Francis Manapul

Super-Batman rastet aus

DC Comics

Titel: Superman/Batman Vol. 5

Autor/Zeichner: Michael Green, Mike Johnson, Dan Abnett, Andy Lanning, Len Wein/Rafael Alburquerque, Rags Morales, Francis Manapul, Whilce Portacio u.a.

Erschienen: 2008-2009 (Superman/Batman #50-63, Annual #3), Paperback 2017


Müsste man dem fünften Superman/Batman-Band einen Titel geben, würde Verkehrte Welt passen: Hier geht es um Rollentausch und Fusion von Rollen, die nicht zusammengehören.

Bei einem Angriff von Silver Banshee wird Batman verletzt. Doch kurz darauf ist er geheilt und hat Superkräfte – und zwar genau die, die Superman nach und nach abhanden kommen. Es kommt zum Rollentausch. Kaum hat Batman sein Potenzial erkannt, nutzt er es aus, um auf der ganzen Welt für Ordnung zu sorgen. Er genießt es, nicht schlafen und essen zu müssen, er ist besessener denn je von seiner Mission. Nachdem er sogar Bane fast umgebracht hat, will ihn Nightwing zur Strecke bringen und wird schwer verletzt.

Schließlich versucht die Justice League den außer Kontrolle geratenen Batman zu zähmen. Doch erst als Superman in ein umgebautes Batman-Kostüm steigt und austrickst, kann er ihn zur Vernunft bringen. Batman wirft Superman vor, sein Potenzial bisher nicht ausgeschöpft zu haben. Allerdings könnte man das auch der Geschichte vorwerfen, die zwar solide erzählt ist, aber leider durch die unterdurchschnittlichen Zeichnungen von Rags Morales nicht zur Entfaltung kommt.

Im Annual #3 lässt Len Wein den Composite-Superman aus dem Silver Age zurückkehren als Schöpfung von Amazo-Schöpfer Professor Ivo. Er ist ein missratener Versuch, aus der DNA der Justice League einen Kämpfer zu klonen. Eigentlich hatte Ivo ihn begraben, dann ist er aus dem Grab gestiegen und hat sich aus einem Batman- und einem Supermankostüm ein neues gebastelt.

Mit Mash-ups bekommen es die World’s Finest in der gleichnamigen Geschichte zu tun: Sie finden sich in einer Welt wieder, in der die Mitglieder der Justice League mit denen der Titans verschmolzen sind: Night Lantern, Aquaborg, Hawk Beast etc. Das Ganze erinnert an die Amalgam-Experimente mit den Marvel-Helden in den 90ern (Batman verschmolz mit Wolverine zu Dark Claw), aber wenn die Schurken Lex Joker, Doomstroke und Brainycat auftauchen, erscheint das Konzept so beliebig wie albern.

Am Ende ist alles nur ein Traum. Und die Kinder-Ausgaben der Helden, die plötzlich auftauchen, sind bloß Spielereien von Mr. Mxyzptlk und Bat-Mite. Und die letzte Geschichte, in der Batman gegen ein totalitäres Gedankenkontroll-Regime von Gorilla Grodd kämpft, ist nur eine Simulation. Es sind lauter solcher Was-wäre-wenn-Szenarien, bei denen es um wenig geht und die höchstens als reine Pageturner taugen.

Fantasievoll gerät immerhin der Ausflug in die Nano-Welt, in der Superman und Batman zu Helden einer mikroskopisch kleinen Stadt werden. Batman steigt mal wieder in eine Art Raumschiff und feschen Kampfanzug, sieht toll aus, aber die Rolle als Science Fiction-Held steht ihm leider trotzdem nicht. Zwar bieten Fish-out-of-Water-Storys häufig interessante Prämissen, aber wie man hier sieht, geht die Rechnung nicht immer auf.

Visuell überzeugen die Zeichnungen von Rafael Albuquerque und Francis Manapul in diesem Band noch am meisten.

