Batman (Comic-Serie)

Zirkus um Two-Face

Titel: Two-Face, Part 1: The Face Schism/Part 2: Schismed Faces (dt. Die Zerreißprobe)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1996 (Batman #527-528), Hardcover 2014 (Batman by Doug Moench and Kelley Jones Vol. 1), 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years); dt. Dino 1998 (Batman #9)


„We all wear two faces. What counts is what they mask.“

Two-Face bricht aus Arkham Asylum aus – mit dem Entschluss, alte Rechnungen zu begleichen. Er bricht in Harvey Dents alte Wohnung ein, knallt den Mieter ab und holt alte Akten aus der Wandverkleidung, weil Staatsanwälte die gerne für alle Fälle dort deponieren. Damals konnte Dent den Zirkusdirektor Lockhart nicht des Mordes überführen, aber überzeugt von dessen Schuld, will er den Mann zur Rechenschaft ziehen.

Günstigerweise ist der Zirkus in der Stadt. Ungünstigerweise fällt aber die Münze schon wieder auf die falsche Seite (oder vielmehr günstig für Lockhart). Daher versucht Two-Face, die Siamesischen Zwillinge namens „Schism“ dazu zu überreden. Denn die beiden werden in der Freakshow vorgeführt und von Lockhart misshandelt …

Batman torkelt ziemlich planlos über das Zirkusgelände, kämpft gegen einen Kraftmenschen und einen Messerwerfer und weil das zu schnell geht, um zwei Comichefte zu füllen, gibt es für beide auch eine zweite Chance (Two-Face gefällt das). Was Two-Face aber nicht gefällt, ist dass er sich wieder mal um alles selbst kümmern muss. Er schminkt sich als Clown und schießt auf Batman. Aber – jetzt kommt’s: nur einmal. Und in die Brust. Wie bitte? Das ist nicht nur nachlässig, das ist überaus schlampig. Und halbherzig. Wie diese ganze Geschichte, die vor Albernheiten in grotesker Aufmachung nur so strotzt.

Armer Harvey! Er hätte Besseres verdient …

Mehr zum Thema:

Advertisements

Als Batman gegen Nazis kämpfte (Teil 5)

DC Comics

Titel: The Year 3000

Autor/Zeichner: Joseph Greene/Dick Sprang

Erschienen: 1944 (Batman #26), Hardcover 2017 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 4)


„We must never forget that the past reveals our past mistakes and glories both!“ (Brane)

Während des Zweiten Weltkriegs hat Batman gegen Nazi-Spione im eigenen Land gekämpft und gegen Nazi-Soldaten in Atlantis, sogar in einem dystopischen Szenario gegen Nazi-Besetzer. Im fünften Abenteuer geht der Kampf in der fernen Zukunft weiter – und im Weltall. Diese Science-Fiction Geschichte ist handelt auf den ersten Blick nicht wirklich von Nazis: Es fehlen die Deutschen, Hitler und Hakenkreuze. Trotzdem geht es um sie, wenn auch nur im Gewand der Allegorie.

Führer Fura

Im Jahr 3000 leben die Menschen auf der Erde in Frieden, haben sich der Wissenschaft zugewandt und treiben Handel mit Außerirdischen. Da fallen Invasoren vom Saturn über die Erde her: Die grünen Männchen mit Segelohren tragen den Ringplaneten als Abzeichen und folgen ihrem Alleinherrscher, der den Namen Fura trägt, was in der englischen Aussprache nicht zufällig wie „Führer“ klingt. Die Aliens unterwerfen die Menschen in einem „Blitzkrieg“ und stecken sie in Konzentrationslager. Spätestens hier wird klar, dass wir uns nicht in einer futuristischen Fantasiewelt befinden, sondern in der Gegenwart des Zweiten Weltkrieges.

