Doug Moench

Poison Ivy plant die Apokalypse

DC Comics

Titel: The Green Ghosts of Gotham/Brambles

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton, Gene Colan

Erschienen: 1984 (Batman #367/Detective Comics #534)


Poison Ivy schickt die Sporen los: Ein paar fallen ins Wasser und gebären Pflanzenungeheuer, die an Swamp Thing erinnern, aber keinen Verstand haben. Ivy hat sie mit dem Wissenschaftler Lignier erschaffen. Nun machen sie Gotham unsicher – als „green ghosts“. Parallel dazu lädt Ivy Vorstandsmitglieder der Wayne Foundation zu sich nach Hause ein, in ihr grünes Refugium „Exotica“, damit sie sich dort erholen und sich ihrem Willen ergeben können. Ivy erscheint als Eva in diesem neuen Paradies.

Batman und Jason Todd (der hier in einem neuen Kostüm nicht als Robin unterwegs ist) müssen gegen grüne Monster kämpfen, Jason wird fast von Ivy vergiftet und am Ende setzt sie auf der Flucht ihre Pflanzen in Flammen, sodass auch ihre neuesten Kreationen verbrennen.

Poison Ivy fantasiert von Gothams Untergang. (DC Comics)

Aber wozu das Ganze? Einerseits will sich Ivy an der Wayne Foundation für ihren letzten gescheiterten Coup rächen und wieder Geld zu stehlen. Andererseits wird der Plan schnell vereitelt, da Lucius Fox vorgesorgt hat. Dann werden die Green Ghosts mit dem Bewusstsein der Vorstandsmitglieder gespeist, allerdings auch nur, um willenlos Ivy zu gehorchen.

Doch eigentlich will Ivy mit ihren Monstern Pflanzen erschaffen, die ohne Licht auskommen und stattdessen alle Nahrung aus der Erde beziehen. So soll die Erde nach und nach ausgehöhlt werden, um unterirdische Gärten zu erschaffen. Die Pflanzen sollen Häuser zum Einsturz bringen und die Straßen fluten, damit sie die Stadt plündern kann. Weit hergeholt? Schierer Wahnsinn, findet auch Batman. Doch Ivy gibt ihm dafür die Schuld.

Der fragwürdige Plan scheitert daran, dass Batman die Pflanzenmonster niederschlägt und Jason Ivy mit einem Fingerdrucktrick bewusstlos macht. Und wieder mal stellt sich die Frage: Wozu der ganze Aufwand? Wozu eine Stadt vernichten, wenn man es nur auf Geld abgesehen hat? Mit der Technologie, die dafür entwickelt wurde, hätte man locker reich werden können.

Poison Ivy braucht – abgesehen von Logik – ein besseres Motiv als Gier, nämlich Idealismus. Den kriegt sie erst nach der Crisis.

Hinweis: Der zweite Teil der Geschichte ist enthalten in Tales of the Batman: Gene Colan Vol. 2. Aber eben nur der zweite Teil – was auch auf andere Storys in dem Band zutrifft.

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Hüte mit Potenzial

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DC Comics

Titel: One Hat Madder/Bedtime Stories

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1984 (Batman #378-379)


Eigentlich ist der Mad Hatter tot. Gestorben auf der Flucht vor Batman, als er vor einen Zug fiel, nachzulesen in Detective Comics #526 (1983). Ein Jahr später ist er wieder da und erfreut sich bester Gesundheit. Wie das? Er ist gar nicht vom Zug erfasst worden, sondern von der Brücke gefallen und dann auch noch zufällig auf einen Laster, der eine Matratze transportiert hat. Wie gut, dass Batman sich die Mühe gespart hat, nach unten zu schauen.

Jetzt verschickt der Hutmacher einen Hut an Nocturna (Natalia Knight), eine blasse Schurkin (eingeführt in Batman #363, 1983), die Bruce Waynes Geheimnis kennt und ihn hier auch noch um die Adoption von Jason Todd bringt. (Sie wäre mal einen eigenen Artikel wert.) Der Hatter will mit dem Hut ihr Wissen abschöpfen und herausfinden, wo die verschwundene Beute ihres Geliebten Anton Knight ist.

Als Batman nach Anton Knight sucht und dabei Natalias Penthouse betritt, erwischt der den Hatter auf frischer Tat. Der Schurke macht Nocturna dann zur willenlosen Mordwaffe. Batman muss sich gegen ihren messerscharfen Gürtel wehren, während Robin den Hatter jagt und von dessen Affen angegriffen wird. Schließlich kann Batman Nocturna mit einem Kissen überwältigen und Robin deaktiviert den Hut, weil der Hatter netterweise seinen Computerkoffer dagelassen hat.

Mad Hatters Zombies

Bei der Revanche im zweiten Teil will der Hutmacher dann einfach nur Rache. Er stattet mehrere Hüte mit Gedankenkontrollbändern aus und verteilt sie an einige Männer, die in einer alten Pharmafabrik Arbeit suchen. Die Hüte setzen das (angeblich) ungenutzte Potenzial des Gehirns frei und damit auch des Körpers: Die Menschen werden dadurch paradoxerweise zwar zu willenlosen Sklaven, entwickeln aber Superkräfte, können etwa mit Schornsteinen um sich werfen. (Damit wird weiter der Zehn-Prozent-Mythos gepflegt.)

Lucius Fox knackt den Code von Hatters Computer und findet heraus, wo sich der Schurke aufhält. Batman schnappt sich dann Robin (aus Nocturnas Obhut) und tappt mit ihm nach altem Brauch in die Falle. Zuerst jagt der Schurke seine Hut-Zombies auf das Dynamische Duo und falls die versagen, will er die Fabrik in die Luft jagen. (Warum dann nicht gleich so?) Die Super-Zombies loszuwerden ist einfach: Man muss ihnen nur die Hüte vom Kopf schlagen. Vor der Explosion bewahrt sie Nocturna, die als Deus ex machina den Hatter außer Gefecht setzt.

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Nocturna und Mad Hatter. (DC Comics)

So, jetzt aber ab nach Hause, Jason. Morgen ist wieder Schule, sagt Nocturna. Sehr vernünftig. Haben wir das je von Batman gehört?

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Batman und der Unsichtbare

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DC Comics

Titel: Batman Unseen

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 2009-2010 (Miniserie #1-5), Paperback 2010


„Take that, Mr. H.G. Wells…Eat your own invisible heart out–and you still got nothin‘ on the real-gone genius me!“

Black Mask heuert den ehemaligen Waynetech-Forscher Nigel Glass an, um ihm ein Serum herzustellen, das unsichtbar macht. Glass macht sich an die Arbeit und entdeckt nach und nach, wie er seine Haut, Muskeln, Innereien und Knochen fürs Auge verschwinden lässt. Tolle Sache, doch Glass entdeckt die Vorzüge für sich, wird zum Mörder und rächt sich an all den Menschen, die ihm einst Schlechtes angetan haben. Batman muss sich fragen: Wie fängt man einen Mörder, den man nicht sehen kann?

Doug Moench und Kelley Jones, die bereits in den 90ern Batman haben gegen Dracula antreten lassen (Red Rain), lassen ihn hier gegen ein weiteres Universal-Film-Monster kämpfen: den Unsichtbaren nach dem Roman von H.G. Wells. Jones inszeniert den Fünfteiler in gewohnt surrealistischer Manier mit vielen Schatten, Cape-Eskapaden, gewaltigen Muskelbergen und kuriosen Maschinen. Man muss diese Eigenwilligkeit mögen – ich liebe es mittlerweile, auch weil es Batman stets zu seinem Ursprung im Horror zurückführt.

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DC Comics

Abgesehen davon darf Batman hier auch Detektiv spielen, der Rest ist kraftstrotzende Action mit vielen Prügeleien gegen den unsichtbaren Gegner. Das darf auch mal sein und hört auch auf, bevor es öde wird – insofern ist Batman Unseen eine kurzweilige Lektüre. Nur dass Batman am Ende das Serum selbst nimmt und dann nackt im Cape durch den Schnee stapft, ist wohl eher visuell motiviert als wirklich sinnvoll.

Sinnvoller wäre es zum Beispiel, einen Eimer Farbe oder eine Packung Mehl mitzubringen, um den Schurken sichtbar zu machen. Aber nein, es müssen fancy Supersichtlinsen sein. Sinn ist hier auch eher nebensächlich. Herrje, es macht Spaß und sieht toll aus. Kann man mehr verlangen? Ja. Aber man kann es auch einfach genießen.

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Batman in Hong Kong

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DC Comics

Titel: Batman: Hong Kong

Autor/Zeichner: Doug Moench/Tony Wong

Erschienen: 2003 (One-shot)


Ein Hacker in Gotham entdeckt per Zufall einen Livestream von einem Mord. Ein Mann, der kopfüber an einem Seil hängt, wird von einer Kobra gebissen. Der Hacker erzählt Commissioner Gordon davon und bald ist die Leiche gefunden. Dann muss aber auch der Zeuge dran glauben. Batman kommt zu spät zur Rettung.

Die Spur führt zur chinesischen Mafia (Triad) nach Hong Kong, wo ein Triad-Mitglied namens Johnny auf gleiche Weise ermordet wird. Sein Kollege Benny, ehemals auch ein Gangster, will den Mord aufklären, doch weder ein Besuch bei der Polizei noch bei der Mafia bringen ihn weiter. Inspiriert von Batman zieht er sich ein Kostüm mit Goldhelm an und wird zum Superhelden Night-Dragon. Er hilft Batman, den Fall zu lösen.

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Inspiriert von Batman: Night-Dragon (DC Comics)

Actionreich geht es auf 127 Seiten zur Sache, mit viel Prügelei, Ballerei und Schwertkämpfen. Es wird persönlich, es geht um Familienbande, ein Familiengeheimnis, zwei Brüder und einen toten dritten. Doch der Mörder, der hinter allem steckt, will eigentlich ganz Hong Kong auslöschen – da stellt sich natürlich die Frage, wozu er sich die Mühe macht, vorher einzelne Leute zu töten und das Ganze im Internet zu streamen.

Das eigentliche Problem an dieser routinierten Story ist aber die Inszenierung. Tony Wong zeichnet in einer Art Manga-Stil, was mit seinen übertriebenen Posen und Proportionen vielleicht gewöhnungsbedürftig ist, aber passend und sehr dynamisch. Leider ist das Ganze aber quietschbunt koloriert, in besonders dramatischen Panels sogar sehr kitschig übermalt. Eine reduziertere Farbpalette oder auch bloß Schwarz und Weiß hätten dem Auge weniger wehgetan. Jedenfalls kommt so nie Nachtstimmung auf. Stets ist alles zu sehen – und das entspricht auch der fehlenden Subtilität von Story und Dialogen.

Kleine Kostprobe? „Crime is criminal — within any borders“, stellt Batman wenig überraschend fest. Und Johnny erkennt: „He’s more than a man because he’s less– because he’s a bat .. making the true man a mystery.“Und dann gibt es noch diesen Spruch: „Looks like dragon and bat together … kick butt.“ Das soll cool klingen, aber das steht in dieser humorlosen Geschichte so einsam heraus, dass es peinlich wirkt.

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Scarecrows neuer Rachefeldzug

DC Comics

Titel: Scarecrow: Dark Wings Fly Away in Fear/Haunted House of the Head

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1995 (Batman #523-524), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow), Hardcover 2014 (Batman by Doug Moench & Kelley Jones Vol. 1), dt. Dino 1997 (Batman-Special #1)


Was macht Scarecrow eigentlich, wenn er mal wieder aus Arkham ausgebrochen ist, aber noch nicht seinen nächsten ach so genialen Plan in die Tat umsetzt? Ganz einfach: rumhängen. Er zieht sich sein Vogelscheuchenkostüm an und hängt sich an ein Holzgestell, wo er wartet, bis sich ein Rabe zu ihm begibt, um ihn dann nach alter Gewohnheit aufzuschrecken.

Ja ja, so ist er, unser guter alter Jonathan Crane. Er kommt einfach nicht los von der Sache mit der Angst – und auch nicht von seiner Vergangenheit. Also gilt es wieder mal, alte Rechnungen zu begleichen, mit alten Feinden. Es reicht nicht, dass er den armen Footballspieler Bo Briggs aus der Highschool für den Rest seines Lebens in den Rollstuhl befördert hat, jetzt lässt er ihn auch noch vor Schreck sterben. Weitere Opfer sollen folgen, bis am Ende Batman dran glauben muss, damit niemand mehr Scarecrow im Weg steht …

Zurück in die Geisterbahn

Der Zweiteiler von Doug Moench setzt seine Geschichte aus Year One: Scarecrow – Masters of Fear (Batman Annual #19, 1995) fort. Kelley Jones zeichnet in seiner düsteren Schattenwelt Scarecrow noch furchterregender als bisher: als profillose Puppe mit rotglühenden Punktaugen und einem nach unten gezogenen Mund. Batman erscheint hingegen typischerweise als Muskelberg im Bane-Format mit sehr langen Spitzohren und einem noch übertriebenerem Cape – alles ist hier auf den reinen visuellen Effekt und vor allem auf Horror.

Passenderweise lockt Scarecrow Batman auch am Ende in „Dr. Terror’s House of Fear“ auf einem verlassenen Rummelplatz, ähnlich wie bereits in der Moench-Story von 1984 (Detective Comics #540) geht es also durch eine Geisterbahn. Batman steigt durch einen riesigen Teufelskopf ein, um verschlungen zu werden von Angst, doch der ist bestens vorbereitet und umgeht alle Fallen. Brenzlig wird’s nur, als er ein Opfer vor der Guillotine retten muss.

Schließlich wird Scarecrow wieder Opfer seines eigenen Gases, fürchtet sich vor seinem eigenen Schatten und gesteht nach kurzem Gerangel ein: „You’re the king … Just deliver me from this fear I can never master!“ Doch das ist wieder nur ein Trick. Allerdings ist der schnell mit einem Schlag beendet. Als Batman den Schurken hinausträgt, offenbart er seine Furcht: „But remember this — Some of your victims are beyond help … because you killed them. That scares me. It should be enough to stop your heart.“

Wünscht da der Held etwa seinem Gegner den Tod?

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Neubeginn für Scarecrow

Year One: Scarecrow

DC Comics

Titel: Year One: Scarecrow – Masters of Fear

Autor/Zeichner: Doug Moench/Bret Blevins

Erschienen: 1995 (Batman Annual #19), Paperback 2016 (Batman Arkham: Scarecrow)


Als im Jahr 1995 die Annuals genutzt wurden, um Riddler, Man-Bat und Poison Ivy eine Year-One-Behandlung zu verpassen, bekam auch Scarecrow eine neue Vorgeschichte. Schluss mit dem noch in den 80ern wiederholten Origin vom Besessenen, der schon als Kind gerne Vögel aufscheuchte und daher prädestiniert zum Schurken war. Schluss mit dem akademischen Außenseiter, der sein Geld in Bücher steckte, sich keine anständige Kleidung leisten konnte und zur Vogelscheuche wurde, um mehr Geld für mehr Bücher zu stehlen (siehe World’s Finest #3, 1941).

Na ja, nicht ganz. Jonathan Crane bleibt auch in dieser Variante der Außenseiter und Büchernerd. Nur diesmal ist er traumatisiert, weil er als junger Mann von anderen Jungs gemobbt wird. So entsteht immerhin ein glaubwürdiges, wenn auch küchenpsychologisches Motiv. Crane zieht sich zurück und nimmt sich ein Vorbild an Ichabod Crane, dem Helden aus der Geschichte Sleepy Hollow von Washington Irving, er wird zum wilden Tänzer und entwickelt darüber einen eigenen Kampfstil: „the Crane style of kung fu“, wie es heißt. (Damit soll wohl erklärt werden, warum er sich später Duelle mit Batman leisten kann.) Nachdem ihn seine große Liebe demütigt, nimmt er an ihr und ihrem Freund Rache, indem er sich als Vogelscheuche verkleidet, auf ihr fahrendes Auto springt und sie zu Tode erschreckt, sodass sie verunglücken.

Aufstieg dank Angstgas

Später, an der Uni, braut Crane ein Angstgas zusammen, um sich seines Professoren zu entledigen und selbst den Posten zu übernehmen. Im Unterricht spricht er von nichts anderem als Angst, bis er vor Studenten eine Blumenvase zerschießt und entlassen wird (das Motiv gab es auch bereits 1941). Dann rächt er sich, indem er fünf andere Professoren mit Gas vor Angst sterben lässt. Als Markenzeichen hinterlegt er einen Strohhalm.

Batman ermittelt in dem Fall, kriegt in Cranes Wohnung zum ersten Mal das Angstgas zu spüren und wird fast in die Luft gesprengt. Schließlich spürt er Scarecrow auf und es kommt zum Finale im Kornfeld. Diesmal hat Batman Filter in der Nase, sodass er nur noch gegen Cranes wildes Kung-Fu ankommen muss, aber das meistert er souverän und beendet alles mit einem schönen Spruch: „I’m the Batman, Crane … Fear me — or fall!“

Scarecrow landet direkt in Arkham Asylum, zusammen mit Joker und Two-Face. Und damit wird die Anstalt allmählich zu einem Ort, der selbst Batman – der selbsternannten personifizierten Angst – Furcht einjagt.

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Scarecrow im Spukhaus

DC Comics

Titel: The Frequency of Fear/Something Scary

Autor/Zeichner: Doug Moench/Gene Colan

Erschienen: 1984 (Batman #373/Detective Comics #540)


Jonathan Crane gilt als geheilt und ist aus Arkham (das jetzt Asylum heißt) entlassen. Dass das ein Fehler ist, sieht man gleich am ersten Panel: Crane hat sich in sein altes Haus zurückgezogen, das nicht ohne Grund an Psycho erinnert, und davor eine Vogelscheuche aufgestellt. Kurz darauf sieht man ihn wieder im vertrauten Kostüm. Nach seiner Demütigung durch andere Schurken (Detective Comics #526) will er sich an ihnen rächen. Zuerst ist der Joker dran, der zu einer Anhörung vor Gericht geladen ist.

Scarecrow verschafft sich Zugang zu der schwer bewachten Zelle, indem er eine Angststrahlung von einem Totenkopf aussendet. Die Menschen sehen plötzlich Spinnen und Fledermäuse. Im entscheidenden Moment tauchen dann Batman und Robin auf, werden aber von der Strahlung aufgehalten. Robin bekommt Höhenangst, fällt beinahe vom Hochseil, als er Crane verfolgt, Batman kann ihn gerade noch retten.

Danach gibt’s erst mal Hausarrest. Denn die Spur führt zum Zoo, wo Jason Todds Eltern gestorben sind, und Batman will ihn nicht mit dem noch frischen Trauma konfrontieren. Zu Cranes Haus zu fahren findet Batman übrigens zu offensichtlich. Also tappt er im Zoo in die Falle, kriegt es wieder mit der Angst zu tun, halluziniert Jason unter Krokodilen. Der echte Jason denkt natürlich nicht daran, zu Hause zu bleiben und geht zu Cranes Haus, wo er sich von Scarecrow überrumpeln lässt, weil er die Vogelscheuche nicht auf ihre Füllung überprüft.

Während Batman mit Krokodilen ringt, prügelt sich Robin mit Scarecrow und folgt ihm ins Haus, das zu einem Spukhaus auf Jahrmarktniveau wird: mit Plastikskeletten, Gummispinnen und Scarecrow-Puppen. Da taucht Batman auf, polt Scarecrows Angstgerät um und so machen sie sich immun gegen seine Strahlung.

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Calendar Man als Auftragskiller

Batman #384, Detective Comics #551, Batman #385

DC Comics

Titel: Broken Dates/The First Day of Spring/Day of Doom

Autor/Zeichner: Doug Moench/Rick Hoberg

Erschienen: 1985 (Batman #384, Detective Comics #551, Batman #385)


„I don’t really want to kill Batman.“ (Calendar Man)

Alles kehrt wieder. Tag und Nacht, die Wochentage, die Jahreszeiten. Und auch die Superschurken. Der Grund leuchtet nicht immer ein. Manchmal ist es einfach wieder an der Zeit, jemanden wieder aus dem Figurenfundus zu holen. Wie den Calendar Man. Der nimmt sich diesmal die Feiertage als Thema vor.

Es beginnt mit einem Haufen Gauner, die Batman ausschalten wollen. Also bestellen sie seinen Tod bei einem geheimnisvollen Typen namens Monitor, der irgendwo in einem Satelliten hockt und dafür einen geeigneten Auftragskiller beauftragt. Warum er sich ausgerechnet für den Calendar Man entscheidet, bleibt so rätsel- wie zweifelhaft. Interessant auf verschiedenen Ebenen nennt er ihn, aber der Schurke hat, abgesehen von seiner mageren Erfolgsbilanz, noch nie Interesse am Töten gezeigt – und erweist sich auch hier als völlig unbrauchbar.

Julian Day in seinem Kalendarium. (DC Comics)

Schon zu Beginn steht Julian Day in seinem mit übergroßen Kalender-Requisiten vollgestopften Geheimversteck und grübelt, ob er den Auftrag überhaupt annehmen soll. Er ist zwar kein Killer, aber das Geld ist immerhin ein guter Motivator. Vor allen will er die Gelegenheit nutzen, sich noch einmal mit Batman messen. Und sollte er ihn nicht stoppen, wird Batman am 21. März sterben. Aber das wirkt alles sehr halbherzig. Denn im Vordergrund steht natürlich der Spaß an schrägen Verbrechen.

Calendar Man spielt mit falschen Karten. (DC Comics)

Bald darauf ist die erste Bank ausgeraubt, um an das nötige Startkapital zu kommen (wie er sein Versteck so aufwendig einrichten konnte, bleibt ein Rätsel). In einer Rückblende erfahren wir nur, dass Julian Day einst ein Illusionist unter dem Künstlernamen Maharaj gewesen ist. Es folgt die übliche Schnitzeljagd: Calendar Man tritt an jedem Tag in einem anderen Kostüm auf und schafft es, sich jedes Mal in Sachen Kuriosität zu überbieten. Einmal trägt er schwarz-weiß, kann blendendes Licht strahlen, wirft mit übergroßen Karten, dann tritt er als eine Art Sonnengott auf und wirft Blendgranaten („solar bomb“) in einem Theater und stiehlt Juwelen. Nur das rot-weiße Kalenderkostüm, das er auf den Covern trägt, hat er in der Story kein einziges Mal an. Nicht, dass man es vermissen würde, aber betrogen kann man sich schon fühlen. (Mit riesigen Zahlen wirft er übrigens auch nicht.)

Calendar Man als Sonnengott (DC Comics)

Der Calendar Man lässt ein Kalenderblatt zurück und Batman und Robin erfahren, dass er es auf sie abgesehen hat. Batman erteilt Robin daraufhin Hausarrest, Robin widersetzt sich wie immer und es entspinnt sich die alte Diskussion, welche Rolle Robin spielt: Ist er Batmans Schwachstelle oder dessen Verstärkung?

Mörderische Pfeile: Calendar Man als Amor (DC Comics)

Am Valentinstag tritt Calendar Man als gelber Amor mit Lendenschurz, Flügeln und Bombenpfeilen auf, dann als eine Art Uncle-Sam-Verschnitt mit Zylinder und Sternchenunterhose, schließlich wirft er mit Schlangen um sich und kämpft mit einem Flammenschwert und einer Laserkanone. Unnötig zu erwähnen, dass der ganze Aufwand umsonst ist und dass am Ende Robin mal wieder Batman rettet – weil er ihm nicht gehorcht.

Patriot: Calendar Man als Uncle Sam (DC Comics)

Wer hat eigentlich behauptet, dass das Bronze Age Batman wieder ernsthafter gemacht haben soll? In manchen Geschichten ist das arg zu bezweifeln. Und zwischendurch gibt es ganz viel Melodrama: Bruce Wayne ist immer noch in Selina Kyle und Nocturna verliebt, während er mit Vicky Vale und Julia Pennyworth zu tun hat. Es war bei Batman wohl nie mehr Herz im Spiel als in den 80er-Jahren.

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Das Ei des Riddlers

DC Comics

Titel: When Riddled by the Riddler

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #362), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Der Riddler versucht sich in Resozialisierung: Als Aushilfe eines Winzers hat er die ehrenvolle Aufgabe, jeden Tag Weinflaschen umzudrehen. Doch an Resozialisierung hat der Riddler gar kein Interesse – er heckt dort bloß seinen nächsten Coup aus. Als ihm endlich eine Idee kommt, haut er ab, steigt ins grüne Kostüm und schickt Commissioner Gordon ein goldenes Gänse-Ei mit der Aufschrift „MA“.

„Ma Goose“ – also Mother Goose, das deutet auf einen gleichnamigen Vergnügungspark hin. Aber Vergnügungspark – das riecht eigentlich sehr nach Joker. Und als Batman dort eintrifft, sieht man auch die fidelnde Katze, die an eine Catwoman-Story erinnert, und Humpty Dumpty, der auch Erinnerungen an Alice im Wunderland weckt und an den Mad Hatter denken lässt. Der Riddler bewegt sich also in fremden Gefilden, um nicht zu sagen: Er schmückt sich mit fremden Federn. Tatsächlich springt er dann aus Humpty-Dumpty-Ei wie ein Springteufel, was wiederum an Jokers Masche erinnert und dann schießt er mit einem Maschinengewehr auf Batman.

Busfahrt mit Maschinengewehr

Der Riddler, der einige Jahre zuvor noch gegen das Töten geträubt hat, ist nun wieder nicht mehr ganz so abgeneigt, seinen Spielkameraden zu erledigen, bevor das Spiel vorbei ist. Batman verliert die Spur. Im Gordons Büro lässt Harvey Bullock inzwischen Riddlers Ei fallen und es kommt das eigentliche Rätsel zutage. Über einige Ecken kommen Batman und Gordon darauf, dass der Riddler eine Game-Show namens „Enigma“ überfallen und den Hauptpreis erbeuten will.

Ein Plan, der zunächst aufgeht. Nur für die Flucht hat sich der Riddler nichts Besseres einfallen lassen, als in einen (voll besetzten) Omnibus zu steigen. Das ist höchstens gut für ein Wortspiel mit „Re-Bus“, aber nicht um vor Batman abzuhauen, der mit Gordon im Auto hinterjagt. Batman springt aufs Dach, der Riddler schießt ein paar Löcher hinein – gerade groß genug, dass Batman eine Rauchkapsel hineinwerfen kann. Und so erweist sich Riddlers grandioser Plan mal wieder als schneller Rohrkrepierer. Wäre er mal lieber beim Flaschendrehen geblieben.

Ein anderer Riddler, ein anderer Bullock

Für einen kurzen Moment gibt es in dieser Ausgabe einen Riddler mit grünem Bowler und Jackett zu sehen – ein Stilwechsel, den der Schurke erst wieder 1990 in Batman #452 (Dark Knight, Dark City) vollziehen wird. Aber dann wird er auch ein radikal anderer Schurke sein.

Übrigens: In dieser Ausgabe sieht man einen anderen Harvey Bullock, als man ihn heute kennt. Hier ist er noch ein korrupter Polizist, der für Bürgermeister Hamilton Hill James Gordon aus dem Amt drängen will. Eingeführt wird er in Batman #361 (1983) – allerdings taucht ein Harvey Bullock schon 1974 in Detective Comics #441 auf, eine komplizierte Geschichte für ein anderes Mal …

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Kein Land für alte Clowns

DC Comics

Titel: Ruins/Laugh, Killer, Laugh/The Joker Is Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton, Gene Colan

Erschienen: 1983 (Batman #365, Detective Comics #532, Batman #366), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Von 1960 bis 1996 befand sich Guatemala im Bürgerkrieg. Die USA haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es soweit kommen konnte. Insgesamt wurden 150.000 bis 250.000 Menschen getötet. Unter Diktator Efraín Ríos Montt wurden in den Jahren 1982 und 1983 Massenmorde und andere Gräueltaten begangen. Er wurde deswegen im Jahr 2013 zu 80 Jahren Haft verurteilt. Vor diesem Hintergrund liest sich die folgende Geschichte mit einem bitteren Beigeschmack.

Vicky Vale ist in Guatemala unterwegs, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten, dann wird sie von einer Gruppe vermeintlicher Rebellen gefangen genommen und in eine alte Ruine gebracht. Von dort aus kann sie mit einer List eine Botschaft nach Gotham schicken, sodass die Polizei und durch Zufall auch Bruce Wayne davon Wind kriegen. Seine Beziehung zu Vicky ist gerade an ein Ende gekommen, trotzdem steigt er für sie ins Batman-Kostüm und fliegt zu ihrer Rettung.

Guatemala soll Joker-Land werden

Vickys Entführer ist der Joker. Er plant, das Militär gegen die Rebellen auszuspielen und am Ende selbst das Land zu übernehmen: Guatemala soll Joker-Land werden. Dafür hat der Clown große Pläne. Aus den Pyramiden sollen etwa Springteufel herauskommen. Eine kleine Achterbahn mit Joker-Zug hat er schon einmal errichtet. Fragen wir lieber nicht, wie er das geschafft hat. Oder wozu der ganze Aufwand gut sein soll. Am Ende geht es ihm wie immer um sein verdrehtes Verständnis von Spaß. So sagt er auch über Batman, dass er ihn auch nur deshalb nicht getötet oder ihn demaskiert habe – wo wäre da der Witz?

Also muss sich Batman gegen Indianer, Leoparden und Ganoven Rebellen zur Wehr setzen und wird auf den Joker-Zug gespannt, der Vicky überfahren soll. Batman befreit sich wie immer sehr kreativ aus dieser Todesfalle, schaltet den Joker aus, aber statt ihn festzuhalten, haut er mit Vicky lieber ab und verhindert ein Attentat, das der Joker auf den General verüben will. Daraufhin verbünden sich Rebellen und Armee, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Am Ende herrscht zwar immer noch kein Frieden, aber Vicky Vale kann festhalten, wie sich zwei Todfeinde gegenseitig ihren Respekt bezeugen.

Jason Todd als Robin

In all dem Schabernack schwingt also durchaus Zeitkritik durch: Der Joker wird zum Symbol für die Absurdität des Bürgerkrieges und die Gefahr von Anarchie und Chaos. Das versöhnliche Ende wirkt trotzdem ziemlich weltfremd und naiv. Und vor dem Hintergrund der wahren Massaker erscheint die vergleichsweise harmlose Joker-Story sogar ziemlich geschmacklos.

Übrigens: In dieser Geschichte hat nicht nur Jason Todd seinen ersten Auftritt als Robin (Batman #366) (indem er sich – typisch – Batman widersetzt, ihm nach Guatemala folgt und den Joker ausknockt), sondern Alfred sieht auch seine Tochter Julia wieder, die endlich erfahren hat, dass er ihr Vater ist. Aber das sind Geschichten für ein anderes Mal.

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