Tim Drake

Pax Batmana

DC Comics

Titel: Batmen Eternal

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Javier Fernandez, Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2018 (Detective Comics #975-981),  Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 7)


„Batman doesn’t have to be eternal.“

Regelmäßige Leser werden sich denken können, dass ich mich auf dieses Heft gefreut habe. Nicht, weil die Geschichte hier ihr Finale findet, sondern weil sie zu Ende geht. Nein, ich bin wirklich kein Fan von Detective Comics, seit 2011 ist das meine ungeliebte Serie. Im Falle der aktuellen Storyline von James Tynion IV bedeutet der siebte Band das Ende von

  • langen Monologen und endlosen Dialogen,
  • exzessivem Einsatz von Doppelseiten, bei denen man nie weiß, wie man lesen soll,
  • faden, aber unnötig ausgebreiteten Nebenschauplätzen,
  • einer Story, die zu wenig Batman zu bieten hat.

Was bisher geschah: Batwoman hat Clayface erschossen, nachdem er Amok gelaufen war. Jetzt steht sie am Pranger. Batman beruft die Familie zusammen, um darüber zu beraten, was mit Batwoman geschehen soll – allerdings ohne Batwoman. Man ist sich uneins. Die „Angeklagte“ verbündet sich in der Zwischenzeit wieder mit ihrem Vater und der Colony, seiner Batmen-Armee, um künftig global für Recht und Ordnung zu sorgen. Tödliche Gewalt soll nur noch die Ausnahme sein. Batwing und Azrael schließen sich ihr an (auch wenn Azrael in Band 1 fast von der Colony ermordet worden wäre).

Ulysses Hadrian Armstrong, dem ehemaligen Programmierer der Colony, hat derweil andere Pläne für ein eigenes Batman-Netzwerk. Dafür versucht er Red Robin (Tim Drake) auf seine Seite zu ziehen, der ohnehin seine Allmachtsfantasie der Verbrechensbekämpfung nicht aufgeben will. Ulysses benutzt die Technik des finsteren Tim Drake-Batman der Zukunft, den wir bereits in Band 5 (A Lonely Place of Living) kennenlernen durften. Ums kurz zu machen: Ulysses dreht durch und wird zum General, und damit seinem Vorbild aus dem Prelude zu Knightfall sehr ähnlich (ein Wandel, der sich schleichend vollzieht). Er hackt sich in die Colony und dann gehen die Probleme erst richtig los. Und alle wollen das Gleiche: die Pax Batmana, den großen Frieden im Zeichen der Fledermaus …

Kurz gesagt: Hier schließt sich der Kreis zu Band eins. Hier kommen nicht nur die wichtigsten Handlungsfäden zusammen, sondern auch fast alle Mitglieder des ursprünglichen Teams. Wer den ersten Band mochte, wird hier einen actionreichen Abschluss finden, allerdings ist es wichtig, zumindest auch Band 5 gelesen zu haben, um der Handlung folgen zu können.

Mich irritiert das viele Hin und Her der Figuren. Ständig ändern sie ihre Meinung, auf welcher Seite sie stehen, wie es gerade für die Story passt. Nicht nur Batwing und Azrael, auch andere Charaktere werden in kürzester Zeit von Freunden zu Feinden und umgekehrt. Batwomans großer Tabubruch scheint zum Schluss plötzlich vergessen, Kathy Kane sitzt gemütlich mit Bruce beim Essen und alles scheint wieder gut. Ich verstehe auch nicht, warum Batwomans Vater, der eigentlich ein Verbrecher ist, am Ende wieder den Mentor seiner Tochter spielt.