>> Liste der World’s Finest-Comics

Batman wirbt fürs Lesen

DC Comics

Batman sitzt bei Vollmond am Kamin im Ohrensessel, krault seinen Hund Ace und liest Super Sons. Mit diesem Bild, gezeichnet von Francis Manapul, will DC Comics fürs Lesen werben. Be a Hero – Read a Book, lautet der Imperativ der neuen Kampagne, in der der Verlag in Bibliotheken auftreten möchte und dazu jeden Monat ein neues Werbemotiv präsentieren will.

Natürlich geschieht das nicht ganz uneigennützig. Nein, DC gibt sogar zu, dass es eigentlich nur eine Werbekampagne für die eigenen Comics ist, ganz besonders für die Labels „DC Zoom“ und „DC Ink“, die sich an junge Leser richten, erst am Ende steht das edle Ansinnen, generell Kinder dazu zu ermutigen, „graphic novels“ zu lesen. Von Büchern im weiteren Sinne, also Belletristik und Sachbüchern, ist nicht die Rede. Das soll nicht heißen, dass Comics keine gleichrangigen Bücher wären. Im Gegenteil. Nur fällt dabei eine Diskrepanz zwischen Slogan und Anliegen auf: Der Slogan kommt universell daher, als hätte er Bildungsanspruch, das Bild aber meint nur: Comics – und zwar vornehmlich von DC.

Das ist bedauerlich. Batman würde sich sehr gut als Werbefigur für Bildung eignen, denn Batman und Bücher haben eine lange Tradition. Der beste Detektiv der Welt wird man nicht durchs Fernsehen. Bruce Wayne hat eine große Bibliothek in Wayne Manor. Allerdings muss man sich fragen, wann er neben Verbrechensbekämpfung, Playboy-Spielen, sowie Batmobile- und Gadgets-Bauen noch Zeit zum Lesen findet. In Bücher schaut er meist nur sporadisch zu Recherche-Zwecken. In der Batman-Serie der 60er hat er dafür sogar ein eigenes Regal in der Bathöhle.

Bat Research Shelf in der Bathöhle

In derselben Serie dient auch ein Bücherregal dazu, die Batpoles, also die Rutschstangen zur Bathöhle zu verdecken. Es schiebt sich beiseite, sobald Batman einen Schalter in einer Shakespeare-Büste umgedreht hat. Der Schuke The Archer zitiert sogar aus Shakespeares Werken. Und dann gibt es da noch den Schurken Bookworm, der Bücher für seine bösen Pläne zweckentfremdet.

Bookworm

In Batman: The Animated Series gibt es eine Bücher-Szene, in der für Bruce Wayne nichts mehr Sinn zu ergeben scheint (Perchance to Dream). Mit Comics wäre ihm das wohl nicht passiert. Aber ein Comic hat man in Wayne Manor wohl nur selten gesehen …

Take a Walk on the Darkseid

Titel: Darkseid War I-II (Justice League Vol. 7-8)

Autor/Zeichner: Geoff Johns/Jason Fabok, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2015-2016 (Justice League #40-50), Paperbacks 2016


„With the Mobius chair, I can finally be the Batman that Gotham needs.“ (Batman)

Der Anti-Monitor ist wieder da! Nachdem er die Erde des Crime Syndicates zerstört hat, ist nun die Erde unserer Helden dran. Es kommt zum Kampf mit Darkseid, der ein ähnliches Ziel hat. Einer von beiden geht drauf. Und einige der Helden werden – wie der Zufall es will gleichzeitig – zu Göttern. Zum Beispiel wird Superman zu einem Schwarz-weißen Choleriker. Und Flash wird zum neuen Black Racer, dem Todesbringer. Batman übernimmt den Möbius-Stuhl von Metron. (Fun Fact: Der Stuhl gehörte früher dem Anti-Monitor, der einst Möbius hieß.) Dadurch hat er den totalen Durchblick. Als er fragt, wie der echte Name des Jokers lautet, ist er über die Antwort erstaunt: es sollen drei sein. (Welche, fragt er offenbar nicht mehr.)

