Jason Todd

Traumwelt mit Tücken

DC Comics

Titel: For the Man Who Has Everything (dt. Das Geschenk)

Autor/Zeichner: Alan Moore/Dave Gibbons

Erschienen: 1985 (Superman Annual #11), Paperback 2009 (Whatever Happened to the Man of Tomorrow?), Hardcover 2013 (Superman: A Celebration of 75 Years); dt. Panini 2010 (Paperback: Was wurde aus dem Mann von morgen?)


„It’s all wrong.“ (Kal-El)

Was schenkt man einem, der alles hat? Diese Frage stellt sich zu Supermans Geburtstag. Batman, Robin und Wonder Woman kommen am 29. Februar in die Festung der Einsamkeit, doch als sie Superman auffinden, steht er unter dem Einfluss einer außerirdischen Pflanze, die ihn in eine Wunschwelt versetzt – ein Geschenk von Mongul.

Während Wonder Woman sich mit dem Eindringling anlegt, versucht Batman, das Gewächs von Supermans Brust zu holen. Derweil ist Superman in Gedanken auf Krypton. Der Planet ist nicht explodiert, wie von Jor-El vorhergesagt. Kal-El arbeitet als Geologe und hat eine Familie. Doch Autor Alan Moore wäre nicht er selbst, wenn selbst diese Welt perfekt wäre: Politische Unruhen spalten die Gesellschaft, die einen fordern die Freilassung aller Gefangenen aus der Phantomzone, ein Kult, der wohl nicht zufällig an den Ku-Klux-Klan erinnert, strebt eine Rückkehr zu alten Werten an. Seine Cousine Kara fällt einem Überfall zum Opfer.

Superman ahnt, dass diese Welt nicht richtig sein kann. Und das ist bemerkenswert, dass die Wunschwelt so defizitär ist, dass sie sich selbst zerlegt. Der zynische Subtext der Story besagt: Kryptons Explosion ist das kleinere Übel, denn die Welt wäre ohnehin dem Untergang geweiht – durch seine Bevölkerung.

For the Man Who Has Everything gilt als eine der besten Superman-Storys. Und tatsächlich ist sie auch zurecht ein Klassiker. Alan Moore mischt die Continuity mit einer Art dystopischen Imaginary Story, er lässt seine Figuren menschlich erscheinen, er zeigt Sinn für Humor und am Ende bietet er eine gelungene Wendung. Einzig die Tatsache, dass Batman sich so fahrlässig an die Pflanze heranwagt, ohne vorauszusehen, dass sie auch von ihm Besitz ergreift, lässt ihn etwas naiv erscheinen. Aber dafür hat man ja Robin …

Der Comic wurde 2004 in der zweiten Folge der Animations-Serie Justice League Unlimited adaptiert. Einiges wurde verändert: Robin fehlt, aber auch die politischen Unruhen auf Krypton. In der Episode sind es Erdbeben, die den Planeten erschüttern und schließlich zur Explosion bringen, die Jor-El einst vorausgesagt hat. Was Mongul am Ende träumt, wird nur angedeutet, nicht gezeigt, wahrscheinlich um die Geschichte kinderfreundlicher zu machen. Dafür gibt es aber eine schöne Idee: Batman schenkt Superman zjm Geburtstag einfach einen Umschlag mit Geld …

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Zweite Chance für Jason Todd

DC Comics

Titel: Second Chances

Autor/Zeichner: Max Allan Collins u.a./Jim Starlin u.a.

Erschienen: 1987 (Batman #402-403, #408-416, Batman Annual #11), Paperback 2015


„In what I do there is no place for a child.“ (Bruce Wayne)

Jason Todd war als Robin-Nachfolger zunächst nichts als ein Dick-Grayson-Abklatsch – ein Zirkuskind, dessen Eltern ermordet wurden (von Killer Croc). Sein erster Auftritt war in Batman #357 (1983), im Robin-Kostüm in Batman #366 (1983). Doch nach der Crisis on Infinite Earths bekam Jason eine zweite Chance: Second Chances erzählt eine neue Version der Geschichte, wie Jason Todd zum zweiten Robin wurde und was er in seinen ersten Tagen erlebte.

