Graham Nolan

Firefly wird Pyromane

Firefly Batman

Firefly in seinem Element. (DC Comics)

Manche wollen bekanntlich die Welt nur brennen sehen. So auch Garfield Lynns alias Firefly. Nach seinem gescheiterten Versuch, mit Farbeffekten Verwirrung zu stiften, kehrt Garfield Lynns alias Firefly im Jahr 1993 zurück – und dann ist Schluss mit lustig. Denn diesmal hat er eine Eigenschaft des kurzlebigen Schurken Firebug übernommen: Er ist ein Pyromane in einem Schutzanzug und Flammenwerfer, und er kann sogar fliegen.

Jahrelang war er in Arkham eingesperrt. Nachdem Bane die Insassen befreit hat (Knightfall: Broken Bat), fackelt Firefly nicht lange, seinem Namen alle Ehre zu erweisen. Zuerst ist ein Vergnügungspark dran. Batman ist bereits vom Kampf gegen die ausgebrochenen Irren so geschwächt, dass er ihm kaum etwas entgegenzusetzen hat.

Rache für geplatze Kindheitsträume

Robin findet heraus, dass Lynns – na, ratet mal – ein Waisenkind ist und eine Schwester namens Amanda hat. Wegen seiner schwierigen Vergangenheit wurden die Geschwister aber nicht von dem Paar adoptiert, das sich für sie interessiert hatte. Und jetzt will Garfield alle Orte niederbrennen, die ihm als Kind versprochen wurden: ein Theater, eine Bowlingbahn, den Zoo. Beim Versuch, ihn aufzuhalten, bringt sich Batman fast um. Erst beim dritten Mal legt sich die Fledermaus, die eigentlich allzeit bereit sein sollte, ein feuerfestes Kostüm zu – nur der Umhang verkokelt leider, was aber vor Flammenhintergrund immerhin ziemlich cool aussieht. Nach einem Kampf gegen einen Leoparden kann Batman Firefly fesseln.

Batman vs. Firefly

Detective Comics #689-690 (DC Comics)

Zwei Jahre später (Detective Comics #689-690, 1995) bricht Lynns wieder aus, diesmal aus Blackgate. Aber Moment mal: War er nicht früher in Arkham-Insasse? Offenbar gilt er nicht mehr als verrückt, obwohl er seine alte Leidenschaft nicht abgelegt hat. Jetzt wird sogar klar, was er so sehr an den Flammen findet: Er sieht sexy Feuerengel darin. Diesmal bewirbt er sich bei Black Mask als Brandstifter und verliebt sich in eine Nachbarin, scheitert aber – ganz im Stil von Taxi Driver – als er (Achtung: Kalauer) seiner neuen Flamme zeigt, was er in seiner Freizeit am liebsten treibt.

Die Rückkehr von Firebug

In der Zwischenzeit fragt Batman Joe Rigger, alias Firebug, ob er hinter der Brandstiftung steckt, aber er beteuert seine Unschuld. Abgesehen von der Wasserfolter irritiert die Sequenz noch auf zwei Weisen. Erstens: War Firebug nicht tot? Ja, war er. Zweitens: War er nicht mal schwarz? Auch das. Aber nach dem DC-Reboot der Crisis hat sich die Hautfarbe anscheinend mit dem Lebensstatus geändert. Spielt auch keine große Rolle, denn auch der neue Firebug taugt nix. Nach einem kurzen Comeback im alten rot-gelben Kostüm fällt er wieder seinen Flammen zum Opfer.

Batman vs. Firefly, Martian Manhunter

Detective Comics #689-690 (DC Comics)

Firefly hingegen entkommt nach seinem geplatzten Date und kehrt nach weiteren zwei Jahren wieder (Detective Comics #714-715, 1997). Dieses Mal verbündet er sich mit einem gewissen Dalbert, der einen Diamantendiebstahl plant. Dieser seltsam gekleidete Kerl hat auch die Fähigkeit, plötzlich zu verschwinden. Auch Privatdetektiv John Jones (Martian Manhunter) sucht nach ihm und wird von Firefly ordentlich durchgebrutzelt. Er tut sich mit Batman zusammen, um den Gesuchten zu schnappen, doch John erweist sich wegen seiner Feuerschwäche dabei als ziemlich nutzlos. Batman kommt auch erst ganz zum Schluss auf den Gedanken, das Kostüm zu wechseln und einen Feuerlöscher einzupacken. Am Ende ist alles vergebens, weil Dalbert an einen Ort verschwindet, an den man ihm nicht folgen kann: in die Vergangenheit – er ist ein Zeitreisender. Aber immerhin ist Firefly endlich gefangen.

