Neal Adams

Stille Nacht, Batman singt

Batman #219 (1970)

DC Comics

Titel: The Silent Night of the Batman

Autor/Zeichner: Mike Friedrich/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Batman #219)


An Heiligabend ruft Commissioner Gordon Batman herbei. Als Batman kommt, klärt Gordon ihn darüber auf, dass es nichts zu tun gebe. Außer, ein paar tiefe Töne beim Weihnachtsliedersingen der Polizei beizutragen. Batman zögert. Immerhin könnte in Gotham jederzeit ein Verbrechen passieren, er könnte gebraucht werden. Aber Gordon beruhigt ihn: Bis dahin könne man ja singen.

The Silent Night of the Batman

Batman singt mit der Polizei „We Three Kings“ (DC Comics)

Und so singt Batman zusammen mit der Polizei Weihnachtslieder. Und während man so fröhlich singt, entreißt auf einer Straße ein Junge einer Frau ihr Weihnachtspaket. Als er es in einer Gasse öffnet, schaut ihm eine Batman-Puppe entgegen. Reumütig gibt er der Frau die Puppe zurück.

Kurz darauf will ein Mann einen anderen ausrauben. Doch der ist als Batman-Weihnachtsmann verkleidet. Der Räuber bereut und wirft seine Waffe weg. Und als eine Frau um ihren Geliebten trauert, taucht dieser plötzlich hinter ihr auf …

Batman singt "Stille Nacht"

Batman singt „Stille Nacht“ (DC Comics)

So geht die stille Nacht zu Ende und Batman hat bei der ganzen Singerei die Zeit vergessen. Es ist sechs Uhr morgens. Jeder normale Mensch wäre heiser oder todmüde, aber nicht Batman. Gordon meldet, dass niemand angerufen habe. Der Geist von Weihnachten hat Gotham eine  Nacht Ruhe gegönnt – und einmal glaubt Batman sogar, ihn vor Augen zu sehen …

26 Jahre später wird die Idee für die Weihnachts-Story „A Day Without Sirens“ recycelt – allerdings mit einer etwas anderen Pointe.

>> Batman zu Weihnachten

Die Rache des Schnitters

The Reaper

DC Comics

Titel: Night of the Reaper

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Bernie Wrightson, Harlan Ellison/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #237), Paperback 1999 (Batman in the Seventies), Hardcover 2013/2020 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 3/Batman by Neal Adams: Book Three)


Dick Grayson ist an Halloween mit seinen Kumpels auf einer Superhelden-Parade, da wird die Gruppe von drei Fremden angefallen. Als Robin verkleidet findet Dick später einen Toten im Batman-Kostüm, dann geht plötzlich einer im Sensenmann-Kostüm auf ihn los. Robin fällt nach hinten in eine kleine Senke, Batman holt ihn später raus und bringt ins Haus eines Mannes namens Tom Fagan, der gerade eine Halloween-Party schmeißt. Dort wird Robin von Doctor Gruener behandelt, einem Holocaust-Überlebenden.

Gruener erzählt, er sei in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, das von dem Nazi Colonel Kurt Schloss geführt worden sei, einem Sadisten und Mörder. Gruener hat herausgefunden, dass Schloss ebenfalls in den USA lebt. Die Männer, die Dick angegriffen haben, sollen Nazis sein, die hinter Schloss her sind, weil er sich mit ihrem Gold aus dem Staub gemacht hat (was immer noch nicht erklärt, warum sie auf die Gruppe losgegangen sind).

Ein weiterer Mann wird vom „Reaper“ (Sensenmann/Schnitter) getötet. Schloss wird von den Nazis in seinem Auto hochgejagt. Am Ende stellt sich heraus, dass Gruener selbst der Reaper ist. Der will sich an seinen ehemaligen Folterknechten rächen. Aber Batman kann keinen Mord durchgehen lassen. Am Ende bringt Gruener eine Kette mit Davidstern-Anhänger zur Vernunft. Er sieht ein, dass er selbst geworden ist, was er hasst – und fällt in sein Verderben.

Superhero-Parade in Batman #237 (1971)

DC trifft Marvel bei der Superhelden-Parade zu Halloween. (DC Comics)

Bei aller ernsten Geschichtsaufarbeitung gibt es in der Story auch einen netten kleinen Gag: Bei der Parade ist auch Captain America zu sehen, auf der Halloween-Party tummeln sich auch Gesichter aus dem Marvel-Universum. Wir sehen einen „Thor“ mit Zimmermannshammer und einen Spider-Man, der sich „Webslinger Lad“ nennt.

>> Batman 1970-1979

Batman und der Werwolf

moon of the wolf

DC Comics

Titel: Moon of the Wolf

Autor/Zeichner: Len Wein/Neal Adams

Erschienen: 1974 (Batman #255), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


Wenn Batman durch Gotham patrouilliert, ist mit Überraschungen zu rechnen. Einmal kraxelt gerade ein Werwolf ein Hochhaus hoch und fällt über eine Frau her – was Werwölfe so machen. Aber nicht in Batmans Stadt! (Zumindest nicht dann, wenn der Dunkle Ritter zufällig Zeuge wird.) Batman konfrontiert den pelzigen Aggressor, der wirft die Frau aus dem Fenster, Batman springt hinterher und kann die Jungfer in Nöten rechtzeitig retten, auch wenn er sich dabei den Arm auskugelt.

