Endlich: Der erste Batman: Bronze Age Omnibus ist da! Die Vorfreude war riesig. Bislang gab es aus den 70ern bloß einzelne Storys als Paperback, vor allem die Werke von Dennis O’Neil und Neal Adams in Einzelbänden, allerdings mit grausiger Neukolorierung. Doch nun sind alle Storys der beiden Hauptserien Detective Comics (#393-422) und Batman (#217-241) in einem Band versammelt (von 1969 bis 1972), inklusive der Werke von Frank Robbins und Irv Novick sowie ersten Auftritte von Man-Bat und Ra’s al Ghul. 960 Seiten stark. Toll! – Oder?
Neal Adams
Neue Batman-Comics 2026: Silver Age, Bronze Age und Gotham Adventures Omnibus
Endlich! Vier Jahre nach dem ersten Batman Silver Age Omnibus soll am 1. Dezember 2026 der zweite Teil erscheinen. Der Band soll die Ausgaben Batman #117–132 und Detective Comics #258–281 enthalten, also die 50er-Jahre endlich abschließen und auch einen Teil von 1960 mitnehmen. Wir sehen unter anderem die ersten Auftritte von Bat-Mite, Calendar Man und Mr. Zero, den späteren Mr. Freeze, aber auch bizarre Storys wie die vom Zebra Batman. Großartig!
Bereits für den 20. Oktober ist der Batman: Gotham Adventures Omnibus Vol. 1 angekündigt. Die Nachfolgeserie der Batman Adventures bzw. Batman & Robin Aventures war lange Zeit nur verstreut und teilweise in kleinformatigen Anthologien verfügbar, die ganze Serie enthält aber einige Perlen, die sehr lesenswert sind. Der Band soll die ersten 42 Ausgaben enthalten, dazu auch Batman: Gotham Knights #14; Superman Adventures #25; Adventures in the DC Universe #3; The Batgirl Adventures #1; Harley & Ivy: Love on the Lam #1.
Bronze Age & Neal Adams
Die Reihe DC Finest widmet sich den 70ern. Für September ist DC Finest: Batman: The Demon Lives Again! (Batman #231-245, Detective Comics #410-429) angekündigt, der die Jahre 1971 bis 1972 umfasst und die ersten Auftritte von Ra’s al Ghul enthält.
Am 8. September erscheint aber auch der Batman Bronze Age Omnibus Vol. 1, der bereits 1969 beginnt und die Hefte Detective Comics #393-422 und Batman #217-241 enthalten soll. (Ursprünglich sollten es Detective Comics #393-426 und Batman #217-244 sein, bis der Umfang gekürzt wurde.) Für Komplettisten ist dieser Band die erste Wahl.
Wer sich vor allem für die Zeichnungen interessiert, kann auch zu Batman by Neal Adams: Absolute Edition 1967-1970 greifen, das am 1. September herauskommt. Hier findet man Batman #219; Detective Comics #395, #397, #400, #402; World’s Finest Comics #175–176; The Brave and the Bold #79–86. Das Besondere: Anders als frühere Adams-Sammelbände kehrt man zu den Original-Zeichnungen und zur Original-Kolorierung zurück und die Comics werden auf unbeschichtetem Papier nachgedruckt. (Eine Auswahl von originalgetreu reproduzierten Adams-Zeichnungen im Großformat ist 2025 in der Neal Adams‘ DC Classics Artist’s Edition von IDW erschienen.)
Der zweite DC-Finest-Band erscheint im November und widmet sich den Jahren 1979 bis 1980, also der Len-Wein-Phase: DC Finest: Batman: The Curse of Crime Alley umfasst Batman #307–324, Detective Comics #482–490, DC Special Series #21, The Brave and the Bold #159. Mit dabei sind Mr. Freeze, Two-Face, Riddler, Catwoman, Spook und Kite-Man.
Wer nur mal in die 70er reinlesen will, dem sei die Neuauflage der Anthologie Batman in the Seventies (Mai) empfohlen.
Weitere Batman-Titel 2026:
Batman und die Zirkusfreaks
Titel: A Vow from the Grave! (dt. Killer mit dem Liebestick)
Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Neal Adams
Erschienen: 1971 (Detective Comics #410), Reprints in Limited Collectors‘ Edition #C-59, Batman in the Seventies, Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2; dt. Batman Superband 9, 1979, Batman Collection: Neal Adams 3 (2009)
Batman und der Zirkus – das gehört zusammen, seit Bruce Wayne Zeuge am Mord von Dick Graysons Eltern wurde. Und seine Schurkenriege ist im Grunde eine einzige Freakshow. Lange vor The Killing Joke traf er auf eine Truppe von Sideshow-Freaks und das kam so: Batman jagt den Mörder Kano Wiggins, der aus dem Todestrakt entflohen ist. Die beiden kommen über eine Hängebrücke zu einem entlegenen Ort. Wiggins schneidet die Seile durch, Batman kann sich gerade so retten, da wird er mit dem Messer angegriffen. Schließlich aber bekommt er einen Schlag von hinten und muss gegen den Strongman Goliath kämpfen.
