman zu ernst nähme? Doch eigentlich geht es hier nicht darum, sondern um einen geistig eingeschränkten Menschen, der die Welt durch die naive Brille der Fiktion betrachtet. Diese Sicht ist auf tragische Weise statisch – eine Entwicklung ist nicht zu erwarten. Doch sie findet trotzdem statt, als Charlie zunehmend erkennt, dass seine Adam-West-Methoden nicht wirken und er sich mehr von Michael Keatons (bzw. Tim Burtons) Interpretation angesprochen fühlt: Aus dem harmlosen Batman-Spiel wird plötzlich Ernst und damit auch Gefahr.

Eine etwas andere Batman-Story kriegt man hier geboten, gezeichnet von Altmeister Marshall Rogers (Strange Apparitions, Dark Detective), in der man auch als „normaler“ Batman-Fan einen Spiegel vorgehalten bekommt.

>> Batman 2000-2011


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Batman und Green Arrow verhindern eine Pandemie

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DC Comics

Titel: Batman/Green Arrow: The Poison Tomorrow

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Michael Netzer

Erschienen: 1992 (One-shot)


Batman hält den Mediziner Dr. Parsons vom Randalieren ab. Da taucht Green Arrow auf und teilt ihm mit, dass vor zwei Tagen dieser Irre seine Freundin Dinah (Black Canary) gebissen hat. Parsons hat eine ansteckende Krankheit, die Ausschlag verursacht und tödlich enden kann – und angeblich auch das Gegenmittel dafür.

Die Krankheit hat ihm Poison Ivy eingebrockt, die ein laufender Giftcocktail ist. Ein Pharmaunternehmer namens Fenn hat sich mit ihr verbündet, um die ganze Welt zu infizieren und dann mit dem Impfstoff noch reicher zu werden, weil 500 Millionen Dollar offenbar zum Leben nicht genügen. Doch Ivy hat ihre eigene Agenda …

Poison Ivy als böse Verführerin

Zugegeben: Beim ersten Lesen vor ein paar Jahren war ich nicht angetan von dieser Geschichte. Ich habe sie nicht mal für besprechenswert gehalten. Und ein Meisterwerk ist sie sicher nicht. Aber beim zweiten Lesen (und geringen Erwartungen) hatte ich meinen Spaß an den kleinen Seitenhieben von Green Arrow gegen Batman (etwa ob er nie seine Maske auszieht oder nicht den Fahrstuhl benutzt), an den dynamischen Zeichnungen sowie an Batmans Teufelshörnern und seinem eigenwilligen Cape, das an William-Blake-Gemälde erinnert.

Außerdem gibt es noch Anzüglichkeiten, die so eindeutig zweideutig sind, dass sie nichts mehr der Phantasie überlassen, wie man hier sehen kann:

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Poison Ivy in eindeutiger Position. (DC Comics)

Wer hier Sexismus schreit, verkennt, dass hier die Grenzen des Comics Codes ausgereizt wurden, der damals immer noch galt. The Poison Tomorrow ist ein Comic für Erwachsene. Poison Ivy erscheint hier als besonders böse Verfüherin, die sich als neue Eva eines neuen Garten Eden erträumt, sobald sie die zerstörerischen Menschen beseitigt hat – oder dafür gesorgt hat, dass sie sich gegenseitig auslöschen. Sie macht selbst vor Kindern nicht Halt.

Auch wenn die Realität natürlich weit entfernt ist von dieser überzogenen Fiktion, passt diese Geschichte gut in die Gegenwart, in der Pharmakonzerne verhindern, dass Impfdosen an arme Länder verschenkt werden, um ihre Profite zu steigern.

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Das Lange Halloween geht in die Verlängerung

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DC Comics

Titel: Batman: The Long Halloween Special („Nightmares“)

Autor/Zeichner: Jeph Loeb/Tim Sale

Erschienen: 2021 (One-shot)


Lange Zeit gehörte Calendar Man (Julian Day) zu den schrägsten Schurken in Batmans Kuriositätenkabinett. Im Laufe der Zeit nahm er verschiedene Formen an, je nach seinem Schema: Jahreszeiten, Wochentage, Feiertage. Als im Klassiker The Long Halloween von Jeph Loeb und Tim Sale der Holiday-Killer ebenfalls an Feiertagen mordet, ist der Calendar Man unschuldig, da er in Arkham einsitzt.