Wo aber kommt dieser Werwolf her? Ein Mad Scientist hat ihn geschaffen. Nicht irgendein Mad Scientist, sondern Professor Achilles Milo. Ja, genau der Milo, der 1957 beinahe Batmans Karriere beendet hat – und das gleich zwei Mal (Batman #112/Detective Comics #247)! Milo hat einem jungen Mann namens Anthony Lupus (!) ein Serum verabreicht, das ihn zum Tier werden lässt, damit er Batman in Fetzen reißt. Er lockt Batman in eine Falle. Batman soll einen Spendenscheck abholen und wird dabei mit Gas betäubt, gefesselt und dem Werwolf zum Fraß vorgeworfen.

Doch Batman kann sich aus der Todesfalle befreien und es kommt zu einem spektakulären Kampf auf einer Baustelle. Batman rammt dem Monster eine Stahlstange in die Brust, dann schlägt dort zufällig der Blitz ein, weil solche Kämpfe schon allein wegen der Dramatik immer bei Gewitter stattfinden und von allen Göttern am meisten der Deus ex machina den Superhelden gewogen ist. Der Werwolf ist dann nicht etwa geröstet, sondern hat sich in Luft aufgelöst, taucht dann aber später in Alaska auf, wo die Gesellschaft echter Wölfe sucht.

Und wieder stellen wir fest, dass wissenschaftliches Genie nicht alles ist. Ein kluger Schurke hätte Batman einfach sofort erschossen, sobald er am Boden lag. Aber nein, man muss ja alles unnötig kompliziert machen. Schwer zu glauben, dass es diesen Bösewichten um Rache geht. Im Grunde sind alle bloß Egomanen, die der Welt zeigen können, welch genialen Erfindungen sie erschaffen können. Merke: Todesfallen sind nicht genial, sondern ziemlich dumm. Aber sie werden es wohl nie lernen. Na ja, irgendwie auch gut so, denn Batman soll uns noch lange erhalten bleiben …

Mehr zum Thema:

„Tales of the Demon“: Klassiker neu aufgelegt

Batman & Ra's al Ghul

DC Comics

Lange waren die ersten Ra’s al Ghul-Storys von Dennis O’Neil und Neal Adams nur teilweise erhältlich. Das Paperback Tales of the Demon ist seit Jahren vergriffen. Nun hat DC angekündigt, den Band im März 2020 neu aufzulegen – als Hardcover.

Enthalten sind Detective Comics #411, #485, #489-490, Batman #232, #235, #240, #242-244 und DC Special Series #15. Damit gibt DC denselben Inhalt wider – aber leider nicht den vollständigen. Denn es fehlt immer noch die wichtige Storyline Bat-Murderer (Detective Comics #444-448, 1975), in der erzählt wird, wie Ra’s al Ghul aus dem Gefängnis kommt.

Der Band erscheint passend zum Hardcover der Miniserie Batman vs. Ra’s al Ghul, die im September startet und allein von Neal Adams gezeichnet und geschrieben wird.

Tales of the Demon gelten neben Strange Apparitions von Steve Englehart und Marshall Rogers als wichtigste Storyline der 70er-Jahre. Auch letztere sollen im nächsten Jahr neu aufgelegt werden, als Legends of the Dark Knight: Steve Englehart (Januar 2020).

Außerdem erscheinen im März 2020 mit Tales of the Batman: Marv Wolfman weitere Klassiker der 70er und 80er: Batman #328-335 (1980-1981) erzählt (zum größten Teil) die Ra’s al Ghul-Story The Lazarus Affair, die sich direkt an Tales of the Demon anschließt, in Batman #436-439 (1989) wird wieder die Storyline Year 3 neu aufgelegt (wie schon in Batman: The Caped Crusader Vol. 2), außerdem sind die Storys aus Detective Comics #408, The Brave and the Bold #167, World’s Finest Comics #288, New Teen Titans #37 und Batman and the Outsiders #5 enthalten.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Von Batman zu Man-Bat (Teil 1)

Titel: Challenge of the Man-Bat/Man or Bat/Marriage Impossible

Autor/Zeichner: Frank Robbins/Neal Adams

Erschienen: 1970-1971 (Detective Comics #400, 402, 407), Paperback 2004/2019 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 2/Batman by Neal Adams: Book Two), 2017 (Batman Arkham: Man-Bat)


Wenn man bedenkt, dass Schurken meist das Gegenteil des Helden darstellen, dann verwundert es, dass die Batman-Autoren erst nach 31 Jahren auf die naheliegendste aller Ideen kamen: einen echten Fledermausmann. Zur Jubiläumsausgabe von Detective Comics #400 bekam Batman es mit Man-Bat zu tun – einer Variation des Jekyll & Hyde-Themas, des Werwolf-Mythos und auch Dracula spielt hier hinein.