Zunächst hört Dick Grayson als Robin auf, nachdem er vom Joker angeschossen wurde. Batman bekommt Skrupel, ein Kind zu gefährden, feuert seinen Partner und will auch keinen neuen Robin mehr rekrutieren. Doch als bald darauf ein neuer Junge auftaucht, scheinen alle guten Vorsätze vergessen. Jason Todd ist zunächst ein Straßenkind, das ohne Eltern in der Crime Alley aufwächst (Mutter tot, Vater Gauner). Als Batman seine Runde durch das Viertel dreht, erwischt er Jason dabei, wie er ihm die Reifen vom Batmobil klaut. Batman ist – anders als erwartet – sehr amüsiert darüber und lacht schallend. (Zugegeben: Etwas gruselig.) Beeindruckt vom Mumm des Knaben steckt er ihn in eine neue Schule für Straßenkinder, die eine alte Frau namens Ma Gunn in der Gegend betreibt. Doch die Alte ist in Wirklichkeit eine durchtriebene Schurkin, die Kinder zu Verbrechern heranzieht … (Ma Gunn ist eine Variation der Schurkin Ma Parker aus der Batman-TV-Serie der 60er.)

Batman lacht über geklaute Reifen.

Aber Jason hat da keine Lust drauf. Nicht etwa, weil er lieber ehrlich geworden wäre, er klaut lieber weiter Reifen. Nachdem er Batman hilft, die Bande hochzunehmen, entwickelt sich Jason aber zum Musterknaben: Batman zieht ihn sofort ins Vertrauen, bildet ihn in allem aus, was man als Verbrechensbekämpfer wissen muss (sogar im Schießen!) und macht ihn zum neuen Robin. Alles kein Problem. Auch die erste Bewährungsprobe gegen Two-Face meistert Jason mühelos. Als er erfährt, dass Two-Face dessen Vater ermordet hat, will er dann aber den Schurken eigenhändig kaltmachen. Eine Bat-Lektion später ist er aber wieder guter Dinge und rettet im Finale sogar Two-Face vor dem sicheren Tod. Als Robin auf Nightwing trifft, kommt es zur Aussprache zwischen Batman und Dick Grayson. Batman gesteht ihm den wahren Grund für den neuen Robin: weil er sich einsam gefühlt hat. Sehr bedenklich …

Batman spatziert durch Crime Alley.

Die Story ist nicht gerade ein Musterbeispiel an Eleganz. Batman ist hier nicht der typische düstere und mysteriöse Eigenbrötler, man sieht ihn nicht nur lachen, sondern auch bei Gordon lässig auf der Couch rumlümmeln. Wenn er bei ihm im Büro auftaucht, ist er nicht plötzlich da, sondern er wird beim Einstieg durchs Fenster gezeigt oder er benutzt einfach die Tür. Auf der Crime Alley geht Batman spazieren (eine ähnliche Szene gibt es in Gotham After Midnight), einmal sitzt er grübelnd auf der Motorhaube des Batmobils. Angesichts der Tatsache, dass erst ein paar Ausgaben zuvor das düstere Year One erschienen ist, wirkt diese heiter-lässige Batman-Version umso befremdlicher.

Und dann sind da noch ein paar lächerliche Momente, die an Rückfälle ins Golden Age erinnern: Two-Face leistet sich eine Jagd auf dem Baseball-Feld und dann noch eine in einem Riesen-Roulette. Der Schurke bleibt oberflächlich und plump – und damit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Warum denn so albern?

Nach der Haupthandlung kommen noch ein paar belanglose Einzelausgaben: Batman und Robin kämpfen gegen eine Pantomine, die die Klöppel aus Kirchenglocken stiehlt, um Stille in der Stadt herzustellen, dann gegen einen Dieb japanischer Schwerter, am Ende steht eine Anekdote über den Pinguin, der sich verliebt, aus dem Knast kommt und eine Schirmfabrik aufmacht. Außerdem gibt es eine Episode aus dem Crossover Millenium, mit dem man nichts anfangen kann, wenn man den Rest nicht kennt. Bemerkenswert sind lediglich zwei Storys: eine über einen ehemaligen Polizist, der sich für Batman hält und mit tödlicher Gewalt gegen Verbrecher vorgeht, und eine (Batman #414), in der Batman allein einen Serienmörder jagt – und dabei aus persönlichen Motiven die falschen Schlüsse zieht.

Jason Todd macht es als Robin bekanntlich nicht lange. Schon bald darauf (A Death in the Family) wird er vom Joker ermordet und von Tim Drake ersetzt (A Lonely Place of Dying). 2005 kehrt Jason als Red Hood von den Toten zurück.

