Batman (Comic-Serie)

Warum Hugo Strange sich für den besseren Batman hält

Titel: The Double Life of Hugo Strange

Autor/Zeichner: Gerry Conway/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #356), Paperback 2018 (Batman Arkham: Hugo Strange), Hardcover 2019 (Tales of the Batman: Gerry Conway Vol. 3)


Hugo Strange hat ein neues Hobby gefunden: sich wie Batman verkleiden. Diesmal hat er einen neuen finsteren Plan. Als Bruce Wayne von einem Date mit Vicky Vale zurückkehrt, wird er von einem Gas betäubt. Er kommt wieder zu sich und ist plötzlich in Wayne Manor. Alfred begrüßt ihn mit Tee, dann mit einem Messer. Bruce knockt ihn aus, Alfred verschwindet und taucht plötzlich wieder, als wäre nichts gewesen, mit Tee auf.

Hugo Strange beobachtet das Szenario über eine Kamera und freut sich. Denn das Ganze ist ein böses Spiel. Im echten Wayne Manor fragen sich Alfred, Dick und Vicky, wo Bruce bleiben mag. Bruce steigt im falschen Zuhause unter die Dusche, da versucht Robin, ihn zu erwürgen. Bruce kann es noch verhindern, Robin verschwindet und taucht als ahnungsloser Dick wieder auf. Dann wird auch Bruce klar: Es sind alles Roboter.

Er steigt in die Batcave, da erwartet ihn schon Hugo Strange, rasiert und im Batman-Kostüm. Er ist so nett, für den anstehenden Zweikampf Bruce ein weiteres zu reichen. Während der sich umzieht, erklärt Strange, wie er Thornes Mordversuch überlebt hat (siehe Strange Apparitions, Detective Comics #472, 1977). Man prügelt sich, als Robin dazukommt, sieht sich Strange plötzlich besiegt und jagt seinen Wayne-Manor-Nachbau in die Luft. Am Ende rettet Batman noch Alfred vor einem Bruce-Wayne-Roboter, der ihn zu erschießen versucht.

Aber wozu der ganze Aufwand mit Kostümen, Robotern und Nachbau? „Because you’re the best, Batman! I built this house–this cave–my mandroids–not only to confuse you–but also to test myself–so I’d be ready to assume your fallen mantle.“ Hugo Strange hält sich selbst für einen besseren Batman, weil er keine Schwächen hat: Er ist skrupelloser.

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Batman in der Story-Wüste

Batman Vol. 11: The Fall and the Fallen

DC Comics

Titel: The Fall and the Fallen

Autor/Zeichner: Tom King/Mikel Janin, Jorge Fornes

Erschienen: 2019 (Batman ##70-74, Batman Secret Files #2), Paperback 2019 (Batman Vol. 11)


Nachdem Batman sich aus seinem Psycho-Gefängnis in Arkham Asylum befreit hat, das ihn durch eine Reihe von Albträumen jagte, vermöbelt er alle Arkham-Insassen. Bevor er sich den Drahtzieher Bane vornimmt, geht er erst mal nach Hause, um sich auszuruhen und Verstärkung zu holen. Doch als er die Batman-Family zusammentrommelt, ist in Arkham alles wieder ganz normal, als ob nie die Insassen die Anstalt übernommen hätten.

In Wayne Manor serviert Alfred inzwischen Bane Suppe. Bane vermöbelt Batman und bricht ihm in alter Tradition das Rückgrat. Weil Bane das halt so macht und irgendwie dazugehört. Inzwischen erzählt Flashpoint-Batman Thomas Wayne noch einmal nach, was bisher geschah und erklärt, dass Bane ihn mit der gescheiterten Hochzeit mit Catwoman brechen wollte.

Thomas heilt Bruce nebenbei und blitzschnell von seinem gebrochenen Rückgrat und schleppt ihn durch die Wüste, um in Ra’s al Ghuls“Nain Pit“ Martha Wayne wiederzubeleben. Indem er die Familie wiederherstellt, will er Bruce von seiner Batman-Sucht heilen. Doch Bruce wehrt sich.

