Doug Moench

Das Ei des Riddlers

DC Comics

Titel: When Riddled by the Riddler

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton

Erschienen: 1983 (Batman #362), Paperback 2015 (Batman Arkham: The Riddler)


Der Riddler versucht sich in Resozialisierung: Als Aushilfe eines Winzers hat er die ehrenvolle Aufgabe, jeden Tag Weinflaschen umzudrehen. Doch an Resozialisierung hat der Riddler gar kein Interesse – er heckt dort bloß seinen nächsten Coup aus. Als ihm endlich eine Idee kommt, haut er ab, steigt ins grüne Kostüm und schickt Commissioner Gordon ein goldenes Gänse-Ei mit der Aufschrift „MA“.

„Ma Goose“ – also Mother Goose, das deutet auf einen gleichnamigen Vergnügungspark hin. Aber Vergnügungspark – das riecht eigentlich sehr nach Joker. Und als Batman dort eintrifft, sieht man auch die fidelnde Katze, die an eine Catwoman-Story erinnert, und Humpty Dumpty, der auch Erinnerungen an Alice im Wunderland weckt und an den Mad Hatter denken lässt. Der Riddler bewegt sich also in fremden Gefilden, um nicht zu sagen: Er schmückt sich mit fremden Federn. Tatsächlich springt er dann aus Humpty-Dumpty-Ei wie ein Springteufel, was wiederum an Jokers Masche erinnert und dann schießt er mit einem Maschinengewehr auf Batman.

Busfahrt mit Maschinengewehr

Der Riddler, der einige Jahre zuvor noch gegen das Töten geträubt hat, ist nun wieder nicht mehr ganz so abgeneigt, seinen Spielkameraden zu erledigen, bevor das Spiel vorbei ist. Batman verliert die Spur. Im Gordons Büro lässt Harvey Bullock inzwischen Riddlers Ei fallen und es kommt das eigentliche Rätsel zutage. Über einige Ecken kommen Batman und Gordon darauf, dass der Riddler eine Game-Show namens „Enigma“ überfallen und den Hauptpreis erbeuten will.

Ein Plan, der zunächst aufgeht. Nur für die Flucht hat sich der Riddler nichts Besseres einfallen lassen, als in einen (voll besetzten) Omnibus zu steigen. Das ist höchstens gut für ein Wortspiel mit „Re-Bus“, aber nicht um vor Batman abzuhauen, der mit Gordon im Auto hinterjagt. Batman springt aufs Dach, der Riddler schießt ein paar Löcher hinein – gerade groß genug, dass Batman eine Rauchkapsel hineinwerfen kann. Und so erweist sich Riddlers grandioser Plan mal wieder als schneller Rohrkrepierer. Wäre er mal lieber beim Flaschendrehen geblieben.

Ein anderer Riddler, ein anderer Bullock

Für einen kurzen Moment gibt es in dieser Ausgabe einen Riddler mit grünem Bowler und Jackett zu sehen – ein Stilwechsel, den der Schurke erst wieder 1990 in Batman #452 (Dark Knight, Dark City) vollziehen wird. Aber dann wird er auch ein radikal anderer Schurke sein.

Übrigens: In dieser Ausgabe sieht man einen anderen Harvey Bullock, als man ihn heute kennt. Hier ist er noch ein korrupter Polizist, der für Bürgermeister Hamilton Hill James Gordon aus dem Amt drängen will. Eingeführt wird er in Batman #361 (1983) – allerdings taucht ein Harvey Bullock schon 1974 in Detective Comics #441 auf, eine komplizierte Geschichte für ein anderes Mal …

Mehr zum Thema:

Kein Land für alte Clowns

DC Comics

Titel: Ruins/Laugh, Killer, Laugh/The Joker Is Wild

Autor/Zeichner: Doug Moench/Don Newton, Gene Colan

Erschienen: 1983 (Batman #365, Detective Comics #532, Batman #366), Hardcover 2019 (The Joker: The Bronze Age Omnibus)


Von 1960 bis 1996 befand sich Guatemala im Bürgerkrieg. Die USA haben ihren Teil dazu beigetragen, dass es soweit kommen konnte. Insgesamt wurden 150.000 bis 250.000 Menschen getötet. Unter Diktator Efraín Ríos Montt wurden in den Jahren 1982 und 1983 Massenmorde und andere Gräueltaten begangen. Er wurde deswegen im Jahr 2013 zu 80 Jahren Haft verurteilt. Vor diesem Hintergrund liest sich die folgende Geschichte mit einem bitteren Beigeschmack.

