Jock

Absolute Batman Vol. 3: Devil’s Workshop

DC Comics

Autor/Zeichner: Scott Snyder, Daniel Warren Johnson/Nick Dragotta, Jock u.a.

Erschienen: 2025-2026 (Absolute Batman 2025 Annual #1, Absolute Batman #15-18, Absolute Batman Ark M Special #1), Hardcover/Paperback 2026


Der absolute Berserker-Batman ist zurück – und dieses Mal endlich mit dem Joker. Eingeführt wurde er als unheimlicher Mann, der niemals lacht. Hier wird seine Vorgeschichte erzählt als Mann, der niemals stirbt. Jack Grimm lebt schon seit dem 19. Jahrhundert, hat bereits im Kindesalter als Clown angefangen und mit Lachgas experimentiert, später wurde er reich mit Filmen und Videospielen. Seine ewige Jugend verdankt er Kindern, deren Zellen er anzapft. In seiner Freizeit mutiert er zum Monster und frisst zum Spaß Menschen auf einsamen Inseln. Und er ist eine Art Anti-Bruce-Wayne, der einen Butler samt Höhle hat.

Maximale Grausamkeit ist das Rezept von Scott Snyders Absolute Batman und das wird mit jedem weiteren Band weiter getoppt. Jeder Schurke ist hier ein noch schrecklicheres Monster als der zuvor. Im Ark M Special erschießt eine Frau grundlos ihre eigenen Kinder, nachdem sie vom Tod ihres Mannes erfährt. In der Anstalt werden die Insassen von ihrem Kind bei lebendigem Leib verbrannt. Auch Poison Ivy erweist sich als Maximalmutant, einer Mischung aus Mensch und Pflanze, sondern auch aus Tieren, Insekten (als wären sie keine Tiere) und Bakterien – und sieht dadurch noch schrecklicher aus als je zuvor.

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Dunkler Ritter in dunkler Stadt

DC Comics

Titel: Batman: One Dark Knight

Autor/Zeichner: Jock

Erschienen: 2022 (Miniserie #1-3), Hardcover 2022


„How can Gotham — my city — crumble so fast?“

Ein Superschurke namens Edward M. Pressler soll von Arkham Asylum nach Blackgate Prison verlegt werden. Der Name wird mit E.M.P. abgekürzt – und der ist Programm, denn Pressler kann elektromagnetische Pulse absondern, die für Stromausfälle sorgen. Eine hochdelikate Angelegenheit also, die Drogen, Panzerfahrzeuge und Hightech erfordert. Außerdem gibt es da noch ein Haufen von Gangs, die die Gelegenheit nutzen wollen, um sich bei E.M.P. für den Ausbruch vor fünf Jahren zu rächen, bei dem Menschen zu Tode gekommen sind. Allerdings ist das Unternehmen nicht durchdacht: Denn erst durch ihren Angriff lösen sie wieder das Chaos aus – einen Stromausfall in ganz Gotham. Batman schnappt sich E.M.P. und schleppt ihn durch die düstere Stadt, um ihn zum Ziel zu bringen.

Parallel dazu entführt die Polizistin Detective Rita Vasquez, eine Law-and-Order-Hardlinerin, Edwards Sohn, um ihn als Waffe zu nutzen. Sie hat ihre Familie durch E.M.P. verloren – nun geht sie über Leichen.

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Neuer Comic: „Batman: One Dark Knight“

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DC Comics

Der Herbst bringt einige neue Batman-Comics, die sich sehr vielversprechend anhören, wie etwa eine Fortsetzung von The Long Halloween und The Imposter. DCs neuester Streich: One Dark Knight, ein Dreiteiler, geschrieben und gezeichnet von Jock. Er hat bereits mit Scott Snyder an The Black Mirror und The Batman Who Laughs gearbeitet. Nun legt er eine Geschichte vor, die er auch selbst schreibt.

Die Story dreht sich um einen Blackout, also einen Stromausfall während einer Hitzewelle in Gotham. Batman muss einen Superschurken namens E.M.P. nach Blackgate Prison eskortieren, während dieser nach und nach die Stadt ausknipst.

