Doppelter Ärger für Batman und Green Arrow

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DC Comics

Titel: Batman & Green Arrow: The Senator’s Been Shot

Autor/Zeichner: Bob Haney/Neal Adams

Erschienen: 1969 (The Brave and the Bold #85), enthalten in: Batman by Neal Adams Book OneBatman in The Brave & the Bold: The Bronze Age Vol. 1


Wenn man über Comics spricht, geht es meistens um den Inhalt, die Story, selten um das Wie. Meist ist nur von Zeichenstilen die Rede, aber nicht davon, was Comics vor allem ausmacht, nämlich wie mit Bildern erzählt wird. Nun haben Comics – insbesondere Superheldencomics – bis in die 70er oder 80er nicht gerade den Ruf, formal bemerkenswert zu sein. Aber es gibt immer wieder Ausnahmen. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

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„The Senator’s Been Shot“: Neal Adams zelebriert Comickunst auf drei Seiten. (DC Comics)

Auf den ersten zwei Seiten wird von einem Attentat auf einen Politiker erzählt. Wir wissen nicht, auf wen, wir kennen nicht die Umstände, sondern werden direkt in die Handlung geworfen. Fünf kleine Panels erzählen alles, was wir wissen müssen: Ein roter Lautsprecherwagen mit der Aufschrift VOTE fährt durch die Straße. Zwei gefaltete Hände eines Mannes im Anzug erheben sich zwischen Konfetti und Luftschlangen. Wir sehen die Lautsprecher aus der Nähe, dann die Mikrofone des Rednerpults, an die der Mann tritt, aber ohne sein Gesicht erkennen zu können, nur die Krawatte ist zu sehen. Dann ragt ein Gewehrlauf aus dem Wagen und schießt. Schließlich das große Panel: Bruce Wayne hält den angeschossenen Mann fest, der in die Knie sinkt und ruft „The senator’s been shot!“ – die Buchstaben sind rot und so riesig, dass sie nicht in die Sprechblase passen, denn sie bilden auch den Titel der Geschichte.

Das ist ein sehr dramatischer und auch ungewöhnlicher Beginn. Atemlos geht es auf Seite zwei weiter: Bruce Wayne stürzt die Treppen hinauf und zieht sein Jackett aus, das trapezförmige Panel zeichnet die nach oben verlaufende Schräge nach. Die vier darunterliegenden Panels sind alle verschieden polygon geformt – und zwar jeweils so, wie es für das Bild gerade nötig ist: Batman springt von oben in die Tiefe, unten sieht man den Lastwagen fahren. Batman schwingt sich drauf. Batman reißt die Lautsprecher vom Dach, dann wird er von einer Brücke oder einem Dach aufgehalten. Über den Lautsprecher hört er die Stimme des Senators, der verspricht, seine letzten Lebensjahre dem Kampf gegen das Verbrechen zu widmen. „What kind of vermin would shoot a man like that …“, fragt sich Batman. Doch die Antwort dürfte klar sein.

Zeichner Neal Adams liefert hier ein kleines Kunstwerk ab. Natürlich kann man sich fragen, warum Batman zunächst die Treppen eines Hochhauses erstürmt, statt sich in einer Gasse umzuziehen und von der Straße aus dem Wagen zu folgen. Doch visuell macht das alles Sinn: Damit er sich mit bauschendem Cape hinunterstürzen kann. Der Weg geht von unten nach oben, von oben nach unten und schließlich liegt Batman ganz am Boden – analog zu dem Senator im Krankenhausbett im nächsten Panel. Das ist ziemlich grandios gemacht.

Doppeltes Dilemma

Nach diesem furiosen Start ist die Geschichte dahinter fast schon egal. Aber auch die legt gut vor mit einem doppelten Dilemma: Bruce Wayne wird gebeten, Senator zu werden. Doch er lehnt ab, weil er denkt, als Batman nützlicher zu sein. Parallel will Oliver Queen als Green Arrow aufhören, um mit seinem Geld Gutes zu tun, hier etwa ein Bauprojekt zu realisieren – und zwar bevor ihm ein Gauner namens Miklos Minotaur zuvorkommt.

Doch kaum steigt er ins Green-Arrow-Kostüm, wirft ihm jemand eine Handgranate ins Büro. In dieser Sekunde schießt der Held den Granaten-wieder-zurückschieß-Pfeil ab und befördert das Ding wieder nach draußen – und wieder eine grandiose Seite mit kühnen Perspektiven, zersplitterten Panels und einer wahnsinnigen Dynamik. Wir schauen von oben, wie der Pfeil zum Fenster rausfliegt, wir sehen den Attentäter auf der Hebebühne nach unten fahren. Dann die Explosion in einem sich nach unten verjüngendem Panel – es wird eng für den Attentäter. Schließlich schaut Green Arrow ihm beim Weglaufen zu, ohne hinterherzurennen oder noch einen Gimmickpfeil zu verschießen. Aber die Hand in Nahaufnahme sieht einfach cool aus.

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Green Arrow in Action. (DC Comics)

Okay, genug der Tiefenanalyse. Danach wird es ohnehin vergleichsweise gewöhnlich. Bruce und Oliver verraten dem Sohn des Senators, Edmond, ihre Geheimidentitäten. Edmond wird entführt. Bruce lässt sich als Senator vereidigen, während Oliver als Green Arrow der Spur nach Europa folgt. (Jeder schlüpft also in die jeweils ungeliebte Rolle.) Dann: Kampf gegen wilde Tiere in einer Höhle, eine Fledermaus wird als Echolot missbraucht. Green Arrow verschießt einen Pfeil, der mehrfach abprallt wie eine Billardkugel und wir erfahren: „It goes with the costume!“ Und er hat natürlich Recht. Wir glauben diesen Unsinn und erwarten ihn sogar, weil sich das in Geschichten, in denen Helden sich wie Fledermäuse und Robin Hood verkleiden, so gehört.

Genauso wie brenzlige Situationen und Lösungen in letzter Sekunde. Batman düst nach Washington zur Abstimmung des wichtigen Gesetzes, um das sich alles dreht, zieht sich im Senat um gibt seine entscheidene Stimme als Bruce Wayne ab. – Habt ihr’s gemerkt? Wie die Verwandlung vom Anfang, nur umgekehrt. Damit schließt sich der Kreis.

Gut gemacht. Richtig gut.

>> Batman in The Brave and the Bold


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