Batman (Comic-Serie)

Batmans fast verlorenes Weihnachten

DC Comics

Titel: The Mystery of Christmas Lost

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Romeo Tanghal, Frank Springer

Erschienen: 1977 (Batman #285)


Batman im Bann des Weihnachtsbaums, ein Schurke mit Umhang wirft einen Dolch auf ihn – was ist denn hier los? Der Schurke ist Dr. Tzin-Tzin, Diabolist und Zauberer. Batman hatte schon mit ihm zu tun, jetzt sitzt der schwarze Magier im Knast von Gotham und entkommt, indem er goldene Ameisen mit Gedankenkraft manipuliert. Allerdings hinterlässt er noch einen Hinweis: „Merry Christmas to the Batman and Gotham City“. Eigentlich ganz nett von ihm – würde sich die Botschaft (geformt von den Ameisen) nicht in ein Fragezeichen verwandeln. Für Batman ist es klar: Tzin-Tzin hat Böses vor an Weihnachten. Nur was?

Das findet er schon bald heraus: Auf dem Rathausplatz steht angeblich der große Weihnachtsbaum in Flammen. Doch als Batman auftaucht, springt ihn bloß ein riesiger Bär an. Kaum nimmt er es mit ihm auf, fesseln ihn die Zweige des Baumes und aus dem Schlund des Bären erscheint Tzin-Tzin. Es ist alles bloß ein böser Zauber. Schließlich beraubt der Schurke Gotham einer Sache, die selbst Batman nicht wiederherstellen kann. Nur Batman wird verschont. (Dazu dient der Dolch.)

Batman in den Fängen eines Weihnachtsbaums – und eines Bären. (DC Comics)

Was die Bürger von Gotham verlieren, ist ihr Bewusstsein für Weihnachten wie überhaupt ihr Gedächtnis: Dick Grayson und Alfred wissen kaum noch, was sie vor einer Minute wollten. Die Menschen können sich kaum noch konzentrieren und wirken planlos. An Heiligabend sind alle unterwegs auf der Straße, als ob es ein normaler Wintertag wäre.

Batman folgt seltsamen Dämpfen in die Kanalisation, auf de Gelände der Gotham Steam Company trifft er den Schurken mit seinen herbeigezauberten, schwertschwingenden Kriegern. Batman schnappt sich eines der Schwerter, zerschlägt ein Ventil, lässt alles in Dampf aufgehen und der Spuk ist vorbei. Was lernen wir aus dieser seltsamen Geschichte? Irgendwie gehört Weihnachten dazu, selbst für Nichtchristen, sonst wirkt das dunkle und kalte Jahresende bloß trist und deprimierend.

Am Ende schmücken Bruce, Dick und Alfred den Weihnachtsbaum und er wird der schönste überhaupt. Leider hat Dick aber kein Geschenk für seine Freundin Lori besorgt. Da holt Bruce einfach eine Perlenkette aus seinem Notfall-Geschenke-Fundus. Merkt euch das: Jeder sollte einen haben. Von Batman lernen, heißt vorbereitet sein.

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Calendar Man als Auftragskiller

Batman #384, Detective Comics #551, Batman #385

DC Comics

Titel: Broken Dates/The First Day of Spring/Day of Doom

Autor/Zeichner: Doug Moench/Rick Hoberg

Erschienen: 1985 (Batman #384, Detective Comics #551, Batman #385)


„I don’t really want to kill Batman.“ (Calendar Man)

Alles kehrt wieder. Tag und Nacht, die Wochentage, die Jahreszeiten. Und auch die Superschurken. Der Grund leuchtet nicht immer ein. Manchmal ist es einfach wieder an der Zeit, jemanden wieder aus dem Figurenfundus zu holen. Wie den Calendar Man. Der nimmt sich diesmal die Feiertage als Thema vor.

Es beginnt mit einem Haufen Gauner, die Batman ausschalten wollen. Also bestellen sie seinen Tod bei einem geheimnisvollen Typen namens Monitor, der irgendwo in einem Satelliten hockt und dafür einen geeigneten Auftragskiller beauftragt. Warum er sich ausgerechnet für den Calendar Man entscheidet, bleibt so rätsel- wie zweifelhaft. Interessant auf verschiedenen Ebenen nennt er ihn, aber der Schurke hat, abgesehen von seiner mageren Erfolgsbilanz, noch nie Interesse am Töten gezeigt – und erweist sich auch hier als völlig unbrauchbar.