Darkseid War ist ein Epos, mit dem Geoff Johns seine Justice League-Serie abschließt. Er greift damit Darkseids Angriff im ersten Band (Origin) auf, bei dem sich die JL formierte, er holt das Crime Syndicate aus Forever Evil wieder hervor und schlägt bestimmt auch ein paar Bögen, die ich verpasst habe. Er holt weit aus, rekapituliert die vergangenen drei Jahrzehnte DC-Geschichte, dichtet eine Darkseid-Tochter herbei, die von einer Amazone geboren wurde etc. Am Ende können all die Figuren, Nebenfiguren und Plot-Fäden nicht über die alte Formel hinwegtäuschen, dass alle mit vereinten Kräften gegen einen übermächtigen Schurken kämpfen. Und ziemlich einfach gewinnen.

So bleibt auch der Abschluss dieser Justice League-Serie eine solide Story, die man nicht unbedingt lesen muss. Es reicht auch, sich die atemberaubenden Zeichnungen von Jason Fabok und Francis Manapul anzusehen.

DC Comics

Ergänzt wird der Darkseid-Krieg durch mehrere One-shots, in denen die zu Götter verwandelten Helden einzelne Auftritte bekommen. In „God Only Knows“ (Justice League: Darkseid War: Batman #1) reist Batman als „God of Knowledge“ im Möbius-Stuhl durch Gotham und nimmt Pre-Crime-mäßig Schurken hoch, noch bevor sie Straftaten begehen. Eine Bande schickt er in die Antarktis, einen Mann, der seine Frau umbringen will, auf die Amazonen-Insel Themyscira. Und er sucht im Gefängnis Joe Chill heim. Da der Mörder seiner Eltern sich nicht reumütig zeigt, offenbart Batman ihm, dass er Bruce Wayne ist. Erst da bekommt er es mit der Angst zu tun.

Immerhin ist diese kleine Episode interessant, um Batman einmal von einer anderen Seite zu sehen: Zum einen abgeklärt und noch skrupelloser, zum anderen auch noch besessener, da er sich vom Stuhl der Erkenntnis beeinflussen lässt und nicht mehr von ihm loskommt.

Nach „DC Metal“ kommt „No Justice“

DC Comics

Nach dem Event Dark Nights: Metal soll ein weiteres folgen: Justice League: No Justice. Die vierteilige Miniserie soll laut DC Comics wöchentlich vom 9. Mai an erscheinen. Als Autoren dienen neben Scott Snyder auch James Tynion IV und Joshua Williamson, gezeichnet werden die Comics von Francis Manapul (Trinity).

Batman-Cover zu „No Justice“ (DC Comics)

Die Story klingt wie eine Fortsetzung von Forever EvilBrainiac kommt wieder und warnt die Helden vor einer riesigen Bedrohung für die Erde. Helden und Schurken müssen sich zusammenschließen, um sie aufzuhalten. Es geht also mal wieder um alles und noch mehr, um die allergrößte Gefahr und die allerschwierigste Herausforderung … Das Übliche also.

Batman und das Team Entropy (DC Comics)

No Justice soll den Auftakt bilden für eine „Familie“ an Justice League-Titeln. Scott Snyder soll ab Juni die gleichnamige Serie übernehmen.

Der letzte Teil von Metal erscheint am 14. März.

Das parallel laufende Crossover mit den Watchmen, Doomsday Clock, wird sich verzögern, weil DC die Hefte der Serie nur noch alle zwei Monate erscheinen lässt.

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Gefangen in der Scheune

DC Comics

Titel: Better Together (dt. Gemeinsam stark)

Autor/Zeichner: Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2016 (Trinity #1-6), Paperback 2017 (Trinity Vol. 1), dt. Panini 2017 (Paperback)


„This is ridiculous.“ (Batman)

Nach dem Ende der Serien Batman/Superman und Superman/Wonder Woman gibt es wieder eine Serie, die alle drei Helden zusammenbringt (passend zum Film Batman v Superman): Bruce Wayne und Wonder Woman besuchen die Familie Kent in Smallville. In einer Scheune werden sie von Schlingpflanzen gefangen genommen, die sie in eine Traumwelt versetzen: Zunächst sehen sie Clarks Jugend und treffen auf Jonathan Kent, dann sehen sie den Mord an den Waynes, schließlich geht es nach Themyscira. Und als alle durch sind, dämmert ihnen, dass das alles nur ein Traum ist. Poison Ivy ist verantwortlich. Aber eigentlich Mongul … (Ist eigentlich auch egal.)