Prügelei und Geschwätz

Der größte Teil von Tom Kings elftem Batman-Kapitel ist Prügelei, der andere ist Geschwätz. Es wird erzählt, was wir schon wissen, es wird erklärt, was wir uns denken oder auch nach vielen Worten nicht nachvollziehen können, und es wird noch zweimal (!) die Tierfabel aus Batman #57 (Batman Vol. 8: Cold Days) wiederholt, weil Tom King sehr stolz darauf zu sein scheint und bedeutungsschwangere Kapriolen wie diese ihm wohl den Eisner-Award eingebracht haben.

Ach ja, und Thomas Wayne singt beim Wüstenritt einen klassischen Western-Folk-Song: „Home on the Range“:

Das alles ist wie immer langweilig und ärgerlich. Diese Seitenschinderei entspricht der Wüste, durch die die Batmen reiten. Eine weitere Verschwendung von Geld, Zeit und Nerven. Nur noch zwei Bände (City of Bane), dann haben wir das Elend endlich hinter uns. Ach, nein, danach kommt noch Kings Zwölfteiler: Batman/Catwoman … Wäre das alles bloß nicht so lang und ausschweifend! Es ist schon seltsam: Da gibt man einem fast 100 Ausgaben für Batman und er weiß so gut wie nichts Interessantes damit anzufangen.

Die Oase in der Wüste

Das Beste kommt zum Schluss: In Batman Secret Files #2 werden fünf Kurzgeschichten von Batman erzählt. Gemessen an der Wüste bilden sie eine Oase. In der ersten (von Andy Kubert) hat der Joker Batman gefangengenommen und will ihm Kostüm und Gürtel abnehmen, was aber nicht so leicht ist, wie gedacht – aber dafür höchst amüsant zu lesen.

Die Storys um den Riddler und Bane können da nicht mehr mithalten, auch wenn die Bane-Story einen interessanten Aspekt hat. Kurioser ist aber die Hugo-Strange-Story um einen brutalen Test, wer der echte Batman ist. Die vielleicht schwächste Geschichte ist die über den Psycho Pirate, die ebenso wie beim Joker, beim Riddler und bei Strange mit Schlägen ins Gesicht enden. Die Pointe ist immer Gewalt, Batmans Faust markiert das Ende.

>> Batman 2011-2019

Wenn zu Weihnachten die Chemie nicht stimmt

DC Comics

Titel: Merry Christmas/And a Deadly New Year

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil/Irv Novick, Dick Giordano

Erschienen: 1973 (Batman #247)


Eine dreiköpfige Familie kämpft sich durch den Schnee bei Nacht, kommt zu einem Haus, bittet um Einlass: der Wagen ist auf dem Highway liegen geblieben, jetzt drohen sie zu erfrieren. Aber der Hausherr weist sie ab. Da bittet sie ein anderer Mann herein, aber der ist alles andere als nett, denn es ist Chimp Manners, ein gesuchter Dieb, der eine Dosis Nervengas von der Armee gestohlen hat und sich jetzt vor dem Gesetz versteckt. Da er Zeugen nicht gebrauchen kann, will er die Familie umlegen. (Stellt sich die Frage, warum er sie überhaupt hereingebeten hat.)

Doch das Gesetz hat ihn bereits gefunden: Plötzlich steht Batman in der Tür und will Manners ein paar Manieren beibringen. Als er aber den Flakon mit den Nervengas hochhält, das ausreicht, um eine Stadt auszulöschen, gehorcht auch Batman. Manners bittet sie hinaus, weil er keine Lust auf Leichen im Haus hat. Da erscheint ein helles Licht am Himmel, Manners schießt, verfehlt und Batman knockt ihn aus. Was ist geschehen? Ein Stern, weiß der Hausbewohner, der zufällig Astronom ist, er kennt sich aus. Batman ist überzeugt: Merry Christmas.