Die erste Ausgabe von Batman: One Dark Knight soll am 7. Dezember 2021 bei DC Black Label erscheinen. 48 Seiten kosten 6,99 US-Dollar.

>> Batman bei DC Black Label

Der schlechteste aller Batmen

Titel: The Batman Who Laughs (dt. Der Batman, der lacht)

Autor/Zeichner: Scott Snyder, James Tynion IV/Jock

Erschienen: 2018-2019 (The Batman Who Laughs #1-7, The Batman Who Laughs: The Grim Knight #1), Hardcover 2019, dt. Panini 2019


„I am the worst Batman of all.“ (Batman)

Was von dem Batman-Event Dark Nights: Metal in Erinnerung geblieben ist, ist vor allem eine Figur: The Batman Who Laughs. Der Grund liegt auf der Hand. Es handelt sich um einen bösen Batman, der zum Joker mutiert ist. Mit seiner Lederkluft und dem Reif mit Metallspitzen auf dem Kopf ist er so richtig schön evil, dass man vergisst zu fragen, wie er mit der stacheligen Augenbinde überhaupt etwas sehen kann.

Egal. Scott Snyders Erfindung ist so beliebt, dass er ihm eine Miniserie gewidmet hat. Und auch im Event Year of the Villain und in der neuen Batman/Superman-Serie wird er wieder als Schurke auftauchen. Aber zurück zur Miniserie. Hier bringt er zunächst Batman an dessen Grenzen.

Es beginnt damit, dass Batman Bruce Waynes Leiche findet. Ein älterer, anderer Bruce Wayne, aber definitiv dieselbe DNA. Und es tauchen noch mehr auf – allesamt Bruce Waynes aus Paralleluniversen. Dahinter steckt The Batman Who Laughs. Er will in Gotham ein Notfallsystem übernehmen, mit dem man im Notfall über das Trinkwasser mit einem Gegenmittel versorgen kann. Damit will er die Bewohner von Gotham in die bösesten Versionen ihrer selbst verwandeln – und die Stadt zu dem machen, was sie seiner Meinung nach schon immer bestimmt war.

Der grinsende Schurke tötet zunächst den Joker. Dadurch wird ein Gift freigesetzt, durch das Batman sich in den Joker verwandelt. Und dann hat The Batman Who Laughs auch noch Verstärkung mitgebracht: the Grim Knight, eine mörderische Version von Batman, die um den Gebrauch von Schusswaffen nicht verlegen ist.

Scott Snyder kann’s nicht lassen. Nach 52 Ausgaben Batman, dann noch Batman Eternal, sollte das Metal-Event das Finale seines Epos werden, das er mit Greg Capullo über Jahre erzählt hat. Aber hier legt er nicht nur eine Fortsetzung vor, sondern kehrt mit Zeichner Jock auch ganz zurück zu seinem Anfang, nämlich The Black Mirror. Hier lässt er James Gordon Jr. wieder eine tragende Rolle spielen. Der ist nämlich dank Drogen und Fußfessel auf dem Weg zur Rehabilitation vom psychopathischen Mörder zum guten Bürger. Zusammen mit seinem Vater legt er sich mit dem Grim Knight ein, aber der Senior ist nach wie vor skeptisch, was den Fortschritt seines Sohnes angeht. (Dabei lässt Batman Beyond grüßen.)

Das alles zusammen ist wie immer ziemlich viel Stoff. Wie gewohnt entwickelt Snyder seine Story mit vielen überraschenden Wendungen und schafft es so, über sieben Kapitel, die Spannung immer höher zu schrauben. Das macht nicht immer nur Spaß. Es ist ein anspruchsvolles und voraussetzungsreiches Comic, man sollte das alles kennen, worauf sich Snyder hier bezieht. Und es ist auch – wie üblich – ein wortreiches. Wie viel der Schurke von sich gibt, um Batman zu erklären, ermüdet gegen Ende sehr. Und wenn alles gesagt ist, muss in einem sehr langem Epilog noch jeder angerissene Gedanke zu Ende gedacht werden, in aller Ausführlichkeit. (Immerhin wird dabei auch erklärt, wie und was er durch den Metallreif sehen kann.)