Vicky Vale ist in Guatemala unterwegs, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten, dann wird sie von einer Gruppe vermeintlicher Rebellen gefangen genommen und in eine alte Ruine gebracht. Von dort aus kann sie mit einer List eine Botschaft nach Gotham schicken, sodass die Polizei und durch Zufall auch Bruce Wayne davon Wind kriegen. Seine Beziehung zu Vicky ist gerade an ein Ende gekommen, trotzdem steigt er für sie ins Batman-Kostüm und fliegt zu ihrer Rettung.

Guatemala soll Joker-Land werden

Vickys Entführer ist der Joker. Er plant, das Militär gegen die Rebellen auszuspielen und am Ende selbst das Land zu übernehmen: Guatemala soll Joker-Land werden. Dafür hat der Clown große Pläne. Aus den Pyramiden sollen etwa Springteufel herauskommen. Eine kleine Achterbahn mit Joker-Zug hat er schon einmal errichtet. Fragen wir lieber nicht, wie er das geschafft hat. Oder wozu der ganze Aufwand gut sein soll. Am Ende geht es ihm wie immer um sein verdrehtes Verständnis von Spaß. So sagt er auch über Batman, dass er ihn auch nur deshalb nicht getötet oder ihn demaskiert habe – wo wäre da der Witz?

Also muss sich Batman gegen Indianer, Leoparden und Ganoven Rebellen zur Wehr setzen und wird auf den Joker-Zug gespannt, der Vicky überfahren soll. Batman befreit sich wie immer sehr kreativ aus dieser Todesfalle, schaltet den Joker aus, aber statt ihn festzuhalten, haut er mit Vicky lieber ab und verhindert ein Attentat, das der Joker auf den General verüben will. Daraufhin verbünden sich Rebellen und Armee, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Am Ende herrscht zwar immer noch kein Frieden, aber Vicky Vale kann festhalten, wie sich zwei Todfeinde gegenseitig ihren Respekt bezeugen.

Jason Todd als Robin

In all dem Schabernack schwingt also durchaus Zeitkritik durch: Der Joker wird zum Symbol für die Absurdität des Bürgerkrieges und die Gefahr von Anarchie und Chaos. Das versöhnliche Ende wirkt trotzdem ziemlich weltfremd und naiv. Und vor dem Hintergrund der wahren Massaker erscheint die vergleichsweise harmlose Joker-Story sogar ziemlich geschmacklos.

Übrigens: In dieser Geschichte hat nicht nur Jason Todd seinen ersten Auftritt als Robin (Batman #366) (indem er sich – typisch – Batman widersetzt, ihm nach Guatemala folgt und den Joker ausknockt), sondern Alfred sieht auch seine Tochter Julia wieder, die endlich erfahren hat, dass er ihr Vater ist. Aber das sind Geschichten für ein anderes Mal.

Mehr zum Thema:

Batman ist bankrott

DC Comics

Titel: Down to the Bone

Autor/Zeichner: Doug Moench/Denys Cowan

Erschienen: 1986 (Batman Annual #10), Paperback 2018 (Batman Arkham: Hugo Strange)


Bruce Wayne ist pleite. Ganz plötzlich haben Anteilseigner der Wayne Foundation ihre Anteile verkauft, nachdem sie bedroht worden sind. Lucius Fox hat nicht aufgepasst, weil er mit Wahlkampf beschäftigt war (er will Bürgermeister werden). Aber Bruce gibt sich selbst die Schuld. Jedenfalls gehört die Stiftung nicht mehr Wayne, Lucius fliegt raus, Bruce hat kein Geld mehr, er verliert sogar Wayne Manor.

Als könnte es nicht mehr schlimmer kommen, erleidet Alfred nach dem Besuch eines Fremden plötzlich einen Herzinfarkt und Bruce verliert das Sorgerecht für Jason Todd. Bruce bleiben nur noch 37 Dollar und sein Batman-Kostüm. Zum ersten Mal muss er selbst Lebensmittel kaufen, das Meiste geht für eine Heizplatte drauf, mit der er sich in einem Glockenturm Dosen warmmacht. „Why doesn’t my utility belt have a spoon?“ Er hat nicht mal Kleingeld zum Telefonieren.

Und es kommt noch schlimmer: Ein Unbekannter gibt sich als Batman aus und begeht Diebstähle. Der wahre Batman ermittelt und erkennt einen Zusammenhang. Es muss also jemand sein, der seine Geheimidentität kennt. Da kommen nur zwei in Frage und weil es schon auf dem Cover verraten wird, wollen wir es nicht zu spannend machen: Hugo Strange.

Überleben dank Mandroids

Ist der nicht tot? Ja, das haben wir uns schon beim letzten Mal gefragt. Und nein: Er ist es auch diesmal nicht. Denn der Hugo Strange, der einen Wayne-Manor-Nachbau auf sich einstürzen ließ (Batman #356, 1983) war kein echter Hugo Strange, sondern nur ein Roboter. Diese Erklärung ergibt nicht wirklich Sinn, wo es ihm doch beim letzten Mal sehr darauf ankam, Batman im Zweikampf zu besiegen. Aber sei’s drum: Der verrückte Professor hat Bruce ruiniert und will jetzt auch Batmans Ruf folgen lassen.

Batman und Robin sprengen sich ihren Weg nach Wayne Manor, müssen mit Batman- und Strange- und Robin-Robotern („Mandroids“) fertig werden. Nach einer Prügelei in der Bathöhle, kommt es zum Showdown mit Helikopter und Batmobile. Strange landet im Knast. Aber ist es auch diesmal der echte? Ja, alle möglichen Tests beweisen es. Strange ist derweil verwirrt, ob er wirklich weiß, dass Batman Bruce Wayne ist, oder ob Batman ihn das nur glauben lassen will.

Und als Bruce, Jason und Alfred am Ende vor den Trümmern von Wayne Manor stehen, bleibt am Ende die Erkenntnis, dass aller Luxus bloß wertloses Zeug ist. „Home is where the heart is.“ Zurück zum Status quo. Bis dahin war es aber ein Vergnügen, Bruce und Batman zumindest kurz ganz am Boden zu sehen.

Mehr zum Thema:

Gotham wird zum Schlachthaus

Batman: Crimson Mist

DC Comics

Titel: Crimson Mist (dt. Blutroter Nebel)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1998 (One-Shot), Paperback 2007 (Tales of the Multiverse: Batman Vampire), 2016 (Batman Elseworlds Vol. 2); dt. Panini 2002


„I’ve become worse than Two-Face, perhaps worse than Dracula himself.“ (Batman)

Nachdem Batman den Joker getötet hat und er sich von Alfred hat einen Pflock ins Herz rammen lassen (siehe Bloodstorm), liegt Batman als Skelett in seiner Gruft, sein Bewusstsein hängt zwischen Leben und Tod fest. In Gotham treiben neue Verbrecher ihr Unwesen: Two-Face, Scarecrow, Poison Ivy, Pinguin, Black Mask und in der Kanalisation frisst Killer Croc Prostituierte. Die Polizei ist verzweifelt, Gordon stattet Alfred einen Besuch ab. Daraufhin zieht Alfred Batmans Überresten den Pflock aus dem Brustkorb und Vampir-Batman kehrt wieder zurück, um in Gotham aufzuräumen.

Das bedeutet: Batman schlachtet einen Schurken nach dem anderen ab. Sogar in Arkham tötet er alle Mörder. Unterwegs ist er wahlweise als Riesenfledermaus oder als roter Nebel. Dann verbünden sich Gordon und Alfred mit Two-Face und Killer Croc, um dem Vampir Einhalt zu gebieten. Ihm selbst treibt ein Todeswunsch um …

Der dritte Teil der Vampir-Saga bietet einen starken Abschluss. Es wird anfangs zwar etwas zu viel gemetzelt, aber in der zweiten Hälfte wird das Finale in der Bathöhle spannend. Da Kelley Jones immer wieder beeindruckend den Horror darstellt, lässt sich die Brutalität ertragen. Gerade Batman erscheint alle paar Seiten noch schrecklicher als zuvor.

Interessant ist der innere Konflikt der drei Hauptfiguren: Alfred und Gordon wollen Batman nur widerwillig ausschalten, auch Batman will nicht töten, muss aber, um zu überleben. Verbrecher zu opfern ist das kleinere Übel. Er sieht seine Erlösung darin, dass am Ende alle Menschen zu Vampiren werden und dadurch schließlich verhungern, bzw. verdursten.

Zwischen den Zeilen scheint eine leise Zivilisationskritik durch: Die Vampire werden zur Allegorie für die Menschheit, die die Erde ausbeutet. Der Parasit kann nur endgültig sterben, wenn es nichts mehr zu holen gibt. Zum Glück geht diese Batman-Geschichte anders aus. Ein Ende im Frieden für alle Beteiligten. Und zum Schluss scheint sogar die Sonne.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Man-Bat fliegt zum Nordpol

Titel: Darkest Night of the Man-Bat: Predation/Pursuit/Predemption

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1996-1997 (Batman #536-538), Hardcover 2018 (Batman by Doug Moench & Kelley Jones)


In der Final Night ist die Sonne erloschen. Die Welt friert in ewiger Nacht. (Nur der Mond scheint sonderbarerweise noch …) Das löst Kirk Langstroms niedere Instinkte aus, er verwandelt sich in Man-Bat und macht die Stadt unsicher. Er frisst Katzen und Fische, aber die Menschen sind es, die Angst vor ihm haben. Zurecht, denn Langstom hat in Monstergestalt sogar seine Frau Francine angegegriffen.

Batman nimmt die Fährte auf, um Langstrom zu helfen und ihn wieder zurückzuverwandeln, aber Man-Bat sträubt sich dagegen und flieht – zum Nordpol. Denn dort hat eine geheime Forschungseinrichtung, die neue Waffen testet, eine Strahlung ausgesendet, die Man-Bat angelockt hat. Eine andere Erklärung ist, dass Man-Bat als nachtaktives Wesen die Polarnacht aufsuchen wollte, aber das ergibt nur wenig Sinn, wenn auf der ganzen Welt die gleiche Finsternis herrscht.

Nun gut, Batman fliegt also hinterher. Man-Bat ist mittlerweile in einer Höhle zu einem Eiszapfen gefroren und wird von den Forschern gefunden. Als er obduziert werden soll, wacht er auf, wehrt sich und entkommt. Man-Bat hungert und sucht verzweifelt nach Nahrung. Er muss sich zusammenreißen, keine Menschen zu fressen, aber das Tier in ihm dominiert immer mehr. Jäger wollen ihn erschießen, aber Batman kann das verhindern, er heilt ihn und bringt ihn zurück.

Das Zweigespann von Doug Moench und Kelley Jones hat den Vorteil, dass der Zeichner die meist gewöhnlichen Geschichten eine ungewöhnliche Stimmung verleihen. Durch die vielen harten Schatten und den expressiven Zeichenstil wirkt ein Monster wie Man-Bat noch schauriger – und Batman, obwohl ein Held, steht ihm in nichts nach. Besonders anschaulich wird das auf den minimalistischen Covern.

Diesen Zeichnungen ist es zu verdanken, dass man Doug Moenchs pseudowissenschaftliches Geschwafel über elektromagnetische Felder, Nikola Tesla und das Tunguska-Ereignis erträgt, mit der er seine dünne Story unnötig aufbläst. Wahrscheinlich erinnert der Dreiteiler nicht von ungefähr an John Carpenters Horrorfilm „The Thing“, aber dann hätte man deutlich mehr aus der Idee machen können. So ist Man-Bat am Nordpol eine ziemlich weit hergeholte Idee, die nicht viel zu der Figur beiträgt, weil sie im ewigen Eis auch nichts zu suchen hat.

>> Liste der Man-Bat-Comics

Wenn der Jäger zum Gejagten wird

DC/Dark Horse Comics

Titel: DC Comics/Dark Horse: Batman vs. Predator

Autor/Zeichner: David Gibbons, Doug Moench/Andy Kubert, Adam Kubert u.a.

Erschienen: 1991-1992, 1993-1994, 1997-1998 (Batman vs. Predator #1-3, Batman vs. Predator II: Bloodmatch #1-4, Batman vs. Predator: Blood Ties #1-4)


Die 90er waren eine wilde Zeit: Helden starben, wurden in Elseworlds-Szenarien versetzt und in zahllosen Crossovern mit anderen Helden zusammengesteckt, mit denen sie nichts zu tun hatten. Neben DC-Marvel-Crossovern gab es auch welche mit Sci-Fi-Horror-Schurken aus Filmen wie Ridley Scotts Alien und auch Predator. Ein Band versammelt alle drei Begegnungen mit den Jägern.

Batman im Finale gegen Predator. (DC Comics)

Batman im Finale gegen Predator. (DC Comics)

Im ersten Teil geht es um zwei konkurrierende Boxer, hinter denen zwei konkurrierende Gangster stehen. Ein Predator tötet scheinbar wahllos einen Boxer, dann einen Gangster, der ihn untertstützt hat. Dann sind die anderen dran. Der Predator will sich im Kampf beweisen – und entfernt dabei die Schädel, Wirbelsäule und Hände seiner Opfer. Als Batman ihm auf die Spur kommt, wird er schwer verwundet. Nach viel zu kurzer Zeit tritt der Held zur Revanche an – natürlich in einer schnieken Superrüstung in der Tradition von The Dark Knight Returns.

Batman in Rüstung

Batman: Gut gerüstet gegen den Predator.

Es kommt beim ersten Crossover weniger auf die Story an, sondern auf die Inszenierung. Andy Kuberts Zeichnungen erinnern sehr an den frühen Frank Miller und David Mazzuchelli, auch die zurückhaltende Farbgebung erinnert an The Dark Knight Returns und Year One. Es entsteht eine raue Atmosphäre, in der Dave Gibbons (Watchmen) geradezu meisterhaft eine simple Story mit einiger Eleganz erzählt. Besonders ausdrucksstark und spannend gerät das Finale, in dem Batman den Predator bekämpft.

Der zweite Teil ist konventioneller erzählt und folgt dem Prinzip, in der Forstetzung noch einen draufzusetzen, daher ist die Story auch ziemlich vollgepackt mit Nebenhandlung und Figuren. Aus naheliegenden Gründen bekommt Batman Hilfe von Huntress, als ein Predator wieder zum „Bloodmatch“ auftaucht. Huntress hat eigentlich eine andere Agenda: Sie will einen Drogenboss hochnehmen. Zugleich heuert dieser Drogenboss eine Reihe von Auftragskillern an, die Batman erledigen sollen.

DC Comics

Der Predator tötet ein paar Polizisten, verletzt Gordon schwer, stiehlt das Bat-Signal und lockt damit Batman an. Es kommt zum Duell und Batman wird besiegt. Doch diesmal ist der Predator nicht allein, es wird schwieriger, aber der sture Batman weist Huntress zunächst ab. Es rollen viele Köpfe und es wird viel gekämpft, aber es bleibt eher was fürs Auge als fürs Hirn.

So bleibt es auch bis zum Schluss. Der dritte Teil, „Blood Ties“, ist der schwächste von allen. Wieder sind es zwei Predators, die sich Gotham als Spielwiese ausgesucht haben. Nur diesmal erfahren wir, dass sie schon seit Jahrhunderten Menschen töten, um sich beweisen. Zweifelhaft ist, warum sie es ausgerechnet auf Menschen abgesehen haben, die meist keine Herausforderung für sie darstellen, sondern sich sehr leicht Schädel und Rückgrat herausreißen lassen. Das ganze Predator-Konzept bekommt Risse. Außerdem bleiben die Feinde auch hier flache Persönlichkeiten, da wir immer noch ihre Sprache nicht verstehen, und Batman ihre Motivation spekulativ erklären muss.

Predator in der Bathöhle.

Aber auch Batman benimmt sich ärgerlich unlogisch. Hier ist es Robin, dessen Hilfe er ablehnt – und ihm auch nicht erklärt, warum die Predators eine zu große Gefahr für ihn darstellen. Und ausnahmsweise folgt Robin dem Befehl blind, was ihm allerdings nichts nützt, denn ein Predator ist trotzdem hinter ihm her. Batman steigt wieder in seine Rüstung und es kommt zum Kampf in der Bathöhle …

Chuck Dixon scheint seine Geschichte selbst nicht ernst zu nehmen. Angesteckt von der Men-in-Black-Mode erscheinen zwei US-Geheimagenten, die sich sehr geheimnisvoll und kompetent geben, aber dann einen schnellen Tod sterben. Dass hier mit Mister Freeze der einzige klassische Schurke in diesen Storys auftaucht, hat keinen tieferen Zweck, als Anlass für ein paar dumme Eis-Kalauer zu geben.

Am Ende, wenn man Seite um Seite den Endkampf ohne Worte überblättert, wird klar: Man darf von diesen Crossovern nicht zu viel erwarten. Im Grunde kommt es nur darauf an, zwei Superkämpfern beim Duell zuzusehen. Wer eine leichte Lektüre für heiße Sommertage sucht, ist mit diesen 400 Seiten bestens bedient.

>> Liste der Batman-Crossover

Batmans böses Omen

DC Comics

Titel: Resurrection Night

Autor/Zeichner: Doug Moench/George Perez, Joe Kubert, Bill Sienkiewicz, Brian Bolland, John Byrne u.a.

Erschienen: 1986 (Batman #400)


Zur 400. Ausgabe von Batman hat DC ein 60-seitiges Jubiläumsheft mit einem All-Star-Aufgebot herausgebracht. Nicht nur eine Reihe bekannter Zeichner, sondern auch alle klassischen Schurken tauchen in der Story von Doug Moench auf.

Zeitgleich werden die Insassen von Arkham und Blackgate befreit. Batmans Erzfeinde schlüpfen in ihre Kostüme und entführen Vicky Vale, Harvey Bullock sowie Julia und Alfred Pennyworth. Dann übernimmt der Joker zusammen mit Pinguin und Mad Hatter das Polizeipräsidium und erklärt Commissioner Gordon zur Geisel.

Hinter der Aktion steckt Ra’s al Ghul. Er will – mal wieder – Batman auf seine Seite ziehen. Ra’s bietet ihm an, ihm zu helfen, alle Schurken auf einmal zu fassen oder auch zu töten. Auch wenn Batman das Angebot ausschlägt, gerät er doch in Selbstzweifel, seine Mühe könnte vergeblich sein. Selbst Alfred interpretiert Batmans Feldzug als Scheitern, denn es sei ihm nicht gelungen, seine Gegner zu resozialisieren. Am besten wäre eine Welt, die keine Gefängnisse nötig hat – aber damit setzt er die Messlatte ins Unerreichbare.

Robin und Catwoman unterstützen Batman als Sidekicks. Wie immer taucht Talia als Helferin in der Not auf, verschwört sich gegen ihren Vater und erklärt: Ra’s will Batman nicht wirklich bekehren, sondern ihn als Mann zerstören, er will seinen Geist brechen.

Und hier wird es interessant. Denn in gewisser Weise nimmt die Story (wissentlich oder nicht) viele weitere wichtige Ereignisse der späteren Jahre vorweg. Eine ähnliche Agenda wird Bane in Knightfall (1993) haben und sogar ähnlich vorgehen. Auch er wird die Arkham-Insassen befreien, was sich später auch durch das Beben wiederholen wird. Und Killer Croc spricht in Batman #400 sogar davon, Batmans Rückgrat brechen zu wollen.

Mehr noch: Ra’s Geheimversteck unter einer Windmühle wird von einem Erdbeben zerstört. Und als kurz darauf Batman mit seinen befreiten Freunden in der Bathöhle sein Jubiläum feiert (nicht gesagt wird, wie viele Jahre Batman im Dienst ist), setzt ein Nachbeben ein, das einen Stalaktiten von der Höhlendecke abbrechen und in die Torte fallen lässt. „An omen?“, fragt Robin, wie damals Bruce, als die Fledermaus in sein Fenster geflogen kam. „Yes“, sagt Batman. „A single ‚candle‘ … to mark the first night of a new beginning … an nothing, my friends — to laugh about.“ Es wirkt, als würde Batman bereits voraussehen, dass die Höhle ein Jahrzehnt später zusammen mit Gotham City bei einem Beben zerstört werden wird.

Man kann einwenden, dass Batman nur meint, es gehe eine Ära zu Ende, weil das DC-Universum nach der Crisis on Infinite Earths neu geordnet wird. Aber selbst dann drückte Batman den Pessimismus aus, dass alles noch schlimmer werden würde. Man kann auch einwenden, es sei unwahrscheinlich, dass ein Autor die Doug Moench so weit vorausgeplant hat. Aber darum geht es nicht: Im Rückblick erscheint diese Story prophetisch – und sei es nur durch schieren Zufall.

>> Liste der Ra’s al Ghul-Comics
>> Detective Comics #500

Rache an Ra’s

Titel: League of Batmen

Autor/Zeichner: Doug Moench/Mark Bright

Erschienen: 2001 (Zweiteiler)


Nachdem der Batman der Zukunft (Tallant, Sohn von Bruce und Talia) die Brotherhood of the Bat von Ra’s al Ghul besiegt hat, baut er sich eine eigene League of Batmen auf. Die bunte Truppe reist um die Welt, um einen Impfstoff gegen die Seuche zu verteilen, die die Menschheit fast ausgerottet hat. Doch Ra’s al Ghul schickt eine Armee von Robotern los, um die Batmen zu töten. Für Tallant hat er sich was ganz Besonderes ausgedacht: Einen bösen Klon von Bruce Wayne.

Als dieser dämonische Batman Talia ermordet, fliegt die Truppe nach Mexiko, um sich an Ra’s zu rächen und seine neuesten Weltzerstörungspläne zu vereiteln. Denn Ra’s will mittels einer aufgepimpten Lazarusgrube endgültig unsterblich werden, dabei soll allerdings die Menschheit draufgehen. Durch die ganzen Wiederbelebungen hat Ra’s spitze Ohren, Klingonenstirn und Schuppenhaut bekommen und sieht dämonischer denn je aus.

Schon der erste Teil hat nicht überzeugt, von der Fortsetzung war auch nicht mehr zu erwarten, und auf dem Niveau bewährter Mittelmäßigkeit dümpelt auch dieser Zweiteiler vor sich hin. Pathetische Reden, lauter Klischees und ein durchschnittlicher Zeichenstil taugen lediglich für eine Lektüre, durch die man hirnlos durchrauschen kann.

Zu lachen gibt es höchstens etwas, wenn es unfreiwillig komisch wird: In einer Sequenz lässt sich der böse Attentäter von seinem Mord an Batman von einer Bande ablenken, die ihm das Fahrzeug klauen will. Die Erklärung: Er wurde darauf trainiert, zu handeln, ohne zu denken – nicht unbedingt die beste Eigenschaft. Als er Talia töten soll, fängt er plötzlich doch zu grübeln an, und trifft auch noch den falschen Schluss. Und als dann Tallant die Leiche seine Mutter sieht, schlägt er wütend auf den Mörder ein – rätselhafterweise nur auf die Brust, während ein vernünftiger Batman eher auf das Gesicht oder verwundbarere Körperteile zielen würde. Aber egal, wie gesagt: Ohne große Ansprüche erfüllt die Story ihren Zweck als Zeitvertreib.

>> Liste der Batman-Elseworlds-Comics

Clayface 5 und 6: Clay-Thing

Titel: Chasing Clay

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones, J.H. Williams III

Erschienen: 1998 (Batman #550), Paperback 2017 (Batman Arkham: Clayface), dt. Dino 1999 (Batman Special 8)


Cassius „Clay“ Payne, das Kind von Clayface 3 und Lady Clay, ist sehr schnell groß geworden. Da die Eltern in Arkham hocken, experimentieren Wissenschaftler des Departments of Extranormal Operations (DEO) an ihrem Sohn herum. Doch kaum hat Dr. Peter Malley eine Probe des Körpers entnommen, macht sich diese selbständig, ergreift Besitz von dem Doktor und wird zu Clay-Thing, dem fünften oder gar sechsten Clayface. Der kann Menschen und Dinge durch bloßes Ansehen dahinschmelzen lassen. Buchstäblich.