Auch dieser Abschluss ist jedoch so geschwätzig wie die übrigen Bände, drei lange Epiloge gibt es zum Schluss, sodass das Ganze kein Ende zu nehmen scheint. Aber immerhin löst sich alles so gut auf, dass wir so bald keine Batman-Soap wie diese mehr zu erwarten haben. Das dürfte die wahre „Pax Batmana“ sein …

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Tim Drake gegen sich selbst

DC Comics

Titel: A Lonely Place of Living

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2017 (Detective Comics #963-968), Paperback 2018 (Detective Comics Vol. 5)


Red Robin (Tim Drake) ist scheinbar tot. Aber wir wissen es besser: Er ist nur gefangen an einem mysteriösen Ort. Sein Entführer stellt sich heraus als ein alter Bekannter aus Supermans Vergangenheit. Tim befreit sich aus dem Gefängnis, aber nicht von der Frage, warum er hier ist. Er bekommt bloß kryptische Antworten, damit es für die Leser länger spannend bleibt. Und noch bevor man sich fragen kann, was das alles soll, taucht plötzlich Batman auf. Ein Batman, der sich als der Tim Drake der Zukunft herausstellt. Und dieser geht mit Schusswaffen über Leichen: Er will Batwoman töten, um eine schlimme Entwicklung aufzuhalten. Der junge Tim Drake kämpft gegen sein älteres Gegenstück.

Und wieder sind sie alle dabei: Alle ehemaligen und amtierenden Robins (Nightwing, Red Hood, Damian Wayne), die Frauen Batwoman und Orphan sowie drei Außenseiter Batwing, Azrael und Clayface. Heillos überladen mit Figuren für eine dünne und auch schnell abgefertigte Handlung. Später gibt es noch ein kurzes Nachspiel mit Spoiler, Bluebird und Anarky. Letzterer will eine neue Gesellschaft in Gothams Untergrund aufbauen. Gleichzeitig dreht Clayface durch – er war doch keine besonders gute Wahl für die Batman-Familie.

A Lonely Place of Living ist eine Hommage an A Lonely Place of Dying, die Storyline, in der Tim Drake als Robin eingeführt wurde. Damals ging es um Batmans Nachfolger nach dem Tod von Jason Todd, jetzt kehrt einfach Tim selbst von den Toten zurück. Zugleich stellt die Story – wie auch die zuvor und wie es überhaupt seit drei Jahrzehnten Mode ist – Batman und seine Methoden infrage. Batman wird immer wieder zum Auslaufmodell erklärt und gleichzeitig doch immer wieder neu in den Comics etabliert. Warum eigentlich? Wegen der Tradition. Batman legitimiert sich aus sich selbst heraus, aus seiner 80-jährigen Geschichte, den Traditionen und seinem Status in der Popkultur. Daher stützen sich viele moderne Batman-Comics immer wieder auf ältere Comics. Batman steckt, wie andere Superhelden auch, im Leerlauf einer Retroschleife.

Aber es gibt ja auch die visuelle Komponente: Die Zeichnungen sind grandios, Eddy Barrows gehört zu den besten Batman-Zeichnern der Gegenwart. Das hält bei Laune wie die billigen Tricks, zu denen etwa ein Gastauftritt von Doomsday gehört. Die Story unterhält auf einem durchschnittlichen Niveau, wie immer wird zu viel geschwätzt. Aber dieser Band unterhält dennoch etwas besser als die letzten drei. Und langsam fügen sich die bisher erschienen Teile der Detective-Serie zu einem größeren Plot zusammen, der in den nächsten Ausgaben (hoffentlich) aufgelöst wird. Eins ist klar: Die Batman-Familie wird zerfallen. Ich freue mich schon drauf. Dann ist auch Zeit für einen Autorenwechsel.

Bisher erschienen:

 

Knightfall #11: Troika

Bruce Wayne ist wieder da – ganz in schwarz. Nur noch das Logo auf der Brust und der Gürtel sind gelb. Was ihn zu dem Stilwechsel bewogen hat, bleibt genauso ein Rätsel wie warum und wohin er verschwunden ist. Und schon gibt es Ärger in Gotham: Vier Russen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nichts Besseres zu tun haben, wollen Gotham beherrschen: Colonel Vega, Dark Rider, KGBeast und Romana Vrezhenski. (Obwohl es vier sind, nennen sie sich „Troika“ – noch so ein Rätsel …) Eine Atombombe in einem Baseball soll dabei helfen.

