Justice League

Take a Walk on the Darkseid

Titel: Darkseid War I-II (Justice League Vol. 7-8)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jason Fabok, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Justice League #40-50), Paperbacks 2016


„With the Mobius chair, I can finally be the Batman that Gotham needs.“ (Batman)

Der Anti-Monitor ist wieder da! Nachdem er die Erde des Crime Syndicates zerstört hat, ist nun die Erde unserer Helden dran. Es kommt zum Kampf mit Darkseid, der ein ähnliches Ziel hat. Einer von beiden geht drauf. Und einige der Helden werden – wie der Zufall es will gleichzeitig – zu Göttern. Zum Beispiel wird Superman zu einem Schwarz-weißen Choleriker. Und Flash wird zum neuen Black Racer, dem Todesbringer. Batman übernimmt den Möbius-Stuhl von Metron. (Fun Fact: Der Stuhl gehörte früher dem Anti-Monitor, der einst Möbius hieß.) Dadurch hat er den totalen Durchblick. Als er fragt, wie der echte Name des Jokers lautet, ist er über die Antwort erstaunt: es sollen drei sein. (Welche, fragt er offenbar nicht mehr.)

Darkseid War ist ein Epos, mit dem Geoff Johns seine Justice League-Serie abschließt. Er greift damit Darkseids Angriff im ersten Band (Origin) auf, bei dem sich die JL formierte, er holt das Crime Syndicate aus Forever Evil wieder hervor und schlägt bestimmt auch ein paar Bögen, die ich verpasst habe. Er holt weit aus, rekapituliert die vergangenen drei Jahrzehnte DC-Geschichte, dichtet eine Darkseid-Tochter herbei, die von einer Amazone geboren wurde etc. Am Ende können all die Figuren, Nebenfiguren und Plot-Fäden nicht über die alte Formel hinwegtäuschen, dass alle mit vereinten Kräften gegen einen übermächtigen Schurken kämpfen. Und ziemlich einfach gewinnen.

So bleibt auch der Abschluss dieser Justice League-Serie eine solide Story, die man nicht unbedingt lesen muss. Es reicht auch, sich die atemberaubenden Zeichnungen von Jason Fabok und Francis Manapul anzusehen.

DC Comics

Ergänzt wird der Darkseid-Krieg durch mehrere One-shots, in denen die zu Götter verwandelten Helden einzelne Auftritte bekommen. In „God Only Knows“ (Justice League: Darkseid War: Batman #1) reist Batman als „God of Knowledge“ im Möbius-Stuhl durch Gotham und nimmt Pre-Crime-mäßig Schurken hoch, noch bevor sie Straftaten begehen. Eine Bande schickt er in die Antarktis, einen Mann, der seine Frau umbringen will, auf die Amazonen-Insel Themyscira. Und er sucht im Gefängnis Joe Chill heim. Da der Mörder seiner Eltern sich nicht reumütig zeigt, offenbart Batman ihm, dass er Bruce Wayne ist. Erst da bekommt er es mit der Angst zu tun.

Immerhin ist diese kleine Episode interessant, um Batman einmal von einer anderen Seite zu sehen: Zum einen abgeklärt und noch skrupelloser, zum anderen auch noch besessener, da er sich vom Stuhl der Erkenntnis beeinflussen lässt und nicht mehr von ihm loskommt.

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Wie Santa Claus JLA-Mitglied wurde

DC Comics

Titel: Merry Christmas, Justice League — Now Die!

Autor/Zeichner: Mark Waid/Cliff Rathburn

Erschienen: 2001 (JLA #60), Paperback 2015 (JLA Vol. 5)


„Made-up guys can’t be cool.“

Wie bringt man JLA und Santa Claus zusammen? Diese zwei Sphären, die nichts miteinander zu tun haben: Einerseits stählerne Typen mit Superkräften, die die Welt beschützen, und dieser dicke Typ mit Rauschebart, diese kommerzielle Kunstfigur, die Geschenke verteilt und an die nur Kinder glauben. Aber wenn wir es so betrachten: So weit weg sind die beiden Sphären nicht. Eigentlich gibt es kaum einen Unterschied. Außer dass die einen vielleicht etwas cooler aussehen. Und genau darum geht es hier: Santa Claus cool zu machen, zu einem Superhelden.