Batman und Gordon suchen ihn auf, um ihnen bei dem Fall zu helfen – ähnlich wie bei Hannibal Lecter. Ähnlich gruselig ist seine neue Erscheinung: ein dicker, kahler Mann in einem langen weißen Kittel, der Boden seiner gläsernen Zelle voller Kalenderblätter. Seine Antworten fallen ähnlich kryptisch aus: Mal spricht er von einer Sie, mal von einem Er als Mörder. Dann zählt er eine Reihe von Feiertagen auf – in Vorausahnung, was noch kommen mag. In der Fortsetzung Dark Victory rächt er sich an Alberto Falcone aus Eitelkeit: „The Calendar Man is being forgotten. And that is unacceptable.“ Dabei wird er dann selbst fast umgebracht.

Calendar Man rekrutiert Two-Face

25 Jahre nach dem Beginn von The Long Halloween haben Loeb und Sale eine weitere Fortsetzung gemacht – und diesmal steht der Calendar Man im Vordergrund. Er hat eine Bande von Jüngern nach seinem Bilde geschaffen, die Einbrüche für ihn begehen. Jeder hat einen anderen Monat auf den Kopf geschrieben. Sie versammeln sich in einer Kirche, wo sie den Kalender verehren. Und sie stehlen Edelsteine – denn jeder steht für einen Monat.

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Kalender-Kult: Calendar Man in seiner Kirche (DC Comics)

Dann entführt der Calendar Man Gilda Dent, Ehefrau von Harvey Dent alias Two-Face. Er will, dass sich Two-Face ihm anschließt und die Doppelrolle von Mai und Juni übernimmt (zwei Handlanger, die er vorher erschossen hat). Tatsächlich ist der Schurke immer noch sauer, dass ihm jemand seine Masche gestohlen hat. Two-Face bittet dann Batman um Hilfe.

Die traurige Geschichte des Julian Day

Nach wenigen Seiten ist dieser Spaß vorbei. Ist das alles unsere Aufmerksamkeit (und unser Geld) wert? Ja und Nein. Fans der Vorgeschichten werden sich am bloßen Wiedererkennungswert erfreuen: Tim Sale erzählt das Ganze in bester Noir-Atmosphäre, als wären nicht zwei Jahrzehnte vergangen. Er ist immer noch ein bildgewaltiger Meister. Als Schauwert sehen wir ein halb zerschlagenes Bat-Signal, das entgegen jeder Physik nur auf einer Seite leuchtet (überpinseln wäre besser gewesen) und als Highlight: Robin und Batgirl gehen zum Trick-or-Treat an Halloween (obwohl es da noch kein Batgirl gibt, aber egal).

Darüber hinaus enttäuscht das allzu schnell und einfach erledigte Finale. Nach der langen Einführung hätte man sich dafür mehr Zeit lassen können. Immerhin bekommt Julian Day ein wenig Hintergrundgeschichte: Er war ein Waisenkind, das ohne Geburtstage oder Feiertage aufwachsen musste – daher der Nachholbedarf. „There were times I didn’t even know what day it was. Until I found crime. Then every day could be a holiday.“

Batmans empathische Antwort darauf: Prügel. Viele Prügel. So viele, dass die Handschuhe vor Blut nur so triefen. Moral: Eine schlimme Kindheit gibt einem nicht das Recht zu morden. Aber gibt es ihm das Recht, einen Mörder so schwer zu misshandeln? Diese Frage stellt leider niemand. Am Ende interessiert sich Batman mehr für die Dents. Er kennt jetzt ihr verstörendes Geheimnis.

Mehr von Jeph Loeb und Tim Sale:


 

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Batman als Audio zum Nachlesen

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DC Comics

Titel: Batman The Audio Adventures Special

Autor/Zeichner: Dennis McNicholas u.a./Jacob Edgar u.a.

Erschienen: 2021 (One-shot)


Batman gibt es in jedem Medium, nur im Radio war er bisher unterrepräsentiert. Aber warum sollte es anders sein? Ohne Bilder ergibt die Figur nicht viel Sinn. Aber weil Podcasts gerade der heiße Scheiß sind, gibt es seit September eben die zehnteilige Hörspielserie The Audio Adventures mit Jeffrey Wright in der Titelrolle (er spielt bald auch James Gordon im Film The Batman).