Die Geschichte handelt von Kirk Langstrom, einem Zoologen, der eine Ausstellung zu nachaktiven Tieren im Museum vorbereitet. Dazu erschafft er überlebensgroße Modelle von Fledermäusen. Und er tut es anscheinend ganz allein. Nebenbei findet er trotzdem die Zeit für Privatforschung. Denn Langstrom ist ein Batman-Fan, der seinem Vorbild nacheifern will, indem er es übertrifft. Also injiziert er sich ein Serum, das er aus Fledermäusen gewonnen hat.

Eigentlich will er nur besser hören und im Dunkeln sehen, aber dann stellt er fest, dass auch sein Körper sich verändert: Langstrom bekommt Riesenohren, Fell und schließlich auch Flügel. Als Man-Bat hilft er anfangs noch Batman, der desen Aussehen für eine Maske hält. Dann will Langstrom den Mutationsprozess stoppen, aber sobald die Verwandlung komplett ist, wehrt sich sein neues Ich gegen jeden Eingriff. Aus Langstrom ist die Bestie Man-Bat geworden. Und was tun Monster wie diese? Sie schnappen sich eine Schönheit, die sie auf ihre Seite ziehen wollen – und zwar durch Nötigung.

In dem Fall ist das Francine, Langstroms Verlobte. Im dritten Teil zwingt er sie vor den Traualtar. Batman will das verhindern, ohne dass klar wird, warum. Der Mann, der sich anzieht wie eine Fledermaus, hat wohl etwas gegen Mischwesen und -ehen. Vielleicht auch, weil dieser Man-Bat zufällig seine Batcave entdeckt hat.

Francine hingegen ist anfangs noch gewillt, sich an den neuen Anblick ihres Geliebten zu gewöhnen, doch das reicht Man-Bat nicht. Er will, dass sie ihn genauso toll findet, wie er ist. Also macht er auch sie zum Fledermausmenschen.

Batman will Langstrom jedenfalls lieber von seiner Bürde „heilen“, auch wenn Langstrom sie nicht als Bürde ansieht. Erst als Batman ihm das Gegenmittel in die Blutbahn jagt und aus Man-Bat wieder Langstrom wird, sieht es Langstrom so wie Batman: „I was inhuman!“

>> Liste der Man-Bat-Comics

Neal Adams auf Irrfahrt

batman odyssey

DC Comics

Titel: Batman: Odyssey (dt. Odyssee)

Autor/Zeichner: Neal Adams

Erschienen: 2010-2012 (Batman Odyssey Vol. 1 #1-6, Vol. 2 #1-7) Paperback 2012; dt. Panini 2011-2012 (DC Premium #76/80), Eaglemoss 2016 (2 Bde.)


„You’re acting very mysterious … and weird.“ (Robin)

Batman erzählt Robin eine Geschichte und weiht ihn in ein Geheimnis ein: Am Anfang seiner Karriere hat er noch Pistolen benutzt. Nicht, um zu töten, sondern nur zur Selbstverteidigung. Oder um Leute zu erschrecken, wenn es nötig war. Aber als er auf einem fahrenden Zug einen Terroristen gegenüberstand, der viele Menschen töten wollte, wollte er ihn tatsächlich umbringen – fürs Gemeinwohl. Aber dann kam ihm jemand dazwischen …

Jahre später scheint sich Batman auch nicht viel weiter entwickelt zu haben. Als er ein falscher Riddler unabsichtlich ein Mädchen erschießt, rastet Batman aus und will ihn umbringen – und das obwohl sein Batarang die Waffe in die falsche Richtung gelenkt hat. Gordon versucht ihn davon abzuhalten, aber dann erweist sich das Mädchen doch nicht als tot.

Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Denn in Neal Adams‘ Odyssey passiert so viel, dass man nur schwer folgen kann. Da gibt es einen Man-Bat in der Bathöhle, der offenbar süchtig nach seinem Serum ist, ein falscher Riddler versucht, Dinosaurier-Modelle von Ra’s al Ghul zu stehlen, Talia erscheint und behauptet, Bruce schon als Kind gekannt zu haben, weil Ra’s al Ghul ein Geschäftspartner von Thomas Wayne gewesen sein soll, Ubu wird zu Man-Bat. Ein Neandertaler im Batman-Kostüm taucht aus dem Nichts auf, nur um daraufhin ohne Erklärung wieder zu verschwinden, kurz danach erscheint auch Aquaman und lässt Ubu von einem großen Manta-Rochen töten, dann doch nicht … Der Joker läuft (zusammen mit Doppelgängern?) Amok in einem Museum, wird von Deadman in Besitz genommen und besucht mit Batman Arkham, wo er auf die gesamte Rogues Gallery und den Sensei trifft – und das ist nur die erste Hälfte.

Was zum Teufel ist hier los? Und vor allem: Was ist mit Batman los? Der benimmt sich, wenn er nicht gerade wild um sich ballert oder jemanden umbringen will, wie ein Idiot. Immer wieder fällt er mit seiner allzu flapsigen Sprache aus der Rolle: Robin nennt er „boy blunder“, sein fliegendes Batmobil hält er für „James Bond cubed“, zu Alfred sagt er „Go to hell, you freak“, immer wieder beschimpft er andere als „jerk“ oder „stupid idiot“, ohne um Tautologien verlegen zu sein. Wenn er die Nerven verliert, wiederholt er sich wie ein Kind: „I hate hate hate the breath in your lungs …“ In der Rahmenhandlung erweist er sich als sehr geschwätzig, viele Sprechblasen sind zum Beispiel seinem Kaffee gewidmet.