Weil ein Junge nicht an Santa Claus glaubt, erzählt ihm Plastic Man, dass der sogar Mitglied in der JLA sei. Und weil der immer noch skeptisch bleibt, erzählt er ihm, wie es dazu kam: Die JLA saß beisammen und hat ihn einfach aufgenommen. Doch kurz darauf kam ein Lebkuchenmännchen, das ihnen mitteilte, Santa Claus sei in der Hölle gefangen. Denn der Weihnachtsmann steckt in der Krise. Immer weniger Kinder sind brav, weil die Dämonen der Hölle sie zu Missetaten anstiften. Das Angebot an Geschenken ist größer als die Nachfrage, die Elfen werden arbeitslos.

Der Oberdämon Neron entführt Santa Claus und nimmt ihn gefangen. Die JLA teleportiert sich in die Hölle, wird in Kohle verwandelt, da befreit sich Santa mit seinem Hitzeblick … Okay, ich denke, ich kann hier aufhören – ihr habt verstanden, worauf es hinausläuft. Diese JLA-Story ist natürlich großer Quatsch, aber ein ganz amüsanter. Wenn man sich darauf einlässt, dass hier nur Spinnerei betrieben wird, wird seinen Spaß haben. Die Story hat den Charme eines spontan erdachten Kindermärchens, das gerade durch seine unerwarteten, absurden Wendungen wieder das Kind im Leser weckt.

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Wenn Schurken die Welt retten

DC Comics

Titel: Justice

Autor/Zeichner: Alex Ross, Jim Krueger/Alex Ross, Doug Braitwaithe

Erschienen: 2005-2007 (Mini-Serie #1-12), Paperback ; dt. Panini 2006 (6 Bände), Hardcover Eaglemoss 2005 (DC Graphic Novel Collection, 2 Bände)


„Who decided we needed to be saved?“ (Lex Luthor)

„The world’s worst super-villains are acting like the world’s greatest heroes and the Justice League is nowhere to be found.“ (Elongated Man)

Die größten Superschurken der Welt haben alle denselben Alptraum von der nuklearen Apokalypse, bei der selbst die Helden wehrlos sind. Also verbünden sich Lex Luthor und Brainiac mit anderen Schurken wie Riddler, Poison Ivy und Black Manta, um die Welt erstens zu einem besseren Ort zu machen und zweitens die Superhelden auszuschalten, was für sie letztlich auf dasselbe hinausläuft. Aquaman wird von Brainiac der Kopf aufgeschnitten, Superman von Bizarro, Solomon Grundy und dem Parasiten ausgeknockt, Green Lantern wird ins Nichts verbannt und andere werden von Nano-Parasiten beherrscht. Schurken werden zu Helden – aber das geht natürlich in die Hose.

Über die Kunst von Alex Ross muss man nichts mehr sagen, die überwältigenden Bilder sprechen für sich selbst. Interessiert da noch die Story? Ja, sie tut es. Alex Ross hat sie sich diesmal selbst ausgedacht, Jim Krueger schrieb das Script, aber es ist kein unbeholfener Versuch geworden, wenn grafische Künstler den Autor in sich entdecken. Im Gegenteil: Justice ist packend erzählt und durchgehend spannend umgesetzt – und das obwohl die Story übervoll ist mit Helden und Schurken. Jedes der zwölf Kapitel ist aus einer anderen Sicht erzählt, so bekommen die wichtigsten Charaktere Raum sich zu entfalten. Wir erfahren etwas über ihre Motivationen, Ängste und Sorgen. Alex Ross will jeder Figur gerecht werden und es gelingt ihm auch, es werden wieder Superhelden, die wie Götter aussehen, aber sich sehr menschlich verhalten.

Es geht um ethische Grundfragen, es geht um die Zukunft der Menschheit: Soll die Elite nach dem Recht des Stärkeren überleben oder sollen die Schwachen zu Übermenschen optimiert werden? Was bedeutet Rettung für die Menschheit? Ist mit dem Ende der Atomwaffen die Welt erlöst? Und darüber hinaus gibt es auch schöne Höhepunkte wie Captain Marvel wirft Superman in die Sonne, Green Lantern richtet sich heimisch in seinem Ring ein, die Metal Men dienen der Justice League als Schutzrüstung. Es gibt überraschende Wendungen und sogar hier und da eine Pointe. Das alles macht das Vergnügen nicht nur kurzweilig, sondern befriedigt auch alle Ansprüche, die man von einer guten Justice League-Story erwartet.

Nur eines könnte zum Problem werden: Die fast 400 Seiten, vollgepackt mit Figuren, Action, Dialog und auch noch knallbunt und hyperrealistisch visualisiert, könnten den ein oder anderen Leser überfordern. Aber zum Glück muss man ja das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern kann Pausen machen, um sich von der Reizüberflutung erholen. Dann verschmerzt man es auch, dass sich das Finale etwas hinzieht.