Sein vorläufiges Ende findet der Pyromane kurz bevor Gotham zum Niemandsland erklärt wird (Batman #560/Detective Comics #727, 1998). Der Schurke Nicholas Scratch lässt Garfield Lynns befreien und rekrutieren, um dem vom Erdbeben zerstörten Gotham mit Feuer den Rest zu geben. Lynns akzeptiert den Auftrag, den er sogar gratis erledigt hätte. Doch als Firefly seine Flammen auf ein Becken mit einer explosiven Chemikalie loslässt, erleidet er schwerste Verbrennungen. Auf wundersame Weise kann er danach immer noch stehen. Erst eine zweite Ladung Feuer gibt ihm den Rest – bis er von nassem Zement gelöscht wird.

Trotz dieses Erlebnisses kehrt Firefly später immer wieder zurück. Dieser Feuerteufel ist einfach nicht totzukriegen. Aber zum Klassiker hat es dieser Schurke in all den Jahren trotzdem nicht gebracht.

>> Batman 1990-1999


Unterstütze das Batman-Projekt

Seit 2014 bietet dieses Blog Orientierung rund um Batman. Mittlerweile sind über 1300 Beiträge und Seiten mit Übersichtslisten erschienen. Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, würde ich mich über einen kleinen Beitrag freuen, der mir hilft, die Kosten für diese Seite zu decken. Vielen Dank.

€1,00

Riddlers Bombenspaß mit Cluemaster

DC Comics

Titel: Badd Girls/Lethal Pursuits/Riddled

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1997 (Detective Comics #705-707), Paperback 2020 (Batman: Knight Out), dt. Dino Verlag 1998-1999 (Batman #25-26)


Während der Riddler nach einer Operation seiner gebrochenen Hand im Krankenhaus liegt, befreien seine Handlangerinnen Query und Echo den Schurken Arthur Brown. Dessen Zeit als Möchtegern-Riddler namens Cluemaster sind zwar vorbei, aber der Riddler hat andere Pläne mit ihm: Er legt ihm eine Sprengstoff-Weste an und lässt Batman und Robin Rätsel lösend durch die Stadt hetzen. Sie haben jeweils 15 Minuten Zeit, um zur nächsten Station zu gelangen, sonst stirbt Brown.

Die Rätsel sind auffallend einfach, meistens sind nur Buchstaben und Zahlen gefragt, aber was haben sie zu bedeuten? Was hat der Riddler mit dieser Masche vor? Während Robin und Oracle knobeln, begibt sich Batman in ernsthafte Lebensgefahr …

Ach ja, die guten alten 90er: Chuck Dixon und Graham Nolan bildeten neben Doug Moench und Kelley Jones das andere Dreamteam (neben Alan Grant und N. Wem die düsteren Zeichnungen von Jones zu viel waren, der fand beim klaren Stil von Nolan seinen Trost. Und Dixon landete als Storyteller bei der Masse an Output immer wieder einen Treffer. Dieser Dreiteiler gehört zu den Höhepunkten dieser Zeit zwischen Knightfall und dem Beben (Cataclysm) und er gehört auch zu den wohl besten, weil cleversten Riddler-Storys überhaupt (und clever sind sie leider selten).

Der Riddler tritt hier mit seinen Rätseln erneut als Künstler nach eigenem Selbstverständnis auf. Aber auch als Baseball-Fan. Zum einen treibt er also sein Spiel mit Batman, zum anderen geht es ihm bei seiner Beute nicht um Profit, sondern um einen ideellen Wert. Allerdings ist er mehr als nur ein Spieler: Wieder einmal schreckt er auch hier nicht vor Mord zurück.

Mehr zum Thema:


Unterstütze das Batman-Projekt

Dieses Blog kostet mich 96 Euro im Jahr. Es würde mich freuen, wenn du mir helfen würdest, diese Kosten zu decken. Vielen Dank!

€1,00

Bane und Talia: It’s a match!