Zwei blauhaarige junge Männer, Brane und sein jüngerer Freund (?) Ricky, finden in einer Zeitkapsel aus dem Jahr 1939 nicht nur Dokumente, die sie an den US-Freiheitskampf erinnern, sondern auch an die Heldentaten von Batman und Robin. Kurzerhand werden die beiden jungen Männer zu freiheitsliebenden Patrioten, legen sich Kostüme zu und proben den Aufstand. Als Guerillakrieger gehen sie mit gutem Beispiel voran, andere folgen ihnen in den bewaffneten Widerstand, die Aliens werden vertrieben. Doch das reicht nicht: Es kommt zum Showdown auf dem Saturn, bei dem sich herausstellt, dass die Saturnbewohner nicht alle böse sind, und dass Fura bloß über eine Roboter-Armee geherrscht hat. Fura stirbt beim Kampf im Weltall, indem er erfriert.

Ende 1944 befanden sich die USA noch im Krieg, aber in dieser Story wird bereits der Friedensprozess vorweggenommen. In dieser Allegorie sind die Aliens vom Saturn nur Opfer eines Schurken geworden, der sie selbst unterjocht hat. Seine Krieger sind keine Menschen, sondern bloß Marionetten. Am Ende jubeln beide Seiten, Erdlinge und Außerirdische über das Ende des Krieges und der Diktatur.

Brane ist selbstverständlich ein direkter Nachfahre von Bruce Wayne (daher auch der Name) und er hat ebenso ein Problem damit, seiner Liebsten seine Geheimidentität als offenzulegen, weshalb sie ihn zunächst für einen Feigling hält. Erst als er sich öffentlich dazu bekennt, Batman zu sein, wird auch sie bekehrt.

Ganz abgesehen davon ist The Year 3000 auch die erste Story, in der nicht Bruce Wayne der Held ist, sondern ein alternativer Batman. Damit wurden die späteren „Imaginary Stories“ und „Elseworlds„-Comics vorweggenommen.

Mehr zum Thema:

Two-Face und die Maske des Pharao

Titel: Free Faces/Binary Brains/Double Crosses/About Faces

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Gene Colan

Erschienen: 1986 (Detective Comics #563-564, Batman #397-398), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„Fate has cursed me with duality — and I decided long ago that it is my ugly evil side which dominates! Similarly, Batman’s fate-given destiny is to oppose evil and ugliness.“ (Two-Face)

Harvey Dent hat in Arkham ein neues Hobby: Bildhauerei. Am liebsten Form er Batman-Büsten, die er zur Vollendung gerne halbseitig entstellt. Mittels dieses neu entwickelten Talents bricht Two-Face aus, stiehlt zwei identische Supercomputer und lässt sich ausrechnen, wo er als nächstes zuschlagen soll. Ein Münzwurf entscheidet. Seine Ziele tragen stets ein „two“ oder „double“ oder „twin“ im Namen. Aber braucht es wirklich einen Computer, um herauszufinden, dass Gotham eine Twin Towers Bank hat? Eigentlich ist Two-Face dank seines immer gleichen (wenn auch nicht bewährten) Modus Operandi der alte Gauner geblieben – und damit auch berechenbar. So spannend der Charakter wegen seiner Spaltung ist, so langweilig ist er auch in seinem Handeln. Einen großen Plan hat Two-Face nicht.

Batman hingegen schon. Er holt sich Hilfe von Circe, einer Maskierten, deren Gesicht von Black Mask entstellt worden ist. Zusammen versuchen sie, Harvey Dent in eine Falle zu locken. Ihm wird die Aussicht auf eine wundersame Heilung durch Magie aus dem Alten Ägypten verheißen. Doch als sich Two-Face die Totenmaske eines Pharao aufsetzt und Circe ihn zu hypnotisieren versucht, geht die Sache nach hinten los …

Harvey Dent erscheint mit einem wieder heilen Gesicht, doch dann reißt er sich das Make-up herunter und es offenbart sich ein total entstelltes – er hat sich eine doppelte Maske geformt. (Wozu der Aufwand?) 

Two-Face hat sich für das Böse entschieden. Er kann, so sagt er, seine Münze so oft werfen, bis er ein Resultat bekommt, das ihm gefällt. Das ist eine neue Entwicklung: Harvey ist nicht mehr Sklave seiner Münze. Seine böse Seite herrscht über ihn.