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Jeder darf mal

DC Comics

DC Comics

Titel: Injustice League

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Ivan Reis, Doug Mahnke, Jason Fabok

Erschienen: 2014 (Justice League #30-39), Paperback 2015; dt. Panini 2016 (Paperback)


„You’re no different from those in Arkham, Luthor. You don’t have a colorful costume or carry a deck of cards. You don’t wear your psychosis on your sleeve like they do… But that’s what makes you more dangerous. You can hide among us.“ (Batman)

Lex Luthor hat die Welt gerettet. Jetzt will er der Justice League beitreten. Seine Begründung: Da kommt noch mehr auf die Erde zu. Aber Superman und Co. trauen Luthor nicht. Die Erfahrung mit ihm als Schurke lässt sich nicht wegdenken. Daraufhin versucht Luthor es bei Batman. Er kommt unangemeldet zu Bruce Wayne nach Hause, sagt ihm, dass er dessen Geheimnis kenne. Bruce stellt sich dumm. Und auch das Ziehen einer Handfeuerwaffe überzeugt Bruce nicht von Luthors edlen Motiven. (Warum wohl?)

Und dann gibt es noch das Vermächtnis von Power Ring, dem bösen Green Lantern von Erde 3. Dessen Ring hat sich ein neues Opfer gesucht: Jessica Cruz. Sie wird zum Träger wider Willen und lässt in Portland, Oregon, eine Flut an grünen Monstern und Flammen los. Die Doom Patrol greift ein, die Justice League folgt sogleich, es kommt zu einem kleinen, unmotivierten und auch nur halbherzigen Kampf.

Cyborg versucht in den Ring einzudringen. Lex Luthor versucht mit Drohungen an den Ring heranzukommen. Am Ende kann Batman durch gutes Zureden Jessica Mut machen, die Kontrolle zu übernehmen. Schließlich wird nicht nur sie in die Liga aufgenommen, obwohl sie weder sich noch den Ring im Griff hat, sondern auch Lex und nebenbei der infantile Shazam – offenbar nimmt man heutzutage jeden. Für Lex lautet der Grund: Man will ihn so besser beobachten …

In der zweiten Story, The Amazo-Virus, bereut die JL ihre Entscheidung. Bei einem gescheiterten Attentat auf Luthor wird aus seinem Labor ein Virus freigesetzt, das Menschen zunächst Superkräfte verleiht und sie kurz darauf sterben lässt. Auch die meisten Liga-Mitglieder werden infiziert. Man sucht nach Patient Null, doch als man ihn findet, trägt er nichts zur Lösung bei. Schließlich muss Superman Blut spenden, um die Sache zu lösen. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen den infizierten und den verschont gebliebenen Mitgliedern.

Die Story ist ziemlich spannungsarm erzählt, die meiste Zeit wird bloß geredet, wobei wir am meisten nur selbstverliebte Monologe von Lex Luthor lesen. Dabei wird das Ausmaß der Seuche nie richtig greifbar und auch die Tatsache, dass die halbe Liga besessen vom Virus ist, wirkt nie richtig bedrohlich. Der Umstand, dass Menschen Superkräfte bekommen, spielt eigenartigerweise keine große Rolle, was den Sinn hinter der Idee fraglich macht. Jeder kriegt mit den Kräften seine 15 Minuten Ruhm – das könnte auch für die Rekrutierungsstrategie der Justice League stehen. Kurz: Ein weiteres Routine-Abenteuer.

Am Ende aber gibt es einen neuen Amazo und Green Lantern Hal Jordan kehrt zurück. Wo war der eigentlich hin? Man verliert sehr leicht den Überblick, wenn man nicht gut aufpasst und dranbleibt …

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Swiss Army Robot

DC Comics

Titel: The Case of the Stolen Super-Powers

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #30), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


Das Besondere an der JLA ist die Vielseitigkeit: Jeder Held hat andere Kräfte, die er nützlich fürs ganze Team einsetzen kann. Jeder kommt zum Einsatz. Außer Batman und Superman – die spielen, obwohl sie die prominentesten Mitglieder sind, kaum eine Rolle in den ersten Abenteuern. Sie erscheinen meist nur kurz im Bild, Superman darf höchstens der Deus ex machina am Ende sein. Offenbar ist er zu mächtig und würde damit die anderen in den Schatten stellen. Was aber wäre, wenn ein Gegner alle Kräfte der Liga vereinen würde? Er wäre unbesiegbar …