Titel: Bane of the Demon

Autor/Zeichner: Graham Nolan/Chuck Dixon

Erschienen: 1998 (Mini-Serie #1-4), Paperback 2012 (Batman versus Bane), 2018 (Batman: Legacy Vol. 2); dt. Dino 1998 (Batman Sonderband 4: „Bane II“), Panini 2013 (Batman gegen Bane)


„You may just be the second most dangerous man alive. Which is why you are the perfect mate for my daughter.“ (Ra’s al Ghul)

Bane will rausfinden, wer sein Vater ist. Er lässt sich in seine alte Heimat Santa Prisca bringen und Leichen pflastern seinen Weg. Ein alter blinder Jesuit verrät ihm, dass vier Kandidaten für die Vaterschaft in Frage kommen, einer davon ein ominöser Schweizer. Bane bedankt sich mit einem schnellen Tod. In Rom nennt ihm ein Geistlicher den Orden von St. Dumas und die Spur führt Bane nach Singapur. Dort trifft er in einem Hochhaus auf Talia al Ghul, Ubu und die League of Assassins, die ein altes Buch stehlen.

Zuerst will Talia alle in dem Gebäude umbringen lassen, aber nachdem sie Bane überwältigt hat, nimmt sie ihn mit zu ihrem Vater. Ra’s al Ghul will (mal wieder) die Menschheit mit einem Virus auslöschen, dafür braucht er neben dem Buch noch eine andere Schrift. Bane hilft ihm dabei, hat aber eine eigene Agenda: Er will Ra’s um seine Lazarusgrube bringen.

Bane bandelt mit Talia an, sie gibt sich zunächst gefügig, doch bleibt dann ihrer Borderline-Persönlichkeit treu, und weist ihn später als Partner ab. Und dann wird klar, woher sie diese Eigenschaft her hat: Ra’s überlässt ihn zuerst einem langsamen Tod in einem brunnenartigen Kerker (aber da zu überleben ist natürlich Banes Spezialität), aber nach einem Schwertduell macht er Bane wieder zu seinem Verbündeten und will ihn mit Talia zusammenbringen, weil er Bane für den perfekten Partner hält (nach Batman natürlich).

Bane of the Demon dient als Verbindungsstück zwischen den Storylines Contagion (Die Seuche) und Legacy (Der Fluch). Es erzählt die Allianz zwischen Ra’s und Bane – aber sinnvoll motiviert wird sie nicht. Wie so oft ist die Story bestimmt von einem Hin und Her von Entscheidungen, das von einem Auf und Ab von Launen angetrieben wird. Bane wird zwar als sehr schlaues Kerlchen dargestellt, das sogar ein würdiger Schachpartner für Ra’s ist, aber zugleich ein geradezu zwanghafter Killer, der alles, wirklich alles tötet, was seinen Weg auch nur kreuzt. Naja, bis auf Ra’s und Talia natürlich. Und Talia wiederum schickt besonders gerne ihre eigenen Leute wegen Nichtigkeiten in den befohlenen Freitod. Da haben sich also ein paar Gleichgesinnte gefunden. Aber besonderen Spaß macht diese sinnlose Gewaltorgie nicht – man stumpft ab. Wären da nicht die wie immer sehr eleganten Zeichnungen von Graham Nolan, wäre die Mini-Serie entbehrlich. (Batman kommt darin übrigens nicht vor – obwohl er auf dem Cover von Teil 4 zu sehen ist.)

DC Comics

Die ganze Sache zwischen Bane und Ra’s al Ghul hat nach Legacy noch ein Nachspiel: im One-shot Batman: Bane (1997) – ein Comic, das so einfallslos wie sein Titel ist. Kaum ist Bane von Batman besiegt und treibt im Meer herum, kapert er ein Schiff mit einem Nuklear-Reaktor und erpresst Gotham um zwei Millionen Dollar – und die Freilassung von Gefangenen. Immer noch hofft er darauf, Gotham und Batman zu zerstören und so die Gunst seines Meisters zu finden (allerdings ist nicht klar, wie er den Anschlag überleben soll, wenn er das Schiff hochgehen lässt). Ums kurz zu machen: Batman, Robin und Nightwing verhindern das. Ein wirklich unnötiger Epilog.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Liste der Bane-Comics
>> Batman 1990-1999

Pinguins neue Geschäftsidee

Titel: Odds Against/Darkest Day

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Graham Nolan

Erschienen: 1995 (Detective Comics #683-684)


Nach der Knightfall-Saga beginnt – ganz nebenbei – eine neue Ära für den Pinguin: Er wird vom Vogelganoven zum Gangster, der andere die Drecksarbeit erledigen lässt. Seine Fassade: die Iceberg Lounge, ein Casino, das ihm als Hauptquartier dient und ihn als Geschäftsmann erscheinen lässt. Die Lounge wird leider nicht groß eingeführt, sie ist einfach da.