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Two-Face und die Maske des Pharao

Titel: Free Faces/Binary Brains/Double Crosses/About Faces

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tom Mandrake, Gene Colan

Erschienen: 1986 (Detective Comics #563-564, Batman #397-398), Paperback 2015 (Batman Arkham: Two-Face)


„Fate has cursed me with duality — and I decided long ago that it is my ugly evil side which dominates! Similarly, Batman’s fate-given destiny is to oppose evil and ugliness.“ (Two-Face)

Harvey Dent hat in Arkham ein neues Hobby: Bildhauerei. Am liebsten Form er Batman-Büsten, die er zur Vollendung gerne halbseitig entstellt. Mittels dieses neu entwickelten Talents bricht Two-Face aus, stiehlt zwei identische Supercomputer und lässt sich ausrechnen, wo er als nächstes zuschlagen soll. Ein Münzwurf entscheidet. Seine Ziele tragen stets ein „two“ oder „double“ oder „twin“ im Namen. Aber braucht es wirklich einen Computer, um herauszufinden, dass Gotham eine Twin Towers Bank hat? Eigentlich ist Two-Face dank seines immer gleichen (wenn auch nicht bewährten) Modus Operandi der alte Gauner geblieben – und damit auch berechenbar. So spannend der Charakter wegen seiner Spaltung ist, so langweilig ist er auch in seinem Handeln. Einen großen Plan hat Two-Face nicht.

Batman hingegen schon. Er holt sich Hilfe von Circe, einer Maskierten, deren Gesicht von Black Mask entstellt worden ist. Zusammen versuchen sie, Harvey Dent in eine Falle zu locken. Ihm wird die Aussicht auf eine wundersame Heilung durch Magie aus dem Alten Ägypten verheißen. Doch als sich Two-Face die Totenmaske eines Pharao aufsetzt und Circe ihn zu hypnotisieren versucht, geht die Sache nach hinten los …

Harvey Dent erscheint mit einem wieder heilen Gesicht, doch dann reißt er sich das Make-up herunter und es offenbart sich ein total entstelltes – er hat sich eine doppelte Maske geformt. (Wozu der Aufwand?) 

Two-Face hat sich für das Böse entschieden. Er kann, so sagt er, seine Münze so oft werfen, bis er ein Resultat bekommt, das ihm gefällt. Das ist eine neue Entwicklung: Harvey ist nicht mehr Sklave seiner Münze. Seine böse Seite herrscht über ihn.

Armer Harvey!

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Trauer um Robin

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Requiem for Damian (dt. Requiem)

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Patrick Gleason

Erschienen: 2013 (Batman and Robin #18-23, Paperback 2014); dt. Panini 2014 (Paperback)


„… mother may have given me life, but you taught me how to live.“ (Damian)

Nach dem Tod von Robin IV, Damian, trauert Bruce Wayne um seinem Sohn. Viel mehr passiert hier eigentlich nicht. Batman heult sich mehr oder weniger bei seiner Familie aus: Red Robin, Red Hood, Batgirl, Catwoman, Nightwing und schließlich sogar Alfred. Zwischendrin reagiert er sich dabei ab, indem er einige Schurken vermöbelt. In einer grotesken Episode entführt er Frankenstein, um ihn zu sezieren und so herauszufinden, wie er Damian wiederbeleben kann. In einer anderen bringt er Jason Todd an den Ort seines Todes zurück (siehe A Death in the Family). Batman dreht durch – und, wie er eben so ist, er badet in Schuldgefühlen und Selbstmitleid und kasteit sich selbst, indem er Damians Tod immer wieder durchgeht.

Und dann taucht noch eine neue Figur auf: Damians Schauspiellehrerin, eine Studentin namens – Carrie Kelley. Nein, nicht genau die Carrie Kelley aus Frank Millers The Dark Knight Returns, die zum ersten weiblichen Robin wird, aber sie sieht ihr sehr ähnlich – und sie trägt einmal sogar das Robin-Kostüm, wenn auch nur auf einer Party. In Requiem wird sie von Alfred engagiert, um drei Tage pro Woche auf Damians Hund Titus aufzupassen. Bruce zeigt sich bockig.

Muss man das lesen? Nein, aber es schadet auch nicht. Denn nach dem überladenen Batman Incorporated tut es gut, wenn das Tempo rausgenommen wird und mal wieder ein paar kontemplative Storys Gelegenheit zum Durchschnaufen geben. Requiem ist stark und einfühlsam erzählt, vor allem die erste Episode, die fast ohne Worte auskommt. Da bekommen die Zeichnungen von Patrick Gleason den Raum, den sie verdienen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, und in der Leere und Weite der Panels wird die Trauer des Vaters um seinen Sohn spürbar.