Für alle, die nicht hören, sondern weiterhin lieber lesen und bunte Bilder anschauen, ist nun auch ein Comic erschienen: The Audio Adventures Special hat zwar nichts mehr mit „Audio“ zu tun, soll aber anscheinend Comicleser dazu bringen, sich den Podcast anzuhören.

In der Tradition der Jubiläumsanthologien (z.B. Detective Comics #1000/1027) werden auch hier ein paar Kurzgeschichten geboten, manche sind abgeschlossen, andere teasern auf die Hör-Abenteuer (wie z.B. mit dem Joker). Doch vor allem führen sie ein in einen interessanten Kosmos: Batman etabliert sich in einer korrupten Stadt gerade erst als Verbrechensbekämpfer, bekommt die Anerkennung der Polizei und ein Batsignal.

Selbstironische Reflexionen

Es wird zum Leitmotiv dieser Storys: „It’s theatrical, impractical, ridiculous–in a word, perfect–the quintessence of Gotham City“, denkt sich Batman. Auch der Riddler findet es lächerlich, wünscht sich aber ein eigenes, während sich ein Reporter fragt: Was hat es zu bedeuten? „Could this ‚bat‘ signal brighter days for Gotham?“

Auch wenn hier der Mythos zelebriert wird: Die Geschichten sind wohltuend selbstironisch, und im Gegensatz zu vielen gewollt-witzigen Batman-Storys zünden die Gags wirklich. Der Zeichenstil der Künstler ist cartoonhaft, erinnert an die Batman: The Animated Series bzw. die Batman Adventures, aber auch sonst knüpfen die Geschichten an die besten Momente der Serie bzw. Comics an.

Alte und neue Schurken

Passend zu einem Hör-Abenteuer jagt Batman eine „Three Blind Mice-Gang „(daher auch die großen Lauscher), auch Catwoman (im Golden Age-Kostüm) kriegt mit ihnen zu tun und verleiht dem Plot eine überraschende Wendung. Ansonsten gibt es eine Two-Face-Story über ständige duale Entscheidungen in seinem Leben, Scarecrow verkauft Drogen an Kinder, der Pinguin erweist sich erneut als fieser Tyrann und den schönsten Auftritt bekommt aber der Riddler, der in Arkham besucht wird von einer Art Sidekick. Hier gibt es viel zu lachen.

Eine Geschichte widmet sich der Entstehung eines neuen Schurken (King Scimitar), der nicht ernst genommen wird, weil ihm ein Gimmick fehlt. Unterwegs begegnen ihm (neben Killer-Moth, Polka-Dot-Man und Calendar Man) viele verrückte Schurken wie ein Imker mit Bienenbande und ein laufender Hot-Dog. Wunderbarer Irrsinn – der Condiment King lässt grüßen.

Ach ja, und wer immer noch hören will, hier die erste von zwei Episoden auf YouTube:

Man kann sie sich auch bei Spotify anhören. Den Rest gibt es bei HBO Max.

>> Batman 2020-2029


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Scarecrows Angstkonzert

Titel: Concert of Fear

Autor/Zeichner: John Francis Moore/Carl Critchlow

Erschienen: 1998 (Batman Scarecrow 3-D)


„So tell me, Professor Crane — Are you experienced?“ (Robin)

Scarecrow ist auf Teenagerjagd. Diesmal bekommt er es dabei mit Robin als Gegner zu tun. Tim Drake geht mit zwei Freundinnen in einem Club tanzen, in dem der „ambient engineer“ Bliss eine Art holografische Show abzieht. Es geht dabei sehr bunt, sehr psychedelisch zu – und dazu passt es ganz wunderbar, dass der Comic einen 3D-Effekt hat, der natürlich nur mit der dazu gelieferten Brille funktioniert. Doch leider erschöpft sich darin auch schon der Reiz dieses Heftes, denn die Story ist etwa so berauschend wie ein Kaffekränzchen.

Scarecrow entführt den Künstler Bliss und will ihn auf einem stillgelegten Rummelplatz köpfen, da kommt Robin dazwischen. Scarecrow selbst benutzt dann die Technik im Club, um Teenager in Angst zu versetzen. Aber wozu überhaupt, wenn sein Angstgas wie ein Halluzinogen wirkt? Wie dem auch sei: Einen tieferen Sinn hat die Geschichte nicht. Auch bekommt der Schurke keine neue Facette. Der Held muss, um zu triumphieren, seine Ängste überwinden und – Spoiler-Alarm! – er schafft es sehr schnell, denn das Heft hat nur 38 Seiten. Am Ende erfährt Scarecrow eine Art von „poetic justice“ …

Man könnte sich mit dem billigen 3D-Effekt trösten, aber nur die wenigsten Seiten sind überhaupt in 3D gehalten. Und leider sind diese cartoonhaften, einfallslos gezeichneten und kunterbunten Zeichnungen alles andere als Hingucker.