Armer Harvey!

Mehr zum Thema:

Bewährungsprobe für Two-Face

Titel: Half A Hero …/Is Better Than None!

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1982 (Batman #346/Detective Comics #513), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


„–there are two sides to every story!“

Weil Two-Face keine Bewährung bekommt, bricht er aus dem Knast aus. Er schafft das, indem er die Wärter mit seinem Münzwurf hypnotisiert. Wie er den Rest mit den Gittern, Schlössern und Mauern geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Aber halten wir uns nicht an Details auf: Er nistet sich in einem Halfway House ein, einem sogenannten Übergangshaus für Ex-Knackis auf dem Weg zur Besserung. Aber der tragische Harvey pflegt dort bloß seine alten, schlechten Angewohnheiten: Er teilt das Haus in eine luxuriöse, saubere sowie eine schäbige Seite und beheimatet dort zwei Gangs, von denen eine sauber und eine schäbig herumläuft.

Batman hat zunächst keine Ahnung, wo er suchen soll, aber dank einer zündenden Idee, kommt er doch darauf, sich das Übergangshaus anzusehen – was anscheinend niemandem sonst eingefallen ist. (Wo sind die alten Bewohner hin? Wo die Angestellten? Was ist eigentlich los mit dem Justizvollzug in Gotham? Noch so ein ungelöstes Rätsel…) Für Batman wird das Haus zur Todesfalle. Er wird mit einem Gas bewusstlos gemacht und eingesperrt und auch fast abgeknallt, aber jedes Mal, wenn Harvey ihn erschießen will, fällt seine Münze auf die unversehrte Seite.

Als das Glück ihn verlässt, entkommt der machtlose Held durch einen Trick: Er formt sich aus einem Stück Plastik eine Gesichtshälfte, mit der er Two-Face in gewisser Weise den Spiegel vorhält. Two-Face wird an sein eigenes Trauma erinnert, bekommt Mitleid, öffnet die Tür – und wird zum Dank ausgeknockt. Wieder reicht nur ein Hieb. Ins Gesicht. Immer auf die Schwachstelle … Armer Harvey!

Mehr zum Thema:

Harvey Dent wird rückfällig

Batman #81 (DC Comics)

Titel: Two-Face Strikes Again

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Dick Sprang

Erschienen: 1954 (Batman #81), Paperback 2008 (Batman vs. Two-Face), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years)


„This proves I was meant to be a criminal! Fate has decreed it!“ (Harvey Dent)

Armer Harvey Dent! Als hätte er nicht schon genug als Two-Face gelitten, musste er gleich dreimal erleben, wie andere sich in den Schurken verwandelt haben. Mal war es sein eigener Butler, mal ein korrupter Theatermanager, der Dent mit der Masche für ihre eigenen Verbrechen verantwortlich machen wollte, mal war es ein Schauspieler, der Dent spielen sollte und dabei selbst verunstaltet wurde.

Jetzt aber holt ihn das Schicksal wieder ein – und zwar endgültig. Als Harvey Dent Einbrecher auf frischer Tat ertappen will, wird er von einer Explosion wieder entstellt. Harvey meint, es müsse Schicksal sein. Zur Sicherheit wirft er noch mal eine Münze, der zerkratzte Kopf landet oben – also geht wieder alles von vorne los.

Two-Face sucht Leute auf, die von Berufs wegen zwei Gesichter haben: einen Clown, einen Taucher, einen Lincoln-Schauspieler und einen Poker-Spieler. Es gibt zwei spektakuläre Szenen mit einem riesigen Billardtisch und auf einer hohen Statue, schließlich kommt es zu einem dramatischen Finale: Two-Face bindet Batman und Robin auf eine Riesenmünze und wirft sie mit einem Katapult auf Stacheln. Eigentlich unfair, weil den Gesetzen der Physik zufolge die schwere Seite unten landen müsste, aber daran zeigt sich bereits, dass Two-Face bei aller 50:50-Besessenheit und Schicksalsgläubigkeit doch eher zur bösen Seite tendiert.