Schon in Prodigal hat die neue Russengang versucht, Wayne Enterprises zu erpressen. Nachdem Lucius Fox sie rausgeworfen hat, rächten sie sich, indem sie zwei Wachmänner niederschossen. Seitdem war nichts mehr davon zu hören. Jetzt nimmt sich Batman einen nach dem anderen vor. Dann taucht Romana, ein wandelndes Klischee mit einem roten Stern auf der Stirn und Pelzmütze, wieder bei Lucius Fox auf und versucht es erneut mit Erpressung. Dabei erweist sie sich als schlecht vorbereitet, weil sie nicht einmal Bruce Wayne erkennt (obwohl er ihr irgendwie bekannt vorkommt). Und es kommt noch dümmer: Um Lucius Fox zu finden, fährt sie zu ihm nach Hause – obwohl sie ihn auch gleich im Büro hätte mitnehmen können.

Das Finale: KGBeast richtet auf einem Chemie-Gelände großen Schaden an und spielt mit dem Gedanken, den Atom-Baseball fallenzulassen. Während Robin das zu verhindern versucht, kabbelt sich Batman mit Romana im Haus der Foxes. Und Harvey Bullock wird schwer verletzt, weil er sich mal wieder sinnbefreit in die Gefahr stürzt.

Troika hat nicht nur nichts mit Knightfall zu tun, es ist auch ein ziemlich einfallsloser Neuanfang für Bruce Wayne. Es fehlt die emotionale Komponente wie bei KnightsEnd, wir kehren wieder zurück zur Routine. Statt Ideen gibt es vor allem Löcher im Plot und Russenklischees. Hier und da sind ein paar kapitalismus- und US-kritische Parolen eingestreut, aber ein politisches Bekenntnis lässt sich daraus nicht ableiten. Nach der Enttäuschung von Prodigal kann man sagen: Man hätte sich die Lektüre nach dem furiosen KnightsEnd sparen können.

Back in Black: Batman.

Eine Anmerkung am Rande: Batman #515 ist erstmals gezeichnet von Kelley Jones. Dieser hatte bisher nur einige (Knightfall-)Cover für die Serie gestaltet. Mit dieser Ausgabe beginnt auch die reguläre Zusammenarbeit mit Autor Doug Moench für die Batman-Serie. Mit ihm hatte er zuvor die Elseworlds-Storys Red Rain: Batman vs. Dracula (1991), Dark Joker: The Wild (1993) und Bloodstorm (1994) gemacht. Die Moench-Jones-Comics der Batman-Serie sind auf Deutsch im Dino-Verlag erschienen, auf Englisch gibt es einen Sammelband (2014), der in diesem Jahr eine Fortsetzung bekommen soll.

Jones ist bekannt für seinen düsteren Stil, der viel mit Schatten arbeitet und sich auf die Darstellung des Grotesken spezialisiert. Realismus sieht anders aus: Batman hat bei Jones immer übertrieben lange Ohren und riesige Capes, die beinahe ein Eigenleben zu entwickeln scheinen. Seine Gesichter sind oft verzerrt und gerade das Hässliche wirkt stets besonders abstoßend. Ein gewöhnungsbedürftiger Stil, der ebenso Fans hat wie Feinde.

Mehr zu Knightfall:

Knightfall #10: Prodigal

Bruce Wayne tut, was er schon früher hätte tun sollen: Er macht Dick Grayson zum neuen Batman. Und dann ist er weg. Wohin auch immer. Dick, der sich darüber beklagt hatte, dass Bruce zunächst den gestörten Jean Paul Valley zu Batman gemacht hatte, übernimmt seine Rolle ohne zu zögern. Aber dann hadert er doch mit sich …

Zunächst darf er sich mit ein paar einfachen Übungen eingewöhnen: Killer Croc, Bauchredner/Scarface, Ratcatcher – alles Episoden, die innerhalb von einer Heftlänge erledigt werden und zwar so belanglos, dass sie sofort in Vergessenheit geraten.