Julian Day in seinem Kalendarium. (DC Comics)

Schon zu Beginn steht Julian Day in seinem mit übergroßen Kalender-Requisiten vollgestopften Geheimversteck und grübelt, ob er den Auftrag überhaupt annehmen soll. Er ist zwar kein Killer, aber das Geld ist immerhin ein guter Motivator. Vor allen will er die Gelegenheit nutzen, sich noch einmal mit Batman messen. Und sollte er ihn nicht stoppen, wird Batman am 21. März sterben. Aber das wirkt alles sehr halbherzig. Denn im Vordergrund steht natürlich der Spaß an schrägen Verbrechen.

Calendar Man spielt mit falschen Karten. (DC Comics)

Bald darauf ist die erste Bank ausgeraubt, um an das nötige Startkapital zu kommen (wie er sein Versteck so aufwendig einrichten konnte, bleibt ein Rätsel). In einer Rückblende erfahren wir nur, dass Julian Day einst ein Illusionist unter dem Künstlernamen Maharaj gewesen ist. Es folgt die übliche Schnitzeljagd: Calendar Man tritt an jedem Tag in einem anderen Kostüm auf und schafft es, sich jedes Mal in Sachen Kuriosität zu überbieten. Einmal trägt er schwarz-weiß, kann blendendes Licht strahlen, wirft mit übergroßen Karten, dann tritt er als eine Art Sonnengott auf und wirft Blendgranaten („solar bomb“) in einem Theater und stiehlt Juwelen. Nur das rot-weiße Kalenderkostüm, das er auf den Covern trägt, hat er in der Story kein einziges Mal an. Nicht, dass man es vermissen würde, aber betrogen kann man sich schon fühlen. (Mit riesigen Zahlen wirft er übrigens auch nicht.)

Calendar Man als Sonnengott (DC Comics)

Der Calendar Man lässt ein Kalenderblatt zurück und Batman und Robin erfahren, dass er es auf sie abgesehen hat. Batman erteilt Robin daraufhin Hausarrest, Robin widersetzt sich wie immer und es entspinnt sich die alte Diskussion, welche Rolle Robin spielt: Ist er Batmans Schwachstelle oder dessen Verstärkung?

Mörderische Pfeile: Calendar Man als Amor (DC Comics)

Am Valentinstag tritt Calendar Man als gelber Amor mit Lendenschurz, Flügeln und Bombenpfeilen auf, dann als eine Art Uncle-Sam-Verschnitt mit Zylinder und Sternchenunterhose, schließlich wirft er mit Schlangen um sich und kämpft mit einem Flammenschwert und einer Laserkanone. Unnötig zu erwähnen, dass der ganze Aufwand umsonst ist und dass am Ende Robin mal wieder Batman rettet – weil er ihm nicht gehorcht.

Patriot: Calendar Man als Uncle Sam (DC Comics)

Wer hat eigentlich behauptet, dass das Bronze Age Batman wieder ernsthafter gemacht haben soll? In manchen Geschichten ist das arg zu bezweifeln. Und zwischendurch gibt es ganz viel Melodrama: Bruce Wayne ist immer noch in Selina Kyle und Nocturna verliebt, während er mit Vicky Vale und Julia Pennyworth zu tun hat. Es war bei Batman wohl nie mehr Herz im Spiel als in den 80er-Jahren.

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Batman verknackt im All

Titel: The Interplanetary Batman

Autor/Zeichner: Bill Finger/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1959 (Batman #128)


Batman und Robin fahren nachts durch die Gegend, da sehen sie plötzlich einen Alien am Straßenrand um Hilfe rufen: mit Fühlern, Klauen und einem Schuppenkostüm. Gejagt wird er von einer Horde anders aussender, rothäutiger und langohriger Aliens mit Strahlenkanonen. Ohne zu fragen, wer hier der wahre Schurke ist, schlägt sich das Dynamische Duo auf die Seite des Verfolgten und prügelt auf die Rothäute ein.

Doch dann werden Batman, Robin und der Verfolgte mit einem Strahl gelähmt und auf einen Gefängnisplaneten gebracht. Das Alien namens Kraak soll ein gesuchter Weltraumpirat sein. Robin beteuert ihre Unschuld, aber dafür interessieren sich die Aliens nicht. Und auch Kraak zeigt sich von seiner unschönen Seite: Batman und Robin sind ihm völlig egal. Er schlägt sogar Robin ins Gesicht.

