Knightfall

Knightfall #3: Das erste Vorspiel

DC Comics

Knightfall beginnt nicht erst mit Batmans Kampf gegen Bane. Das Besondere daran ist, dass das unerhörte Ereignis gut vorbereitet wird – und zwar mit langem Vorlauf. Nachdem Azrael (Jean-Paul Valley) und Bane eingeführt wurden, wurde Batman geschwächt. Das geschah zunächst in den Ausgaben Batman #484-490  (1992-1993).

Zu Beginn lässt Black Mask seine Gang an mehreren Orten Feuer legen – ein Rachefeldzug gegen Bruce Wayne, denn Roman Sionis gibt ihm die Schuld dafür, sein Unternehmen verloren zu haben. Batman tut sich schwer damit, ihm auf die Spur zu kommen. Lucius Fox wird entführt. Dann schleust sich Batman undercover in die False Face Society ein. Als Skullface gelingt es ihm, die Gang zu zerschlagen, aber Black Mask entkommt ihm.

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Batman sieht sich gescheitert, was ihn noch mehr runterzieht. Er hat schon während des Falls Ermüdungserscheinungen gezeigt, hat kaum geschlafen und sich zur Höchstleistung angetrieben. Im Nachgang schont er sich nicht, sondern versucht, sein Versagen wiedergutzumachen. Sein Zustand bessert sich nicht, als er es mit einem gestachelten Freak namens Metalhead zu tun bekommt. Dann muss er auch noch ein Attentat auf Commissioner James Gordon verhindern.

Bruce Wayne geht zum Arzt. Dieser versichert ihm, es gehe ihm körperlich gut, nur psychisch nicht. Batman leidet unter einer Art Burnout – all die Strapazen haben ihre Spuren hinterlassen. Schließlich sucht er sich Hilfe bei der Psychiaterin Shondra Kinsolving, die es mit einem ganzheitlichen Ansatz versuchen will: Medikamenten und Gesprächen. Bruce legt sich ins Bett, träumt aber schlecht.

In Batman #489 tritt Bane erstmals öffentlich auf. Zugleich ist es auch das erste Mal, dass Jean-Paul Valley das Batman-Kostüm anzieht, während Bruce Wayne sich auszuruhen versucht. Nach einem ersten Training mit Robin, das er in einem schwarzen Kostüm (mit seltsamen Kopf-Fransen, vgl. Metalhead) absolviert, muss sich der Neuling gegen einen durchdrehenden Killer Croc beweisen. Doch das geht schief, er steckt mächtig Prügel ein. Da erscheint Bane und bricht Croc den Arm. Er besiegt ihn, um seine Würdigkeit zu beweisen. Mehr noch: Bane durchschaut, dass nicht der wahre Batman im Kostüm steckt.

Der wahre Batman kommt eine Ausgabe später wieder (Batman #490), obwohl noch längst nicht fit, und lässt sich auf den Riddler ein. Doch dem wird von Bane die Droge Venom verabreicht. Batman muss zweimal gegen einen „aufgepumpten“ Edward Nigma kämpfen, der mit seinen Aktionen die Stadt zu terrorisieren versucht. Schließlich sind es die Bane-Schergen Bird, Zombie und Trogg, die den Riddler zu Fall bringen, indem sie ihn anschießen.

In Batman #491 schließlich befreien Bane und seine Gang die Arkham-Insassen, was offiziell zwar auch noch zum Vorspiel zählt, aber womit die tatsächliche Handlung von Knightfall einsetzt; daher ist die Ausgabe auch in Band eins des Paperbacks von 2012 enthalten. Die Ausgaben 484 bis 490 sind erstmals gesammelt im Knightfall Omnibus Vol. 1 enthalten. Und man sollte sie unbedingt lesen, wenn man die ganze Story erfassen will. Denn sie zeigen nicht nur, dass Batman schon vor Banes Intervention psychisch zusammenbricht, sondern sie führen auch wichtige Figuren wie Dr. Kinsolving ein und erklären, wie Killer Croc zu seinem gebrochenem Arm kam und wie sich Bane in Batmans Leben einschleicht.

Wer noch früher ansetzen will, sollte auch Batman #386, Detective Comics #553 und Batman #387 lesen (in dieser Reihenfolge) – darin wird nämlich Black Mask eingeführt.

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Knightfall #2: Sword of Azrael

DC Comics

Knightfall dreht sich um drei zentrale Figuren: Den Helden Batman (Bruce Wayne), den Schurken Bane und Batmans Nachfolger, Jean-Paul Valley. Die Figur wird noch vor Bane eingeführt: in der vierteiligen Mini-Serie Sword of Azrael (1992-1993).