Ein Casino-Gast, der beim Blackjack zu viel gewinnt, fällt auf: Actuary, ein Kartenzähler, der gerne Wahrscheinlichkeiten berechnet. Statt ihn umlegen zu lassen, macht sich der Pinguin ihn zu nutze. Während seine Leute ständig bei ihren Coups von Batman hochgenommen werden, soll Actuary dabei helfen, bessere Pläne auszuhecken. Actuary lässt Batmans bevorzugte Aufenthaltsorte herausfinden und dann dort zuschlagen, wo Batman am wenigsten wahrscheinlich auftauchen wird.

Das klappt allerdings nicht wirklich. Und dann kommt die zündende Idee, bei der man sich fragt, warum das nicht schon längst einer ausprobiert hat: ein Überfall am helllichten Tag! Der Plan: Bei einer Blumenausstellung springen die Gangster aus einem riesigen Pinguin aus Blumen. Na ja … Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass auch das in die Hose geht. Batman ist eben auf Zack. Der Pinguin beherrscht aber eine ganz andere Kunst: trotz allem dem Knast fern zu bleiben – und zwar die nächsten über 20 Jahre.

>> Liste der Pinguin-Comics

Knightfall #13: Vengeance of Bane II – The Redemption

DC Comics

Die Knightfall-Reihe endet so, wie sie beginnt: mit Bane. Der sitzt seit seiner Niederlage gegen den neuen Batman (Jean Paul Valley) in Blackgate Prison ein. Noch immer plagen ihn Alpträume von einem großen, bösen Fledermausmonster, nur dass es sich diesmal in Batman verwandelt. Am Ende des Traums hilft ihm Osoito, sein alter Teddybär aus Kindheitstagen. Bane ist aus der Form geraten, bekommt psychologische Hilfe, ihn plagen Entzugserscheinungen von der Droge Venom. Seine Anwältin, will ihn wegen Unzurechnungsfähigkeit raushauen, aber Bane lehnt ab – er will auf schuldig plädieren. Das Knastleben ist er gewohnt.

Aber er bekommt keine Ruhe: Der jüngst von Batman besiegte KGBEast bringt Bane auf die Krankenstation. Sein Therapeut schenkt ihm einen neuen Teddy. Kaum ist er raus, wird er deshalb von einem Insassen provoziert, was Bane mit einem spontanen Mord bestraft. Dafür gibt’s sechs Monate Isolationshaft. Statt einzugehen, bringt sich Bane wieder in Form und plant seine Flucht. Als er raus ist, revanchiert er sich zunächst bei KGBeast, dann lässt er sich beim Ausbruch von ihm helfen – zusammen mit Galvan und dem Ratcatcher.

Und wozu das Ganze? Bane will Rache. Diesmal soll es die Richtigen treffen: die Leute, die ihn für ihre Venom-Experimente missbraucht haben. Bane wird also als Rächer zu einer Art Superheld. Und da tritt auch Batman auf. Zusammen kämpfen sie gegen die Bösen, die bereits neue Handlanger mit der Droge vollpumpen. Doch als das Werk vollbracht ist und Batman Bane zurück in den Knast schicken will, weigert sich Bane. Plötzlich findet er sich nämlich unschuldig. Er ist nur ein Opfer des Systems, der Droge Venom und seines Hasses. Batman sieht das nicht ein. Und auch der Leser wird es ihm kaum abkaufen.

Bane bleibt frei – aber ein Gefangener in seiner Seele, heißt es in allerschönstem Pathos am Ende, als Bane auf einer Brücke steht und nach seinem Vater ruft. Denn der soll noch leben. Der zweite Teil von Vengeance of Bane bildet mit dem ersten eine gelungene Klammer. Sehr psychologisch, sehr konzentriert auf seinen Charakter. Man muss Bane nicht mögen oder verstehen, aber man bekommt einen weiteren tiefen Einblick in seine geplagte Seele. Dank der Zeichnungen von Graham Nolan schaut man auch gerne in die tiefste Abgründe.

Seine Geschichte geht weiter in der vierteiligen Serie Bane of the Demon, wo er auf Ra’s al Ghul trifft, und in Legacy (dt. Der Fluch), wo es wieder zum Kampf mit Batman kommt. Aber auch am Ende von No Man’s Land (dt. Niemandsland) bekommt Bane wieder einen großen Auftritt.

Hinweis: Vengeance of Bane II ist in Batman: Knightfall Omnibus Vol. 3 und im Paperback Troika (2019) erschienen. (Dieser Artikel wurde am 27.1.2019 aktualisiert.)