Chemieangriff zu Silvester

Diese Weihnachtsgeschichte ist allerdings nur das Vorspiel: Batman kettet Manners an sein Handgelenk und will ihn zu Gordon bringen, da wird das Auto auf der Straße abgedrängt und eine Bande befreit Manners und knockt Batman aus (na klar: ein Schlag auf den Hinterkopf …), aber man lässt ihn am Leben, wahrscheinlich wirkt auch hier der Geist der Weihnacht.

Kurz darauf trifft eine Drohung ein: Ein gewisser Boss Halstrom soll bis nächste Woche aus dem Gefängnis entlassen werden, sonst stirbt Gotham. Warum nächste Woche? Weil man dann das Nervengas zum Neujahrswechsel entlassen kann, das ist viel effektvoller. Eine Woche braucht auch Batman, um den Fall zu lösen: Er hört sich bei einem Chemiker um, zieht als Matches Malone los, Robin verkleidet sich als Polizeikadett und sogar Alfred macht sich nützlich.

Alles läuft auf ein Finale in der Silvesternacht hinaus. Batman findet bei einem Empfang den Schuldigen mit einem Trick, stürzt sich auf die „Happy New Year“-Kugel, an der das Nervengas hängt, und sorgt dafür, dass es ein neues Jahr überhaupt gibt.

Bleibt nur noch die Frage, warum die US-Army überhaupt Nervengas besitzt und sich in dieser Geschichte niemand daran stört. Historischer Hintergrund: Chemische Waffen sind seit der Genfer Protokoll von 1925 international geächtet, allerdings haben die USA dieses erst 1975 ratifiziert. 1997 trat das Chemiewaffenübereinkommen in Kraft: Herstellung, Entwicklung und Lagerung sind seitdem verboten, auch für die Vereinigten Staaten. Seit den 80ern vernichten die USA ihre riesigen Bestände – eine Aufgabe, die voraussichtlich erst im Jahr 2023 abgeschlossen sein wird.

>> Batman zu Weihnachten

Batman erlebt sein Weihnachtswunder

Batman #239 (1972)

DC Comics

Titel: Silent Night, Deadly Night

Autor/Zeichner: Dennis O’Neill/Irv Novick

Erschienen: 1972 (Batman #239)


Nein, Batman trägt in dieser Geschichte keinen Rauschebart und verteilt auch keine Geschenke, wie es auf dem Cover gezeigt wird. Der Weihnachtsmann ist ein anderer und jemand hat ihn ausgeknockt und ausgeraubt. Einer dieser Weihnachtsmänner, die auf der Straße Spenden für wohltätige Zwecke sammeln. Und nicht nur einer: Schon einige wurden an diesem Tag ausgeraubt.

Batman folgt den Spuren im Schnee zu einem Weihnachtsbaumverkäufer, bekommt einen Baum übergebraten und wird mit einer Lichterkette gewürgt. Als Batman den Angreifer ausknockt, erklärt dieser, er habe die Spenden nicht für sich geraubt, sondern um seiner Nichte ein Weihnachtsfest zu ermöglichen. Der Mann hat nämlich seinen Job in einer Spielzeugfabrik verloren.

Doch kaum hat er seine rührselige Geschichte erzählt, brät er Batman eins von hinten über und fesselt ihn an einen Heizkörper. Denn der Kerl hat noch etwas vor: Er will sich an dem Fabrikbesitzer, der ihn entlassen hat, rächen. Batman befreit sich, nimmt das Kind mit und will hinterherfahren, aber sein Auto bleibt im Schnee stecken. Da sieht er plötzlich ein herrenloses Pferd, das einen Schlitten zieht. Und wie durch geheime Kräfte geleitet, bringt es Batman und das Kind zum Tatort.

