Sean Murphy

Joker: Batmans größter Fan

DC Comics

Titel: White Knight (dt. Der weiße Ritter)

Autor/Zeichner: Sean Murphy

Erschienen: 2017-2018 (Mini-Serie #1-8), Paperback 2018


Batman sitzt in Arkham, gefesselt in einer Zelle. Ein gewisser Mr. Napier sucht ihn auf und bittet ihn um seine Hilfe – es ist der ehemalige Joker. Wie konnte es dazu kommen? Ein Jahr zuvor wird der Joker durch ein geheimnisvolles Medikament vom Irrsinn geheilt, vom Gericht wird er freigesprochen und will dann als Jack Napier Stadtverordneter werden, um Gotham endlich vom Verbrechen zu befreien. Sein Vorwurf: Batman hat versagt, er richtet mehr Schaden an als er helfen sollte, und die Stadt und die Polizei haben zu lange dabei zugesehen. Jetzt soll Batman Teil der Polizei werden.

Aber meint es Napier wirklich ernst oder ist das nur ein Trick des Jokers? Harley Quinn gegenüber verhält er sich jedenfalls ganz anders als früher. Das kann sie gar nicht leiden. Da taucht aber plötzlich eine andere Harley auf – im alten Kostüm – und es stellt sich heraus, dass es zwei Harleys gibt. Die erste verdrängt die zweite, daraufhin wird diese zum Neo Joker und setzt sich zum Ziel, ihren Joker zurückzuholen. Währenddessen schart Napier eine Armee von Schurken um sich, die dank Mad Hatter und Clayface seinem Willen gehorchen.

Das ist nur der Anfang einer noch viel komplexeren Geschichte, die der Autor und Zeichner Sean Murphy hier entfaltet. White Knight spielt in einer eigenen Welt, die aber an vieles Vertraute erinnert. Murphy bedient sich hier stark in der Batman-Tradition, spickt seine Story mit zahllosen Verweisen. Der Name „Jack Napier“ stammt aus Tim Burtons Batman (The Animated Series hat ihn übernommen), die Idee des genesenen Jokers stammt aus Going Sane, wieder gibt es den Tod von Robin Jason Todd und mal wieder wird die Watchmen-Idee bemüht (die sich auch in Marvels Civil War zu finden ist), dass Superhelden einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden sollen, besonders viele Anspielungen finden sich auf The Animated Series (z.B. die Folgen Almost Got ‚Im, The Ultimate Thrill und Over the Edge). Was auf den ersten Blick wirkt, wie überall dreist zusammengeklaut, ergibt ein zwar traditionsbewusstes, aber auch stimmiges Werk eigenen Rechts, das viele eigene Akzente setzt.

Murphy schafft es tatsächlich, den Joker zum Helden der Story zu machen, der ohne Albernheiten ein ernstzunehmendes Anliegen verfolgt. Bemerkenswert ist auch, dass der Joker trotz einer Vorgeschichte nichts von seiner Faszination einbüßt. Der Joker ist zunächst Batmans größter Fan. Man sieht ihn in seiner Zelle inmitten von Merchandising, Postern und Zeitungssauschnitten. Gleich zu Beginn bekennt er, Batman überlegen zu sein und sich bei ihm immer zurückgehalten zu haben, damit ihr Spiel zwischen den beiden immer weitergehen kann.

Als Napier ist er nicht Batmans Feind, sondern will ihn als Verbündeten gewinnen. Der Schurke will nicht siegen, er will einen Kompromiss – und Batman wird zum Schurken, weil er sich hartleibig gibt. Nicht nur darf der Joker Batman mal wieder den Spiegel vorhalten und dessen Konzept und Methoden infrage stellen, sondern auch Batman erscheint zweifelhaft in seinem radikalen Vorgehen. Am Ende sieht er selbst seine Fehler ein und lernt daraus. Das ist kühn – und in dieser Konsequenz besteht das wahrhaft Neue an dieser Story.