Wie so oft retten die Zeichnungen über Längen hinweg. Jock, der für seinen schmutzigen, unruhigen und sperrigen Stil bekannt ist, steigert den Horror, den er so gut beherrscht, hier noch mehr. Sein Batman Who Laughs erscheint im Finale wahrhaft schrecklich. Und dann ist da noch ein One-Shot zum Grim Knight, der sehr eindrücklich von Eduardo Risso (Broken City, Dark Night) inszeniert wird – mit vielen Zitaten aus Frank Millers und David Mazzucchellis Year One. Interessant ist zu sehen, wie der kleine Bruce Wayne nach der Ermordung seiner Eltern selbst Joe Chills Waffe aufhebt und eine Karriere als Rächer á la Punisher beginnt.

Nein, Batman kommt nach 80 Jahren wohl nicht mehr heraus aus der Zitate-Hölle. Moderne Storys scheinen nur noch ein Remix von Referenzen zu sein. Und davon handelt auch The Batman Who Laughs. Denn der Schurke holt ständig andere Bruce Wayne-Versionen heran, um dem Batman dieser Welt zu zeigen, dass er der schlechteste aller Batmen ist. Der Held stimmt ihm sogar zu. Am Ende steht aber die Erkenntnis: Selbst der schlechteste Batman ist immer noch besser als der beste Schurke. Mit anderen Worten: Besser als nix. Batman erweist sich dann sogar als so gut, dass er sogar das Joker-Gift aus sich selbst heraus besiegen kann. Aber seine lange Tradition wird Batman wohl nie mehr aus seinem Kreislauf bekommen.

Die Story geht weiter in Batman/Superman. Und in dem Dreiteiler Last Knight on Earth wollen Snyder und Capullo wirklich ihr letztes Wort zu Batman gesprochen haben …

>> Batman 2011-2019

Green Arrow: Vom Bonzen zum Helden

DC Comics

Titel: Green Arrow – Year One (dt. Das erste Jahr)

Autor/Zeichner: Andy Diggle/Jock

Erschienen: 2007-2008 (Mini-Serie #1-6), Paperback 2008


Batman macht Schule: Nach Frank Millers bahnbrechendem Origin ist „Year One“ zu einem Label geworden. Mittlerweile gibt es eins für Wonder Woman, bald auch eins für Superman und 2007-2008 erschien eins für Green Arrow.

Die sechsteilige Mini-Serie erzählt von Oliver Queens Anfängen: Zunächst ein hedonistischer Bonze, der sein geerbtes Vermögen verprasst, dann ein Held, der sich für die Unterdrückten einsetzt. Ein Geschäftspartner betrügt ihn und versucht ihn bei einem Yachtausflug im Pazifik zu töten. Queen landet auf einer einsamen Insel, überlebt dank eines selbstgebastelten Bogens und mausert sich zu einem passablen Jäger.

Dann entdeckt er, dass die Insel bewohnt ist: von Sklaven, die Drogen für eine skrupellose Händlerin anbauen. Oliver Queen wird zu Green Arrow und nimmt den Kampf gegen das Unrecht auf.

Die Story ist simpel und ohne große Überraschungen, aber kurzweilig geschrieben. Im Vordergrund steht die Grafik, ihr wird viel Platz eingeräumt. Zeichner Jock ist ein Mann fürs Grobe: Er hat einen kantigen, sperrigen Stil, der vieles abstrahiert und sich für Details wie Hintergründe nicht interessiert. Das verleiht dem Comic zwar einen wiedererkennbaren grünlich-gelben, artistischen Look, aber lässt es auch an Seele vermissen.