Trotzdem wollen die drei gemeinsam ausbrechen. Dazu müssen sie durch den „Wald der Gefahr“ („forest of peril“), was unmöglich zu überleben scheint. Aber da Batman und Robin nicht im Knast verrotten wollen, versuchen sie ihr Glück. Kraak bietet sich als Führer an. Im Wald, wo Pilze so hoch wie Bäume wachsen, müssen sie ein Rudel Spür-Roboter ausschalten, Robin wird von einer riesigen Sumpf-Amöbe gepackt und schließlich rennt ein „Ram-Beast“ auf sie zu. Sie wissen es zu nutzen, indem sie das Tier einen Baum umkippen lassen, der sie über einen gefährlichen Fluss führt.

Schließlich entkommen die drei in einem Raumschiff. Auf dem Klauen-Asteroiden, Kraaks Geheimversteck, erweist sich das Alien erneut als Verräter und holt seine Bande herbei. Wie gut, dass Batman ein paar Körner vom Pfefferbaum mitgenommen hat, der Rest ist gute alte Handarbeit – so werden die beiden Helden mit den fiesen Aliens fertig.

Und zum Schluss die überraschende Wendung: Das alles haben Batman und Robin so mit den rothäutigen Aliens abgesprochen, um ihre Unschuld zu beweisen und die Guten zum Versteck der Bösen zu führen. Glück gehabt, noch mal davongekommen.

>> Batman 1950-1959

Robins falscher Nachfolger

The Second Boy Wonder (Batman #105) (DC Comics)

Titel: The Second Boy Wonder

Autor/Zeichner: Ed Herron/Sheldon Moldoff

Erschienen: 1957 (Batman #105)


Batman kommt mit Robin gerade von einem Einsatz gegen den Ganoven Gorilla Hardy und dessen Gang zurück, da nimmt Robin in der Bathöhle seine Maske ab und ist ein anderer: ein Junge namens Fred Loyd. Er behauptet, dass der wahre Robin (Dick Grayson) beim Kampf gegen die Bande verletzt worden und zu ihm nach Hause gekommen sei, um Hilfe zu suchen. Daraufhin habe Dick Fred gebeten, ins Robin-Kostüm zu steigen und Batman zu unterstützen.

Eine total weit hergeholte Geschichte, aber Bruce Wayne glaubt ihm aufs Wort. Fred Loyd will daraufhin weiter Robin bleiben. Batman will nicht, da droht der Bengel damit, Batmans Geheimidentität preiszugeben. Batman hat keine andere Wahl, als ihn mitzunehmen. Zum Glück ist Freddy dr Sohn von Hank Loyd, dem olympischen Zehnkämpfer, der seinen Jungen ebenfalls in allen Disziplinen gedrillt hat.

Kurz darauf ist Gorilla Hardy samt Gang wieder ausgebrochen. Das Dynamische Duo folgt ihm in ein Spiegelkabinett. Mit vereinten Kräften können sie den Gauner täuschen und lassen ihn ins Glas rennen. Der neue Wunderknabe hat sich bewährt: „Master Freddy has proved himself a true match for master Dick!“, sagt Alfred später. Bruce findet das auch. Freddy ist plötzlich sauer: Das sei ja schnell gegangen, einen Freund zu ersetzen! Da nimmt er seine Maske ab und enthüllt: Freddy war schon immer Dick. Das Ganze war ein Test, ob Dick genauso gut im Täuschen ist wie Bruce.

Nein, ist er nicht, denn Bruce hat die Scharade von Anfang an durchschaut. Dick hat nämlich im Dunkeln sofort den Lichtschalter in der Bathöhle gefunden – das hat ihn verraten. Robin sieht ein: „You can’t beat the master of disguise at his own game.“ So ist es.


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Vier Verschwörer gegen Batman

DC Comics

Titel: Batman Vol. 1: Their Dark Designs

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Guillem March, Tony Daniel, Jorge Jimenez

Erschienen: 2020 (Batman #86-94), Hardcover 2020


Fünf Attentäter versammeln sich in Gotham: Deathstroke, Cheshire, Merlyn, Gunsmith und Mr. Teeth. Batman ist vorbereitet, schaltet sie aus, lässt sie von der Polizei in ein selbstgebautes Spezialgefängnis bringen, aber kurz darauf sind sie wieder draußen, bis der Pinguin sie wieder einfängt, bis sie wieder freikommen und sie Batman wieder einfängt …