Batmans Fliegergeschichten
Titel: Ghost of the Killer Skies/Death Flies the Haunted Sky
Autoren/Zeichner: Dennis O’Neil, Archie Goodwin/Neal Adams, Alex Toth
Erschienen: 1970/1974 (Detective Comics #404/442), Paperback 1988 (The Greatest Batman Stories Ever Told Vol. 1)
In den Batman-Anthologien finden sich zwei Kurzgeschichten, die zu den besten aller Zeiten zählen und mit Flugzeugen aus dem Ersten Weltkrieg zu tun haben.
In „Ghost of the Killer Skies“ finanziert Bruce Wayne einen Spielfilm über das einstige Fliegerass Baron Hans von Hammer. Doch beim Dreh in Spanien geht alles schief: Requisiten werden gestohlen, Filmmaterial verbrennt, Tonspuren gehen verloren und dann stürzt auch noch ein Stuntman mit einem Doppeldeckerflugzeug ab. Batman ist zufällig im Kostüm zur Stelle und sieht sofort, dass der Mann im Flug erwürgt wurde.
Hauptverdächtiger: Heinrich Franz, ein technischer Berater und angeblicher Nachkomme des Barons, der diesem wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Er sieht die Unglücke als Winke des Schicksals, den Film nicht zu beenden.
Batman vereitelt einen weiteren Sabotageakt, diesmal versuchen Einheimische, ein Flugzeug in die Luft zu jagen. Er erwischt den Kameramann Gavon. Doch der will mit dem Flugzeug nichts zu tun gehabt haben. Da wird Regisseur Anson erschossen – angeblich vom Geist von Hans von Hammer, tatsächlich aber von Heinrich Franz. Der findet es nämlich gar nicht gut, wie der geplante Film seinen Vorfahren darstellt. Eine Beleidigung sei das für den skrupellosen „Gott“, findet er. Batman verteidigt eine differenziertere Sicht auf die historische Gestalt.
Statt Batman zu erschießen, trägt der Schurke den Kampf mit ihm in der Luft aus. So viel Fairness muss selbst für einen kalten Killer sein. Zum Glück hat Batman mal bei einem Stuntpiloten gelernt, wie man die alten Maschinen aus dem Ersten Weltkrieg fliegt. Außerdem greift dann doch noch der Geist von Hans von Hammer ein, um ihm zu helfen, während Batman beschossen wird. Sein Flugzeug wird getroffen, da hilft nur noch ein waghalsiger Sprung zum Gegner. Im Nahkampf verfängt sich Heinrichs Schal im Propeller, was ihn in den Tod stürzen lässt.
Neal Adams zeichnet hier mal wieder einige beeindruckende Panels mit dramatischen Perspektiven.
(Die Story wurde u.a. nachgedruckt in Batman by Neal Adams Vol. 2 (2019) und auf Deutsch in Batman Collection – Neal Adams 2 (Panini 2009).)
Batman gegen Nazis (Teil 1)
Titel: Batman & Sgt. Rock: The Angel, the Rock and the Cowl
Autor/Zeichner: Bob Haney/Neal Adams
Erschienen: 1969 (The Brave and the Bold #84), Hardcover 2017 (Batman: The Brave and the Bold – The Bronze Age Omnibus Vol. 1)
Batman hat im Golden Age nie direkt im Zweiten Weltkrieg gekämpft. Wenn er es mit Nazis zu tun hatte, dann meist nur im eigenen Land. Doch Ende der 60er wird er in The Brave and the Bold rückwirkend zum Spion in Europa erklärt – und auch zum Soldaten, der über Leichen geht.
The Killing Joke als Gallery Edition
2024 ist ein teures Jahr. Nicht nur wegen der Wirtschaftslage, sondern auch weil Batman-Fans viel abverlangt wird. Es ist ein Jahr, in dem man schon früh weiß, was auf dem Weihnachtswunschzettel stehen wird.