Es ist nicht klar, was Neal Adams mit seinem Batman will. Soll das eine Parodie sein oder eine Hommage an Adam West? Versucht er sich daran, Batman zu dekonstruieren, wie es Frank Miller immer wieder getan hat? Tatsächlich erinnert diese Geschichte an die umstrittene Serie All-Star Batman and Robin, the Boy-Wonder von Miller und Jim Lee. Auch darin spricht und handelt Batman nicht so, wie man es von ihm kennt – ganz im Gegenteil, aber das hat System. Hier aber soll manches wohl witzig sein, andere ist unfreiwillig komisch. Die Story kränkelt daran, dass sich die Ereignisse überstürzen und man sich zu lange fragen muss: Was soll das Ganze? Die Handlung wirkt chaotisch, die Motivation der Figuren schwer nachvollziehbar. Auch als Ra’s al Ghul mittendrin alles erklärt, wird es nicht viel klarer und die Geschichte verliert sich in einem Kampf mit Neandertalern und Dinos im Erdinnern.

Neal Adams ist ein ziemlich unbeholfener und undisziplinierter Autor. Weder Dramaturgie noch Dialoge überzeugen. Ein weiteres Problem ist, dass er zu viele Figuren und Nebenhandlungen in diese Geschichte packt. Gerade das Erdinnere hat es ihm angetan, selbst ägyptische Götter haben dort Zuflucht gefunden. Doch auch als Zeichner hat Adams schon bessere Tage gesehen, hier sind die Gesichter manchmal so überzeichnet, dass sie wie Karikaturen aussehen, andere wirken entstellt.

Es gibt nur wenige gute Batman-Comics, viele sind Durchschnitt, die schlechten sind meist einfach nur langweilig. Aber Batman Odyssey ist einfach nur schwer erträglich. Eine Zumutung auf über 330 Seiten. Vor diesem Hintergrund besteht für Neal Adams nächste Mini-Serie, Batman vs. Ra’s al Ghul, kein Grund zur Vorfreude.

Neal Adams macht „Batman vs. Ra’s al Ghul“

Batman vs. Ra's al Ghul

DC Comics

Zu DCs „Year of the Villain“ wird es eine sechsteilige Mini-Serie geben, in der Batman erneut auf einen alten Rivalen trifft: „Batman vs. Ra’s al Ghul“. Autor und Zeichner wird Neal Adams sein. Worum geht’s? Gotham City wird mal wieder von Terroristen heimgesucht. Als Batman der Sache nachgeht, kommt ihm Deadman dazwischen. Ra’s hilft zunächst der Polizei, aber in Wahrheit will er die Stadt und Batman ein für alle mal vernichten … Hoffentlich wird die Geschichte einfallsreicher als ihr Titel.

Laut Verlag erscheint die erste Ausgabe von „Batman vs. Ra’s al Ghul“ am 21. August 2019, zusammen mit einer Facsimile-Edition von Batman #232 („Daughter of the Demon“), der Story, in der Ra’s al Ghul seinen ersten Auftritt hatte, geschrieben von Dennis O’Neil und gezeichnet von Neal Adams.

Neal Adams tritt nicht zum ersten Mal als Autor in Erscheinung. Er hat zuletzt die Mini-Serien Batman: Odyssey (2010-2012), Deadman (2017-2018) und Superman: The Coming of the Supermen (2016) geschrieben.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Zwei Grüne suchen Amerika

Titel: Green Lantern – Green Arrow (Hard-Travelling Heroes)

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Neal Adams

Erschienen: 1970-1974 (Green Lantern #76-87, 89, The Flash #217-219, 226), Paperback 2012, Deluxe Edition 2018; dt. Eaglemoss 2016 (nur #76-81)


„My ward, Speedy, is a junkie!“

Es beginnt alles ganz harmlos: Eigentlich will Green Lantern seinen Kumpel Green Arrow besuchen, da sieht er, wie junge Leute einen älteren Mann auf der Straße angreifen. Der Held hilft dem Opfer, aber wird dann selbst mit Müll beworfen. Warum? Green Arrow taucht auf und zeigt es ihm: Weil das Opfer eigentlich der Täter ist: ein gieriger Vermieter, der ein Wohnhaus herunterkommen lässt und seine Mieter vertreiben will, um dort mehr Profit zu machen.

Ein alter schwarzer Mann stellt Green Lantern zur Rede: Er hätte sich bereits um Blauhäutige, Orangehäutige und Violetthäutige gekümmert, aber warum nie um die Schwarzen auf der Erde? Das soziale Gewissen des Helden ist geweckt. Er versucht, es auch in dem Vermieter zu wecken, aber es ist nichts zu machen. Als GL es mit Gewalt versucht, gibt es eine Rüge von den Wächtern auf Oa. Green Arrow versucht ebenfalls, den Mann einzuschüchtern, doch erst gemeinsam mit GL gelingt ihnen Gerechtigkeit.