Loch im Kopf

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman and Robin Vol. 4 – Dark Knight Vs. White Knight

Autor/Zeichner: Paul Cornell, Peter J. Tomasi, Judd Winick/Scott McDaniel, Patrick Gleason, Guillem March u.a.

Erschienen: 2010-2011 (Batman & Robin #17-25), Paperback 2012


„In fact, you need this exactly as much as you need a hole in the head!“ (The Absence)

Ein Comicautor hat es bestimmt nicht leicht. Ständig muss er sich irgendwelche Geschichten ausdenken, oft Auftragsarbeiten, schreiben am Fließband – da kann nicht alles gut sein, und manchmal fällt einem auch nichts ein. Leere im Kopf. Aber wie das so ist bei Kreativen: Sie machen auch aus der Not eine Tugend. Wenn man unter Schreibblockade leidet, schreibt man eben darüber. Filme wie Barton Fink oder Adaption zeugen davon. Paul Cornell, der Autor der ersten Batman & Robin-Story in diesem Band, hat die Leere im Kopf einfach wörtlich genommen – und eine Schurkin daraus gemacht.

Die Schurkin hat ein riesiges, kreisrundes Loch im Kopf. Eine Hand passt da durch. Erklärung: Ein Kopfschuss. Und die Abwässer im Gotham River, in die sie nach dem Schuss gelandet ist. Künstlername: The Absence. Oje … Superheldencomics lassen zwar selbst Tote auferstehen, aber dass ein Mensch mit einem riesigen Loch in der Stirn herumläuft (ganz zu schweigen von fehlenden Teilen des Gehirns), ohne dass wenigstens etwas dagegen unternommen wird (Implantate, Genetik, was auch immer), das ist schon sehr absurd. Die Dame sucht nämlich keinen Arzt auf, sie sucht Aufmerksamkeit. Von Bruce Wayne. Der hat nämlich mal mit ihr angebandelt, aber zu ihrer vermeintlichen Beerdigung bloß Rosen geschickt, statt da zu sein. Und so müssen sich Batman (Dick Grayson) und Robin mit der Irren herumschlagen. Dass am Ende dann doch alles anders ist, macht die Story nicht klüger.

Heimkino-Abend mit der Bat-Familie

Dabei fängt es mit dem Dynamischen Duo gut an: Dick Grayson ist das typische Großmaul, das bei seinen Einsätzen ebenso viele Hiebe wie lockere Sprüche austeilt, Damian ist der grimmige Wunderknabe. Am Anfang sind die pointierten Dialoge noch der Lichtblick der Story. Und dann gibt es noch eine schöne Sequenz, in der Bruce Wayne mit der Familie The Mark of Zorro schaut. Dabei wird klar, warum das Schauen des Films kein Trauma, sondern bloß schöne Erinnerungen bei Bruce weckt.

Aber fragt man sich nach dem ersten Teil: Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann. In der dritten Story, einem Wiedersehen mit Jason Todd alias Red Hood (siehe Batman & Robin Vol. 1), taucht die Schurkentruppe The Menagerie auf, die aus Leuten mit Tierköpfen besteht: Löwen, Tiger und – einem T-Rex. Muss ich wirklich weitererzählen? Na gut, machen wir’s kurz: Sie befreien Jason aus dem Knast, er befreit seinen Sidekick Scarlet aus ihren Fängen und kommt mit ihr frei. Höhepunkt: Jason zieht sich bis auf die Haut aus – und, was erstaunlich ist, blitzschnell wieder an. Egal, vergesst es einfach, weiter geht’s.

Die einzige Story, die hier allein der Rede wert ist (ich habe schon zu viele Worte für diesen Band verbraucht), ist die Titelstory. Sie hat einen interessanten Ansatz: Ein neuer selbsternannter Rächer bringt die Angehörigen der Arkham-Schurken um. Dabei verpasst er ihnen Flügel, damit sie sofort als Engel in den Himmel kommen können. Die Idee ist reizvoll, aber in drei Ausgaben hat sie nicht viel Platz, um sich zu entfalten. Der Autor der Story, Peter J. Tomasi, ist es dann auch, der die Serie nach dem Relaunch/Reboot The New 52 fortführt. Gute Wahl. Trotzdem kann man auf diesen Band verzichten.

(Hinweis: Nicht in diesem Band enthalten ist Batman & Robin #26, die letzte Ausgabe vor dem Relaunch 2011.)