DC Comics

Dann aber kommt Two-Face durch einen Justizfehler frei (er wird mit einem Harvey Kent verwechselt) und beschäftigt Batman und Robin über vier Kapitel. Two-Face will das Justizsystem auslöschen, also massakriert er zunächst ein Dutzend Staatsanwälte und vernichtet dann die digitalen Akten (mit einer Kettensäge). Batman und Robin sind ratlos: Was hat Two-Face vor? Weil das nicht in sein übliches Dualitäts-Schema passt, haben sie keine Ahnung. Dabei kann man es sich leicht denken. Erst sehr spät, zu spät kommt Tim drauf, dass Two-Face auch das analoge Aktenarchiv zerstören will. Batman muss einen Aufstand in Blackgate verhindern – kein Problem. Als Tim gefangen genommen wird (wie erfahren wir nicht, egal), muss Batman Two-Face entgegentreten. Dick Grayson, der schon als Robin schleche Erfahrungen mit dem Schurken gemacht hat, bekommt es mit der Angst zu tun, aber meistert seine Aufgabe schließlich überraschend einfach mit einem Gabelstapler …

Keine Story für eine Two-Face-Anthologie. Auch wenn es mit „Harvey Kent“ einen interessanten Bezug zu seinem ursprünglichen Namen hat (erst später wurde er in Dent umbenannt), ist seine Faszination zum Binärcode von Rechnern eine Idee, die bereits 1986 aufgegriffen wurde – übrigens vom gleichen Autor (Doug Moench).

Im letzten Drittel kommt wieder Kleinkram: Drei Gauner, die man noch nie gesehen hat, nie wiedersehen und auch nicht vermissen wird, ein Wiedersehen mit dem Tally Man (Batman lässt sich von ihm wie ein Amateur gefangen nehmen), dann schließlich noch ein austauschbarer Schurke in einer Rüstung mit Flügeln, der Robin an einer Leine durch die Stadt zieht. Außerdem muss sich der Leser durch belanglose Episoden aus Robins Teenager-Alltag kämpfen.

Am Ende taucht endlich wieder Bruce Wayne in der Bathöhle auf. Einfach so. Aus dem Nichts. Wo er war, warum er zurück ist? Keine Ahnung. Dick macht ihm Vorwürfe (die gleichen wie zuvor), Bruce gibt zu, Fehler gemacht zu haben. Und dann ist wieder alles gut. Dick wird wieder Nightwing, Bruce wird wieder Batman.

Prodigal ist ein unnötiger, überlanger Anhang an die große Knightfall-Saga. Keine Storyline, sondern – wie schon Knightquest: The Crusade – eine Reihe kurzer Storys mit dem Rahmen des Haderns mit der Batman-Rolle. Im Rückblick funktioniert Knightfall periodisch: Teil 1 ist stark, Teil 2 schwach, Teil 3 wieder stark, Teil 4 (Prodigal) wieder schwach – mit dem Unterschied, dass Knightquest der Story noch einige wichtige Aspekte hinzugefügt hat, aber Prodigal ist einfach nur überflüssig.

Mehr zu Knightfall:

Knightfall #5: Broken Bat

Bane befreit alle Insassen aus Arkham Asylum und in Gotham bricht das Chaos aus. Der angeschlagene Batman nimmt sich einen nach dem anderen vor: Mad Hatter, Ventriloquist (Bauchredner), Szasz, Firefly, Poison Ivy und noch ein paar Zweitligisten. Helfen lassen will er sich nicht, aus falschem Stolz heraus meint er, alles allein zu schaffen. So denkt übrigens auch Bane, der Batman für sich haben will, nur dass der besser in Form ist (auch dank der Droge Venom) und Hilfe von Handlangern in Anspruch nimmt. Joker und Scarecrow verbünden sich, entführen den Bürgermeister Krol und lassen ihn unter Einfluss von Angstgas noch mehr Unheil stiften. Auch die Polizei kommt nicht mehr hinterher. Am Ende, als Batman den Bürgermeister gerettet hat, steht Batman noch erschöpfter da als am Anfang. Dann lässt Bane auch noch seine Schergen Trogg, Zombie und Bird auf ihn los. (Zwischendurch wird noch Robin von Bane gefangen genommen, nachdem er sich befreit hat, überwältigt er den Riddler.)