Catwoman und Harley Quinn helfen dabei, nachdem Selina die angebliche Leiche des Joker ausgräbt. Und dann gesteht sie Batman, was wirklich vor sich geht: Hinter all dem steckt ein neuer Schurke, der Designer. Der Name ist Programm, nicht unbedingt was Stil angeht, denn eine Kobination aus Feldhose, alter Militäruniform, Krawatte, Goldketten und einem Pelzkragen, sowie einer weißen Maske mit deinem großen roten D in Frakturschrift in der Mitte kündet nicht gerade von Stilbewusstsein – um nicht zu sagen: Es sieht ziemlich bescheuert aus. Aber der Designer ist ein Planer. Er hat sich vor ein paar Jahren überlegt, wie er Gotham von Kriminellen übernehmen lassen kann.

ACHTUNG SPOILER!!!

Seine Auserwählten waren auch die klassischen Schurken Joker, Pinguin, Riddler und Catwoman (wohl nicht zufällig die, die in Batman hält die Welt in Atem gemeinsame Sache machten und die Riege der Erzschurken begründeten). Mit jedem von ihnen klügelte der Designer einen Plan aus, wie sie die Herrschaft über die Stadt gewinnen sowie Batman und Robin ausschalten. Leider kam es nie dazu, weil der Joker den Designer tötete. Und jetzt stellt sich heraus: Hinter all dem Chaos steckt in Wahrheit der Joker, der mal wieder Großes im Schilde führt …

Punchline ohne Pointe

Their Dark Designs, der erste Batman-Band von James Tynion IV (nach Detective Comics, Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), markiert einen klaren Stilwechsel gegenüber der Ära von Tom King (City of Bane). Hier bekommen wir wieder eine klassische, großangelegte Batman-Story geliefert mit reichlich Action und Wendungen, und alles dient nur dazu, das eigentliche Event vorzubereiten: den Joker War. Allerdings ist das Ganze etwas zu gut gemeint. Es gibt so viele Wendungen und so viele Hintergrundinformationen, das alles wirkt so abgehetzt, dass es einen zwar in Atem hält, aber zuweilen auch überfordert. Und wie oben bereits angedeutet, bringt nicht jede dieser Wendungen die Handlung wirklich voran, sondern lässt sie eher unnötige Schleifen drehen.

DC Comics

Die Story um die fünf Attentäter muss einen nicht groß kümmern. Sie sind angeblich die Besten der Besten, aber nicht nur Batman wird so leicht mit ihnen fertig, auch der Pinguin, Catwoman und Harley Quinn. Sie werden auch nicht interessanter, wenn die beiden neuen Gesichter ihre Hintergrundgeschichten nachgereicht bekommen. Das alles dient nur als Auftakt. Dass nebenher auch ein verrückter Riddler ein paar Rätsel abspulen darf, spielt eigentlich keine große Rolle für die Handlung.

Der wichtigste Neuzugang ist aber Punchline, die Harley Quinns Stelle an der Seite des Jokers übernimmt. Ihr Name ist leider nicht Programm: Sie hält sich zwar für lustig, gibt sich aber nicht im Ansatz Mühe, es zu beweisen. Das Einzige, was wir von ihr erfahren: Sie will den Joker so, wie er wirklich ist, was zu sehr an den Konflikt der beiden Harleys aus White Knight erinnert. Unvermeidlich, dass sie gleich zu Beginn sich ein Duell mit Harley Quinn liefert. Ob sie aber eine würdige Nachfolgerin ist, bleibt nach diesem faden Auftakt fragwürdig. Wie der Designer wirkt auch Punchline arg übertrieben.

Neue Batman-Gadgets

Und wie schlägt sich Batman? Der hat in Lucius Fox nicht nur einen würdigen Alfred-Nachfolger gefunden, sondern auch einen Partner á la Q. Wie schon Morgan Freeman in der Dark-Knight-Trilogie versorgt er Batman mit allen möglichen Gadgets, darunter ein paar neuen wie dem Nightclimber und dem Batspawn (einen Drohnenschwarm), The Echo verwandelt einen gewöhnlichen Sportwagen in ein Batmobil und es gibt auch ein Wiedersehen mit dem Bat-Train. In dieser Fülle wirkt das alles, als hätte man einen Zehnjährigen in einem Spielzeugladen eingeschlossen. Das Interessante daran ist aber: Es zeigt zwar, was für ein Kontrollfreak Batman ist, aber es hilft ihm nicht, Herr der Lage zu bleiben. All sein Spielzeug ist nutzlos gegen das, was hier passiert.