Am Ende ruft wieder ein Wächter GL zur Ordnung. Da rechnet Green Arrow mit ihnen ab: Statt sich sinnlos in der Galaxis herumzutreiben, sollte man sich lieber um die Probleme auf der Erde kümmern, vor allem in den USA. „It’s a good country … beautiful … fertile … and terribly sick!“ Kinder sterben, ehrliche Menschen leben in Angst, Martin Luther King und Bobby Kennedy wurden erschossen. „Something is wrong! Something is killing us all…! Some hideous moral cancer is rotting our very souls!“ Also brechen die beiden Helden auf, um Amerika zu finden. In zivil besteigen sie einen Pick-up, ein Wächter schließt sich ihnen an.

1970 begann so eines der wichtigsten Crossover des DC-Universums. Statt Superschurken zu vermöbeln und hanebüchene Abenteuer zu erleben, kümmerten sich die beiden Grünen um ganz konkrete, reale Probleme: die Ausbeutung von Minenarbeitern, die Diskriminierung von Indianern, einen Sektenführer, der seine Mitglieder hypnotisiert. Nebenbei sehen sie großer Umweltverschmutzung zu, als ein brennendes Schiff Giftmüll ins Wasser kippen muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Die Rollen sind klar verteilt: Während Green Arrow als linksradikaler Rebell über die Stränge schlägt, ist Green Lantern der Gemäßigte, der auf dem legalen Wege versucht, die Probleme zu lösen. So kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen ihnen, wobei sie hinterher nur zusammen Erfolg haben. Erst am Ende tauschen sie die Rollen: Arrow drängt einen Umweltaktivisten zum Kompromiss, während Lantern wütend randaliert.

Dass sich Superhelden um reale Probleme kümmern, ist damals nichts Neues gewesen. Das hat Superman schon in 1938 getan, da war er sich sogar nicht zu schade, gegen häusliche Gewalt vorzugehen. Was O’Neil und Adams 1970 mit den Grünen taten, war also eher eine Rückbesinnung auf die Anfangszeit von Superhelden, bevor sie in den 50ern und 60ern weltfremden Eskapismus betrieben haben.

Ein weiteres Verdienst ist auch die Darstellung der Superhelden: Sie sind nicht bloß Figuren, sondern Charaktere, sie wirken menschlicher und lebensechter, im Vordergrund stehen ihre Überzeugungen und Schwächen. Auch die ausdrucksstarken und detaillierten Zeichnungen von Neal Adams tragen dazu bei, sie wie echte Menschen wirken zu lassen. Außerdem werden Green Lanterns Kräfte gedrosselt.

Allerdings: So real die Probleme scheinen, mit dem Realismus ist es nicht weit her. Dass ein Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern so ausartet, dass es zum regelrechten Krieg kommt, dass dabei sogar Söldner eingesetzt werden, die früher unter Hitler gedient haben und ihren Vorgesetzten immer noch mit „mein Führer“ anreden, das ist ziemlich dick aufgetragen.

Doch der Road Trip á la Easy Rider nimmt nur die ersten viereinhalb Ausgaben ein. Dann werden die Probleme wieder nicht mehr ganz so real und die Helden kehren vorübergehend zu ihrer übernatürlichen Routine zurück: Zuerst bekämpfen sie einen Despoten im All, dann besuchen sie einen hoffnungslos überbevölkerten Planeten. Es tauchen Amazonen, Harpyen und Sinestro auf, ein Kind mit telepathischen Kräften, dann versucht sich der Superschurke Black Hand in Massen-Gehirnwäsche. Die Sozialkritik ist meist bestenfalls noch im Subtext zu finden – aber das ist bei anderen Superheldencomics nichts Ungewöhnliches. Nur bei Black Hand ist noch die Rede von der Manipulierbarkeit der Massen: „People are like cattle. Give them just enough comfort to satisfy them, and anything that threatens them or they think threatens them … they attack!“ Das ist heute noch so aktuell wie damals.

In den Ausgaben #85-86 geht es wieder um die harte Realität: um Drogen. Diese Ausgaben haben Comic-Geschichte geschrieben. Roy Harper, Green Arrows Sidekick Speedy, stellt sich als heroinabhängig heraus. Green Arrows erste Reaktion: ein Schlag ins Gesicht. Roy revanchiert sich am Ende dafür, aber viel schwerer wiegen seine Vorwürfe, die er Green Lantern gegenüber an dessen Generation äußert: „You’ve told us war is fun … skin-colour is important … a man’s worth is the size of his bank account … All crocks! So why believe your drug rap?“ GL ist wieder mal sprachlos.

In den letzten Ausgaben (#87, 89), wenn Aushilfs-Green-Lantern John Stewart eingeführt wird, ist Rassismus in der Politik ein Thema (die Nähe zu Trump erweist sich als erschreckend prophetisch), am Ende provozieren O’Neil und Adams mit einem Umweltaktivisten, der wie Jesus an einem Flugzeug gekreuzigt wird. Oliver Queen fragt sich, was ein Einzelner bewirken kann und beschließt, als Bürgermeister zu kandidieren.