Azrael ist zunächst ein Typ in einer aufgemotzten Ritterrüstung, der mit brennendem Schwert das Werk eines Racheengels auszuführen versucht. Als Anhänger eines mysteriösen Geheimbundes ehemaliger Kreuzritter (St. Dumas) will er den Verräter Carlton LeHah bestrafen, doch stirbt selbst dabei. Er kann sich gerade noch zu seinem Sohn schleppen, Jean-Paul Valley, und ihm noch genug sagen, um sein Erbe anzutreten. Jean-Paul fliegt in die Schweiz und erfährt, dass er schon als Kind indoktriniert wurde, um ein neuer Racheengel zu werden. Batman reist hinterher, Carlton LeHah hat dreht durch, hält sich für einen Diener des Dämons Biis und beginnt damit, ein Ordensmitglied nach dem anderen zu töten.

Der neue Azrael kämpft zwar zunächst gegen Batman, dann aber verbünden sie sich, um LeHah aufzuhalten – bis Batman vom Schurken entführt wird, um Bruce Wayne von seinem Vermögen zu erleichtern. Er wird gefoltert und unter Drogen gesetzt, aber Batman bleibt bis zuletzt hart. Schon vorher tritt Batman großkotzig auf, haut einen markigen Spruch nach dem anderen raus. Damit fällt er zwar etwas aus der Rolle, aber immerhin sorgt er für ein paar Schmunzler.

Jean-Paul Valley ist ein verwirrter junger Mann, der zunächst nicht weiß, wie ihm geschieht, dann eine wundersame Wandlung zum willenlosen Racheengel macht, sobald er seine Maske überzieht, und sich rücksichtslos nur um Rache kümmert. Am Ende aber gewinnt doch seine menschliche Seite und er rettet Batman.

Dennis O’Neil erzählt eine rasante, actionreiche und spannende Geschichte, Zeichner Joe Quesada inszeniert die Story mit einem präzisen Stil und ausdrucksstarken Figuren. Um die Figur Azrael/Jean-Paul Valley besser zu verstehen, sollte man dieses Vorspiel zu Knightfall nicht auslassen. Nach der Lektüre bleiben nur zwei Fragen offen: Wozu braucht Azrael ein Feuerschwert und was sind das für seltsame Streifen, die von seinen Schultern abstehen? Wahrscheinlich gibt es dafür nur eine Antwort: Weil es cool aussieht.

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Knightfall #1: Vengeance of Bane

Die Knightfall-Saga beginnt mit Vengeance of Bane, der Vorgeschichte des Schurken, der Batman das Rückgrat bricht. Erschienen ist sie 1993 als 64-seitiges Special, geschrieben von Chuck Dixon und gezeichnet Graham Nolan.

Bane ist das Kind eines unbekannten Revolutionärs von dem Inselstaat Santa Prisca. In der Diktatur herrscht ein grausames Gesetz: Weil der Mann sich seiner Strafe entzogen hat, wird dessen schwangere Frau an seiner statt ins Gefängnis gesteckt. Nachdem das Kind zur Welt kommt, wächst es im Knast auf, nachdem die Mutter stirbt, wird er aus der Schutzhaft zu den anderen Verbrechern überstellt. Dort plagt ihm nach einem Sturz ein Alptraum von einer ungeheuren Fledermaus.

Der Junge wird zum Mörder. Er wird in eine Einzelzelle gesteckt, die regelmäßig mit Wasser geflutet wird. Zehn Jahre lang lebt er in völliger Isolation, ernährt sich von Fischen und meditiert. Nach dem Prinzip „Was mich nicht umbringt, härtet mich ab“ stählt Bane seinen Körper und schult seinen Geist, liest drei Bücher am Tag, lernt sechs Sprachen. Das Töten wird Alltag für ihn, er stumpft er emotional ab, findet aber drei Gefährten: Zombie, Trogg und Bird. Letzterer erzählt ihm von Gotham und Batman, der die Stadt beherrscht. Bane, der sich an seinen Dämon erinnert, findet seine Bestimmung darin, Batman zu brechen.

Bane wird zum Versuchskaninchen für die Droge Venom, die ihm Superkräfte verleiht und sie gegen Schmerz immun macht. Durch das Experiment wird er zum Junkie, der sich das Zeug ins Hirn einspeisen lassen muss. Indem er sich nach einem Versuch totstellt, bricht er aus dem Knast aus und fliegt mit seinen drei Spießgesellen nach Gotham, wo er mit gezielten Morden beginnt, die Unterwelt aufzumischen. In einer ersten Konfrontation mit Batman verschont er ihn: „You will know my name one day. And on that day you will beg for mercy.“ Bane will ihn beobachten, studieren und ihn erst dann besiegen, wenn der richtige Moment gekommen ist.