Die erste Erfahrung damit macht ein Agent, dessen Waffe mit seiner Hand verschmilzt – der ganze Arm muss daraufin amputiert werden. Clay-Thing macht sich auf den Weg nach Gotham, um seine Eltern zu besuchen, und hinterlässt eine Spur des Todes und der Zerstörung.

Die DEO-Agentin Cameron Chase wird beauftragt, sich um das Problem zu kümmern. Notgedrungen muss sie mit Batman zusammenarbeiten, obwohl sie für Superhelden und -schurken nicht viel übrig hat. In Arkham lässt Clay-Thing eine Mauer schmelzen und befreit Amygdala, später schmilzt er beim Anblick von Cameron Chase selbst dahin. Die Erklärung: Wahrscheinlich hat die Frau selbst irgendwelche Superkräfte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier zeigt sich, dass der Gestaltenwandler Clayface immer noch keine definitive Form angenommen hat, sondern sich weiterentwickelt. Clayface ist keine Figur, sondern eine Art Fluch, der von Person zu Person weitergegeben wird und sich immer wieder anders manifestiert. Der Mensch dahinter ist so austauschbar wie die Kräfte variieren. Der Schurke wird immer wieder gesteigert: Vom Mörder zum Monster.

Die Story rekapituliert zu Beginn noch einmal die Geschichte aller bisherigen Clayface-Figuren. Was sicher hilfreich ist für neue Leser, wirkt ermüdend, wenn man die Story in einem Band liest, der voller Clayface-Origins ist, wie Batman Arkham: Clayface.

>> Liste der Clayface-Comics

Der Pinguin und der Falke

Titel: The Penguin Returns – Burning Faces/The Egyptian Falcon (dt. Die Rückkehr des Pinguin: Brennende Gesichter/Der ägyptische Falke)

Autor/Zeichner: Doug Moench/Kelley Jones

Erschienen: 1997 (Batman #548-549), Paperback 2018 (Batman Arkham: Penguin), dt. Dino 1999 (Batman Special #8)


„Too long since I last gave wing to my bird compulsion.“ (Pinguin)

Seit der Pinguin seine Iceberg Lounge betreibt und so tut, als wäre er ein ehrlicher Geschäftsmann (Detective Comics #683-684, 1995), langweilt er sich. Andere verrichten für ihn die Drecksarbeit, aber leider ist auf die Handlanger kein Verlass. Als mal wieder was schief geht, weil die False Face Society (Black Mask) und Batman einen Coup vereiteln, sagt sich der Chef: Alles muss man selber machen, er nimmt seinen Regenschirm und zieht alleine los. Wie in alten Zeiten.

Der Pinguin fängt klein an: Bei einem kleinen Überfall auf einen Juwelier klaut er nur einen kleinen Diamanten und hinterlässt ein Pinguin-Ei, später klaut er im Museum eine altägyptische Falkenstatue und tauscht sie gegen ein Ei, das explodiert. Als ihn Batman konfrontiert, wird er zwar schnell mit seinem Erzfeind fertig, aber er erkennt im Kampf an, wie schnell und wendig der kleine dicke Mann mit seinem Schirm ist. Nebenbei erfahren wir, woher der Pinguin seine Schirm-Manie hat: Seine tyrannische Mutter ließ ihn als Kind nicht ohne aus dem Haus gehen, auch wenn die Sonne schien – man könne nie wissen, wann es als nächstes regnet. Deswegen wurde der kleine Oswald gehänselt.

Der Pinguin hat Batman zwar nicht viel entgegenzusetzen, aber dafür kluge Worte: Batman kann ihn auch nicht mit einer Tonaufzeichnung hinter Gitter bringen, denn da er selbst anonym bleibt und vor Gericht nicht aussagen kann, ist das Beweismittel nichts wert. Trotzdem: Den Falken kriegt der Pinguin nicht. Immerhin da trickst Batman ihn aus …

>> Liste der Pinguin-Comics