Batman #86 (DC Comics)

Symbol dafür ist sein Anzug, der seltsamerweise nicht viel aushält, bei jeder Gelegenheit zerreißt, sodass er in Fetzen hängt. Batman erscheint so als gebeutelter Zweifler, der feststellt, dass all seine Mühe nichts bringt. Er träumt den Traum eines neuen, besseren Gotham, er will ein besserer Batman werden, der die Probleme seiner Stadt nachhaltig löst. Doch erfahrenen Lesern kommt das bekannt vor (siehe Tynions Detective Comics, um nur ein Beispiel zu nennen): Das kann nicht gutgehen und wird immer wieder scheitern. Ein Superheld wie Batman kann nur vorläufig siegen, damit seine Geschichten weitergehen. Er bleibt zur Sisyphusarbeit verdammt.

Und das gilt auch für die Autoren, die mit dem Dilemma der ewigen Wiederholung zu kämpfen haben. Ein abschließendes Urteil über Their Dark Designs zu fällen, ist nicht möglich, denn hier haben wir höchstens die halbe Geschichte. Einen wirklich innovativen Ansatz kann ich aber nicht erkennen. Worauf alles hinausläuft wirkt wie alles schon mal gesehen – es ist der große Plot von der Zerstörung Batmans auf jeder Ebene (siehe Knightfall etc.). Aber zumindest ist der Band durchgehend wunderbar gezeichnet.

>> Batman 2020

Alles über Batmans Seile

The Mystery Rope

DC Comics

Titel: The Mystery Rope

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1951 (Batman #67)


In den 50ern haben die Leser alles erfahren, was sie über Batman wissen wollten: über seine Vorgeschichte, über seine Kostüme, das Batmobil, seine Batarangs, seinen Gürtel. Und offenbar haben sie auch erfahren, was nie jemand wissen wollte, zum Beispiel über sein Seil. Oder besser gesagt: seine Seile. Was gibt es zu diesem Stück Schnur zu sagen? Eine Menge. Vollmundig steht es auf dem Cover: „Now it can be told! The 100 Secrets of Batman’s Silken Rope!“ Jedenfalls ist es genug, dass man eine ganze Geschichte drumherum – Achtung: Kalauer! – stricken kann.

Die Prämisse: Die Gotham Historical Society will in ihrer Jahresausstellung Batmans bestes Seil zeigen. Es gibt ja ständig irgendwelche obskuren Ausstellungen in Gotham, meistens angreichert mit übergroßen Modellen der Ausstellungsstücke, deren Herstellung teurer sein dürfte als der Rest der Shows, aber sei’s drum. Diesmal soll es ein Seil sein. Ich weiß wirklich nicht, wer sich so etwas anschauen will, selbst wenn es Batmans Seil ist.

Aber daraufhin überlegen alle, von Robin über Gordon bis Alfred, welches besondere Seil man zeigen soll: Ewa das elastische, das gegen den Joker nützlich war (Achtung: Symbolik!), oder das weiße, das im Schnee nicht auffällt? Oder das hohle, das auch als Atemröhrchen im Wasser dienen kann? Oder ist es das aus purem Gold?

Wie dem auch sei: Am Ende überrascht Batman mit seiner Auswahl. Er bringt einfach zwei große Drahtspulen mit. Banaler Draht? Was soll das? Batman erklärt nichts. Was für eine herbe Enttäuschung! Doch am Ende dienen die Drahtspulen als Elektromagnet, um den Gauner Jinx zu fassen, der eine Stahlweste trägt. Und schon wird aus banalem Draht ein Draht mit Erinnerung. Bat-Wire, sozusagen. Ein Fall fürs Museum.

Ich spare mir an dieser Stelle die Bemerkung, dass man das alles auch hätte einfacher haben können.

>> Batman 1950-1959

Robin trifft den Batman der Zukunft

Robin in „The Lost Legion of Space“ (DC Comics)

Titel: The Lost Legion of Space

Autor/Zeichner: Bill Finger/Dick Sprang

Erschienen: 1951 (Batman #67)


Kaum ist Robin gerade allein in der Bathöhle, da taucht aus dem Nichts eine große Kugel auf, aus der Batman springt. Doch es ist nicht Bruce Wayne, sondern Brane Taylor, der Batman aus dem Jahr 3051. (Einen Batman namens „Brane“ aus dem Jahr 3000 traf das Dynamische Duo bereits in Batman #26, 1944, aber daran scheint sich keiner mehr zu erinnern.) Weil sich sein Robin das Bein gebrochen hat, ist er 1050 Jahre in die Vergangenheit gereist, um sich den ersten Robin für einen Einsatz auszuborgen. Dick Grayson zögert nicht lange und folgt Brane in die Zukunft.

