JLA trifft die Avengers

DC/Marvel

Titel: JLA/Avengers

Autor/Zeichner: Kurt Busiek/George Pérez

Erschienen: 2003-2004 (Miniserie #1-4), Paperback 2004/2022


Auch wenn Eigenlob stinkt, muss ich eins vorwegschicken: Ja, ich bin stolzer Besitzer der Neuauflage von JLA/Avengers. Der auf nur 7000 Exemplare limitierten Neuauflage. Wie das? Reines Glück. Ich hatte mir gar keine Hoffnungen gemacht, dass ich eins kriegen würde, und dann sah ich es eines Tages im Regal meines Comicladens stehen. Einfach so, unauffällig zwischen anderen Paperbacks. Ich glaubte meinen Augen kaum, doch dann hielt ich es in der Hand. 40 Euro wollte der Laden für das 30-Dollar-Heft haben. Reiner Wucher. Unverschämte Gier. Doch wer bin ich zu urteilen, wenn ich selbst von der Gier gepackt sofort bereit war, den geforderten Preis zu zahlen? Immer noch günstiger, als das Ding bei eBay zu ersteigern.

Dass das Geld gut angelegt ist, zeigt sich schon beim Durchblättern. Im umfangreichen Bonusmaterial wird nicht nur ausführlich die langwierige Entstehungsgeschichte dieses Vierteilers erzählt, sondern es gibt auch tatsächlich einen Abdruck der Zeichnungen für die 1983 verworfene erste Ausgabe von George Pérez. So kann man nachvollziehen, wie die Geschichte ursprünglich starten sollte.

Ein kosmisches Spiel

Ansonsten ist es ein typisches Crossover-Event, dessen einziger Sinn darin besteht, die größten (und kleinsten) Helden beider Verlage in einen dicken Comic zu kriegen. Die Story ist dabei so beliebig und formelhaft wie nebensächlich: Irgendein generic evil space dude (nennen wir ihn Krona) will wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, zieht dabei von Universum zu Universum und vernichtet es dabei, weil er gerne den Urknall nachspielt. Dann trifft er auf den Grandmaster und lässt sich auf ein Spiel ein: Die Helden der Marvel- und die DC-Universen sollen zwölf Artefakte sammeln, je sechs aus beiden Welten (darunter Green Lanterns Batterie und die Seelensteine). Wer sie zuerst hat, darf überleben. Den Helden wird nur die halbe Wahrheit erzählt.

Dann reisen die JLA und die Avengers zwischen den Welten und kommen sich in die Quere. Ohne die Sache vernünftig auszudiskutieren (Wer seid ihr? Was wollt ihr?), kriegt Superman Thors Hammer ab und los geht die Massenkeilerei. Nur Batman und Captain America sind schlau genug, sich zurückzuhalten und gemeinsam nachzuforschen, was hier eigentlich los ist. (Trotzdem lässt man die anderen erst mal weiterprügeln.)

JLA/Avengers #4: (DC/Marvel)

Dann verschmelzen die Welten und es wird alles noch viel komplizierter, bis man am Ende mit vereinten Kräften alles wieder ins Lot, sprich: zurück zum Status quo bringt. Highlight: Superman mit Captain Americas Schild und Thors Hammer. Im Finale löst sich das Problem fast von selbst.

Knallbunte Reizüberflutung

Zeichner George Pérez scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, wie schon bei der Crisis, möglichst viele Charaktere auf den Seiten unterzubringen. Nicht nur JLA und Avengers, sondern auch so gut wie alle anderen Superhelden. Kaum eine Seite ohne mindestens ein bis drei Dutzend verschiedene Gesichter. Somit ist dieser Comic auf jeder Seite eine knallbunte Reizüberflutung, die man sich am besten in maximal vier Happen aufteilen sollte, weil man sie sonst kaum erträgt.

Am Ende wird klar: Es geht hier um reinen Fanservice, es geht darum, es allen recht zu machen. Daher gibt es auch keine ernsten Konsequenzen. Nach einem Riesengedöns platzt die Blase einfach, ohne dass hinterher irgendein Mehrwert gewonnen wäre, außer der Erkenntnis, dass die beiden Welten von DC und Marvel nicht kompatibel sind. Das ist bloß eye candy, crowd pleaser und (im prüdesten Sinne) Superhelden-Porno.

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