Darum geht es im dritten Abenteuer: Die Mitglieder der JLA verlieren ihre Kräfte. Zumindest für einen Moment. Gleichzeitig stiehlt der Android Amazo mit genau diesen Kräften Tiere, die lange leben. Die JLA sieht da einen Zusammenhang und macht sich auf, die ältesten Tiere (und auch einen Menschen) der Welt zu beschützen. Interessante Aufteilung: Während Flash und J’onn J’onzz sich zusammen um eine Eule kümmern, nimmt sich Batman einen Elefanten vor – allerdings hat das keine Relevanz für den Rest der Geschichte, weil Batman über keine Superkräfte verfügt. (Seltsam allerdings, dass sich niemand für Supermans Kräfte interessiert.)

Die JLA kämpft weltweit gegen Amazo, am Ende landen alle in Gefangenschaft von Professor Ivo, des Wissenschaftlers, der Amazo geschaffen hat. Der Superroboter, der alles kann, ist aber nur ein Umweg: Ivo will bloß ewiges Leben, daher braucht er die Tiere. Ein ganz schön großer Umweg! Denn in all den Jahren, die er gebraucht hat, um Amazo zu konstruieren, hätte er auch einfach die Tiere einsammeln können. Am Ende geht das mit dem Zusammenbrauen des lebensverlängernden Tranks auch superfix. Warum verschwendet einer, der so sehr auf ein langes Leben bedacht ist, seine Lebenszeit mit Amazo?

Weil es sonst keine Story mit der Justice League gäbe. Die werden am Ende nämlich völlig ihrer Kräfte beraubt und ihrer Erinnerung daran, dass sie Superhelden waren. Nur Green Lantern kann sie retten, indem er seine Gelbschwäche zu seinem Vorteil ausnutzt. Ivo landet für 500 Jahre im Knast, damit es lebenslänglich wird. Moment mal: 500 Jahre? Für was? Diebstahl? Entführung? Gestohlene Superkräfte? Selbst nach US-Recht dürfte die Strafe milder ausfallen. Immerhin ist niemand gestorben.

Aber in Superheldencomics muss ja nicht immer alles Sinn ergeben. Wer Realität will, sollte lieber aus dem Fenster schauen.

Amazo kommt natürlich zurück und wird im Laufe der Zeit zu einem der größten Feinde der JLA. Unter anderem taucht er auch bei Batman auf, in der Storyline Under the (Red) Hood.

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Zum Scheitern verurteilt

DC Comics

Titel: Challenge of the Weapons Master

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1960 (The Brave and the Bold #29), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 1)


„Xotar is the most dangerous enemy the JLA ever faced!“ (Batman)

Schurken wollen nur das Eine: Reichtum, Weltherrschaft oder Rache. Doch es gibt Ausnahmen. Manche Schurken legen es nur drauf an, von den Superhelden Aufmerksamkeit zu bekommen. Damit haben sie zwar meist Erfolg und nerven die Helden, aber scheitern natürlich umso kläglicher. Beim „Weapons Master“ Xotar, dem zweiten Gegner der noch jungen Justice League, ist das besonders interessant. Er scheint es aufs Scheitern geradezu anzulegen. Anders ist sein idiotisches Handeln nicht zu erklären.

Dieser Berufsverbrecher macht sich die Mühe, aus einer 10.000 Jahre entfernten Zukunft mit einem gelben Kampfroboter ins 20. Jahrhundert zu reisen, nur um vier Waffen an der Justice League zu testen. Damit will er die Polizei besiegen, die hinter ihm her ist. Ein altes Buch, das Wonder Woman geschrieben hat, lässt ihn darauf schließen, dass eine seiner Waffen unbesiegbar sein muss – auch wenn die fragliche Passage halb unleserlich ist. Trotzdem: Er ergreift Besitz von Snapper Carr (dem nervigen Jungen, der seit Starro Ehrenmitglied der JL ist), hält die Helden mit einem Strahl fest und testet seine Waffen nacheinander an anderen Helden.

Zuerst ist Flash dran – gegen einen Schrumpfstrahl. Dann Aquaman und J’onn J’onzz – gegen einen Strahl, der aus Mehrzellern Einzeller macht. Schließlich Batman, Wonder Woman und Green Lantern gegen gelbe Blasen. Damit die Sache spannender wird, macht Xotar einen auf Riddler, indem er den Ort der Duelle nur in Rätseln verrät. Das bringt den armen Flash dazu, erstmal einen Umweg über die Bücherei zu nehmen … Jedes Mal kann die JLA die vermeintlichen Superwaffen ganz einfach ausschalten.