Mehr zu Knightfall:

Knightfall #7: Knightquest – The Crusade

Bruce Wayne ist gebrochen und im Rollstuhl auf Reisen, Bane ist besiegt, jetzt macht Jean-Paul Valley als Batman die Stadt sicher. Oder vielmehr unsicher. Denn der einst zum Killer indoktrinierte junge Mann weiß noch immer nicht, wer er eigentlich ist und hat sich und seine Programmierung nicht im Griff. Aber da niemand da ist, um ihm auf die Finger zu schauen, kann er machen, was er will. Gotham dient ihm dabei als Spielwiese seiner Selbsterkenntnis.

Das verlassene Wayne Manor verkommt, nicht einmal die Bathöhle macht der Neue sauber. Nach Batmans Kampf gegen Bane liegen immer noch die Scherben der Robin-Vitrine herum, aber vorsichtshalber hat er schon mal den Durchgang zu Tim Drakes Haus zugemauert. Reine Sicherheitsmaßnahme, versteht sich. Heißt aber auch ganz klar: Robin ist unerwünscht. JP macht lieber sein eigenes Ding. Zum Beispiel ein neues Batmobil testen, das auf den Schienen der U-Bahn fährt. 300 Meilen pro Stunde im Tunnel? Das kann nur schiefgehen … Aber zum Glück tauchen zwei Bösewichte auf, die einen Zug voller Geld entführen wollen, da kann JP nach Herzenslust Wildwestheld spielen.

Ach ja, und dann ist da noch die Selbsterkenntnis. Dazu steigt JP nackt in einen Tank voller Wasser, wo er halluziniert. Netter Nebeneffekt: der Leser erfährt noch einmal in Kürze, was bisher geschah. JP bekommt von seinem eingebildeten St. Dumas gesagt, er müsse seinen Kreuzzug als Batman weiterführen. Und da JP macht, was man ihm sagt, legt er los. Gegen Gangsterbosse, gegen neue Schurken wie den Tally Man und einen Profikiller namens Mekros, der genauso wie er konditioniert ist zum Töten und eine Rüstung trägt. Lauter Routine-Aufgaben, im Vergleich zu Bane alles Leichtgewichte, aber der neue Batman tut sich dennoch schwer damit. Aber auch nicht zu schwer, die meisten sind nach zwei Ausgaben erledigt.

Catwoman und Joker

Der neue Batman lässt sich von Catwoman betören, es kommt zu einem körperbetonten Duell, das auf einem Missverständnis beruht. JP hält Selina Kyle für eine Terroristin, die Menschen mit einem Nervengas ermorden will, aber ihre Absichten sind ganz andere. Eine belanglose und zu lang erzählte Episode. Ganz ähnlich die mit dem Joker. Der dreht nämlich einen Film, in dem Batman sterben soll. Aber das Unternehmen ist so halbherzig umgesetzt, dass es nie wirklich um Leben und Tod geht (außer für ein paar unwichtige Nebenfiguren). Joker ist hier bloß wieder Clown, der seine nervigen Späße treibt. Batman bricht ihm am Ende beide Arme – aber dem Joker reichen auch seine Beine, um gefesselt aus einem Krankenwagen zu entkommen …

JP offenbart sich ein paarmal mehr als Fanatiker, der sich selbst nicht im Griff hat. Immer wieder erscheint ihm sein Vorbild St. Dumas und schärft ihm die Wichtigkeit seines Kreuzzugs ein. Später auch sein Vater, der einst als Racheengel Azrael unterwegs war. JP ist hin- und hergerissen. Der Sohn geht äußerst brutal vor, er prügelt besinnungslos auf seine Gegner ein, zerfetzt ihnen das Gesicht mit seinen Klauen und muss sich zusammenreißen, sie nicht zu töten. Andere lässt er laufen, weil sie ihm nicht der Mühe wert erscheinen. Ein Sozialleben hat er nicht. Statt zu schlafen, bastelt er immer wieder an seiner Rüstung rum. Im Laufe der Storyline verändert er ihr mehrmals ihr Design und macht sie zu einer Waffe.