Die Entstehungsgeschichte von Bane ist so sehr auf Abhärtung getrimmt, dass sie in ihrer Übertreibung fast schon komisch wirkt. Seine Motivation, es mit Batman aufzunehmen, wird nicht ganz schlüssig. Zu weit hergeholt ist es, dass der Schurke den ganzen Aufwand betreibt, nur weil er mal als Kind schlecht geträumt hat. Mit Batman verbindet ihn nichts, außer einer willkürlichen Assoziation zwischen einer eingebildeten Fledermaus und einem Kerl, der sich wie eine anzieht.

Bane tut einem zunächst leid, dann wird er zu einem perfekten Widersacher. Seine Fähigkeiten machen ihn zu einer Art Anti-Batman. Furchterregend wirkt er durch hünenhafte Erscheinung und seine Maske mit ihren roten Augen, die ihm jegliche Menschlichkeit nimmt. Das Einzige, was die Geschichte nicht erklärt, ist, warum er sie trägt und sich wie ein mexikanischer Wrestler anzieht. Aber die wahre Erklärung lautet, wie so oft in Comics: weil es cool aussieht. Und darum geht es ja schließlich auch …

(Vengeance of Bane ist zweimal auf Deutsch erschienen: 1998 als Batman-Sonderband im Dino-Verlag und 2013 als „Batman gegen Bane“ im Panini-Verlag.)

Knightfall #0: Einführung

Knightfall – das sind drei dicke Bände, fast 2000 Seiten (als Omibus sogar fast 2800) über den Fall von Batman, die Zeit ohne ihn und seine Rückkehr: Knightfall, Knightsquest, Knightsend.

Die Story ist so dramatisch wie ereignisreich: Batman wird von Bane das Rückgrat gebrochen, er wird von Jean-Paul Valley (ehemals Azrael) ersetzt, wird geheilt und kehrt zurück, vorübergehend wird Dick Grayson Batman, bis Bruce Wayne wieder übernimmt.

Lange war Knightfall nicht vollständig verfügbar. Die ersten US-Paperbacks (1993-1995) waren lückenhaft, 1998 wurde noch das Nachspiel Prodigal gesammelt veröffentlicht. Seit 2012 gibt es drei Paperbacks von DC, die den größten Teil der Story erzählen, allerdings auch einiges weglassen. Im ersten Band fehlen die Ausgaben zur Vorgeschichte, im zweiten fehlt der Erzählstrang The Search, der von Bruce Waynes Heilung erzählt, im dritten das Nachspiel Troika.

Seit vergangenem Jahr gibt es zwei Omnibus-Editions, die wirklich ALLES versammeln, was bisher gefehlt hat (außer die Mini-Serie Sword of Azrael), der dritte Band erscheint im Mai 2018.

Wer sich das Geld und den Platz im Regal sparen will, kann sich auch alle dazugehörigen Comics auch digital bei Comixology kaufen, dabei empfiehlt es sich, die 2012er-Ausgaben zu besorgen und mit den fehlenden Einzelausgaben aufzustocken. (Orientierung gibt die Comicliste bei Wikipedia.)

Die erste deutsche Ausgabe vom Carlsen-Verlag (ab 1995) brachte es auf zehn Bände, aber auch hier fehlten einige Kapitel. Zuletzt hat der Panini-Verlag die Saga in vier Bänden herausgebracht (2012-2015), wobei der gesamte Mittelteil (Knightsquest: The Crusade/The Search) ausgespart wurde. Ergänzend dazu erschien 2013 Batman gegen Bane, in dem auch die Vorgeschichte des Schurken, Vengeance of Bane, enthalten war (diese hatte bereits der Dino-Verlag 1998 in einem Sonderband herausgebracht).

Lange habe ich mich davor gedrückt, mir dieses Riesen-Epos vorzunehmen – andere Storys drängten sich auf und zu groß schien mir das Vorhaben. Aber dem Batman-Projekt würde etwas Wichtiges fehlen, wenn ich diese wichtige Storyline auslassen würde. Jetzt aber ist es soweit. Ich werde ALLES besprechen. Aber anders als zuvor werde ich nicht über das Gesamtwerk schreiben, auch nicht über jeden der drei Bände einzeln, sondern in kleineren Etappen über meine Lektüre berichten, dabei werde ich mich an den einzelnen Storylines orientieren:

  1. Vengeance of Bane
  2. Sword of Azrael
  3. Prelude 1
  4. Prelude 2
  5. Knightfall: Broken Bat
  6. Knightfall: Who Rules the Knight
  7. Knightquest: The Crusade
  8. Knightquest: The Search
  9. Knightsend
  10. Prodigal
  11. Troika

Außerdem werde ich mir die BTAS-Folge Bane (dt. Kampf der Giganten) ansehen.

Los geht es morgen, von da an gibt es wöchentlich einen Teil.