Dort ist alles anders gelaufen als geplant: Der alte Spielzeugfabrikant ist krank. Man bringt ihn ins Krankenhaus, der Alte wird wieder gesund und Batman lässt seinen Angreifer noch mal davonkommen. Am Ende ist ist das Pferd mit dem Schlitten plötzlich verschwunden – und Batman outet sich, dass er noch immer an den Weihnachtsmann glaubt.

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Ein Kavalier taugt nicht zum Schurken

detective comics #81 1943

DC Comics

Titel: The Cavalier of Crime/The Cavalier Rides Again

Autor/Zeichner: Don Cameron, Bill Finger/Bob Kane, Jack Burnley

Erschienen: 1943-1944 (Detective Comics #81, Batman #22), Paperback 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 5)


„‚You can’t do monkey business with Batman!‘ — Is the first rule of the underworld!“

Gotham ist schon ein seltsamer Ort. Alle paar Wochen tauchen da irgendwelche Spinner im Kostüm auf und nerven alle mit ihren Ticks. Wie gut, dass man zwei andere Spinner dafür hat, sich darum zu kümmern. Eines Tages taucht ein Typ auf, der sich Cavalier nennt und an einen Musketier erinnert, aber ein Held ist er nicht. Aber ein Schurke auch nicht so richtig, weil zunächst nicht klar ist, was er überhaupt will.

Zuerst bittet er einen Jungen um seinen Baseball. Als er ihn nicht hergeben will, gibt er ihm drei neue dafür. Der Junge verlangt aber seinen zurück. Bruce Wayne und Dick Grayson sehen die Szene und statt den Gauner zu stellen, wie es sich für Bürger mit Zivilcourage gehört, ziehen sie sich zunächst um – und zwar in Rekordzeit. Vom Bruchteil einer Sekunde ist die Rede!

Bringt aber nix, denn der Cavalier entkommt. Der Ball trägt das Autogramm eines berühmten Pitchers Berry Berrigan. Der Cavalier lässt dessen Unterschrift fälschen, um an einen kleinen Baseballschläger aus einem Bankschließfach heranzukommen, darin steckt ein Schlüssel, um an Berrigans Trophäensammlung heranzukommen.

Der Cavalier hält das Dynamische Duo mit einem elektrischen Schwert in Atem, zum Schluss kämpft Batman mit einer Angel gegen ihn, besiegt ihn, aber der Cavalier nagelt Batman mit seiner Hutfeder fest und haut mit einem Motorrad ab.

Der zweite Versuch mit Diamanten

Was das alles sollte, erfährt man erst später, beim zweiten Auftritt des Schurken: Der Cavalier ist Mortimer Drake, ein reicher Bekannter von Bruce Wayne. Er hat sich schon mal einen Trophäenraum eingerichtet für die schönsten Schätze der menschlichen Kultur. Klar, wer hätte da nicht zuerst an Sport-Miniaturen gedacht?

Der Cavalier lockt Batman und Robin in eine Falle. In einem Antiquitätenladen legt er Batman mit dem Schwert herein. Als der es ihm wegnehmen will, bekommt er einen Stromschlag und landet in einer Kiste, Robin in einem Schrankbett. Für den Fall, dass sie herauskommen, lässt er in alter Schurkentradition einen Zettel mit einem Hinweis zurück.

Mit dem Entkommen hat er es ihnen leicht gemacht: Batman entdeckt, dass er in der Kiste des Magiers Houdin steckt, Vorbild für Houdini, und steigt an der Seite heraus. Das Duo folgt dem Hinweis zu Diamantenschleifern, wo der Cavalier ein paar dicke Klunker absahnen will. Der Schurke bereut sogleich, dass er den Zettel geschrieben hat, er hält die beiden Gegner mit Schnupftabak hin, aber die beiden haben leichtes Spiel gegen seine Bande. Der Anführer haut ab, die Beute bleibt zurück.

