Brian Bolland

Noch einmal The Killing Joke

 

DC Comics

Zum 30-jährigen Jubiläum bringt DC im September eine neue Luxus-Ausgabe eines Klassikers heraus: Absolute Batman: The Killing Joke. Die Hardcover-Edition bekommt einen edlen Schuber und enthält Alan Moores und Brian Bollands Comic in drei Fassungen: in der neuen als auch in der alten Kolorierung von John Higgins sowie als 128-seitiges Script zum Lesen. Als Bonus gibt es Geschichten aus Batman: Black & White #4 („An Innocent Man“), Countdown #31, Who’s Who in the DC Universe #13 sowie Cover und Skizzen von Brian Bolland. Insgesamt soll die Ausgabe 128 Seiten umfassen.

Damit gibt es bereits drei Editionen: Vor zehn Jahren erschien bereits eine 64-seitige Deluxe Edition im Hardcover (die mit neuer Kolorierung), vor zwei Jahren eine Noir-Ausgabe in Schwarz-weiß, die ebenfalls die „An Innocent Man“-Story von Bolland enthielt. Allerdings fehlte bisher in jeder Ausgabe die Vorlage für die Story: „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951). Und ärgerlicherweise wird sie wohl auch in der Absolute-Ausgabe fehlen.

Auf dem deutschen Markt hat Panini 2016 das Buch zusammen mit der Zeichentrick-Adaption auf Blu-ray herausgebracht, 2017 folgte eine Neuausgabe in neuer deutscher Übersetzung. In der für diesen Sommer angekündigten Batman Graphic Novel Collection soll The Killing Joke ebenfalls vertreten sein. Frühere Ausgaben sind 2001 und 2008 bei Panini erschienen.

Persönliche Anmerkung: Ein alter Witz wird nicht besser, je öfter man ihn erzählt. Und dieser wirkt schon lange abgestanden.

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The Killing Joke – ein Comic, viele Versionen

Am 4. August 2016 erscheint die animierte Adaption von The Killing Joke auf DVD und Blu-ray. Jetzt hat DC einen weiteren Auszug aus dem Film veröffentlicht: er zeigt die Eröffnungsszene des Comics. (Im Video oben beginnt der Clip erst bei 3:57.) Mittlerweile hat ein Fan eine überarbeitete Version des Trailers erstellt, die sich stärker an der Optik der Comic-Vorlage orientiert: mehr Schatten wurden hinzugefügt und die Farben lehnen sich an der Original-Kolorierung an (die heutige Comic-Fassung hat weniger grelle Farben).

Hier gibt es einen Bild-für-Bild-Vergleich zwischen Original, dem Trailer und der Neufassung:

Selbstverständlich kommt auch der „Redrawn Trailer“ nicht an das Original heran. Zu detailreich sind dafür Bollands Zeichnungen. Aber dennoch wirkt die Ästhetik des Fan-Trailers viel stärker als das vergleichsweise blasse Original.

Wer es ganz puristisch mag, dem sei Batman Noir: The Killing Joke empfohlen, das im August erscheint und ganz auf Farbe verzichtet. Panini veröffentlicht im September eine Deluxe-Version „in sorgfältiger Neuübersetzung, mit Bonusmaterial und in prächtiger Ausstattung“, so die Verlagsankündigung. Exklusiv bei Amazon werden ab 4. August zwei Sondereditionen verkauft: eine Hardcover-Ausgabe inklusive der Blu-ray des Films und eine Blu-ray mit Joker-Figur.

Damit scheint es von The Killing Joke mehr Versionen zu geben als vom Joker selbst.

Und dann gibt es noch die übliche US-Version des Comics von Alan Moore und Brian Bolland: Ohne Schnickschnack, 64 Seiten lang, beste Unterhaltung in der Originalsprache. In der Regel reicht das, aber ein Bonus würde dem Werk gut tun, nämlich ein Reprint seiner Vorlage „The Man Behind the Red Hood“ (Detective Comics #168, 1951). Auf so eine Ausgabe wird man wohl noch warten müssen.

Erste Filmbilder aus The Killing Joke

The Killing Joke ist neben Frank Millers Epen das wichtigste Batman-Comic der 80er. Nach The Dark Knight Returns und Year One bekommt nun auch der Klassiker von Alan Moore und Brian Bolland eine Adaption als Animationsfilm. Im Juli 2016 soll er bei der San Diego Comic Con Premiere feiern. Jetzt gibt es erste Bilder daraus: In einem Video, das halb Trailer und halb Making-of ist, erklären die Macher wie Bruce Timm, welche Herausforderungen bei der Verfilmung zu bewältigen waren und wie man die Geschichte um Batgirl erweitert hat. Ein verständlicher Schritt, da in der Story Barbara Gordon vom Joker angeschossen wird und damit ihre Karriere als Superheldin endet. Außerdem sieht man die Synchronsprecher, die schon bei The Animated Series der 90er dabei waren, wieder bei der Arbeit: Kevin Conroy als Batman und Mark Hamill als Joker. Ein guter Grund, sich die Originalversion anzusehen.

Klar wird, dass die Filmbilder nicht an die Kraft von Brian Bollands ausdrucksstarkem Stil heranreichen – und wohl auch nicht heranreichen können. Für die Animation sind Vereinfachungen nötig, dadurch geht aber viel von dem Reiz des Comics verloren. Die Macher beteuern aber, dass inhaltlich keine Kompromisse gemacht werden sollen und der Film so drastisch sein soll wie seine Vorlage. Also wieder ein Batman-Zeichentrickfilm, der nichts für Kinder sein dürfte.