Warum aber kommt keiner der jeweils befreiten Helden auf die Idee, den Strahl, der die anderen gefangen hält, zu zerstören? Und wo ist Superman? Der antwortet nicht. So kommt es zum letzten Kampf, dafür werden alle Helden auf einmal befreit. Die letzte Waffe gaukelt ihnen vor, gegen dinosaurierartige Monster zu kämpfen, während sie sich in Wirklichkeit gegenseitig bekriegen. Da hilft am Ende Superman, der wie Kai aus der Kiste gesprungen kommt und die Farce mit bloßen Händen beendet. Er schickt Xotar zurück in die Zukunft, wo ihn schon die Polizei aufgreift.

Xotar wirkt wie ein Paradebeispiel dafür, dass Menschen ihre Fähigkeiten nicht auf andere Felder übertragen können. Geniale Wissenschaftler sind nicht unbedingt geniale Strategen. Vielleicht ist er aber auch nur dämlich: Wer vor der Polizei flieht, sollte sich nicht unbedingt mit der JLA duellieren. Es sei denn er ist masochistisch veranlagt. Vielleicht steckt aber auch mehr dahinter: Das Schuldbewusstsein, das ihn am Ende zurück in die Arme der Exekutive treibt. Im Grunde sehen wir dabei zu, wie Xotar sich über einen Umweg selbst seiner Strafe ausliefert …

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Die besten Justice League-Comics

 

Wem der Justice League-Film Lust auf mehr Geschichten dieser Art gemacht hat, sollte zu den Comics greifen. Aber wo soll man bloß anfangen? Für Einsteiger hat DC ein kleines Video gemacht, in dem zehn der besten Kämpfe der Justice League (JLA) versammelt werden. Doch keine Bestenliste ohne Widerspruch. Andere Comic-Websites haben eigene Rankings erstellt.

Nerdist.com hat eine Liste von elf Storylines zusammengestellt, die einige Gemeinsamkeiten mit der von DC hat:

Comicbook.com führt in seiner Liste der fünf besten „Starting Points“ außerdem noch The New Frontier und Earth 2 an.

IGN.com ergänzt Kingdom Come, Justice League Vol. 1: Origin und Earth 2 Vol. 1: The Gathering.

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Götter als Alltagshelden

Titel: The World’s Greatest Super-Heroes (dt. DC Helden)

Autor/Zeichner: Paul Dini/Alex Ross

Erschienen: 1999-2004 (One-shots: Superman: Peace on Earth, Batman: War on Crime, Captain Marvel: Power of Hope, Wonder Woman: Spirit of Truth, JLA: Secret Origins, JLA: Liberty and Justice) Paperback 2005, Hardcover 2017 (Absolute Justice League); dt. Panini 2007 (DC Premium 50)


„I now see that taking on this responsibility was too ambitious for one man, even a Superman.“

Alex Ross ist der Michelangelo unter den Superhelden-Malern. In den 90ern hat er zuerst mit Marvels die Marvel-Helden zu Göttern gemacht, dann – mit Kingdom Come – die DC-Helden, wenn auch in einem Elseworlds-Szenario. Ende der 90er begann er zusammen mit Autor Paul Dini damit, den größten Charakteren einzelne Denkmäler zu setzen: Superman, Batman, Captain Marvel, Wonder Woman und der Justice League. Entstanden sind sechs Bände, in denen einerseits die Helden mit bildgewaltigen Auftritten zu Göttern stilisiert, anderersits ihre menschlichen Seiten gezeigt werden.

Die Helden kämpfen nicht gegen Superschurken, sondern gegen die realen Probleme der Welt: Superman versucht, den Welthunger zu besiegen – und scheitert an der Gier und der Borniertheit der Menschen. Batman (der sich fragt, wie sein Leben ohne Reichtum verlaufen wäre) versucht, das Verbrechen an der Wurzel anzugehen, um Menschen in Gotham ein besseres Leben zu ermöglichen, und erzielt immerhin Teilerfolge. Es ist interessant in der Gegenüberstellung, wie der Übermensch versagt und der Mensch gewinnt, aber in ihrer Grundhaltung sind beide Geschichten positiv.

So auch Captain Marvel (Shazam) und Wonder Woman: Während der eine behinderten Kindern Hoffnung gibt, indem er Zeit mit ihnen verbringt, beschützt die andere Unschuldige (Frauen) weltweit vor ihren Unterdrückern. Captain Marvel kann zwar auch den Vater eines Jungen davon abhalten, seinen Sohn zu misshandeln, aber Wonder Woman scheitert mit ihrer Naivität, als sie sich halbnackt in ihrem Kostüm unter vollverschleierte Muslima begibt – dafür fliegen Steine.

Jeweils über zwei Seiten werden die jeweiligen Entstehungsgeschichten der Helden nacherzählt, so auch die von Flash, Green Lantern, Aquaman, Martian Manhunter und anderen. Die umfangreichste Story ist der Justice League gewidmet. Das Team muss einen außerirdischen Virus in Zentralafrika bekämpfen, der zur Bedrohung für die Welt wird. Während die Helden versuchen, das Schlimmste zu verhindern, bricht weltweit Panik aus, die Helden müssen intervenieren und machen sich damit unbeliebt. Das Vertrauen wird erschüttert – und muss anschließend mühsam wieder aufgebaut werden.

Trotz der allzu weltlichen Probleme ist der Blick stets nach innen gekehrt, der Ton der Geschichten nachdenklich. Sprechblasen gibt es nicht (außer bei der JLA), die Captions sind aufgelöst in reine Textfelder, um der Kunst mehr Raum zu geben. Wichtiger als die äußere Handlung sind die inneren Vorgänge und Motivationen der Helden. So bekommen die Charaktere eine größere Tiefe als in den meisten Comics. Und manches Unerhörte offenbart neue Abgründe, wie z.B. dieser Gedanke von Batman:

„In my darkest moments, I’m taunted by the suspicion that my parent’s murder was the best thing that ever happened to me. Cynically, I tell myself it has given my life a destiny and the means to fulfill it.“

Die Superhelden zweifeln an sich, weil sie mit ihren scheinbar unendlichen Kräften an die Grenzen des Machbaren stoßen. Ganz alltägliche Probleme scheinen unüberwindbarer als eine Alien-Invasion. Man sieht, warum auch Superhelden nicht alles können – es sei denn, sie werden zu Tyrannen, was sie natürlich nicht wollen. Ihren größten Nutzen haben die Übermenschen, wenn sie sich bemühen, einfach nur gute Menschen zu sein. So besteht auch ihr Zweck für die reale Welt darin, anderen Menschen Hoffnung zu verleihen.

Alex Ross inszeniert die Protagonisten nicht nur überaus realistisch, sondern auch feinfühlig, mit einem treffenden Gespür für Ausdrücke und Nuancen schafft er es, jeden noch so geringen Statisten mit Leben zu füllen. Mit ungewöhnlichen Perspektiven und einer Vielzahl an romantisierenden Lichtstimmungen versetzt er auf jeder Seite seine Leser in Staunen. The World’s Greatest Super-Heroes wird seinem Titel mehr als gerecht, es ist ein Meisterwerk.

Jahrelang war das Buch vergriffen, jetzt hat DC es in einer prächtigen Absolute-Edition herausgebracht (UVP: 75 US-Dollar). Für jeden DC- und Alex Ross-Fan dürfte es das perfekte Weihnachtsgeschenk sein.

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Die JLA von Grant Morrison – ein Liebesbekenntnis

Heute möchte ich persönlich werden. Und auch ein bisschen sentimental. Deshalb ist dieser Text keine der üblichen Kritiken, sondern eine Hommage. Die JLA-Serie von Grant Morrison und Howard Porter, die sich von 1997 bis 2000 über 41 Ausgaben erstreckte, gehört für mich zu den prägendsten Lektüre-Erfahrungen meiner Jugend.

Ich entdeckte sie im Jahr 1998, kurz nachdem ich begonnen hatte, Superheldencomics zu lesen. Mein erstes Heft war Batman & Superman Adventures #1 (Dino-Verlag) gewesen. Darin gab es eine Geschichte über die Justice League. Ich war sofort fasziniert von der Idee, dass die größten Helden in einem Team kämpften. Auch rein optisch schien es perfekt: jede Farbe war vertreten. Ich kannte nur Superman und Batman, ich lernte Wonder Woman, Flash, Green Lantern, Aquaman und Martian Manhunter kennen. Doch leider wurde die im ersten Heft angerissene Geschichte vom Dino-Verlag nie fortgesetzt. (Teil 2 habe ich mir dann später als US-Heft besorgt.) Und überhaupt wurde die Serie nach nur acht Ausgaben eingestellt. Aber ich war angefixt. Ich wollte mehr. Und ich sah, dass die Batman & Superman Adventures nur was für Kinder waren. Ich aber war reif für etwas Erwachseneres.

