Bruce Jones

Noch einmal Scarecrows erstes Jahr

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DC Comics

Titel: Year One: Batman/Scarecrow

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Sean Murphy

Erschienen: 2005, Paperback 2009 (Batman: Two-Face and Scarecrow Year One)


Batman: „You really that…scared of me?“
Robin: „Yeah. In a God-fearing kinda way.“

Nichts ist beliebter als Geschichten vom Anfang und vom Ende. Daher müssen alle paar Jahre Origins von Superhelden und Schurken neu erzählt werden – und natürlich jedes Mal verändert, sonst wär’s ja öde. Zehn Jahre nach dem letzten Scarecrow Year One bekam Jonathan Crane noch eins, als Zweiteiler.

Die bekannten Komponenten sind alle da: die traumatische Kindheit, die Besessenheit von Angst, Vögel, Chemikalien, die Schusswaffe, das Rachemotiv. Diesmal aber kommt einiges Neue hinzu. Jonathan Crane ist das uneheliche Kind einer drogensüchtigen und sehr jungen Mutter, das von der Großmutter am liebsten lebendig begraben worden wäre, aber dann von der Urgroßmutter aufgezogen wird – allerdings nicht nur lieblos, sondern auch grausam.

Sie lässt ihn schon als Kind auf dem Feld arbeiten und bestraft ihn, indem sie dressierte Krähen auf ihn hetzt. Er lernt ihr Geheimnis, versenkt sich in das Studium von Psychologie und Chemie, später lehrt Crane an der Uni, wo er suspendiert wird, weil er eine Schusswaffe vor Studenten abfeuert. Daraufhin wird er zu Scarecrow und rächt sich an all seinen Peinigern, indem er sie mit ihren eigenen Ängsten tötet.

Scarecrows Vorgeschichte: Noch grausamer

Anfangs hat Scarecrow noch kein Angstgas, sondern experimentiert mit einer Mischung aus Pheromonen und Halluzinogenen wie LSD. Batman und Robin folgen einer Spur aus Leichen und Stroh und versuchen, den Serienmörder zu schnappen. Das passiert allerdings über etwas seltsame Umwege. Statt sich zu fragen, was die Opfer gemeinsam haben könnten, stellen die Helden weit hergeholte Nachforschungen über den Ursprung von Strohhalmen an. Spätestens als Cranes ehemaliger toter Professor aufgefunden wird, sollte klar sein, wer sich da gerächt hat. Aber nein, Zeugenbefragung steht nicht auf den Plan. Man geht lieber dem vagen Hinweis nach, den ein Buch zu geben scheint, das aus dem Regal herausragt: Sleepy Hollow

Spannender als die Detektivarbeit ist Scarecrows Vorgeschichte. Die ist ziemlich dick aufgetragen, dicker als sonst, mit allen möglichen Grausamkeiten versehen, die einem passieren können (darunter auch häusliche Gewalt), aber dafür auch sehr ausführlich und so plausibel wie möglich hergeleitet. Scarecrow selbst ist äußerst brutal dargestellt, denn er ist sogar bereit, ein Baby zu töten – damit dürfte jegliche Sympathie für ihn schwinden.

Umso angenehmer sind Sean Murphys Zeichnungen anzusehen, die hier noch nicht seinen heute markanten Stil tragen (Batman: White Knight), aber trotzdem schön düster, stimmungsvoll und dynamisch sind. Ein beachtliches Frühwerk, das über die sonstigen Schwächen hinwegsehen lässt. Aber da war Murphy noch nicht selbst als Batman-Autor tätig.

Mehr zum Thema:

Ein schlechter Trip ins Wunderland

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman: Through the Looking Glass

Autor/Zeichner: Bruce Jones/Sam Kieth

Erschienen: 2012 (One-shot)


„It’s like some insane game …“ (Alfred)

Während Batman über den Mord an einem Politiker nachdenkt, erscheint ihm ein weißes Kaninchen, er folgt ihm in die Kanalisation und trifft – Alice? Nein, sondern seine alte Jugendfreundin Celia. Sie wird zu seiner Führerin durch das Wunderland, in dem bekanntlich allerlei Kuriosa wohnen und den besten Detektiv der Welt an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln lassen. Denn Batman steht unter Halluzinogenen und bemüht sich, in diesem Zustand einen Serienmörder zu schnappen. Währenddessen versuchen Robin und Alfred, ihren Gefährten wiedereinzufangen …

Es ist nicht das erste Mal, das Alice im Wunderland  für eine Batman-Geschichte Pate stehen muss. Der Mad Hatter verdankt bekanntlich seine Herkunft dem Buch von Lewis Carroll. Und so ist er auch hier der Mann hinterm Spiegel, der Batmans Verstand verwirrt. Allerdings ist die Story so bemüht irre, sind die Figuren so nervig, die Motive so altbekannt, die Witze so platt, dass das Lesen dieses schmalen Bändchens schnell ermüdet. Selbst Zeichner Sam Kieth, der sich bei Secrets und vor allem Arkham Asylum: Madness als fähiger Künstler erwiesen hat, kann dieses Comic nicht retten. Im Gegenteil: Er bietet hier meist bloß krakelige Bilder, durch die alles noch viel schräger wirken soll, die aber tatsächlich nur albern und übertrieben aussehen. Ein Buch so grässlich wie ein schlechter Trip.