Der erste Tod des Wunderknaben

DC Comics

DC Comics

Titel: Dark Knight Returns – The Last Crusade

Autor/Zeichner: Frank Miller, Brian Azzarello/John Romita Jr.

Erschienen: 2016 (One-shot)


„What kind of lifestyle is that to a child? And what’s that say about the man behind it?“

Prequels sind verdächtig. Eine nachgeschobene Vorgeschichte? Das ist ein Widerspruch in sich. Ein Prequel wirkt immer plump, verursacht Unstimmigkeiten und ist auch langweilig, weil man weiß, worauf es hinausläuft. Es ist nichts als Beiwerk, eine unnötige Zugabe, die so tut, als wäre sie die Ouvertüre. Gibt es auch nur ein Prequel, das wirklich nötig gewesen wäre? Abgesehen von Origins fällt mir keines ein. Man kann bei einem Prequel eigentlich nur froh sein, wenn es halbwegs glückt und nicht das Original ruiniert.

The Dark Knight Returns ist so ein Original, das nicht nur in der Batman-Geschichte wie ein Monolith dasteht, sondern auch einen Comic-Meilenstein bildet. Es gibt nichts daran auszusetzen, es ist ein unantastbarer Klassiker, der bis heute nachwirkt (wie etwa in Batman v Superman). 15 Jahre lang kam Frank Millers Batman ohne Fortsetzung aus, dann kam der unsägliche zweite Teil, The Dark Knight Strikes Again, der keine der Qualitäten seines Vorgängers hatte. Weitere fast 15 Jahre später begann man mit DK III, und es zeichnet sich schon nach der Hälfte ab, das man auch diesen Teil sich hätte sparen können.

Jason stirbt nochmal

Mitten hinein in das Erscheinen dieser Mini-Serie (nach vier Monaten Verspätung) bringen Frank Miller und Brian Azzarello The Last Crusade, ein Prequel, das zwei Fragen beantwortet, die eigentlich eine ist: Wie ist es dazu gekommen, dass Bruce Wayne aufgehört hat, Batman zu sein? Und: Wie ist Robin Jason Todd (zum ersten Mal) gestorben? Zwei Fragen, die man nicht unbedingt hätte beantworten müssen. The Dark Knight Returns war auch so klar genug. Aber gut, nun ist der Comic nun mal da – warum auch immer.

Das Problem daran ist: Die Comicleser sind bereits Zeuge von Jasons Tod geworden. Nicht lange nach Miller haben die Fans ihn in der regulären Continuity (A Death in the Family) sterben lassen, nachdem der Joker ihn mit einem Brecheisen verdroschen hat. Um nicht eine zu ähnliche Story zu erzählen, konzentrieren sich die Autoren in Last Crusade auf Introspektion als auf einen ausgeklügelten Plot, der auf das bekannte Ende aus ist.

Handlung ist Nebensache

Bruce Wayne wird allmählich zu alt für den Job als Batman, er macht Fehler und kann nicht mehr mithalten. Trost sucht er im Bett von Selina Kyle (Catwoman). Während seiner Einsätze sieht er dabei zu, wie Jason immer skrupelloser wird und sogar eine blutrünstige Freude versprüht. Kurz gesagt: Robin wird so brutal und zynisch wie der Joker. Der Schurke wird zu Beginn des Comics in Arkham eingeliefert und bricht nach einigen Grausamkeiten mithilfe der übrigen Insassen, die er gegen die Wärter aufwiegelt, wieder aus. Währenddessen geht Batman einem Fall nach, aber der ist irrelevant, die Figuren austauschbar. Nach zwei Prügeleien mit Killer Croc und einer Rauferei mit Poison Ivy ist Bruce am Ende zu fertig, um nach dem Joker zu suchen. Also bricht Jason heimlich alleine auf. Doch er kommt nicht weit: Noch bevor er den Joker erreicht, wird er von dessen Handlangern erschlagen. Zum Schluss wird angedeutet, dass der Joker ihm den Rest geben wird: „Oh, the fun we’re going to have, little boy … the fun.“

Dass es bei dieser Andeutung bleibt, ist sowohl der stärkste als auch der schwächste Aspekt an Last Crusade. Denn das, was erzählt werden soll, wird nicht erzählt. Einerseits unbefriedigend, andererseits hat man es schon ähnlich gesehen – und kann in diesem Fall auch auf die Details verzichten. In diesem unauflöslichen Widerspruch bleibt die Story stecken. Robins letzter Kreuzzug findet nicht statt. (Und Bruce hat noch einige vor sich.) Und damit beraubt sich dieser Comic seiner Daseinsberechtigung.

