Zum Geburtstag viel Glück

DC Comics

DC Comics

Titel: Detective Comics Vol. 5 – Gothtopia (dt. Gothtopia/Chaos-Theorie)

Autor/Zeichner: John Layman/Jason Fabok, Aaron Lopresti

Erschienen: 2014 (Detective Comics #25-29), Hardcover 2015; dt. Panini 2014 (Gothtopia #1-2), Paperbacks 2015 (Gothtopia), Batman Sonderband #45 (Chaos-Theorie, enthält Detective #27 u. Annual #3)


„Something is very wrong here.“ (Bruce Wayne)

„I’m always ready.“ (Batman)

Es hat sich gut gefügt, dass ausgerechnet im 75. Jahr von Batman die 27. Ausgabe von Detective Comics (der zweiten Reihe) herauskam. Eine magische Zahl, da im Jahr 1939 der Dunkle Ritter seinen ersten Auftritt in ebendieser Nummer hatte. Und so wurde zum Geburtstag eine dicke Jubiläumsausgabe gemacht, bei der eine Reihe namhafter Autoren und Zeichner ein paar Kurzgeschichten beisteuern durfte. Und es sind tolle Geschichten geworden.

Bemerkenswert ist, dass die erste Batman Story „The Case of the Chemical Syndicate“ neu erzählt wurde. Brad Meltzer (Identity Crisis) behält die Essenz bei, reduziert sie aber auf das Wesentliche und tut das, was längst nahe lag: er verbindet sie mit einem Joker-Origin. Interessant sind allerdings der Auszug aus Batmans Tagebuch, in dem er darüber sinniert, warum er das alles tut – und dabei tun sich Abgründe auf: „Why do I do this? I do it because I’m good at it. (…) I do it because I’m insane. (…) I do it because I can’t go to the movies anymore. (…) I do it because life doesn’t make sense.“

Was-wäre-wenn-Szenarios

In „Old School“ schicken Autor Gregg Hurwitz und Zeichner-Legende Neal Adams Batman und Robin mit einem Parforceritt durch ihre eigene Historie: Vom Golden Age über Frank Millers Dark Knight bis heute. Die Hommage ist zugleich voller Ironie auf die seltsamen Eigenarten früherer Comics, etwa dass Batman und Robin ständig laut ihre Pläne aussprechen und sich damit angreifbar machen, oder dass sie durch hanebüchene Lösungen ihre Probleme meistern. Das dynamische Duo muss sich mehrfach neu erfinden – buchstäblich häuten -, um im Laufe der Zeit zu bestehen. (Ein ausführlicher Essay zu dieser Beobachtung findet sich hier.)

Drei Stories imaginieren Was-wäre-wenn-Szenarios: „Better Days“ handelt von Bruce Waynes 75. Geburtstag mit der ganzen Bat-Familie. Selbstverständlich kommt Autor Peter J. Tomasi zu dem Schluss, dass sich der Held auch im hohen Alter nicht in Ruhestand schicken lassen würde. In „The Sacrifice“ zeigt der Phantom Stranger Batman, wie dessen Leben und Gotham aussehen könnte, wenn die Waynes den Raubüberfall überlebt hätten. Zwar kommen die Waynes zu einigem Familienglück, aber dafür geht die Welt vor die Hunde. Moral: „Sometimes a sacrifice is necessary.“ Zum Schluss stellt sich Scott Snyder in „Twenty Seven“ vor, wie die Tradition der Batmen in den nächsten 200 Jahren fortgeführt werden könnte – mit Klonen. Die Geschichte lebt von Sean Murphys Zeichnungen, der in epischen Panels apokalyptische Kriege inszeniert.

Utopie als Illusion

Diese Stories allein sind die Anschaffung des fünften Sammelbandes von Detective Comics wert. Sie haben eine Qualität, die man sonst nur von der Black and White-Reihe kennt. Titelgebend ist die Storyline Gothtopia, die in Detective Comics #27 beginnt und sich über zwei weitere Hefte erstreckt. Die Geschichte ist ebenfalls als Jubiläumsfeier gedacht – und im Gegensatz zu den meisten bisherigen Stories der neu gestarteten Serie sogar halbwegs gelungen.

Auch sie beginnt mit einem Elseworlds-Szenario: Gotham City ist nazu befreit von Verbrechen. Batman, der ein graues Kostüm trägt, ist tagsüber unterwegs und hilft zusammen mit Catbird (Selina Kyle, seiner Frau) den Ordnungskräften bei Unfällen und Bränden. Oswald Cobblepot ist Bürgermeister und Black-Mask-Anführer Sionis ist Police Commissioner. Aber Batman ahnt sehr schnell, dass hier etwas nicht stimmt und findet heraus, dass die Utopie nur eine Illusion ist.

Gute Idee, schwach realisiert

Bevor jetzt Leser „Spoiler!“ schreien, sei entwarnt: man erfährt es früh. Zu früh. Wieder mal schafft es Autor Jason Fabok nicht, Spannung zu erzeugen und Batman ein bisschen länger Detektiv spielen zu lassen. Nein, der Held hat alles sofort geblickt und lässt die Blase platzen. Das ist schade, man hätte mehr mit dem Verwischen von Phantasie und Wirklichkeit spielen können. Aber dafür interessiert sich Fabok nicht. Stattdessen schickt er Batman nach Arkham, wo wir ihn zwar (schon wieder) in Zwangsjacke sehen, aber immer noch mit Maske und Kostüm (Erklärung: um die Geheimidentität schert sich keiner). Ärgerlich ist auch, dass ein paar potenzielle Actionszenen ausgespart werden und die Erzählung – wie in den Ausgaben zuvor – unnötig hin- und herspringt. Außerdem kommt Zeichner Aaron Lopresti nicht an das Niveau von John Layman heran, zu plump und cartoonhaft wirken seine Figuren (vor allem bei Scarecrows Maske). Entschädigt wird der Leser durch ein großes Schurkenaufgebot und immerhin eine interessante Grundidee.

Ansonsten bietet der Band noch zweierlei: einen enttäuschend schwachen Abschluss der Man-Bat-Story, die in früheren Ausgaben breitgewalzt wurde, sowie ein nachgereichtes Kapitel der Storyline Zero Year. In letzterer geht es um Gordons Kampf gegen die Korruption bei der Polizei. Das ist ganz ordentlich geraten und funktioniert gut als Ergänzung zu Batmans Entstehungsgeschichte. Endlich mal ein Detective Comics-Band, der Zeit und Geld wert ist.

 

 

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