Batman stellt fest, dass die ganze Aufregung nicht nötig war, weil der Cavalier bloß Modelle gestohlen hat. So bleiben die Vitrinen in seiner Trophäenhalle leer. Der Cavalier ärgert sich, denn er hat es eben auf das Modell abgesehen. Was sollte das? Ein sehr schräger Vogel … Am Ende bleibt auch offen, warum sich Drake als Musketier verkleidet hat. Aber Batman fragt sich nur, wer der Cavalier wirklich sein mag. Der Erzähler verspricht, dass Batman noch Gelegenheit haben wird, das herauszufinden, aber das wird nie passieren. Vielleicht haben die Autoren eingesehen, dass niemand mit der Figur etwas anzufangen weiß.

Erst im Jahr 1992 taucht in Blades (Legends of the Dark Knight #32-34) ein Cavalier wieder auf – aber das ist ein ganz anderer, ein Konkurrent im Geiste von Bruces Jugendhelden Zorro und damit auch eine viel größere Herausforderung für Batman.

>> Batman 1939-1949

Stille Nacht, Batman singt

Batman #219 (1970)

DC Comics

Titel: The Silent Night of the Batman

Autor/Zeichner: Mike Friedrich/Neal Adams

Erschienen: 1970 (Batman #219)


An Heiligabend ruft Commissioner Gordon Batman herbei. Als Batman kommt, klärt Gordon ihn darüber auf, dass es nichts zu tun gebe. Außer, ein paar tiefe Töne beim Weihnachtsliedersingen der Polizei beizutragen. Batman zögert. Immerhin könnte in Gotham jederzeit ein Verbrechen passieren, er könnte gebraucht werden. Aber Gordon beruhigt ihn: Bis dahin könne man ja singen.

The Silent Night of the Batman

Batman singt mit der Polizei „We Three Kings“ (DC Comics)

Und so singt Batman zusammen mit der Polizei Weihnachtslieder. Und während man so fröhlich singt, entreißt auf einer Straße ein Junge einer Frau ihr Weihnachtspaket. Als er es in einer Gasse öffnet, schaut ihm eine Batman-Puppe entgegen. Reumütig gibt er der Frau die Puppe zurück.

Kurz darauf will ein Mann einen anderen ausrauben. Doch der ist als Batman-Weihnachtsmann verkleidet. Der Räuber bereut und wirft seine Waffe weg. Und als eine Frau um ihren Geliebten trauert, taucht dieser plötzlich hinter ihr auf …

Batman singt "Stille Nacht"

Batman singt „Stille Nacht“ (DC Comics)

So geht die stille Nacht zu Ende und Batman hat bei der ganzen Singerei die Zeit vergessen. Es ist sechs Uhr morgens. Jeder normale Mensch wäre heiser oder todmüde, aber nicht Batman. Gordon meldet, dass niemand angerufen habe. Der Geist von Weihnachten hat Gotham eine  Nacht Ruhe gegönnt – und einmal glaubt Batman sogar, ihn vor Augen zu sehen …

26 Jahre später wird die Idee für die Weihnachts-Story „A Day Without Sirens“ recycelt – allerdings mit einer etwas anderen Pointe.

>> Batman zu Weihnachten

Bruce Wayne verliert Dick Grayson

batman #20 1943

DC Comics

Titel: Bruce Wayne Loses Guardianship of Dick Grayson

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane

Erschienen: 1943 (Batman #20), Hardcover 2015 (Robin, The Boy Wonder: A Celebration of 75 Years), Paperback 2018 (Batman: The Golden Age Vol. 5)


„Bruce Wayne lost Dick, but the Batman can bring him back again!“

Seit Jahren kümmert sich Bruce Wayne um das Waisenkind Dick Grayson. Beide haben ihre Eltern durch Mord verloren. Seitdem eint die beiden auch ein gemeinsames Hobby: Verbrecherjagen im Kostüm. Plötzlich aber taucht George Grayson auf, der behauptet, der Onkel von Dick zu sein, zusammen mit dessen angeblicher Tante beansprucht er das Sorgerecht. Es soll der letzte Wille des Vaters gewesen sein, dass George sich um Dick kümmert. Warum sie sich nicht früher gemeldet haben? Sie seien auf Europatournee gewesen, heißt es.