Im Laufe der Abenteuer sterben immer wieder Unschuldige und solche, die tragische Opfer der Umstände sind. Es ist eine raue Welt, die hier dargestellt und zynisch kommentiert wird, am eindrucksvollsten in der Sequenz, in der Oliver Queen einen Pfeil in die Brust geschossen bekommt, ihm niemand auf der Straße hilft, er sich selbst in der Notaufnahme schleppt und kurz vor dem Zusammenbruch sagt: „Isn’t modern civilization wonderful…?“

Der Mut, den DC Anfang der 70er aufgebracht hat, ist bewundernswert. Zu Beginn des Bronze Ages waren Superheldencomics plötzlich erwachsener und glaubwürdiger geworden. Man kann diese Ausgaben heute immer noch lesen, weil die Themen darin überwiegend aktuell geblieben sind. Auch Superman und Batman begannen, ihre Rollen zu hinterfragen und ihre Abenteuer erweckten immer mehr den Eindruck, in unserer Welt zu spielen.

Trotz des neuen Ansatzes oder gerade wegen seiner Radikalität verkaufte sich die Serie nicht gut und wurde eingestellt. Das Team-Up mit Green Arrow setzte sich kurz in zunächst in The Flash fort und ging in der Green Lantern-Serie erst vier Jahre später und mit anderen Zeichnern bis Ausgabe #122 (1979) weiter, bevor Green Lantern wieder solo wurde.

Im Jahr 1996 hat DC das Team-up mit den jungen Versionen der Helden wiederholt: Kyle Rayner als Green Lantern und Connor Queen als Green Arrow. „Hard Traveling Heroes- The Next Generation“ umfasst die Ausgaben Green Lantern #76-77 und Green Arrow #110-111.

Ra’s al Ghul: Wie alles begann (Teil 1)

DC Comics

Titel: Tales of the Demon

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Bob Brown, Neal Adams, Irv Novick

Erschienen: 1971-1972 (Detective Comics #411, Batman #232, 235, 240, 242, 243, 244), Paperback 1991


Die Geschichte von Ra’s al Ghul beginnt ungewöhnlich geheimnisvoll. In den ersten Auftritten erfährt man so gut wie nichts über die Herkunft, Fähigkeiten und die Motive des Schurken. Er bleibt ein mysteriöser Machtmensch – und seltsamerweise stellt Batman auffallend wenig Fragen, um das Rätsel zu klären.

Batman trifft zuerst dessen Tochter Talia, nachdem sie von Doctor Darrk, dem Anführer der League of Assassins, entführt worden ist (Detective Comics #411). Mit dieser tödlichen Geheimorganisation hatte es Batman bereits in Detective Comics #405-406 (1970) zu tun. Ein Hinweis führt ihn nach Asien, wo er gefangengenommen und mit Talia eingesperrt wird. Die Hintergründe bleiben vage. Sie erklärt ihm, dass Darrk irgendein Geschäft mit ihrem Vater hatte. Batman darf sie dann gegen einen Stier verteidigen. Doch als er Darrk der Polizei übergeben will, zückt der Schurke ein Messer, Talia schießt auf ihn und er fällt vor einen Zug.

DC Comics

Erst in Batman #232 trifft Batman Ra’s al Ghul. Zuerst wird Robin von Unbekannten entführt, dann taucht plötzlich Ra’s in der Bathöhle mit seinem Diener Ubu auf, erklärt ihm, dass er Batmans wahre Identität herausgefunden habe und dass auch Talia entführt worden sei (schon wieder). Batman soll ihm helfen, sie wiederzufinden. Eine Spur führt sie nach Kalkutta. Batman muss gegen einen Leoparden kämpfen und sich beim Bergsteigen gegen Attentäter wehren.

Doch dann wird ihm klar: Die ganze Sache stinkt. Talia ist nicht entführt, Ra’s hat den Aufwand nur betrieben, um Batman zu testen. Er will Batman zu seinem Nachfolger und zum Schwiegersohn machen – Talia sei verliebt in ihn. Und im letzten Panel zeigt sie es ihm, indem sie ihn küsst. Batman schaut entsetzt. Aber mehr passiert nicht. Die Geschichte ist plötzlich zu Ende und erst drei Ausgaben später sehen wir Ra’s und Talia wieder, allerdings seltsamerweise ohne dass die ganze Nachfolge- und Heiratsthematik eine Rolle spielt.

DC Comics

In Swamp Sinister (Batman #235) bekommt Bruce Wayne eine Leiche per Post zugeschickt, kurz darauf taucht Ra’s al Ghul auf und bittet mal wieder um Hilfe. Batman soll eine Chemikalie wiederfinden, die dazu benutzt werden kann, eine tödliche Seuche herzustellen. Diese hat ihm ein ehemaliger Mitarbeiter gestohlen. Wieder hilft ihm Talia und am Ende gibt es wieder ein Küsschen auf die Wange. Batman ist nicht besonders erfreut, denn Talia hat sich hier als mordlüstig erwiesen. Aber sie ist sich sicher, dass sich seine Meinung bald ändern werde.