Robins als Kanonenfutter

Seltsam ist auch, dass Bruce zwar – wie so oft bei Miller – viel grübelt und sich bei Selina und Alfred ausspricht, aber nie Jason für seine zweifelhaften Aktionen kritisiert. Kritik kommt von außen: Allein im Fernsehen wird problematisiert, dass Batman fahrlässig handelt, indem er Robin an seiner Seite kämpfen lässt. Kindesgefährdung wird ihm vorgeworfen. Obwohl Bruce den Beitrag hört, hinterfragt er sein Handeln nicht. Seine einzige Sorge ist, dass Robin noch nicht so weit ist, sein Erbe als Batman anzutreten. Das macht Bruce umso zweifelhafter. Allein sein späterer Ruhestand entschuldigt sein Handeln in gewisser Weise – aber auch dann wiederholt er seinen Fehler mit Carrie Kelley. Bei aller Anteilnahme und Reue: Robins sind für ihn bloß Kanonenfutter („good soldier“).

John Romita Jr., der schon Frank Millers Daredevil: The Man Without Fear gezeichnet hat, orientiert sich optisch stark an seiner Vorlage, auch wenn er den Hintergründen mehr Details gönnt. Ebenso die Farben erinnern stark an The Dark Knight Returns, sind aber differenzierter, was den Panels mehr Tiefe verleiht. Ein besonderes Panel wird davon jedoch nicht in Erinnerung bleiben.

Braucht man also Last Crusade? Nein. Denn leider fügt dieses Comic dem Dark Knight-Epos nichts Nennenswertes hinzu. (Denn was ist einem Meisterwerk schon hinzuzufügen?) Aber es ist wie so oft mit der Kunst: Man braucht sie nicht, aber da sie schon mal da ist, kann man mal einen Blick drauf werfen. Es kann nicht schaden. Man verpasst aber auch nichts, wenn man’s lässt.

>>> Eine Vorschau auf das Heft und Variant Cover gibt es hier.

Wunderritter und Dunkler Knappe

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman & Robin Vol. 1 – Batman Reborn

Autor/Zeichner: Grant Morrison/Frank Quietly, Philip Tan

Erschienen: 2009-2010 (Batman & Robin #1-6), Paperback 2010; dt. Panini 2011 (Paperback)


„Let the punishment fit the crime.“ (Red Hood)

Das neue Dynamische Duo ist das Gegenteil des alten: Ein heiterer Batman und ein grimmiger Robin. Man könnte auch sagen: Wunderritter und Dunkler Knappe. Doch sowohl Dick Grayson als auch Damian Wayne haben eigentlich keine Lust auf den Job. Dick leidet immer noch unter der Bürde seiner Rolle und Damian akzeptiert ihn nicht als Autorität. Dennoch müssen sie als Team miteinander klarkommen und ihre ersten Abenteuer schweißen sie zusammen. In den ersten drei Ausgaben geht es gegen den Psycho-Metzger Professor Pyg, der Drogen und biologische Kampfstoffe herstellt und eine Vorliebe für Chirurgie hat. Im zweiten Teil kehrt (nach seiner Niederlage im Battle for the Cowl) Jason Todd als Red Hood zurück und versucht erneut, das Verbrechen ein für alle mal auszumerzen. Dieses mal unterstützt ihn ein Sidekick: ein entstelltes Mädchen namens Scarlet. Damit haben Batman und Robin ihr Gegenstück gefunden.

Batman und Robin geraten in Gefangenschaft und werden beinahe nackt der Öffentlichkeit präsentiert, aber wie gut, dass Damian so gut mit Knoten umgehen kann, sodass die Dramatik der Situation so schnell verflogen wie sie aufgekommen ist. Wir bekommen eine Reihe neuer Schurken präsentiert: zuerst einen Haufen Zirkusfreaks wie einen Krötenmenschen und siamesische Drillinge, dann den pinken Profikiller Flamingo, der gerne die Gesichter seiner Opfer verspeist. Abgesehen von dem vielen Blut, das bei der Metzelei fließt, geht es sehr bunt und schrill zu, aber auch zuweilen überdreht und überstürzt. Immerhin bleiben ein paar Momente, in denen Dick Grayson ein wenig über sein Dasein als Batman jammern darf und von Alfred wieder aufgemuntert wird. Ein bisschen Witz lockert das Ganze auf.