>> Mehr zum Thema: Green Lantern/Green Arrow: Hard Travelling Heroes

Mehr Joker: Neues von der San Diego Comic-Con 2018

Die diesjährige SDCC bietet so viele Neuigkeiten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es gibt vor allem viel Neues zum Joker. Der Schurke soll 2019 einen eigenen Kinofilm bekommen – mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle. In der Comic-Welt sind einige Projekte angekündigt:

The Batman Who Laughs kehrt zurück: Scott Snyder und Jock widmen dem bösesten aller Batmen aus dem Dunklen Multiversum (siehe Dark Nights: Metal) eine Mini-Serie. Start soll im November sein. In der Story verfolgt der Batman Who Laughs einen bösen Plan mit einem neuen Dunkler Ritter. Dieser soll Joe Chill mit seiner eigenen Waffe erschossen haben und nun als eine Art Punisher-Batman unterwegs sein. Snyder spricht von einem „weiteren schlimmsten Alptraum“ des Dunklen Ritters und der düstersten Batman-Story, die er je geschrieben habe …

Batman/Joker: Deadly Duo wird eine neue Mini-Serie von Marc Silvestri heißen. Der Joker ersucht Batman um Hilfe, indem er James Gordon entführt und Batman Körperteile schickt. Die Story soll ein neues Licht auf den Schurken werfen. „Siebeneinhalb“ Ausgaben lang soll die Geschichte sein, ein offizielles Startdatum gibt es nicht. „It would be full of dramatic and comedic moments“, sagt Silvestri. „I’ve been wanting to do this story for 20 years.“

Three Jokers von Geoff Johns und Jason Fabok erscheint irgendwann im Winter als Dreiteiler unter dem DC Black Label. Es soll darin um die Traumata gehen, die der Joker bei Bruce Wayne, Barbara Gordon und Jason Todd verursacht hat. Und so sehen wir auf dem Cover auch einen der Joker mit der typischen blutigen Brechstange aus A Death in the Family, während das Kartenlegen an The Killing Joke erinnert. Waren da etwa jeweils andere Joker am Werk?

Darüber hinaus spielt der Joker auch in Scott Snyders Justice League-Serie eine große Rolle, sowie in der Mini-Serie Old Lady Harley (ab Oktober), in der es um eine altgewordene Harley Quinn gehen wird (nach dem Konzept von Marvels Old Man Logan).

Detective Comics bekommt ein neues Team: Peter J. Tomasi und Doug Mahnke übernehmen die Serie mit Ausgabe #994. Tomasi hat bereits die Serie Batman & Robin geschrieben, Mahnke hat mit ihm bereits zusammengearbeitet (The Big Burn), aber auch moderne Klassiker wie The Man Who Laughs und Under the Red Hood gezeichnet. Auch an der Jubiläumsausgabe Detective Comics #1000 soll das Team beteiligt sein. Ab Ausgabe #988 (12. September 2018) ist erstmal James Robinson als Autor verpflichtet. Ihm haben wir so großartige Batman-Storys wie Blades und Face the Face zu verdanken.

Batman bekommt ein neues Kostüm: sein altes. Autor Tom King hat angekündigt, dass Batman nach der Hochzeit mit Catwoman zurückkehrt zum Kostüm aus Hush-Zeiten. Das bedeutet einerseits, dass das Fledermaus-Symbol auf seiner Brust seinen gelben Rand verliert (juchu), andererseits, dass die schwarze Unterhose wieder zurückkommt (buh!).

Und zum Schluss noch ein Wort zu Zeichentrickfilmen: Batman: Hush wird im Sommer 2019 als Animationsfilm erscheinen. Damit setzt Warner Bros. seine erfolgreiche Reihe von Klassiker-Adaptionen wie Year One, The Dark Knight Returns und The Killing Joke fort. Für nächstes Jahr sind auch die Filme Reign of the Supermen (Fortsetzung zu Death of Superman, der im August 2018 rauskommt), Justice League vs. The Fatal Five und Wonder Woman: Bloodlines angekündigt.

