Brian Stelfreeze

Joker lässt Batman hoffen

DC Comics

Titel: Fool’s Errand

Autor/Zeichner: Chuck Dixon/Brian Stelfreeze

Erschienen: 1998 (Detective Comics #726), Hardcover 2015 (Joker: A Celebration of 75 Years)


Nach dem Beben von Gotham wird ein Mädchen entführt. Batman befragt den Joker, denn der hat seine Zelle in Arkham neben dem mutmaßlichen Täter gehabt. Es ist der Jahrestag des Mordes an Jason Todd (Robin II). Da Batman weiß, dass er aus dem Joker nichts herausprügeln kann, lässt er sich auf das alte Hannibal-Lecter-Spiel „Quid pro quo“ ein: Er erzählt ihm was, der Joker revanchiert sich.

Es stellt sich heraus, dass der Joker den Täter dazu gebracht hat, seine eigene Mutter zu töten. Das bedeutet: Der Joker ist so mächtig, dass er von seiner Zelle aus töten kann, indem er andere beeinflusst. Kaum hat Batman das anerkannt, gibt der Joker den Auftenhaltsort des entführten Mädchens preis. Es liegt im Kofferraum eines Autos. In einer waghalsigen Rettungsaktion legt sich Batman mit einem Haufen schießwütiger Gangster an, um das Kind zu befreien …

Das Besondere an der Geschichte: Dialog und Action werden parallel auf jeweils gegenüberliegenden Seiten erzählt. Dadurch wird zusätzliche Spannung aufgebaut. Die Pointe: Der Joker hat Batman nur deshalb den Gefallen getan, um ihn künftig in solchen Situationen mit der falschen Hoffnung zu nähren, er könnte noch ein Leben retten. Sonst gehe Batman nämlich davon aus, dass das Opfer bereits tot sei. Der Joker kennt seinen Gegenspieler so gut, dass er weiß, wo seine wunden Punkte liegen.

Damit ist „Fool’s Errand“ nicht ganz so banal, wie es auf den ersten Blick scheint. Es ist eine kleine, aber feine, raffinierte Kurzgeschichte, das dem altbekannten Verhältnis noch eine neue Seite abgewinnen kann.

>> Liste der Joker-Comics

Coverwahn #9

Nun, da auch Jim Lee sein Cover für Dark Knight III: The Master Race #1 auf Twitter veröffentlicht hat, dürfte die Variant-Flut (vorerst) beendet sein. Der Meisterzeichner (Hush, All-Star Batman) hat leider eines der gängisten Motive und damit eine starke Hommage an The Dark Knight Returns gewählt: Batman und Robin Carrie Kelley. Der Dunkle Ritter ist verletzt nach dem Kampf mit dem Joker, Robin stützt ihn. Es ist ein ausdrucksstarkes Bild, wie üblich bei Jim Lee detailreich und sensibel gezeichnet. Dagegen wirkt das Joker-Gemetzel von John Romita Jr. plump, subtiler hat das Dale Keown gelöst, indem er den Joker bloß mit dem grünen Haarschopf andeutet. Aber auch sein Cover hinterlässt keinen großen Eindruck. Es wirkt einfach zu glatt.

Das Gegenteil davon bildet das Werk Kevin Eastman: In seinem expressionistisch-holzschnitthaften Stil stellt er einen klobigen Batman kopfüber an einem Wasserspeier dar, unter ihm Gotham – der Abgrund. Marc Silvestri inszeniert Batman grazil beim Sprung vom Panzer, als es in den Kampf mit dem Mutanten-Anführer geht. Das Bild hat etwas Anmutiges und Martialisches zugleich.

Schließlich wird noch zweimal Robin geboten: Bei Amanda Conner steht Carrie Kelley im Vordergrund, die unbeschwert mit ihrer Zwille in Richtung Betrachter zielt. Batman legt hier bloß väterlich seine schwere Hand auf Robins Schulter, anders als bei Jim Lee ist der Held hier Beschützer statt Beschützter. Insofern ergänzen sich die Bilder sehr gut. Das Beste kommt aber zum Schluss: Auch Brian Stelfreeze hat Robin gewählt, auch mit Zwille, aber sie zielt auf eine Figur, die bloß als Schatten auf sie fällt: Superman. Das kleine Mädchen lehnt sich mit ihrer harmlosen Waffe gegen den Unbesiegbaren auf. Mensch gegen Übermensch. Eine wunderbar subtile Darstellung des Themas. Eine wahre Offenbarung. Danke dafür.

>> Hier die bisherigen Variant-Cover-Galerien zu DK III.