In diesem Band zeichnen Frank Quietly und Philip Tan jeweils die Hälfte. Quietlys Stil ist mit seinen vielen Runzeln und Falten der speziellere, Philip Tans Stil ist deutlich düsterer und erinnert sehr an Tony Daniel. Auffällig ist, dass die meisten Panels sich über die gesamte Seitenbreite erstrecken und untereinander angeordnet sind (vgl. Darwyn Cookes DC: The New Frontier).

Batman Reborn ist eine kurzweilige Unterhaltung, die keinen tieferen Eindruck hinterlässt. Vielleicht erklärt das den Erfolg: leichte Kost, die schnell geschluckt und schnell verdaut ist.

Erbstreit in der Familie

DC Comics

DC Comics

Titel: Battle for the Cowl

Autor/Zeichner: Tony S. Daniel

Erschienen: 2009 (Mini-Serie #1-3, Gotham Gazette: Batman Dead?/Batman Alive?), Paperback 2009


„The citizens of Gotham are looking for a savior.“

Seit Batman tot ist (oder wenigstens verschwunden, vgl. Final Crisis) herrscht in Gotham City das Chaos: Während sich die Banden von Pinguin und Two-Face bekriegen, heizt Black Mask die Stimmung noch zusätzlich auf. Er befreit die Insassen von Arkham Asylum, um sie für seine Sache einzuspannen, und jagt die Anstalt daraufhin in die Luft. Die verbliebene Batman-Familie bekommt Unterstützung vom „Network“, einem Zusammenschluss von Aushilfshelden. Nightwing (Dick Grayson) weigert sich, Batmans Nachfolge anzutreten, weil er Angst hat vor dem Scheitern. Andere Robins haben weniger Skrupel, die Fledermaus zu beerben, wie Tim Drake und Jason Todd – auch wenn letzterer nicht in Bruce Waynes Sinne handelt. Es kommt zum Kampf zwischen Dick und Jason. Am Ende ist ein neuer Batman gefunden.

Battle for the Cowl ist eine Übergangsstory, die dafür sorgt, dass Nightwing zu Batman wird. Und so liest sich die Geschichte auch: als leichte Unterhaltung für zwischendurch. Tony S. Daniel erweist sich erneut als Zeichner vor Kraft strotzender Astralkörper und spektakulärer Kampfszenen, aber als schwacher Erzähler. Zu abgehetzt und zu dicht vollgepackt wirkt die verhältnismäßig kurze Geschichte, vieles bleibt bloß angerissen, ohne erklärt zu werden. Die vielen Helden spielen nur eine marginale Rolle und nicht alle auf dem Cover kommen darin vor. Immerhin arbeitet der Autor den Grundkonflikt zwischen den beiden Batman-Rivalen ausführlich heraus.

Ergänzt wird die rasante Hauptgeschichte durch eine fade Nebenstory um Nebenfiguren wie Spoiler, Leslie Thompkins, Harvey Bullock und Vicky Vale. Man begreift nicht ganz, was das Ganze soll, bis am Ende die Reporterin endlich herausfindet, dass wer Bruce Wayne, Dick, Tim und Barbara Gordon wirklich sind. Das hat lange genug gedauert …

Batman und der vorletzte Kreuzzug

DC Comics

DC Comics

Ein dritter Teil ist nicht genug. Einige Tage vor der ersten Ausgabe von Dark Knigth III: The Master Race kündigt DC Comics ein Prequel an: Dark Knight Returns – The Last Crusade soll ein 64-Seiten-One-Shot werden, das über zehn Jahre vor dem ersten Teil von 1986 spielt. Die Story, von Frank Miller und Brian Azzarello geschrieben, wird von John Romita Jr. (Daredevil: The Man Without Fear) gezeichnet und erzählen, wie Robin Jason Todd im Dark Knight-Universum zu seinem Ende kam. Wie das Cover zeigt, wird dabei der Joker eine wichtige Rolle spielen. Die Veröffentlichung ist für den 17. Februar 2016 angesetzt. Ein Interview mit Romita, der auch ein Variant Cover zu DK III beisteuert, gibt es hier.

DC Comics

DC Comics

Die Nachricht ist mit gemischten Gefühlen verbunden: Einerseits war ein erster Teil genug, der zweite überflüssig und enttäuschend und alle Hoffnung ruht jetzt auf dem dritten; ein Prequel erscheint da erst recht wie zu viel des Guten – auch angesichts der riesigen Marketingmaschine, die DC mit seiner Flut an Variant Covern betreibt. Andererseits ist auch diese Welt ein Universum für sich und daher auch unendlich erweiterbar. Schließlich wollen die Fans beides: Pflege ihres Kults, aber auch ständig Neues. Die unendliche Geschichte von Batman muss immer weiter gehen. Auch wenn das manchmal heißt, einen Schritt zurück zu machen.