All-Star Batman 2: Am Ende der Ideen

Titel: All-Star Batman Vol. 2 – Ends of the Earth

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2017 (All-Star Batman #6-9), Hardcover 2017


„Because like it or not … this is a Batman story after all.“ (Batman)

Batman besucht Mister Freeze in der Arktis. Der Schurke hat sich in einer Forschungsstation verschanzt und Menschen aus dem kryogenischen Schlaf erweckt, damit sie ihm als Eiszombies dienen. (Nebenbei erfahren wir, was Victor Fries‘ Lieblingsgedicht ist.) Doch Batman interessiert sich nicht für Freeze, er will verhindern, dass ein tödliches Bakterium aus dem Eis freigesetzt wird. Obwohl er erfolgreich ist, findet der Tod seinen Weg in die Welt. Er bittet Poison Ivy um Hilfe, später sucht er den Mad Hatter auf. Verfolgt wird er von einer mysteriösen Spezialeinheit, den Blackhawks. Am Ende kommt es zum Showdown mit Ra’s al Ghul in Washington.

Ja, der gute alte Ra’s will mal wieder die Welt vernichten. Aus den altbekannten Gründen. Und Batman trickst ihn aus. Zweimal mit der gleichen Masche, nämlich mit Ra’s eigenen Mitteln. Vorher wird viel geredet, wenig gehandelt. Statt eine Detektivstory zu erzählen, lässt Autor Scott Snyder die Zwischenschritte aus und liefert uns nur vier Höhepunkte der Geschichte, den Rest trägt er in langen Sprechblasen nach. Das hat den negativen Nebeneffekt, dass jegliche Spannung auf der Strecke bleibt.

DC Comics

Stattdessen dreimal der gleiche Aufbau: Batman kommt aus der Ferne an einen abgelegenen Ort, er versucht es mit Worten, dann mit Gewalt. Doch die üblichen Verdächtigen handeln auch stets so, wie man es von ihnen erwartet, nichts davon hat mich nicht schon zigmal so gesehen. Mister Freeze und seine Nora-Mission, Poison Ivy und ihre Schlingpflanzen, Mad Hatter und seine alten Hüte. Und dass Bruce Wayne beim Mad Hatter schon wieder mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert wird (Joker! Bane! Riddler! Catwoman!) und das alles mal wieder im Alice im Wunderland-Stil – geschenkt.

An Ends of the Earth wird am deutlichsten, was Scott Snyder mit All-Star Batman wollte: Geschichten über die Schurken erzählen, zu denen er bisher noch nicht gekommen ist, zusammen mit einer Parade seiner Lieblingszeichner. Doch statt nach John Romita Jr. einen weiteren Zeichner zu engagieren, gibt es nun vier davon (Jock, Francesco Francavilla, Tula Lotay, Guiseppe Camuncoli), womit der Qualität nicht immer ein Gefallen getan wird.

Es wirkt, als wollte Snyder in kürzester Zeit möglichst viel unterbringen. Das wirkte auch schon in My Own Worst Enemy so, aber da hat es immerhin noch eine mitreißende (wenn nicht gar allzu reißerische) Story gegeben, hier ist alles nur eine Aneinanderreihung von vermeintlichen Höhepunkten, die in Wortwüsten und Klischees ersticken, ohne dem Altbekannten irgendetwas Neues abzugewinnen.

So ist Ends of the Earth mit Abstand das schwächste von Snyders bisherigen Batman-Comics geworden. Enttäuschend, dass seine bisherige Kreativität, für die er sonst bekannt geworden ist, hier offenbar erschöpft ist.

Mehr von Scott Snyder:

>> Batman 2011-2019


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Mann aus Stahl, Comic aus Blei

DC Comics

DC Comics

Titel: Superman – American Alien

Autor/Zeichner: Max Landis/Ryan Sook, Jae Lee, Jock, Francis Manapul u.a.

Erschienen: 2016 (Mini-Serie #1-7), Hardcover 2016; dt. Panini 2016 (Paperback)


„… whatever happened to the man of tomorrow?“ (Lex Luthor)

Superman ist lahm. Als Figur ist er eine Ikone, aber kein interessanter Charakter. Auch seine Entstehungsgeschichte war noch nie besonders spannend. Zwar hat er, wie Batman, seine Eltern verloren – aber es war kein traumatisches Erlebnis. Superman ist zwar die Geschichte eines Außenseiters, aber keines Normalos, sondern eines Überfliegers in jeglicher Hinsicht. Es ist nicht leicht, sich in jemanden hineinzuversetzen, der in allem super ist und dessen einziges Problem ist, zu gut für diese Welt zu sein.