Nachdem im Sommer Batman: Year One eine Artist’s Edition bekommt, soll im September auch ein weiterer Klassiker in dem Format folgen: Brian Bolland Batman The Killing Joke And Other Stories & Art Gallery Edition. Neben der kompletten Titelstory und der Kurzgeschichte „An Innocent Guy“ aus Batman: Black and White #4, werden auch über 100 Cover (in Schwarzweiß und Farbe) sowie weitere Bolland-Werke enthalten sein:
- Neun Seiten aus Batman #400 (1986)
- Certified Safe ais MYSTERY IN SPACE #115 (7 Seiten)
- Freeway of Fun Fear! aus THE OUTSIDERS #18 (8 Seiten)
- The Princess & the Frog aus HEART THROBS #1 (5 Seiten)
- The Prince & the Witch aus HEART THROBS #1 (eine Seite)
- Fünf Seiten aus JUSTICE LEAGUE OF AMERICA #200
Hinzu kommen noch weitere Pin-ups und andere Zeichnungen, ein Nachwort von Bolland und eine Einführung von Letterer Richard Starkings. Insgesamt umfasst der Riesenband (ca. 50 mal 33 Zentimenter) von Graphitti Designs 280 Seiten und hat einen Coverpreis von 225 US-Dollar. (Wer bei WALT’S COMIC SHOP vorbestellt, bekommt ihn für 189,99 Euro.)
Außerdem bringt IDW im September die Neal Adams’ Classic DC Artist’s Edition heraus, die auf 232 Seiten Werke des Batman-Veteranen enthalten wird, darunter fünf komplette Comicausgaben wie Batman #232 (1971), den ersten Auftritt von Ra’s al Ghul. Coverpreis: 150 Euro. (Bei WALT’S COMIC SHOP nur 114,99 Euro für Vorbesteller.)
Bei Gallery bzw. Artist’s Editions handelt es sich um hochwertige Reproduktionen von farbigen Scans der Originalseiten. Dabei kann man den Schaffensprozess der Künstler nachverfolgen: Man sieht Bleistift, Tusche, Deckweiß und wo etwas korrigiert, aufgeklebt oder an den Rand geschrieben wurde. Zu Batman gibt es bereits Gallery Editions von The Dark Knight Returns, von Secrets von Sam Kieth sowie von Kelley Jones.
Von The Killing Joke sind neben der Deluxe Edition (mit neuer Kolorierung von Brian Bolland) auch eine Noir-Edition (in Schwarzweiß) sowie eine Absolute Edition erschienen, die beide Kolorierungen (die erste von John Higgins) und das Typoskript von Alan Moore enthält.
Batman und Deadman in The Brave and the Bold
Deadman hatte seinen ersten Auftritt in Strange Adventures #205 (1967). Der Trapezkünstler Boston Brand wird ermordet und bekommt vom Hindu-Gott Rama Kushna als Geist die Chance, sich zu rächen. Die Story von Arnold Drake und Carmine Infantino schrieb auch deswegen Geschichte, weil es darin um Drogen ging und das Thema erstmals von der Comics Code Authority (einer Selbstzensurbehörde der Verlage) autorisiert wurde.
Nach dieser Story übernahmen Jack Miller und Neal Adams die Figur Deadman, mit großem Erfolg. Bald darauf erschien das erste Team-Up mit Batman, in The Brave and the Bold #79 (1968), ebenfalls gezeichnet von Adams. Es ist ein ungewöhnliches Team, wenn Batman seinen Partner weder sehen noch direkt mit ihm sprechen kann. Es geht nur über Umwege und Deadmans einzige Fähigkeit ist es, sich fremder Körper zu bemächtigen – wobei ihm niemals einfällt, direkt in den Körper der Hauptschurken zu steigen. Das wär ja zu einfach …
Batman und Flash gegen einen Unverwundbaren
Titel: Batman & The Flash: But Bork Can Hurt You
Autor/Zeichner: Bob Haney/Neal Adams
Erschienen: 1969 (The Brave and the Bold #81), Hardcover 2017 (The Brave and the Bold: The Bronze Age Omnibus Vol. 1)
Ein erfolgloser Gauner namens Bork wird von einem Laster angefahren und merkt, dass er unverwundbar ist. Na prima, denkt er sich und raubt erstmal ein Diner aus. Ein Polizist schießt auf ihn, doch der kann ihm gar nichts anhaben. Nun will Bork es der Welt zeigen und sich an ihr für sein Versagen rächen. Schläge von Ganoven und Polizisten können ihn nicht aufhalten, auch kein Angriff mit einem Gabelstapler (!), selbst Batman schickt er auf die Bretter. Bork schart ein paar Typen um sich und erpresst die Stadt: Er will die Stadt übernehmen (oder zumindest die Hälfte der Stadtregierung) und Batman rausjagen.
Neal Adams ist tot

Batman by Neal Adams (DC Comics)
Im vergangenen Jahr feierte er noch seinen 80. Geburtstag, nun ist Batman-Zeichner und -Autor Neal Adams gestorben. Laut Hollywood Reporter starb er an Komplikationen nach einer Blutvergiftung.