Mister Freeze spielt hier eine ganz neuartige Rolle als Batmans Verbündeter, Duke Thomas wird völlig neu erfunden, als ambige erwachsene Figur, die zwischen „der Straße“ und Napier vermittelt, Nightwing und Batgirl werden Teil einer Polizei-Spezialeinheit und schließlich gibt es mit beiden Harley Quinns auch starke Frauenfiguren, die für einige Überraschungen sorgen – und die Figur auch für Nicht-Fans erträglich machen. Ganz nebenbei dekonstruiert er Harley Quinn, indem er die neuere Entwicklung der Figur quasi annuliert und als Rückschritt für den Feminismus bezeichnen lässt.

Auch Sean Murphys Vorliebe für Autos wird hier deutlich. Nicht nur in den vielen spektakulären Verfolgungsjagden, und der Tatsache, dass Batman ständig Rennfahrer-Handschuhe trägt, sondern auch im Design des neuen Batmobils. Gleichzeitig verleiht er den berühmtesten Batmobilen prominente Gastauftritte, die kein Selbstzweck sind, sondern tatsächlich einen Sinn in der Story haben: Da fährt Adam Wests Batmobil neben dem Tumbler aus Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie, wir sehen Michael Keatons Gefährt neben dem aus The Animated Series. Fans frohlocken.

Insgesamt erzählt White Knight eine ebenso fesselnde wie dynamisch gezeichnete Story, in der so ziemlich jeder Aspekt gut durchdacht ist, jede Figur interessant erscheint und die Handlung viele Überraschungen bietet. Das Verhältnis zwischen Dialog und Action ist ebenso im Gleichgewicht wie zwischen Tradition und Innovation. Damit ist White Knight ohne Zweifel das beste Batman-Comic seit Dark Night: A True Batman Story.

Für nächstes Jahr ist bereits eine Fortsetzung angekündigt: Curse of the White Knight. Darin soll auch Azrael vorkommen.

DC Comics

(Hinweis: Die deutsche Ausgabe erscheint im März 2019. )

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Snyders Schlusskapitel – Batman: Last Knight

Batman von Sean Murphy (Detective Comics #27, DC Comics)

Batman erwacht in einem postapokalyptischen Gotham City. Er ist jung. Der Kopf des Jokers ist an seinen Gürtel gekettet, aber er lebt und spricht. So soll Batman: Last Knight beginnen, die nächste Geschichte von Scott Snyder. Es soll sein vorläufiges Schlusskapitel für Batman sein, hat er auf der New York Comic Con angekündigt. Derzeit läuft sein großes Batman-Event Dark Nights: Metal.

Gezeichnet wird der Comic von Sean Gordon Murphy, der gerade seine eigene Miniserie, Batman: White Knight, geschaffen hat. Murphy hat auf Twitter angekündigt, danach erstmal nicht mehr mit Autoren zusammenarbeiten zu wollen, sondern seine eigenen Ideen zu verwirklichen.

Snyder und Murphy haben bereits an American Vampire and The Wake sowie einer Story für Detective Comics #27 zusammengearbeitet.

Joker wird zum Weißen Ritter

DC Comics

Vor einem Jahr hat Zeichner Sean Gordon Murphy ein neues Batman-Comic-Projekt angekündigt. Seitdem hat er seinen Schaffensprozess daran in seinem Twitterkanal dokumentiert, ohne konkrete Details über den Plot zu nennen. Jetzt ist klar: Es wird eine siebenteilige Mini-Serie mit dem Titel Batman: White Knight, der erste Teil erscheint am 4. Oktober in den USA. Ein deutscher Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest.

Darin wird es um vertauschte Rollen gehen: Der Joker wird zum Politiker Jack, der Batman ganz legal vom Vigilantentum abhalten will, weil der Dunkle Ritter auf seinem Kreuzzug gegen das Verbrechen gescheitert ist. Auch Harley Quinn wird dabei eine Rolle haben. „In a world where Batman has gone too far, the Joker must save Gotham City“, schreibt DC Comics in seiner Ankündigung. Die Geschichte spielt sich außerhalb des regulären DC-Universums ab.