Bruce Wayne zieht vor Gericht. Aber alle Millionen auf dem Konto nützen nichts, wenn ihm ein zweifelhafter Ruf als Playboy vorauseilt. Bruce kann natürlich nicht dem Richter sagen, dass es sich nur um Fassade handelt, um Batman sein zu können. Also geschieht das Unglück: George Grayson bekommt das Sorgerecht.

Batman muss alleine gegen die Bande von Gangster Fatso Foley losziehen. Entmutigt, lustlos, nachlässig vermöbelt er die Gauner. Ohne Robins Kalauer macht es eben keinen Spaß. (Seltsam, dass es bei diesem ernsten Geschäft, das dazu dienen soll, den Mord an den Eltern zu rächen, plötzlich um Entertainment geht.) Da taucht plötzlich doch Robin auf und rettet ihm den Kopf. Schnell ist der Lebensmut wieder da.

Bald zeigt George Grayson sein wahres Gesicht: Er hat das Sorgerecht nur eingeklagt, um Bruce Wayne erpressen zu können. Eine Million Dollar verlangt er, um Dick Grayson wieder herauszurücken. Doch dann fällt Bruce ein, dass er als Batman nicht nach den Regeln spielen muss – schon gar nicht nach denen der Gauner. Batman will von George Grayson ein Geständnis erpressen und ihn zum Abhauen zwingen. Grayson willigt ein, bittet aber um eine Stunde, um mit seiner Komplizin die Koffer zu packen. Batman ist so naiv, sie ihm zu geben, und als er wiederkommt, hat George bereits Fatso Bescheid gesagt. Batman wird (wieder mit einem Schlag auf den Hinterkopf, er lernt es nie) überwältigt und in eine Hochdruckkammer gesteckt.

Während der Druck in der Kammer steigt und Batman kaum noch atmen kann, kriegt Alfred einen Anruf von George und versucht herauszufinden, wo Batman stecken könnte. Alfred fährt erst mal zu Dick und holt ihn aus dem Bett, dann knocken sie einen von Fatsos Komplizen aus, bringen ihn in ein Versteck, fesseln ihn und verhören ihn, während sich Batman – obwohl fast erstickt – mit dem Sterben glücklicherweise ebenso viel Zeit lässt.

Alfred und Dick befreien Batman. Ein Schirm des Pinguins ist dabei ziemlich hilfreich. Hinterher ist Vorsicht geboten: Der Druck in der Kammer muss langsam reduziert werden, damit Batman nicht explodiert. Am Ende fliegt George auf, er landet wieder vor Gericht, aber weil Dick seinen Onkel nicht verklagt (völlig unverständlich!), lässt ihn das Gericht laufen. Unglaubwürdig, aber so kann Bruce ihn wenigstens mit einem Arschtritt aus der Stadt jagen.

Und klar: Bruce übernimmt wieder die Vormundschaft für Dick – auch weil Batman beim Richter ein gutes Wort für ihn eingelegt hat. Wenn der Richter nur wüsste, dass Wayne Batman ist und mit seinem Hobby ständig ein Kind in Lebensgefahr bringt, würde das Ende wohl anders ausfallen.