Die Story ist nichts als ein Remake von Alan Moores Superman-Special For the Man Who Has Everything (1985). Aber ein furchtbar langweiliges und einfallsloses. Wie immer zeigt sich, dass Francis Manapul ein toller Grafiker ist, aber ein mieser Erzähler. Seine Zeichnungen und warmen, bunten Farben sind schön anzusehen, aber seine Story bleibt flach und erschöpft sich in Introspektionen der drei Helden. (Ganz abgesehen davon hat Manpul nur drei von sechs Ausgaben gezeichnet, wobei der Rest auch okay aussieht.) So wirkt Trinity wie eine Klassenzusammenkunft: voller Nostalgie, aber nichts als eine bemühte Pflichtübung.

Schon Batman v Superman hat gezeigt: die drei größten Helden zusammen zu bringen, garantiert noch längst keine einnehmende Geschichte.

Mehr zum Thema:

Mann aus Stahl, Comic aus Blei

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – American Alien

Autor/Zeichner: Max Landis/Ryan Sook, Jae Lee, Jock, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2016 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2016; dt. Panini 2016 (Paperback)


„… whatever happened to the man of tomorrow?“ (Lex Luthor)

Superman ist lahm. Als Figur ist er eine Ikone, aber kein interessanter Charakter. Auch seine Entstehungsgeschichte war noch nie besonders spannend. Zwar hat er, wie Batman, seine Eltern verloren – aber es war kein traumatisches Erlebnis. Superman ist zwar die Geschichte eines Außenseiters, aber keines Normalos, sondern eines Überfliegers in jeglicher Hinsicht. Es ist nicht leicht, sich in jemanden hineinzuversetzen, der in allem super ist und dessen einziges Problem ist, zu gut für diese Welt zu sein.

Und trotzdem wird immer wieder versucht, Supermans Origin neu zu erzählen. Nach John Byrnes Man of Steel von 1986, der den modernen Superman definierte, aber heute lachhaft erscheint, kam Ende der 90er die Idylle Superman for All Seasons, im neuen Jahrtausend Birthright, Secret Origin, Earth One und Grant Morrisons Reboot von The New 52 – ganz zu schweigen von der TV-Serie Smallville, die zehn Staffeln lang die Vorgeschichte als Teenager-Seifenoper ausbreitete. Superheldengeschichten sind Geschichten einer Entwicklung – die Anfänge, das Entdecken der Kräfte, waren schon immer die reizvollsten Aspekte dieser modernen Mythen.

Clark Kent als Bruce Wayne

Und jetzt noch einmal: American Alien. Erzählt wird wieder alles von vorn. Als gäbe es da noch etwas Neues zu erzählen. Max Landis erzählt es eben ein bisschen anders, aber doch in alter Gewohnheit. In sieben Episoden, von der Kindheit bis Supermans Anfängen, jedes Kapitel hat einen anderen Zeichner. Clark Kent lernt fliegen. Clark Kent überwältigt einen Geiselnehmer. Und es wird viel geredet. Nach sehr viel Nabelschau beginnt ein wenig Handlung: Clark Kent kommt durch Zufall auf Bruce Waynes Yacht, gibt sich als Wayne aus, macht Party und hat Sex.

Doch die Handlung kommt nicht in Gang. Eigentlich wird nur geredet, was meist schwafeln bedeutet. Auch als Clark in Metropolis ankommt, landet er in einer Bleiwüste aus Sprechblasen. Lange Dialoge mit Lois Lane, ein ewiger, selbstgefälliger Monolog von Lex Luthor, ein altkluges Gespräch mit Dick Grayson, der ihm die Idee dazu gibt, dass Batman einen Gegenpol brauche (wtf?), schließlich ein Treffen mit Batman. Zugegeben: das ist stark, wie Batman zum Gruß Clarks Gesicht auf den Schreibtisch knallt und dann von ihm selbst gegen die Wand gedrückt wird. Da helfen auch weder Elektroschocker noch Pfeffersprays. Eine Sequenz zum Schmunzeln. Aber das war’s auch schon mit dem Spaß.