Und trotzdem wird immer wieder versucht, Supermans Origin neu zu erzählen. Nach John Byrnes Man of Steel von 1986, der den modernen Superman definierte, aber heute lachhaft erscheint, kam Ende der 90er die Idylle Superman for All Seasons, im neuen Jahrtausend Birthright, Secret Origin, Earth One und Grant Morrisons Reboot von The New 52 – ganz zu schweigen von der TV-Serie Smallville, die zehn Staffeln lang die Vorgeschichte als Teenager-Seifenoper ausbreitete. Superheldengeschichten sind Geschichten einer Entwicklung – die Anfänge, das Entdecken der Kräfte, waren schon immer die reizvollsten Aspekte dieser modernen Mythen.

Clark Kent als Bruce Wayne

Und jetzt noch einmal: American Alien. Erzählt wird wieder alles von vorn. Als gäbe es da noch etwas Neues zu erzählen. Max Landis erzählt es eben ein bisschen anders, aber doch in alter Gewohnheit. In sieben Episoden, von der Kindheit bis Supermans Anfängen, jedes Kapitel hat einen anderen Zeichner. Clark Kent lernt fliegen. Clark Kent überwältigt einen Geiselnehmer. Und es wird viel geredet. Nach sehr viel Nabelschau beginnt ein wenig Handlung: Clark Kent kommt durch Zufall auf Bruce Waynes Yacht, gibt sich als Wayne aus, macht Party und hat Sex.

Doch die Handlung kommt nicht in Gang. Eigentlich wird nur geredet, was meist schwafeln bedeutet. Auch als Clark in Metropolis ankommt, landet er in einer Bleiwüste aus Sprechblasen. Lange Dialoge mit Lois Lane, ein ewiger, selbstgefälliger Monolog von Lex Luthor, ein altkluges Gespräch mit Dick Grayson, der ihm die Idee dazu gibt, dass Batman einen Gegenpol brauche (wtf?), schließlich ein Treffen mit Batman. Zugegeben: das ist stark, wie Batman zum Gruß Clarks Gesicht auf den Schreibtisch knallt und dann von ihm selbst gegen die Wand gedrückt wird. Da helfen auch weder Elektroschocker noch Pfeffersprays. Eine Sequenz zum Schmunzeln. Aber das war’s auch schon mit dem Spaß.

Superman: American Alien #4 (Jae Lee Variant)

DC Comics

Am Ende des Kampfes trägt Clark Batmans zerfetzten Umhang. Wie schon zuvor, als ihm als Kind ein zerfetztes T-Shirt zum Cape wurde. Lex Luthor bringt ihn auf die Idee, sein S-Symbol auf der Brust zu tragen. Das Buch ist voll von solchen Andeutungen mit dem Holzhammer. Dieser Fanservice nervt, denn er trägt mehr zur Mythenbildung als zum Charakter Clark Kent bei – obwohl das Buch doch eigentlich genau letzteres will.

Superman beginnt seine Karriere also mit Batmans Cape, Fliegermütze und einem selbstbemaltem schwarzen T-Shirt. (Denn die Variante mit T-Shirt und Arbeiterstiefeln hatten wir schon bei Morrison.) Doch kaum kommt mal mit dem Parasiten ein wenig Action in diese lahme Angelegenheit, endet der Kampf ganz schnell wieder, um mal wieder ein paar Leute Vorträge halten zu lassen: Lois Lanes pathetisch, Lex Luthor arrogant – der Leser gelangweilt. Und so geht das immer weiter, auch Pete Ross darf lang und breit seinen Senf abgeben. Nebenbei erfahren wir, dass Supermans das S-Symbol auch auf der Brust trägt, weil er hofft, dadurch von seinesgleichen gefunden zu werden.

Zwischendrin schauen auch mal ein paar Promis vorbei: Oliver Queen (Green Arrow) zum Beispiel, oder zwei Green Lanterns als Deus ex machina, die Clark den Arsch retten, als er zum ersten Mal ins Weltall fliegt. Die Lanterns teilen ihm mit, dass er von Krypton komme, und später sagt Lobo Superman, dass dieser der letzte seiner Art sei. Mit anderen Worten: wieder ein Vortrag. Wie ermüdend.

