Gesichtsverlust

Detective Comics 1: Faces of Death

Titel: Faces of Death (dt. Gesichter des Todes)

Autor/Zeichner: Tony Daniel

Erschienen: 2011-2012 (Detective Comics #1-7 (The New 52)), Hardcover 2012; dt. Panini 2012-2013 (Batman #1-4), Paperback 2013


Der Neustart der Detective Comics hat es in sich: Gleich zu Beginn lässt sich der Joker von einem Unbekannten sein Gesicht abschneiden – bei lebendigem Leib. Das ist wohl eine der abartigsten Szenen, die die Figur je gehabt hat. Wie gut, dass man mit den Details verschont wird. Dafür gibt es andere Drastik: Nachdem beim ersten Versuch nicht der richtige Mann erscheint, metzelt ihn der Joker dahin. Als er anschließend eine Batman-Drohne neben sich schweben sieht, sagt er nur: „This is a violation of my civil rights! A man should be able to slaughter in peace!“ Ein Punkt für den schwarzen Humor …

Die erste Storyline handelt vom Dollmaker, einem Mörder mit einer Vorliebe für plastische Chirurgie und Masken aus Menschenfleisch, eine Art Frankenstein mit Rasta-Locken. Es wäre ein abgründiges Stück Splatter-Thriller, wenn es nicht etwas abgehetzt und holprig erzählt werden würde. Immer wieder musste ich zurückblättern, weil ich mich fragte, ob ich etwas verpasst hatte, aber nein, da war Autor Tony Daniel nur über einige Plot Holes gesprungen. Am Ende bleibt man etwas ratlos zurück, nicht nur, weil keiner der Schurken gefasst wird, sondern weil viele Fragen offen bleiben. Tony Daniel macht das, was für Serien üblich ist: Er spart sich Erklärungen für später auf. Darunter leidet aber die Glaubwürdigkeit und Spannung seiner Handlung. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Scott Snyder, der für die Batman-Serie verantwortlich ist, versteht Daniel nichts von einer subtilen Erzählweise, hier zählen nur Action und Drastik.

Zwischendrin wird man immer wieder an die Sache mit dem Joker erinnert, den Gesichtsverlust und sein Verschwinden. Irgendwelche Anhänger werfen Batman vor, den Joker getötet zu haben. Was das für Leute sind, wird nicht geklärt. Zudem muss Batman sich gegen die Polizei durchsetzen. Daran merkt man, dass Detective Comics vor der Batman-Serie angesiedelt ist, auch wenn es später Überschneidungen mit ihr gibt. Das übliche Chaos der multiplen Serie also.

Lauter B-Schurken

Nach einem kurzen Intermezzo mit Catwoman und Hugo Strange, das vor allem wegen seiner Bilder interessant ist, bietet der erste Band Detective Comics in seinen letzten drei Kapiteln eine Story um den Pinguin und die Eröffnung seines Iceberg Casinos. Der Pinguin verbündet sich mit einigen B-Schurken, während andere B-Schurken versuchen, ihn auszunehmen. Am Ende ist alles ganz anders als gedacht – egal. Auch hier ist das Problem, dass alles zu schnell geht. Tony Daniel setzt auf Action, nicht Erklärungen. Nebenfiguren werden im Eilverfahren eingeführt. Bruce Wayne ist mal wieder in eine Reporterin verliebt (in der alten Serie war es Vicky Vale), nur dass er diesmal schon mit ihr zusammen ist (was der Beziehung die Spannung nimmt). Diese Freundin hat plötzlich eine missratene Schwester, die den Pinguin ausrauben will und sich gerne eine Clownsmaske aufsetzt, bevor sie Gangster umbringt. Wie bitte? Ja, genau, so ist es …

Wie schon bei der Batman-Serie muss man sich fragen, ob der Reboot von Detective Comics dem Ziel gerecht wird, neue Leser anzusprechen. Denn an keiner Stelle hatte ich den Eindruck, dass hier etwas oder jemand eingeführt wird. Alles ist schon da, jeder kennt jeden und hat seine Vorgeschichte. Tony Daniel arbeitet lediglich die üblichen Verdächtigen ab, als gelte es, gleich im ersten Jahr jeden Schurken einmal zu zeigen, um auch die Erwartungen der alten Fans zu befriedigen. Bis auf die Tatsache, dass alles ein bisschen anders aussieht, könnten die Erzählungen im Grunde auch in der alten Kontinuität spielen.

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