Superman: American Alien #4 (Jae Lee Variant)

DC Comics

Am Ende des Kampfes trägt Clark Batmans zerfetzten Umhang. Wie schon zuvor, als ihm als Kind ein zerfetztes T-Shirt zum Cape wurde. Lex Luthor bringt ihn auf die Idee, sein S-Symbol auf der Brust zu tragen. Das Buch ist voll von solchen Andeutungen mit dem Holzhammer. Dieser Fanservice nervt, denn er trägt mehr zur Mythenbildung als zum Charakter Clark Kent bei – obwohl das Buch doch eigentlich genau letzteres will.

Superman beginnt seine Karriere also mit Batmans Cape, Fliegermütze und einem selbstbemaltem schwarzen T-Shirt. (Denn die Variante mit T-Shirt und Arbeiterstiefeln hatten wir schon bei Morrison.) Doch kaum kommt mal mit dem Parasiten ein wenig Action in diese lahme Angelegenheit, endet der Kampf ganz schnell wieder, um mal wieder ein paar Leute Vorträge halten zu lassen: Lois Lanes pathetisch, Lex Luthor arrogant – der Leser gelangweilt. Und so geht das immer weiter, auch Pete Ross darf lang und breit seinen Senf abgeben. Nebenbei erfahren wir, dass Supermans das S-Symbol auch auf der Brust trägt, weil er hofft, dadurch von seinesgleichen gefunden zu werden.

Zwischendrin schauen auch mal ein paar Promis vorbei: Oliver Queen (Green Arrow) zum Beispiel, oder zwei Green Lanterns als Deus ex machina, die Clark den Arsch retten, als er zum ersten Mal ins Weltall fliegt. Die Lanterns teilen ihm mit, dass er von Krypton komme, und später sagt Lobo Superman, dass dieser der letzte seiner Art sei. Mit anderen Worten: wieder ein Vortrag. Wie ermüdend.

Ein wenig entschädigt wird man durch die Zeichnungen von Jae Lee (Batman/Superman), Francis Manapul (Detective Comics) und auch Jock (The Black Mirror), die anderen Zeichner können, was Ausdruck angeht, da nicht mithalten – das zieht die Qualität insgesamt stark runter. Herrlich anzusehen sind auch die einfallsreichen Cover von Ryan Sook, von denen leider die ersten beiden falsche Erwartungen wecken: Auf dem ersten sehen wir einen jungen Clark mit rotglühenden Augen im Maisfeld stehen – das wirkt bedrohlich, hat aber nichts mit der Handlung zu tun. Gleiches gilt für das zweite, das einen Mugshot von Clark zeigt, das ihn als jugendlichen Delinquenten darstellt – obwohl er in dem Kapitel kein Verbrechen begeht, sondern eines verhindert.

Aber auch die besten Zeichner können American Alien nicht vor der Belanglosigkeit bewahren. Wer sich tiefer mit dem Wesen von Superman beschäftigen will, sollte lieber den Comic-Essay It’s a Bird … lesen – das ist immer noch das Eichmaß der Superman-Kritik. Von American Alien ist jedoch jedem abzuraten, der nicht vor Langeweile sterben will.

Stand By Me meets Superheroes

Der Film Batman v Superman hinterlässt seine Spuren in den Comics: Nachdem die (schwache) Serie Batman/Superman eingestellt wurde, tritt nun Trinity an ihre Stelle, ein Dreigespann mit Wonder Woman. Autor und Zeichner Francis Manapul verspricht eine Story, die sich auf die Charaktere und ihre Beziehung untereinander konzentriert. Es soll eine Mischung aus Stand By Me und Superhelden werden. Die ersten Bilder sind spektakulär – aber das kennt man bereits von Manapuls Detective Comics (Icarus, Anarky, Blood of Heroes). Leider haben sich seine Schreibkünste aber als bescheiden erwiesen.