Wie dem auch sei: Unsere Helden landen natürlich oben. Die Erklärung dafür hat mit Physik nichts zu tun (Radios in den Gurten, die als Elektromagnete dienen), also lassen wir das mal unkommentiert. Die Story endet mit einer pseudowissenschaftlichen Erklärung, bei der sich Batman und Robin mal wieder selbst auf die Schulter klopfen. Aber niemand verschwendet auch nur ein Wort über Harvey Dent, diese tragische Figur, die vom Pech verfolgt wird und dadurch wieder ihre zweite Chance verpfuscht hat.

Armer Harvey! Jetzt erwarten ihn erstmal 17 Jahre Knast, bis er wieder zurückkehren darf …

Mehr zum Thema:

Der Fluch von Two-Face

DC Comics

Titel: The New Crimes of Two-Face!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1951 (Batman #68)


„Your strength is greatly overrated, Batman!“ (Two-Face)

Die Geschichte Two-Face ist so bekannt, dass das Fernsehen daraus einen Film macht. Der Schauspieler Paul Sloane soll die Hauptrolle von Harvey Dent spielen. Doch als ihm in der entscheidenden Gerichtsszene falsche Säure ins Gesicht geschüttet werden soll, ist es echte! Der Ausstatter hat sich so dafür gerächt, dass seine Frau ihn für Sloane sitzengelassen hatte. Das hat weitreichende Folgen: Sloane sieht jetzt nicht nur aus wie der echte Two-Face, er benimmt sich auch so. Einen Münzwurf später ist es entschieden: Er muss sein Leben dem Verbrechen widmen. Verbrechen mit einem Bezug zur Dualität.

Two-Face ist kein Einzelschicksal mehr, er wird zu einem übertragbaren Konzept (vgl. Batman #50). Die janusköpfige Münze scheint eine Art Fluch zu sein, ein böser Geist, der von anderen Besitz ergreift. Batman verfolgt Sloane, es kommt zum Kampf mit einem Schwert und einem Stück Eisenbahngleis. Batman verspricht ihm Heilung durch plastische Chirurgie, aber Sloane will lieber weiter Karriere mit vorhersehbaren Straftaten machen. Selbst ein Appell von Harvey Dent kann daran nichts ändern.

So geht es immer weiter bis zum Showdown auf einem zweimastigen Schoner. Batman steigt in einen Tauchanzug und wird zu Frogman. Es kommt zum Gerangel mit Two-Face. Batman lässt sich überwältigen und gefangennehmen wie ein Amateur. Doch da erinnert Batman ihn an die Münze: Das Schicksal soll entscheiden, ob Two-Face ihn töten soll. Fällt die Münze auf die Kante, muss er ihn leben lassen. Den Rest kann man sich denken. Batman, der alte Fuchs, hat die getürkte Münze gegen eine andere ausgetauscht.

Mehr zum Thema:

Harvey Dents Albtraum wird wahr

DC Comics

Titel: The Return of Two-Face!

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1948 (Batman #50), Hardcover 2017 (Two-Face: A Celebration of 75 Years)


„… certainly I am the weirdest creature that ever lived …“ (Two-Face)

Harvey Kent heißt jetzt Dent. Und er schläft schlecht. Obwohl er von seiner Doppelgesichtigkeit geheilt ist, verfolgt ihn Two-Face bis in die Träume. Kurz darauf kehrt der Schurke zurück, aber Harvey Dent scheint nichts davon zu wissen. Als Batman und Robin ihn ausfragen wollen, entdeckt er Kostüm und Maske bei sich und vermutet, dass er wieder rückfällig geworden sein könnte. Er schlägt die beiden bewusstlos und haut ab, um sich selbst zu heilen. Auch Batman geht von einer gespaltenen Persönlichkeit aus.