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Batmans Wiedersehen mit Spider-Man

DC Comics

Titel: Batman/Spider-Man

Autor/Zeichner: J.M. DeMatteis/Graham Nolan

Erschienen: 1997 (One-shot), dt. Dino 1997 (DC gegen Marvel 16)


Im Jahr 1995 traf Batman erstmals auf Spider-Man, damals verbündeten sie sich gegen den Joker und Carnage. Zwei Jahre später kam es zur obligatorischen Rückrunde. Ra’s al Ghul will mal wieder die verderbte Menschheit ausrotten, diesmal wirklich, aber damit das klappt, sucht er sich einen Verbündeten in New York City: Wilson Fisk, den Kingpin! Ra’s schickt seine Tochter Talia los, die Fisk ein Angebot macht, zu kooperieren, aber der Kingpin arbeitet nicht mit Terroristen zusammen. Außer natürlich, sie haben zufällig eine Kur für seine todkranke Frau Vanessa im Angebot. Fisk steigt in den Flieger nach Tibet …

Batman & Spider-Man von Graham Nolan. (DC Comics)

Batman ist der Sache auf der Spur, trifft unweigerlich auf Spider-Man und nach der kurzen Ich-arbeite-allein-Routine, begleitet von einer sehr kurzen Handgreiflichkeit, kommt es zur Kooperation der Helden. Diesmal bilden sie ein außerordentlich gutes Team, wenn es darum geht, die Handlanger der Schurken zu verdreschen. Aber sie haben auch einige Überraschungen zu bieten. Dafür, dass es sich bei diesem Crossover um eine kurze Geschichte (48 Seiten) mit bescheidenem Anspruch handelt, gibt es ein paar nette Wendungen am Ende, die für das Lesen belohnen. Falls einem die flotten Sprüche von Spidey und die sauberen und dynamischen Zeichnungen von Graham Nolan nicht genug sind – einem der besten Batman-Zeichner aller Zeiten, nach meiner bescheidenen Meinung. Aber auch Spider-Man kriegt er wunderbar hin.

Batman von Graham Nolan. (DC Comics)

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Batman in einem Husch

Tales from the Dark Multiverse: Batman: Hush #1

DC Comics

Titel: Tales from the Dark Multiverse: Hush

Autor/Zeichner: Phillip Kennedy Johnson, Dexter Soy

Erschienen: 2020 (One-shot)


Was wäre wenn … Bruce Wayne beim Mord seiner Eltern nicht allein gewesen wäre, sondern in Begleitung von Thomas Elliot und seinen Eltern? Dann wäre Bruce bei den Elliots aufgewachsen, Bruce und Thomas wären wie Brüder gewesen, aber Bruce wäre verrückt geworden, mit dem Ergebnis, dass Bruce zu einer Art Hush-Version von Batman mutiert wäre.

Wie bitte? Ja, so läuft das in aller Kürze bei Tales from the Dark Multiverse: Hush, DCs Versuch, einen modernen Batman-Klassiker neu zu erzählen – in einer Art Elseworlds-Manier, wie schon bei Knightfall geschehen. Auch hier ist Gotham eine Dystopie, in der das Verbrechen in der High Society regiert und die Bürger in einem Polizeistaat in Schach hält. Thomas Elliot ist Senator, anscheinend mit Präsidentschafts-Ambitionen, außerdem mit Talia al Ghul zusammen, die ihren Vater getötet und die League of Assassins übernommen hat.

Elliot feiert in Gesellschaft von Jason Todd, einem Waffenhändler (an der Seite von Dinah Drake), Staatsanwalt Harvey Dent und Oswald Cobblepot. Da wird er nach Arkham gerufen, das von Dr. Crane geleitet wird und wo er an Patienten herumexperimentiert. Einer davon ist Bruce Wayne, der als Resultat davon nun tot ist. Jedenfalls scheint es so, denn kurz darauf gehen in Arkham die Lichter aus und ein mumienhaft bandagierter Batman mit roten Augen metzelt Crane nieder und dann begeht er einen Anschlag auf Elliots Hubschrauber.