Im zweiten Video fasst DC die fünf besten Momente zwischen Batman, Superman und Wonder Woman zusammen. Zwei davon habe ich bereits vorgestellt: The New Frontier von Darwyn Cooke und Trinity von Matt Wagner.

Bullock und Bat-Robocop

DC Comics

DC Comics

Titel: Blood of Heroes (Detective Comics Vol. 8)

Autor/Zeichner: Brian Buccellato, Ray Fawkes, Francis Manapul, Peter J. Tomasi/Fernando Blanco, Francis Manapul, Steve Pugh, Marcio Takara

Erschienen: 2015-2016 (Detective Comics #41-47), Hardcover 2016


„You’ve got to be kidding me … a Joker robot?!“

„Subtlety is not what we do.“

Während Batman (James Gordon) sich mit drei Attentätern in Skelett-Kostümen („La Morte“) herumschlagen muss, die ihm den Reaktor aus seinem Robocop-Anzug klauen. Dann muss er gegen einen viel größeren Joker-Roboter antreten, in dem Jokers Daughter mal wieder das tut, was sie am besten kann: total abnerven. Schließlich gilt es, ein Attentat abzuwenden …

Doch eigentlich geht es weniger um Batman. Die Serie sollte eigentlich „Detective Bullock Comics“ heißen, weil hier noch mehr als in den zwei Bänden zuvor ist Good Ol‘ Harvey der Held der Geschichte. Sensation: Wir sehen ihn zum ersten Mal beim Sex! Ja, der grobschlächtige Harvey Bullock bandelt mit seiner ziemlich ansehnlichen Kollegin Nancy Yip an. Doch die ist leider korrupt. Und steckt in Schwierigkeiten mit der Mafia. Also muss sich Harvey etwas einfallen lassen …

Mehr Polizei- als Batman-Comic

Anders als in den Bänden Icarus und Anarky stammen die meisten Zeichnungen nicht von Francis Manapul. Das ist ein großer Verlust, denn seine kraftvollen Panels haben die Bände stets vor dem Abdriften in die völlige Belanglosigkeit gerettet. Die weitaus weniger filigraneren Zeichnungen von Fernando Blanco erinnern stark an den Stil der Polizei-Serie Gotham Central – und das passt natürlich zu der Story, die sich mehr um die Polizisten dreht als um Batman. (Bruce Wayne spielt gar keine Rolle.) Aber auch wenn es löblich ist, einmal einen Randcharakter zu seinem Recht kommen zu lassen, es ist nicht der richtige Ort dafür. Und es ändert nichts daran, dass die Story fade Durchschnittskost ist und ebenso vergessenswert wie ihre Vorgänger.

In der zweiten Geschichte des Bandes trifft Bat-Gordon auf die Justice League. Die holen ihn extra in Gotham ab, damit er ihnen bei einer dringenden Untersuchung (warum eigentlich dringend?) eines Riesenskeletts im Himalaya hilft. Gordons Fähigkeiten als Detektiv sind gefragt. Aha! Hat die Serie doch ihren Titel verdient? Naja, nicht ganz. Was Gordon entdeckt, hätten auch die anderen finden können. Und was für einen Tathergang er daraus ableitet, ist – gelinde gesagt – ziemlich weit hergeholte Spekulation. Aber hey, der alte Hase behält Recht und darf am Ende sogar ein Schlaflied singen …

Das Schluss-Kapitel ist eine Episode aus dem Crossover Robin War, die keinen Mehrwert hat, wenn man nicht den Rest der Geschichte kennt. Höhepunkt: Gordon kämpft gegen Grayson. Sei’s drum.

Eigentlich wollen wir nur wissen, wie die Haupt-Gordon-Story, Superheavy, weitergeht. Bis zur Fortsetzung müssen wir uns aber noch etwas gedulden.