Da Two-Face ein ziemlich berechenbarer Schurke ist, findet ihn das Dynamische Duo im Zirkus, wo Siamesische Zwillinge mit teurem Kopfschmuck gezeigt werden. Two-Face entkommt. Das Finale spielt sich in Gilda Dents Atelier ab, wo eine riesige Büste von Harvey Dent steht, entstellt durch den alten Two-Face. Es wird nicht klar, was der Böse dort will (das Werk zu stehlen könnte schwierig werden), aber Batman dient es als günstige Kulisse, um ihn zu besiegen, indem er ihn von Harveys Büste stürzt: „Somebody once said you were off your head … and right now you are!“

Am Ende offenbart sich Two-Face als Dents Butler Wilkins, der sich nur verkleidet hat, um sich zu bereichern und seinem Arbeitgeber die Schuld zuzuschieben. Seine Münze war getürkt: beide Seiten waren zerkratzt, damit das Böse immer siegt. Armer Harvey! Aber es ist nochmal alles gut gegangen …

Mehr zum Thema:

Harvey Dents schlechtes Gewissen

DC Comics

Titel: Half an Evil

Autor/Zeichner: Denny O’Neil/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #234), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two Face)


Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar: Two-Face, der klassische Schurke, der schon 1942 debütierte, tauchte 17 Jahre lang nicht mehr in Batman-Comics auf. Zwischen 1954 und 1971 gab es nur eine kleine Ausnahme, aber die zählt nicht, weil sich da Batman in seinen Erzfeind verwandelt hat (World’s Finest #173).
Denny O’Neil holte Anfang der 70er die alte Garde wieder hervor. Noch vor dem Joker (1973) kam Two-Face dran. Die Story dazu ist allerdings enttäuschend unspektakulär: Zuerst lässt Two-Face einen großen Hot-Dog-Luftballon von einer Parade stehlen (weil bekanntlich nur Würste zwei Enden haben), dann das Tagebuch von Captain Bye (wegen des Namens, der wie das Präfix bi- ausgesprochen wird). In dem Buch steht, wo ein altes Schiff mit Schatz versunken ist, mit dem Ballon lässt es Two-Face nach oben treiben.

Als Batman ihm auf die Spur kommt, wird er hinterrücks von Two-Face ausgeknockt, kommt aber frei, weil er den alten Muskel-Anspannungs-Trick anwendet. Der Schurke haut mit der Beute in einem Paddelboot ab. Das Interessante an der Geschichte ist das Ende: Two-Face wird durch sein Gewissen ausgeschaltet. Weil durch das unvermeidliche Sinken des Schiffs ein Unschuldiger sterben kann, wirft Good Old Harvey seine Münze, sie fällt mit der guten Seite nach oben, Harvey macht kehrt und Batman haut ihn mit einem Schlag um.

Das war einfach. Zu einfach.

Mehr zum Thema:

Schnitzeljagd mit vier falschen Batmen

Catwoman im Golden Age (Teil 4)

DC Comics

Titel: The Princess of Plunder

Autor/Zeichner: Jack Schiff/Jerry Robinson

Erschienen: 1942 (Batman #10), Hardcover 2016 (Batman: The Golden Age Omnibus Vol. 2)


„She … er … she got away … slipped through my fingers …“ (Batman)

In ihrem vierten Abenteuer trägt Catwoman erstmals eine Kombination aus Violett und Schwarz und stiehlt nicht selbst, sondern lässt ihre Handlanger für sich arbeiten. Und das läuft so: Die wohlhabende Marguerite Tone veranstaltet eine Party, bei der sich die Gäste die Zeit mit einer Schnitzeljagd vertreiben sollen: Jeder Gast ist dazu angehalten, bestimmte Gegenstände zu besorgen. Wie gut, dass Bruce Wayne und Dick Grayson bei diesem öden Unsinn nicht mitmachen und lieber eine Runde als Batman und Robin drehen. Eine günstige Fügung, denn Catwoman macht sich das Spiel zunutze, um ihre Handlanger andere, wertvolle Dinge aus Häusern holen zu lassen.

DC Comics

Batman erwischt zwei Einbrecher, durchschaut die Masche, aber lässt sie vorerst laufen. Bei der nächsten Party sollen sich alle Gäste verkleiden – fünf kommen als Batman, ausgerechnet vier davon sind wieder Einbrecher. Der wahre Batman kann sie mit Leichtigkeit überwältigen, doch die Anführerin kommt davon, weil man ihr nichts beweisen kann. (Ihre Männer werden seltsamerweise nicht vernommen.)