In Vengeance for a Dead Man (Batman #240) beginnt die Story damit, dass Batman bei einer Ermittlung in einem Mordfall auf Talia trifft (wieder gibt’s einen Schmatzer). Der Leiter einer Forschungseinrichtung wurde ermordet und der Leiche wurde das Gehirn entfernt. Der Mörder ist schnell gefunden, aber als Talia ihm ein Wahrheitsserum verabreichen will, drückt sie ihm ein Amnesie-Mittel rein – aus Versehen, wie sie behauptet.

Batman glaubt ihr kein Wort. Er verfolgt sie, als sie mit dem U-Boot in ein Unterwasser-Versteck ihres Vaters. Ra’s al Ghul hat das Gehirn des Toten nicht nur konserviert, sondern auch zum Sprechen gebracht, weil es für ihn wertvolle Informationen über die US-Außenpolitik hat. Diese könnten ihm helfen, mit seiner Organisation eine bessere Welt zu schaffen, und dazu gehört, dass Batman Talia zur Frau nimmt.

DC Comics

Erst jetzt sagt Batman Ra’s die Meinung: Er will nicht. „You’re mad … Insane with the need for power! I’ve never realized it until this moment!“ Manchmal hat auch der weltbeste Detektiv eine lange Leitung. Und offenbar hat Batman, der sonst so gründlich Nachforschungen anstellt, seine Hausaufgaben nicht gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass er abgelenkt war, in Gedanken bei Talia. Indirekt gesteht er ihr, dass er sie so liebt wie sie ihn. Aber Vater und Tochter schaffen es, abzuhauen noch bevor Batman etwas dagegen tun kann – und auch bevor das Gehirn Ra’s sagen kann, was er wissen will. Ist wohl doch nicht so wichtig, denn es geht später ja auch ohne.

Danach betreibt Batman einen immensen Aufwand, um Ra’s al Ghul zu finden. Zuerst inszeniert er Bruce Waynes Tod, dann nimmt er die Identität eines Gauners an, der auf der Flucht vor ihm von einem Querschläger getötet wird: Matches Malone. (Das Alter Ego soll ihm später noch viele gute Dienste bei Undercover-Ermittlungen erweisen.)

DC Comics

Als Matches verhindert er, dass einer von al Ghuls Schergen, Lo Ling, einen Wissenschaftler entführt, Harris Blaine, weil er an „etwas“ arbeite, was ihm nützlich sei. Wieder bleibt dieses Etwas vage. Batman bittet Blaine, ihm dabei zu helfen, Ra’s al Ghul aufzuhalten. Alleine schaffe er es nicht, bisher sei es nur zum Unentschieden zwischen ihnen gekommen, aber er müsse besiegt werden, weil er besessen von weltweiter Macht sei und eine Diktatur des Verbrechens errichten wolle.

Hier könnte man stutzig werden: Was hat Batman eigentlich gegen Ra’s? Und was genau hat er gegen ihn in der Hand? Batman hat Ra’s vorgeworfen, unmenschlich gehandelt zu haben, indem er das Gehirn zum Sprechen brachte. Aber Ra’s wandte ein: „It it inhuman to prolong life in whatever form?“ Der Punkt geht klar an ihn: Er hat ein Bewusstsein vor dem Tod bewahrt. Das Ganze mag zwar geschmacklos erscheinen, aber getötet hat er bislang nicht. Angegriffen haben seine Leute nur Batman, aber das nur als Reaktion auf sein Eindringen. Und mehr als Andeutungen hat Ra’s über seine Pläne auch nicht gemacht. Worüber regt sich Batman eigentlich auf? Ist er noch nachtragend wegen Robins Entführung? Auch wenn sie prinzipiell justiziabel gewesen wäre, war die ganze Sache bisher ziemlich harmlos …

DC Comics

Batmans Motiv bleibt also noch schleierhafte als das seines Gegners. Aber zunächst ist da die Sache mit dem Handlanger Ling. Batman rettet ihm das Leben, aber weil Ling jetzt bei zwei Herren in einer Lebensschuld steht und sich das nicht verträgt, entscheidet sich Lings Loyalität in einem Messerduell mit Batman. Gemeinsam mit Blaine fliegt er als Matches in die Schweiz, wo Ra’s untergetaucht ist. (Wieder Berge!) Ihnen schließt sich die Skifahrerin Molly Post an, die auch noch eine Rechnung mit dem Schurken offen hat.

Jeder der vier macht sich auf der Quest nützlich und als sie endlich zu Ra’s Versteck vordringen, ist ihr Gegner tot. Kurz darauf wird er in der Lazarus-Grube versenkt und wiederbelebt. Wahnsinnig verfolgt er die vier Helden, verletzt Ling und schlägt Batman K.O., dann haut er mit Talia in einem Hovercraft ab. Molly versucht ihn aufzuhalten, aber wird dabei verletzt. Batman muss sich um sie kümmern und kann Ra’s nicht weiter verfolgen.

DC Comics

Er findet ihn kurz darauf trotzdem: in der Sahara. Ra’s zollt dem Detective seinen Respekt und bietet ihm eine Chance: Es kommt zu einem Duell mit Schwertern. Batman kämpft oben ohne, aber mit Maske. Batman wird von einem Skorpion gestochen, Ra’s überlässt ihn dem Tod, aber Talia verabreicht ihm bei einem letzten Kuss ein Gegenmittel und so kann Batman doch – mit einem finalen Faustschlag – triumphieren.