Man fragt sich: Was soll noch alles passieren? Kann es noch schlimmer werden? Ja, es kann: Bane will Batman brechen. Und beim Showdown in der Bathöhle passiert genau das. Das Finale ist dramatisch und furios: Alfred ist sein erstes Opfer, dann schlägt er Batman das letzte Bisschen Lebenskraft aus dem Körper und bricht ihm schließlich das Rückgrat. Dabei zerlegt Bane einige Symbole aus Wayne Manor und der Bathöhle, die alte Uhr, die Vitrine, in der Jason Todds Robin-Kostüm aufbewahrt wird, er lässt den Riesenpenny auf Batman fallen.

Nicht von ungefähr wurde der finale Stoß so ikonisch, dass er in den folgenden Jahren totzitiert wurde:

Aber auch über die Cover hinaus scheint es kaum einen Auftritt von Bane zu geben, bei dem er nicht jemanden übers Knie legt – oder selbst den Rücken gebrochen bekommt. Im Jahr 2012 wurde das Comic-Ereignis in The Dark Knight Rises verfilmt. Noch in I Am Suicide (DC Rebirth) springt er zunächst Batman ins Kreuz, dann revanchiert sich Catwoman mit der gleichen Geste. Bei aller Liebe zur Tradition und Verehrung für Figur: Dadurch nutzt sich die ikonische Szene zum Klischee ab.

Aber zurück zum Ursprung: Für Batman wird Bane zu einem Trauma so wie einst der Mord an seinen Eltern oder der Verlust von Jason Todd. Interessant ist, dass Bane im Gegensatz zu anderen Schurken keine Vorgeschichte mit Batman hat. Er ist einfach plötzlich da und rücksichtslos macht er Batman fertig, zuerst psychisch und dann körperlich, ohne persönlich einen Groll gegen ihn zu hegen. Bane hat schlimmer gelitten als Bruce Wayne und hat sich selbst daraus befreit, er ist ebenso besessen, er ist im geistig ebenbürtig und körperlich überlegen. Bane verkörpert damit die reine Willkür des Bösen und steht auch für Batmans Machtlosigkeit. So kommt es zur ultimativen Demütigung. Batman zu töten wäre zu einfach, deshalb lässt Bane ihn als gebrochenen Mann leiden. Ein denkwürdiges Stück Comic-Geschichte.

Knightfall: Broken Bat (Batman #491-497, Detective Comics #659-663) ist vollständig im Paperback Knightfall Vol. 1 enthalten sowie in Knightfall Bd. 1 von Panini.

Mehr zu Knightfall:

Vom Donut-Dieb zum Wunderknaben

Tim Drakes erster Auftritt als Robin

Titel: Sins of the Father/Old Wounds (dt. Tim/Alte Wunden)

Drehbuch: Rich Fogel

Erschienen: 1997/1998 (The New Batman Adventures S01E02/017)


„Die Dinge ändern sich.“ (Batman/Nightwing)

In der dritten Staffel von Batman TAS gibt es zunächst keinen Robin mehr. Warum, erfährt man später. Doch in der zweiten Folge tritt bereits ein Nachfolger an: Tim Drake. Seine Geschichte orientiert sich jedoch nicht an A Lonely Place of Dying, sondern erinnert an dem Werdegang von Jason Todd, dem zweiten Robin aus den Comics. Tims Vater ist ein Gauner, der für Two-Face gearbeitet hat (wie Jasons Vater), Tim ist ein verwahrlostes Kind, das Polizisten die Donuts klaut (interessante Analogie: im Comic stahl Jason Batman die Reifen) und sich dabei mit einem Batarang behilft. Als Two-Face den Jungen umlegen will, rettet ihm Batman das Leben, daraufhin erwidert Tim den Gefallen, indem er den (nach einem Scharmützel mit Two-Face) verletzten Helden in Sicherheit bringt.

Tim findet Robins Kostüm in der Bathöhle.

Kaum in der Bathöhle, kommt Tim hinter Batmans Geheimnis. Two-Face erpresst Gotham: 22 Millionen Dollar oder er setzt ein tödliches Gas frei. Als Batman und Batgirl zu Two-Face Geheimversteck eilen (Janus-Kino), steigt Tim ins Robin-Kostüm und fährt hinterher …

Two-Face und Robin

Nach bestandener Feuerprobe beginnt seine Ausbildung zum neuen Robin, da taucht Dick Grayson auf.