Adams prägte in den 70ern gemeinsam mit Dennis O’Neil (der bereits 2020 starb) den modernen Batman und führte ihn zu seinen Wurzeln zurück. Batman wurde wieder düsterer und mysteriöser. Adams zeichnete ihn realistisch, muskulös und dynamisch. Außerdem war er mitverantwortlich für Schurken wie Man-Bat sowie Talia und Ra’s al Ghul sowie die Comebacks von Two-Face und Joker, nachdem diese für Jahre aus den Comics verschwunden waren.
Neal Adams zerstört Batman

DC Comics
Titel: Batman vs. Ra’s al Ghul
Autor/Zeichner: Neal Adams
Erschienen: 2019-2021 (Miniserie #1-6), Hardcover 2021
„What … the living hell is this?!“ (Deadman)
Zugegeben: Ich war skeptisch, als DC verkündete, dass Neal Adams noch eine Batman-Miniserie macht. Als Zeichner ist er eine Legende der 60er- und 70er-Jahre, als Autor hat er spät so ein Machwerk wie Batman: Odyssey verbrochen, das ich immer noch nicht verdaut habe. Nun kehrt er zu Ra’s al Ghul zurück, dem Schurken, den er 1971 mit Dennis O’Neil geschaffen hat. Doch leider ist das so geworden wie befürchtet.
Worum geht’s? Tja, allein das ist nicht leicht zu beantworten. Batman vs Ra’s al Ghul spielt in einem eigenen Universum mit einigen bekannten Versatzstücken: Einerseits wird Bezug genommen auf die Zerstörung Gothams in Cataclysm (Das Beben) und No Man’s Land (Niemandsland), andererseits gibt es einen Damian Wayne, was viel später spielt. Dann ist Commissioner Gordon aus irgendeinem Grund in Japan als Energieberater tätig und Ra’s al Ghul wird Professor (für was?) genannt und darf unbescholten Atomkraftwerke errichten, nur um sich am Ende davon zu distanzieren und für Wasserstoff zu werben.
Batman trifft Deadman (wieder)
Wie bitte? All das wird nie erklärt. Doch kommen wir zur Geschichte. Kurz gesagt: Terroristen greifen ein Kraftwerk an, Batman vereitelt das und wird dabei getötet. Doch dann stellt sich heraus, dass Bruce Wayne weiterlebt, sich aber nicht mehr an sein Dasein als Batman erinnern kann (genauso wenig wie Damian) und Geschäfte mit Ra’s macht. Parallel dazu lebt Batman weiter, allerdings in einer anderen Dimension, wo er mit Deadman unterwegs ist (schon wieder) und buchstäblich zum Dämon mutiert – aber nicht, dass das irgendwelche Konsequenzen hätte.
Außerdem findet noch eine Batman-Olympiade statt, in der Nacheiferer aus aller Welt zusammenkommen. Und es gibt Dinos, Monster, Trolle und Etrigan. Und Man-Bat mit She-Bat. Und Matches Malone. Und für alle, die es interessiert: Boston Brand alias Deadman hat einen Bruder usw.
Adams hat seine besten Jahre hinter sich
So spricht es dem Leser aus der Seele, wenn sich Deadman an den Kopf greift und fragt, was zur Hölle hier eigentlich los ist, bzw. was sich Neal Adams dabei gedacht hat. Offenbar nimmt er sich selbst nicht ganz ernst, denn er lässt Robin fragen: „Doesn’t this feel kinda like a Batman/Robin cartoon?“ Ja, auch das tut es. Manche Sequenz ist so lächerlich, dass man es als Selbstironie verstehen könnte – wäre da nicht so viel Ernst dabei und wären die Dialoge nicht so grenzdebil geschrieben. Damit liefert Adams genauso ein unsägliches Werk wie Odyssey ab, über das sich nichts Gutes sagen lässt. Mit Ra’s al Ghul hat das alles nur wenig zu tun.
Normalerweise kommt jetzt der Part, in dem ich sage: Aber die Optik! Doch auch hier muss man wieder feststellen, dass der Zeichner seine besten Jahre längst hinter sich hat. Nicht nur seinen Figuren mangelt es an Ausdruck, auch seine Layouts wirken aus der Zeit gefallen bis stümperhaft. Wer einen Pfeil braucht, um zu zeigen, wie man die Panels lesen soll, hat etwas falsch gemacht. Und wenn Adams keine Lust hatte, Hintergründe zu zeichnen (etwa einen steinigen Weg), hat er verfremdete Fotos eingesetzt. Das wirkt furchtbar lieblos und billig.
Keine Frage: Adams hat seinen festen Platz in Batmans Geschichte. Aber der Name allein sollte nicht mehr dazu reichen, ihn weitere Comics schreiben zu lassen.

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