Revolution für die eigene Sache

DC Comics

DC Comics

Titel: Anarky (Detective Comics Vol. 7)

Autor/Zeichner: Brian Buccellato, Francis Manapul, Benjamin Percy/Francis Manapul, John Paul Leon u.a.

Erschienen: 2014-2015 (Detective Comics #35-40, Detective Comics: Endgame #1, Detective Comics: Future’s End #1; Paperback 2016), dt. Panini 2015 (Batman #38-40)


„… sometimes, you need to take a moment to breathe, and not be Batman. It’s easy to get lost in all this darkness.“ (Alfred)

„How contradictory.“ (Alfred)

Anarky ist wieder da. Statt rotem Hut und Umhang trägt er einen Hoodie mit einem großen A auf der Brust – aber die Maske ist ähnlich. So gleicht sein Update im neuen DC Universum einem heutigen Aktivisten, oder besser gesagt: Hacktivisten. Denn Anarky hackt sich zunächst in den Wayne Tower ein, löscht alle Bankdaten und verteilt er seine Masken an jeden (!) in Gotham – V wie Vendetta und Anonymous lassen grüßen – damit die Menschen ein neues Leben nach ihrem Sinn anfangen können. Als hätten alle nur darauf gewartet, bricht Chaos in Gotham aus.

Doch die Aktion ist nicht so einfach, wie es zunächst aussieht, hinter dem Plan steckt mehr: der Mad Hatter und ein Politiker haben damit etwas zu tun. Wie schon in Ikarus arbeiten Batman und Bullock zusammen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Revolution ist gelenkt und soll bloß von einem persönlichen Rachefeldzug ablenken. Es stellt sich die Frage, was der immense (auch bestimmt finanzielle) Aufwand für dieses banale Ziel überhaupt sein soll. Damit geht aber vor allem die politische Dimension und die philosophische Vielschichtigkeit verloren, die Anarky einst ausgemacht hat. Buccellato und Manapul verstehen es, eine Geschichte wenigstens visuell interessant zu erzählen und mit Panels zu experimentieren, aber sie schaffen es nicht, für ihre Geschichten zu fesseln. Trotz aller Ambition und Versuche, mit Bullock eine menschliche Komponente hineinzubringen, bleibt die Story flach, was wohl vor allem an der Enttäuschung liegt, dass Anarky hinter der Erwartung zurückbleibt.

Über die zweiteilige Nebenstory Terminal kann man Ähnliches sagen: Ein hervorragend (von John Paul Leon) gezeichnetes Werk, das vielversprechend anfängt (ein Flugzeug kracht in den Flughafen, wieder geht es um Terror für die „gute Sache“), aber eine all zu schnelle und banale Lösung findet. Die anderen beiden Kurzgeschichten sind Ergänzungen zu Endgame (Todesspiel) und Future’s End: entbehrlich. Immerhin letztere, in der Batman und Riddler in Arkham Asylum einbrechen, hat einen bemerkenswerten Twist am Ende.

Ansonsten bleibt der siebte Band von Detective Comics erneut enttäuschend. Und wieder bleibt die Hoffnung, dass der neue Autor ab Heft 45 (Peter Tomasi) das Niveau dieser dauerhaften B-Serie endlich hebt.

Coverwahn #6

Zur Abwechslung mal ein paar Pferde: Die nächste Fuhre Variant Cover zu Dark Knight III: The Master Race zeigt unser aller Lieblingshelden als buchstäblich rittlerlich, nämlich reitend. Aaron Lopresti inszeniert das Ganze klassisch heroisch, mit aufbäumendem Gaul und bauschendem Umhang im Vollmond, bei Jason Fabok geben sich Batman und seine Anhänger kämpferisch mit zum Himmel gereckten Fäusten, bei Francis Manapul wird mit Robin und vor rotem Hintergrund geritten, Tony Harris lässt Gotham brennen, Altmeister Bill Sienkiewiczs Cover ist ultradüster und das Pferd erscheint mit seinen roten Augen wie ein Monster, das mit seinem Reiter zu einer Gestalt zu verschmelzen scheint – letzteres ist mein Favorit der Reihe.

>> Weitere Cover-Galerien zu DK III.