Der Bat-Belfry im Jahr 3051. (DC Comics)

Dieser Batman hat sein Hauptquartier in keiner Bathöhle, sondern in einem Turm, dem Bat-Belfry. Das ist nicht nur lustig, weil „bats in the belfry“ im Englischen eine Redensart für Wahnsinn ist, sondern weist auch tatsächlich in die Zukunft von Batman, wenn dieser 1969 in den Wayne-Tower zieht und 2016 baut er auch einen „Belfry“ für die Bat-Family auf. Wie dem auch sei: Auch der Batman der Zukunft hat sein Zuhause mit reichlich Trophäen dekoriert (und dazu auch mit abstrakter Kunst), außerdem folgt er seinem Vorbild nach, indem er sein Alter Ego als reichen und faulen Nichtsnutz inszeniert.

Batman und Robin auf Vulcan

Batman jagt gerade den Schurken Yerxas. Er will mit dem Mineral Vulcanite, das auf dem Asteroiden Vulcan abgebaut wird, eine Superwaffe herstellen. Vulcan kreist noch näher um die Sonne als Merkur, also ist es dort noch heißer und trockener als in der Sahara, sagt Batman. Stimmt, es dürfte dort eigentlich völlig lebensfeindlich sein, aber die beiden geraten nicht mal ins Schwitzen, obwohl sie ihre Kostüme tragen.

Sie geben sich als Sträflinge aus, die sich als Batman und Robin ausgegeben haben. Gleich zu Beginn werden sie gefragt, warum sie dann wie Batman und Robin angezogen sind. Die Begründung: Zur Strafe, damit sie sich nie wieder so anziehen. Obwohl das die dämlichste Begründung aller Zeiten ist, wird sie trotzdem geglaubt. Doch das ist nur der Anfang einer vor Fantasie nur so sprühenden Story mit steinefressenden Monstern, Wachrobotern, die sich mit einem Steinwurf umprogrammieren lassen und gedankenlesenden Häftlingen, die sich von einem bemalten Luftballon erschrecken lassen. Ach ja, und Robin fesselt am Ende die Schurken mit einem Lasso, im Vorbeiflug mit einem Raumschiff – die Geschichte trotzt jedem Naturgesetz.

Am Ende entlarvt der Schurke Yerxa Batman als Brane Taylor. Doch als der nur rumstammelt, springt plötzlich der wahre Batman (Bruce Wayne) ins Bild und rettet den Tag. Natürlich sind sofort alle überzeugt, dass der Typ unter der Maske wirklich Batman ist. Robin sei Dank, er hat mit der Zeitmaschine Bruce hergeholt. Beim nächsten Treffen darf Brane dann Bruce ersetzen.

>> Batman 1950-1959


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Die Rückkehr des Calendar Man

Batman vs. Calendar Man

DC Comics

Titel: A Caper a Day Keeps the Batman at Bay

Autor/Zeichner: Len Wein/Walt Simonson

Erschienen: 1979 (Batman #312), Hardcover 2014 (Tales of the Batman: Len Wein)


Mit der großen Retro-Welle in den 70ern tauchten nicht nur klassische Schurken wieder auf, sondern auch einige obskure Gestalten, wie Signalman, Kite-Man oder Calendar Man. Wir erinnern uns: vier Gaunereien an vier Tagen, jede für eine Jahreszeit (Detective Comics #259, 1958). Nun ist er wieder da, dieses Mal lässt er sich von Wochentagen inspirieren.

Calendar Man als Mond(tag). (DC Comics)

Am Montag bricht er als Mond verkleidet in ein Planetarium ein, um Briefmarken zu stehlen, die Astronauten bei ihrem Mondflug entwertet haben. (Wer kommt auf so eine Idee? Len Wein!) Am Dienstag raubt er verkleidet als Tiw, Gott des Krieges, das Gothamer Militärmuseum aus, am Mittwoch ist er als Odin verkleidet, denn Wednesday kommt von Woden/Wodan/Wotan/Odin. In dieser Gestalt fährt er ein fettes Motorrad mit acht Rädern, weil Odin auf dem achtbeinigen Pferd Sleipnir unterwegs war. Man kann bei diesem offensichtlichen Unsinn dieser Geschichte sogar etwas lernen.