Der Fall Abattoir

Den größten Teil nimmt die Jagd nach Abattoir ein, einem Serienkiller, der es auf seine Familienmitglieder abgesehen hat. Dieser Plot, der mit Batman #505 beginnt, erstreckt sich fast über die zweite Hälfte von The Crusade, involviert neben einigen nervigen Nebenfiguren auch Clayface 3 und Lady Clayface – und ermüdet auch sehr bald. Allerdings kommt es in Batman #508 zu einem entscheidenden Wendepunkt: JP lässt Abattoir sterben. Und dadurch stirbt auch ein weiteres Opfer des Serienkillers. In der Folge hat Commissioner Gordon genug von diesem neuen Batman. JP ist das egal, er rüstet erneut auf – zum letzten Kampf mit dem Profikiller Gunhawk (noch so einer!). Und am Ende taucht Bruce Wayne wieder auf, eigentlich will er sich zur Ruhe setzen. Aber als er sieht, was JP angerichtet hat, stellt er ihn zur Rede und beschließt, seinen Stellvertreter zu entmachten …

The Crusade ist weniger eine Storyline mit einer zusammenhängenden Handlung, sondern eine Reihe von kurzen Geschichten, die nur zum Teil aufeinander Bezug nehmen. Der Spannungsbogen liegt vielmehr in der Entwicklung des Charakters Jean-Paul Valley zum Psycho, der sich nur wenig von seinen Gegnern unterscheidet. Allerdings: So dramatisch ist die Veränderung nun auch wieder nicht. JP tötet Abattoir nicht, er hadert einfach zu lange mit sich, sodass der Killer irgendwann selbst in den Tod stürzt. Dass Batman nicht selbst zum Killer wird, zeigt sich darin, dass er kurz darauf Gunhawk verschont.

Er geht drastischer mit seinen Gegnern um, lässt Wayne Manor verlottern und schottet sich von der Batman-Familie ab. Dennoch bleibt er ein empathischer Held, der einige Male sogar Kinder rettet. So ganz leuchtet die Dringlichkeit also nicht ein, ihn abzusetzen. Außer, dass er nicht freiwillig gehen will. Bruce Wayne hat viel zu leichtsinnig sein Erbe einem unberechenbaren und labilen Mann anvertraut. Der zweite große Fehler nach Bane.

Muss man The Crusade lesen, das immerhin über 600 Seiten lang ist? Nicht unbedingt ganz. Es gibt viele Ausgaben, die man überspringen kann, wenn man ungeduldig ist. Wichtig wird es erst ab Batman #505. Aber auch schon vorher gibt es einige interessante Momente: Batmans Raserei durch die U-Bahn-Schächte, seine Konfrontation mit Robin. Und die klaren Zeichnungen von Graham Nolan und auch die abseitigen von Vincent Giarrano (Shadow of the Bat) sind wahre Hingucker. Die Gunhawk-Episode lässt sich sogar als sozialkritischer Kommentar auf den Waffen-Irrsinn der USA lesen: Wozu braucht Gotham, die Mord-Hauptstadt, eine Waffenmesse? Ein Seitenhieb, der leider immer noch aktuell ist …

The Crusade ist im Paperback Knightfall Vol. 2: Knightquest (2012) sowie im Knightfall Omnibus Vol. 2 (2017) erschienen. Eine deutsche Ausgabe fehlt bislang.

Mehr zu Knightfall:

Knightfall #1: Vengeance of Bane

Die Knightfall-Saga beginnt mit Vengeance of Bane, der Vorgeschichte des Schurken, der Batman das Rückgrat bricht. Erschienen ist sie 1993 als 64-seitiges Special, geschrieben von Chuck Dixon und gezeichnet Graham Nolan.

Bane ist das Kind eines unbekannten Revolutionärs von dem Inselstaat Santa Prisca. In der Diktatur herrscht ein grausames Gesetz: Weil der Mann sich seiner Strafe entzogen hat, wird dessen schwangere Frau an seiner statt ins Gefängnis gesteckt. Nachdem das Kind zur Welt kommt, wächst es im Knast auf, nachdem die Mutter stirbt, wird er aus der Schutzhaft zu den anderen Verbrechern überstellt. Dort plagt ihm nach einem Sturz ein Alptraum von einer ungeheuren Fledermaus.

Der Junge wird zum Mörder. Er wird in eine Einzelzelle gesteckt, die regelmäßig mit Wasser geflutet wird. Zehn Jahre lang lebt er in völliger Isolation, ernährt sich von Fischen und meditiert. Nach dem Prinzip „Was mich nicht umbringt, härtet mich ab“ stählt Bane seinen Körper und schult seinen Geist, liest drei Bücher am Tag, lernt sechs Sprachen. Das Töten wird Alltag für ihn, er stumpft er emotional ab, findet aber drei Gefährten: Zombie, Trogg und Bird. Letzterer erzählt ihm von Gotham und Batman, der die Stadt beherrscht. Bane, der sich an seinen Dämon erinnert, findet seine Bestimmung darin, Batman zu brechen.