>> Batman 1939-1949

Die Rache des Schnitters

The Reaper

DC Comics

Titel: Night of the Reaper

Autor/Zeichner: Dennis O’Neil, Bernie Wrightson, Harlan Ellison/Neal Adams

Erschienen: 1971 (Batman #237), Paperback 1999 (Batman in the Seventies), Hardcover 2013/2020 (Batman Illustrated by Neal Adams Vol. 3/Batman by Neal Adams: Book Three)


Dick Grayson ist an Halloween mit seinen Kumpels auf einer Superhelden-Parade, da wird die Gruppe von drei Fremden angefallen. Als Robin verkleidet findet Dick später einen Toten im Batman-Kostüm, dann geht plötzlich einer im Sensenmann-Kostüm auf ihn los. Robin fällt nach hinten in eine kleine Senke, Batman holt ihn später raus und bringt ins Haus eines Mannes namens Tom Fagan, der gerade eine Halloween-Party schmeißt. Dort wird Robin von Doctor Gruener behandelt, einem Holocaust-Überlebenden.

Gruener erzählt, er sei in einem Konzentrationslager inhaftiert gewesen, das von dem Nazi Colonel Kurt Schloss geführt worden sei, einem Sadisten und Mörder. Gruener hat herausgefunden, dass Schloss ebenfalls in den USA lebt. Die Männer, die Dick angegriffen haben, sollen Nazis sein, die hinter Schloss her sind, weil er sich mit ihrem Gold aus dem Staub gemacht hat (was immer noch nicht erklärt, warum sie auf die Gruppe losgegangen sind).

Ein weiterer Mann wird vom „Reaper“ (Sensenmann/Schnitter) getötet. Schloss wird von den Nazis in seinem Auto hochgejagt. Am Ende stellt sich heraus, dass Gruener selbst der Reaper ist. Der will sich an seinen ehemaligen Folterknechten rächen. Aber Batman kann keinen Mord durchgehen lassen. Am Ende bringt Gruener eine Kette mit Davidstern-Anhänger zur Vernunft. Er sieht ein, dass er selbst geworden ist, was er hasst – und fällt in sein Verderben.

Superhero-Parade in Batman #237 (1971)

DC trifft Marvel bei der Superhelden-Parade zu Halloween. (DC Comics)

Bei aller ernsten Geschichtsaufarbeitung gibt es in der Story auch einen netten kleinen Gag: Bei der Parade ist auch Captain America zu sehen, auf der Halloween-Party tummeln sich auch Gesichter aus dem Marvel-Universum. Wir sehen einen „Thor“ mit Zimmermannshammer und einen Spider-Man, der sich „Webslinger Lad“ nennt.

>> Batman 1970-1979

Batman und der Werwolf

moon of the wolf

DC Comics

Titel: Moon of the Wolf

Autor/Zeichner: Len Wein/Neal Adams

Erschienen: 1974 (Batman #255), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


Wenn Batman durch Gotham patrouilliert, ist mit Überraschungen zu rechnen. Einmal kraxelt gerade ein Werwolf ein Hochhaus hoch und fällt über eine Frau her – was Werwölfe so machen. Aber nicht in Batmans Stadt! (Zumindest nicht dann, wenn der Dunkle Ritter zufällig Zeuge wird.) Batman konfrontiert den pelzigen Aggressor, der wirft die Frau aus dem Fenster, Batman springt hinterher und kann die Jungfer in Nöten rechtzeitig retten, auch wenn er sich dabei den Arm auskugelt.

Wo aber kommt dieser Werwolf her? Ein Mad Scientist hat ihn geschaffen. Nicht irgendein Mad Scientist, sondern Professor Achilles Milo. Ja, genau der Milo, der 1957 beinahe Batmans Karriere beendet hat – und das gleich zwei Mal (Batman #112/Detective Comics #247)! Milo hat einem jungen Mann namens Anthony Lupus (!) ein Serum verabreicht, das ihn zum Tier werden lässt, damit er Batman in Fetzen reißt. Er lockt Batman in eine Falle. Batman soll einen Spendenscheck abholen und wird dabei mit Gas betäubt, gefesselt und dem Werwolf zum Fraß vorgeworfen.