„Warum fallen wir?“ Bruce trainiert Tim.

Dick ist mittlerweile als Nightwing unterwegs. Wie es dazu kam, erzählt er Tim in der Folge „Old Wounds“. Es geschah nach dem College-Abschluss, dass Dick Batmans Methoden anzweifelte. Deutlich wird das in einer Szene, in der Batman einen Mann ausquetscht, dessen Familie dabei zusehen muss. Robin geht aus Protest. Später – nach einem gemeinsamen Kampf mit Batgirl gegen den Joker – wird das Vertrauen zwischen dem Duo zerbrochen, als er erfährt, dass Batman die ganze Zeit über gewusst hat, dass Barbara Gordon (Dicks Freundin) Batgirl ist. Dick wirft Batman vor, seine Nächsten zu manipulieren und auszutricksen, um zu bekommen, was er will. Zum Schluss verpasst er ihm sogar einen Haken, bevor er Maske und Cape abwirft und sich verdrückt.

Robin schlägt Batman.

Zwei Dinge bleiben unklar: Warum Dick und Barbara sich nicht von ihren Geheimidentitäten erzählt haben, obwohl sie ein Paar waren, und wie Robins Kostüm seine grüne Farbe verlor.

Mehr zum Thema:

Der Preis des Zweifels

DC Comics

Titel: Face the Face

Autor/Zeichner: James Robinson/Don Kramer, Andy Clarke u.a.

Erschienen: 2006 (Detective Comics #817-820, Batman #651-654), Paperback 2006, Deluxe Edition 2017


„Better than sex. Better than heroin.“ (Harvey Dent)

Vor einiger Zeit fragte mich ein Leser dieses Blogs, der sich über meine Kritiken ärgerte, warum ich überhaupt noch Batman-Comics lese, wenn ich so viel daran auszusetzen hätte. Die Antwort ist einfach: Ich liebe Comics, ich liebe die Figur und daher interessieren mich auch die Geschichten. Leider können bei der Masse davon aber nur die wenigsten richtig gut sein. Was aber macht eine gute Batman-Story aus?

Wie bei vielen Lesern setze ich den Maßstab bei den prägendsten Comics an: The Dark Knight Returns und Year One, bei The Long Halloween und Dark Victory. Die besten Geschichten sind nicht nur spannend oder überraschend, sie werden auch dem Charakter und dem Medium Comic gerecht. So eine Geschichte ist Face the Face.

James Robinson (Autor des Juwels Blades) beschränkt sich auf eine Thema: Nach einem Jahr Abwesenheit (nachzulesen im Event 52, das auf Infinity Crisis folgt) sind Batman und Robin (Tim Drake) wieder zurück in Gotham. In der Zwischenzeit hat Harvey Dent, der chirurgisch und psychologisch von Two-Face befreit wurde, auf die Stadt aufgepasst. Doch kaum ist Batman wieder da, tötet ein Unbekannter Superschurken – und alles spricht dafür, dass Dent wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehrt.

Obwohl wir einen Gang durch die Rogues Gallery bekommen (Poison Ivy, Scarecrow, Scarface, Killer Croc), bleiben diese Nebenfiguren Nebensache und die Geschichte verliert nie ihren Fokus: das Verhältnis zwischen Batman und Dent. Wir sehen, wie mit jedem neuen Mord und Indiz der Zweifel an der Rechtschaffenheit des Geläuterten wächst – und man wünscht sich, dass Det doch noch die Kurve kriegt, auch wenn man ahnt, dass der Wandel zum Guten nicht von Dauer sein kann. Der Zweifel sät aber Misstrauen und daraus erwächst das Böse. Der eigentliche Höhepunkt ist Dents Kampf gegen den eigenen Dämon, den er in jedem Spiegel sieht. (Die Rehabilitation von Two-Face ist übrigens eine sehr alte Idee, die schon 1943 in The End of Two-Face durchgespielt wurde, 1996 erneut in Batman Black and White.)