Ein wenig entschädigt wird man durch die Zeichnungen von Jae Lee (Batman/Superman), Francis Manapul (Detective Comics) und auch Jock (The Black Mirror), die anderen Zeichner können, was Ausdruck angeht, da nicht mithalten – das zieht die Qualität insgesamt stark runter. Herrlich anzusehen sind auch die einfallsreichen Cover von Ryan Sook, von denen leider die ersten beiden falsche Erwartungen wecken: Auf dem ersten sehen wir einen jungen Clark mit rotglühenden Augen im Maisfeld stehen – das wirkt bedrohlich, hat aber nichts mit der Handlung zu tun. Gleiches gilt für das zweite, das einen Mugshot von Clark zeigt, das ihn als jugendlichen Delinquenten darstellt – obwohl er in dem Kapitel kein Verbrechen begeht, sondern eines verhindert.

Aber auch die besten Zeichner können American Alien nicht vor der Belanglosigkeit bewahren. Wer sich tiefer mit dem Wesen von Superman beschäftigen will, sollte lieber den Comic-Essay It’s a Bird … lesen – das ist immer noch das Eichmaß der Superman-Kritik. Von American Alien ist jedoch jedem abzuraten, der nicht vor Langeweile sterben will.

Coverwahn #7

Weniger ist mehr: Wahre Künstler beweisen es immer wieder aufs Neue. Bei ihren Variant Covers zu Dark Knight III: The Master Race hat deshalb nach Tim Sale auch Jock bewiesen, dass ein schlichtes Motiv reicht, wie etwa ein Porträt vom alten Batman, dessen verbissenes, faltiges Gesicht sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Besondere: das Blau der Maske füllt das ganze Cover. Batman – larger than life. Nicht einmal die Comicseite legt ihm Grenzen auf. Dieser Minimalismus ist viel kreativer als bloß die x-ten Versionn von Frank Millers Joker, wie sie David Finch und Paul Pope fabriziert haben, zumal wir Finchs Motiv bereits zu Genüge bei anderen in der Mutanten-Variante gesehen haben.

Doch nicht alle Zeichner haben sich auf die üblichen Motive gestürzt. Tony Daniel zeigt Batman mit einem Gewehr – eine unscheinbare, aber großartige Szene aus The Dark Knight Returns. Der Held schießt damit einen Enterhaken ab, läuft auf einem Seil zwischen zwei Hochhäusern und meditiert: „In ten years I’ve never felt so calm. So right. This would be a fine death …“ Kurz darauf wird er angeschossen von Two-Face und stürzt ab. Alles andere als subtil kommt dafür das Cover von John Cassaday daher. Er hat in einer plumpen Collage einfach alle wichtigen Charaktere (Joker, Mutanten, Robin, aber nicht Superman) aufs Blatt gebannt – und als wäre das nicht schon genug, wird das Ganze noch geziert von kleineren Panels, auf denen Fernsehbilder aus TDKR zu sehen sind. Immerhin sieht man hier zum ersten Mal auf den Variants Two-Face mit bandagiertem Kopf – ein ikonischer Vorläufer von Hush.

Ganz und gar nicht subtil ist auch der Batman von Dave Dorman, der vor einer Feuersbrunst mit zwei Baseballschlägern herumspringt. Im Hintergrund das Superman-Logo, auf den Schlägern das Batman-Logo; Batman als Bat-Man („Schläger-Typ“)? Völlig daneben … Viel gelungener hingegen ist das Cover von Dave Johnson, das Batmans Herzinfarkt beim Kampf mit Superman zeigt: Ein gebrochener Held, im Hintergrund der triumphierende Superman im Schatten, durch die Bildmitte zieht sich die rote Linie eines EKGs – so geht Dramatik, so geht Tiefe, so wünsche ich mir mehr Cover. Und bitte keine Sprünge mehr mit Robin Carrie Kelley …

>> Weitere Cover-Galerien zu DK III.