Doch Batman kann sich aus der Todesfalle befreien und es kommt zu einem spektakulären Kampf auf einer Baustelle. Batman rammt dem Monster eine Stahlstange in die Brust, dann schlägt dort zufällig der Blitz ein, weil solche Kämpfe schon allein wegen der Dramatik immer bei Gewitter stattfinden und von allen Göttern am meisten der Deus ex machina den Superhelden gewogen ist. Der Werwolf ist dann nicht etwa geröstet, sondern hat sich in Luft aufgelöst, taucht dann aber später in Alaska auf, wo die Gesellschaft echter Wölfe sucht.

Und wieder stellen wir fest, dass wissenschaftliches Genie nicht alles ist. Ein kluger Schurke hätte Batman einfach sofort erschossen, sobald er am Boden lag. Aber nein, man muss ja alles unnötig kompliziert machen. Schwer zu glauben, dass es diesen Bösewichten um Rache geht. Im Grunde sind alle bloß Egomanen, die der Welt zeigen können, welch genialen Erfindungen sie erschaffen können. Merke: Todesfallen sind nicht genial, sondern ziemlich dumm. Aber sie werden es wohl nie lernen. Na ja, irgendwie auch gut so, denn Batman soll uns noch lange erhalten bleiben …

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Der Sohn des Jokers

The Son of the Joker

DC Comics

Titel: The Son of the Joker

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1962 (Batman #145), Paperback 2019 (The Joker: His Greatest Jokes)


Was macht Alfred eigentlich in seiner Freizeit? Er schreibt Geschichten. Am liebsten denkt er sich Zukunftsszenarien für Batman und Robin aus. Eine davon ist, dass Bruce Wayne Kathy Kane (Batwoman) heiratet und mit ihr einen Sohn hat. Der wird zum neuen Robin, neben Dick Grayson als neuem Batman II.

In der neuen Geschichte fragt sich Alfred: Was wäre, wenn auch der Joker einen Sohn hätte? Das neue Dynamische Duo trifft auf ihn, als sie zum Wasserski zu wohltätigen Zwecken wollen. Da schnappt sich ein durchtrainierter junger Mann mit Joker-Gesicht das Preisgeld. Batman verfolgt ihn, knockt ihn aus, der Joker-Epigone fällt ins Wasser – und taucht ab.

Papa Bruce geht der Sache nach: Er sucht seinen ehemaligen Erzrivalen auf, der mit ergrautem Haar seinen Lebensabend mit Gärtnern verbringt – seine Zeit im Knast hat er abgesessen und scheint jetzt ein umgänglicher alter Kauz geworden zu sein. Der Joker bestreitet, einen Sohn zu haben.

Bald darauf verkleidet sich der vermeintliche Joker-Sohn als römischer Legionär, um auf dem Filmset eines Historienschinkens eine unbezahlbare Halskette abzugreifen. Er liefert sich ein Wagenrennen mit Batman und Robin, aber wieder entkommt der Gauner. Sie folgen ihm zum Haus des Jokers, wo sie herausfinden, dass die beiden doch unter einer Decke stecken – wenn auch ohne miteinander verwandt zu sein.

Als der alte Bruce von dem Vorfall mit der Kutsche liest, erinnert er sich an einen alten Fall mit dem Joker und bricht auf, um Dick und seinem Sohn aus der Klemme zu helfen. Und tatsächlich: Die beiden sind bereits Gefangene der beiden Joker. Als der alte Schurke Batman II seine Maske abnehmen will, kommt Batman I hereingeplatzt und kann das Schlimmste verhindern. (Leider kann Batwoman nicht mitkommen, weil sie krank im Bett liegt, aber die Männer kommen auch allein gut klar.)

Dabei wird klar: Der „Sohn des Jokers“ trägt noch nicht mal Make-up, sondern bloß eine plumpe Maske. Und am Ende sagt auch der Joker, dass dieser Epigone seines Namens nicht würdig sei. Aber auch das neue Dynamische Duo bringt es immer noch nicht ohne die Hilfe des Originals …

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