Bane wird zum Versuchskaninchen für die Droge Venom, die ihm Superkräfte verleiht und sie gegen Schmerz immun macht. Durch das Experiment wird er zum Junkie, der sich das Zeug ins Hirn einspeisen lassen muss. Indem er sich nach einem Versuch totstellt, bricht er aus dem Knast aus und fliegt mit seinen drei Spießgesellen nach Gotham, wo er mit gezielten Morden beginnt, die Unterwelt aufzumischen. In einer ersten Konfrontation mit Batman verschont er ihn: „You will know my name one day. And on that day you will beg for mercy.“ Bane will ihn beobachten, studieren und ihn erst dann besiegen, wenn der richtige Moment gekommen ist.

Die Entstehungsgeschichte von Bane ist so sehr auf Abhärtung getrimmt, dass sie in ihrer Übertreibung fast schon komisch wirkt. Seine Motivation, es mit Batman aufzunehmen, wird nicht ganz schlüssig. Zu weit hergeholt ist es, dass der Schurke den ganzen Aufwand betreibt, nur weil er mal als Kind schlecht geträumt hat. Mit Batman verbindet ihn nichts, außer einer willkürlichen Assoziation zwischen einer eingebildeten Fledermaus und einem Kerl, der sich wie eine anzieht.

Bane tut einem zunächst leid, dann wird er zu einem perfekten Widersacher. Seine Fähigkeiten machen ihn zu einer Art Anti-Batman. Furchterregend wirkt er durch hünenhafte Erscheinung und seine Maske mit ihren roten Augen, die ihm jegliche Menschlichkeit nimmt. Das Einzige, was die Geschichte nicht erklärt, ist, warum er sie trägt und sich wie ein mexikanischer Wrestler anzieht. Aber die wahre Erklärung lautet, wie so oft in Comics: weil es cool aussieht. Und darum geht es ja schließlich auch …

(Vengeance of Bane ist zweimal auf Deutsch erschienen: 1998 als Batman-Sonderband im Dino-Verlag und 2013 als „Batman gegen Bane“ im Panini-Verlag.)

Bane kehrt zurück zu seinen Schöpfern

DC Comics/CBR

DC Comics/CBR

Nach der Wiederkehr von Bane in Tom Kings Storyline „I Am Bane“ bringt DC eine zwölfteilige Mini-Serie über den Schurken heraus: Bane: Conquest soll sie heißen und am 3. Mai in den USA starten. Laut cbr.com sollen dafür die 90er-Jahre Veteranen Chuck Dixon und Graham Nolan verpflichtet worden sein, also jener Autor und Zeichner, die gemeinsam Bane geschaffen haben.

Dixon verspricht das „ultimative Bane-Abenteuer“, in dem der Muskelberg versucht, ein globales Verbrechensimperium aufzubauen und andere Städte als Gotham zu erobern. Mit dabei sein sollen Banes alte Weggefährten erster Stunde: Bird, Trogg and Zombie.

Bane ist der Schurke, der Batman in der Knightfall-Saga das Rückgrat bricht. Seinen ersten Auftritt hatte er in Vengeance of Bane, einer zweiteiligen Miniserie, deren erste Ausgabe 1993 erschien. Im Film wurde er (nach einer misslungenen Interpretation in Batman & Robin) in The Dark Knight Rises von Tom Hardy dargestellt.

>> Liste der Bane-Comics

Die große Batman-Kostümparade

DC Comics

DC Comics

Titel: Brotherhood of the Bat

Autor/Zeichner: Doug Moench/Jim Aparo, Norm Breyfogle, Graham Nolan u.a.

Erschienen: 1995 (One-shot)


„In future, I swear to you … I shall do better.“ (Batman/Tallant)

Mehr als 50 Jahre in der Zukunft ist der Großteil der Weltbevölkerung von einem Virus ausgerottet. Batman ist tot, die Menschheit versinkt in Anarchie. Ra’s al Ghul hat triumphiert. Um die Ordnung wieder herzustellen, lässt er sich von seinem größten Gegner inspirieren und macht aus seinen besten Schergen die „Brotherhood of the Bat“, eine nach Batmans verworfenen Kostümideen gekleidete Eingreiftruppe, die durch die Straßen Gothams zieht und die Übeltäter unschädlich macht. Ein junger Mann, Tallant, der Sohn von Bruce Wayne, tritt das Erbe seines Vaters an, infiltriert Ra’s Bande und schaltet in alter Rambo-Manier einen falschen Batman nach dem anderen aus. Am Ende kommt es zum unvermeidlichen Duell mit dem Obermacker.