Robinson gibt den Charakteren und der Handlung genug Raum, sich zu entfalten, jedoch ohne Seiten zu schinden. Ihm ist es wert, auch mal die Panels für sich sprechen zu lassen. Auch wenn in einer Sequenz auch mal nichts passiert. Oder so gut wie. Da wird zum Beispiel eine Seite für eine Sequenz aufgewendet, um zu zeigen, wie Tim Drake einen Bleistift zerbricht – und es wird klar, wie sehr er um seinen toten Vater trauert (siehe Identity Crisis). Ohne Worte wird hier die Tragik der Figur deutlich, was die spätere Adoption durch Bruce Wayne emotional vorbereitet. Auch der Polizei wird die nötige Aufmerksamkeit zuteil: Der wieder als Commissioner eingesetzte James Gordon kann aus Sorge um seine Stadt nicht schlafen, Harvey Bullock bekommt eine zweite Chance, nachdem er der Korruption überführt wurde.

Trotz verschiedener Zeichner wirkt das Werk auch visuell wie aus einem Guss. Es geht nicht allein um ausdrucksstarke Panels mit dynamischen Figuren und überwältigende Bildarrangements, sondern vor allem um eine düstere Grundstimmung, wie man sie von Gotham erwartet. Auch wenn es an Action nicht mangelt: Was Batman ausmacht, wird hier im Stillen zelebriert.

Seit Jahren war Face the Face vergriffen – und es war eine Schande, dass DC es nicht neu aufgelegt hat. Das wurde jetzt mit einer Hardcover-Deluxe Edition nachgeholt. Es war längst überfällig. Denn diese Story gehört zu den besten Batman-Comics der 2000er Jahre. Deswegen liest man überhaupt Batman.

>> Liste der Two-Face-Comics

Batman macht Schule

DC Comics

DC Comics

Titel: Rise of the Batmen (dt. Angriff der Batman-Armee)

Autor/Zeichner: James Tynion IV/Eddy Barrows, Alvaro Martinez

Erschienen: 2016 (Detective Comics #934-940), Paperback 2017 (Detective Comics Vol. 1); dt. Panini 2017 (Paperback)


„The idea of Batman is powerful, but it’s pointed in the wrong direction.“ (Jacob Kane)

Nachdem Azrael von einem unbekannten Attentäter ins Koma gebracht wurde, vermutet Batman, dass es jemand auf den Rest der Bat-Familie abgesehen haben könnte. Also beginnt er, zusammen mit Batwoman den Nachwuchs für den Ernstfall zu trainieren: Spoiler, Orphan (Cassandra Cain) und Red Robin (Tim Drake, obwohl schon seit Jahren im Geschäft) – und sogar Clayface. Da offenbart sich der Gegner: the Colony, eine Armee von Batman-Kriegern, gesponsert von der US-Regierung, geleitet von Colonel Jacob Kane, dem Vater von Kate Kane (Batwoman). Er wiederum rüstet sich gegen die League of Shadows, die aber laut Batman nur eine Lüge von Ra’s al Ghul sein soll.

Mal wieder ist also alles anders als gedacht. Und wie immer, wenn ein Autor die Retcon bemüht (bekanntes Beispiel: Under the Hood), bleiben offene Fragen: Warum hat Jacob Kane seiner Tochter dazu verholfen, Batwoman zu werden, wenn er hinter ihrem Rücken eine Batman-Armee aufgebaut hat? Warum hat er sie nicht gleich eingeweiht? Und warum erledigt er Azrael, wenn er angeblich niemanden verletzen will? Und dann gibt es noch weitere Fragen: Warum trägt Red Robin ein neues Kostüm, das eher an sein altes erinnert und ihn weniger „red“ erscheinen lässt? Warum darf Clayface im Team Batman mitmachen? Zuletzt war er noch gemeingefährlich (siehe Graveyard Shift, Batman Eternal, Arkham Manor). Dass der Schurke zum Helden wird, ist zwar eine erfrischende Idee, aber die Motivationen dafür bleiben auf der Strecke – auch wenn die Sequenz, in der Clayface ein Kino aufsucht, um sich auf der Leinwand als Mensch wiederzusehen, sehr einfühlsam gelungen ist.