So versucht es Catwoman ein drittes Mal, diesmal mit falschen Butlern und tatsächlich klappt es, weil ein Messer in einem Sack Mehl landet. Wie bitte? Ja, wenn man ein Messer in einen Sack Mehl wirft, gibt das eine so große Staubwolke, dass das Dynamische Duo nichts mehr sehen kann und die Verbrecher entkommen können. Jedenfalls im Comic ist das so. Aber warum? Weil die Geschichte nunmal 13 Seiten hat und man sie deshalb nicht schon auf Seite 12 enden lassen kann.

DC Comics

Doch die Story nimmt eine seltsame Wendung. Statt das Diebesgut auf dem Schwarzmarkt zu verhökern, versucht Catwoman, sie wieder ihren Besitzern zu verkaufen – und schaltet eine Anzeige in der Zeitung. Das hat nichts mehr mit Verbrechergenie zu tun. Das kann nur als verkappte Einladung an Batman verstanden werden. Der platzt auch gleich zur Tür rein, schlägt die Komplizen zusammen und rettet der Anführerin das Leben, als sich einer gegen sie wendet. Dafür gibt’s dann endlich einen Kuss zur Belohnung. Batman ist daraufhin so erstarrt, dass er die Katze wieder davonkommen lässt. Oder jedenfalls tut er so … Robin bleibt skeptisch. Zurecht. Eine seltsame Beziehung.

Mehr zum Thema:

Flashpoint 2: Irgendwas fehlt

Titel: Batman/The Flash: The Button

Autor/Zeichner: Joshua Williamson, Tom King/Howard Porter, Jason Fabok

Erschienen: 2016 (Batman #21-22, The Flash #21-22), Hardcover 2017 (Deluxe Edition)


„I saw … God.“ (Reverse Flash)

Während Batman das Geheimnis des gelben Smiley-Buttons untersucht, den er in der Bathöhle gefunden hat (siehe DC Universe Rebirth), wird er von Eobard Thawne, dem Reverse Flash angegriffen. Zunächst wird Batman schlimm verdroschen, dann kann er ihn noch ein bisschen hinhalten, bis der gute Flash (Barry Allen) eintrifft. Doch kurz davor verschwindet Thawne mit dem Button, nur um kurz darauf wiederzukehren und zu sterben. Seine letzten Worte: Er habe Gott gesehen.

Batman und Flash gehen dem Rätsel des Buttons nach, steigen auf die kosmische Tretmühle (Flashs Zeitreiselaufband), besuchen Batman Thomas Wayne im Flashpoint-Universum und treffen Jay Garrick, den ersten Flash. Und wieder wird ihnen klar, dass mit diesem Universum irgendwas nicht stimmt, dass irgendetwas fehlt.

The Button ist eine doppelte Fortsetzung: des Specials DC Universe Rebirth und des früheren Events Flashpoint. Es führt zu dem Event Doomsday Clock, in dem die DC-Helden auf Alan Moores Watchmen treffen werden. Obwohl The Button nur ein Bindeglied bildet und nur noch mehr Fragen aufwirft, ist die Lektüre ein großes Vergnügen. Und das nicht nur grafisch, weil Jason Fabok und Altmeister Howard Porter sich großartig ergänzen. Wie schon in Flashpoint bilden Flash und Batman ein gutes Team. Allein Batmans Kampf mit dem Reverse Flash und Batmans Begegnung mit seinem Vater, der ihm sagt, er solle Batman sterben lassen, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Der Rest der Story ist noch rätselhaft, macht aber Lust auf mehr. Wenn doch nur Doomsday Clock so gut wird, wie es sich anbahnt … Aber da ist natürlich auch die Sorge, dass man die Watchmen lieber hätte ruhen lassen sollen.

(Es lohnt sich, die Deluxe Editon zu kaufen, denn die hat ein Lenticular-Cover.)

Was bisher geschah: