Poison Ivy und der Smaragdschädel

DC Comics

„Let the green revolution begin!“ (Poison Ivy)

Im Jahr 1997 bekamen die Annuals ein gemeinsames Rahmenkonzept verpasst: Unter dem Label Pulp Heroes wurden die DC-Superhelden in die Genres der Groschenromane gesteckt, also gewissermaßen zu ihren Ursprüngen zurückgeführt. „I Was The Love-Slave of a Plant-Based Killer“ von Alan Grant und Stefano Raffaele (Shadow of the Bat Annual #5) ist eine typische Detektivstory: Ein abgehalfterter Privatschnüffler namens Potato (der seinen Namen seinem vernarbten Gesicht zu verdanken hat) bekommt Besuch von Pamela Isley alias Poison Ivy, die ihm den Auftrag gibt, nach einem antiken Smaragdschädel zu suchen. Eintausend Dollar pro Woche überzeugen ihn, da braucht es keinen giftigen Kuss mehr, aber er bekommt ihn trotzdem.

Natürlich erweist sich die Dame als Femme fatale, denn der Kristallschädel bringt nur Ärger und bringt unseren Helden in Todesgefahr, aus der ihn Batman retten muss. Als Ivy ihren Schädel kriegt, stellt sich heraus, dass er Zauberkräfte hat. Mit ihm erschafft die Schurkin ihre typischen Mensch-Pflanzen-Hybride, um die Welt, wie wir sie kennen, zu zerstören und nach eigenem Bilde wiederaufzubauen.

All das ist nicht neu, das gab es schon ohne Zauberkristall, aber eben noch nicht im Hardboiled-Pulp-Genre. Obwohl kaum ein Klischee ausgelassen wird, gibt es doch einige schöne Momente. Zum Beispiel ruft der Held Batman, indem er sich ein Batsignal mit einer Taschenlampe bastelt und es an eine beliebige Hauswand wirft – der Trick funktioniert, Batman eilt sofort herbei.

DC Comics

In  „The Screams of the Green Dragon“ (Batman Annual #21) bekommt es Batman mit einem Schurken aus Chinatown zu tun: ein Drogendealer namens. Allerdings vergehen bis dahin 19 Seiten. Vorher sehen wir, wie der Schurke tibetische Mönche mit ihren Blashörnern entführt, um damit eine Schallkanone zu bauen und einen Konkurrenten zu ermorden. Anscheinend reichen Schusswaffen oder Sprengstoff dafür nicht aus. Zwischendurch kämpft Batman gegen zwei Yetis (Tulpas) und beim Showdown in Tibet gibt es einen Heißluftballon in Drachenform. Auch Autor Doug Moench reiht Klischees über Klischees aneinander, ohne für seine Story zu begeistern, aber immerhin wunderbare Zeichnungen und Layouts von Meister J.H. Williams III.

In „Warrior Breed“ (Detective Comics Annual #10, 1997) wird (wieder einmal) Lucius Fox entführt. Diesmal von Guerillas in einem lateinamerikanischen Land. Bruce Wayne will das Lösegeld zahlen, doch ein Sicherheitsmensch will Fox auf eigene Faust rausholen. Batman greift ein und rettet den Tag. Chuck Dixon liefert hier Story-Stangenware.

In „I Am A Gun“ (Legends of the Dark Knight Annual #7, 1997) ermittelt Batman, nachdem bei Wayne Enterprises ein Mann durchs Glasdach gekracht ist. Die Spur führt zu einem Flugplatz, wo sich Bruce als Mechaniker ausgibt und herausfindet, dass es um einen Schatz geht, den ein US-Soldat aus dem Ersten Weltkrieg heimgebracht hat. Am Ende gibt es ein kleines Finale mit Flugzeugstunts – sonst ist das Ganze aber ziemlich öde.

Am Ende fragt man sich, was dieser „Pulp Heroes“-Titel überhaupt soll. All diese Geschichten spielen in der Gegenwart und kämen auch gut ohne das Label aus. Abgesehen von einigen typischen Motiven aus Groschenromanen ist hier nichts anders als sonst. Denn natürlich sind Superhelden auch eine Form von „Pulp Fiction“.

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Ein Kommentar

  1. Yeah, sehr cool. Ich finde insbesondere die kultigen Cover extrem gelungen, da keimte in mir sofort der „instant buy“ reflex auf, als ich die guten Stücke zum ersten Mal sah 😀

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