Nachdem die Verfolgungsjagd scheitert, ist Batman fest entschlossen, den Calendar Man am Donnerstag zu schnappen. Gordon wäre auch mit Sonntag zufrieden, er meint nämlich zu wissen, dass der Schurke einen Obelisken des Sonnengottes Ra stehlen will. Aber Irre sind nicht so leicht zu durchschauen. Am Donnerstag bricht der Calendar Man als Donnergott Thor verkleidet in einer Kunstgalerie ein, um das Gemälde „The Storm King“ zu stehlen (ohne Rahmen). Als Batman auftaucht, wirft Thor ihm einen Hammer entgegen, Batman weicht aus, schlägt ihn zu Boden, da stößt der Schurke mit seinem Helm ein betäubendes Ultraschall-Signal aus. (Er hätte es ahnen können, findet Batman, aber da ist er etwas zu streng mit sich selbst.) Batman kann das Signal mit einem Hammerwurf ausschalten, ist danach aber kaum fähig, wieder aufzustehen.

Calendar Man als Thor (Donnerstag). (DC Comics)

Der Arzt verordnet Bruce Wayne später Bettruhe, Alfred passt auf ihn auf. Und so kann der Calendar Man ungehindert am Freitag als Frigga (Göttin der Liebe und Zukunft) eine Hochzeitsgesellschaft ausrauben. Am Samstag (Saturday) hat er ein besonders aufwendiges Kostüm: Saturn, inklusive Ring um den Kopf und Ringe schießende Kanonen an beiden Armen. Bei all dem Aufwand kann man sich wieder fragen: Woher hat er die Ressourcen für all das? Und wenn er sie hat, warum begeht er dann Verbrechen? Könnte man die Erfindungen nicht gewinnbringend verkaufen? Ach egal, ich geb’s auf …

Calendar Man als Saturn. (DC Comics)

Am Sonntag hat Bruce genug vom nutzlosen Daliegen: Er verlässt das Bett, wird zu Batman und stellt Calendar Man am Bahnhof. Diesmal trägt dieser kein bescheuertes Kostüm, sondern einen braunen Anzug. Warum? Weil der Sonntag bekanntlich ein Ruhetag ist. (Von wegen Sonnengott!) Hier ist der Schurke nicht ganz konsequent, denn er wechselt vom Register der „heidnischen“ (nordischen und römischen) Mythologie in die jüdisch-christliche, aber auch das nur teilweise, denn er besteigt am Sonntag einen Zug namens „Western Sun Express“. Darauf muss man erst einmal kommen.

Aber Batman kann das. Er kann ja bekanntlich alles. Sogar erahnen, wann sein Gegner am erwarteten Ort auftaucht. Perfektes Timing. Calendar Man lebt vielleicht nach dem Kalender, aber Batman nach der Uhr – und die läuft stets präzise und wie es ihm passt.

Neuer Look, gleicher schlechter Stil: Calendar Man. (DC Comics)

Apropos laufen: Der Calendar Man gibt sich nicht geschlagen, sondern flieht durch einen Tunnel. Als er wieder draußen ist, hat er sich in Windeseile umgezogen. (Aber warum, wenn doch Ruhetag ist?) Er trägt jetzt ein rotweißes Kostüm mit lauter Kalenderblättern als Cape, einem Zahlengürtel und als wäre das nicht genug noch einen Kalenderblatt auf dem Kopf. Nach kurzer Verfolgungsjagd wirft Batman einen Batarang, legt eine Weiche um und knockt seinen Gegner mit einem umschwenkenden Signalfähnchen um.

>> Batman 1970-1979


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Rätsel über Rätsel

Batman & Robin vs. Riddler im Museum

DC Comics

Titel: Riddler on the Rampage

Autor/Zeichner: David Vern Reed/Ernie Chan

Erschienen: 1976 (Batman #279)


Im Knast gehen die Lichter aus. Es gibt einen Aufstand. Man ruft Batman. Er schlägt die Aufsässigen nieder – doch der Riddler entkommt. Natürlich nicht, ohne ein Rätsel zu hinterlassen. Trotz seiner mentalen Blockade, kündigt der Riddler an, hat er gelernt, mit Batman umzugehen. Er will ihn überfluten mit Rätseln, Rätseln in Rätseln in Rätseln – und das in einem Takt, mit dem Batman nicht hinterher kommt. (Mir ist nicht klar, wie sich dieser von allen bisherigen Plänen unterscheidet, aber sei‘s drum.)