Coverwahn #4

Joker, Mutant, Superman, Robin, Wonder Woman – das Figuren-Repertoire von The Dark Knight Returns ist ebenso begrenzt wie die Einfälle für die Variant Covers von Dark Knight III: The Master Race. Und so sehen wir auch beim nächsten Schub von Titelbildern immer dieselben ikonischen Motive. Zwar ist ein Werk von Brian Bolland eigentlich immer bemerkenswert, aber bei seinem Titelbild stehen Batman und Joker planlos nebeneinander wie beim Fotografen und scheinen auch nicht zu wissen, was sie tun sollen. Beim Mutantenanführer sehen wir Batman einen Schritt weiter als zuvor: nicht mehr beim Kampf, sondern nach seinem Triumph – immerhin als episches Gemälde. Gary Frank (Batman: Earth One) lässt Superman einen Kryptonitpfeil fangen, Josh Middleton fällt nichts besseres als eine planlose Collage von Batman mit Wonder Woman und Robin ein. Da ist es im Zweifel besser, wie Altmeister Neal Adams einfach nur einen hopsenden Batman vor dem Nachthimmel mit ganz viel bauschendem Cape zu machen. Eine einfache Heldenpose geht immer.

Doch auch DK3-Ko-Autor Frank Miller hat ein Cover beigesteuert: für den ersten Mini-Comic über Atom. Wir sehen den kleinen Helden vor dem Hintergrund des Batsignals am Nachthimmel, in der Bildmitte schwebt ein klobiger Superman mit einer Mimik und Haltung, als würde er auf dem Klo sitzen. Millers ohnehin sperriger Stil hat sich bereits bei DK2 stark gewandelt, noch immer neigt er zur Übertreibung und lässt die Figuren wie Karikaturen aussehen. Angesichts dessen kann man nur froh sein, dass nicht er, sondern Andy Kubert für die Zeichnungen der Hauptstory zuständig ist.

War’s das endlich mit dem Cover-Wahn?  Nein, es kommen noch 20 weitere Variants. Mindestens. Und wir reden immer noch von Ausgabe eins. Oh je …

Ein UPDATE!

DC Comics hat ein Video herausgebracht, in dem nicht nur mehr Cover, sondern auch ein paar Panels und Seiten aus der ersten Ausgabe zu sehen sind – und das ist wirklich beeindruckend. Die Verleger Dan DiDio und Jim Lee plaudern ein bisschen aus dem Nähkästchen und erzählen, was sie an dem Projekt DK III begeistert. Schön, erwachsene Männer zu sehen, die sich immer noch wie kleine Jungs freuen können.

Wie der Joker das Lachen lernte

The Killing Joke

Titel: The Killing Joke (dt. Lächeln, bitte!)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Brian Bolland

Erschienen: 1988 (One-shot), dt. Carlsen 1990, Panini 2008


„All it takes is one bad day to reduce the sanest man alive to lunacy. That’s how far the world is from where I am. Just one bad day.“

Manchmal wird man verrückt, nur weil man mal einen schlechten Tag hatte. Auf diese Formel bringt der Joker seine Botschaft in dieser Story. Er will das demonstrieren, indem er versucht, James Gordon in den Wahnsinn zu treiben: Zunächst verkrüppelt er dessen Tochter Barbara (Batgirl), dann entführt er den Vater und beschert ihm eine Höllenfahrt durch eine Geisterbahn. Nebenbei erfaren wir in Rückblenden, wie aus einem arbeitslosen Chemielaboranten und erfolglosen Komiker der Joker wurde – inklusive Red Hood und Säurebad. Für Batman beginnt die Geschichte mit der Erkennis, dass sein Verhältnis zum Joker nur mit dem Tod eines der beiden enden kann. Am Ende jedoch – und das ist schauderhaft – lachen sie zusammen.

The Killing Joke wurde viel gerühmt und gilt als eine der besten Batman-Stories. Ich frage mich, warum. Zugegeben: Alan Moore (Watchmen, V wie Vendetta) weiß, wie man eine Geschichte erzählt, und er macht das ohne Frage sehr einfühlsam. Die detailreichen Zeichnungen von Brian Bolland, von klarem Strich und ausdrucksstark, tragen dazu bei. Doch aus heutiger Sicht ist die Psychologisierung des Jokers und die Erzählung seiner Vorgeschichte nicht mehr zeitgemäß. Denn für die Personifikation der Anarchie ist es am besten, wenn sie ebenso aus dem Nichts kommt wie ihre Motive. Christopher Nolan hat das verstanden und perfekt in seinem Film The Dark Knight realisiert. The Killing Joke erscheint aus dieser Perspektive wie ein Schritt zurück.

Interessant ist das offene Ende: Unter Fans ist umstritten, ob Batman den Joker am Ende tötet. Batman ergreift ihn und lacht über dessen Witz. Aber da die Story in der Continuity angesiedelt ist, ist es unwahrscheinlich, dass Batman seine oberste Regel bricht – vor allem, weil der Joker danach bekanntlich weiterlebt.

(Hinweis: Der Artikel wurde aktualisiert und überarbeitet.)

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