Nebenbei erfahren wir, dass Barbara Gordon (ein blindes Orakel) eine Gruppe von Outsiders anführt, um ihren toten Vater zu rächen und das Regime zu stürzen. Dabei legt sie sich aber mit „Gray Son“ an, der als Talon den Status Quo mit dem Schwert aufrecht erhält – bis er auf Hush trifft.

Abgehetzt und oberflächlich

Das alles klingt nach einer Menge Stoff und es hätte vielleicht Potenzial für epische Breite, aber leider muss das alles in 52 Seiten abgehetzt werden. Also wird man in eine fremde verkehrte Welt geworfen, mit Informationen bombardiert und dann wieder mit einem abrupten Ende hinausgestoßen. Was man mit Bildern nicht erzählen kann, wird mit vielen Worten nachgetragen, was ebenso ermüdend wie uninspiriert ist.

Im Grunde sehen wir also bloß einem simplen Rachefeldzug zu, der sich ohne Probleme vollzieht, denn für Hindernisse ist ja kein Raum. Auch die Beziehung von Thomas und Bruce, das emotionale Zentrum der Original-Hush-Storyline, bleibt oberflächlich, die Auflösung am Ende kryptisch und unbefriedigend. Statt hier mehr zu erklären, wird eine ganze Seite wird verschwendet zu erzählen, wem alles Bruce seine tollen Fähigkeiten zu verdanken hat – was für die Handlung überhaupt keine Rolle spielt.

Recycling von Bewährtem

Es stellt sich die Frage, wozu man überhaupt eine so runde Geschichte wie Hush noch einmal, aber anders erzählt. Die einzige Antwort, die mir darauf einfällt, ist keine befriedigende: Es ist leicht verdientes Geld, ein bewährtes Rezept zu recyceln und in ein Häppchen zu packen, das ohne Vorwissen schnell konsumiert ist. Als nächstes erwartet uns ein solcher Remix von Flashpoint.

Und so kann ich am Ende nur etwas Positives über dieses Heft sagen, was sich jedes Mal wie ein Trostpreis anhört, aber keineswegs den Leser für sein Geld entschädigt: schön gezeichnet.

>> Batman 2020

Batmans letzter Tag auf Erden

DC Comics

Titel: Batman DOA

Autor/Zeichner: Bob Hall

Erschienen: 1999 (One-Shot)


Wenn morgen die Welt unterginge, würde er heute noch einen Apfelbaum pflanzen, ist von Martin Luther überliefert. Ganz ähnlich ist es mit Batman: Wenn er morgen stürbe, würde er nicht etwa Abschied vom Leben, von Freunden und Weggefährten nehmen, er würde bis zum letzten Atemzug das Verbrechen bekämpfen. So, als könnte das sonst niemand außer ihm.

In Batman: DOA (was sowohl für „Dead on Arrival“ als auch für „Dead or Alive“ stehen kann) läuft es so: Pinguin, Joker und Two-Face infizieren Batman von Arkham aus mit einem tödlichen neuen Virus. Er hat nur noch 24 Stunden zu leben. Unmöglich, so schnell ein Heilmittel zu finden. Das hat nur der Pinguin, aber das weiß kaum jemand. Das Problem: Die Tochter eines Politikers wurde entführt, die Erpresser wollen 50 Millionen Dollar. Doch Batman befürchtet, dass sie das Kind nicht am Leben lassen, wenn sie das Geld haben.

Batman sammelt seine letzten Kräfte, um die Erpresser aufzuhalten. Er kann kaum stehen, nicht mal Autofahren. Robin muss ihm helfen, um herauszufinden, wer ihn umbringen will. Wir sehen einen Helden am Ende, ausgezehrt, wie ein Untoter wandelt er durch Gotham und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Er muss viel trinken, aber hat nicht mal Geld, um in einer Bar dafür zu bezahlen. Selten sieht man Batman dem Tode so nah.

Autor Bob Hall schafft eine äußerst brenzlige Situation, in der er über die ganzen 64 Seiten seine Spannung aufrecht erhält. Als Zeichner ist er sperrig, aber ausdrucksstark, mit Anleihen beim Film Noir. Sein Batman DOA ist heute fast vergessen, aber durchaus wert, wiederentdeckt zu werden.

Mehr von Bob Hall:

>> Batman 1990-1999