So kam ich zur echten JLA. Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst las. Vielleicht war es der JLA Sonderband 1. Mark Waid und Fabian Nicieza erzählen in der dreiteilige Miniserie A Midsummer’s Nightmare die Entstehungsgeschichte der neuen Justice League. Denn bis dahin bestand die JLA nur aus zweit- und drittklassigen Charakteren. Die neuen alten Helden wurden in der Story augenscheinlich ihrer Superkräfte beraubt und kennen nur noch ihre zivilen Identitäten, während normale Menschen Superkräfte entwickeln. Nach und nach erwachen die Helden aus der Illusion und entdecken ihre Kräfte wieder … Die Story steht am Anfang eines größeren Ganzen, das erst noch kommen sollte. Die Stimmung darin ist bedrückend, wie in einem Albtraum, aber einnehmend, besonders für einen neuen Leser wie mich, der diese Welt noch kaum kannte.

Mit JLA #1 ging die Grant Morrison-Saga los. Schon allein die detailreichen und realistischen Zeichnungen von Howard Porter hatten es mir angetan, dazu die knalligen, aufwendigen Farben, die sich so sehr von anderen Superheldenserien wie Superman und Batman unterschieden. In der ersten Geschichte wird alte JLA von B- und C-Helden von der A-Liga abgelöst, während sie zugleich Konkurrenz von außerirdischen Superwesen bekommt. Die Neuen scheinen die Welt ökologisch und sozial zu einem besseren Ort zu machen, sie gehen rigoros gegen Schurken vor – und schließlich auch gegen die alten Superhelden. Es ist Batman, der schlau genug ist herauszufinden, dass die Bösen weiße Marsianer sind und damit anfällig gegen Feuer. Und so besiegt Batman, der Mensch ohne Superkräfte, die Aliens fast im Alleingang. Eine tolle Story.

Spätestens dann war ich süchtig. JLA wurde nicht nur meine Lieblingsserie, jedes Heft wurde zu einem Ereignis. Ich sparte mir die 4,90 D-Mark pro Heft von meinem kleinen Taschengeld ab, kaufte es immer am Erscheinungstag im Comicladen und zelebrierte die Lektüre zu Hause wie eine Heilige Messe. Jedes Heft behandelte ich behutsam, verwahrte jedes in einer Plastikhülle, las es mindestens zweimal kurz hintereinander und wenn die Wartezeit bis zum nächsten Monat mir zu lang wurde, auch ein drittes Mal. 4,90 DM waren damals viel Geld für mich, aber da kein anderes Heft so viele Helden auf einmal bot, war das gut angelegtes Geld, obwohl die andere Hälfte des Heftes (Teen Titans) Mist war. Denn die JLA war immer für eine Überraschung gut. Man wusste nie, was einen erwartete, außer erstklassige Unterhaltung.

In JLA sah ich zum ersten Mal den blau-weißen Elektro-Superman und den Engel Zauriel. Ich fieberte mit, wie Schurken wie Key und Prometheus die JLA auf einmal ausknockten. Ich las mindestens ein Dutzend Mal in JLA Sonderband 4 die geheime Entstehungsgeschichte der JLA und ihre erste Begegnung mit dem unheimlichen Starro. Dann kam Der Stein der Weisen (Rock of Ages, JLA #10-15), eine Story, die ich sofort liebte. Da war einfach alles drin: Die größten Helden und die größten Schurken. Lex Luthor, Joker und viele andere, eine Story voller Twists und unbekannter Welten, ein postapokalyptisches Szenario, in dem der Oberschurke Darkseid die Welt unterjocht und zerstört, Superhelden tötet und eine Schreckensherrschaft ausübt. Wieder ist es Batman, der schlau genug ist, sich durchzuschlagen und – zusammen mit den verbliebenen Helden – das Böse zu besiegen. Lange blieb Der Stein der Weisen das Nonplusultra für mich.

Bis One Million. Das war eine noch viel epischere Odyssee zwischen fernster Zukunft und Gegenwart. Bis heute ist es für mich das Gelungenste und Einfallsreichste Crossover von DC. Und schließlich endete Grant Morrisons Über-Story mit World War III, dem Dritten Weltkrieg, was nicht nur eine Fortsetzung von Stein der Weisen war, sondern auch den Bogen zum ersten Sonderband zurückschlug. Es war nicht nur ein Fest, es war auch eine Belohnung für die treuesten und aufmerksamsten Leser der ersten Stunde, für die jetzt endlich alles (mehr oder weniger) einen übergeordneten Sinn ergab.