Leider sind Prequels schon deshalb weniger interessant, weil man bereits weiß, wie die Geschichte ausgeht, und weil sie die Leerstellen ausfüllen, die bislang von der Fantasie der Leser zu füllen sein konnte. Und braucht es noch eine Version von Jasons Todds Tod? Allerdings muss man dazu anmerken, dass Frank Miller 1986 diesen Tod schon vorweggenommen hat, bevor er tatsächlich innerhalb der offiziellen Batman-Continuity eingetreten ist (in A Death in the Family). Und schließlich ist das keine besonders gute Story gewesen. Eigentlich eine ziemlich miese. Vielleicht wird jetzt endlich eine Variation dieser Geschichte geliefert, die würdiger und zeitgemäßer erscheint.

Vom Rotkehlchen zum Rotkäppchen

Warner Bros.

Warner Bros.

Titel: Under the Red Hood

Drehbuch: Judd Winick

Erschienen: 2010 (Direct-to-Video)


„Ich hätte mich niemals mit einem Wahnsinnigen verbünden dürfen.“ (Ra’s al Ghul)

Fünf Jahre nach der umstrittenen Storyline Under the Hood wurde der Comic verfilmt, allerdings unter dem Titel Under the Red Hood, was danach auch für den Comicsammelband übernommen wurde. Der Film tut, was Filme so tun: Er lässt viel aus. Man könnte auch sagen: Er verdichtet. Und das tut dem Stoff sehr gut.

Kurz gesagt: Es geht darum, wie das ehemalige Rotkehlchen Jason Todd (Robin II) über den Umweg des Todes zum mörderischen Rächer, dem Rotkäppchen Red Hood, wird. Es beginnt mit dem obligatorischen Robin-Mord durch den Joker. Statt die Story von A Death in the Family nachzuerzählen (Jasons Suche nach der Mutter, Reise in den Libanon etc.) wird hier kurzer Prozess gemacht: Der Joker vermöbelt gerade Robin mit der Brechstange, Batman eilt zu Hilfe, aber er kommt zu spät. Irgendwas hat die Sache mit Ra’s al Ghul zu tun, der offenbar gemeinsame Sache mit dem Joker macht. Und dieser Aspekt ist die wohl beste Entscheidung für den Film: So hat man gleich den Protagonisten eingeführt, der für Jason mit der Lazarus-Grube wiederbelebt. Kein metaphysischer Schicksals-Unsinn wie im Comic ist für die Auferstehung verantwortlich, sondern ganz einfach Ra’s selbst, weil er Schuldgefühle hat, für Jasons Tod mitverantwortlich zu sein. Als Leser und Zuschauer fragt man sich: Warum nicht gleich so?

Der weitere Hauptunterschied ist, dass der Joker eine viel größere Rolle spielt. Nicht bloß als Racheobjekt für Jason alias Red Hood, sondern auch dass Black Mask Joker als Auftragskiller für Red Hood anheuert. Der Joker ist gewalttätiger als je zuvor in einem Animationsfilm, er tötet plötzlich einige von Black Masks Männern – nur mit einem Wasserglas und nur weil er gerade Lust dazu hat. Der Part mit Mr. Freeze wird weggelassen, ebenso die Gastauftritte anderer Helden und Schurken, zum Beispiel Deathstroke. Dafür gibt es ein Attentat einer neuen Gruppe: The Fearsome Hand of Four. Batman und Nightwing kämpfen gemeinsam gegen den Androiden Amazo, der auch schon im Comic vorkommt. Trotz der zusätzlichen Gewalt sind andere Szenen entschärft, zum Beispiel die, in der Red Hood eine Tasche voller Köpfe in eine Gangsterversammlung wirft. Im Comic sieht man, was drinsteckt, im Film muss es Red Hood sagen. Einige Rückblenden, in der Robins Anfangszeit nachgereicht werden, vom Räderklau bis hin zu einer kurzen Begegnung mit dem Riddler, sorgen für die emotionale Tiefe der Charaktere.

Under the Red Hood übernimmt das Beste aus den Comics, verdichtet es und fügt einige neue Ideen hinzu. Daraus entsteht ein in sich stimmiges Ganzes, das auch dank der hervorragenden Animation zu fesseln vermag.