An den ersten Seiten kann man bereits erkennen, dass Batman: White Knight zumindest visuell ein Meisterwerk werden wird. Es wird höchste Zeit für eine herausragende Batman-Story außerhalb der Continuity, denn so eine hat es seit Paul Dinis Dark Night nicht mehr gegeben.

Sean Murphy macht sein eigenes Batman-Comic

Batman von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Batman von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Sean Gordon Murphy wird nicht nur der nächste Zeichner von Scott Snyders All-Star Batman werden, sondern auch sein eigenes Batman-Comic schreiben und zeichnen. Wie der Künstler auf Twitter verkündet hat, soll es sich bei dem eigenen Projekt um eine achtteilige Mini-Serie handeln, die außerkanonisch ist. „The Batman book I’m doing alone will be my DK and my Year 100—an Elseworld-like take on Batman. My attempt at an opus“, schreibt Murphy. Ein Titel steht noch nicht fest. Die Story soll so viele Schurken wie möglich enthalten, allerdings in neuen Designs, und auch so viele Regeln brechen wie möglich. Zu seiner Motiviation schreibt Murphy bei Twitter: „Batman is the top of the comic book mountain. It’s my chance to climb it.“

Joker von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Joker von Sean Gordon Murphy (Twitter)

Sean Murphy ist bekannt für seine Arbeit an Scott Snyders American Vampire und The Wake sowie zuletzt an Mark Millars Chrononauts und Rick Remenders Serie Tokio Ghost. Der Zeichner hat sich bereits im Jahr 2005 mit Batman/Scarecrow: Year One am Dunklen Ritter versucht. Seitdem hat er immer wieder Cover und auch einige Seiten zu Batman beigetragen, wie etwa eine Kurzgeschichte in Detective Comics #27 (2013). Eine Bildergalerie des Künstlers gibt es bei Devianart.com.

Coverwahn #5

Weihnachten wurde in diesem Jahr um einen Monat vorverlegt: Auf den 25. November, wenn die erste Ausgabe von Dark Knight III: The Master Race herauskommt. So wie sich die Meldungen zu der Mini-Serie von Frank Miller und Brian Azzarello überschlagen, kann man schon fast von einem erweiterten Adventskalender sprechen: Fast jeden Tag ein neues Cover, ein Panel oder eine Seite aus dem neuen Werk. Manches ist beeindruckend, manches mäßig, vieles redundant.

Nun hat DC ein weiteres Cover aus der Hand des Meisters Frank Miller herausgebracht, dieses Mal eines mit Batman. Wieder ist es auf seine Weise extrem: Ein ziemlich mitgenommener Batman mit zerrissenem Umhang schreitet tief gebeugt durch einen Blutsturm, die Fäuste geballt, das Gesicht verzerrt. Und wie schon bei dessen Superman ist das Urteil vieler Fans sehr harsch: Kritisiert wird die Anatomie, etwa dass Batman ein Oberschenkel fehlt oder dass die Proportionen seiner Schuhe nicht stimmen … Andere wiederum rechnen es Miller hoch an, dass er trotz seiner Erkrankung immer noch weiterarbeitet. Die dritte Fraktion ergeht sich in ewiger Dankbarkeit für Millers Werke aus den 80ern und 90ern. Die vierte hasst ganz einfach alles, was er macht.

Egal, was mit Miller persönlich los ist: Er bleibt sich treu, weil er immer noch provoziert. Und wer provoziert, der spaltet. Sein Batman war schon immer ein Wagnis, die Dekonstruktion eines Helden – und diesen Weg geht Miller bis zum Ende weiter. Selbst sein gehasster All-Star Batman war ein Versuch, noch extremer zu sein, den Helden seines Heldentums zu berauben und ihn damit in seinen Grundfesten zu erschüttern. Wenn sich damals alle aufgeregt haben, war das Ziel erreicht. So dürfte es auch mit Dark Knight III sein. Einfältig ist es nur, das Werk schon schlecht zu machen, bevor man es gelesen hat.