Überhaupt schafft es Autor James Tynion IV (Batman Eternal, Batman & Robin Eternal), den vielen Charakteren seiner Geschichte gerecht zu werden, allein Orphan bleibt auf der Strecke, aber sie hat ja ohnehin nicht viel zu sagen. Aber dafür gibt es ja die Action. Und davon nicht zu wenig. Die Zeichner Eddy Barrows und Alvaro Martinez inszenieren ihre Figuren filigran und die Posen spektakulär, wenn auch ohne große Experimentierfreude.

Der erste Detective Comics-Band nach Rebirth hat zwar kein Potenzial, ein Klassiker zu werden, aber er ist ein kurzweiliger Auftakt, der Spaß und Lust auf die Fortsetzung macht. Das Wichtigste aber: der Neustart hebt die Qualität der Traditions-Serie, die in den vergangenen Jahren sehr zu wünschen übrig ließ.

Jokers Spritztour mit Robin

DC Comics

DC Comics

Titel: Slayride

Autor/Zeichner: Paul Dini/Don Kramer

Erschienen: 2007 (Detective Comics #826), Paperback 2014 (The Joker: A Celebration of 75 Years)


„… I couldn’t have planned this.“ (Joker)

Man soll nicht zu Fremden ins Auto steigen. Nicht mal, wenn sie Hilfe in der Not anbieten. Nicht mal, wenn man Erwachsen ist. Nicht mal, wenn man Robin ist. Diese Erfahrung muss Tim Drake machen. Während eines Einsatzes tut er nämlich genau das und bereut es sofort, denn im Auto sitzt der Joker. Der betäubt und fesselt ihn an den Beifahrersitz und fährt mit ihm planlos durch die Gegend.

Es geht zu wie bei GTA: Joker überfährt ein paar Fußgänger, erschießt den Manager eines Fast-Food-Ladens. Robin versucht, sich mit einem Spielzeugauto zu befreien. Der Joker nimmt es ihm zwar weg, aber er kommt doch frei (irgendwie, ist auch egal), vermöbelt ihn und die Fahrt endet mit einem Unfall.

Ach ja, eines noch: der Joker trägt eine Weihnachtsmann-Mütze, es ist Vorweihnachtszeit, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Und es beschert der ziemlich willkürlichen Story auch nicht unbedingt mehr Sinn. Immerhin is sie ganz ansehnlich gezeichnet. Aber ansonsten: geschenkt.

>> Mehr Joker-Comics

>> Mehr über den Joker

Zeitverschwendung in der Zukunft

DC Comics

DC Comics

Titel: Batman Beyond Vol. 2 – City of Yesterday

Autor/Zeichner: Dan Jurgens/Bernard Chang

Erschienen: 2015-2016 (Batman Beyond #7-11), Paperback 2016; dt. Panini 2016 (Paperback)


„Batman is dead.“

Während Flüchtlinge von außerhalb nach Gotham strömen, aber nicht reingelassen werden, zieht Matt McGinnis mit Green Lanterns Arm in das zerstörte Metropolis. Batman (Tim Drake) fliegt hinterher, kämpft gegen Splicer (Halb-Mensch-Halb-Tier-Mutanten) und eine fremdgesteuerte Justice League, die wider Erwarten doch lebt.

End of story.

Nach einem vielversprechenden Auftakt im ersten Band (Brave New Worlds) bleibt die Fortsetzung banal und belanglos. Batman Beyond fühlt sich an wie eine Party, zu der man so sehr zu spät kommt, dass schon aufgeräumt wird. Acht Bände dieser Comics habe ich bereits gelesen und besprochen – oder vielmehr habe ich mich durchgekämpft. Und nachdem ich auch dem Neustart zwei Chancen gegeben habe, ist es beschlossen: Batman Beyond ist für mich erledigt. Auch wenn nächstes Mal Terry McGinnis zurückkehrt – es könnte mir nichts egaler sein. Genug Zeit in der Zukunft verschwendet.