Autor/Zeichner: Jeff Lemire/Dustin Nguyen
Erschienen: 2025 (Miniserie #1-3), Hardcover 2025
„I’ll never be scared again. I’ll never get hurt again.“ (Jason Todd)
Nachdem Jeff Lemire und Dustin Nguyen sich in Robin & Batman (2021-2022) Dick Graysons Anfängen gewidmet haben, folgt nun ein Pendant mit Robin II, Jason Todd, in gleicher Manier. Ein schwieriger Robin, nicht nur wegen seiner Persönlichkeit, sondern auch weil es zwei verschiedene Origins gibt. Zunächst war er bloß eine Dick-Grayson-Kopie, ein Zirkusartist, dessen Eltern von Killer Croc ermordet wurden. Später war er ein Straßenkind, das Radkappen vom Batmobil stahl.
Doch da Killer Croc bereits bei Dick Grayson hinzugedichtet wurde (naheliegend wegen der gemeinsamen Zirkusvergangenheit), fällt diese Option bei Jason weg. Statt aber von Two-Face zu erzählen, denkt sich Autor Jeff Lemire einen neuen Schurken aus: Wraith (Kevin Gilroy), ein maskierter Killer, der nicht nur an den Reaper erinnert, sondern auch an viele andere, die sich Batman zum Vorbild nehmen, aber finden, dass er nicht weit genug geht – weshalb sie über Leichen gehen. (Im Grunde eine Art Punisher.)
Angry young Jason kommt das sehr entgegen und er schließt sich Wraith an, auch weil er gegen die Drogendealer vorgeht, die Jasons eigene Mutter auf dem Gewissen haben. Sie ist als Junkie an einer Überdosis von „Reaper Red“ gestorben. Batman hinterfragt – mal wieder – seine Entscheidung für Robin. Das Misstrauen macht die Beziehung nicht besser. Dick Grayson schaut als Nightwing vorbei, um den Mentor zu spielen und einige Doppel-Splash-Pages dem Team-up zu widmen. Dann aber sieht Robin rot …
Altbekanntes im vertrauten Gewand
Die Motive sind allzu vertraut und es wird hier auch – trotz neuer Gesichter – nicht viel Neues geboten, außer dass Jason hier verängstigt und wütend ist – aber so kennen wir ihn auch seit seiner Auferstehung als Red Hood. Dustin Nguyen hat sogar die Frechheit, auf einer Splash Page Frank Millers The Dark Knight Returns zu zitieren – aber in diese Nähe möchte man weder den Antagonisten noch die Story stellen. Der Schurke bleibt eindimensional und dient im Grunde nur als abschreckendes Beispiel für das, was aus Jason mal werden könnte, wenn er aus seiner schwierigen Vergangenheit ebenfalls die falschen Schlüsse zieht. Und wir wissen: Er wird als Red Hood selbst mal zu einem mörderischen Rächer.
Man liest den Comic trotzdem gern wegen Dustin Nguyens atemberaubenden Wasserfarben, die er über seine skizzenhaften Bleistiftzeichnungen legt. Das hinterlässt einen sehr organischen Eindruck, besonders weil sogar die Struktur des groben Papiers auf jeder Seite sichtbar ist. Durch solche Effekte werden selbst die albernen bunten Kostüme und routinierten Plots auf ein höheres Niveau gehoben. Die Kunstwelt wird durch die ausgestellte Künstlichkeit bzw. Gemachtheit paradoxerweise glaubwürdiger.
Wer also mal einen etwas anderen Jason Todd erleben möchte, sollte zu dieser Lektüre greifen. Vielleicht wird man ja sogar mit ihm versöhnt.
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