Wie gut, dass der Dunkle Ritter diesmal von Robin unterstützt wird, der immer noch keine Gelegenheit zum Kalauern auslässt. Doch auch der Riddler ist nicht allein: Gleich zwei von denen konfrontiert das Dynamische Duo in einer Uhrenausstellung. Das sind allerdings nur Handlanger, die Gummimasken tragen. (Wozu eigentlich, wenn die Domino-Maske ihre Identität verbergen müsste?)

Soll ich euch wirklich mit den Einzelheiten der Schnitzeljagd langweilen? Nein, daher lieber nur so viel: Der Riddler versucht zuerst, ein Modellschiff zu stehlen und vollbringt das Kunststück, durch ein Bullauge zu entkommen, es folgen ein Feuerwerk in Fragezeichenform und eine Schlange – und es endet in der ägyptischen Abteilung des Kunst-Museums. Riddlers genialer Plan geht mal wieder nicht auf, wohl auch weil ihm zum Schluss die Luft ausgeht.

Ach ja, und wir lernen: Traut niemals Museumswachleuten, die zu zweit kommen (denn unterfinanzierte Museen haben, wie es sich gehört, jeweils nur einen).

Daher gibt’s zum Schluss als Trost noch ein Panel, das (nicht nur) aus dem Kontext gerissen, Batman und Robin wie Spanner aussehen lässt. Aber immerhin sehen wir: Superhelden sind auch nur Menschen.

Batman & Robin

Batman und Robin bewundern das andere Geschlecht. (DC Comics)

Mehr zum Thema:

Batman als Raumpilot im Jahr 2050

Batman & Robin in Bat-Ship

DC Comics

Titel: Batman In the Future

Autor/Zeichner: Bill Finger/Bob Kane, Lew Sayre Schwartz

Erschienen: 1950 (Batman #59)


Hin und wieder unternehmen Bruce Wayne und Dick Grayson auch mal Zeitreisen. Dazu lassen sie sich von einem Psychiater hypnotisieren und der versetzt sie dann auf wundersame Weise in die Vergangenheit. Nachdem sie mal wieder den Joker festgenommen haben, fragen sie sich: Wie kommt es, dass der Joker so ist, wie er ist? Vielleicht liegt es in der Familie, denn der behauptet selbst, aus einer Familie von Clowns zu stammen. Um herauszufinden, wie man den Joker rehabilitieren kann, wollen Batman und Robin 100 Jahre zurückversetzt werden. Doch der Psychiater bringt sie aus Versehen 100 Jahre in die Zukunft.

Im Jahr 2050 ist das Sonnensystem besiedelt und man leistet sich Rennen durchs Weltall mit Raketen – das Übliche also. Das Ungewöhnlichste an dieser Zukunft ist aber, dass der Joker ein Gesetzeshüter ist. Dieser Nachkomme hat allerdings rätselhafterweise ebenfalls ein weißes Gesicht, rote Lippen und grüne Haare. Er ist auf der Suche nach einem Saboteur von Raketen.

Batman und Robin helfen ihm dabei, indem sie sich in einer Raketenfabrik ans Fließband stellen und als Mechaniker betätigen. Um ihre Geheimidentitäten zu wahren (falls mal jemand in ihre Zeit kommt), tragen sie ihre Masken und Kostüme – Batman gibt sie als Arbeitsschutz aus … Eine Woche vergeht. Dann retten sie den Fabrikleiter, bekommen zum Dank ein eigenes Schiff, das Bat-Ship, und können so ihre Mission erfüllen.

Da leuchtet plötzlich Bat-Signal von der Erde auf den Mond – überdeutlich zu sehen. Wie groß und stark müsste so eine Lampe wohl sein, um das zu schaffen? Egal. Es macht auf jeden Fall einiges her für ein prächtiges, ikonisches Cover. Batmans Licht der Gerechtigkeit strahlt über die Erde hinaus. Und das ist es auch, was von dieser kuriosen Geschichte im Gedächtnis bleibt. Dass sich der Saboteur durch radioaktiven Staub verrät, der im Dunkeln leuchtet – das ist eher nicht der Rede wert.

>> Batman 1950-1959