Der Dino-Verlag gab die letzte Story als Sonderband heraus, weil er JLA eingestellt hatte – wie bald darauf auch alle anderen Serien. Ich war mittlerweile auch zum Batman- und Superman-Sammler geworden, aber mit JLA konnte sich nichts messen. Und mit dem Ende der Serie (Sommer 2000) ging auch mein Interesse an Superheldencomics verloren. Ich wandte mich anderen Lektüren zu. An die Stelle der Comics traten für mich Superheldenfilme: X-Men, Spider-Man, Batman Begins etc.

Erst zehn Jahre später entdeckte ich das Medium wieder und begann auch wieder, Superhelden zu lesen. Als ich die alten JLA-Hefte von damals hervorkramte, las ich mich mit einer ähnlichen Begeisterung durch die Hefte. Natürlich war der Reiz des Neuen verflogen, dafür war es wie Nachhausekommen. Ich war überrascht, wie gut ich noch alles in Erinnerung hatte – und wie unterhaltsam die Geschichten immer noch waren. Und ich erkannte: Der größte Held für mich war nicht Superman oder Batman, sondern der geniale Grant Morrison gewesen, mit seinem schier unermesslichen Erfindungsreichtum, allerdings fand ich den Zeichner Howard Porter nicht mehr ganz so genial wie früher – nach ihm gab es deutlich versiertere Künstler.

Und trotzdem: Die Hefte der JLA bleiben für mich das Ideal der Superhelden-Team-Comics. Es würde mich freuen, einmal diesen Geist auf der großen Leinwand zu sehen.

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Wie aus Bäumen Helden werden

DC Comics

Titel: The Origin of the Justice League

Autor/Zeichner: Gardner Fox/Mike Sekowsky

Erschienen: 1962 (Justice League of America #9), Paperback 2016 (Justice League of America: The Silver Age Vol. 2); dt. Eaglemoss 2015 (JLA – Das erste Jahr Teil 1)


Nach elf Abenteuern der JLA fiel den Verantwortlichen bei DC ein, dass es vielleicht interessant wäre zu erzählen, wie alles mit dem Team begann. Denn die Justice League war bisher ohne Erklärungen eingeführt worden, was eigentlich ziemlich seltsam ist, wenn man bedenkt, dass es schon über 20 Jahre Superhelden gab, aber noch keiner auf die Gedanken gekommen war, die bekanntesten zusammenzubringen (abgesehen von Batman und Superman). Noch seltsamer ist dieser nervige Junge namens Snapper Carr, der aus unerfindlichen Gründen mit unser aller Lieblingshelden rumhängen darf. Der fragt bei einer Geburtstagsfeier der Liga, wie denn das damals gewesen sei und da erzählen sie es ihm. (Offenbar liest der Junge keine Zeitung und kriegt auch sonst nix mit.)

Es beginnt mal wieder mit einer Alien-Invasion: Ein Steinriese, ein Glasfisch, ein Quecksilberklecks und ein Riesenvogel verwandeln die Menschheit in Stein, Glas, Quecksilber und Vögel – und jedes einzelne Mitglied der JLA auch. Doch die können sich jeweils kurz vor knapp aus dem Bann befreien und die Gegner besiegen. Obwohl man das Prinzip spätestens nach dem zweiten Mal verstanden hat, wird es noch zweimal durchexerziert, bis jeder Held seinen Auftritt hatte. Am Ende machen alle nochmal das Gleiche durch, indem sie in Bäume verwandelt werden. Dann geht es zum Nordpol, wo Batman und Superman gegen den Endgegner kämpfen, der sie zu Diamanten macht. Superman erledigt ihn aber sehr schnell. Wie das? Nun ja, die Erklärung geht so: Superman kann bekanntlich Kohle zu Diamanten pressen – also funktioniert das auch umgekehrt, indem er Diamanten zu Kohle … äh … rubbelt …

Wie dem auch sei: Nach dem Kampf gegen die sieben Invasoren gründen die Glorreichen Sieben die Liga. Während die Aliens nur zur Erde gekommen sind, um sich zu beweisen, damit entschieden wird, wer von ihnen der nächste Herrscher ihres Planeten (Appellax) wird, konstituiert sich die Liga als Gruppe Gleichberechtigter und Gleichgesinnter. In der Liga, so erfahren wir, gibt es keinen festen Anführer. Der Chairman wechselt ständig. Allerdings, wenn es ums Putzen des Hauptquartiers geht, trägt Wonder Woman eine Schürze und hat das Sagen. Auch wenn alles ihrem Kommando folgt und kräftig mitanpackt – ich bin mir nicht sicher, ob das ganz im Sinne der Emanzipation ist …

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