Black Mirror: Böse Brut

DC Comics

DC Comics

Titel: The Black Mirror (dt. Der schwarze Spiegel)

Autor/Zeichner: Scott Snyder/Jock, Francesco Francavilla

Erschienen: 2011 (Detective Comics #871-881, Paperback 2011), dt. Panini 2012 (Sonderband)


 „… evil is humanity’s divine spark.“ (Etienne Guiborg/The Dealer)

Erinnern wir uns an das Ende von Year One, als Bruce Wayne in zivil James Gordons Sohn rettet: Das Baby fällt von der Brücke, Wayne springt hinterher und fängt es. Damit ist die Freundschaft zwischen Gordon und Batman besiegelt. Bald darauf zerbricht die Ehe mit Barbara und die Mutter zieht mit ihrem Sohn zurück nach Chicago (vgl. Turning Points). Doch was passiert mit dem Sohn, James Gordon Junior? Dieser Frage hat sich Scott Snyder angenommen. In Black Mirror, der letzten großen Detective Comics-Storyline vor dem Reboot (The New 52), ist Junior das Gegenteil seines Vaters: ein unempathischer Psychopath, der sich an jedem, der ihm blöd kommt, grausam rächt. Nach Jahren sucht er den Vater in Gotham auf, Gordon befürchtet Schlimmes, zunächst scheint er sich zu irren – doch die Zweifel wird er nie los. Autor Scott Snyder spielt mit den Erwartungen der Leser, indem er sie ständig untergräbt. Das erzeugt eine ungeheure Spannung.

Parallel erzählt er von Batman, also Dick Grayson, der Bruce Wayne in Gotham vertritt. Dieser muss zunächst einen Auktionator (The Dealer) aufhalten, der Schurkengimmicks aus Polizeibeständen an Bonzen verhökert, dann muss er den Ursprung eines toten Orca untersuchen, der plötzlich (mit Frauenleiche im Bauch) im Foyer einer Bank liegt, schließlich bricht noch der Joker aus. Die drei Episoden haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, am Ende erschließt sich wenigstens für zwei der Zusammenhang mit dem Hauptplot um James Junior, der es auf seine eigene Familie abgesehen hat und eine neue Generation nach seinem Bilde formen will. Diese Doppelstruktur ist eine eigenartige Erzählweise, die sich auch in zwei verschiedenen grafischen Stilen wiederspiegelt: Die Hefte, in denen Batman die Hauptrolle spielt, sind von Jock gezeichnet, die Gordon-Hefte von Francesco Francavilla. Während Jock sehr kantige Figuren und karge Hintergründe macht, Batman stets von Fledermäusen umgeben ist und der Horror durch zittrige Striche besonders drastisch bei ihm wirkt, pflegt Francavilla einen ruhigeren Stil, der mehr an David Mazzucchelli erinnert, und er koloriert selbst mit knalligen Komplementärfarben.

Diese Stilbrüche sind gewöhnungsbedürftig, aber sie erfüllen ihren Zweck. Zunächst hat man den Eindruck, zwei verschiedene Geschichten zu lesen, bis sich nach und nach beide zu einer zusammenfügen, am Ende wechseln sich die Zeichner alle paar Seiten ab. Beide sind auf ihre Weise große Künstler, Jock besonders bei den Covern, Francavilla beeindruckt am meisten mit einer Doppelseite, auf der sich Gordon in einer Montage an Juniors Kindheit erinnert. Autor Scott Snyder steht beiden in nichts nach: er erweist sich als meisterhafter Erzähler, indem er allen Figuren an Tiefe gerecht wird und dabei auch noch die Stadt Gotham als Protagonisten einführt, der im Hintergrund das Böse aus den Menschen hervorbringt.

The Black Mirror ist eine zutiefst grausame, beunruhigende Geschichte, die trotz ihres Pessismismus sich die Menschlichkeit bewahrt. Dass einige Fragen offen bleiben, bzw. dass Batman die Grenzen der Glaubwürdigkeit überschreitet, kann man da als kleine Makel verzeihen: Für eine Story von so herausragender Qualität und narrativer Innovation kann man bloß dankbar sein.

>> Batman 2000-2011


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