Interessant an dieser 08/15-Story ist zwar, dass hier das Szenario durchgespielt wird, was wäre, wenn Ra’s Erfolg hätte. Aber viel wird daraus nicht gemacht. Der einzige Reiz besteht in der Vielfalt der zum Teil ausgefallenen Batman-Kostüme und dass man dadurch Batman gegen Batman kämpfen sieht. Verschiedene Batmobile bedienen die Nostalgie der Fans. Zu diesem besonderen Anlass haben mehrere Zeichner an diesem Comic mitgewirkt, aber grafisch bleibt es doch nur Durchschnitt – ebenso wie die Dialoge.

Brotherhood of the Bat wurde später im Zweiteiler League of Batmen fortgesetzt. Die Idee, dass Batman einen Sohn mit Talia hat, wurde mit Batman and Son in die Haupt-Continuity integriert.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Schlachtgetümmel und Etikettenschwindel

DC Comics

DC Comics

Titel: Forever Evil: Arkham War

Autor/Zeichner: Peter J. Tomasi/Scot Eaton, Graham Nolan

Erschienen: 2013-2014 (Batman #23.1: Bane, Arkham War #1-6, Forever Evil Aftermath: Batman vs. Bane #1, Paperback 2014), dt. Panini 2014.


„To know thine enemy, you must become thine enemy.“ (Bane)

„… no matter how these freaks try to convince us otherwise … the sun always rises eventually.“ (James Gordon)

Nachdem das Crime Syndicate die Justice League ausgeschaltet, die Welt verdunkelt und die Schurken befreit hat (siehe Forever Evil), haben die Insassen des Arkham Asylum Gotham übernommen und unter sich aufgeteilt. Batmans Erzfeind Bane wittert seine Chance, befreit mit seiner Privatarmee die Insassen von Blackgate-Gefängnis und versucht seinerseits die Stadt zu erobern, um dort seine Schreckensherrschaft zu errichten. Er paktiert mit dem Pinguin, doch der treibt ein dreifaches Spiel, da er ebenfalls mit Scarecrow, dem Anführer der Arkhamites, und Comissioner James Gordon was am laufen hat. Es kommt zum Krieg. Unter anderem kämpft Banes Venom-Armee gegen eine Schar von Man-Bats. Bane versucht, die tiefgefrorenen Talons zu reaktivieren, doch Scarecrow will sich ebenfalls ihrer bemächtigen – mit einer Mischung aus Angstgas und Mad Hatters Gedankenmanipulation. Als das nicht funktioniert, verpasst Scarecrow sich und seinen Schergen eine Dosis Venom – und die Stadt ist voller Bane-Verschnitte …

Kommt uns das bekannt vor? Ja. Bereits in der ersten The Dark Knight-Story hat Bane die Arkham-Insassen mit einer Mischung aus Venom und Angstgas verköstigt. Abgesehen von dem offensichtlichen Ideen-Recycling stellt sich die Frage, welchen Mehrwert es bringt, jemanden wie Clayface, Killer Croc oder Man-Bat mit Venom vollzupumpen, wenn die doch ohnehin übermenschliche Kräfte haben. Letztendlich keinen, denn Bane macht auch so alle Gegner fertig, sodass er am Ende stolz dastehen kann – in seinem aus The Dark Knight Rises geborgtem Wintermantel.

Die coolste Idee allerdings besteht darin, zuvor Bane als Batman auftreten zu lassen. Da er einsieht, dass sich niemand wirklich vor ihm fürchtet, nimmt er die Gestalt der Figur an, die den Schurken am meisten Angst und Respekt einjagt. In stählerner Rüstung erinnert Bane so an den klobigen Batman von Frank Miller. Spätestens wenn Bane in dieser Rüstung sich auch noch auf ein Pferd schwingt, wird die Reminiszenz offensichtlich. Allerdings enttäuscht es, dass der auf dem Cover des Paperbacks (und des letzten Kapitels) angekündigte Kampf zwischen Batman und Bane-Batman so nicht stattfindet. Als am Ende Batman wiederkehrt und Bane vermöbelt, hat letzterer seine Rüstung leider schon abgelegt. Der erfahre Comic-Leser weiß zwar, dass Cover einer eigenen Logik folgen, aber hier wirkt es wie ein Etikettenschwindel. Das ist vor allem schade um den Schauwert. Denn viel mehr hat das Finale, ebenso wie der überwiegende Rest der Story, nicht zu bieten. In Erinnerung bleiben unzählige Splash Pages voller Schlachtgetümmel. Aber diese Erinnerung währt nur kurz.

Mehr zum Thema: