Doug Moench

Wenn der Jäger zum Gejagten wird

DC/Dark Horse Comics

Titel: DC Comics/Dark Horse: Batman vs. Predator

Autor/Zeichner: David Gibbons, Doug Moench/Andy Kubert, Adam Kubert u.a.

Erschienen: 1991-1992, 1993-1994, 1997-1998 (Batman vs. Predator #1-3, Batman vs. Predator II: Bloodmatch #1-4, Batman vs. Predator: Blood Ties #1-4)


Die 90er waren eine wilde Zeit: Helden starben, wurden in Elseworlds-Szenarien versetzt und in zahllosen Crossovern mit anderen Helden zusammengesteckt, mit denen sie nichts zu tun hatten. Neben DC-Marvel-Crossovern gab es auch welche mit Sci-Fi-Horror-Schurken aus Filmen wie Ridley Scotts Alien und auch Predator. Ein Band versammelt alle drei Begegnungen mit den Jägern.

Batman im Finale gegen Predator. (DC Comics)

Batman im Finale gegen Predator. (DC Comics)

Im ersten Teil geht es um zwei konkurrierende Boxer, hinter denen zwei konkurrierende Gangster stehen. Ein Predator tötet scheinbar wahllos einen Boxer, dann einen Gangster, der ihn untertstützt hat. Dann sind die anderen dran. Der Predator will sich im Kampf beweisen – und entfernt dabei die Schädel, Wirbelsäule und Hände seiner Opfer. Als Batman ihm auf die Spur kommt, wird er schwer verwundet. Nach viel zu kurzer Zeit tritt der Held zur Revanche an – natürlich in einer schnieken Superrüstung in der Tradition von The Dark Knight Returns.

Batman in Rüstung

Batman: Gut gerüstet gegen den Predator.

Es kommt beim ersten Crossover weniger auf die Story an, sondern auf die Inszenierung. Andy Kuberts Zeichnungen erinnern sehr an den frühen Frank Miller und David Mazzuchelli, auch die zurückhaltende Farbgebung erinnert an The Dark Knight Returns und Year One. Es entsteht eine raue Atmosphäre, in der Dave Gibbons (Watchmen) geradezu meisterhaft eine simple Story mit einiger Eleganz erzählt. Besonders ausdrucksstark und spannend gerät das Finale, in dem Batman den Predator bekämpft.

Der zweite Teil ist konventioneller erzählt und folgt dem Prinzip, in der Forstetzung noch einen draufzusetzen, daher ist die Story auch ziemlich vollgepackt mit Nebenhandlung und Figuren. Aus naheliegenden Gründen bekommt Batman Hilfe von Huntress, als ein Predator wieder zum „Bloodmatch“ auftaucht. Huntress hat eigentlich eine andere Agenda: Sie will einen Drogenboss hochnehmen. Zugleich heuert dieser Drogenboss eine Reihe von Auftragskillern an, die Batman erledigen sollen.

DC Comics

Der Predator tötet ein paar Polizisten, verletzt Gordon schwer, stiehlt das Bat-Signal und lockt damit Batman an. Es kommt zum Duell und Batman wird besiegt. Doch diesmal ist der Predator nicht allein, es wird schwieriger, aber der sture Batman weist Huntress zunächst ab. Es rollen viele Köpfe und es wird viel gekämpft, aber es bleibt eher was fürs Auge als fürs Hirn.

So bleibt es auch bis zum Schluss. Der dritte Teil, „Blood Ties“, ist der schwächste von allen. Wieder sind es zwei Predators, die sich Gotham als Spielwiese ausgesucht haben. Nur diesmal erfahren wir, dass sie schon seit Jahrhunderten Menschen töten, um sich beweisen. Zweifelhaft ist, warum sie es ausgerechnet auf Menschen abgesehen haben, die meist keine Herausforderung für sie darstellen, sondern sich sehr leicht Schädel und Rückgrat herausreißen lassen. Das ganze Predator-Konzept bekommt Risse. Außerdem bleiben die Feinde auch hier flache Persönlichkeiten, da wir immer noch ihre Sprache nicht verstehen, und Batman ihre Motivation spekulativ erklären muss.

Predator in der Bathöhle.

Aber auch Batman benimmt sich ärgerlich unlogisch. Hier ist es Robin, dessen Hilfe er ablehnt – und ihm auch nicht erklärt, warum die Predators eine zu große Gefahr für ihn darstellen. Und ausnahmsweise folgt Robin dem Befehl blind, was ihm allerdings nichts nützt, denn ein Predator ist trotzdem hinter ihm her. Batman steigt wieder in seine Rüstung und es kommt zum Kampf in der Bathöhle …

Chuck Dixon scheint seine Geschichte selbst nicht ernst zu nehmen. Angesteckt von der Men-in-Black-Mode erscheinen zwei US-Geheimagenten, die sich sehr geheimnisvoll und kompetent geben, aber dann einen schnellen Tod sterben. Dass hier mit Mister Freeze der einzige klassische Schurke in diesen Storys auftaucht, hat keinen tieferen Zweck, als Anlass für ein paar dumme Eis-Kalauer zu geben.

Am Ende, wenn man Seite um Seite den Endkampf ohne Worte überblättert, wird klar: Man darf von diesen Crossovern nicht zu viel erwarten. Im Grunde kommt es nur darauf an, zwei Superkämpfern beim Duell zuzusehen. Wer eine leichte Lektüre für heiße Sommertage sucht, ist mit diesen 400 Seiten bestens bedient.

>> Liste der Batman-Crossover

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Batmans böses Omen

DC Comics

Titel: Resurrection Night

Autor/Zeichner: Doug Moench/George Perez, Joe Kubert, Bill Sienkiewicz, Brian Bolland, John Byrne u.a.

Erschienen: 1986 (Batman #400)


Zur 400. Ausgabe von Batman hat DC ein 60-seitiges Jubiläumsheft mit einem All-Star-Aufgebot herausgebracht. Nicht nur eine Reihe bekannter Zeichner, sondern auch alle klassischen Schurken tauchen in der Story von Doug Moench auf.

Zeitgleich werden die Insassen von Arkham und Blackgate befreit. Batmans Erzfeinde schlüpfen in ihre Kostüme und entführen Vicky Vale, Harvey Bullock sowie Julia und Alfred Pennyworth. Dann übernimmt der Joker zusammen mit Pinguin und Mad Hatter das Polizeipräsidium und erklärt Commissioner Gordon zur Geisel.

Hinter der Aktion steckt Ra’s al Ghul. Er will – mal wieder – Batman auf seine Seite ziehen. Ra’s bietet ihm an, ihm zu helfen, alle Schurken auf einmal zu fassen oder auch zu töten. Auch wenn Batman das Angebot ausschlägt, gerät er doch in Selbstzweifel, seine Mühe könnte vergeblich sein. Selbst Alfred interpretiert Batmans Feldzug als Scheitern, denn es sei ihm nicht gelungen, seine Gegner zu resozialisieren. Am besten wäre eine Welt, die keine Gefängnisse nötig hat – aber damit setzt er die Messlatte ins Unerreichbare.

Robin und Catwoman unterstützen Batman als Sidekicks. Wie immer taucht Talia als Helferin in der Not auf, verschwört sich gegen ihren Vater und erklärt: Ra’s will Batman nicht wirklich bekehren, sondern ihn als Mann zerstören, er will seinen Geist brechen.

Und hier wird es interessant. Denn in gewisser Weise nimmt die Story (wissentlich oder nicht) viele weitere wichtige Ereignisse der späteren Jahre vorweg. Eine ähnliche Agenda wird Bane in Knightfall (1993) haben und sogar ähnlich vorgehen. Auch er wird die Arkham-Insassen befreien, was sich später auch durch das Beben wiederholen wird. Und Killer Croc spricht in Batman #400 sogar davon, Batmans Rückgrat brechen zu wollen.

Mehr noch: Ra’s Geheimversteck unter einer Windmühle wird von einem Erdbeben zerstört. Und als kurz darauf Batman mit seinen befreiten Freunden in der Bathöhle sein Jubiläum feiert (nicht gesagt wird, wie viele Jahre Batman im Dienst ist), setzt ein Nachbeben ein, das einen Stalaktiten von der Höhlendecke abbrechen und in die Torte fallen lässt. „An omen?“, fragt Robin, wie damals Bruce, als die Fledermaus in sein Fenster geflogen kam. „Yes“, sagt Batman. „A single ‚candle‘ … to mark the first night of a new beginning … an nothing, my friends — to laugh about.“ Es wirkt, als würde Batman bereits voraussehen, dass die Höhle ein Jahrzehnt später zusammen mit Gotham City bei einem Beben zerstört werden wird.

Man kann einwenden, dass Batman nur meint, es gehe eine Ära zu Ende, weil das DC-Universum nach der Crisis on Infinite Earths neu geordnet wird. Aber selbst dann drückte Batman den Pessimismus aus, dass alles noch schlimmer werden würde. Man kann auch einwenden, es sei unwahrscheinlich, dass ein Autor die Doug Moench so weit vorausgeplant hat. Aber darum geht es nicht: Im Rückblick erscheint diese Story prophetisch – und sei es nur durch schieren Zufall.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Detective Comics #500

Rache an Ra’s

Titel: League of Batmen

Autor/Zeichner: Doug Moench/Mark Bright

Erschienen: 2001 (Zweiteiler)


Nachdem der Batman der Zukunft (Tallant, Sohn von Bruce und Talia) die Brotherhood of the Bat von Ra’s al Ghul besiegt hat, baut er sich eine eigene League of Batmen auf. Die bunte Truppe reist um die Welt, um einen Impfstoff gegen die Seuche zu verteilen, die die Menschheit fast ausgerottet hat. Doch Ra’s al Ghul schickt eine Armee von Robotern los, um die Batmen zu töten. Für Tallant hat er sich was ganz Besonderes ausgedacht: Einen bösen Klon von Bruce Wayne.

Als dieser dämonische Batman Talia ermordet, fliegt die Truppe nach Mexiko, um sich an Ra’s zu rächen und seine neuesten Weltzerstörungspläne zu vereiteln. Denn Ra’s will mittels einer aufgepimpten Lazarusgrube endgültig unsterblich werden, dabei soll allerdings die Menschheit draufgehen. Durch die ganzen Wiederbelebungen hat Ra’s spitze Ohren, Klingonenstirn und Schuppenhaut bekommen und sieht dämonischer denn je aus.

Schon der erste Teil hat nicht überzeugt, von der Fortsetzung war auch nicht mehr zu erwarten, und auf dem Niveau bewährter Mittelmäßigkeit dümpelt auch dieser Zweiteiler vor sich hin. Pathetische Reden, lauter Klischees und ein durchschnittlicher Zeichenstil taugen lediglich für eine Lektüre, durch die man hirnlos durchrauschen kann.

Zu lachen gibt es höchstens etwas, wenn es unfreiwillig komisch wird: In einer Sequenz lässt sich der böse Attentäter von seinem Mord an Batman von einer Bande ablenken, die ihm das Fahrzeug klauen will. Die Erklärung: Er wurde darauf trainiert, zu handeln, ohne zu denken – nicht unbedingt die beste Eigenschaft. Als er Talia töten soll, fängt er plötzlich doch zu grübeln an, und trifft auch noch den falschen Schluss. Und als dann Tallant die Leiche seine Mutter sieht, schlägt er wütend auf den Mörder ein – rätselhafterweise nur auf die Brust, während ein vernünftiger Batman eher auf das Gesicht oder verwundbarere Körperteile zielen würde. Aber egal, wie gesagt: Ohne große Ansprüche erfüllt die Story ihren Zweck als Zeitvertreib.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Clayface 5 und 6: Clay-Thing

Titel: Chasing Clay

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones, J.H. Williams III

Erschienen: 1998 (Batman #550), Paperback 2017 (Batman Arkham: Clayface), dt. Dino 1999 (Batman Special 8)


Cassius „Clay“ Payne, das Kind von Clayface 3 und Lady Clay, ist sehr schnell groß geworden. Da die Eltern in Arkham hocken, experimentieren Wissenschaftler des Departments of Extranormal Operations (DEO) an ihrem Sohn herum. Doch kaum hat Dr. Peter Malley eine Probe des Körpers entnommen, macht sich diese selbständig, ergreift Besitz von dem Doktor und wird zu Clay-Thing, dem fünften oder gar sechsten Clayface. Der kann Menschen und Dinge durch bloßes Ansehen dahinschmelzen lassen. Buchstäblich.

Die erste Erfahrung damit macht ein Agent, dessen Waffe mit seiner Hand verschmilzt – der ganze Arm muss daraufin amputiert werden. Clay-Thing macht sich auf den Weg nach Gotham, um seine Eltern zu besuchen, und hinterlässt eine Spur des Todes und der Zerstörung.

Die DEO-Agentin Cameron Chase wird beauftragt, sich um das Problem zu kümmern. Notgedrungen muss sie mit Batman zusammenarbeiten, obwohl sie für Superhelden und -schurken nicht viel übrig hat. In Arkham lässt Clay-Thing eine Mauer schmelzen und befreit Amygdala, später schmilzt er beim Anblick von Cameron Chase selbst dahin. Die Erklärung: Wahrscheinlich hat die Frau selbst irgendwelche Superkräfte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier zeigt sich, dass der Gestaltenwandler Clayface immer noch keine definitive Form angenommen hat, sondern sich weiterentwickelt. Clayface ist keine Figur, sondern eine Art Fluch, der von Person zu Person weitergegeben wird und sich immer wieder anders manifestiert. Der Mensch dahinter ist so austauschbar wie die Kräfte variieren. Der Schurke wird immer wieder gesteigert: Vom Mörder zum Monster.

Die Story rekapituliert zu Beginn noch einmal die Geschichte aller bisherigen Clayface-Figuren. Was sicher hilfreich ist für neue Leser, wirkt ermüdend, wenn man die Story in einem Band liest, der voller Clayface-Origins ist, wie Batman Arkham: Clayface.

>> Liste der Clayface-Comics

Der Pinguin und der Falke

Titel: The Penguin Returns – Burning Faces/The Egyptian Falcon (dt. Die Rückkehr des Pinguin: Brennende Gesichter/Der ägyptische Falke)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1997 (Batman #548-549), Paperback 2018 (Batman Arkham: Penguin), dt. Dino 1999 (Batman Special #8)


„Too long since I last gave wing to my bird compulsion.“ (Pinguin)

Seit der Pinguin seine Iceberg Lounge betreibt und so tut, als wäre er ein ehrlicher Geschäftsmann (Detective Comics #683-684, 1995), langweilt er sich. Andere verrichten für ihn die Drecksarbeit, aber leider ist auf die Handlanger kein Verlass. Als mal wieder was schief geht, weil die False Face Society (Black Mask) und Batman einen Coup vereiteln, sagt sich der Chef: Alles muss man selber machen, er nimmt seinen Regenschirm und zieht alleine los. Wie in alten Zeiten.

Der Pinguin fängt klein an: Bei einem kleinen Überfall auf einen Juwelier klaut er nur einen kleinen Diamanten und hinterlässt ein Pinguin-Ei, später klaut er im Museum eine altägyptische Falkenstatue und tauscht sie gegen ein Ei, das explodiert. Als ihn Batman konfrontiert, wird er zwar schnell mit seinem Erzfeind fertig, aber er erkennt im Kampf an, wie schnell und wendig der kleine dicke Mann mit seinem Schirm ist. Nebenbei erfahren wir, woher der Pinguin seine Schirm-Manie hat: Seine tyrannische Mutter ließ ihn als Kind nicht ohne aus dem Haus gehen, auch wenn die Sonne schien – man könne nie wissen, wann es als nächstes regnet. Deswegen wurde der kleine Oswald gehänselt.

Der Pinguin hat Batman zwar nicht viel entgegenzusetzen, aber dafür kluge Worte: Batman kann ihn auch nicht mit einer Tonaufzeichnung hinter Gitter bringen, denn da er selbst anonym bleibt und vor Gericht nicht aussagen kann, ist das Beweismittel nichts wert. Trotzdem: Den Falken kriegt der Pinguin nicht. Immerhin da trickst Batman ihn aus …

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Pinguin fliegt zum Südpol

Titel: Pieces of Penguin/C-C-Cold!

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1984 (Batman #374, Detective Comics #541), Paperback 2018 (Batman: Arkham – Penguin, nur Teil 1!)


Der Pinguin schlägt wieder zu: Mit einem explodierenden Roboter-Pinguin lässt er die Schaufenster eines Juweliers zerspringen und bedient sich selbst. Doch er hat noch größeres vor. Dann sucht er Vicky Vale auf. Die Reporterin soll Fotos von ihm machen, die ihn in einem besseren Licht darstellen, als es seinem öffentlichen Image entspricht.

Wieder bricht sein übergroßes Ego durch: Auch wenn bisher Batman immer gewonnen hat, hält sich der Pinguin für einen besseren Verbrecher als den Joker und andere, denn immerhin seien ihm vor seinen Festnahmen stets zwei bis drei brillante Raubzüge gelungen. Doch Vicky weigert sich – nicht ohne heimlich ein Foto von ihm zu schießen, aller Gefahr zum Trotz.

Der Piguin lässt noch einmal Juwelen rauben, ohne dass ihm Batman und Robin etwas anhängen können. Dann entführt er einen Reporter, um Regierungsgeheimnisse aus ihm herauszubekommen. Mit denen fliegt er dann in die Antarktis, um sie an die Russen zu verhökern. Warum die weite Reise? Klar, weil es die Heimat der Pinguine ist. Batman fliegt hinterher. Kaum ist er da, schießt der Pinguin dessen Flugzeug mit einer Rakete ab.

Im Eis zeigt sich, wie schlecht Batman ausgestattet ist: Trotz dreifacher Thermokleidung friert er, während dem Pinguin im Frack kein bisschen kalt ist, sogar ein Sturz in eiskaltes Wasser (das kurioserweise nicht gefroren ist) macht ihm nichts aus, während Batman beinahe draufgeht. Der Pinguin scheint so etwas wie Superkräfte zu haben, ohne jegliche Erklärung. Als würde allein sein Name und seine Vorliebe für Vögel ausreichen, um ihn gegen Kälte immun zu machen. Vielleicht wärmt ihn auch nur sein großes Selbstvertraue, wer weiß.

Das Finale endet banal: Der Pinguin hat keine Regierungsgeheimnisse verraten, er ist nämlich trotz allem Patriot, sondern hat die Russen reingelegt. Die wahren Aufnahmen wollte er dem Pentagon verkaufen. (Wie sich das mit Patriotismus verträgt, erklärt er nicht.) Die beiden werden wieder in den Permafrost zurückgeschickt, dann erbarmen sich die Russen ihrer doch und rufen für sie Hilfe. Batman revanchiert sich beim Pinguin trotz Schwäche mit einer Faust ins Gesicht.

(Eine Schlussbemerkung: Leser der Anthologie Batman Arkham: Penguin (2018) bekommen unerklärlicherweise nur die erste Hälfte der Geschichte geboten. Das ist einfach nur dreist. Vielleicht haben sich die DC-Redakteure zu sehr vom Pinguin inspirieren lassen.)

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Ballern auf Batman

DC Comics

Titel: Outlaws (dt. Hetzjagd)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Paul Gulacy

Erschienen: 2000 (Mini-Serie #1-3); dt. Panini 2002, Eaglemoss 2017 (DC Graphic Novel Collection)


„Er hat so viel Gutes getan. Aber hat Batman wirklich das Recht, wie ein Cop zu handeln?“ (Montoya)

Ein Politiker wird auf der Straße erschossen, Batman schnappt sich den Attentäter, aber schon bald ist klar, dass der Verdächtige nur ein Sündenbock ist. Gleichzeitig wird Batmans Medienpräsenz dazu genutzt, Stimmung gegen ihn zu machen. Eine Sondereinheit wird beauftragt, in Gotham auf Vigilantenjagd zu gehen. Und schon bald fliegen lautlos Hubschrauber durch die Skyline, die ohne Rücksicht auf Verluste wild herumballern. Nicht nur Batman ist gefährdet, auch Nightwing, Robin, Huntress und Batgirl. Commissioner Gordon hilft den Jägern nur widerwillig, denn er merkt, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.

Als Outlaws herauskam, war Doug Moench schon seit 17 Jahren Batman-Autor. Er hatte unzählige Serienhefte, Elseworlds und andere Comics geschrieben, eigentlich war er schon kein regulärer Autor mehr. An dieser Mini-Serie merkt man, dass der Routinier Batman auserzählt hatte. Die Idee ist nicht neu, um nicht zu sagen ein alter Hut (vgl. Year One) und es leuchtet nicht ein, warum Batman plötzlich als Vigilant in Frage gestellt wird. Es gibt keinen ernstzunehmenden Anlass. Und auch keine erhellenden Antworten darauf. Obwohl hier die ganze Batman-Familie involviert ist, mutet die Story geschichtsvergessen an, als hätte Batman nicht bereits eintausendmal Gotham vor irgendwelchen Irren gerettet. Batman erscheint hier wie ein Mythos, der erst jetzt von den Medien entdeckt wird.

Story ist nicht alles, aber der Comic hat auch sonst nichts zu bieten außer Standard-Situationen, lahme Dialoge und die Zeichnungen von Paul Gulacy, bei denen mal Anatomie, mal Physiognomie steif und entgleist wirken. Ein Werk, das man lesen, aber sich ebenso gut sparen kann.

Der Fledermausgott von Ägypten

Titel: Book of the Dead

Autor/Zeichner: Doug Moench/Barry Kitson

Erschienen: 1999 (Zweiteiler)


In dieser Elseworld haben Außerirdische die Pyramiden gebaut und die ägyptische Hochkultur begründet. Ja, mehr noch: Sie haben die Menschen überhaupt erst zu „zivilisierten“ Wesen gemacht. Die „Götter“ sind eigentlich nur humanoide Aliens mit Masken gewesen. Einer davon war der Fledermausgott Nekhrun. Doch der wurde aus der Geschichte getilgt. Jahrtausende später wird das Archäologenpaar Wayne ermordet, weil es dem Gott und seinem Geheimnis auf der Spur ist. Nochmal 20 Jahre später macht sich Bruce Wayne mit einer Archäologin auf, um das große Geheimnis zu entschlüsseln. Denn eigentlich geht es um die Rettung der Welt …

In Book of the Dead kommt viel zusammen: Prä-Astronautik, ein Komplott unter Götter-Aliens, die Umpolung des Erdmagnetfelds, klassischer Batman und viele ägyptologische Theorien. Mit einem Wort: Es wird zusammengeschmissen, was nicht zusammengehört. Und was nicht passt, wird passend gemacht. Bis auf drei Sequenzen hat die Geschichte nur wenig Batman-Action zu bieten. Ansonsten liest man viel Götterquark mit pathetischem Geschwätz im Wechsel mit viel theorielastigem Dialog. Immerhin bewahren Barry Kitsons solide Zeichnungen das Heft vor einem Totalschaden.

Die Elseworlds-Mode der 90er trieb mitunter wilde Blüten. Das ist mit Abstand eine der bemühtesten und langweiligsten. Wäre sie mal lieber im Wüstensand begraben geblieben.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Knightfall #11: Troika

Bruce Wayne ist wieder da – ganz in schwarz. Nur noch das Logo auf der Brust und der Gürtel sind gelb. Was ihn zu dem Stilwechsel bewogen hat, bleibt genauso ein Rätsel wie warum und wohin er verschwunden ist. Und schon gibt es Ärger in Gotham: Vier Russen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nichts Besseres zu tun haben, wollen Gotham beherrschen: Colonel Vega, Dark Rider, KGBeast und Romana Vrezhenski. (Obwohl es vier sind, nennen sie sich „Troika“ – noch so ein Rätsel …) Eine Atombombe in einem Baseball soll dabei helfen.

Schon in Prodigal hat die neue Russengang versucht, Wayne Enterprises zu erpressen. Nachdem Lucius Fox sie rausgeworfen hat, rächten sie sich, indem sie zwei Wachmänner niederschossen. Seitdem war nichts mehr davon zu hören. Jetzt nimmt sich Batman einen nach dem anderen vor. Dann taucht Romana, ein wandelndes Klischee mit einem roten Stern auf der Stirn und Pelzmütze, wieder bei Lucius Fox auf und versucht es erneut mit Erpressung. Dabei erweist sie sich als schlecht vorbereitet, weil sie nicht einmal Bruce Wayne erkennt (obwohl er ihr irgendwie bekannt vorkommt). Und es kommt noch dümmer: Um Lucius Fox zu finden, fährt sie zu ihm nach Hause – obwohl sie ihn auch gleich im Büro hätte mitnehmen können.

DC Comics

Das Finale: KGBeast richtet auf einem Chemie-Gelände großen Schaden an und spielt mit dem Gedanken, den Atom-Baseball fallenzulassen. Während Robin das zu verhindern versucht, kabbelt sich Batman mit Romana im Haus der Foxes. Und Harvey Bullock wird schwer verletzt, weil er sich mal wieder sinnbefreit in die Gefahr stürzt.

Troika hat nicht nur nichts mit Knightfall zu tun, es ist auch ein ziemlich einfallsloser Neuanfang für Bruce Wayne. Es fehlt die emotionale Komponente wie bei KnightsEnd, wir kehren wieder zurück zur Routine. Statt Ideen gibt es vor allem Löcher im Plot und Russenklischees. Hier und da sind ein paar kapitalismus- und US-kritische Parolen eingestreut, aber ein politisches Bekenntnis lässt sich daraus nicht ableiten. Nach der Enttäuschung von Prodigal kann man sagen: Man hätte sich die Lektüre nach dem furiosen KnightsEnd sparen können.

Back in Black: Batman.

Eine Anmerkung am Rande: Batman #515 ist erstmals gezeichnet von Kelley Jones. Dieser hatte bisher nur einige (Knightfall-)Cover für die Serie gestaltet. Mit dieser Ausgabe beginnt auch die reguläre Zusammenarbeit mit Autor Doug Moench für die Batman-Serie. Mit ihm hatte er zuvor die Elseworlds-Storys Red Rain: Batman vs. Dracula (1991), Dark Joker: The Wild (1993) und Bloodstorm (1994) gemacht. Die Moench-Jones-Comics der Batman-Serie sind auf Deutsch im Dino-Verlag erschienen, auf Englisch gibt es einen Sammelband (2014), der in diesem Jahr eine Fortsetzung bekommen soll.

Jones ist bekannt für seinen düsteren Stil, der viel mit Schatten arbeitet und sich auf die Darstellung des Grotesken spezialisiert. Realismus sieht anders aus: Batman hat bei Jones immer übertrieben lange Ohren und riesige Capes, die beinahe ein Eigenleben zu entwickeln scheinen. Seine Gesichter sind oft verzerrt und gerade das Hässliche wirkt stets besonders abstoßend. Ein gewöhnungsbedürftiger Stil, der ebenso Fans hat wie Feinde.

(Hinweis: Troika umfasst die Ausgaben Batman #515, Batman: Shadow of The Bat #35, Detective Comics #682, Robin #14 – alle enthalten im gleichnamigen Paperback, der im Februar 2019 erscheint, zusammen mit Nightwing: Alfred’s Return und Batman: Vengeance of The Bat II.)

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Knightfall #7: Knightquest – The Crusade

Bruce Wayne ist gebrochen und im Rollstuhl auf Reisen, Bane ist besiegt, jetzt macht Jean-Paul Valley als Batman die Stadt sicher. Oder vielmehr unsicher. Denn der einst zum Killer indoktrinierte junge Mann weiß noch immer nicht, wer er eigentlich ist und hat sich und seine Programmierung nicht im Griff. Aber da niemand da ist, um ihm auf die Finger zu schauen, kann er machen, was er will. Gotham dient ihm dabei als Spielwiese seiner Selbsterkenntnis.

Das verlassene Wayne Manor verkommt, nicht einmal die Bathöhle macht der Neue sauber. Nach Batmans Kampf gegen Bane liegen immer noch die Scherben der Robin-Vitrine herum, aber vorsichtshalber hat er schon mal den Durchgang zu Tim Drakes Haus zugemauert. Reine Sicherheitsmaßnahme, versteht sich. Heißt aber auch ganz klar: Robin ist unerwünscht. JP macht lieber sein eigenes Ding. Zum Beispiel ein neues Batmobil testen, das auf den Schienen der U-Bahn fährt. 300 Meilen pro Stunde im Tunnel? Das kann nur schiefgehen … Aber zum Glück tauchen zwei Bösewichte auf, die einen Zug voller Geld entführen wollen, da kann JP nach Herzenslust Wildwestheld spielen.

Ach ja, und dann ist da noch die Selbsterkenntnis. Dazu steigt JP nackt in einen Tank voller Wasser, wo er halluziniert. Netter Nebeneffekt: der Leser erfährt noch einmal in Kürze, was bisher geschah. JP bekommt von seinem eingebildeten St. Dumas gesagt, er müsse seinen Kreuzzug als Batman weiterführen. Und da JP macht, was man ihm sagt, legt er los. Gegen Gangsterbosse, gegen neue Schurken wie den Tally Man und einen Profikiller namens Mekros, der genauso wie er konditioniert ist zum Töten und eine Rüstung trägt. Lauter Routine-Aufgaben, im Vergleich zu Bane alles Leichtgewichte, aber der neue Batman tut sich dennoch schwer damit. Aber auch nicht zu schwer, die meisten sind nach zwei Ausgaben erledigt.

Catwoman und Joker

Der neue Batman lässt sich von Catwoman betören, es kommt zu einem körperbetonten Duell, das auf einem Missverständnis beruht. JP hält Selina Kyle für eine Terroristin, die Menschen mit einem Nervengas ermorden will, aber ihre Absichten sind ganz andere. Eine belanglose und zu lang erzählte Episode. Ganz ähnlich die mit dem Joker. Der dreht nämlich einen Film, in dem Batman sterben soll. Aber das Unternehmen ist so halbherzig umgesetzt, dass es nie wirklich um Leben und Tod geht (außer für ein paar unwichtige Nebenfiguren). Joker ist hier bloß wieder Clown, der seine nervigen Späße treibt. Batman bricht ihm am Ende beide Arme – aber dem Joker reichen auch seine Beine, um gefesselt aus einem Krankenwagen zu entkommen …

JP offenbart sich ein paarmal mehr als Fanatiker, der sich selbst nicht im Griff hat. Immer wieder erscheint ihm sein Vorbild St. Dumas und schärft ihm die Wichtigkeit seines Kreuzzugs ein. Später auch sein Vater, der einst als Racheengel Azrael unterwegs war. JP ist hin- und hergerissen. Der Sohn geht äußerst brutal vor, er prügelt besinnungslos auf seine Gegner ein, zerfetzt ihnen das Gesicht mit seinen Klauen und muss sich zusammenreißen, sie nicht zu töten. Andere lässt er laufen, weil sie ihm nicht der Mühe wert erscheinen. Ein Sozialleben hat er nicht. Statt zu schlafen, bastelt er immer wieder an seiner Rüstung rum. Im Laufe der Storyline verändert er ihr mehrmals ihr Design und macht sie zu einer Waffe.

Der Fall Abattoir

Den größten Teil nimmt die Jagd nach Abattoir ein, einem Serienkiller, der es auf seine Familienmitglieder abgesehen hat. Dieser Plot, der mit Batman #505 beginnt, erstreckt sich fast über die zweite Hälfte von The Crusade, involviert neben einigen nervigen Nebenfiguren auch Clayface 3 und Lady Clayface – und ermüdet auch sehr bald. Allerdings kommt es in Batman #508 zu einem entscheidenden Wendepunkt: JP lässt Abattoir sterben. Und dadurch stirbt auch ein weiteres Opfer des Serienkillers. In der Folge hat Commissioner Gordon genug von diesem neuen Batman. JP ist das egal, er rüstet erneut auf – zum letzten Kampf mit dem Profikiller Gunhawk (noch so einer!). Und am Ende taucht Bruce Wayne wieder auf, eigentlich will er sich zur Ruhe setzen. Aber als er sieht, was JP angerichtet hat, stellt er ihn zur Rede und beschließt, seinen Stellvertreter zu entmachten …

The Crusade ist weniger eine Storyline mit einer zusammenhängenden Handlung, sondern eine Reihe von kurzen Geschichten, die nur zum Teil aufeinander Bezug nehmen. Der Spannungsbogen liegt vielmehr in der Entwicklung des Charakters Jean-Paul Valley zum Psycho, der sich nur wenig von seinen Gegnern unterscheidet. Allerdings: So dramatisch ist die Veränderung nun auch wieder nicht. JP tötet Abattoir nicht, er hadert einfach zu lange mit sich, sodass der Killer irgendwann selbst in den Tod stürzt. Dass Batman nicht selbst zum Killer wird, zeigt sich darin, dass er kurz darauf Gunhawk verschont.

Er geht drastischer mit seinen Gegnern um, lässt Wayne Manor verlottern und schottet sich von der Batman-Familie ab. Dennoch bleibt er ein empathischer Held, der einige Male sogar Kinder rettet. So ganz leuchtet die Dringlichkeit also nicht ein, ihn abzusetzen. Außer, dass er nicht freiwillig gehen will. Bruce Wayne hat viel zu leichtsinnig sein Erbe einem unberechenbaren und labilen Mann anvertraut. Der zweite große Fehler nach Bane.

Muss man The Crusade lesen, das immerhin über 600 Seiten lang ist? Nicht unbedingt ganz. Es gibt viele Ausgaben, die man überspringen kann, wenn man ungeduldig ist. Wichtig wird es erst ab Batman #505. Aber auch schon vorher gibt es einige interessante Momente: Batmans Raserei durch die U-Bahn-Schächte, seine Konfrontation mit Robin. Und die klaren Zeichnungen von Graham Nolan und auch die abseitigen von Vincent Giarrano (Shadow of the Bat) sind wahre Hingucker. Die Gunhawk-Episode lässt sich sogar als sozialkritischer Kommentar auf den Waffen-Irrsinn der USA lesen: Wozu braucht Gotham, die Mord-Hauptstadt, eine Waffenmesse? Ein Seitenhieb, der leider immer noch aktuell ist …

The Crusade ist im Paperback Knightfall Vol. 2: Knightquest (2012) sowie im Knightfall Omnibus Vol. 2 (2017) erschienen. Eine deutsche Ausgabe fehlt bislang.

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