Meine Meinung? Ich mag das Cover auch nicht. Aber je länger ich es mir ansehe, desto mehr kann ich ihm einen gewissen Reiz abgewinnen. Es ist wie bei meiner ersten Lektüre von The Dark Knight Returns: Damals mochte ich den Zeichenstil auch nicht, aber das Buch hat mich trotzdem ungemein gefesselt und mittlerweile kann ich mir die Panels nicht mehr anders vorstellen, denn sie tragen sehr zu der beklemmenden Stimmung des Comics bei. Dieses Cover ist auf seine Weise radikal – und so muss es sein: Ein gebrochener Held, am Rande seiner Kräfte, verkrampft in einer unnatürlichen Haltung, aber allen Widerständen trotzend, am Boden, aber immer noch dabei, sich aufzuraffen.

Damit ist Millers Werk deutlich unkonventioneller als das seiner Mitstreiter: Darwyn Cooke wiederholt das Mutanten-Schlammcatchen, allerdings im Stil der Animated-Serie (vgl. Episode Legends of the Dark Knight), Matt Wagner liefert uns ein solides Porträt vom Joker mit Batarang im Auge (kennen wir auch schon), Bruce Timm beweist mit seinem Batman-Porträt Mut zur Falte, Klaus Jansons zweites Cover ist einfach nur öde. Am eindrucksvollsten sticht Sean Murphys zweites Variant heraus: Batman im Panzer, Superman im Visier. Interessant an dieser Doppelstruktur ist, dass sowohl Batman umrahmt ist von einer Fledermaus-Silhouette als auch Superman eine solche Form bildet. Schon Murphys erstes Cover zu DK III zeigte eine Konfrontation der beiden Helden: Batman drückt Superman darauf zu Boden. Auch das ist extrem, auch das dürfte im Sinne des Erfinders sein.

Coverwahn

Jetzt geht es mit DC Comics völlig durch: Zum ersten internationalen Batman-Tag am 26. September 2015 bringt der US-Verlag von seinem Gratis-Comic ganze 14 Variant-Cover. Es wird sich um eine Special Edition von Endgame handeln (wahrscheinlich den ersten Teil, wie auch in Deutschland), interessanter dürfte aber die achtseitige Vorschau auf die neue wöchentliche Serie Batman and Robin Eternal werden. Leider sind die meisten Variants bereits bekannte Cover von anderen Heften.

Noch ausschweifender wird der Variant-Wahn am 25. November, wenn der erste Teil von Frank Millers und Brian Azzarellos Dark Knigh III – The Master Race erscheint. DC hat hierfür 37 (!) verschiedene Cover angekündigt  – vorläufig! So ziemlich jeder, der in den vergangenen Jahrzehnten Batman gezeichnet hat und noch einen Bleistift halten kann, darf einmal ran: Neal Adams, Lee Bermejo, Brian Bolland, Greg Capullo, David Finch, Gary Frank, Kelley Jones, Francis Manapul, Eduardo Risso, Tim Sale – um nur einige der Größten zu nennen. (Hier die ganze Liste.) Jedes Variant wird jeweils bei einem anderen Händler verfügbar sein.

Die ersten beiden Cover, die DC veröffentlicht hat, stammen von Jae Lee und Sean Murphy. Das eine zitiert das berühmte Blitz-Cover von Frank Miller zu The Dark Knight Returns, das andere zeigt einen gepanzerten Batman, der einen blutenden Superman zu Boden drückt. Eindrucksvoll sind solche Hommagen immer wieder, wie schon beim ersten Variant und dem ersten Promo-Bild. Aber man kann es mit der Fülle auch übertreiben. Die Hardcore-Sammler werden müssen dieses Mal besonders tief in die Tasche greifen, wenn sie alles haben wollen. (Ja, solche gibt es.) Ein kalkulierter Bestseller ist nicht genug. So erzeugt man Megaseller. Und die Marketingmaschine läuft so heiß, dass die Erwartungen nicht größer sein könnten.