Talia kommt natürlich ungeschoren davon. Es gibt sogar noch einen großen Abschiedskuss. Warum er sie verschont, bleibt auch hier unklar. Batmans Urteilskraft scheint bei ihr sehr getrübt zu sein. Allerdings scheint es sich von selbst zu verstehen, dass ihre Liebe keine Zukunft hat. Immerhin liefert Batman Ra’s den Behörden aus.

Damit endet die erste große Ra’s al Ghul-Story. Bemerkenswert ist, dass diese Geschichte zwar über ganze sieben Ausgaben erzählt wird, aber nicht direkt hintereinander. Zwischen den ersten Kapiteln liegen stets mehrere Ausgaben, erst die letzten drei bilden eine durchgehende Story. Erst nach und nach werden Informationen preisgegeben, aber die eine große Erklärung gibt es nicht. Vieles bleibt offen, vor allem, was Ra’s überhaupt will und wie er es erreichen will.

Am Ende erklärt er selbst, dass er sich weder für einen Kriminellen noch ein Genie hält, sondern für einen Künstler: „I have a vision … of an earth as clean and pure as a snow-swept mountain … or the desert!“ Er will auf der Erde Harmonie herstellen. Wie das gehen soll, bleibt unklar. Die Vernichtungspläne, für die er später berüchtigt sein wird, formuliert er hier noch nicht. Aber Batman bleibt dabei: Ra’s ist irre. Das muss wohl der untrügliche Instinkt des Detektivs sein.

(Fortsetzung folgt.)

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics

Jeder will ein Held sein

DC Comics

Was macht einen Helden aus? Außergewöhnliche Fähigkeiten? Oder vielmehr außerordentliche Taten? In der bislang unveröffentlichten Superman-Story Too Many Heroes (1945), die in der Jubiläumsausgabe Action Comics: 80 Years of Superman erschienen ist, wollen plötzlich sehr viele den Helden spielen. Denn in der Geschichte von Jerry Siegel und Joe Shuster geht es um Geld. Ein reicher Schauspieler vermacht auf dem Sterbebett demjenigen eine Million Dollar, der sich innerhalb einer Woche als größter Held beweist. Als Testamentsvollstrecker engagiert er Jonathan Trundle, einen der miesesten Anwälte der Stadt, nach dem Zufallsprinzip.

Kaum hat der Daily Planet die Story gedruckt, begehen plötzlich sehr viele Menschen in Metropolis Heldentaten. Kleiner Haken: sie alle sind fingiert. Ein Zoowärter lässt einen Tiger frei, ein Mann wirft einen anderen vor einen Bus, einer stürzt sich von einer Brücke usw. Schließlich aber wird Trundle selbst von der Nichte des Schauspielers gerettet, später erwidert er den Gefallen und wird selbst zum Begünstigten.

Natürlich hilft Superman kräftig mit, dass es dazu kommt. Er legt für den Loser-Anwalt ein gutes Wort beim Richter ein. Und am Ende findet Trundle nicht nur einen Topf voll Gold, sondern auch die große Liebe. Moral: Jeder kann ein Held sein – selbst der größte Versager. Aber die Story ist viel interessanter, weil sie die Frage aufwirft, was Heldentum ausmacht. Wer nur für Geld den Helden spielt, ist ein Betrüger und verdient keine Belohnung. (Allerdings lässt das Polizisten und Feuerwehrleute in einem fragwürdigen Licht dastehen.) Da hat DC jedenfalls für den Jubiläumsband eine schöne Geschichte aus dem Archiv gegraben. Und dankenswerterweise wurde sie unkoloriert und offenbar auch sonst unbearbeitet abgedruckt – am Rand kann man immer noch handschriftliche Anmerkungen lesen.

DC Comics

Die zweite neue Geschichte im Jubiläumsband ist The Game. Die Comic-Urgesteine Paul Levitz und Neal Adams erzählen von einem Schachspiel zwischen Superman und Lex Luthor. Die Szene erinnert an das Spiel der Erzfeinde und Freunde Charles Xavier und Erik Lehnsherr aus X-Men, aber leider kommt hier weder ein interessanter Dialog zustande noch sonst irgendeine Spannung. Nach wenigen Panels ist Luthor matt, dann fesselt Luthor Superman mit Kryptonitketten (Klischee) und Superman befreit sich sofort daraus dank einer Motherbox von Scott Free (Deus ex machina). Ende der Geschichte. So schnell gelesen wie vergessen. Eine Enttäuschung.

Die dritte neue Superman-Story ist Supersquare, ein zweiseitiger Comic Essay von Gene Luen Yang. Ein Mann, der dem Autor ähnlich sieht, wirft Superman vor, langweilig und lächerlich zu sein. Warum ist Superman so ein Spießer?, fragt er. Aber Superman schweigt. Der Autor antwortet sich selbst: Weil Superman ein Alien, ein Immigrant sei, müsse er sich wie ein mustergültiger Staatsbürger benehmen. Dadurch werde er von den Menschen akzeptiert. Ein interessanter Gedanke, leider etwas einfallslos ausgeführt …

Mehr zum Thema: